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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie mit Trauernden umgehen?



rotes_sefchen
15.06.2007, 08:58
Ich hoffe, ich finde die richtigen Worte, mein Anliegen auszudrücken.
In der Familie einer meiner engsten Freundinnen, die ich schon seit (Klein-)Kindertagen kenne, gibt es ein todkrankes Kind (ihr Neffe). Wie es nun aussieht, ist es nur noch eine Frage von wenigen Tagen bis zum Ende.

Die Sache nimmt auch mich sehr mit, da ich die ganze Familie ja gut kenne, und ich möchte meiner Freundin in dieser schweren Zeit und danach zur Seite stehen. Ich habe ihr meine Hilfe angeboten und ihr nochmals versichert, dass sie mich zu jeder Tages-und Nachtzeit anrufen kann.
Worte sind in dieser Situation kaum zu finden, wenn nicht sogar überflüssig. Man kann eigentlich nur da sein, zuhören, in den Arm nehmen, auch mal miteinander weinen.

Hier gibt es so viele starke Menschen, die eine ähnliche Situation erlebt haben, durchgestanden haben, und trotz allem nicht am Leben verzweifeln. Meine tiefe Bewunderung für alle hier!
Was erwartet/erhofft man sich in einer so schweren Zeit von seinem Umfeld? Was hättet Ihr Euch in dieser Zeit gewünscht?

Was kann ich, speziell im Umgang mir meiner Freundin, tun? Ich hoffe ja, wenn man sich schon so lange kennt, wirklich eng befreundet ist, gibt es kein "falsches" oder "richtiges" Verhalten, sondern man tut intuitiv das Richtige.
Mir selbst ist das Trauern um Familienmitglieder nicht fremd, ich habe auch schon 2 Menschen verloren, die mir sehr, sehr wichtig waren, meine Großeltern, aber ein sterbendes Kind ist noch einmal eine ganz andere Dimension.

Tahnee
15.06.2007, 09:15
Worte sind in dieser Situation kaum zu finden, wenn nicht sogar überflüssig. Man kann eigentlich nur da sein, zuhören, in den Arm nehmen, auch mal miteinander weinen.

Tu genau das, rotes_sefchen. Sei da, höre zu und tue das, was Dein Gefühl Dir sagt. Trink einen Tee mit ihr, wenn Euch danach ist, oder gehe um den Block mit ihr.

Da sein ist soooooooo wichtig. In solchen Situationen kann man gar nicht viel sagen. Gerade bei Kindern, die gehen, fällt es vielen (auch mir als Krankenschwester, welche seit Jahren mit Krebspatienten arbeitet) schwerer.

Es fällt unheimlich schwer und Ihr werdet sicher viel weinen. Aber es wird auch gut tun, zusammen zu sein und sich einfach zu halten. :blume: :blume: :blume:

Ich muss jetzt los zur Arbeit, aber ich denke an Euch.

Noch eine Frage --> ist der kleine Spatz zu Hause oder im Krankenhaus? Wenn das Pflegepersonal gut ist (wovon ich jetzt mal ausgehe), kann es auch im KH schön sein. Hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber zu wissen, dass der kleine Spatz gut und ohne Schmerzen gehen kann, macht es den Angehörigen oft etwas leichter.

LG Tahnee

Tabea
15.06.2007, 09:18
Ich fand es in solchen Situationen immer gut, ganz praktische Hilfe zu bekommen. Wenn da mal jemand einen Kuchen gebacken hat oder die Kinder mal mit ins Schwimmbad genommen hat. Und vielleicht gar nicht groß fragen, sondern einfach machen.

Toll, dass Du Dir solche Gedanken machst! :blumengabe:

Tabea

Tahnee
15.06.2007, 09:36
Ich fand es in solchen Situationen immer gut, ganz praktische Hilfe zu bekommen. Wenn da mal jemand einen Kuchen gebacken hat oder die Kinder mal mit ins Schwimmbad genommen hat. Und vielleicht gar nicht groß fragen, sondern einfach machen.

Genau, Tabea. Solch praktische Sachen und Gesten wie ein frischgebackener Kuchen oder den anderen Kindern mal was Gutes tun wie der von Dir vorgeschlagene Schwimmbadbesuch sagt mehr als 1000 Worte.

