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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Liebe Deutschlehrer...



Ila
25.06.2007, 19:39
... ich weiß nicht, ob ich zu einer Mehrheit gehöre (den Eindruck hab ich allerdings nicht): jedenfalls lese ich freiwillig, mit Genuss und Gewinn immer wieder auch Goethes Werke. Über ihre Berechtigung als Schullektüre will ich hier nicht diskutieren - aber welchen Sinn könnte es haben, wenn Neuntklässler - also 15-16-jährige - des Dichterfürsten "Maienlied" nicht nur analysieren, sondern auswendig lernen sollen?! Die Bereitschaft, sich jenseits der geforderten Pflichtübung auf ältere Texte einzulassen wird dadurch konterkariert.

Was also soll der Unsinn?

Leilei
25.06.2007, 20:16
Liebe Ila,
auch wenn ich selbst dieses Mittel wahrscheinlich nicht wählen würde... die didaktische Begründung für dieses Vorgehen argumentiert wohl genau gegen Deine Empfindung, daß die Bereitschaft, sich mit alten Texten auseinanderzusetzen, damit eher herabgesetzt wird.
*Didaktikersprech ein*
Um einen Text auswendigzulernen, muß der Lernende den Text mehrfach lesen, ist also gezwungen, sich mit dem Text auseinanderzusetzen und kann dem Text durch das Wiederholen möglichweise näherkommen. So wird die Möglichkeit eröffnet,eine Beziehung zu dem Text aufzubauen, die über die Unterrichtslektüre und das analytische Gespräch hinausgeht.
*Didaktikersprech aus*
Es gibt sicher so 'ne und so 'ne Auswendiglerner, manche können auswendiglernen, ohne sich mit dem, was sie lernen, wirklich zu beschäftigen. Ich persönlich finde es wichtig, daß gelegentlich auswendiggelernt wird, allein um dieser Fertigkeit willen, die trainiert sein muß, sonst verlernt man sie. Ich würde aber sicher nicht allen Schülern in dieser Altersklasse den gleichen Text zum Auswendiglernen aufbrummen, sondern beispielsweise im Rahmen einer Unterrichtsreihe, die verschiedene Texte behandelte, die Aufgabe geben, einen Text, der demjenigen am nächsten steht, auswendigzulernen oder z.B. selbst einen Text zu suchen, der bestimmte Kriterien erfüllt (z.B. Länge, Alter etc.) und diesen auswendigzulernen. Dadurch wird der Schüler zu einer breiteren Auseinandersetzung mit Texten motiviert (man könnte auch sagen gezwungen :ooooh: ), aber eben auch er selbst beteiligt: Mir sagen manche historische Texte ja auch weniger als andere. Kernziel sollte ja sein, den Schülern begreiflich zu machen, daß auch historische Texte spannend, lustig, unterhaltsam und gewinnbringend für die Lektüre sein sollen. Und da gibt es so tolle Sachen... Hofmannswaldau'sche Schweinereien könnten gerade 9.-Klässlern die Schamesröte ins Gesicht treiben und sie merken lassen, daß sie die Erotik nicht erfunden haben.... Ich schweife ab und beschließe damit diesen Monolog...
Vielleicht waren meine ganzen didaktischen Argumente aber auch unzutreffend und der Lehrer hat sich GARNIX gedacht und ist ein sturer VErfechter des Frontalunterrichts und der MEinung, es gebe eben Dinge, die man auswendiglernen müsste. :freches grinsen:
Liebe Grüße Leilei