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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine Tante stirbt...



Inaktiver User
30.06.2007, 21:38
Gerade habe ich erfahren, dass meine liebe Tante im Sterben liegt... Sie war wie eine Mutter für mich und meinen Bruder. Es zerreisst mir das Herz.

Vor allem weiß ich nicht, ob ich nicht doch noch einmal zu ihr ins Krankenhaus fahren soll - wenn ich gleich losfahre, könnte ich in einer Stunde bei ihr sein. Aber meine Mutter sagte, sie würde ganz schlimm aussehen und unter Morphium stehen und nichts mehr mitbekommen. Ich habe auch Angst davor, sie so zu sehen... sie sterben zu sehen. Außerdem habe ich mich schon mehrfach in den letzten Tagen von ihr verabschiedet. Aber vielleicht wäre es doch gut, für sie und für mich, wenn ich auf diesem letzten Weg bei ihr wäre. Ich weiß es nicht... ich fürchte nur, dass ich nicht mehr viel Zeit für eine Entscheidung habe. Ist hier vielleicht noch jemand online, der mir einen Rat geben kann??

Ich bin so traurig. Ich liebe sie sehr. Bitte lieber Gott, wenn es Dich gibt, lass sie nicht leiden. Sie hat es nicht verdient.

Inaktiver User
30.06.2007, 21:57
Fahr hin, wenn Du kannst, damit hilfst Du Deiner Tante.
Ich glaube, es ist auch besser für Dich, wenn Du dabei bist, oder noch einmal Abschied nehmen kannst. Ich war bei meiner Tante und meiner Oma leider nicht dabei.

Ich glaube auch, dass ihr Tod sie von den Schmerzen erlösen wird und dass Dich das sehr beruhigen wird. Wenn Du siehst, dass sie in Frieden gehen kann, wird es Dir ein Trost sein und Dich nicht mehr erschrecken.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft - egal, wie Deine Entscheidung sein wird. Für Deine Tante zünde ich virtuell eine Kerze an.

Giselle
30.06.2007, 22:11
Liebe Frühlingsfrau,

ich würde auch hinfahren! Vor ziemlich genau einem Jahr lag meine Oma im Sterben und ich bin so froh, dass sie nicht alleine gehen musste. Ich war zwar leider nicht dabei, aber ihr Mann und ihre Kinder waren bei ihr. Ich kann gut verstehen, dass Du Angst davor hast, sie so zu sehen, aber ich denke, es wird Dir gut tun, sie noch mal zu sehen und streicheln zu können.

Letztendlich musst Du die Entscheidung selbst treffen, Du sagst ja, dass Du Dich schon verabschiedet hast, aber ich denke, es wäre für Euch beide gut, wenn Du doch noch mal hinfahren würdest.
Ich hoffe, Deine Tante wird bald von ihren Schmerzen erlöst und ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

Liebe Grüße
Giselle

Inaktiver User
30.06.2007, 22:15
Es ist schwer von außen zu sagen, was richtig ist. Wenn Du sie so in Erinnerung behalten willst, wie es Dir gut tut, und zu viel Angst vorm Krankenhausbesuch hast, würde ich folgendes tun:

Setz Dich in eine ruhige Ecke, mach Dir beruhigende Musik an, entzünde eine Kerze und setz Dich hin und denke an Deine Tante. Wenn Deine Tante schon im sterben liegt, werden Deine Gedanken sie erreichen auf dem Weg, den sie nun geht.

Das hört sich vielleicht abgedreht an, aber ich bin wirklich sicher, dass die Sinne und Wahrnehmungen von Sterbenden viel feiner sind als wir uns das vorstellen können.

Eine :kerze: für Dich und Deine Tante:blumengabe:

Inaktiver User
30.06.2007, 22:27
Hallo Fruehlingsfrau,

@Kranichs Vorschlag gefällt mir sehr gut und an Deiner Stelle würde ich beides kombinieren. Fahre ins Krankenhaus und suche Dir dort eine ruhige Ecke, um an Deine Tante zu denken. Wenn Du Dir dann doch noch überlegst, sie noch einmal zu sehen, dann mußt Du nicht erst eine Stunde fahren, sondern kannst sofort in ihr Zimmer gehen.

Alles Liebe und viel Kraft bei Deiner Entscheidung (welche auch immer Du treffen wirst) :blumengabe:

Pianoforte

Inaktiver User
30.06.2007, 22:29
Hallo Fruehlingsfrau,

@Kranichs Vorschlag gefällt mir sehr gut und an Deiner Stelle würde ich beides kombinieren. Fahre ins Krankenhaus und suche Dir dort eine ruhige Ecke, um an Deine Tante zu denken. Wenn Du Dir dann doch noch überlegst, sie noch einmal zu sehen, dann mußt Du nicht erst eine Stunde fahren, sondern kannst sofort in ihr Zimmer gehen.

