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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Merkwürdige Begenungen



Das_Sandwich
16.07.2007, 13:37
Ich habe in letzter Zeit immer wieder merkwürdige Begenungen:

Neulich Abends, ich bin so auf der Einkaufsmeile unterwegs, spricht mich plötzlich eine wildfremde Frau an und sagt: "Gucken sie sich mal den Himmel an, ist der nicht schön?" Ich dachte erst: Will die mich ablenken und meine Tasche klauen? Aber nein, sie wollte mir nur den Sonnenuntergang zeigen! Und er sah echt atemberaubend aus. Ich hätte ihn ohne diese Frau nicht gesehen, denn ich ging in die andere Richtung. Woher wußte die Frau, daß ich Sonnenuntergänge liebe?

Ein anderes Beispiel: Vor ein paar Tagen sagt eine mir fremde Frau mehrmals zu mir: "Sie müssen ganz viel trinken, das ist wichtig." Als hätte die Frau gewußt, daß ich immer zu wenig trinke! Und tatsächlich brauchte ich an diesem Tag mehr Flüssigkeit als sonst...

Kenn Ihr das auch, solche merkwürdigen Begegnungen? Ich bin mal gespannt...

Das Sandwich

Tabea
16.07.2007, 13:43
Nein, ich kann keine solchen Begegnungen beisteuern, aber ich habe das Gefühl, dass die Weilt um mich herum gerade ein wenig ein freundlicheres Gesicht bekommt.
Siehe auch hier... (http://www.stille-taten.de/)

Tabea

Monsterpueppi
18.07.2007, 10:23
hier... (http://www.stille-taten.de/)


Hej, das ist ja total die coole Seite. Die Sachen mit dem Taxi-Frühstück finde ich klasse!!!!

rapunzel2000
20.07.2007, 12:20
Hallo Sandwich,

ich hab vor 3 Wochen so eine Begenung gehabt, dass es mir kalt den Rücken runtergelaufen ist. Ich war allein für ein paar Tage nach Prag gefahren und saß am letzten Nachmittag in einem Café (also draußen) am Wentzelsplatz. Da kommt von der Strasse ein alter Mann auf mich zu und spricht mich auf tschechich an. Ich natürlich mit Händen und Füßen versucht mitzuteilen, dass ich nichts versteh. Ich dachte zuerst, der will betteln. Dann fragte er auf englisch, woher ich kommen würde, um dann ins deutsche zu wechseln (war übrigens der einzige während der Zeit, der deutsch sprach).

Und nun kommts. Er sagte: ich wollte Ihnen nur sagen, dass sie eine wunderschöne aura haben. Auf englisch würde man sagen "you are in order with yourself".

Ich war fassungslos, bedankte mich, dass er so was nettes zu mir sagte und er ging weiter. Ich fühlte mich wirklich gut während meines Kurztrips und war rundrum zufrieden und habe alles neue aufgesogen wie ein Schwamm. Aber das war natürlich die Krone.

LG
Rapunzel

Zeitnomade
01.08.2007, 22:49
Hatte vor zwei Jahren eine merkwürdige Begegnung. Ich stand im Krankenhaus auf einem Flur und wartete vor einem Arztzimmer auf meine Tochter, die sich gerade darin befand. Da kam eine dunkelhaarige, sehr gepflegte Damen und wollte auch dort in das Zimmer. Ich sagte ihr, dass dort gerade besetzt sei, weil meine Tochter einen Termin mit dem Arzt hatte. Während wir so da standen, kamen wir ins Gespräch und ich erzählte ihr von meiner schlimmen Woche, weil meine Tochter mit dem Auto verunglückt war. Sie schaute mich an und meinte: "Ihnen geht es nicht gut, Sie haben Streß, ich fühle, wenn es einem Menschen nicht gut geht. Dann kam es noch schlimmer! Sie meinte, dass sie riechen könne, wenn ein Mensch Krebs habe. dabei schaute sie mich so komisch an und lief um mich rum, so dass ich das Gefühl bekam, dass sie mich jetzt anschnüffeln wollte, ob ich auch zu diesen Kandidaten gehöre und mir lief es kalt über den Rücken. Dann sagte, sie, sie würde mich nicht genug kennen, um meinen Gesundheitszustand zu erriechen, aber bei ihren Bekannten, da träfen ihre Prognosen meist zu. Ich bin dann ganz schnell dort weg und obwohl ich nicht besonders fromm bin, schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel, der liebe Gott möge mich vor dieser unheimlichen Frau beschützen.

Edelherb
02.08.2007, 13:26
Die Begegnungen die man hat, hängen sicherlich sehr stark von dem ab, was man gerade ausstrahlt.

Ich gehöre z.B. zu den Leuten, die auch in wildfremden Städten gerne nach dem Weg gefragt werden.

Eine merkwürdige (im wahrsten Sinne des Wortes) Begegnung, die ich hatte, war in London. Ich war dort allein, es ging mir überhaupt nicht gut. Ich lief an einem sonnigen Tag durch den Hyde Park, unfähig, irgendetwas richtig aufzunehmen, die ganze Zeit den Tränen nahe. Da sprach mich ein Pärchen, das dort auf der Wiese lag, an, ob es mir nicht gut ginge und ob sie etwas für mich tun könnten.

Ich lehnte ab, weil mir nicht danach war, aber ich fand das gleichzeitig dermaßen rührend und wohltuend. Dass es in einer solch anonymen Metropole Menschen gibt, die nicht nur den Zustand wildfremder Mitmenschen bemerken, sondern sie auch ansprechen, anstatt nur weiter gemütlich im Park rumzuliegen. Es hat mich getröstet - auch wenn es mir weiterhin nicht gut ging- und tröstet mich heute noch.

Grüße,
Edelherb

uzzi
04.08.2007, 00:29
vor ca. 20 Jahren war mein Mann beruflich längere Zeit in Athen.
ich hab ihn dann 3 mal besucht.
Beim ersten Mal traf ich eine sehr nette ältere Dame an der Bushaltestelle. Sie sprach sehr gut deutsch und erzählte von ihrer Familie (Nazideutschland), aber ohne Vorwürfe und sonstiges.
Bei dem zweiten Besuch habe ich die Dame wieder in Athen auf der Strasse zufällig getroffen. Wir haben uns wieder gut unterhalten. Ist es denn ein Zufall , dass ich die Dame beim Dritten Mal wieder getroffen habe, immer in einem anderen Stadtteil, in einer Millionenstadt wie Athen?

Lizzie64
04.08.2007, 12:57
was für ein schöner thread!

ich möchte auch eine london-begegnung erzählen, die außerdem der athen-begegnung von uzzi ein bisschen ähnelt :smile: (wird etwas länger, ich liebe diese geschichte):

1991 bin ich für ein paar tage nach london geflogen. damals studierte ich noch (hauptfach englisch) und wollte ein bisschen für meine magisterarbeit recherchieren, was bedeutete, einige leute zu treffen. ich muss ganz kurz ausholen: die magisterarbeit bestand in der übersetzung eines theaterstücks von graham reid, einem dramatiker aus belfast, mit dem ich mich im zuge meiner vorbereitungen persönlich angefreundet hatte und der schon seit viele jahren in london lebt.

ich hatte einen termin mit grahams literaturagentin vereinbart, um über die aufführungsrechte des übersetzten stücks zu sprechen.

und ich hatte graham in letzter minute eine postkarte geschrieben, dass ich ab dem soundsovielten datum ein paar tage in london sein würde.

ich kam da also an, machte es mir in meinem hostelzimmer gemütlich und schlenderte durch die straßen (die gegend südlich vom regent's park). es war später vormittag in der sieben-millionen-stadt. auf einmal kam vielleicht zweihundert meter vor mir jemand rechts aus einer seitenstraße.

die statur kam mir irgendwie bekannt vor. "nein", dachte ich, "nein, lizzie, SOLCHE zufälle gibt es nicht. und graham wohnt auch in einerm ganz anderen stadtteil." die figur sah sehr aus wie graham. ich ging etwas schneller; er war es tatsächlich.

ich rief ihm sehr undamenhaft hinterher :smirksmile:, er drehte sich um: bingo. sah aus wie vom blitz getroffen. "wh-what are YOU doing here?"

mir fiel nichts besseres ein, als zu fragen, ob er meine karte nicht bekommen hätte. hatte er nicht, und was zum teufel HIER denn eigentlich gerade los sei?? ich wollte dich eh treffen, sagte ich. das sei ihm zu unheimlich, aber wir könnten uns gern ordentlich für den nächsten tag verabreden. :smirksmile:

das taten wir, und was passierte? wir liefen so durch die gegend auf der suche nach einem café, als er beschwingten schrittes eine junge frau anrempelte, die sich aufrappelte und im allerschönsten belfaster akzent sagte: "oh, for jesus' sake!"
die kannten wir beide: eine junge schauspielerin, die im jahr zuvor in einem stück von graham gespielt hatte und die nun gerade nach london gezogen war. sie schaute mich an und meinte verdattert: "und dich kenn ich doch auch!" (ich war im jahr zuvor in belfast an der uni gewesen und hatte nebenbei bei der theaterproduktion hospitiert und schauspieler kennengelernt).

graham war dermaßen verdattert, dass er sich vollkommenes schweigen auserbat, bis wir einen schönen tisch im café gefunden und eine tasse tee vor uns stehen hatten.

von graham habe ich übrigens seit unserem kennenlernen meinen "lizzie"-spitznamen, weil er so damit kokettierte, meinen ersten nicht aussprechen zu können. :smile:

das war ein ganz unglaublicher, intensiv empfundener tag.