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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abschiede



ladysybil
27.06.2007, 17:19
Hallo!
Ich weiß mal wieder nicht, ob das hier das richtige Forum ist, aber ich versuch es mal.
Ich bin im Moment ganz schön durch den Wind. Ich habe gerade ein Jahr im europäischen Ausland verbracht, dass sich dem Ende zuneigt. Anschließend gehe ich ein weiteres halbes Jahr noch sehr viel weiter weg. Danach werde ich zwar wieder nach Deutschland ziehen, aber...tja, das aber.
Das ABER sind die Abschiede, und die machen mir gerade sehr zu schaffen. Ich habe hier sehr viele sehr gute Freunde gefunden, die sich nun alle in die Welt verstreuen werden. Natürlich weiß ich, dass das Leben einfach so ist, ein Abschied nach dem anderen. Aber gerade heute macht es mir sehr zu schaffen.

Einer meiner engsten Freunde hier ist heute morgen in den Irak geflogen. Nun habe ich nicht nur einfach große Angst um ihn, ich werde ihn auch furchtbar vermissen, und ihn sicher nicht vor in einem Jahr wiedersehen, und ob und wie oft wir emailen können steht in den Sternen. Heute abend verabschiede ich eine andere enge Freundin, wenn auch "nur" nach Schweden.

Ich weiß, ich habe mir einen Lebensstil ausgesucht, der all das mit sich bringt. Ich habe nie gut gelernt, mich dagegen zu schützen - mit meinen Exfreunden bin ich immer noch gut befreundet, eben weil ich niemanden, der mir mal viel bedeutet hat, gehen lassen mag (ich bin aber auch froh um diese Freundschaften). Aber heute mag ich grad einfach nur möglich machen, dass all diese Menschen, die meine Seele so tief berühren, in einem kleinen Dorf mit mir zusammen wohnen, für immer. Und nicht auf der ganzen Welt, und dann einige auch noch in Krisengebieten, wo man wirklich nie weiß, ob ein Abschied nicht der letzte ist.

Ich kann gerade gar nicht mehr aufhören zu weinen.
Wie geht ihr mit so was um?

Inaktiver User
28.06.2007, 00:35
Die Angst um Freunde in Kriegsgebieten kann ich Dir nicht nehmen.
Für die anderen hilft vielleicht dieser Gedanke:
Um die ganze Welt spannt sich die Kette Deiner Freunde.
Du wirst überall zu Hause sein.

Ich kanns nur so barsch sagen. Bitte weine nicht. Und - meine Hochachtung vor Deiner Freundschaft.:blume: T.

ladysybil
03.07.2007, 21:07
Liebe Tarasjugina,
vielen Dank für deine Worte. Mit dem Weinen habe ich inzwischen zwar aufgehört, auch dank einiger Tage Urlaub im Kreis guter Freunde. Allerdings immer noch etwas besorgt, weil ich aus dem Irak noch nichts gehört habe - aber wir hatten darüber gesprochen und es ist klar, dass er da unten gerade andere Sorgen hat als uns auf dem Laufenden zu halten.
Diese Ängste kann man scheinbar tatsächlich nicht ändern (Ich bin derzeit rundherum von Chaos und Ängsten umgeben, sei es London, Libanon oder eben Irak, und das alles nimmt mich gerade etwas mit, weil überall enge Freunde involviert sind - aber die Verrücktheit der Welt ist ja hier nicht das Thema). Man muss wohl lernen, damit zu leben, und die Zeit nutzen, die einem mit den Menschen rundherum geschenkt wird.

Die Freundschaften auf der ganzen Welt - das hast du schön ausgedrückt, und ich hoffe, es wird so. Allerdings werden sich die Freundschaften eben verändern, und davor habe ich etwas Sorge. Es ist einfach ein Riesenunterschied, ob man sich jeden Tag sieht, den Alltag teilt, oder tausende Kilometer zwischen sich hat. Und manche Freundschaften werden darunter leiden, insbesondere weil meine Freunde und ich doch alle viel arbeiten, viel reisen, und gelegentlich wenig kommunizieren können. Natürlich kann man sich bei vielen auch nach Monaten mal wieder melden, und die Vertrautheit wiederfinden. Aber es wird einfach nie mehr so sein wie die letzten Monate. Ich dachte einfach, ich höre ein paar "Happy Endings" von Freundschaften, die das überstanden haben und nun über den Globus gespannt sind, und vielleicht sogar so etwas wie "Tipps". Einige meiner Freundschaften nach Deutschland haben doch schon deutlich unter meinem Lebenswandel gelitten, ohne dass ich in Worte fassen kann, wieso. Ich versuche, die Distanz zu überbrücken, habe aber das Gefühl die gelegentlichen Emails sind nur ein schaler Ersatz für die einmal bestehende Nähe.
Aber es geht besser. Das Leben ist eben so, und es gibt schlimmere Sorgen. Hm, hilft mir grad nicht wirklich weiter...

