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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Homosexualität - Wie gehen andere Eltern damit um?



magbri
21.07.2007, 10:44
Vor einem Jahr hatte unser Sohn (18) sein Coming-Out. Aufgrund seines Verhaltens hatten wir uns schon seit Jahren mit dem Gedanken beschäftigt, dass er schwul sein könnte und trotzdem war es in dem Moment, in dem er es aussprach, ein Schlag in den Magen.

Nein, nein, jetzt bitte keine Buhrufe, man erkennt wohl an dem frühen Zeitpunkt seines Coming-Outs, dass unser Sohn ganz sicher wusste, dass wir ihn so annehmen würden, wie er ist. Ich habe auch keine Lust hier irgendwelche Toleranzäußerungen Homosexuellen gegenüber aufzulisten.

Mir geht es um das Gefühl der Eltern, nicht um das der Kinder, denn unser Sohn geht vollkommen entspannt und offen mit seinem Schwulsein um. Und trotzdem habe ich das Gefühl einen Trauerprozess durchmachen zu müssen
- Bewusstes Abschiednehmen von Träumen für ihn (obwohl ich mit Sicherheit keine Gluckenmutter bin),
- Ängste, die ich um ihn habe, aufgrund von Diskriminierung o.ä.

Besser kann ich es noch nicht ausdrücken, es ist noch wie ein Wust in mir, der sich nicht auflösen kann. :wie?:

Irgendjemand da, der das versteht?
Magbri

Kobold
21.07.2007, 12:49
Hi!

naja........ähm..verstehen will ich jetzt nicht sagen, meine Ki sind erst 10

Aber es gab einige, die mcih drauf ansprachen, das mein Sohn wohl eine leichte schwule Ader hat.
Ich selbst bin lesbisch und wir kommen damit gut klar, ichhätte aber ganz ehlrich gesagt ein gr Problem, wenn eins meiner Ki schwul oder lesbishc wären.
Ich hätte einfach viel zu gerne Enkelkinder und das ist echt der einzige Grund, warum es mich umhauen würde, wären sie Homos.
Weil, vor Beziehungsstreß kann ich so oder so nicht bewahren, weder in ner Hetero noch in ner Homobeziehung.
Aber ich würde sie trotzdem unterstützen.

Dir wünsche ich aber viel Kraft und unterstützde deinen Sohn!!!
Ich weiss noch, wie es bei mir war, mir stand keiner zur Seite.
Habe geheiratet ect.....das volle Programm und gelitten wie ein Hund.

magbri
22.07.2007, 10:21
Danke, da komme ich mir doch gleich nicht mehr so blöd vor, mit meinem Gefühlswust.:smile:

maxima8
22.07.2007, 12:01
Vor einem Jahr hatte unser Sohn (18) sein Coming-Out. Aufgrund seines Verhaltens hatten wir uns schon seit Jahren mit dem Gedanken beschäftigt, dass er schwul sein könnte und trotzdem war es in dem Moment, in dem er es aussprach, ein Schlag in den Magen.

Nein, nein, jetzt bitte keine Buhrufe, man erkennt wohl an dem frühen Zeitpunkt seines Coming-Outs, dass unser Sohn ganz sicher wusste, dass wir ihn so annehmen würden, wie er ist. Ich habe auch keine Lust hier irgendwelche Toleranzäußerungen Homosexuellen gegenüber aufzulisten.

Mir geht es um das Gefühl der Eltern, nicht um das der Kinder, denn unser Sohn geht vollkommen entspannt und offen mit seinem Schwulsein um. Und trotzdem habe ich das Gefühl einen Trauerprozess durchmachen zu müssen
- Bewusstes Abschiednehmen von Träumen für ihn (obwohl ich mit Sicherheit keine Gluckenmutter bin),
- Ängste, die ich um ihn habe, aufgrund von Diskriminierung o.ä.

Besser kann ich es noch nicht ausdrücken, es ist noch wie ein Wust in mir, der sich nicht auflösen kann. :wie?:

Irgendjemand da, der das versteht?
Magbri Abschied von Träumen für Dich oder für ihn?

Das Wichtigste scheint mir im Leben die Freiheit zu sein, die Menschen zu lieben, die man möchte. Worum sollte man da trauern, wenn ein Mensch sich entschließt diesen Weg einzuschlagen.

Was für eine bittere und traurige Vorstellung, wenn ein Mensch sich im Leben Anerkennung dadurch erschleicht, dass er sein Leben nicht lebt und sich am Ende eingestehen muss, dass er sich niemals erlaubt hat, wirklich zu lieben.

Sich erst mit 18 zu outen ist keinesfalls früh und hat durchaus etwas damit zu tun, dass man Befürchtungen hegt, gegen seine Umwelt und seine Familie. Und Toleranz ist immer noch etwas anderes wie gleichberechtigtes annehmen und aufklären. Und davon ist diese Gesellschaft noch elendig weit entfernt.

Allein, dass selbst homosexuelle Eltern ein großes Problem mit schwulen Kindern haben, zeigt was für Ressentiments noch in den Köpfen stecken. Heteros kriegen heute auch nicht automatisch später Kinder und homosexuelle Pärchen bekommen sie dafür immer öfter.
Was man da schon für einen unglaublichen Druck auf die Kinder projeziert. Und am Ende auch noch denkt, man würde Kinder offen erziehen.

Inaktiver User
22.07.2007, 13:34
Es gibt auch Selbsthilfegruppen.
Die Eltern eines schwulen Freundes sind dort, er meint, das habe das gegenseitige Verhältnis sehr entspannt.

http://www.befah.de/ scheint der Dachverband solcher Initiativen zu sein. Vielleicht findest du/findet ihr auch einige austauschbereite Eltern, entweder real oder online?

magbri
22.07.2007, 14:59
@:m axima

Abschied von Träumen meinerseits. Seine Träume soll er natürlich leben, darüber möchte ich gar nicht diskutieren. Mein Sohn soll sein Leben leben und es ist mir nichts wichtiger, als dass er dies mit einer Selbstverständlickeit tut, wie jeder Hetero auch - wenn er sie denn hat.
Das Wichtigste scheint mir im Leben die Freiheit zu sein, die Menschen zu lieben, die man möchte. Das sehe ich genauso und wie durch sein Outing unschwer zu erkennen, meint er sich keine Anerkennung unsererseits erschleichen zu müssen, dadurch, dass er sich irgendwie anpasst, denn das tut er nicht und soll er auch gar nicht.
Geoutet hat er sich mit knapp siebzehn und dass ist meiner Meinung nach sehr früh, da er sich ja selbst erst einmal ganz klar sein wollte, was er wirklich fühlt.
Es geht gar nicht darum, dass wir irgendwelche Vorstellungen auf ihn projiziert hätten, denn dann hätte er
heute eine Freundin anstatt einen Freund. In meinem Anliegen ging es schlicht darum ehrlich zuzugeben, dass bei aller Liebe zu ihm auch ein Stück Trauer zu bewältigen ist und ich mir wünsche jemanden zu finden, der auf diesem Weg bereits ein Stück weiter ist als ich.
Für mich als Mutter geht er nämlich einen Weg, der in unserer Gesellschaft ein ganzes Stück steiniger ist, als für Heteros - wer wünscht das seinem Kind?. Und dass Mann/Frau gewisse Wunschvorstellungen von einem glücklichen Leben für seine Kinder, zumindest irgendwo im Hinterkopf hat, halte ich für ganz normal. Dass heißt noch lange nicht, dass ich sie ihnen aufzwinge.
Außerdem denke ich, gerade weil wir uns sehr mit seinem - frei gewählten - Weg beschäftigen, machen wir ihm deutlich, wie wichtig er für uns ist, genauso wie er ist.

Inaktiver User
22.07.2007, 15:01
Ich weiß wie ich damit umgehen würde:
Ich freue mich schon darauf, vielleich bald mal einen Freund/Freundin meiner Töchter kennen zu lernen. Aktuell tut sich da noch nichts, sie sind noch "brav" :zwinker:

Nun, ich weiß daß sie beide, zumindst jetzt noch :zwinker: , auf Jungs stehen (aber auch ihre Freundinnen lieben :freches grinsen: und schon mal küssen üben *gg*)

Aber: Ich hatte, solange ich zurück denken kann, immer schon beide Geschlechter als Partner meiner Töchter im Kopf, für mich ist es keine Frage daß sie, Liebesbeziehungen betreffend, sowohl männl. Freund als auch weibl. Freundin haben und eben lesbisch, bi oder hetero sein könnten.

Es wird einfach so wie es wird, da würde für mich kein kompliziertes Coming out nötig.

:blumengabe:

magbri
22.07.2007, 15:03
@ Tanguera

Vielen Dank. Das scheint genau die richtige Adresse zu sein - obwohl das Verhältnis zwischen uns und unserem Sohn sehr entspannt ist:smirksmile:

magbri
22.07.2007, 15:04
@ Verliebte

Komisch, genau das dachte ich auch...

Inaktiver User
22.07.2007, 18:09
@ Verliebte

Komisch, genau das dachte ich auch...

...und jetzt da du in der Situation bist, mit einem homosexuellen Sohn, ist es anders?

Natürlich, Angst hätte ich auch wegen Diskriminierung von anderen Seiten aber man kann doch das Kind stärken, zeigen, daß man immer für d.Sohn/Tochter da ist.

Und sicher ist es kein Problem ein "normales" (das "normal" schreibe ich jetzt nur weil es am Einfachsten ist, es stellt keinesfalls eine Wertung dar) Kind zu haben, als Tochtermutter mal einen Schwiegersohn und ein hübsches Enkelkind zu bekommen und Friede-Freude-Eierkuchen und die Verwandtschaft freut sich auch......

Aber: Wenn sie wollten, die Verwandten und alle die uns im Falle von Homosexualität in der Familie meiden, schneiden und verachten würden, dann könnten sie auch einen völligen Bruch mit uns haben, ich würde keinem dieser Menschenverachter eine Träne nachweinen, wenn wir sie aus den Augen verlören.


:blumengabe:

Inaktiver User
22.07.2007, 18:15
Aber: Wenn sie wollten, die Verwandten und alle die uns im Falle von Homosexualität in der Familie meiden, schneiden und verachten würden, dann könnten sie auch einen völligen Bruch mit uns haben, ich würde keinem dieser Menschenverachter eine Träne nachweinen, wenn wir sie aus den Augen verlören.

Darum geht es doch gar nicht.

Sondern darum, dass magbri merkt, dass sie da doch "Trauer", eine "Schrecksekunde" oder ähnliches hat, obwohl sie das rational nicht begründen kann, das auch nicht verteidigt und auch nicht verteidigen möchte, und natürlich möchte, dass es ihrem Sohn gut geht.

Und da finde ich gut, dass sie zu diesen Gefühlen steht, das diskutiert und schauen möchte, was da eigentlich in ihr vorgeht. Denn nur so kann sie doch ein wirklich unbefangenes und unbeschwertes Verhältnis dazu bekommen - nicht indem sie denkt, dass das doch nicht sein kann und darf - und deshalb verdrängt.

Gruß, Leonie

magbri
22.07.2007, 19:35
@ Verliebte

Ich habe das Gefühl sehr viel Wut aus deinem Statement herauszuhören. Nicht auf mich persönlich, aber "auf (alle) diese Menschenverachter" und das kann ich sehr gut verstehen.
Aber, wie Leonie noch einmal zusammenfasst: Es geht nicht darum, dass unser Sohn durch seine Homosexualität von der Familie geschnitten würde, weder von seiner Kernfamilie, noch von der weiteren Verwandschaft.
Natürlich ist mir völlig klar, dass diese Vorstellung einer "normalen" (ich nutze ebenfalls die Klammern) Familie eine heile Welt Vorstellung ist, die allein durch eine hohe Scheidungsrate widerlegt ist.
Durch das Outing meines Sohnes erschließt sich für mich eine völlig neue Welt, die ich in keiner Weise verachte, die ich bisher aber auch nicht kennengelernt habe. Und eine völlig neue Welt lässt einen nicht nur über die alte trauern, sondern entfacht auch Ängste, selbst wenn man interessiert daran ist und sich mit ganzem Herzen darauf einlassen möchte.
Es ist doch gerade das, dass ich nicht nur oberflächlich akzeptieren möchte, dass mein Sohn homosexuell ist. Ich möchte auch weiterhin mit ihm mitfühlen und ihn verstehen können und das ist sehr schwer, wenn man diesbezüglich keinerlei Lebenserfahrungen hat.
:blumengabe:

magbri
22.07.2007, 19:36
@Leonie 60

Du sprichst mir aus dem Herzen. :smile:

Inaktiver User
22.07.2007, 20:57
Klar, magbri, aber bekommst du nicht von ihm die Gelegenheit, dir zeigen zu lassen, was ihn bewegt, hinein zu sehen in seine Welt?

