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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktion „Lebendiges Deutsch“,was denkt ihr?



Earth_Intruders
30.06.2007, 17:57
Gerade beim durchstöbern im Web entdeckt und für Diskussionswürdig gehalten:

http://www.focus.de/wissen/bildung/tid-6684/sprache_aid_64704.html

Die Wiedereinführung und Benutzung von deutschen Wörtern und die
Verbannung von englischen Wörtern aus der deutschen Sprache.

:blumengabe:

WhiteTara
01.07.2007, 10:55
Hallo Earth_Intruders,

solche Diskussionen gibt es immer wieder mal, dass man meint, die deutsche Sprache gehe verloren, weil zu viele ausländische Wörter in den Alltagsgebrauch eingeflochten werden. Und dann kommen Vorschläge, wie man diese Wörter ersetzen kann, um die deutsche Sprache "sauber" zu halten.

Meine Meinung: Sicher gibt es für viele Wörter auch Entsprechungen im Deutschen, die man durchaus passend nutzen kann an Stelle z.B. der Anglizismen.
Aber ich finde das nicht unbedingt sinnvoll, wenn es einem darum geht, die deutsche Sprache in ihrer Vielfalt zu erhalten. Ich habe mir in dem Beitrag die vorgeschlagenen Beispiele angesehen und denke, dass manche der genannten deutschen Wörter auch nicht korrekt das ausdrücken, was das "Fremdwort" meint. Zum Beispiel ist für Nordic Walking "Sportwandern" vorgeschlagen - das trifft es nur zum Teil, denn es ist ja eine besondere Art des Gehens mit Stöcken, was in dem deutschen Wort dann nicht zu erkennen ist. Und überhaupt: was ist das für ein Wort "Sportwandern" ? Für mich als sportlicher Mensch, der unter anderem auch viel wandern geht und manchmal Walking (ohne Stock) betreibt, zählt wandern sowieso zu den Sportarten - wieso dann noch extra im Wort sagen, dass es Sport ist ? Diese Wortschöpfung macht für mich an sich keinen Sinn. Und es gibt für mich auch einen Unterschied zwischen "Walking" , "Nordic Walking"und "Wandern" - diese Wörter bezeichnen für mich persönlich unterschiedliche Fortbewegungsarten - wieso sollte ich sie dann mit einem einzigen deutschen Wort benennen? Ehrlich gesagt, käme ich zum Beispiel auch nicht auf die Idee andere Sportarten wie z.B. Karate mit einem deutschen Wort bezeichnen zu wollen, nur damit ich nicht das fremde, japanische Wort benutze - es bedeutet im Deutschen ja so viel wie "kämpfen mit der leeren Hand" - klingt doch reichlich eigenwillig, wenn dann einer sagt "Ich gehe zur Übungsstunde im Kampf mit der leeren Hand"

Die Befürchtung, dass die deutsche Sprache immer mehr verloren geht, finde ich gerechtfertig, wenn ich höre, wie gering der Wortschatz in der Alltagssprache geworden ist - das liegt aber nicht am Gebrauch vieler Fremdwörter oder deren eingedeutschter Form, sondern daran, dass schon Kinder nicht mehr die Vielfalt der deuschen Worte kennen lernen: Wenn gesagt werden soll, dass man sich zu Fuß von Ort A nach Ort B bewegt, dann fällt den meisten nur noch "gehen" ein, dabei könnte man schlurfen, schlappen, schleichen, hinken, flitzen, rennen, stolzieren, schreiten und noch so viel mehr. Wer die deutsche Sprache lebendig halten möchte, der sollte sich dafür einsetzen, dass ihre bunte Vielfalt den Menschen wieder vertrauter wird - und dann kann man getrost auch Wörter aus fremden Sprachen einbauen, ohne dass die deutsche Sprache dabei verloren geht!

Nolita
01.07.2007, 12:04
Ich bemühe mich auch seit einiger Zeit darum in den verschiedensten Foren nicht nachzuäffen, was andere vorgeben, einige Bespiele:

Small Talk
News
Voting
Wellness
Beauty etc.

sondern ich benutze ganz bewußt die entsprechenden deutschen Wörter.

Schuld an der Misere sind meiner Meinung nach auch die Radiosender, die seit Jahrzehnten nur englischsprachige Titel spielen. Im Ausland lacht man über uns, Kommentar einer Internetbekanntschaft aus den USA: "Habt ihr keinen Stolz?"

Inaktiver User
01.07.2007, 12:08
Ich mag Deutsch richtig gerne, ich finde es ist eine pralle, vielfältige Sprache - ich liebe die Bücher von Wolf Schneider und Bastian Sick!

Aber be einigen Beispielen auf der Seite krieg ich merkwürdige Assoziationen...

"Klapprechner" statt laptop?? Ist das dieses Kugel-Dingens für Rechenanfänger?

"Prallkissen" statt airbag?? Wenn, dann Aufprallkissen, sonst denk ich sofort an Silikon...

"Denkrunde" statt brainstorming?? Viel zu gesittet! Wo bleibt da die überbordende Fantasie, der Kontrollverlust?

"Meidezone" statt no-go-area? Zone klingt wie Ost-Zone! Und warum soll ich was meiden? Weil es mir gefährlich werden kann (Gefahrenzone)? Oder weil ein anderer mich da nicht haben mag (Betreten verboten)?

"Rufdienst" statt callcenter? Hallo? Wenn ruft denn dieser Dienst? ICH ruf da an und wenn ich Glück hab, dient mir jemand. Ansonsten ist das eine Telefonzentrale.

"Break" kommt komischerweise in der Alltagsspreche nicht vor, nur in der Fernsehwerbung und auf Tagesordnungen.

Oder hat jemand schonmal den Satz gehört: Kommste mit break-machen? *bg*

Asphaltblume
01.07.2007, 17:34
Ich erfreue mich an der Vielfalt und den mannigfaltigen Ausdrucksmöglichkeiten der deutschen Sprache, und unsinnige Anglizismen oder Denglisch vermeide ich auch eher.
Aber ebenso wie ich andere Fremdwörter mit großer Selbstverständlichkeit benutze, benutze ich auch englische Fremdwörter, wo eine deutsche Alternative fehlt, albern und ungebräuchlich oder zu unpräzise ist.

Sprache ist einem steten Wandel unterworfen, und auch die Übernahme fremder Wörter und Ausdrücke ist so alt wie nur was.
Ich studiere Germanistik, da werde ich praktisch täglich mit den Ergebnissen dieses Prozesses in den verschiedenen Jahrhunderten konfrontiert.

MannOhneNamen
01.07.2007, 17:44
Ich finde es schon schrecklich, wie englischsprachige Ausdrücke verwendet werden, wo es viel treffendere deutsche gibt (relaxen statt entspannen, ...). Diese Ausdrücke meide ich möglichst.

Aber bei einigen Wortschöpfungen dieser "Aktion" muss ich an misslungene Eindeutschungen wie den Vierschlagzerknalltreibling (Viertaktmotor) denken. Was von den Amis kommt, wie z. B. Fastfood, das kann meiner Meiung nach auch ruhig englisch sein.

Gruß

Mann ohne Namen

Polarstern
01.07.2007, 18:09
Schuld an der Misere sind meiner Meinung nach auch die Radiosender, die seit Jahrzehnten nur englischsprachige Titel spielen. Im Ausland lacht man über uns, Kommentar einer Internetbekanntschaft aus den USA: "Habt ihr keinen Stolz?"
Die pure Idee, wir würden mehr deutsche Volksmusik im Radio hören, treibt mir schon Schweißperlen auf die Stirn. Mir fiele im Moment nur eine deutsche Band ein, die ich wirklich gerne höre, und das auch nicht den ganzen Tag lang. So lange Deutschland kaum gute Bands hervorbringt, freue ich mich noch über englischsprachiges.

Und die amerikanische Vorstellung von Nationalstolz ist auch nichts, dem ich unbedingt nacheifern wollte...:zwinker:

Ansonsten scliesse ich mich völlig Evemie an: ich liebe unsere Sprache und nutze sie gern. Aber einige der Eindeutschungen klingen so merkwürdig, daß ich sie sicher nie verwenden würde.

Außerdem hat jede Sprache Lehnwörter fremder Sprachen, unser heutiges Deutsch ist ja auch schon lange durchsetzt mit lateinischen und französischen Ausdrücken.

LG
Polarstern

MannOhneNamen
01.07.2007, 19:59
Im Ausland lacht man über uns, Kommentar einer Internetbekanntschaft aus den USA: "Habt ihr keinen Stolz?"

Im europäischen Ausland gibt es Quoten für das Spielen der Titel im Radio in der Landessprache. Die Franzosen würden vermutlich auch überwiegend englische Lieder hören, wenn ihnen das nicht per Gesetz verboten wäre. Ich glaube, es gibt in Frankreich auch gesetzliche Vorgaben zum Gebrauch von Fremdwörter, z. B. das Wort "Computer" darf nicht verwendet werden.

Gruß

Mann ohne Namen

Newinswitzerland
01.07.2007, 21:59
Wer die deutsche Sprache lebendig halten möchte, der sollte sich dafür einsetzen, dass ihre bunte Vielfalt den Menschen wieder vertrauter wird - und dann kann man getrost auch Wörter aus fremden Sprachen einbauen, ohne dass die deutsche Sprache dabei verloren geht!

:allesok:

absolute Zustimmung

Inaktiver User
02.07.2007, 10:51
@Mann ohne Namen:

Takt ist zwar "nur" lateinisch und doch schon ein paar Jahrhunderte in der deutschen Sprache heimisch - wo hast du denn den Vierschlagzerknalltreibling her?

Sag jetzt nicht, dass das wieder die Ossis waren! *frechgrins*

C-Bird
02.07.2007, 11:49
Sprachen entwickeln sich mit der Zeit nun mal, auch das Deutsche kann nicht ewig auf einem Punkt verharren.

Das Wort "Break" gibt es übrigens durchaus - wird im Rollenspiel (DSA, D&D und ähnliches) gerne für Spielpausen verwendet...

mohnpluhme
02.07.2007, 13:01
Ich bin wahrlich auch kein Freund der ständigen Anglizismen-Verwendung. Da merkt man aber wenigstens noch, was es ist.

Weitaus schlimmer finde ich die "primitiven Übersetzungsanglizismen", wie 'Sinn machen' und 'nicht wirklich'. Bei denen dachte ich anfangs noch, der Übernahme in die deutsche Sprache durch häufiges Darauf-aufmerksam-Machen der Benutzer Einhalt gebieten zu können. Bin natürlich gescheitert, wie ich jetzt einsehen muss. :knatsch:

Nach wie vor kräuseln sich bei mir aber die Fußnägel, wenn ich das höre.

Sicher, Sprache entwickelt sich weiter. Aber muss sie das gerade in einer solchen Weise tun??

Polarstern
02.07.2007, 18:13
Hallo,
ich störe mich ja eigentlich nicht so an den um sich greifenden Anglizismen.

Mir fällt allerdings gerade in der Bricom ein ziemlich unheilvoller Trend auf - Eindeutschung englischer Wörter, deren Herkunft man nicht kennt, die man aber schick findet:
- Ich bin jetzt gesättelt
- Das kannst Du zB so händeln…

Seufz….

Liebe Grüße
Polarstern

WhiteTara
02.07.2007, 18:41
- Ich bin jetzt gesättelt


Du bist was :wie?:

Inaktiver User
02.07.2007, 19:47
DAS finde ich übrigens auch besonders schlimm, wenn englischen Wörtern, die im Deutschen häufig gebraucht werden, mit der Zeit eine deutsche Schreibung und Aussprache verpasst wird.

Ich weiß ja, dass das schon immer so war und wir heute Wörter verwenden, bei denen das Fremde überhaupt nicht mehr zu sehen ist, aber momentan fällt es mir besonders häufig auf. Warte schon sehnsüchtig auf den Zeitpunkt, zu dem wir "Boddi" schreiben und "Bjuti". Das "Handy" haben wir ja schon erfunden, wann wird es endlich ein "Händi" oder sogar "Hendi"?

Und Mohnpluhme stimme ich auch uneingeschränkt zu, "Sinn macht" so etwas nicht!

LG, Orlando (die in ihrem Leben schon immer mit dem Deutschen gekämpft, aber durchaus nicht immer gewonnen hat)

Polarstern
02.07.2007, 20:31
Du bist was :wie?:
Gesättelt - von 'settle down' - jedenfalls glaube ich das, weil es im Sinne von niedergelassen sein/zufrieden mit dem, was man hat oder wo man ist, gebraucht wird. :knatsch:
Nicht unbedingt einfach zu erkennen...

So. Nun hat mein Freund mich ausgelacht, weil er mich etwas auf Englisch gefragt hat und ich ganz liebenswürdig auf Deutsch geantwortet habe. Dieser Strang tut mir nicht gut. :freches grinsen:

LG
Polarstern

Inaktiver User
02.07.2007, 21:21
Gerade beim durchstöbern im Web entdeckt und für Diskussionswürdig gehalten:

http://www.focus.de/wissen/bildung/tid-6684/sprache_aid_64704.html

Die Wiedereinführung und Benutzung von deutschen Wörtern und die
Verbannung von englischen Wörtern aus der deutschen Sprache.

:blumengabe:

Konsequenterweise, Earth_Intruders, solltest du deinen Nick in "Erd-Eindringlinge", ersatzweise in "Regenwürmer", umändern.

:zwinker:

MannOhneNamen
02.07.2007, 21:42
@Mann ohne Namen:

Takt ist zwar "nur" lateinisch und doch schon ein paar Jahrhunderte in der deutschen Sprache heimisch - wo hast du denn den Vierschlagzerknalltreibling her?

Sag jetzt nicht, dass das wieder die Ossis waren! *frechgrins*

Nein, das hat nichts mit Ossis zu tun. Das weiß ich noch von meinem Deutschunterricht (70-er Jahre). Es ging da aber um weit zurück liegende Versuche der Ersetzung von Fremdwörtern. Wie du schreibst, wird Takt ja schon lange nicht mehr als Fremdwort angesehen, Motor auch nicht.

Gruß

Mann ohne Namen

Inaktiver User
03.07.2007, 05:31
Die Brigitte, in deren Forum wir uns hier tummeln, geht - was die Anglizismenverwendung betrifft - mit gutem Beispiel voran und ersetzt deutsche Wörter, wo es nur geht. Mich nervt es schon seit langem, dass es ständig nur noch Beauty und Body heißt, wo es dafür doch altbewährte deutsche Begriffe gibt. Oder sind die nicht mehr "cool"? Gibt es demnächst einen Artikel zum Thema "Warum guter Sleep so wichtig ist"? Oder "Neues zum Thema Divorce-Recht"? :ooooh:
Neulich rief die Sparkasse an und sagte "Ihre Überweisung wurde gecancelt" (schreibt man das eingedeutscht so?"). Aha, auch schön.
Es gibt sicher Ausdrücke, bei denen der englische Ausdruck treffender ist (siehe "Nordic Walking"), aber man muss es "nicht wirklich" übertreiben, oder?

Inaktiver User
03.07.2007, 08:54
Man kann Überweisungen natürlich auch stornieren (kommt aus dem Italienischen) oder stoppen (kommt aus dem Englischen). *zwinker*

Was händeln und setteln angeht: ich glaub, dass Leute, die berufsbedingt zwischen Deutsch und Englisch hin- und her-switschen anfälliger bzw. vertrauter mit diesen Begriffen sind.

Lustig wird's ja immer dann, wenn coooooole Werbung auf Otto Normalverbraucher trifft.
Da gab es doch diesen Slogan von Douglas: Come in and find out!
Viele Kunden übersetzten das mit : Komm rein und sieh zu, dass du wieder rausfindest. *kicher*
Der Slogan wurde dann abgesetzt....

Na gut, ein Star (!) könnte im Interview (!) natürlich auch von seinem Berater anstatt von seinem Manager sprechen.

Handy ist zwar ein deutsches Wort aber doch wesentlich griffiger als tragbares Funktelefon?

Spannender Strang!

Polarstern
03.07.2007, 09:15
Was händeln und setteln angeht: ich glaub, dass Leute, die berufsbedingt zwischen Deutsch und Englisch hin- und her-switschen anfälliger bzw. vertrauter mit diesen Begriffen sind.


Da ich mit einem Waliser lebe und in einem englischsprachigen Job arbeite, trifft das wohl auf mich zu - aber gerade deshalb finde ich die Eindeutschung der Worte so gräßlich.

Im gesprochenen Gebrauch habe ich mit englischen Einsprengseln kein Problem. Aber die Schreibweise "gesättelt/gehändelt" finde ich unsäglich. Wenn man gern Weltläufigkeit demonstrieren möchte, sollte man dann wenigstens die Rechtschreibung beibehalten.

Dafür hat mein Freund heute morgen beim Radiohören seinen Spaß gehabt. Er hat zum ersten Mal bewußt "Lokführer" wahrgenommen. Er sagt, für ihn als Briten gibt es nur einen "Führer". Die Idee, dieser sei Lokführer, findet er komisch (ich auch, seit ich mir das bildlich vorgestellt habe :freches grinsen:)

LG
Polarstern

Horus
03.07.2007, 09:17
Und Sport dürfte dann auch niemand mehr treiben.

Ach ja, und wie war das mit dem Übersetzungsvorschlag "Nordic Walking = sportliches Wandern? Da wird bloss ein Anglizismus durch einen zweiten ersetzt...

mohnpluhme
03.07.2007, 10:18
Bei "händeln" würd's wahrscheinlich zu Missverständissen führen, wenn man es nicht eingedeutscht schreibt. Denn "handeln" ist ja nicht unbedingt gleichbedeutend mit "händeln". Noch schöner wäre es natürlich, das Wort komplett durch ein deutsches zu ersetzen, klar.

Wahrscheinlich muss man sich aber einfach damit abfinden, dass diese meist englischen Ausdrücke in die Alltagssprache übernommen, evtl. abgewandelt und eingedeutscht werden und in einigen Jahren oder Jahrzehnten überhaupt nicht mehr als "ausländisch" erkannt werden. Wie's eben mit Sport und Motor der Fall ist. Und Trottoir und Portemonnaie "darf" man ja heutzutage auch sagen, ohne gleich der Verhunzung der deutschen Sprache beschuldigt zu werden. Ob es damals, bei Einführung dieser Begriffe, auch Leute gab, die sich über die Verfranzösischung der deutschen Sprache aufgeregt haben?

Ebayfan
03.07.2007, 11:55
Und Sport dürfte dann auch niemand mehr treiben.

Ach ja, und wie war das mit dem Übersetzungsvorschlag "Nordic Walking = sportliches Wandern? Da wird bloss ein Anglizismus durch einen zweiten ersetzt...

Ich würde es als An-Stöcken-gehen übersetzen. Mit dem Norden hat diese Tätigkeit doch wirklich nichts mehr zu tun! Und ob das Gehen mit Stöcken sportlicher ist als ohne?? Mir fallen in letzter Zeit immer häufiger Leute mit Wanderstöcken (allerdings eine kürzere Veriante) als Gehhilfe auf. Die wirken wohl dynamischer als ein herkömmlicher Stock für ältere und gebrechliche Leute. Ob die das dann auch Nordic-Walking nennen??:freches grinsen:

Statt Sport sagen wir dann wieder Leibesertüchtigung.

Und der Viertaktmotor? Verbrennungs-Triebwerk mit vier Arbeitsabschnitten?

Horus
03.07.2007, 12:20
Na, und als Sprach-Puritanisten müssten wir dann so angeblich urdeutsche Wörter wie "Fenster" und "Mauer" ebenfalls ächten. Sind nämlich genauso Lehnwörter, wenn sie auch ein paar Jahrhunderte lang mehr Zeit hatten, "deutsch" zu werden.

Asphaltblume
03.07.2007, 19:40
Und selbst die Nase fanden wir, obzwar lateinisch, wohl nur handlicher als den guten deutschen Gesichtserker.

Newinswitzerland
04.07.2007, 07:26
Es sollte hier unterschieden werden, zwischen Lehnwörtern, die es schon länger gibt und Modewörtern, die in den letzten 15 Jahren vermehrt auftreten. Vor allem die bereits erwähnte Verwenden englischer Verben, die dann konjugiert werden, sollte man meiner Meinung nach unterlassen.

Die spannende Frage ist nur - wie kann man den Gebrauch von Anglizismen oder Denglisch stoppen?

Fragt sich die
NIS

sabinemaria
04.07.2007, 07:37
Hallo!

Auch ich bin (als Journalistin) eine Verfechterin der deutschen Sprache und der "richtigen" deutschen Sprache - also "auf dem" statt "am".

Aaaaaber: Ich bin durchaus bereit, englische Ausdrücke zu verwenden, wenn es mir nicht zu dämlich erscheint. Ich sage also auch "Nordic Walking", "Handy", "Laptop" oder Ähnliches.

Denn manches klingt in unserer Sprache einfach komisch - wie "tragbares Funktelefon". Eine ehemalige Kollegin von mir machte daraus sogar ein "Handtelefon", um das Englisch zu vermeiden - und das halte ich sehr wohl für übertrieben. Denn: Was ist denn bitte ein "HAND"-Telefon...??? :smile:

LG Sabine

Horus
04.07.2007, 08:00
Es sollte hier unterschieden werden, zwischen Lehnwörtern, die es schon länger gibt und Modewörtern, die in den letzten 15 Jahren vermehrt auftreten.

Okay, da ist vielleicht ein Unterschied. Obwohl auch Lehnwörter wie "Fenster" ihren Siegeszug einstmals als Modewort begonnen haben, komisch eingedeutscht wurden und sich erst nach und nach zu einem Bestandteil der deutschen Sprache gewandelt haben, der heute nicht mehr als "fremd" empfunden wird.

Newinswitzerland
04.07.2007, 08:39
Okay, da ist vielleicht ein Unterschied. Obwohl auch Lehnwörter wie "Fenster" ihren Siegeszug einstmals als Modewort begonnen haben, komisch eingedeutscht wurden und sich erst nach und nach zu einem Bestandteil der deutschen Sprache gewandelt haben, der heute nicht mehr als "fremd" empfunden wird.

Hallo Horus,

ich bin sprachgeschichtlich nicht sehr bewandert - von welchem Zeitraum reden wir hier?

Generell:
Was auffällt ist, dass alles was mit dem Internet und anderen neuen Technologien zu tun hat, mit Anglizismen versehen ist. Wie war das früher? Wurde da eine Erfindung mit dem jeweiligen "Erfindungsnamen" aus der Sprache des Erfindungslandes (sorry, ich tue mich gerade schwer beim formulieren) übernommen? Hat es vielleicht auch mit der Zahl der neuen Gegenstände und Tätigkeiten zu tun - es wird heutzutage sicher mehr erfunden als früher .... oder täusche ich mich da? Und, wie ist es anders herum - übernehmen andere Sprachen die Bezeichnungen von Erfindunge/Innovationen made in Germany?

Horus
04.07.2007, 08:56
Wörter wie "Fenster" und "Mauer" kommen direkt aus dem Lateinischen und wurden mit der Verbreitung der römischen Steinbautechnik in den germanisch sprechenden Gebieten verankert.
Mauer hat sich so neben das "echt germanische" Wand (was eigentlich "Gewundenes" bedeutet, sich also auf die Flechtwerkwände der vorrömischen Häuser bezieht) gestellt und Fenster hat das alte "augatora" oder "augadura" völlig verdrängt.

Es war damals also wie heute: mit der neuen Technologie wurden auch die entsprechenden Fremdwörter übernommen, allmählich "eingermanisiert" bzw. eingedeutscht - bestimmt über Zwischenstufen, die genauso seltsam klangen wie heute "gesplitted" - bis sie schliesslich die deutsche Sprachbürgerschaft erhielten, um das mal so zu sagen, sie also nicht mehr als Fremd- oder Lehnwörter erkennbar sind.

Ebayfan
04.07.2007, 10:13
Das ist ja auch ganz sinnvoll. Wenn jemand etwas erfindet, das noch niemand kennt, denkt er sich einen Namen dazu aus und verbreitet Namen und Produkt gleichzeitig. Dann kann man nicht meckern, wenn ein ausländisches Produkt auch einen ausländischen Namen trägt. Ein gutes Beispiel dafür ist doch der Walkman: Sony hat ihn erfunden, ihm diesen Namen gegeben und seitdem nennt man diese kleinen Kassettenabspielgeräte mit Batteriebetrieb eben Walkman.

In solchen Fällen sind Fremdwörter doch völlig problemlos. Es bleibt außerdem jedem Volk selbst überlassen, ob es das Wort anpassen oder übersetzen möchte oder lieber eine eigene Bezeichnung für das Produkt suchen und benutzen möchte.

Idiotisch finde ich nur die Zunahme von Fremdwörtern für Dinge, die es immer schon gab und die schon recht eingängige einheimische Bezeichnungen haben. Besonders wenn überhaupt keine Innovation dahinter steht.

Deshalb kann ich die Umbenennung des Mobiltelefons zum Handy gut nachvollziehen. Wer noch weiß, wie so ein mobiles Telefon im C-Netz damals aussah, kann gut nachvollziehen, warum die D-Netz-Geräte dann Handy getauft wurden ;-). Die alten C-Netz-Geräte waren nämlich nicht handlich genug, um sie mit einer Hand zu halten und gleichzeitig zu bedienen. Da war das Wort handy für handlich eine gute Beschreibung für die Verbesserung. Gut, man hätte die Dinger Handlich statt Handy nennen können. Klingt komisch, oder?

Polarstern
04.07.2007, 11:48
Denn manches klingt in unserer Sprache einfach komisch - wie "tragbares Funktelefon". Eine ehemalige Kollegin von mir machte daraus sogar ein "Handtelefon", um das Englisch zu vermeiden - und das halte ich sehr wohl für übertrieben. Denn: Was ist denn bitte ein "HAND"-Telefon...??? :smile:

Naja, Englisch vermeidet die Kollegin damit wohl kaum - Handy ist schliesslich ein urdeutscher Ausdruck. :smirksmile:

Was würde eigentlich gegen den Ausdruck "Mobiltelefon" sprechen, den es ja sonst auch in vielen Sprachen gibt?

LG
Polarstern

mohnpluhme
04.07.2007, 12:06
Was würde eigentlich gegen den Ausdruck "Mobiltelefon" sprechen, den es ja sonst auch in vielen Sprachen gibt? Zu lang? Oder einfach zu deutsch und damit nicht cool genug für diese neumodische Apparatur, die sie ja damals war.

Tabea
04.07.2007, 12:14
Schaut mal... (http://www.youtube.com/watch?v=UHZLbZpzms4)

Historia02
04.07.2007, 12:18
bis sie schliesslich die deutsche Sprachbürgerschaft erhielten

Das ist ja eine süße Vorstellung ... :kuss:

"Hallo Herr "händeln", zeigen Sie mal Ihren Ausweis vor ...? Aha! Sie sind also jetzt schon 5 Jahre in Deutschland beheimatet? Können Sie das auch beweisen?" - "Aber natürlich, ich habe ja sogar ein "ä" in meinem Namen. Ich bin vollständig assimiliert." - "Gut, Herr "händeln", hiermit verleihe ich Ihnen die deutsche Sprachbürgerschaft, sie erhalten damit das Recht, wie alle anständigen deutschen Wörter konjugiert zu werden. Schönen Tag noch und viel Spaß in unserem schönen Land!"

:freches grinsen:

Horus
04.07.2007, 12:23
:freches grinsen: :freches grinsen: :freches grinsen:



Was würde eigentlich gegen den Ausdruck "Mobiltelefon" sprechen, den es ja sonst auch in vielen Sprachen gibt?


Ganz einfach: sowohl "mobil" als auch "Telefon" sind ebenfalls Fremdwörter. :fg engel:

sabinemaria
04.07.2007, 13:43
Okay - mein letzter Vorschlag: Hand-Fernsprechgerät... :smirksmile:

*duckundrennweg*

mohnpluhme
04.07.2007, 15:36
Mein Chef legt mir - welch Zufall - grad dies hier vor. Ich weiß, es ist etwas älter, ich hab's auch schon mal irgendwo gelesen, fand es jetzt aber grad so passend... Vielleicht kennt's der ein oder andere noch nicht. Man sieht, wie weit das führen kann... Aus einem Interview mit Jil Sander:

"Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das Future-Denken haben muss. Meine Idee war, die Hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfogl war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualität mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladysches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils."

Inaktiver User
04.07.2007, 17:32
"Nordic Walking" -ok.

Aber man muss ja offenbar auch walken. Wenn man nicht joggen will.

Danach kann man sich dann vom Masseur durchwalken lassen.

Spazieren geht ja wohl auch kein Schwein mehr :knatsch:

Earth_Intruders
04.07.2007, 17:49
Mein Chef legt mir - welch Zufall - grad dies hier vor. Ich weiß, es ist etwas älter, ich hab's auch schon mal irgendwo gelesen, fand es jetzt aber grad so passend... Vielleicht kennt's der ein oder andere noch nicht. Man sieht, wie weit das führen kann... Aus einem Interview mit Jil Sander:

"Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das Future-Denken haben muss. Meine Idee war, die Hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfogl war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, dass man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewusste Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualität mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladysches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils."


Da weiß kein Mensch mehr was Jil Sander damit bezwecken will.Ich versteh bei so einem Kauderwelsch gar kein Wort mehr.
Unglaublich!!
Wie kann ein Mensch nur so geschwollen reden??:knatsch: :schild nein:

Mr_McTailor
06.07.2007, 18:26
Ich finde das mit den Worten, die aus fremden Sprachen entliehen sind, so schlecht nicht.

Unter Anderem vermeidet man damit, die entsprechenden deutschen Worte doppelt belegen zu müssen. Das ist insbesondere dann verwirrend, wenn die ausgeliehenen Worte eine eigene, abweichende Definition mit sich bringen. Cool und kühl bedeutet halt nicht zwingend dasselbe.

Aber auch aus einem anderen Grund halte ich diese Leihworte für nützlich. Sie beschreiben oft Dinge, deren Existenz möglicherweise nur vorübergehend ist. Die Worte sind quasi auf Bewährung.

Sehr häufig findet man sie ja in der Mode oder der EDV. Das sind aber gerade Bereiche, in denen sich nahezu das gesamte Angebot innerhalb weniger Jahre komplett erneuert. Mit diesen Sachen verschwinden dann auch die Begriffe wieder. Sie wären also der Mühe gar nicht Wert gewesen, adäquate Deutsche Worte dafür zu (er)finden. Jil Sander ist da übrigens ein gutes Beispiel. Die ist nämlich bereits in der Versenkung verschwunden und dieser ganze, oben zitierte Wortmüll gleich mit.

Für Sachen, die dauerhaft bestehen bleiben, findet sich sicher irgendwann auch von selbst ein passender Begriff.

Ich hätte viel größere Sorge, wenn man den Typen, die sich von Amts wegen oder zwecks Stammtisch-Popularität dieses Themas annehmen, freie Hand zum "Ordnen" ließe. Das Debakel um die Rechtschreibreform sollte uns da Mahnung genug sein.

MannOhneNamen
07.07.2007, 11:39
Ich finde das mit den Worten, die aus fremden Sprachen entliehen sind, so schlecht nicht.

Unter Anderem vermeidet man damit, die entsprechenden deutschen Worte doppelt belegen zu müssen. Das ist insbesondere dann verwirrend, wenn die ausgeliehenen Worte eine eigene, abweichende Definition mit sich bringen. Cool und kühl bedeutet halt nicht zwingend dasselbe.




Der Meinung schließe ich mich an. Manchmal frage ich mich sogar, wie man im Englischen sich noch klar ausdrücken kann, da so viele Ausdrücke mehrfach belegt sind.