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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Loslassen"



UnaDonna
29.06.2007, 22:34
Guten Abend,liebe Leser/innen,
bin neu in diesem Forum...
Auf der Suche nach Hilfe zur Trauerbewältigung bin ich hier gelandet und lese mich seitdem durch die Rubriken.
Da ich denke,daß auch mir gut tun würde,zu erfahren,mit meiner Geschichte,nicht allein zu sein,schreibe ich die Kurzfassung meiner letzten 4 Wochen auf.
Meine Mutter-heute 61 J. alt geworden-wurde mit anhaltendem Fieber,Schwäche und Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert.
Dort suchte man nach einem Befund,hielt eine OP für unumgänglich.
Innerhalb von 24 Std. hat man diese,auf unbestimmte Zeit,verschoben und meine Mutter beatmet,mit Antibiotika und div. anderen Mitteln,versorgt und sie anschließend ins künstl. Koma versetzt.
10 Tg. lag sie dort,wir standen an ihrem Bett,haben gebangt,gehofft,geweint...
Dann eine Besserung,sie wurde "zurück geholt",die Ärzte staunten und verlegten sie kurz drauf auf eine norm. Station-nach 1 Wo. erneut ein Rückfall.
Erst noch die Hoffnung auf eine mögliche Transplantation-als letzte Option,dann die Nachricht,es sei nun weder chirugisch noch internistisch noch etwas für sie zu tun.
Die Organe wie auch das Herz-Kreislauf-System sind nicht mehr stabil genug,die Venen voller Thromben und selbst lebensverlängernde Maßnahmen-die sie nicht gewollt hätte-würde sie nicht langfristig überleben.
Nach vielen Gesprächen mit Ärzten und Angehörigen hat man uns heut geraten,sie loszulassen.
Sie,bis zum Tod,zu begleiten,auf einer Intensivstation,erleichternd durch eine entsprechende Medikation,die ihr Schmerzen und Angst nehmen soll.
Wir wollen sie nicht länger leiden sehen,sie aus egoistischen Gründen "bei uns" behalten-darum haben wir zugestimmt.
Sie ist nicht mehr "wach" genug für einen bewußten Abschied,
den ich mir so sehr gewünscht hätte.
Ich hoffe,sie spürt uns,unsere Anwesenheit,unsere Liebe,unser versöhnliches Dasein.
In den nächsten Stunden,Tagen,werde ich meine Mutter verlieren,mein Stiefvater seine Frau,meine Tochter ihre Oma,Angehörige und Freunde,einen liebevollen Menschen.
Mir fällt all das so unsagbar schwer...
Was sage ich meinem Herz,wenn es weint,
meinem Körper,wenn er schreit,
meiner 5-jährigen Tochter,wenn sie fragt-
wie erkläre ich den Tod?
Wir werden bei ihr sein,ihr,auf dem letzten Weg beistehen und sie loslassen,wenn es Zeit wird...ein Teil von mir,wird mit ihr gehen...

Gedankenvoll, "UnaDonna"

Inaktiver User
29.06.2007, 22:45
Liebe UnaDonna,

eine schwere Zeit für euch alle... Lass dich mal drücken.

Sie spürt es, da bin ich mir sicher.

Es ist schwer etwas dazu zu sagen. Deiner Tochter musst du vermitteln, dass es die Oma leichter haben wird und vielleicht kannst du ihr mal die Sterne zeigen, von denen aus die Oma auf euch aufpassen wird.

LG Schweinchen:blumengabe:

Inaktiver User
30.06.2007, 11:54
Ich denke, Ihr solltet alle zu Euren Gefühlen stehen. Das Sterben ist für die Angehörigen etwas Trauriges, Schmerzhaftes, ein Ausnahmezustand mit nie erlebten und nie vermuteten Gefühlen. In jedem Alter geht man damit vielleicht anders um, aber dennoch könnt Ihr - Tochter, Stiefvater, Enkelin - Euch gegenseitig trösten.

Und Deine Mutter wird es mit Sicherheit spüren, welche Liebe Ihr für sie empfindet. Sie wird mit dem Gefühl gehen können, dass Ihre Liebsten zusammenstehen.

Ricarda44
30.06.2007, 12:45
Hallo, UnaDonna,

es ist ein schweres Loslassen, was Dir bevorsteht.
Es ist eine dankbare und ehrenvolle Aufgabe, einen lieben Menschen nicht allein gehen lassen zu müssen.

Auch wenn die Angst und Zweifel jetzt groß sein mögen und der nahende Abschied Ohnmacht auslöst, sieh es bitte als das Beste, was Du für Deine Mutter in diesen Stunden tun kannst, nämlich bei ihr zu sein.

Das Sterben eines lieben Menschen bedeutet Leid für die Angehörigen.
Viele haben keine Möglichkeit, noch im Leben Abschied zu nehmen.
Du hast die Möglichkeit, auch wenn es Dir jetzt wie ein unsagbar schweres Los vorkommen mag.

Ich denke, Du wirst auch in späteren Jahren an diese Zeit zurück denken und dankbar sein, dass Du bei Deiner Mutter sein konntest in ihrer letzten Zeit im irdischen Leben.

Nein, ich finde das Ganze überhaupt nicht lapidar oder so.
Ich habe meine Mutter selbst begleitet als sie starb. Und ich hatte auch Angst vor dem letzten Moment.
Aber ich weiß auch, dass ich mehr verzweifelt gewesen wäre, wenn ich ihr das letzte Gute, nämlich bei ihr zu sein und ihre Hand zu halten beim Fortgang, nicht hätte geben können.

Sie ist immer noch bei mir.
Und ich weiß, sie hatte keine Angst zu gehen.
Ich denke, die größte Angst wäre gewesen, allein zu sein und keinen seiner Lieben um sich zu haben.

Wir können den Tod nicht verhindern.
Aber unsere Liebe mit auf den Weg geben.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie ganz viel Kraft, Mut und Vertrauen.

UnaDonna
01.07.2007, 12:25
*1.Juli 2007 1.30 Uhr*

...ein wundervoller Mensch weniger auf Erden...

Ihr habt Recht,einen nahstehenden Menschen,
auf seinem Heimgang,begleiten zu können,
kostet enorme Kraft aber macht auch
unsagbar reich!
Meine Trauer zerreißt mich und füllt mich
gleichermaßen versöhnlich mit Frieden.

Es wird,in jeglicher Form,ein Erlebnis bleiben,
daß mich lebenslang begleiten wird.

Nun gilt es,nicht nur zu funktionieren,
sondern seinen,diesen wahnsinnig starken,
Emotionen Platz einzuräumen.
Zu realisieren,"es" ankommen zu lassen.
...schwere Zeit-schweres Leben...

...gut,zu spüren,zu wissen,daß ich nicht allein bin...

Mein Dank gilt denen,die verstehen und begleiten.

"UnaDonna"

Ricarda44
01.07.2007, 14:04
Liebe UnaDonna,

Deine liebe Mutter ist jetzt dort, wo auch andere wundervolle Mütter sind.
Und ich glaube, wenn es Gerechtigkeit gibt, haben sie einen der besten Plätze in dem Land, zu dem wir hoffentlich noch lange keinen Zugang haben.

Unsere Mütter haben mehr von sich gegeben als es ihre Pflicht war.
Sie haben tiefe Spuren der Liebe, des Verstehens und des Seins bei uns hinterlassen.

Ich denke manchmal die Gedanken, die meine Mutter haben könnte.
Wie würde sie es haben wollen, wie ich bin, wie ich mich fühle?

Und ich höre aber auch schon in Gedanken ab und zu ihre Worte: "So geht das aber nicht, mein Kind!"

Die Herzenskommunikation hört nicht auf.
Du wirst es spüren und es wird Dir helfen.

Meine ersten Gedanken als ich Deine Zeilen gelesen habe, waren:
"Es tut mir so unendlich leid. Aber ich bin mir sicher, Deine Mama wird einen tiefen Frieden in sich tragen. Sei stolz, meine Liebe, dass Du so eine Mutter Dein nennen kannst."

Ja, UnaDonna, die Zeit "es" kommen zu lassen.
Die Tränen, die man um solche Menschen weinen müsste, wären nicht genug.
Aber gerade solche Menschen, die man so geliebt und geachtet hat, gerade sie sind es, die uns in Momenten der Verzweiflung und Trauer in den Arm nehmen würden und sagen würden: "Weine nicht, Kind. Ich bin doch irgendwie immer da. Auch wenn Du mich nicht siehst."

Lass es Dir ein wenig Trost sein, dass Du innerlich Deine liebe Mama nie verlieren wirst.

Liebe und anteilnehmende Grüße.