Die besten Freunde einer früheren Sterbepatientin von mir haben z.B. reihum bei ihr Wache gehalten und sich mit um ihre 3 Kinder gekümmert. Das war die mit Abstand schönste Begleitung, die ich hatte. So etwas entspanntes und selbstverständliches, einfach da zu sein --> wirklich toll.




Toll, dass Du Dir solche Gedanken machst! :blumengabe:

Tabea

Das finde ich auch. :blumengabe:

rotes_sefchen
15.06.2007, 09:46
Vielen lieben Dank für die raschen Antworten! Damit hatte ich so schnell noch gar nicht gerechnet.

Es fällt wirklich sehr schwer, meine Freundin ist momentan sehr gefasst, sie hat selbst eine kleine Tochter und möchte vor dem Kind natürlich nicht unbedingt zusammenbrechen. Wegen der Kleinen ist es auch schwer für sie, sich mal eine Auszeit zu nehmen um z.B. mit mir mal um den Block zu laufen. Gleichzeitig will meine Freundin auch für Ihre eigene Mutter da sein, die als Oma natürlich selber völlig am Ende ist.
Ich hab ihr schon angeboten, dass ich wenn es hart auf hart kommt bei dem Jungen, und sie und ihr Mann dabei sein möchten/können, dass ich dann auf Ihr Kind aufpasse.

Der Kleine ist aufgrund der plötzlichen Verschlechterung seines Zustandes jetzt wieder im KH, wenn irgend möglich möchten sie ihn aber nach Hause holen. Ob das nun klappt oder überhaupt ratsam ist, weiß ich nicht; meine Freundin konnte mir dazu auch noch nichts genaueres sagen.
Ich denke mal, Schmerzen hat er keine bzw. kaum, er bekommt Morphin. Ich hoffe und bete, dass er nun nicht mehr lange leiden muss und dass er friedlich einschlafen darf.

Tabea
15.06.2007, 11:48
Wie alt ist denn die Tochter Deiner Freundin?
Die freut sich bestimmt über ein wenig Abwechslung!!!

Tabea

Ricarda44
15.06.2007, 11:52
Ich denke, das Wichtigste ist, dass Deine Freundin weiß, dass Du gern für sie da sein wirst, wenn sie Dich braucht.

Es kann in so einer Zeit alles richtig, aber auch alles verkehrt sein.
Vielleicht möchte sie Ruhe haben, vielleicht Ablenkung.

Wenn Du sie ab und zu fragst, ob Du was für sie tun kannst, denke ich, reicht das vollkommen aus.
Es ist immerhin eine Familiensache. Man ist sicher dankbar zu wissen, dass da Leute sind, die einem gern zur Seite stehen möchten, aber ein Zuviel wäre nicht schön.

Ihr seid befreundet, also denke ich, dass Du automatisch das Richtige und im richtigen Umfang machen wirst.

rotes_sefchen
15.06.2007, 12:31
Es kann in so einer Zeit alles richtig, aber auch alles verkehrt sein.
Vielleicht möchte sie Ruhe haben, vielleicht Ablenkung.


Das ist halt meine Sorge, und ich möchte ganz einfach nichts falsches tun. Meine Freundin meinte gestern, sie weiß grade selbst nicht mehr, wo oben und unten ist, was sie braucht/möchte, und was nicht. Deshalb möchte ich sie erst mal in Ruhe lassen; sie weiß, dass ich jederzeit für sie da bin.


Es ist immerhin eine Familiensache. Man ist sicher dankbar zu wissen, dass da Leute sind, die einem gern zur Seite stehen möchten, aber ein Zuviel wäre nicht schön.


Genau, und ich denke, die Familie ist jetzt das Wichtigste. Schließlich muss das alles erst mal im Familienkreis verkraftet werden, sicher dauert es bis man dieses Endgültige wirklich begreift. Und ich möchte in diesem Prozeß auf keinen Fall stören.
Gottseidank ist es eine sehr intakte (Groß-)Familie, die sehr zusammenhält und wo einer am anderen Halt findet.