Inaktiver User
04.07.2007, 01:50
Ja, ich dachte auch, dass Du hier ein paar Happy Endings hören würdest :wie?: - zumindest mehr Antworten !
Ich kann Dir höchstens von Freundschaften erzählen, die trotz räumlicher Nähe geendet haben, aber ob Dich das tröstet?

Andererseits: kannst Du mit dem Begriff "Weggefährten" etwas anfangen? Ohne Schulterzucken,..."passe´" - sondern eher mit Dankbarkeit..

tell the people I'm only..passing through..-L. Cohen :blume: T.

holly_blue
04.07.2007, 20:12
Hallo ladysybil,

Dein Posting hat mich sehr bewegt, weil ich genau diese Situation auch schon einige Male bedingt durch meinen Job erlebt habe :blumengabe: .

Ich kann Dir leider auch nicht mit einem wirklichen "Happy End" dienen, aber vielleicht ein wenig Trost spenden :smile: .

hatte gerade schon ein total langes posting verfasst und es dann wieder gelöscht, schreib' Dir lieber was anderes, nämlich:

Aus den vielen Bekanntschaften, die im Laufe der Zeit so entstehen und die mich oft auch, wie Du schreibst an der Seele berühren (das finde ich übrigens eine wunderschöne Formulierung), haben sich immer einige wenige als wirkliche Freundschaften erwiesen und viele haben sich wieder im Sande verlaufen. In den meisten Fällen ist es heute bei mir so, dass ich nicht wirklich jeden Tag oft sogar nichtmal jeden Monat mit den Freunden Kontakt habe, die sich so nach und nach in die ganze Welt verteilen (Viele sind auch an Orten zurückgeblieben, die ich nicht mehr so häufig aufsuchen kann wie früher). Aber es hat sich doch in mehreren Fällen eine Freundschaft entwickelt, die stark genug ist, eben genau das auszuhalten. Jeder respektiert, dass der andere seinen Weg gehen muss und weiss dass man öfter an einander denkt, als die Möglichkeit zum Kontakt oder gar zum Kaffee/Bierchen/Shopping oder was auch immer vorhanden ist. Und wenn's dann mal klappt ist es um so schöner.

Ich finde auch den Begriff "Weggefährten" sehr schön, schliesst ja nicht aus, dass man auch ein weiteres Stück Weg zu einem anderen Zeitpunkt mal wieder zusammen zurücklegt. Ich hab' mal auf einem USA Flug einen tollen Sitznachbarn gehabt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden und fast die gesamten neun Stunden ein wunderbares Gespräch geführt. Ich weiss bis heute nicht wie er hiess und er weiss meinen Namen nicht. Es war auch beim Aussteigen schon klar, dass wir uns vermutlich nie wieder sehen, aber was mich damals sehr bewegt hat waren seine Worte zum Abschied: "Ich wünsch' Dir eine gute Weiterreise und noch ein schönes Leben. Es war schön, Dich kennengelernt zu haben und ich werd mich dran erinnern." - Klingt so aufgeschrieben erstmal nach doofer Anmache, war aber nicht so. Sondern war einfach ehrlich gemeint, so wie's eben ein guter Freund, den man schon lange kennt sagen würde.

Jetzt isses doch wieder lang geworden ... :zwinker:

fühl' Dich in den Arm genommen :wangenkuss: und freu' Dich auf die neue aufregende (zumindest für mich ist das jedes mal wieder aufregend) Zeit, die jetzt erstmal kommt!

Cora37
05.07.2007, 00:00
Hallo ladysybil,

... waren seine Worte zum Abschied: "Ich wünsch' Dir eine gute Weiterreise und noch ein schönes Leben. Es war schön, Dich kennengelernt zu haben und ich werd mich dran erinnern." -

Liebe Holly,

das klingt in meinen Ohren gar nicht albern oder wie eine blöde Anmache sondern wunderschön. Es erinnert mich in der Art ein bißchen an den kleinen Prinzen und lässt mir einen schönen Schauer über den Rücken laufen, wenn ich es lese.

LG,
cora

ladysybil
05.07.2007, 15:21
Liebe Holly Blue,
ich finde den Satz auch wunderschön. Ja, es stimmt, Weggefährten trifft es recht gut, und es gibt einige Menschen, die mir so wichtig geworden sind, dass ich hoffe, sie begleiten mich noch ein Weilchen. Die anderen waren zu der Zeit wichtig, zu der sie an meiner Seite waren und ich an ihrer, und man sollte ihnen wohl frohen Mutes alles Gute für den weiteren Weg wünschen. Man lernt durch diese Art der Freundschaft, finde ich, auch die Menschen als solche kennen und schätzen, da sie keine Funktion erfüllen im Alltag, sondern man sie als Person im Herzen trägt. Das an sich ist schon viel wert, auch wenn man voneinander selten hört und sich noch seltener sieht. Erst heute habe ich eine Nachricht von einer Bekannten bekommen, die ich Jahre nicht gesehen habe, die ich aber immer sehr gemocht habe - eine Freundschaft ist es aus mancherlei Gründen damals nicht geworden. Das hat mich sehr gefreut und Hoffnung gegeben - manchmal überschneiden sich Wege einfach immer mal wieder. Und da ich beabsichtige, viel zu reisen, lasse ich meine Freunde einfach nicht davon kommen :freches grinsen:

Einer meiner Freunde meinte diese Woche, ich sehe das alles zu sentimental, letztlich ist man ohnehin allein auf dieser Welt. Naja, er ist tendentiell nicht gerade ein optimistischer Mensch...
Ich bin aber froh, es so zu sehen, vielleicht manchmal zu übertreiben, aber dafür meine Gefühle auszuleben statt sie zu verdrängen. Es gibt wenig so wichtiges im Leben wie gute, echte Freundschaften und Verbindungen zu Menschen, und das darf man auch mal ganz kitschig und sentimental sehen. (Letztlich freut er sich dann doch auch immer, wenn ich ihn mit meiner Begeisterung überrenne und ihm sage, was für ein klasse Freund er ist - würde er natürlich NIE zugeben :smirksmile: )

Ich habe mir jetzt erst mal vorgenommen, keine Nachrichten aus dem Irak zu lesen, weil mich das nervös machen würde, mein Leben hier weiterzuleben, gegenüber den neuen Menschen die kommen werden offen zu sein und den alten ihren Platz einzuräumen, soweit es das Leben zulässt.

Und dankbar zu sein für jede schöne Minute, die man mit einem wertvollen Menschen geteilt hat.
Was meint ihr?

holly_blue
05.07.2007, 16:15
Ich habe mir jetzt erst mal vorgenommen, keine Nachrichten aus dem Irak zu lesen, weil mich das nervös machen würde, mein Leben hier weiterzuleben, gegenüber den neuen Menschen die kommen werden offen zu sein und den alten ihren Platz einzuräumen, soweit es das Leben zulässt.

Und dankbar zu sein für jede schöne Minute, die man mit einem wertvollen Menschen geteilt hat.
Was meint ihr?


genau so isses richtig ! :blumengabe:

Polarstern
06.07.2007, 11:26
Die Freundschaften auf der ganzen Welt - das hast du schön ausgedrückt, und ich hoffe, es wird so. Allerdings werden sich die Freundschaften eben verändern, und davor habe ich etwas Sorge. Es ist einfach ein Riesenunterschied, ob man sich jeden Tag sieht, den Alltag teilt, oder tausende Kilometer zwischen sich hat. Und manche Freundschaften werden darunter leiden, insbesondere weil meine Freunde und ich doch alle viel arbeiten, viel reisen, und gelegentlich wenig kommunizieren können. Natürlich kann man sich bei vielen auch nach Monaten mal wieder melden, und die Vertrautheit wiederfinden. Aber es wird einfach nie mehr so sein wie die letzten Monate. Ich dachte einfach, ich höre ein paar "Happy Endings" von Freundschaften, die das überstanden haben und nun über den Globus gespannt sind, und vielleicht sogar so etwas wie "Tipps".
Hallo Lady Sybil,
Tips kann ich Dir nicht geben, aber vielleicht ein bißchen Hoffnung schicken. :blumengabe:
Meine Freunde sind mittlerweile über ganz Europa verstreut, einige auch noch weiter. Trotzdem sind und bleiben wir Freunde, auch wenn wir nicht mehr die intensive "jeden Tag Nähe" haben, die Du vermisst. Irgendwie hat uns die gemeinsame Zeit aber so zusammen geschmiedet, daß wir uns trotz weniger Mails und noch weniger Telefonate sehr eng verbunden sind. Irgendwie schaffen wir es, uns ein- oder zweimal im Jahr zu besuchen und wunderbarerweise ist es von der ersten Sekunde an wieder vertraut.

Bei mir sind es vor allem drei Mitbewohnerinnen, die alle bei mir ein- und ausgezogen sind und nun wieder in ihren Heimatländern leben, aber auch zwei andere Frauen, die nach einer Lebensphase in D wieder zurückgegangen sind.

Die Quantität der Treffen nimmt ab, aber die Qualität der Freundschaften bleibt.

Liebe Grüße
Polarstern

ladysybil
06.07.2007, 22:13
Die Quantität der Treffen nimmt ab, aber die Qualität der Freundschaften bleibt.
Danke dir, lieber Polarstern! Das macht wirklich Hoffnung. :blumengabe: