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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : traurig, weil mein verstorbener Papa nicht bei meiner Hochzeit dabei sein kann.



Inaktiver User
06.07.2007, 15:02
Es ist noch eine ganze Weile hin bis zu unserer Hochzeit. Mein Freund und ich werden erst nächstes Jahr im Mai heiraten. Ich freue mich SEHR darauf. Wir haben schon begonnen zu planen und zu organisieren. Aber immer wieder denke ich darüber nach, wie traurig ich bin, dass mein Vater an diesem Tag nicht bei uns sein kann.
Ich war 14 als er an einem Herzinfarkt starb. Jetzt bin ich 31. Er war Pfarrer - also hätte eigentlich er unseren Traugottesdienst halten sollen...

In den meisten Situationen des Lebens habe ich mich ganz gut arangiert. Er fehlt mir immer wieder - aber im Allgemeinen komme ich damit einigermaßen zurecht. Aber bei der Hochzeit? Dabei wäre es ja gar nicht in seinem Sinne, wenn dadurch die Hochstimmung getrübt würde.

Es gibt doch sicher einige Leserinnen und Schreiberinnen hier im Forum, die diese Erfahrung auch schon machen mussten. Wie habt Ihr Euch darauf vorbereitet? Und wie seid Ihr mit dieser Lücke umgegangen?

Vielen Dank für Eure Hilfe,
sólblóm

swimmi
06.07.2007, 20:04
Hallo Solblom,

ich kann wahrscheinlich nicht gut mitreden. Ich bin 22 Jahre alt und nächsten Monat jährt sich der Todestag meiner Mujtter zum ersten Mal. Sie war gerade mal 52 Jahre alt und es tut noch immer ungemein weh, wenn ich an sie denke.

Obwohl ich noch sehr jung bin und auch noch kein Heiratsjahr festesteht (werde wahrscheinlich erst in 5 oder 6 Jahren heiraten, wenn überhaupt) habe ich totalen Horror vor der Hochzeit ohne meine geliebte Mama. Sie war immer alles, was ich hatte, da meine Eltern sich früh getrennt haben und mein Vater jetzt eine miese Tour abzieht. Ich hab totale angst, weil so eine Hochzeit ja irgendwie auch viel mit den eltern zu tun hat.

ich kann dih gut verstehen, mache mir da auch oft gedanken drüber,auch wenn wie gesagt noch kein termin feststeht. Für dich scheint es besonders schlimm zu sein, gerade auch, weil dein Papa dich sonst getraut hätte....

Es tut mir total leid, kann dich total gut verstehen. Der Satz: "Sie/Er ist trotzdem bei dir, wenn du heiratest" ist für mich wenig tröstend, es tut einfach noch zu weh, als dass ich es mir vorstellen kann, je den Tag meiner Hochzeit glücklich zu verbringen, ohne dass mir beim gedanken an sie nicht den ganzen tag die Tränen in die Augen steigen....

Ich wünsche dir alles Gute!

Dani

Karla48
06.07.2007, 21:46
Als ich geheiratet habe, war mein Vater "schon" elf Jahre nicht mehr. Auch ich habe gelitten, weil er nicht dabei war. Vorbereiten? Wie denn?

Am Tag X war alles so wunderschön, dass ich es rundum einfach unglaublich genossen habe. Klar, zwischendurch haben Mama und ich uns mal angelächelt und uns per Gedankenübertragung gesagt "Schade...". Ich war aber ohnehin an dem Tag öfter in Tränen aufgelöst, da fielen die 5 Minuten dann auch nicht mehr auf.

Überwogen hat der Genuß des Tages! Da möchte ich Dir unbedingt Mut machen! Denke nicht, dass da die traurigen Gedanken einem etwas verderben, nein, das war bei mir keineswegs so.

Mein Vater war ein "Partytier" sondergleichen. Wir haben hinterher nur gesagt "Also mit Vatern wär die Party noch drei Tage länger gegangen!" und haben uns köstlich amüsiert. Letztlich haben wir solch ein Partygedöns Anfang Juni diesen Jahres hier gehabt. Göttlich. Mein Vater wäre stolz auf uns gewesen :-)))

Versuche, Dich auf all die positiven Aspekte und Gefühle zu diesem Tag zu freuen. Du wirst sehen, es wird wunderschön!

Liebe Grüße
Karla

Inaktiver User
07.07.2007, 10:19
Erstmal vielen Dank an Euch beide, dass Ihr mir mit meinem Thema helft.

Liebe Dani,
auch wenn Du keine unmittelbaren Hochzeitserfahrungen beizusteuern hast, tut mir zum einen Deine Anteilnahme sehr gut. Zum anderen erinnert mich Deine noch viel frischere Trauer daran, wie es mir damals ging, als ich auch noch damit beschäftigt war, mich erstmal mit dem Verlust zurecht zu finden. Und das dauert einfach! Ich habe damals sehr viel Tagebuch geschrieben - und irgendwie dann gelernt, damit zu leben.
Wenn ich jetzt an meine Hochzeit denke, weiß ich, dass ich meinen Vater zwar vermissen werde, bin mir aber auch sicher, dass diese Verzweiflung, die früher eine große Rolle gespielt hat, nicht dabei sein wird.
Danke, dass Du mich daran erinnert hast. Und vielleicht gibt Dir der Gedanke ja auch Hoffnung, dass bei Dir im Laufe der Zeit der Schmerz auch nachlassen wird.

Liebe Karla,
Dein Beitrag macht mir tatsächlich Mut! Mein Vater war auch ein Partytiger - und vor der Party habe ich in der Hinsicht auch gar keine Angst. Da kann ich mir lebhaft vorstellen, wie ich mit meinem Vater auf der Tanzfläche abgehottet hätte.
Über die Trauung mache ich mir da schon mehr Gedanken. Und gedanklich und emotional darauf vorbereiten werde ich mich schon müssen. Sonst heule ich den ganzen Gottesdienst durch und habe hinterher völlig verquollene Augen. Ich kann mich da im Zweifel ganz schön reinsteigern.
Ich werde mich zum Beispiel entscheiden müssen, ob ich das Orgelvorspiel haben möchte, dass mein Vater sich für die Hochzeit mit meiner Mutter gewünscht hatte und das damals aber nicht möglich war.
Und wie ich ihn in die Fürbitten einbaue...
Wie hattest Du das denn gemacht? Oder hattet Ihr keine kirchliche Trauung?

Viele Grüße
Sólblóm

Monkele
07.07.2007, 10:34
Liebe Sólblóm,


wie gut kennst du den Pfarrer, der euch trauen wird? Wäre es dir vielleicht möglich, ihm von deinen Gedanken zu erzählen? Wenn du das Vertrauen in ihn hast, dann kann er das mit der Fürbitte für deinen Vater einbringen und ich bin überzeugt davon, es wird "gut sein". Was sagt dein Mann zu dem Orgelvorspiel? Könnte es auch "eure Musik" werden? Dann nehmt sie für euch! Und nochwas, ich bin mir sicher, dass dein Papa ein Auge auf seine Tochter hat, ganz besonders an diesem Tag!

Ich wünsche euch alles erdenklich Gute und einen wunderbaren Hochzeitstag, an dem du die Nähe deines Papas ganz positiv spüren kannst!

Monkele

Inaktiver User
07.07.2007, 10:59
Liebe/r Monkele!

Mit unserer Pastorin zu sprechen, habe ich mir auch schon überlegt. Unsere Gemeinde ist sehr groß und hat mehrere Patoren, daher kenne ich sie noch nicht persönlich.
Aber ich habe sie schon öfter predigen hören und mich daher für sie entschieden. Und ich bin mir sicher, dass sie da ein offenes Ohr für mich hat.
Was das Orgelvorspiel angeht bzw. die musikalische Gestaltung im Allgemeinen, da lässt mein Verlobter mir freie Hand. Er interessiert sich eher nicht für klassische Musik, ich im Gegensatz dazu schon. Aber wenn ich darüber nachdenke, finde ich, dass ich das auch mit meiner Mutter durchsprechen muss. Schließlich geht es dabei ja auch um ihre Hochzeit damals...

Tut wirklich gut, hier Tipps und aber vor allem aufmunternde und ermutigende Worte zu lesen. Danke!!!!

Sólblóm

Karla48
07.07.2007, 11:10
Mach Dir nicht soviel Sorgen, ich habe auch die ganze Zeit durchgeweint...alle fanden es süß (außer mir), und ich sah auf den Fotos zwar verweint, aber super happy aus.

Das Orgelvorspiel Deiner Eltern würde ich - so aus dem Bauch heraus - nicht wählen. Sondern etwas ganz eigenes. Wieso sagst Du, es ginge auch irgendwie um Deine Mutter? Es ist nicht ihr Tag, sondern Deiner/Eurer. Um Deinen Geschmack, nicht um ihren. Wenn sie gerne an ihre Hochzeit zurückdenkt, schön und gut. Aber bitte nicht Dir aufdrücken. Entschuldige, aber ich finde das unmöglich.

Ich wäre bestimmt traurig geworden, hätte man mir Vaters Lieblingslied vorgespielt. Nein, soweit möchte ich dann doch Abschied nehmen. Ich baue auch heute meinen Alltag nicht um ihn herum, um irgendwelche Gewohnheiten von früher oder so. Auf nach vorne, Neues machen.

Nur Mut!
Gruß Karla

Inaktiver User
07.07.2007, 12:07
Ups, da hab ich mich wohl unklar ausgedrückt.
Das mit dem Orgelvorspiel ist absolut meine Idee. Es wäre für mich eine Möglichkeit, irgendwie doch meinen Papa unmittelbarer dabei zu haben.
Meine Mutter habe ich da nur ins Spiel gebracht, weil ich denke, es könnte ihr zu viel Erinnerung sein. Ich nehme ihr ja dann "ihre" Musik weg.
(wie gesagt: meine Eltern wollten die Musik, konnten sie aber nicht bekommen - der Organist konnte das Stück nicht spielen.)
Und da ich ihre Gefühle nicht verletzen will, würde ich sie vorher fragen wollen.

Aber die Frage ist eben genau die, ob mich das dann nicht doch zu traurig macht...

Wie ich mich als weinende Braut fühlen würde, weiß ich auch nicht so recht. Meine Freunde und Verwandten kennen mich überhaupt nicht so emotional. Allerhöchstens mein Verlobter.
Ich weine nämlich äußerst ungern vor anderen Menschen.

Dein "Auf nach Vorn, Neues machen" ist eigentlich ein Motto, das ich ganz gut verinnerlicht habe. Nur jetzt in Bezug auf die Hochzeit scheine ich da ins Schwanken zu kommen.
Danke für die Erinnerung!

Sólblóm

Karla48
07.07.2007, 13:18
Aha, verstehe, kleines Mißverständnis. Na, macht ja nichts. :-)

Also mich kennt meine Umwelt zu Tränen gerührt des öfteren. Von daher war das nicht sooo ein großes Problem für mich, obwohl es mir nie, nie, nie angenehm ist, öffentlich Tränen flieißen zu lassen. Obwohl ich inzwischen weiß, dass manche mich gerade dafür lieben, dass ich Gefühle zeigen kann.

Musik: Nee komm, mach was eigenes. Warum soll die Mutter denn an so einem schönen Tag womöglich auch noch an ihren Mann erinnert werden und traurig sein...
Nix gegen Traditionen, aber in so einem Fall: Denkt daran, wie ihr möglichst fröhlich sein könnt. Finde ich. Der Vater würde sich auch wünschen, dass Ihr einen möglichst schönen Tag verbringt, und nicht in memoriam papa alle nur am Hheulen seid...

Gruß Karla

Rhea
07.07.2007, 22:46
Hallo,

ich war in der gleichen Situation wie du. Damals habe ich mich gegen eine kirchliche Hochzeit entschieden. Ich glaube der Grund war, dass ich mir damals, als mein Vater noch lebte, meine Hochzeit gemeinsam mit ihm vorgestellt habe, aber das, was man sich als Teenie vorstellt, ist ja die kirchliche Hochzeit.
Heute, einige Jahre später, würde ich sagen, dass der eigentliche Grund darin bestand, dass ich damals noch nicht mit Gott ausgesöhnt war, heute könnte ich mir auch eine kirchliche Hochzeit vorstellen. Hör auf dein Gefühl. Es gibt viele Arten eine Hochzeit zu feiern. Überlege dir bei welcher du dich am wohlsten fühlst.

Alles Gute. :blumengabe:

Inaktiver User
08.07.2007, 12:57
Das ist auch nochmal ein guter Denkanstoß, danke!

Da der Tod meines Vater ja nun schon 17 Jahre zurückliegt, habe ich mich mit Gott schon recht lange ausgesöhnt. Daher ist mir die kirchliche Hochzeit ja auch so wichtig.
Wäre das noch nicht der Fall, wäre mein Problem auch ein viel größeres, das ist allerdings wahr!

So langsam kommt der Mut, den Karla mir wünschte.
Muss ihn dann nur festhalten!

sabinemaria
09.07.2007, 13:57
Ja, liebe Solblom, sei mutig.

Ich war auch in dieser Situation. Mein Vater starb vor 19 Jahren, ich war damals 18 Jahre alt. Und seit damals hatte ich irgendwie Angst vor diesem bestimmten, einen Tag- vor meiner Hochzeit. Wer sollte mich um Altar führen? Wer mich meinem zukünftigen Mann übergeben? Wer kümmert sich um meine Mutter? All diese Fragen hatte ich seit damals im Kopf.

Vergangenen Oktober war es soweit. Und ich kann Dir sagen, dass es ein wunderschöner Tag war. Zwar mit ein bisschen Wehmut behaftet und mit ein paar Tränen getränkt, aber trotzdem schön.

Zum Altar hat mich mein Onkel geführt, der älteste Bruder meines Vaters (der ihm auch sehr ähnlich ist), er hat mich dann auch meinem Mann übergeben. Und meine Mutter (deren Mutter ein Monat davor gestorben war) hatte gute Nerven dank Baldrian-Dragees... :smile:

Es wäre schön gewesen, hätte er mitfeiern können. Aber irgendwie war er das auch - er war schließlich in unseren Herzen und in unseren Köpfen - und somit unser Begleiter über den Tag. Und ich bin mir sicher, er hat uns das schöne Wetter geschickt. Sonnenschein und herrliche Temperaturen - am 7. Oktober!

Also - sei mutig, sei fröhlich, sei stark und genieße diesen Tag. Dein Vater ist bei Dir. Sei Dir sicher. Es gibt immer wieder Tage, an denen man damit hadert, dass der Vater (die Mutter, die Schwester, der Bruder....) nicht mehr da ist. Aber sie sind nicht vergessen - und somit immer unter uns.

Liebe solblom, ich wünsche Dir eine wunderschöne Hochzeit.

LG Sabine

Inaktiver User
09.07.2007, 23:18
Genau darauf habe ich gehofft!
Dass ich hier "Leidensgenossinnen" finde, denen die Trauung ohne den Vater nicht den Tag verdorben haben.
So ein bisschen habe ich davor natürlich immer noch Angst - aber wenn ihr das schafft, schaffe ich das auch!

Vielen Dank!!

Karla48
09.07.2007, 23:39
Na klar schaffst Du das. :blume:

Versuche doch, in Deinen Gedanken an diesen wunderschönen Tag das Positive nach vorn zu kriegen. Die Vorfreude ist ja mindestens genauso schön wie die Freude selbst! Und - wie gesagt - mit heulenden Bräuten kommt das Publikum allerbestens zurecht :-)), don´t worry.

Am Tag X ist soviel los, Du kommst kaum zum Denken, glaub es mir. Bei mir ging die große Aufregung erst los, als wir am Trauungsort auf dem Parkplatz die Autos der Gäste stehen sahen. Puh, jetzt ist es soweit...dachte ich. An meinen Vater habe ich erst beim Sekttrinken, später im Lokal, gedacht. Ja, so war es. *nachdenk*
Ich hatte auch Angst vorher, dass ich dauernd denken müsste...och Mensch, und alles ohne Papa...war nicht so.

Wahnsinnig schön aufregend das Ganze! Hach, dass man das nicht ab und an mit Schatzi wiederholen kann, ist direkt schade!! Insofern beneide ich Dich ein bißchen :-)) Schön, dass wir Dich ein wenig beruhigen konnten. Freu ich mich für Dich!

Liebe Grüße
Karla

sabinemaria
10.07.2007, 13:46
Ja, Karla, genauso ging es mir auch. Man hat soviel positive Energie an diesem Tag in sich, dass man "Negatives" ein wenig verdrängt. Und das ist nichts Böses. Das hat die Natur schon so eingerichtet. Und unsere Verstorbenen sind uns ja nicht weniger "wert", nur weil man in dieser oder jener Situation gerade nicht an sie denkt. Das muss man auch nicht. Sie sind ja sowieso in unseren Herzen.

Solblom, genieße Deinen Hochzeitstag! Du schaffst das bestimmt. So wie wir anderen auch. :blumengabe:

LG Sabine

Inaktiver User
10.07.2007, 20:50
Mehr davon :kuss:

Aber auch, wenn da draußen noch weniger schöne Erfahrungen gemacht wurden, bin ich an einem Austausch sehr interessiert.

Und dann werde ich im nächsten Jahr ja selber sehen, wie es mir gelingt.
Die Vorfreude ist auf alle Fälle groß!