Nur offen sein mußt du dafür.

:blumengabe:

maxima8
22.07.2007, 22:49
@:m axima

Abschied von Träumen meinerseits. Seine Träume soll er natürlich leben, darüber möchte ich gar nicht diskutieren. Mein Sohn soll sein Leben leben und es ist mir nichts wichtiger, als dass er dies mit einer Selbstverständlickeit tut, wie jeder Hetero auch - wenn er sie denn hat.
Das Wichtigste scheint mir im Leben die Freiheit zu sein, die Menschen zu lieben, die man möchte. Das sehe ich genauso und wie durch sein Outing unschwer zu erkennen, meint er sich keine Anerkennung unsererseits erschleichen zu müssen, dadurch, dass er sich irgendwie anpasst, denn das tut er nicht und soll er auch gar nicht.
Geoutet hat er sich mit knapp siebzehn und dass ist meiner Meinung nach sehr früh, da er sich ja selbst erst einmal ganz klar sein wollte, was er wirklich fühlt.
Es geht gar nicht darum, dass wir irgendwelche Vorstellungen auf ihn projiziert hätten, denn dann hätte er
heute eine Freundin anstatt einen Freund. In meinem Anliegen ging es schlicht darum ehrlich zuzugeben, dass bei aller Liebe zu ihm auch ein Stück Trauer zu bewältigen ist und ich mir wünsche jemanden zu finden, der auf diesem Weg bereits ein Stück weiter ist als ich.
Für mich als Mutter geht er nämlich einen Weg, der in unserer Gesellschaft ein ganzes Stück steiniger ist, als für Heteros - wer wünscht das seinem Kind?. Und dass Mann/Frau gewisse Wunschvorstellungen von einem glücklichen Leben für seine Kinder, zumindest irgendwo im Hinterkopf hat, halte ich für ganz normal. Dass heißt noch lange nicht, dass ich sie ihnen aufzwinge.
Außerdem denke ich, gerade weil wir uns sehr mit seinem - frei gewählten - Weg beschäftigen, machen wir ihm deutlich, wie wichtig er für uns ist, genauso wie er ist.
Zum einen finde ich es gut, dass Du nicht so tust, als wäre von Deiner Seite aus alles vollkommen in Ordnung, und wenn irgendwelche Zweifel aufkommen, dann nur von Seiten des Jungen.
Homosexualität ist so absolut normal wie Heterosexualität, aber wirklich in den Köpfen wird das erst in weißderteufelwieviel Jahren sein. Selbst viele Homosexuelle klären ihre Kinder nicht geschlechtsneutral auf. In einer Welt wie unserer kommt niemand ohne Resentiments aus. Vorurteile stecken in allen. Und damit meine ich ausnahmslos alle. Und dementsprechend können wir auch nicht alles vergessen, was man uns über Jahrzehnte eingetrichtert hat.

Unsinnig ist es nur, wenn man sich hin stellt und meint, man hätte seinem Kind immer alle Optionen offen gelassen und es hätte sich wirklich frei und ohne Druck entscheiden können.
Kinder wissen oft schon sehr viel früher über ihre Liebe bescheid, aber sie spüren auch kleinste Abweisungen in Gesten oder belanglosen Gesprächen. Und vor allem auch in dem was NICHT gesagt wird. Nämlich von klein auf, dass man sich in jedes Geschlecht verlieben kann. Und es gibt nicht wenige, die sich lieber in sich selbst verstecken, ohne von sich zu wissen, nur, um nicht mit dieser Abweisung zurecht kommen zu müssen.

Das bedeutet, dass Dein Sohn natürlich auch schon durch einen für ihn schweren Findungsprozess gegen die unausgesprochenen Gesetzte in Eurer scheinbar so offenen Familie gegangen ist.
Und das ist fast immer der Schlimmste im Leben. Wenn er das gut überstanden hat, ist das schon mehr als die halbe Miete.

Für Deinen Sohn musst Du nicht trauern. Er ist in einer Zeit aufgewachsen, die vieles möglich macht. Er wird keinen Deut unglücklicher sein als seine Hetenfreunde. Vielleicht sogar glücklicher. Er wird vielleicht immer noch nicht Vorstand bei BMW werden können, aber wer will das schon. Soll er halt zu West gehen. Wenn er es schafft wahrhaftig zu bleiben und sich nicht zu verstecken – und dazu sind die Voraussetzungen gut, wenn die Familie wirklich hinter ihm steht – dann hat er ein klasse Leben vor sich. Und das wirst Du auch irgendwann noch feststellen. Na ja, und dann musst Du ihn auch nicht mit einer Schwiegertochter teilen, was, will man allen Schauermärchen glauben, doch ein absolutes Highlight ist. Du wirst also immer die tollste Frau in seinem Leben bleiben. Was will eine Mutter mehr.

twiggy123
23.07.2007, 00:11
Hi!

Ich hätte einfach viel zu gerne Enkelkinder und das ist echt der einzige Grund, warum es mich umhauen würde, wären sie Homos.

Ziemlich egoistisch, findest du nicht?
Aber davon abgesehen, was spricht denn dagegen, dass nicht auch homosexuelle Kinder für Enkelkinder sorgen können? :smirksmile:
Aber dennoch bleibt es in erster Linie die Entscheidung der Kinder, ob sie auch Kinder haben wollen und das sollte man akzeptieren, egal, wie sie sich entscheiden. Abgesehen davon ist die Realisierung des Wunsches nach Enkelkindern auch bei Heterokindern nicht unbedingt garantiert.

magbri
23.07.2007, 08:25
@ :m axima

Unsinnig ist es nur, wenn man sich hin stellt und meint, man hätte seinem Kind immer alle Optionen offen gelassen und es hätte sich wirklich frei und ohne Druck entscheiden können.

Da hast du völlig Recht. Allerdings gilt dies nicht nur für den Bereich der Sexualität. Die Regeln in einer Familie versucht jedes Kind zu befolgen, selbst wenn man sich bemüht dem Kind diesbezüglich Freiheiten zu lassen. Wie viele Menschen leben wirklich so wie sie wollen und wie viele beugen sich den gesellschaftlichen Normen - unabhängig ihrer Sexualität. Auch als Hetero kannst du die Erfahrung machen, ausgegrenzt zu werden, misstrauisch beäugt zu werden, weil du nicht ins Schema passt, dass kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen. Vielleicht tut es mir deshalb besonders weh, dass mein Sohn einen ähnlich schweren Weg gehen wird.

Ich trauere in keiner Weise um meinen Sohn, weil er ja immer mein Sohn bleiben wird, außerdem bin ich schon immer besser mit Männern klargekommen, als mit irgendwelchen "Girlies" :zwinker:

- dieses Gefühl in mir lässt sich einfach nicht erklären, was wohl daran liegt, dass es nicht über den Kopf läuft.
Weißt du, was mir jetzt gerade aufgeht? Vielleicht ist es einfach wieder dieses Gefühl allein zu sein. Im Verwandten- und Freundeskreis hat zwar jeder Verständnis, aber es versteht wieder einmal keiner so richtig, was wirklich in mir vor geht. Deshalb war die Homepage der Selbsthilfegruppe ein guter Hinweis, einfach um einmal andere Erfahrungsberichte zu lesen und festzustellen, aha, da geht es anderen Leuten so wie dir (ob das so ist, werde ich erst noch erlesen müssen, aber ich hoffe es)

:blumengabe:

Inaktiver User
23.07.2007, 10:55
magbri,
ich kann Dir nichts aus der Elternsicht raten, aber ich kann Dir sagen, dass Dein Sohn sich glücklich schätzen kann, Dich als Mutter zu haben. Mir selbst (39) ist ein Elternhaus, in dem man sich so viele Gedanken um den anderen macht, leider nicht vergönnt.

Sicherlich ist es auch heutzutage noch alles andere als selbstverständlich und leicht, als homosexueller Mensch zu leben. Es gibt wohl in jedem Leben diese Situationen, in denen man kämpfen muss für die eigene Identität.

Aber mache nicht den Fehler zu glauben, Deinem Sohn sei aufgrund der Tatsache, dass er sich in Männer verliebt, nun ein steiniger, entbehrungsreicher Leidensweg beschieden. Das wäre blanker Unsinn.

Ich kenne persönlich viele Homosexuelle beiderlei Geschlechts, die von sich sagen, dass ihre Umwelt es ihnen immer leicht gemacht hat, sie selbst zu sein. Für mich selbst gilt das ebenfalls, ich lebe aber auch erst seit wenigen Jahren homosexuell.

Ich wünsche Deinem Sohn und Dir, dass seine Liebe zu Männern für ihn immer ein Aspekt seines Lebens sein wird, der frei und leicht sein wird.

magbri
23.07.2007, 11:52
@Mediterranee

Tut mir gut, danke.

Kobold
23.07.2007, 16:55
Ziemlich egoistisch, findest du nicht?
Aber davon abgesehen, was spricht denn dagegen, dass nicht auch homosexuelle Kinder für Enkelkinder sorgen können? :smirksmile:
Aber dennoch bleibt es in erster Linie die Entscheidung der Kinder, ob sie auch Kinder haben wollen und das sollte man akzeptieren, egal, wie sie sich entscheiden. Abgesehen davon ist die Realisierung des Wunsches nach Enkelkindern auch bei Heterokindern nicht unbedingt garantiert.

Ich weiss, das es egoistisch ist.:zwinker:
Werde mich, egal wie meine Kinder sich eines Tages entscheiden, es hin nehmen müssen, wie alle anderen Eltern es auch akzeptieren müssen.

Nein, Heterosexualität garantiert auch keine Enkelkinder.

Ich bin meinen Weg auch gegangen wie ich ihn wollte u ich werde meinen Ki auch keine Steine in den Weg legen, ich würde nur so für mich alleine etwas trauern.

Inaktiver User
26.07.2007, 08:07
Vor einem Jahr hatte unser Sohn (18) sein Coming-Out. Aufgrund seines Verhaltens hatten wir uns schon seit Jahren mit dem Gedanken beschäftigt, dass er schwul sein könnte und trotzdem war es in dem Moment, in dem er es aussprach, ein Schlag in den Magen.

Nein, nein, jetzt bitte keine Buhrufe, man erkennt wohl an dem frühen Zeitpunkt seines Coming-Outs, dass unser Sohn ganz sicher wusste, dass wir ihn so annehmen würden, wie er ist. Ich habe auch keine Lust hier irgendwelche Toleranzäußerungen Homosexuellen gegenüber aufzulisten.

Mir geht es um das Gefühl der Eltern, nicht um das der Kinder, denn unser Sohn geht vollkommen entspannt und offen mit seinem Schwulsein um. Und trotzdem habe ich das Gefühl einen Trauerprozess durchmachen zu müssen
- Bewusstes Abschiednehmen von Träumen für ihn (obwohl ich mit Sicherheit keine Gluckenmutter bin),
- Ängste, die ich um ihn habe, aufgrund von Diskriminierung o.ä.

Besser kann ich es noch nicht ausdrücken, es ist noch wie ein Wust in mir, der sich nicht auflösen kann. :wie?:

Irgendjemand da, der das versteht?
Magbri

Hallo Magbri,

ich habe zwei Söhne und eine Tochter, mein Ältester ist jetzt 22 und hatte mit 16 Jahren im letzten gemeinsamen Familienurlaub sein Coming- Out. Obwohl ich schon zu einem früheren Zeitpunkt (er war damals 13) bemerkt hatte, dass er möglicherweise homosexuell sein könnte, hat mich sein eigenen Eingeständnis dann schon getroffen. Ich hatte genau die gleichen Gedanken, die du erwähnst. Diese Gedanken sind nichts schlechtes und stehen einem zu. Ehrlicherweise muss ich mir eingestehen, dass ich es jedoch nicht so leicht wie meine Frau verarbeitet habe. Das liegt aber vielleicht einfach in der männlichen Natur.

