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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst um meinen Vater



Inaktiver User
04.07.2007, 12:00
Hallo zusammen,

mein Vater leidet an Demenz.
Meine Mutter ist fast täglich unterwegs.
Wenn er nicht mitkommt, was oft der Fall ist, läßt sie ihn einfach alleine daheim.
Die beiden sind nicht mehr zusammen, wohnen aber in einer Wohnung.
Er hat auch keine Freunde mehr, alle sind verstorben.
Gestern ist er zum 1. Mal den ganzen Tag verlaufen.
Meine Schwester & ich haben uns große Sorgen gemacht.
Erst am späten Abend ist er aufgetaucht.
Es tut mir einfach sehr weh, hilflos zu sein.
Wie kann ich ihm helfen?
Ich kämpfe mit den Tränen und versuche, stark zu sein.
Es wird ganz sicher schlimmer.
Mein Mann & ich sind auf der Wohnungssuche, um in seiner Nähe zu sein.
Was kann ich noch tun, damit nix Ernstes passiert?
Ich kann ihn nicht ins Heim abschieben, das ist nicht in meinem Sinne.
Er hat mich erzogen und jetzt bin ich dran.
Für Ratschläge wäre ich dankbar.

Traurige NEW

Inaktiver User
04.07.2007, 12:09
***Ich kann ihn nicht ins Heim abschieben***

mit "abschieben" hat es aber nichts zu tun ! ihr werdet es tun müssen, denn niemand kann 24 stunden einen verwirrten alten menschen beaufsichtigen ! das geht nämlich gar nicht. außerdem verstehe ich die situation zwischen deiner mutter und ihm nicht so ganz. zunächst ist es sie die noch gewisse pflichten hat. und was heißt eigentlich " die beiden sind nicht zusammen" ???
gruß von nemesis/dunkle-mondin.de

Inaktiver User
04.07.2007, 12:16
Liebe New,

so hart es klingt:

Es gibt in euerem Fall nur eine einzige Möglichkeit:

Du suchst ein Seniorenheim mit einer beschützenden (soll heißen: geschlossenen ) Abteilung.

Das hat nix mit Abschieben zu tun. Dein Vater ist demenzkrank. Dies ist unheilbar. Er ist verwirrt und in diesem Zustand darfst du ihn nicht eine Minute alleine lassen.

Verantwortung zeigen heißt vorliegend den Tatsachen ins Auge sehen - ein Verbleiben in der Wohnung ist nicht mehr möglich. Eine 24 Stunden Privatpflege werdet ihr euch nicht leisten könnten.

Bitte sieh es so: Dein Vater hat von der "eigenen Wohnung" nichts mehr. Er kann den Lebensabend, ohne Gefährdung, dort ohnehin nicht mehr genießen.

Schau dich nach einem liebvoll geführten Heim um. Frag Bekannte, die vielleicht in einer ähnlichen Situation waren.

Ich weiß, wie hart es ist, wenn sich die Rollen umkehren...

Alles Gute!

dmgroupie101
04.07.2007, 12:17
Ich finde es ganz toll, dass Du Dich so kümmern willst, denn viele erwachsene Kinder verschließen einfach die Augen.

Ich kann nur sagen, dass die Eltern meines Freundes den Opa bis zuletzt gepflegt haben. Er hat sogar mit im Haus gewohnt und war zuletzt Pflegestufe 3 und nicht immer wußte er, wo er war. Aber er wußte immer, dass sich seine Familie um ihn kümmert.

Ehrlich gesagt, ist es schon ein ziemlicher Lebenseinschnitt, jemanden zu betreuen. Aber wir als Familie haben alle mitgeholfen. Da er zuletzt nicht mehr alleine bleiben konnte, haben wir abends auf ihn aufgepasst, wenn Schatzis Eltern Kegeln hatten oder so.

Wir sind immer mit der Ganzen Familie und mit OPA!! in den Urlaub gefahren. Es ist eine ganz große Verantwortung, aber er hat so viel zurück gegeben. Er ist vor 3 Monaten gestorben mit 88 Jahren, aber kurz und schmerzlos. Alle vermissen ihn sehr, weil er so präsent war, trotz seiner Krankheit. Er hat sogar letztes Jahr mit uns im Garten aufm Beamer WM geschaut, zusammen mit unseren 20 Freunden und Freundinnen.

Ich glaube, dass wir mit dem Kümmern und Pflegen nicht nur ihm einen schönen Lebensabend bereitet haben, sondern, dass wir alle da menschlich unheimlich viel gelernt und zurück bekommen haben.

Also Kopf hoch, und sei mutig, Dich um Deinen Vater zu kümmern. Vielleicht entlastet Dich ja dann ein Pflegedienst oder ein anderes Familienmitglied. Sei stark...:fg engel:

LG dmgroupie

Diamant1
04.07.2007, 13:02
geh mal in elternpflege, sie können dir mit ratschlägen helfen.

Inaktiver User
04.07.2007, 14:50
Ich mag mir später nicht vorwerfen müssen, warum ich es nicht versucht, probiert habe.
Wir sind 3 Geschwister und es muss irgendwo eine Lösung geben.
Wenn wir wissen, dass es wirklich nicht geht, dann schauen wir weiter.
Genauer: Meine Eltern sind geschieden.
Das Beispiel von dmgroupie sagt schon mehr als 1000 Worte. Es hat mich zu Tränen geführt. Mann, wie rührend, so lieb.
Hoffentlich finden wir bald eine Lösung!!!

Bloggerin
04.07.2007, 22:13
Hallo New,
es gibt auch die Möglichkeit, dass Dein Vater in eine Tagesbetreuung geht. Da wird er morgens abgeholt und abend zurückgebracht. Allerdings braucht er zuhause jemand, der ihn noch zusätzlich betreut. Alles Gute!
die Bloggerin

Abendstille
04.07.2007, 23:26
Hi New,
im Heim sterben sie schneller. Sie kriegen mehr Medikamente,
sind schneller mangelernährt. Auch ein gut geführtes
Heim kann eine liebevolle Familie nicht ersetzen. Institutionen
können nicht lieben. Mein dementer Vater ist seit eineinhalb Jahren im Heim. Seitdem war er vier Mal im Krankenhaus, oft mehrwöchig, hat stark abgebaut. Alles, was er sich wünscht, ist Zuneigung, Aufmerksamkeit, dass sich Menschen Zeit für ihn nehmen, oder einfach nur da sind. Die Pflegekräfte können das nicht leisten. Es kann nicht immer jemand bei ihm sitzen. Und er
weiß, dass er einer von vielen ist. Seine Familie vor Ort hat
ihn abgeschrieben. Ich selbst lebe 500 km entfernt. Wenn Ihr es schafft, Euch als Familie um ihn zu kümmern, müsst Ihr wissen, dass Ihr damit sehr viel für ihn tut. Und es ist richtig, wenn hier beschrieben wird, dass einen das Kümmern auch sehr bereichern kann. Ich wünsche dir viel Kraft. Ich finde, Angehörige sollten es wenigstens versuchen, sich gemeinschaftlich um einen dementen Angehörigen zu kümmern. Und man muss wissen, dass auch das Kümmern um einen dementen Angehörigen im Heim viel Zeit erfordert. Wenn dein Vater irgendwann nicht mehr gut isst und trinkt, ist die Gefahr groß, dass er im Heim schnell mangelernährt ist, wenn man nicht regelmäßig zu Mahlzeiten ins Heim fährt, um ihm beim Essen und Trinken zu helfen. Man muss auch für
Abwechslung sorgen, mit ihnen Ausflüge machen, spazieren gehen - das hält sie länger fit. Wenn die Betreuung zu Hause nicht zu schaffen ist, sollte man nicht vergessen: Im Heim brauchen sie einen auch.
Alles Liebe
Abendstille

fuechsine
05.07.2007, 19:07
Es wäre sinnvoll, in einer nächst größeren Stadt oder Uniklinik
die sogenannte "Demenz-Sprechstunde" aufzusuchen und den Vater vorzustellen. Hausärzte sind hier überfordert und schonen ihr Budget. Es gibt meines Wissen zwei Medikamente, die bei festgestellter Demenz eingesetzt werden können und den Krankheitsverlauf zumindest verzögern (können). Solange er nicht agressiv wird (was leider auch vorkommt) sind häusliche Versorgung über Tagespflege-Einrichtungen und abwechselnde Nachtversorgung durch Familienangehörige eine Zeitlang vielleicht möglich. In unserer Stadt gibt es eine Alzheimer-Gruppe von Laienhelfer, die die Angehörigen stundenweise entlasten. Von der Alzheimer Gesellschaft hier im Internet kannst Du Dir sicher Rat und Hilfe bekommen.
Ich wünsche Dir Mut und Zutrauen.

Inaktiver User
06.07.2007, 13:11
Danke!!!

Mein Vater würde nicht von einer Fremden bzw. einem Fremden betreuen wollen, auch wenn er abends wieder zu Hause sein wird. Zweitens lehnt er alle Medikamente (z.B. gegen Husten) immer strikt ab.
Er war bisher auch nie richtig krank, z.b. Erkältung o.ä.
Merkwürdig, nicht?
Seine jetzige Krankheit ist vererbt. Denn einige seiner Verwandten leiden auch darunter, sind entweder bereits verstorben oder im Heim - nicht ansprechbar.
Wir machen uns Sorgen, wenn er beim nächsten Mal mal alleine einkaufen geht. Er versteht unsere Sorge nicht, indem wir eine Vermißtenanzeige aufgegeben haben. Es geht ihm doch gut, so er.

Euch nettes Wochenende!!!

NEW

Inaktiver User
13.07.2007, 07:16
@newcomerin
... die Lösung scheint nicht darin zu liegen, dass ihr euch eine Wohnung in der Nähe sucht. Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um über schlechtes Gewissen von Abschieberei und Gegenleistung fürs Großziehen anzusehen. eine Fachperson sollte hier einbezogen werden im vertrauten Umfeld oder - zur Sicherheit für den Vater - eine 24 Stunden-Betreuung - sprich Heim.
Sorgen würde ich mir um die Mutter machen, inwieweit sie die "interne Trennung" und die Verantwortung für ihren Ehemann wahrnimmt, bzw. seine aktuelle Lage ignoriert...