Die Tochter meiner Freundin ist 3 Jahre alt. Sich mit dem Kind zu beschäftigen, den ganz normalen Alltag zu erledigen, ist für meine Freundin zurzeit aber eine gute Ablenkung und hilft, nicht "durchzudrehen". So ein Kleinkind sorgt mit seiner unbekümmerten Art wenigstens für ein paar sonnige Momente.

Ricarda44
15.06.2007, 14:48
Ich denke, wenn Du ab und zu bei Deiner Freundin nachfragst, wie es ihrem Sohn geht und ob Du ihr helfen kannst, vielleicht mal mit der Tochter auf den Spielplatz gehen oder so, dann ist das in Ordnung.

Ich hab das damals so erlebt, allerdings war mein Mann da schon verstorben, dass viele gesagt haben, ich solle was sagen, wenn ich Hilfe brauche...... aber man sagt dann halt nichts. Selbst dann nicht, wenn man Hilfe braucht. Da wäre es schon schön gewesen, wenn dann doch in regelmäßigen Abständen die Frage gekommen wäre "Kann ich was für dich tun?"

Das stark sein - ja, das ist der reine Selbsterhaltungstrieb, hinter die Fassade lässt man sich da selten schauen. Aber es ist ein gutes Gefühl zu merken, nicht allein zu sein.

Tabea
15.06.2007, 15:13
Es ist der Neffe der Freundin, nicht der Sohn, oder?

Tabea

rotes_sefchen
15.06.2007, 15:45
Ja, Tabea, es ist der Neffe, der so krank ist.

Das ist zwar nicht ihr eigenes Kind, aber es ist auch so schlimm genug für meine Freundin. Und wie gesagt, die Familie lebt sehr eng zusammen, alle in einem Ort, Großeltern, Geschwister, Enkelkinder. Der kranke Junge hat auch noch ein kleineres Geschwisterkind, um das sich meine Freundin nun verstärkt kümmert, um die Eltern zu entlasten. Das ist für sie natürlich auch wieder eine zusätzliche Belastung.

Tabea
15.06.2007, 15:52
Also, wie gesagt: immer mal nachfragen, vielleicht mal einen Kuchen backen oder eine Schüssel Salat vorbeibringen, oder mal fragen, ob Du den Wocheneinkauf für sie miterledigen kannst...

*oT* was ist eigentlich ein Sefchen???

Tabea

rotes_sefchen
15.06.2007, 15:55
Was literarisches...:smirksmile:
Das ist eine Abkürzung für Josefa und kommt in Texten eines meiner Lieblingsdichter vor.

Tabea
15.06.2007, 15:56
Ah, Danke! :blumengabe:

rotes_sefchen
18.06.2007, 07:52
Der Kleine hat es nun geschafft, hat alles überwunden. Er ist vorgestern ganz friedlich eingeschlafen.

bienie
23.06.2007, 00:40
Hallo rotes_sefchen -

wie ist es Deiner Freundin denn nun ergangen?

Ich habe zweimal den Verlust von Kindern erlebt im Freundes- und Bekanntenkreis.
Einmal durch Selbstmord und einmal plötzliches Blutgerinsel im Hirn.

Im Grunde denke ich dann gar nicht so viel. Als ich z. B unsere Bekannte traf - ich fuhr mit dem Auto, sie lief mit dem Hund (und ich hatte das zunächst erst über meinen Vater erfahren, was passiert war), habe ich direkt am Straßenrand angehalten, bin hingelaufen, habe sie in den Arm genommen und wir haben zusammen geweint.

Auch dieser plötzliche Tod des Sandkastenfreundes.....Ich empfand es als fürchterlich, dass seine Eltern das Abschalten des Beatmungsgerätes mitbestimmen mussten. Meine Eltern haben damals seine Eltern begleitet und ich habe den jüngeren Bruder zu mir geholt und mit dem älteren ständig telefoniert (lebte weit weg).

Auch die "Nacharbeit" ist wichtig, denn vor allem nach dem Tod des Sandkastenfreundes hatte ich Sorge um den jüngsten Bruder, der fast nur auf dem Friedhof war, ja, ich hatte sogar Angst um ihn....ich habe ihn dann z. B. einmal zum Schneeschippen diktiert, um ihn aus seiner Lethargie zu reißen - es wirkte wenigstens kurzfristig.

Gruß Bienie