Als sich dann letztes Jahr mein zweiter Sohn (jetzt 18 Jahre alt) ebenfalls zu seiner Homosexualität bekannte, war ich erstmal wirklich schockiert. Ich habe mich schon gefragt, was bei uns wohl falsch gelaufen sein könnte, aber ich weiss inzwischen, dass es nichts mit unserer Erziehung zu tun hatte. Leicht ist es trotzdem nicht, aber ich lasse die negativen Gedanken, die mich manchmal überkommen, nicht die Oberhand gewinnen.

Unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung liebe ich sie beide über alles.


LG von bujo

Inaktiver User
26.07.2007, 08:46
Ehrlicherweise muss ich mir eingestehen, dass ich es jedoch nicht so leicht wie meine Frau verarbeitet habe. Das liegt aber vielleicht einfach in der männlichen Natur.

Ist es so, dass es Männern bei Söhnen und Frauen bei Töchtern schwerer fällt?

Im Gedankenexperiment wäre das bei mir so, nach dem Motto: Männern kann ich in ihrer Sexualität sowieso nicht wirklich hinterherdenken.

Aber das ist nur ein Gedanke - ich will keine Behauptungen aufstellen.

Gruß, Leonie

maxima8
26.07.2007, 09:59
[/b]

Hallo Magbri,

ich habe zwei Söhne und eine Tochter, mein Ältester ist jetzt 22 und hatte mit 16 Jahren im letzten gemeinsamen Familienurlaub sein Coming- Out. Obwohl ich schon zu einem früheren Zeitpunkt (er war damals 13) bemerkt hatte, dass er möglicherweise homosexuell sein könnte, hat mich sein eigenen Eingeständnis dann schon getroffen. Ich hatte genau die gleichen Gedanken, die du erwähnst. Diese Gedanken sind nichts schlechtes und stehen einem zu. Ehrlicherweise muss ich mir eingestehen, dass ich es jedoch nicht so leicht wie meine Frau verarbeitet habe. Das liegt aber vielleicht einfach in der männlichen Natur.

Als sich dann letztes Jahr mein zweiter Sohn (jetzt 18 Jahre alt) ebenfalls zu seiner Homosexualität bekannte, war ich erstmal wirklich schockiert. Ich habe mich schon gefragt, was bei uns wohl falsch gelaufen sein könnte, aber ich weiss inzwischen, dass es nichts mit unserer Erziehung zu tun hatte. Leicht ist es trotzdem nicht, aber ich lasse die negativen Gedanken, die mich manchmal überkommen, nicht die Oberhand gewinnen.

Unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung liebe ich sie beide über alles.


LG von bujo

Es liegt nicht an irgend einer dubiosen männlichen Natur, wenn ein Outing schlechter verarbeitet wird.
Homosexualität ist ja nichts widernatürliches sondern eine Abgrenzung, die irgend eine Gruppierung zum Ziele der Diskriminierung vorgenommen hat. Wer Kriege führen oder Anhänger vermehren wollte, der konnte keine Leute gebrauchen, die keine Nachkommen zeugen. Ansonsten hätte es niemals irgend ein Geschiss wegen Homosexualität gegeben. Ab- und Ausgrenzung bei Homosexualität sind ausschließlich eine Erfindung der Menschen.

Homosexualität bedeutet zum einen, dass man sich mit der eigenen Homosexualität auseinander setzen muss. Und da können einige auf keinen Fall dran kratzen, denn sonst käme da einiges zu Tage, was sie tief in sich vergraben und für gesellschaftliche Anerkennung geopfert haben.

Und genau diese gesellschaftliche Anerkennung ist auch der wesentliche Punkt, der den meisten am heftigsten zu schaffen macht. Es sind nun mal keine Vorzeigekinder mehr. Keine stolz geschwellte Brust, wenn man Sohnemann, selbst wenn der es zum Artzt geschafft hat, vorzeigen will. Denn unweigerlich kommt dann von der Gegenseite auch die Frage nach der potenten Schwiegertochter, und schwubbs sitzt man in der Falle.
Dann doch lieber alles etwas kleiner halten. Manches ungenannt lassen. Die Kinder werden in manchen Teilen zum kleinen schmutzigen Geheimnis.

Was für ein Verlust, wenn man sich über soziales und gesellschaftliches Prestige definiert und dann das. Und an dieser sozialisierten Front sind Männer noch immer heftiger zu treffen und nicht etwa an der dubiosen männlichen Natur.

Inaktiver User
26.07.2007, 16:50
Hallo maxima 8,

da begebe ich mich auf die persönliche Ebene und schildere meine ureigensten Erfahrungen und von Dir kommt eine Antwort auf der sachlichen Ebene, mit der ich wenig anfangen kann.
Ich weiss nicht, wo du deinen Aufsatz abgeschrieben hast, ich kann jedenfalls dazu nur sagen, dass ich mir beim Coming-Out meiner Söhne über soziales Prestige und anderen Quatsch keine Gedanken gemacht habe. Die Verquickung von Krieg und Nachkommen höre ich heute zum erstenmal, und kann darüber nur belustigt schmunzeln. Die von Dir angeführten Punkte treffen auf uns jedenfalls nicht zu, und obwohl ich nur in einer kleinen Gemeinde lebe ( etwas über 1400 Einwohner) und die Homosexualität meiner Söhne bekannt ist, erfahren wir weder Ausgrenzung noch soziale Ächtung.

Eher im Gegenteil, meine Söhne sind sehr beliebt und haben einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Vor allem verkehren bei uns viele hübsche und nette junge Frauen, nmit denen auch ich mich sehr gut unterhalten kann.

Gruß, bujo

maxima8
26.07.2007, 21:44
Hallo maxima 8,

da begebe ich mich auf die persönliche Ebene und schildere meine ureigensten Erfahrungen und von Dir kommt eine Antwort auf der sachlichen Ebene, mit der ich wenig anfangen kann.
Ich weiss nicht, wo du deinen Aufsatz abgeschrieben hast, ich kann jedenfalls dazu nur sagen, dass ich mir beim Coming-Out meiner Söhne über soziales Prestige und anderen Quatsch keine Gedanken gemacht habe. Die Verquickung von Krieg und Nachkommen höre ich heute zum erstenmal, und kann darüber nur belustigt schmunzeln. Die von Dir angeführten Punkte treffen auf uns jedenfalls nicht zu, und obwohl ich nur in einer kleinen Gemeinde lebe ( etwas über 1400 Einwohner) und die Homosexualität meiner Söhne bekannt ist, erfahren wir weder Ausgrenzung noch soziale Ächtung.

Eher im Gegenteil, meine Söhne sind sehr beliebt und haben einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Vor allem verkehren bei uns viele hübsche und nette junge Frauen, nmit denen auch ich mich sehr gut unterhalten kann.

Gruß, bujo
Himmel, entschuldige. Jetzt hatte ich glatt vergessen, dass Ihr Jungs immer in die Bricom kommt, um eine allzeit verständnisvoll nickende Zuhörerin zu finden, die gebannt an Euren Lippen hängt.

Ich lasse nicht denken, darum kann ich auch nichts abschreiben. Hat aber den großen Vorteil, dass man Dinge erfährt, von denen andere erst mit vierzig zum ersten mal hören.

Spaßig finde ich, dass Du scheinbar das Gefühl hast, Deine Männlichkeit beweisen zu müssen. Da könnte man auch schon wieder was schließen. Aber ich will Dich nicht überfordern.

Nein, ganz bestimmt hast Du Dir keine bewussten Gedanken über gesellschaftliches Prestige gemacht. Blöd ist allerdings, dass sich solche Sozialisierungen nicht darum scheren, ob Du Dir bewusst Gedanken machst. Es sind nun mal Strukturen, die da sind, ohne Dich zu fragen. Und es ist auch völlig wurscht wie klein das Kaff ist, in dem man sich bewegt. Es gibt nun mal kein spezielles Gen, das nur bei Männern auftritt und für seine Homophobie bekannt ist. Also könnte es durchaus sein, dass Dein Problem nicht genetisch sondern gesellschaftlich begründet ist oder in Deiner eigenen Unsicherheit bezüglich Deiner sexuellen Orientierung.
Aber es steht Dir natürlich auch vollkommen frei an ein Männergen zu glauben.

magbri
27.07.2007, 07:54
Hallo bujo,

vielen Dank, dass Du Dich getraut hast, so offen über Deine Empfindungen zu schreiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass das zweite Coming-Out ein richtiger Schock war und dass Du überlegt hast, ob Du nicht etwas falsch gemacht hast. Genau solche Gedanken sind mir natürlich auch durch den Kopf gegangen. Ist etwas falsch gelaufen in der Erziehung? In der Schwangerschaft? Lange Zeit hielt sich die Behauptung, Söhne würden schwul, weil sie unter dominanten Müttern aufwuchsen, davon muss man sich erst einmal frei machen.
Die Generation nach uns hat es da viel einfacher. Die Jugendlichen von heute wachsen doch schon in einer Gesellschaft auf, in der Homosexualität ein Thema ist. In der Generation unserer Eltern ist Homosexualität doch bis heute ein Tabuthema. Sie sind noch in einer Zeit aufgewachsen, in der Homosexuelle in Arbeitslager verfrachtet wurden und unsere Generation wurde durch sie geprägt. Da ist es doch kein Wunder, wenn man sich erschrickt, weil sich plötzlich innerhalb der Familie eine völlig neue Welt auftut.
Ich finde es jedenfalls toll, dass eure beiden Söhne, selbst in so einem kleinen Kaff, offen mit ihrer Sexualität umgehen können.
Und ja, auch bei uns sind natürlich immer viele hübsche Mädchen zu Besuch, aber das sehe ich als Mutter dann doch etwas anders als Du :smirksmile:

Inaktiver User
27.07.2007, 08:00
Erstaunlich was Du alles aus meinem Beitrag herausgelesen hast.

Da ich jedoch hier nicht schreibe um verständnisvoll nickende Zuhörerinnen zu haben, erkläre mir doch bitte, woraus du schliesst, dass ich meine Männlichkeit beweisen müsste.

Ich meine diese Frage wirklich ernst und erwarte auch eine entsprechende Antwort, nicht dass du denkst, ich würde mich über deine ruppige Art ärgern und hier auf Ironie machen.

bujo

Inaktiver User
27.07.2007, 08:21
[QUOTE=magbri]Hallo bujo,

vielen Dank, dass Du Dich getraut hast, so offen über Deine Empfindungen zu schreiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass das zweite Coming-Out ein richtiger Schock war und dass Du überlegt hast, ob Du nicht etwas falsch gemacht hast. Genau solche Gedanken sind mir natürlich auch durch den Kopf gegangen. Ist etwas falsch gelaufen in der Erziehung? In der Schwangerschaft? Lange Zeit hielt sich die Behauptung, Söhne würden schwul, weil sie unter dominanten Müttern aufwuchsen, davon muss man sich erst einmal frei machen.Die Generation nach uns hat es da viel einfacher. Die Jugendlichen von heute wachsen doch schon in einer Gesellschaft auf, in der Homosexualität ein Thema ist. In der Generation unserer Eltern ist Homosexualität doch bis heute ein Tabuthema. Sie sind noch in einer Zeit aufgewachsen, in der Homosexuelle in Arbeitslager verfrachtet wurden und unsere Generation wurde durch sie geprägt. Da ist es doch kein Wunder, wenn man sich erschrickt, weil sich plötzlich innerhalb der Familie eine völlig neue Welt auftut.
Ich finde es jedenfalls toll, dass eure beiden Söhne, selbst in so einem kleinen Kaff, offen mit ihrer Sexualität umgehen können.
Und ja, auch bei uns sind natürlich immer viele hübsche Mädchen zu Besuch, aber das sehe ich als Mutter dann doch etwas anders als Du :smirksmile:[/QUOTE

Hallo magbri,

deinen Ausführungen kann ich mich nur anschliessen, diese Überlegungen mit der Dominanz sind mir auch durch den Kopf gegangen, zumal meine Frau und meine Schwiegermutter (Schwiegereltern wohnen bei uns im Haus) äußerst dominante Menschen sind. Aber das ist sicherlich kein Grund, und es ist auch vollkommen müßig nach Gründen zu suchen. Dass man nach Gründen sucht ist natürlich verständlich, aber eigentlich unnütz.
Es ist einfach so wie es ist.

Ich esse zum Beispiel so gut wie keine Äpfel, weil sie mir einfach nicht schmecken. Jetzt darüber nachzudenken, warum das so ist, wäre doch völlig unnötig.

Noch eine kleine Geschichte zum Abschluss, die maximas gesellschaftlicher These widersprechen. Mein Ältester hatte nicht nur sein privates Coming-Out, nein er brachte es fertig bei seiner Schulabschlussfeier vor einem Publikum von ca. 600 Menschen (anwesend Landrätin, Oberbürgermeister und andere Honorationen) mit Klaus Wowereits Worten auf die Bühne zu gehen, das Mikro zu ergreifen und zu sagen: "Ich bin schwul, und dass ist gut so."
Seine Mitschüler (vor allem die Mädels) johlten und applaudierten entsprechend. Es war schon etwas Halli Galli in der Aula.
Aber die Reaktion der Menschen war nicht negativ, sondern eher verständnisvoll. Viele kamen beim anschliessenden Imbiss auf uns zu und bewunderten seine Courage und zeigten ihr Verständnis für seinen Auftritt.

Tja und mehr schreibe ich hierzu nicht, sonst ist die Anonymität bald beim Teufel.

LG bujo

maxima8
27.07.2007, 12:08
Erstaunlich was Du alles aus meinem Beitrag herausgelesen hast.

Da ich jedoch hier nicht schreibe um verständnisvoll nickende Zuhörerinnen zu haben, erkläre mir doch bitte, woraus du schliesst, dass ich meine Männlichkeit beweisen müsste.

Ich meine diese Frage wirklich ernst und erwarte auch eine entsprechende Antwort, nicht dass du denkst, ich würde mich über deine ruppige Art ärgern und hier auf Ironie machen.

bujo

Vor allem verkehren bei uns viele hübsche und nette junge Frauen, nmit denen auch ich mich sehr gut unterhalten kann. daraus.

Zudem wüsste ich nicht, wie die Akzeptanz Deines Sohnes in Eurem Dorf meiner gesellschaftlichen These widerspricht.

Inaktiver User
27.07.2007, 13:04
Das gehäufte Auftreten junger Frauen ist nun einmal eine Begleiterscheinung bei homosexuellen Männern.
Im speziellen Fall meines Ältesten haben drei dieser Mädels wirklich größere Probleme in ihrer Familie, und da sind meine Frau und ich auch teilweise als Elternersatz aufgetreten.

Das hat mit meiner Männlichkeit nicht das geringste zu tun. Aber vielen Dank für deine Antwort, ich dachte schon, ich müsste mir ernsthaft Sorgen machen.

Gruß bujo

maxima8
27.07.2007, 13:34
Das gehäufte Auftreten junger Frauen ist nun einmal eine Begleiterscheinung bei homosexuellen Männern.
Ah, Deine Theorien werden immer spannender. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Das GEHÄUFTE Auftreten JUNGER FRAUEN.
Ja, es ist ein ganz besonderer Bestandteil des Schwulseins, dass immer ein Haufen junger Frauen um sie herum auftreten. Aufploppen sozusagen. Ich bin Dir so dankbar für Deine erkenntnistheoretischen Ausführungen.



Das hat mit meiner Männlichkeit nicht das geringste zu tun. Einen völlig überflüssigen Satz einfließen zu lassen, der beweisen soll, dass Du ja richtig geraten bist, und es keinesfalls an Dir liegen kann, hat sehr wohl etwas mit Deiner definition von Männlichkeit zu tun.

Inaktiver User
27.07.2007, 15:35
Maxima,

was ist dir eigentlich schlimmes in deinem Leben widerfahren, dass du so hart und bösartig reagierst. Wenn du darüber sprechen möchtest, dann darfst du mich gerne über pn kontaktieren.

Eigentlich habe ich mit meinen Beiträgen auf magbris ursprüngliche Frage geantwortet. Was ich geschrieben habe, war nun einmal gelebte und erfahrene Praxis. Ich hoffe, dass es auch für magbri hilfreich war und mehr wollte ich auch gar nicht.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dich irgendwo persönlich angegriffen hätte. Deshalb war ich über deine Ausdrucksweise schon etwas verwundert. Inzwischen habe ich mir andere Beiträge von Dir angesehen, und bemerkt, dass dies bei dir Masche ist. Nun bin ich wieder beruhigt, denn ich dachte schon, ich wäre dir irgendwie auf die Füße getreten oder zu nahe gekommen.

Übrigens, es gibt inzwischen wirklich gute Seminare über Gesprächsführung und Konfliktsituationen und deren Lösung. Ich habe mit den von mir besuchten gute Erfahrungen gemacht.

Bujo

maxima8
27.07.2007, 18:01
Maxima,
Übrigens, es gibt inzwischen wirklich gute Seminare über Gesprächsführung und Konfliktsituationen und deren Lösung. Ich habe mit den von mir besuchten gute Erfahrungen gemacht.
Bujo Vielleicht wäre es DIr hilfreicher gewesen ein Seminar über Zuhören zu besuchen statt eines über Konfliktvermeidung.

Dann hättest Du eventuell darüber nachdenken können, warum Männer also genauer gesagt eigentlich DU, wohl ein größeres Problem mit der Homosexualität Deines Sohnes hast als Deine Frau.

Und statt Dir das mal genauer anzusehen müsstest Du dann nicht nach einem Grund suchen, warum Du
meine Thesen als Angriff betrachtest.

Aber ganz ehrlich, das GEHÄUFTE AUFTRETEN JUNGER FRAUEN als Begleiterscheinung bei Schwulen als eine Art Gesetzmäßigkeit zu deklarieren, hat es durchaus verdient mit Ironie überhäuft zu werden.

Und natürlich gibt es auch einen extra Bonuspunkt für das halbherzige Verneinen der mütterlichen Schuld an der Misere. Diese mitleidserregende Beschwören einer äußerst dominanten Mutter plus zusätzlicher dominanter Schwiegermutter, das hat doch was, da weiß doch jeder gleich, auf welcher Seite der Front man sich aufstellen muss, und dass vielleicht doch was an den Vorwürfen dran sein könnte.

Sonne1977
27.07.2007, 23:13
Hallo liebe magbri,

ich bin zwar keine Mama eines homosexuellen Kindes, aber ich habe die Reaktion der Eltern meines schwulen Freundes( damals 24 Jahre jung) noch deutlich in Erinnerung.Das ist ca. 2 Jahre her!

Als erstes vertraute mein Freund es mir an. Dann fragte er mich, ob ich bitte mit zu seinen Eltern kommen würde, wenn er sein Comming Out hat. Ich sagte ihm,das ich das sehr gern machen würde, allerdings das ich es nicht richtig fände, weil es eine Sache zwischen ihm und seinen Eltern ist. Aber wenn er es möchte, bin ich gern dazu bereit mit zu kommen. Er tat es dennoch alleine, weil er sich, glaub ich, im innernen Sicher war, das es kein großes Theater geben würde. Seine Eltern haben sich, so wie ich es mir schon dachte, total korrekt verhalten. Sie sagten ihm , das es freilich erstmal unerwartet kam, zumal er bis vor einem halben Jahr eine feste Beziehung zu einer Frau hatte! Aber sie sagten ihm,das er doch immer ihr Sohn bleiben würde und sie ihn deshalb nicht weniger lieben würden!

In einer stillen Stunde (ich habe bis heute ein super Verhältnis zu seinen Eltern) sagte mir seine Mama mal, das sie natürlich erstmal geschockt waren. Sie haben vor ca. 35 Jahren (damals DDR) geheiratet und sowas war nunmal ein Tabuthema. Sie hat die Homosexualität ihres Sohnes zwar akzeptiert, aber ob sie damit klar käme, ist eine andere Frage. Sie steht hinter ihrem Sohn. Was immer passiert, auch wenn sich der Rest der Verwandtschaft eventuell von ihnen entfernen würde (was nie passiert ist). Aber dennoch hat sie Angst und manchen schwachen Tagen. Auch , das sie niemals Oma werden wird (der einzigste Sohn), das ihrem Sohn was passieren könnte, weil die Umwelt ja doch noch nicht so akzeptabel Homosexuellen gegenüber ist, wie man sich es wünschen würde (was im Übrigen auch noch nie passiert ist). Das man vielleicht als Eltern was falsch gemacht haben könnte. Etc....Etc...!

Ich denke, das sind immer Gedanken einer Mutter bzw. eines Vaters! Aber das Wichtigste ist doch, das ihr Mütter hinter Euren Söhnen / euren Töchtern steht und ihnen zeigt, das ihr für sie da seid, egal was passiert!

Und genau das haben die beiden Ihrem Sohn gezeigt, und genau das hat meinem Freund so unwahrscheinlich gut getan!


Meine Kinder ( 6 und 9 Jahre) wissen das mein bester Freund schwul ist. Sie wachsen mit der Gewissheit auf, das dies was völlig normales ist und das ich sie deshalb nie verstoßen würde. Ich weiss, das es vielleicht in ein paar Jahren mal Früchte tragen wird, wenn sich sich entscheiden, mal gleichgeschlechtlich zu lieben!

Ich kann mich noch an die Aussagen meiner Eltern erinnern, das sie immer zu meinem Bruder und mir stehen würden, wenn es denn so seinen würde. Ich wusste aber auch im Inneren , das ich dennoch Angst haben würde, wenn es denn so seie bei mir, Ihnen das zu offenbaren....

Vor ein paar Jahren, als sich ein Bekannter von mir als schwul geoutet hat, erzählte ich dies meinen Eltern im Beisein meiner großen Tochter...damals war sie vielleicht 3 oder vier. Mein Vater sagte damals: * Das wussten wir doch schon immer ,das das ne Schwuchtel ist* Ich fuhr ihn gleich an, das er dieses Wort bitte niemals wieder in Anwesenheit meiner Kinder benutzen solle, das ich das unmöglich finde und das meine Kinder ohne Vorurteile aufwachsen sollen. Daraufhin entschuldigte er sich zugleich und sagte, das es ihm leid tut, das ich recht habe!

Das ist so ein prägendes Erlebnis für mich, woran ich gern festhalte!

ich kann nur immer wieder plädieren, Mütter, Väter, steht zu Euren Kindern, es ist nicht Euer Versagen, es ist nunmal so. Zeigt Euren Kindern das ihr für sie da seid und zeigt , das ihr sie liebt!

Es grüßt Sonne

Inaktiver User
28.07.2007, 09:08
bujo,
es ist mir ein Bedürfnis zu schreiben, dass diese aggressive, um sich schlagende Art hier im Forum nicht Standard ist und ich keinen Grund sehe, derart über Dich her zu fallen (außer, wie Du schon schriebst, aufgrund persönlicher Frustration).

Alles Gute für Dich und Deine Kinder!

magbri
28.07.2007, 15:34
Hallo Sonne,

danke, für Deine ausführliche Erzählung. Es tut gut, auch wenn sich die Kommentare natürlich ähneln, aber dadurch wird die Basis des Verständnisses breiter und ich empfinde eine zunehmende Normallität, im Sinne einer Alltäglichkeit. Das entspannt. :blumengabe:

celly
28.07.2007, 19:45
Hallo, auch mein Sohn hat sich ( er ist jetzt 25 Jahre) vor etwa einem Jahr zu seiner Homosexualität bekannt.
Zuerst habe ich geheult und ihn gleichzeitig in den Arm genommen. Ich wußte vom ersten Moment an, dass sich meine Gefühle dadurch nicht verändern. Ich liebe ihn sehr.
Aber trotzdem mußte ich es erst einmal verdauen.
Ich hatte und habe auch heute noch große Angst davor, wie sein weiteres Leben verlaufen wird. Nicht die Tatsache dass er homosexuell ist macht mir Angst, sondern die ganze Umwelt.
Mein Sohn ist eigentlich ein sehr selbstbewußter junger Mann, aber nicht jeder reagiert positiv auf das Thema Homosexualität. Es git viéle Männer die ausgegrenzt werden, ob im privaten oder beruflichen Umfeld. All das macht mir Angst.
Mein Mann hält auch ganz fest zu unserem Sohn, aber ich weiß auch dass er sich große Sorgen macht.
Für viele Menschen ist das leider noch ein Tabu Thema oder es kommen nur wiederliche Sprüche.
Ich finde es sehr gut, dass man sich auf diesem Wege mit seinen Ängsten und Gedanken austauschen kann.
Liebe Grüße
celly

maxima8
28.07.2007, 20:34
Hallo, auch mein Sohn hat sich ( er ist jetzt 25 Jahre) vor etwa einem Jahr zu seiner Homosexualität bekannt.
Zuerst habe ich geheult und ihn gleichzeitig in den Arm genommen. Ich wußte vom ersten Moment an, dass sich meine Gefühle dadurch nicht verändern. Ich liebe ihn sehr.
Aber trotzdem mußte ich es erst einmal verdauen.
Ich hatte und habe auch heute noch große Angst davor, wie sein weiteres Leben verlaufen wird. Nicht die Tatsache dass er homosexuell ist macht mir Angst, sondern die ganze Umwelt.
Mein Sohn ist eigentlich ein sehr selbstbewußter junger Mann, aber nicht jeder reagiert positiv auf das Thema Homosexualität. Es git viéle Männer die ausgegrenzt werden, ob im privaten oder beruflichen Umfeld. All das macht mir Angst.
Mein Mann hält auch ganz fest zu unserem Sohn, aber ich weiß auch dass er sich große Sorgen macht.
Für viele Menschen ist das leider noch ein Tabu Thema oder es kommen nur wiederliche Sprüche.
Ich finde es sehr gut, dass man sich auf diesem Wege mit seinen Ängsten und Gedanken austauschen kann.
Liebe Grüße
celly Dummheit diffamiert gerne, aber in Deutschland können es sich selbst Dumme nicht mehr so offen leisten Schwulenhetze zu betreiben. Hier kann ein Schwuler gut leben. Fast alle Schwulen die ich kenne, haben beruflich immer noch einen bessere Position als Frauen mit der gleichen Qualifikation. Und Schwule werden immer noch weniger Opfer von Gewalt als Frauen. Insofern hättest Du rein statistisch betrachtet eher Grund um das schwere Leben einer Tochter zu weinen als um das eines schwulen Sohns.
Die Lieblingsdiffamierung für Lesben war z.B. der *entsetzliche* Vorwurf der Frustration. *Hässlich* und *persönlich frustriert*, weil sie keinen abbekommen hatten. Es gibt immer noch so ein paar Ewiggestrige, die sich mit derartig dumpfen Diffamierungen versuchen, aber das wirkt in der heutigen Zeit nur noch lächerlich.
Männer dürfen heute weicher und gepflegter sein, selbst ohne schwul zu sein und Schwule können heute auch Macker sein. Die Unterschiede nihilieren sich immer weiter und damit verringern sich auch die Möglichkeiten von Diffamierung und Ausgrenzung.
Ich weiß ja nicht, wo Du Dein Bild von den ausgegrenzten Schwulen her hast, ich kenne das sowohl bei Schwulen als auch bei Lesben nur noch aus Ausnahmesituationen aber nicht mehr als die Regel.

magbri
30.07.2007, 08:10
Hallo celly,

ja, inzwischen bin ich echt froh, dass ich mich dazu durchgerungen und die Frage aufgebracht habe. Ich merke schon nach den (relativ) wenigen Antworten, dass es mir erheblich besser geht.
Zum Teil liegt es aber sicher auch daran, dass mein Sohn zunehmend mit Homosexuellen zusammen ist und "diese Welt" - ja, es ist eine ganz andere, als unsere "gutbürgerliche Miefwelt" - mit nach Hause bringt. So hat er jetzt seinen Achtzehnten gefeiert und seine Schulfreunde haben festgestellt, auf so einer lustigen Fete, wären sie bisher noch nicht gewesen.
Von einem Freund hat er den Film *A Touch of Pink* zum Geburtstag bekommen. Den habe ich mir gestern auch angesehen und mit dem jungen Protagonisten mitgelitten. Sicher kein sehr tiefschürfender Film, aber wieder ein Stück zum besseren Verständnis.

@maxima

Es ist schön immer wieder zu hören, dass es heutzutage nicht mehr so viele Diffamierungen gibt wie früher, aber wir sind mit einem bestimmten Bild im Kopf, mit bestimmten Informationen, aufgewachsen. Und darum geht es auch in diesem Prozess: Sich davon zu lösen und hinzuschauen - wie ist es denn in der Realität?
Und du kannst es mir glauben: Ich mache mir auch große Sorgen um meine Tochter, wenn sie unterwegs ist, aber ich denke, dass ist bei Müttern so üblich :zwinker:

susisanne38
30.07.2007, 17:12
Hallo Celly Ja! Ich kann dich sehr gut verstehen. Bei uns ist es noch ein bissle extremer. Mein Sohn wird nächste Woche 14 und hat sich schon vor Wochen bei mir als schwul geoutet. Außerdem hat er seit ein paar Tagen einen "Freund". Seit er mir seine Homosexualität unter Tränen gestanden hat, bin ich wie zerschlagen. Habe auch sehr viel geweint. Ich liebe ihn, und daran wird sich auch nie etwas ändern. Aber ich war dennoch geschockt. ( Und bin es zum Teil immer noch). Ich weiß echt nicht, wie ich mich verhalten soll. Er dagegen, ist im Moment super glücklich. Und er scheint auch keine Angst vor der Öffentlichkeit zu haben. Es war eher, die Angst, wie ich darauf reagiere. Sein Vater hält sich im Moment noch aus allem raus und ich fühle mich ziemlich alleine gelassen. Ich hoffe, dass ich damit bald ganz normal umgehen kann. Ich werde ihn auf jeden Fall niemals im Stich lassen.

susisanne38
30.07.2007, 17:34
Ja! Ich kann dich sehr gut verstehen. Bei uns ist es noch ein bissle extremer. Mein Sohn wird nächste Woche 14 und hat sich schon vor Wochen bei mir als schwul geoutet. Außerdem hat er seit ein paar Tagen einen "Freund". Seit er mir seine Homosexualität unter Tränen gestanden hat, bin ich wie zerschlagen. Ich liebe ihn, und daran wird sich auch nie etwas ändern. Aber ich war dennoch geschockt. ( Und bin es zum Teil immer noch). Ich weiß echt nicht, wie ich mich verhalten soll. Er dagegen, ist im Moment super glücklich. Und er scheint auch keine Angst vor der Öffentlichkeit zu haben. Es war eher, die Angst, wie ich darauf reagiere. Sein Vater hält sich im Moment noch aus allem raus und ich fühle mich ziemlich alleine gelassen. Ich hoffe, dass ich damit bald ganz normal umgehen kann. Ich werde ihn auf jeden Fall niemals im Stich lassen.
Gibt es das eigentlich öfter, dass sich schon so junge Menschen outen? Kann er es denn überhaupt schon wissen?? Gut. Er war schon immer seinem Alter vorraus. Er wird auch immer grundsätzlich 2 Jahre älter geschätzt. Aber trotzdem ist er erst 14
Bin total durcheinander!!

magbri
30.07.2007, 18:06
Hallo susisanne,

unser Sohn hatte auch schon mit dreizehn "das Gefühl" schwul zu sein, hat dann allerdings noch ein paar Jahre ins Land ziehen lassen, um sich ganz sicher zu sein. Es heißt ja, dass Jungens in der Pubertät eine sogenannte Findungsphase durchmachen...
Das bekamen wir oft als erste Reaktion auf unsere Aussage, unser Sohn wäre homosexuell. Allerdings ist die nach vier Jahren sicher abgeschlossen gewesen. Inwieweit man das bei einem Vierzehnjährigen sagen kann, weiß ich auch nicht.
Aber wenn man sich nicht ganz sicher ist, ist dieses "Klarkommen" noch schwieriger, da kann ich dich gut verstehen. Weil sicher erst einmal alle Welt sagen wird: Der Junge ist doch erst vierzehn. Das kann der doch noch gar nicht wissen.
Und so lange man sich in einem "Schwebezustand" befindet, fällt es einem ja oft schwerer sich damit auseinanderzusetzen - siehe dein Ehemann.

maxima8
30.07.2007, 18:12
@maxima

Es ist schön immer wieder zu hören, dass es heutzutage nicht mehr so viele Diffamierungen gibt wie früher, aber wir sind mit einem bestimmten Bild im Kopf, mit bestimmten Informationen, aufgewachsen. Und darum geht es auch in diesem Prozess: Sich davon zu lösen und hinzuschauen - wie ist es denn in der Realität?
Und du kannst es mir glauben: Ich mache mir auch große Sorgen um meine Tochter, wenn sie unterwegs ist, aber ich denke, dass ist bei Müttern so üblich :zwinker:

Für Eltern ist es fast immer ein Schock. Bei aller Liebe ist es nun mal so, dass wir im gesellschaftlichen Kontext stehen.

Je älter die Eltern, umso schwieriger ist auch die Auseinandersetzung. Du hattest es ja auch schon gesagt, vor nicht wenigen Jahren wurde Homosexualität sogar gesetzlich unter Strafe gestellt. Das alles wirkt noch lange nach.

Nicht wenige Eltern haben irgendwann abfällige Bemerkungen über Schwule gemacht, manchmal auch nachsichtig mitleidig auf andere Eltern geschaut, die es getroffen hat. Seit einigen Jahren wird zwar Toleranz beschworen, aber das sind oft nicht mehr als Lippenbekenntnisse.

Ein altes verkrustetes Vorurteil lässt sich nicht einfach aus der Welt schaffen. Nicht von heute auf morgen.
Selbst Homosexuelle leiden ganz oft unter den gleichen Vorurteilen. Es gibt viele Schwule, die versuchen eine am heterosexuellen Vorbild orientierte Gemeinschaft zu bilden und möglichst unauffällig zu werden. Dabei stören die schrillen Tunten mit ihrer Medienpräsenz. Nicht selten kommen dann die gnadenlosen Anwürfe gerade von überangepassten Schwulen, die Tunten als abartig und krankhaft bezeichnen. Nicht wenige Lesben müssen sich permanent ihrer sexuellen Attraktivität gegenüber Männern versichern, damit sich sich als *normal* und nicht falsch fühlen können. Die Angst nicht der angeblichen Normalität zu genügen macht nicht nur den Eltern zu schaffen sondern auch den Kindern.

Für Eltern und Kinder ist es wichtig, dass sie sich sicher werden, dass die gleichberechtigte Liebe zwischen zwei Menschen, egal welchen Geschlechtes, etwas zutiefst Gutes und Wünschenwertes ist. Wer immer das Gegenteil behaupten will, beruft sich auf alte Konstrukte, die den gleichen Stellenwert haben wie die Behauptung die Erde sei eine Scheibe.
Wenn man die Wahrheit finden will, dann muss man manchmal alten angelernten Mist auf den Müll schmeißen und sich auf den wirklichen Kern des Lebens konzentrieren. Eine ehrliche Liebe kann nicht falsch sein. Niemals. Und keiner sollte sich so etwas einreden lassen. Toleranz ist nicht angesagt sondern echtes Annehmen.

Das ist die schwerste Lektion für die Kinder und die Eltern. Die Kinder sind ja meist schon sehr viel länger, oft schon Jahrelang mit dem Thema zu Gange. Daher haben sie in der Regel einen klaren Vorsprung. Und trotzdem bedeutet das noch nicht, dass sie wirklich die Stabilität besitzen sich voll anzunehmen. Outing bedeutet ja lediglich erst einmal, dass ein Kind die Kraft findet sich der Furcht des Ausgestoßenseins zu stellen.
Wenn Kinder dazu die Kraft finden, dann haben sie etwas ganz Wertvolles für ihr Leben erreicht, was sie vielen Duckmäusern voraus haben. Das sollte auch Eltern Zuversicht geben.

maxima8
30.07.2007, 18:21
Ja! Ich kann dich sehr gut verstehen. Bei uns ist es noch ein bissle extremer. Mein Sohn wird nächste Woche 14 und hat sich schon vor Wochen bei mir als schwul geoutet. Außerdem hat er seit ein paar Tagen einen "Freund". Seit er mir seine Homosexualität unter Tränen gestanden hat, bin ich wie zerschlagen. Ich liebe ihn, und daran wird sich auch nie etwas ändern. Aber ich war dennoch geschockt. ( Und bin es zum Teil immer noch). Ich weiß echt nicht, wie ich mich verhalten soll. Er dagegen, ist im Moment super glücklich. Und er scheint auch keine Angst vor der Öffentlichkeit zu haben. Es war eher, die Angst, wie ich darauf reagiere. Sein Vater hält sich im Moment noch aus allem raus und ich fühle mich ziemlich alleine gelassen. Ich hoffe, dass ich damit bald ganz normal umgehen kann. Ich werde ihn auf jeden Fall niemals im Stich lassen.
Gibt es das eigentlich öfter, dass sich schon so junge Menschen outen? Kann er es denn überhaupt schon wissen?? Gut. Er war schon immer seinem Alter vorraus. Er wird auch immer grundsätzlich 2 Jahre älter geschätzt. Aber trotzdem ist er erst 14
Bin total durcheinander!!
Was Dein Sohn weiß, ist, dass er einen Jungen liebt. Punkt. Das ist homosexuell. Ob er mit zwanzig vielleicht noch mal eine Frau lieben wird, ist damit nicht ausgeschlossen. Ich würde mir allerdings nicht allzuviel Hoffnung darauf machen. Noch mal Punkt.
Du hast doch ganz anscheinden eine Menge richtig gemacht, wenn er sich traut seine Liebe zu leben und dazu noch geoutet.
Ist doch klasse wenn er glücklich ist, oder möchtest Du ihn lieber suizidgefährdet heimlich schmachtend und allein gelassen.
Überleg einfach mal, was Liebe für Dich bedeutet und dann überleg Dir, ob Du ein Leben ohne wolltest. Oder, ob Du an Deiner Liebe irgend etwas falsches entdecken kannst.

Inaktiver User
30.07.2007, 19:27
Ist es so, dass es Männern bei Söhnen und Frauen bei Töchtern schwerer fällt?
Im Gedankenexperiment wäre das bei mir so, nach dem Motto: Männern kann ich in ihrer Sexualität sowieso nicht wirklich hinterherdenken.


Aus dem Freundeskreis (der bei mir zu guten Teilen bi/homo ist) heraus: eher nein zu deiner Theorie. Frauen/Mütter scheinen mit der Homosexualität einer Freundes/ihres Kindes besser zurechtzukommen als Männer/Väter.
Vermutlich liegt das auch daran, dass z.B. Frauen Körperkontakt zu einer anderen Frau - auch und insbesondere nicht-sexuell - als etwas Normales, Schönes empfinden, während wenige Männer das zulassen können.

susisanne38
03.08.2007, 14:37
Es wäre schön, wenn mir noch ein paar Leute von Ihren Erfahrungen mit ihren homosexuellen Kindern berichten könnten. Ich hoffe dadurch meinen Sohn besser zu verstehen.

susisanne38
03.08.2007, 14:44
Was Dein Sohn weiß, ist, dass er einen Jungen liebt. Punkt. Das ist homosexuell. Ob er mit zwanzig vielleicht noch mal eine Frau lieben wird, ist damit nicht ausgeschlossen. Ich würde mir allerdings nicht allzuviel Hoffnung darauf machen. Noch mal Punkt.
Du hast doch ganz anscheinden eine Menge richtig gemacht, wenn er sich traut seine Liebe zu leben und dazu noch geoutet.
Ist doch klasse wenn er glücklich ist, oder möchtest Du ihn lieber suizidgefährdet heimlich schmachtend und allein gelassen.
Überleg einfach mal, was Liebe für Dich bedeutet und dann überleg Dir, ob Du ein Leben ohne wolltest. Oder, ob Du an Deiner Liebe irgend etwas falsches entdecken kannst.
Danke für deine Meinung!
Ich merke, dass mir das schreiben und lesen hier in diesem Forum guttut. Mein Sohn ist mir sehr wichtig. Und natürlich will ich, dass er glücklich ist. Ich werde mich mehr mit diesem Thema befassen.

susisanne38
03.08.2007, 15:13
Hallo susisanne,

unser Sohn hatte auch schon mit dreizehn "das Gefühl" schwul zu sein, hat dann allerdings noch ein paar Jahre ins Land ziehen lassen, um sich ganz sicher zu sein. Es heißt ja, dass Jungens in der Pubertät eine sogenannte Findungsphase durchmachen...
Das bekamen wir oft als erste Reaktion auf unsere Aussage, unser Sohn wäre homosexuell. Allerdings ist die nach vier Jahren sicher abgeschlossen gewesen. Inwieweit man das bei einem Vierzehnjährigen sagen kann, weiß ich auch nicht.
Aber wenn man sich nicht ganz sicher ist, ist dieses "Klarkommen" noch schwieriger, da kann ich dich gut verstehen. Weil sicher erst einmal alle Welt sagen wird: Der Junge ist doch erst vierzehn. Das kann der doch noch gar nicht wissen.
Und so lange man sich in einem "Schwebezustand" befindet, fällt es einem ja oft schwerer sich damit auseinanderzusetzen - siehe dein Ehemann.
Du hast es erfasst. Genau das haben die paar Leute, denen ich das erzählt habe gesagt: Der Junge ist doch erst vierzehn. Das kann der doch noch gar nicht wissen.--Geholfen hat mir dieser Spruch nicht im geringsten.
Wenn man mal mit meinem Sohn gesprochen hat, erkennt man, das er alles andere ist als ein durchschnittlicher 14-Jähriger. Darauf war ich einerseits immer stolz, andererseits hatte ich immer Angst, dass er zu früh erwachsen wird. Was mir aber hauptsächlich zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich einerseits meinen Kindern beigebracht habe, dass man keine Vorurteile haben darf, dass man tolerant sein soll, dass man zu dem stehen soll, was einem wichtig ist etc. Und jetzt merke ich, dass ich selbst in meinem Inneren nicht so tolerant bin wie ich es immer gedacht hatte. Und das schafft mich. Es ist eine Sache, wenn es andere Menschen betrifft. Und eine andere, wenn es der eigene Sohn ist?? Das darf einfach nicht sein. Und deswegen möchte ich an mir arbeiten so gut es eben geht.

susisanne38
03.08.2007, 15:43
Vor einem Jahr hatte unser Sohn (18) sein Coming-Out. Aufgrund seines Verhaltens hatten wir uns schon seit Jahren mit dem Gedanken beschäftigt, dass er schwul sein könnte und trotzdem war es in dem Moment, in dem er es aussprach, ein Schlag in den Magen.

Nein, nein, jetzt bitte keine Buhrufe, man erkennt wohl an dem frühen Zeitpunkt seines Coming-Outs, dass unser Sohn ganz sicher wusste, dass wir ihn so annehmen würden, wie er ist. Ich habe auch keine Lust hier irgendwelche Toleranzäußerungen Homosexuellen gegenüber aufzulisten.

Mir geht es um das Gefühl der Eltern, nicht um das der Kinder, denn unser Sohn geht vollkommen entspannt und offen mit seinem Schwulsein um. Und trotzdem habe ich das Gefühl einen Trauerprozess durchmachen zu müssen
- Bewusstes Abschiednehmen von Träumen für ihn (obwohl ich mit Sicherheit keine Gluckenmutter bin),
- Ängste, die ich um ihn habe, aufgrund von Diskriminierung o.ä.

Besser kann ich es noch nicht ausdrücken, es ist noch wie ein Wust in mir, der sich nicht auflösen kann. :wie?:

Irgendjemand da, der das versteht?
Magbri
Ja ich!

maxima8
03.08.2007, 16:12
Du hast es erfasst. Genau das haben die paar Leute, denen ich das erzählt habe gesagt: Der Junge ist doch erst vierzehn. Das kann der doch noch gar nicht wissen.--Geholfen hat mir dieser Spruch nicht im geringsten.
Wenn man mal mit meinem Sohn gesprochen hat, erkennt man, das er alles andere ist als ein durchschnittlicher 14-Jähriger. Darauf war ich einerseits immer stolz, andererseits hatte ich immer Angst, dass er zu früh erwachsen wird. Was mir aber hauptsächlich zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich einerseits meinen Kindern beigebracht habe, dass man keine Vorurteile haben darf, dass man tolerant sein soll, dass man zu dem stehen soll, was einem wichtig ist etc. Und jetzt merke ich, dass ich selbst in meinem Inneren nicht so tolerant bin wie ich es immer gedacht hatte. Und das schafft mich. Es ist eine Sache, wenn es andere Menschen betrifft. Und eine andere, wenn es der eigene Sohn ist?? Das darf einfach nicht sein. Und deswegen möchte ich an mir arbeiten so gut es eben geht.
Ich denke, es gibt kaum einen größeren Fehler, als sich einzubilden, dass wir keine Vorurteile haben. Und es gibt kaum etwas besseres sich bewusst zu werden, dass wir sie eben doch haben. Denn nur dann kann man sich auch wirklich damit auseinander setzen.
Es geht nicht um Verdammen. Wie soll man sich von allem frei machen, wenn man in einem System aufgewachsen ist, in dem Vorurteile auf ganz viele subtile oder offene Weise gepflegt und indoktriniert werden.

Aber ich kann Dir versichern, dass sich vieles irgendwann richtig gut anfühlen wird. Vieles normalisiert sich. Egal in welche Richtung sich Dein Junge entwickelt. Irgendwann ist seine sexuelle Ausrichtung lediglich eine Marginalie in Eurer Beziehung. Vermutlich fühlt sich Dein Sohn von Dir geliebt wenn er Dir so vertraut. Das wird er ja nicht grundlos tun. Wenn diese Grundlage stimmt, würde ich mir um den Rest, ehrlich gesagt, keine Sorgen machen. Das findet sich definitiv von alleine.

susisanne38
03.08.2007, 16:31
Ich denke, es gibt kaum einen größeren Fehler, als sich einzubilden, dass wir keine Vorurteile haben. Und es gibt kaum etwas besseres sich bewusst zu werden, dass wir sie eben doch haben. Denn nur dann kann man sich auch wirklich damit auseinander setzen.
Es geht nicht um Verdammen. Wie soll man sich von allem frei machen, wenn man in einem System aufgewachsen ist, in dem Vorurteile auf ganz viele subtile oder offene Weise gepflegt und indoktriniert werden.

Aber ich kann Dir versichern, dass sich vieles irgendwann richtig gut anfühlen wird. Vieles normalisiert sich. Egal in welche Richtung sich Dein Junge entwickelt. Irgendwann ist seine sexuelle Ausrichtung lediglich eine Marginalie in Eurer Beziehung. Vermutlich fühlt sich Dein Sohn von Dir geliebt wenn er Dir so vertraut. Das wird er ja nicht grundlos tun. Wenn diese Grundlage stimmt, würde ich mir um den Rest, ehrlich gesagt, keine Sorgen machen. Das findet sich definitiv von alleine.
Vielen Dank für deine Zeilen!
Ich habe meinem Sohn heute beim Mittagessen gesagt, dass ich alles versuchen werde, um meine Vorurteile abzulegen und dass es für mich nichts wichtigeres im Leben gibt als er und seine Schwester. (Von meinem Mann einmal abgesehen) Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen, aber damit tut er sich im Moment ein bisschen schwer. Ich hoffe, dass sich das bald wieder gibt. Denn die Nähe zu meinen Kindern war mir immer sehr wichtig. Und ich hoffe auch, dass sich mein Mann irgendwann mal einen Ruck gibt und mit mir über dieses Thema redet. Denn er verschließt sich und das macht mir noch zusätzlich zu schaffen.

maxima8
03.08.2007, 22:44
Vielen Dank für deine Zeilen!
Ich habe meinem Sohn heute beim Mittagessen gesagt, dass ich alles versuchen werde, um meine Vorurteile abzulegen und dass es für mich nichts wichtigeres im Leben gibt als er und seine Schwester. (Von meinem Mann einmal abgesehen) Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen, aber damit tut er sich im Moment ein bisschen schwer. Ich hoffe, dass sich das bald wieder gibt. Denn die Nähe zu meinen Kindern war mir immer sehr wichtig. Und ich hoffe auch, dass sich mein Mann irgendwann mal einen Ruck gibt und mit mir über dieses Thema redet. Denn er verschließt sich und das macht mir noch zusätzlich zu schaffen.

Für Jugendliche ist die Welt ja noch relativ klar gegliedert. Im Prinzip ist es für sich schon Verrat, dass man nicht von einer Sekunde auf die andere seine Vorurteile ablegen kann. Auch das gibt sich.
Das mit Deinem Mann kann etwas schwieriger werden, weil Männer bei schwulen Söhnen eher ihr sexuelle Integrität in Gefahr sehen. Unter Umständen muss er jetzt erst mal einen Weg finden zu beweisen, dass er ja nicht SO ist. Eventuell kommt dann auch die Frage nach den Schuldigen. Wenn er nicht völlig von Gestern ist, wird er sich seinen Weg auch suchen, vielleicht ein wenig schweigsamer.
Ich finde es nur sehr schwierig wenn Du niemand zum Reden hast. Dadurch, dass das Thema noch so tabuisiert ist, denken ja viele Leute, dass es beruhigend wirkt, wenn sie immer nur wiederholen, dass das ja nichts entgültiges sein muss.
Wenn Du wirklich gute und bestärkende Unterstützung haben willst wäre es vielleicht nicht dumm sich nach einer Elterngruppe zu dem Thema um zu sehen.

magbri
06.08.2007, 11:58
Ich denke nicht, dass es uns (z.B. susisanne und mir) um Vorurteile geht, die wir bei uns selbst bekämpfen müssen, denn tolerant zu sein bedeutet weder Vorurteilsfrei, noch voller Vorurteile zu sein , sondern zu dulden, dass jemand handelt, wie man selbst nicht handeln würde. In diesem Fall, dass jemand lebt, wie wir nicht leben, weil wir es nicht anders kennen.
Ich denke es geht vielen von uns Heteros eher so, dass sie gewisse Vorurteile haben, weil sie diese "andere Welt" einfach nicht kennen und deshalb auf Klischees, die in den Medien ja auch gepflegt werden, zurückgreifen.
In dem Moment, in dem mein Kind sich outet, werde ich entweder gezwungen es zu ignorieren oder mich mit dieser "anderen Welt" zu bschäftigen, um mein Kind besser zu verstehen.
Ich merke jedenfalls, dass sich in den letzten Wochen viel in meinem Kopf und dadurch auch in meinem Gefühl bewegt hat, in denen ich mich intensiver mit der Homosexualität beschäftigt habe (es nicht nur toleriert habe - ich habe mich damit auseinandergesetzt).
Das hat sicher auch damit zu tun, dass mein Sohn zunehmend flügge wird und mich (zumindest teilweise :zwinker: ) an seinen neuen Erfahrungen teilhaben lässt. Ich bin wirkllich erstaunt darüber, wie rapide es an Normalität gewinnt, was sicher auch mit der Lektüre in diesem Forum zu tun hat. :blumengabe:

maxima8
06.08.2007, 13:19
Ich denke nicht, dass es uns (z.B. susisanne und mir) um Vorurteile geht, die wir bei uns selbst bekämpfen müssen, denn tolerant zu sein bedeutet weder Vorurteilsfrei, noch voller Vorurteile zu sein , sondern zu dulden, dass jemand handelt, wie man selbst nicht handeln würde. In diesem Fall, dass jemand lebt, wie wir nicht leben, weil wir es nicht anders kennen.
Ich denke es geht vielen von uns Heteros eher so, dass sie gewisse Vorurteile haben, weil sie diese "andere Welt" einfach nicht kennen und deshalb auf Klischees, die in den Medien ja auch gepflegt werden, zurückgreifen.
In dem Moment, in dem mein Kind sich outet, werde ich entweder gezwungen es zu ignorieren oder mich mit dieser "anderen Welt" zu bschäftigen, um mein Kind besser zu verstehen.
Ich merke jedenfalls, dass sich in den letzten Wochen viel in meinem Kopf und dadurch auch in meinem Gefühl bewegt hat, in denen ich mich intensiver mit der Homosexualität beschäftigt habe (es nicht nur toleriert habe - ich habe mich damit auseinandergesetzt).
Das hat sicher auch damit zu tun, dass mein Sohn zunehmend flügge wird und mich (zumindest teilweise :zwinker: ) an seinen neuen Erfahrungen teilhaben lässt. Ich bin wirkllich erstaunt darüber, wie rapide es an Normalität gewinnt, was sicher auch mit der Lektüre in diesem Forum zu tun hat. :blumengabe:

Aber, wenn man sich mit einem Thema beschäftigt, beschäftigt man sich doch auch mit den eigenen Vorurteilen. Oder?

Wer sich wirklich auf das Studium von Spinnen einlässt, stellt plötzlich fest, dass er sein Leben lang einer unsinnigen Abneigung gefrönt hat. Nichts, als einem alten anerzogenen Muster, das dem wirklichen Objekt nicht die geringste Achtung entgegen gebracht hat.

Wer sich mit Homosexualität auseinander setzt, wird irgendwann feststellen, dass er damit auf seine eigenen Themen trifft. Wie finde ich einen Menschen, der mich wirklich liebt, denn ich wirklich liebe, der mir Partner ist? Wie finde ich Anerkennung in dieser Gesellschaft? Die Dinge sind überhaupt nicht so fremd, wenn man sie sich aus der Nähe ansieht. Es gibt andere Schwerpunkt und es gibt leider eine Dunstglocke aus Schweigen. Und das ist, denke ich, wirklich das Schwierigste.

Um heterosexuelle Kinder herum wird vielmehr kommuniziert. Es gibt einen ganz erheblichen Austausch zu jeder Lebenslage mit dem gesamten sozialen Umfeld.

Bei homosexuellen Kindern geht es erst einmal um Wegsehen.
Zum Teil geschieht das aus unwissender Rücksichtnahme. Viele interpretieren eine solche Eröffnung erst einmal als schweren Schlag für die Eltern und versuchen das Thema zu meiden, weil sie denken, sie helfen den Eltern damit. Da findet dann eher diese Umkreisung statt. Man spricht über die Eltern, deren schweres Los und bestätigt sich gegenseitig, dass die doch ganz normal wirken, und man sich gar nicht vorstellen kann, wo das herkommen soll. Auch, dass das ja nichts Schlimmes ist, man ist ja aufgeklärt, wobei alle tief aufatmen, dass es sie nicht *getroffen hat*.

Es ist meist der Job der Kinder die Sprache wieder einzuführen. Und Sprache ist enorm wichtig, um Dinge zu normalisieren. Nicht nur das Gespräch an sich, sondern auch Begrifflichkeiten.

Als sich die Schwarzen in ihrem Emanzipationsprozess weiter entwickelt hatten, haben sie den Begriff *Nigger*, der sie früher als Abschaum deklariert hatte, adaptiert. Worte besitzen Macht. Die Schwarze hätten niemals gegen die geballte Wucht der Rassisten diesen Begriff eliminieren können, also haben sie ihn sich angeeignet. Das gleiche haben die Homosexuellen in den siebigern mit *Schwul* und *Lesbisch* gemacht.
Meine Freundin und mich wollte mal in den achtzigern ein kleiner Pimpf tödlich beleidigen in dem er auf uns zu gerannt kam, schrie *Ihr seid Lesben*, und wieder davon raste. Ich hatte mich fast auf den Boden geworfen vor Lachen. Zehn Jahre vorher hätte Lesben diese Bezeichnung tief verletzt.

Viel Eltern haben ein Problem damit ihre Kinder als schwul oder lesbisch zu bezeichnen. Allein, weil ihnen der Begriff in Zusammenhang mit ihren Kindern nicht leicht über die Lippen kommt. Aber Sprache schafft Normalität. Für uns selbst und für andere.

Den Job, den Eltern von homosexuellen Kinder haben, ist der, eine Sprache zu finden, die um ein paar Begriffe reicher ist als vorher. Und das sowohl im Umgang mit ihren Kindern, mit ihrem sozialen Umfeld, aber auch mit sich selbst.

magbri
06.08.2007, 21:31
Hallo maxima



Wer sich mit Homosexualität auseinander setzt, wird irgendwann feststellen, dass er damit auf seine eigenen Themen trifft. Wie finde ich einen Menschen, der mich wirklich liebt, denn ich wirklich liebe, der mir Partner ist? Wie finde ich Anerkennung in dieser Gesellschaft?


Wieso sollte ich mich erst jetzt mit diesen Fragen auseinandersetzen? Diese Fragen beschäftigen doch sicher jeden irgendwann in seinem Leben, egal, ob er Hetero oder Homosexuell ist.



Um heterosexuelle Kinder herum wird vielmehr kommuniziert. Es gibt einen ganz erheblichen Austausch zu jeder Lebenslage mit dem gesamten sozialen Umfeld.

Bei homosexuellen Kindern geht es erst einmal um Wegsehen.
Zum Teil geschieht das aus unwissender Rücksichtnahme. Viele interpretieren eine solche Eröffnung erst einmal als schweren Schlag für die Eltern und versuchen das Thema zu meiden, weil sie denken, sie helfen den Eltern damit.


Es mag sein, dass einige erst einmal peinlich berührt wegsehen und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, aber auch das ist nicht nur auf das Thema Homosexualität begrenzt, sondern findet sich in allen Lebensbereichen wieder, die nicht jeden einzelnen betreffen und somit verunsichern. Zum Beispiel: Bei jemandem wird eine tödliche Krankheit diagnostiziert. Die Umwelt wird erst einmal sehr "schweigsam" reagieren und es wird darauf ankommen, wie derjenige mit seiner Erkrankung umgeht. Ist er offen? Spricht er es von sich aus an?
Genauso ist es mit Arbeitslosigkeit, Tod eines Kindes o.ä.
Es gibt immer Bereiche im Leben, die nicht unserer ureigenen "Lebensnorm" entsprechen und die es im Laufe unseres Lebens kennenzulernen gilt, mit denen wir uns auseinandersetzen dürfen, können, müssen.




Es ist meist der Job der Kinder die Sprache wieder einzuführen. Und Sprache ist enorm wichtig, um Dinge zu normalisieren. Nicht nur das Gespräch an sich, sondern auch Begrifflichkeiten.


Die Begrifflichkeiten erklären sich über das Gespräch, dass meiner Meinung nach das Wesentliche ist, um zu einer Normalität zu finden. Es sind nicht Begrifflichkeiten, die mir helfen mein Kind zu verstehen, sondern ein Beschäftigen mit seiner Umgebung, mit seinen Lebensumständen außerhalb der Familie, mit seinen Gefühlen. Wenn ich soweit bin, verändert sich die Toleranz in echtes Verständnis und wenn ich etwas verstehe, eigne ich mir Wissen an und wenn ich mir etwas aneigne, wird es zu einem Teil von mir - Normalität.

magbri
06.08.2007, 21:32
An Alle,

tut mir Leid, mit dem Zitieren, das hat wohl nicht so ganz geklappt. Ich hoffe, ihr steigt trotzdem durch.
:wie?: :wie?: :wie?:

maxima8
06.08.2007, 22:28
Hallo maxima

Wieso sollte ich mich erst jetzt mit diesen Fragen auseinandersetzen? Diese Fragen beschäftigen doch sicher jeden irgendwann in seinem Leben, egal, ob er Hetero oder Homosexuell ist.
Sagte ich, dass man sich jetzt erst damit beschäftigen sollte?
Meine Aussage war: Es geht bei Homosexuellen um nichts anderes als bei Heten auch



Es mag sein, dass einige erst einmal peinlich berührt wegsehen und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, aber auch das ist nicht nur auf das Thema Homosexualität begrenzt, sondern findet sich in allen Lebensbereichen wieder, die nicht jeden einzelnen betreffen und somit verunsichern. Zum Beispiel: Bei jemandem wird eine tödliche Krankheit diagnostiziert. Die Umwelt wird erst einmal sehr "schweigsam" reagieren und es wird darauf ankommen, wie derjenige mit seiner Erkrankung umgeht. Ist er offen? Spricht er es von sich aus an?
Genauso ist es mit Arbeitslosigkeit, Tod eines Kindes o.ä.
Es gibt immer Bereiche im Leben, die nicht unserer ureigenen "Lebensnorm" entsprechen und die es im Laufe unseres Lebens kennenzulernen gilt, mit denen wir uns auseinandersetzen dürfen, können, müssen.

Keiner hat gesagt, dass ein schweigendes Umfeld auf Homosexualität begrenzt ist. Deswegen ist es aber dennoch ein Thema bei dem sich manche Eltern allein gelassen fühlen.



Die Begrifflichkeiten erklären sich über das Gespräch, dass meiner Meinung nach das Wesentliche ist, um zu einer Normalität zu finden. Es sind nicht Begrifflichkeiten, die mir helfen mein Kind zu verstehen, sondern ein Beschäftigen mit seiner Umgebung, mit seinen Lebensumständen außerhalb der Familie, mit seinen Gefühlen. Wenn ich soweit bin, verändert sich die Toleranz in echtes Verständnis und wenn ich etwas verstehe, eigne ich mir Wissen an und wenn ich mir etwas aneigne, wird es zu einem Teil von mir - Normalität.
Das widerspricht dem ja auch nicht.

susisanne38
07.08.2007, 17:09
Liebe Magbri und andere,
Ich brauche euren Rat. Mein Sohn sagt mir unmissverständlich, dass ich mich aus der Beziehung zwischen seinem "Freund" und ihm raushalten soll. Mein Mann behauptet, dass ihn der Altersunterschied von 3 Jahren zwischen meinem Sohn und seinem Freund stört. Mein Sohn ist 14 der andere Junge 17.(Wobei ich vermute, dass es eher die Tatsache an sich ist, dass mein Sohn schwul ist , was meinen Mann stört) Und meine Tochter ist auf der Seite meines Sohnes. Fühle mich allein und zurückgewiesen. Wie soll ich mich denn jetzt verhalten?

maxima8
07.08.2007, 19:40
Liebe Magbri und andere,
Ich brauche euren Rat. Mein Sohn sagt mir unmissverständlich, dass ich mich aus der Beziehung zwischen seinem "Freund" und ihm raushalten soll. Mein Mann behauptet, dass ihn der Altersunterschied von 3 Jahren zwischen meinem Sohn und seinem Freund stört. Mein Sohn ist 14 der andere Junge 17.(Wobei ich vermute, dass es eher die Tatsache an sich ist, dass mein Sohn schwul ist , was meinen Mann stört) Und meine Tochter ist auf der Seite meines Sohnes. Fühle mich allein und zurückgewiesen. Wie soll ich mich denn jetzt verhalten?
Ich denke, sein Verhalten ist für einen 14jährigen ganz verständlich. Ihn anzunehmen oder sich mit seiner Beziehung auseinander zu setzen sind zwei verschiedene paar Schuhe.
Das ist kein Schwulen-spezifisches Problem. Stell Dir vor, Deine Mutter hätte sich in Deine Beziehungen eingemischt.
Ich denke nicht, dass man über eine Internetplattform echte Ratschläge zu ganz konkreten Situationen geben kann. Ich würde aber das Ganze unter die normalen Abnabelungsprozesse einordnen. Das ist verletzend, aber auch nicht vermeidbar.
Und wegen des Altersunterschieds gibt es ja keine standardisiert Richtlinie für eine gute Beziehung. Mal ganz davon abgesehen, dass natürlich auch rein quantitativ die Auswahl an homosexuellen Beziehungspartnern eingeschränkter ist und die von geouteten 14-jährigen natürlich noch viel geringer.
Dein Mann kann ja Deinem Sohn einen passenden 14-jährigen Freund suchen. Das hätte doch Charme.

susisanne38
08.08.2007, 16:59
Ich denke, sein Verhalten ist für einen 14jährigen ganz verständlich. Ihn anzunehmen oder sich mit seiner Beziehung auseinander zu setzen sind zwei verschiedene paar Schuhe.
Das ist kein Schwulen-spezifisches Problem. Stell Dir vor, Deine Mutter hätte sich in Deine Beziehungen eingemischt.
Ich denke nicht, dass man über eine Internetplattform echte Ratschläge zu ganz konkreten Situationen geben kann. Ich würde aber das Ganze unter die normalen Abnabelungsprozesse einordnen. Das ist verletzend, aber auch nicht vermeidbar.
Und wegen des Altersunterschieds gibt es ja keine standardisiert Richtlinie für eine gute Beziehung. Mal ganz davon abgesehen, dass natürlich auch rein quantitativ die Auswahl an homosexuellen Beziehungspartnern eingeschränkter ist und die von geouteten 14-jährigen natürlich noch viel geringer.
Dein Mann kann ja Deinem Sohn einen passenden 14-jährigen Freund suchen. Das hätte doch Charme.
Du hast recht. Ich habe in letzter Zeit sehr viel über meinen Sohn nachgedacht und beschlossen, die ganze Sache einfach mal laufen zu lassen. Zumal ich gestern den "Freund" kennenlernte und feststgestellt hab, dass er einen netten Eindruck macht. Er ist zwar unheimlich schüchtern, aber nett. Vielleicht muss ich gar nicht so viel Angst um meinen Jungen haben als ich dachte. Ich hatte einfach die Befürchtung, dass er (weil er noch soo jung ist) vielleicht ausgenutzt wird oder schlecht behandelt. Nicht nur von der Gesellschaft, sondern auch von potentiellen Partnern, die natürlich alle älter sind. Gerade weil es (wie du schon sagtest) nicht so eine große Auswahl an gleichaltrigen Partnern gibt. Er scheint im Moment glücklich zu sein. Und das ist mir auf jeden Fall am wichtigsten. Allerdings werd ich immer mit einem Auge auf ihn achten. Das mache ich allerdings auch bei meiner Tochter, obwohl sie schon 1 Jahr mit ihrem Freund zusammen ist.:smile:

magbri
08.08.2007, 18:17
Hallo susisanne,

ich kann die Sorge um Deinen Sohn sehr gut verstehen. Die hätte ich auch, wenn meine vierzehnjährige Tochter einen siebzehnjährigen Freund hätte. Aber große Möglichkeiten etwas zu tun, hast Du sowieso nicht. Man kann nur darauf hoffen, dass die Kinder, denn das sind sie in diesem Alter noch, selbstbewusst genug sind, und die Beziehung nur so weit voranschreiten lassen, wie sie selbst es möchten.
Ich denke, das wäre meine größte Angst, dass sich mein Kind zu Handlungen drängen lässt, für die es noch gar nicht bereit ist.
Aber wenn Dein Sohn, so wie Du schreibst, kein typischer Vierzehnjähriger ist, weil er sich auch intellektuell mit anderen Dingen auseinandersetzt als seine Altersgenossen, würde er sich sicher auch unter anderen Bedingungen keinen gleichaltrigen Freund suchen.

maxima8
08.08.2007, 18:44
Du hast recht. Ich habe in letzter Zeit sehr viel über meinen Sohn nachgedacht und beschlossen, die ganze Sache einfach mal laufen zu lassen. Zumal ich gestern den "Freund" kennenlernte und feststgestellt hab, dass er einen netten Eindruck macht. Er ist zwar unheimlich schüchtern, aber nett. Vielleicht muss ich gar nicht so viel Angst um meinen Jungen haben als ich dachte. Ich hatte einfach die Befürchtung, dass er (weil er noch soo jung ist) vielleicht ausgenutzt wird oder schlecht behandelt. Nicht nur von der Gesellschaft, sondern auch von potentiellen Partnern, die natürlich alle älter sind. Gerade weil es (wie du schon sagtest) nicht so eine große Auswahl an gleichaltrigen Partnern gibt. Er scheint im Moment glücklich zu sein. Und das ist mir auf jeden Fall am wichtigsten. Allerdings werd ich immer mit einem Auge auf ihn achten. Das mache ich allerdings auch bei meiner Tochter, obwohl sie schon 1 Jahr mit ihrem Freund zusammen ist.:smile:
Ich würde sagen, man müsste auch ein Schlappen sein, um sich keine Sorgen zu machen. Und das mit dem einen Auge ist immer gut.

Anastasia1960
09.08.2007, 20:57
Susisanne sei froh, dass euer Sohn so viel Vertrauen in Euch hat, dass er euch erzählt hat, dass er homosexuell ist. Das ist nicht selbstverständlich. Durch einen Kollegen habe ich viel Kontakt mit Homosexuellen, die allesamt supernette Männer sind.
Einige wenige verschweigen allerdings ihre Homosexualität vor ihren Eltern und ihrer Umwelt. Sie "erfinden" Freundinnen, einige heiraten sogar und haben heimliche sexuelle Kontakte mit Männern.

Sei froh, dass dein Sohn dieses Doppelleben nicht leben muss weil er verständnissvolle Eltern hat.

Inaktiver User
09.08.2007, 21:11
Habe Dir ein PN geschickt!
Gruß Petra

susisanne38
10.08.2007, 16:28
Hallo susisanne,

ich kann die Sorge um Deinen Sohn sehr gut verstehen. Die hätte ich auch, wenn meine vierzehnjährige Tochter einen siebzehnjährigen Freund hätte. Aber große Möglichkeiten etwas zu tun, hast Du sowieso nicht. Man kann nur darauf hoffen, dass die Kinder, denn das sind sie in diesem Alter noch, selbstbewusst genug sind, und die Beziehung nur so weit voranschreiten lassen, wie sie selbst es möchten.
Ich denke, das wäre meine größte Angst, dass sich mein Kind zu Handlungen drängen lässt, für die es noch gar nicht bereit ist.
Aber wenn Dein Sohn, so wie Du schreibst, kein typischer Vierzehnjähriger ist, weil er sich auch intellektuell mit anderen Dingen auseinandersetzt als seine Altersgenossen, würde er sich sicher auch unter anderen Bedingungen keinen gleichaltrigen Freund suchen.
Stimmt! Ich persönlich habe auch kein soooo große Probleme damit, dass der Junge schon 17 ist. Ich bin ja auch 3 1/2 Jahre jünger als mein Mann. Ich hoffe, dass mein Mann sich daran gewöhnen kann, dass bei uns eben nicht alles so "durchschnittlich" wie bei anderen Menschen ist. Wir sind halt eine besondere Familie! :zwinker: Ich würde mich auch wünschen, dass ich mit meinem Mann besser darüber reden kann. Ich versuche, die Homosexualität meines Sohnes zu akzeptieren. Und wenn mein Mann dann so muffig und grantig ist, wenn es um unseren Sohn und dessen Freund geht, dann hab ich das Gefühl, dass mich das wieder ein bisschen zurückwirft.

susisanne38
10.08.2007, 16:41
Susisanne sei froh, dass euer Sohn so viel Vertrauen in Euch hat, dass er euch erzählt hat, dass er homosexuell ist. Das ist nicht selbstverständlich. Durch einen Kollegen habe ich viel Kontakt mit Homosexuellen, die allesamt supernette Männer sind.
Einige wenige verschweigen allerdings ihre Homosexualität vor ihren Eltern und ihrer Umwelt. Sie "erfinden" Freundinnen, einige heiraten sogar und haben heimliche sexuelle Kontakte mit Männern.

Sei froh, dass dein Sohn dieses Doppelleben nicht leben muss weil er verständnissvolle Eltern hat.
Ich versuche auch mein Bestes, damit meine Kids das Vertrauen zu mir (uns) nicht verlieren. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich selbst noch einigermaßen jung bin. Ich meine, ich habe mein
1 Kind mit 21 Jahren bekommen. Ich habe manchmal das Gefühl, das war alles erst gestern.:freches grinsen: Es fällt mir auch schwer, zu akzeptieren, dass meine Kinder jetzt langsam erwachsen werden und ihren eigenen Weg gehen. Am liebsten würde ich sie immer noch knuddeln wie früher.:smile: Ich finde es auch nicht gut, dass manche ihre homosexuellen Neigungen verheimlichen müssen. Ich kann mir vorstellen, dass das für die Menschen, denen nichts anderes übrigbleibt echt furchtbar ist. Ich werde auf jeden Fall alles tun, damit meine Kinder sich niemals für ihre Überzeugung (sei es politisch oder sexuell) schämen müssen. Beide sind ganz wundervolle Menschen! Ich denke, dass ich natürlich auch ab und an ein "Tief" haben werde. Und falls sich mein Sohn eines Tages dafür entscheiden würde, doch lieber Frauen zu lieben, bin ich bestimmt nicht traurig darüber. Doch jetzt im Moment ist es eben so wie es ist.