Alles Liebe und viel Kraft bei Deiner Entscheidung (welche auch immer Du treffen wirst) :blumengabe:

Pianoforte

So ist es noch besser :wangenkuss:

Inaktiver User
30.06.2007, 22:32
Liebe Georges, liebe Giselle,

wie Ihr seht, bin ich immer noch zuhause..

Gerade in diesem Moment hat meine Mutter angerufen. Meine Tante ist gerade gestorben. Ich wäre zu spät gewesen, ich bin zu spät, es ist zu spät...

Ich danke Euch für die Zeit, die Ihr Euch für mich genommen habt. :blume:

Ich wünscht, ich wäre gläubig und könnte jetzt für sie beten :kerze: , aber vielleicht hilft es auch, wenn ich einfach an sie denke (mir und ihr).

Sie hatte wirklich kein leichtes Leben, aber sie hat soviel Gutes getan. Sie ist 1927 geboren, hat immer viel arbeiten müssen, wenig Geld gehabt (zuletzt 700 Euro Rente), nie geheiratet, dafür zeitlebens ihre behinderte Schwester gepflegt, sich parallel um mich und meinen kleinen Bruder mit gekümmert, für den sie immer ein bißchen Geld in der Tasche hatte, auch wenn sie selbst so wenig hatte. Gerade heute habe ich im Zusammenhang mit der Trauerfeier für Klaus-Jürgen Wussow gehört, dass er sich das Lied gewünscht hatte "Es wird Dir im Leben mehr genommen als gegeben". Für sie traf das auf jeden Fall zu. Und dann war sie die letzte Zeit auch noch so krank und musste so leiden, auch wenn sie wenigstens nie alleine war, sondern immer jemand aus unserer Familie bei ihr.

Tut mir leid, wenn das jetzt ein bißchen lang war... ich weiß nur gerade nicht so recht wohin mit mir. Ich bin auch alleine zuhause. Aber ich habe schon eine Kerze für sie angezündet und hoffe einfach, dass sie nun ihren Frieden hat und dass es ihr besser geht. Irgendwie erscheint es mir auch irreal, dass der Anruf meiner Mutter nun quasi ihr Leben beendet hat. Einfach so, von jetzt auf gleich. Auch wenn ich ja nun schon seit Wochen damit rechne und ich schon letzte Woche bei ihr war, nachdem sie ihre letzte Ölung bekommen hatte.

Ich glaube, ich höre jetzt lieber mal auf. Aber - ganz ehrlich - es ist irgendwie ein tröstendes Gefühl zu wissen, dass irgendwo da draußen jemand Anteil nimmt an meiner GEschichte, und an ihrer... neben meiner Familie natürlich. Dafür vielen Dank...

Inaktiver User
30.06.2007, 22:35
Danke auch an Kranich und Pianoforte, ich habe Eure Antworten eben erst gesehen. :blume:

Giselle
30.06.2007, 22:39
Mein aufrichtiges Beileid, liebe Frühlingsfrau! Es tut mir so leid, aber Deine Tante hat jetzt keine Schmerzen mehr und ich bin sicher, es geht ihr gut, wo auch immer sie jetzt ist. Ich stelle eine Kerze für Deine Tante und eine für Dich hierher! :kerze: :kerze:

Ich kann Deine irrealen Gefühle gut nachvollziehen, als meine Oma letztes Jahr gestorben ist, ging es mir ganz genauso. Es gibt auch jetzt noch Momente, in denen ich es kaum glauben kann. Auch wenn man weiß, dass es bald soweit sein wird, wenn der Moment dann eintrifft, ist es unfassbar.

Ich denke an Dich und wünsche Dir alles Gute,
Giselle

Inaktiver User
30.06.2007, 22:42
Ach, das tut mir so leid für Dich und Deine Tante. Von dem was Du so schreibst, hatte sie bestimmt ein erfülltes Leben.

Ich werde mal eine :kerze: für sie anzünden.

kaffeesahne
30.06.2007, 22:43
Frühlingsfrau,


:kerze: für deine Tante,

und eine virtuelle Umarmung für dich!

Kaffeesahne

Inaktiver User
30.06.2007, 23:15
Ich danke Euch allen für Euer Mitgefühl.

Was mich gerade etwas umtreibt, das ist die Tatsache, dass ich ihr bei meinem Besuch gestern gesagt hatte, dass ich sie heute noch einmal besuche... Ich war aber heute so fix und fertig, dass ich es auf morgen verschoben habe... Meine Mutter hatte mir vorhin dann auch noch erzählt, dass sie im Todeskampf nach mir gerufen hat (wie nach vielen anderen Leuten auch). Das wird mich sicher noch eine Weile begleiten... Es war heute sicher eine Mischung aus Erschöpfung, psychisch und physisch, nach den letzten Wochen, aber leider auch der Angst, sie wirklich sterben zu sehen, die mich regelrecht gelähmt hat. Gestern saß ich schon an ihrem Bett und dachte bei jedem Atemzug, es könnte ihr letzter sein. Das hat mir solche Angst gemacht, auch ihr seltsam verdrehter Blick.. ich hatte das Gefühl, es einfach nicht länger aushalten zu können, und schon gar nicht, noch "mehr" und "schlimmeres" auszuhalten.

Ich weiß zwar, dass sie mir sofort vergeben würde... aber ob ich das selbst kann, weiß ich im Moment leider noch nicht. Wenn ich mir die Frage von vorhin jetzt noch einmal beantworten müsste, würde ich wahrscheinlich losfahren... aber jetzt ist es, wie gesagt, zu spät (wobei ich mir vielleicht auch nur so sicher bin, weil sich die Frage nicht mehr stellt... im Nachhinein ist Mut immer ganz leicht).

Was mich tröstet, ist, dass andere tapferer waren und dass sie nicht alleine war. Eine andere Tante von mir war die ganze Zeit bei ihr, sie ist sehr gläubig und konnte ihr sicher auf ihrem letzten Weg helfen. Und, ohne hier Unterschiede zwischen verschiedenen Familienmitgliedern machen zu wollen - ich weiß, dass ich für meinen Bruder wirklich auch ALLES machen würde und dass mich nichts und niemand von seinem Sterbebett wegbringen könnte. Aber wir sind ja zum Glück beide noch recht jung.

Bei allem Traurigen, das so ein Ereignis mit sich bringt, aber ich habe mich heute - wenn auch nur telefonisch - wieder so eng mit meiner Familie verbunden gefühlt wie schon lange nicht mehr. Das gemeinsame Weinen mit meinem (nach außen immer so starken) Bruder hat uns sicher noch enger zusammengeschweisst und wird dies in den kommenden Tagen sicher auch noch tun. Dabei ist es vielleicht für meine Eltern, insbesondere für meinen Vater, alles noch viel schlimmer. Mein Vater zeigt nie Gefühle, ich weiß aber ganz sicher, dass er ganz viele davon hat, und er hat sehr viel Zeit mit seiner Schwester verbracht. Nun wird sich vieles ändern...

So, das Teelicht, das ich vorhin angezündet habe, ist nun auch verloschen... ich glaube, ich werde mal versuchen, zu schlafen oder zumindest ins Bett gehen.

Wünsche Euch allen eine gute Nacht und danke Euch nochmal ganz lieb für's Mitlesen, an mich denken, an sie denken... Alles Liebe für Euch!

Inaktiver User
30.06.2007, 23:18
Liebe Frühlingsfrau.
ich spreche Dir mein Beleid aus und wünsche Dir jetzt in dieser Zeit ganz viel Kraft.
Meine Tante war auch eine solche Frau wie Deine - das Leben hat ihr auch nichts geschenkt. Diese Generation hat es nicht leicht gehabt, denke ich. Die meisten Frauen haben nur gearbeitet und waren für die Familie da. Ich denke auch ganz oft an sie und daran, wie das alles immer noch lächelnd geschafft hat. Sie hat nämlich ihre drei Söhne allein großgezogen und zwei Jobs gemacht.
Alles Liebe für Dich und Deine Familie.

Giselle
01.07.2007, 13:43
Liebe Frühlingsfrau,

ich hoffe, Du konntest heute Nacht einigermaßen gut schlafen und ein bisschen zur Ruhe kommen.

Ich kann sehr gut verstehen, dass es Dich etwas umtreibt, dass Du Deiner Tante bei Deinem Besuch vorgestern gesagt hast, dass Du sie gestern noch einmal besuchst. Ich habe mich damals an einem Mittwoch abend von meiner Oma auch mit den Worten verabschiedet, dass ich morgen wieder komme. Am Donnerstag früh ist sie dann leider verstorben und ich konnte nicht bei ihr sein. Ich bin mir sicher, dass Dir Deine Tante das absolut nicht übel nimmt und auch Du solltest Dir das nicht vorwerfen! Sie war nicht alleine und sie wurde von guten Seelen abgeholt (das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich bin fest davon überzeugt).

Bei uns war es letztes Jahr genauso, nach dem Tod meiner Oma, bzw. in der Zeit an ihrem Krankenbett, war unsere Familie auch wieder viel enger miteinander verbunden und das hält bis heute an. Gerade in so einer Extremsituation ist es wichtig, dass die Familie zusammenhält, miteinander weint, aber auch wieder lacht.

Ich wünsche Dir alles Gute, viel Kraft und ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel geschrieben... :kerze:

Liebe Grüße
Giselle

Inaktiver User
01.07.2007, 19:46
Liebe Giselle,

nein, Du hast sicher nicht zuviel geschrieben - im Gegenteil, es tut gut, so etwas von einer mitfühlenden Seele zu lesen, die etwas ähnliches erlebt hat.

Ich habe gestern eigentlich ganz gut geschlafen, heute kam die Trauer aber nochmal so richtig durch. Ich bin zu meinen Eltern gefahren, die direkt neben meiner Tante wohnen, und mir wurde auf dem Weg dorthin wieder ganz deutlich, dass nichts mehr so sein wird wie es mal war. Nie wieder. Das Haus neben meinen Eltern wird verkauft werden, dort werden fremde Leute einziehen, vielleicht wird es sogar abgerissen, weil es so baufällig ist, und das, obwohl dort so viele Erinnerungen für mich und die ganze Familie dran hängen. Mein Vater hat dieses Haus mit aufgebaut, meine Oma und meine beiden Tanten haben bis zu ihrem Tod dort gelebt, ich selbst verbinde viele viele Kindheitserlebnisse mit diesem Haus und dem Garten dort - es war einfach immer so normal, dort rüberzulaufen - jetzt wird das bald nicht mehr gehen. Es hat mir heute richtig körperlich weh getan, durch den Garten zu laufen, die Gardinen und Blumen und Dekogegenstände zu sehen, die meine Tante dort hatte - als würde sie immer noch dort wohnen. Stattdessen liegt sie in der Pathologie unseres Krankenhauses (mich gruselt diese Vorstellung ganz furchtbar...). Wie schrecklich, dass eine Krankenschwester meine Mutter gestern sogar bat, den Schmuck meiner Tante an sich zu nehmen, weil sie meinte, sie könne nicht garantieren, dass da unten nichts wegkäme. Aber da hat meine Mutter, wie ich finde, richtig reagiert und gesagt, dass derjenige, der meiner toten Tante die Ohrringe ausziehen würde, das dann selbst mit seinem Gewissen ausmachen müsse...

Aber ich schreibe auch schon wieder zuviel....sorry.

Allen, die mitlesen und mitfühlen, nochmal vielen Dank dafür und alles Liebe und Gute für Euch! :blume:

wolfsmond
01.07.2007, 22:51
Liebe Frühlingsfrau,

ich wünsche Dir und Deiner Familie viel, viel Kraft für die schwere Zeit die vor Euch liegt.

wolfsmond

Inaktiver User
02.07.2007, 21:10
Wolfsmond, ich danke Dir für Deine Anteilnahme.

Alles Liebe und Gute auch für Dich!

Inaktiver User
02.07.2007, 21:49
Liebe Frühlingsfrau, "zuviel schreiben" gibt es nicht. Nicht in dieser Community - und erst recht nicht in dieser Ecke des Forums!

Bei mir ist es so, daß ich die Gedanken in meinem Kopf viel besser sortieren kann, wenn ich sie aufschreibe. Es hilft mir oft, die Dinge klarer zu sehen, wenn ich sie für einen Außenstehenden verständlich formulieren muß. Das werden dann auch manchmal ziemlich lange Geschichten - aber jemand, der sich dafür interessiert, wird es lesen.

Jemand, dem es zu lang ist - der interessiert sich nicht dafür.

Ich habe viele (sehr liebe) Tanten, aber eine, zu der ich eine ganz besondere Beziehung habe. Sie ist mein letztes "Bindeglied" zu meinem verstorbenen Vater. Wenn sie eines Tages stirbt... das wird eine mehr als schmerzhafte Wunde in mein Leben reißen!

Immerhin hat sie mir schon das Versprechen abgenommen, daß ich ihr, wenn es so weit ist, ein paar Päckchen Salz mit ins Grab gebe (sie ist ein Salz-Junkie...).

Das werde ich tun, darauf kann sie sich verlassen!

:blumengabe: Betsi-Kuh

Inaktiver User
02.07.2007, 22:13
Liebe Fruehlingsfrau !

Auch ich schicke dir :blume: :blume: und eine liebe umarmung :wangenkuss: .Es tut weh einen seiner lieben zu verlieren,aber die erinnerungen an sie,die liebe die wir von ihnen erfahren haben,die kann uns keiner mehr nehmen :blume: .



alles liebe von keule,die ihren bruder schmerzlich vermißt:blume: :blume: