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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie richtig verhalten?



Buffy
11.06.2007, 15:28
Hallo!

Habe schon einige Male hier mitgelesen und habe da jetzt auch mal ein kleines Problem.

Eine meiner besten Freundinnen ist schon seit sehr vielen Jahren in Therapie (mindestens 10 Jahre bestimmt).
Sie hat es wirklich schwer getroffen, wurde in der Jugend misshandelt.
Trotz Therapie und auch schon längerem Aufenthalt in einer Klinik geht es ihr nie gut. Es geht ihr immer schlecht. Man darf nie mal ein Wort fallen lassen, dass vielleicht etwas härter ist. Man muss sie regelrecht mit Samthandschuhen anfassen, sonst nimmt sie das völlig mit!
Ich und einige andere engere Freunde versuchen ja auch immer alles, ihr in keinster Weise weh zu tun und wir haben ja auch Verständnis für ihre Situation!

Aber was mich nach so vielen Jahren ärgert ist, dass wir sie immer mit Samthandschuhen anfassen, sie allerdings nie viel Fein- bzw. Taktgefühl uns gegenüber aufbringt.
Wenn sie was zu sagen hat, dann tut sie das einfach, ohne darauf zu achten, ob sie jemandem weh tut oder nicht!

Ich habe mir bis jetzt immer auf die Zunge gebissen, um ihr nicht weh zu tun, aber so langsam stinkt´s mir auch!
Ich fühle mich hin- und hergerissen zwischen auch mal die Meinung sagen und damit in Kauf zu nehmen, dass es ihr noch schlechter als schlecht geht, oder halt auch einfach mal den Mund auf zu machen!

Wie würdet Ihr Euch denn verhalten?
Versteht mich nicht falsch, ich hab sie wirklich sehr gerne und sie ist mir auch sehr wichtig. Aber ich sehe nicht ein, warum ich mich immer zurück nehmen soll!

Freue mich schon auf Eure Meinungen!

Ciao,
Buffy

Inaktiver User
12.06.2007, 09:32
Hallo Buffy,

ich kann dich jedenfalls gut verstehen. Auch wenn ich nicht weiß, was du tun kannst. Ich habe auch schon ein paar Mal die Erfahrung gemacht, dass Frauen, die eine Therapie machen, sehr um sich selbst kreisen und manchmal auch mit ihrem Umfeld "aufräumen". Da bekam ich dann Sätze zu hören wie "Du verstehst das nicht mit meiner Therapie - " und dann war ich abgemeldet. Ich hatte selbst schon psychologische und therapeutische Gespräche und dachte manchmal bei mir, wie einseitig ich doch da erzähle. Müsste meine Gesprächspartnerin nicht mal die anderen fragen, wie die mich sehen? Woher will die wissen, ob ich nicht zu den anderen verletzend bin?

Ganz klar, Leute mit so einer schweren Vergangenheit brauchen unbedingt Unterstützung und Freundschaft. Aber es gibt eine Grenze von dem, was man als Freundin mittragen kann. So hatte ich eine Freundin, die recht allein auf der Welt war, und es ergab sich, dass sie für mehrere Wochen bei mir in meiner Studentenbude wohnte. Das ging nicht gut, und ich fühlte mich schuldig. Später habe ich mir gedacht, dass so eine beengte und auch emotional geradezu übergriffige Situation wohl jedem anderen auch zuviel gewesen wäre.

Es verträgt sich nicht gut mit Freundschaft, wenn man sich so, wie du das schilderst, zurücknehmen muss. Die erwähnte Freundin ist schon lange keine mehr, und mir tut das bis heute leid. Ich glaube, ich habe nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht, wo für mich die Grenzen des Tragbaren sind. Irgendwann ging es nicht mehr, ich fühlte mich derart eingenommen, dass ich mich befreien musste. Heute würde ich das anders machen wollen, viel deutlicher sagen: Ich bin auch hier und habe so meine Probleme - nicht nur du, und ich möchte nicht, dass du mich verletzt und nicht ernst nimmst.

Und ich meine, das kann für jemand mit großen Problemen doch auch entlastend sein: Zu wissen, dass andere es auch nicht immer einfach haben. Das sieht von außen ja nur so aus, als ginge es den anderen stets besser als einem selbst.

:blumengabe: Palette

Inaktiver User
12.06.2007, 19:33
Hallo Buffy,

will jetzt nicht groß von mir hier anfangen aber auch ich war mal nervlich krank und wenn ich so darüber nachdenke nachdem ich deinen Beitrag gelesen habe muss ich dazu sagen dass, wenn es einem selber sehr schlecht geht ist man nunmal am meisten mit sich selber beschäftigt.Man merkt manchmal garnicht ob man jemandem vor den Kopf stößt. Es kann natürlich auch ganz Bewußt sein, eben weil es einem nicht gut geht und man sich denkt, mir geht es schlecht und alle müssen jetzt auf mich Rücksicht nehmen. Habe ich schon miterlebt.

Ich finde Du solltest deiner Freundinn sagen dass Du das so nicht in Ordnung findest. Das kann man ja ganz nett machen.
Auch wenn Sie vielleicht erst beleidigt ist, wird sie sich damit schon auseinandersetzen und einsehen das Du Recht hast denke ich.
Denn dafür seid Ihr ja Freunde, um miteinander ehrlich zu sein.

Drück Dir die Daumen :blumengabe:

LG Feeling

Buffy
13.06.2007, 15:27
Hallo!

Vielen lieben Dank für Eure Antworten!

Mir fällt es halt generell nicht leicht, Menschen, die mir sehr am Herzen liegen auch mal die Meinung zu sagen.
Aber ich glaube, wenn es wieder mal so einen Punkt zwischen meiner Freundin und mir gibt, wo sie mir weh tut, werde ich ihr das einfach mal sagen. Halt sehr viel freundlicher, als jemandem, der nicht diese Vergangenheit hatte.
Mal schauen, wie sie es aufnimmt!

Danke noch mal!:blumengabe:

Ciao,
Buffy

kenzia
15.06.2007, 21:15
Hallo Buffy!

Es mag hart klingen, aber DU musst entscheiden, was Dir gut tut und was nicht!

Das Schicksal eines solchen Menschen ist schlimm- aber es ist nicht Deines!
Und wenn man zu sehr von der Schwere eines anderen Lebens eingenommen wird-- dann muss man eine Grenze ziehen!

Klar will man generell keinem weh tun- erst recht nicht Menschen, die sowieso schon Leid zu tragen haben!
Aber wenn man damit nicht klar kommt, muss man für sich selber einen neuen Weg gehen!

Mit einer Schwester, die auch psychisch krank ist, weiss ich durchaus, wie sehr diese Menschen "Narrenfreiheit" besitzen!
Austeilen, verletzen......das muss man am besten lächelnd annehmen......Kritik "darf" nicht fallen.....

Hat man sowas in der Familie- dann kommt man da nicht raus!
Sowas ist sehr belastend und auch schlimm!

Insofern- so hart es klingen mag......wenn mir so ein Mensch heute begegnet, dann sage ich klipp und klar, daß ich gerne bereit bin zuzuhören und auch da zu sein- aber, daß mich manchmal manche Sachen auch mitnehmen und ICH das nicht tragen kann- will!

Ich habe auch schon Therapie gemacht und es stimmt, daß man sich dann sehr um sich selber dreht- egoistisch wird!
Das ist in so einer Zeit auch wichtig-- schliesslich schaut man sich mal selber an und damit wird man sehr wichtig ( wobei man sich ja immer wichtig sein sollte- nur in nem anderen Mass ;-) )

Jeder ist für sich selber verantwortlich- und man kann nicht die Last eines anderen Menschen mittragen- das ist einfach so!

Ich würde versuchen, Deiner Freundin durchaus zu zeigen, daß auch Dich Sachen verletzen......und Du nicht mit Allem umgehen kannst!-- eben WEIL man Gefühle hat und mag!

Sollte sie sich daraufhin aber verletzt zurückziehen- was geschehen kann- dann ist das letztlich ihre Entscheidung-- denn die Wahl hat jeder- und vielleicht wurde sie schon viel zu oft "geschont"....und hat man nicth manchmal erst recht das Gefühl, man wird "nicht für voll genommen", weil einer zu rücksichtsvoll war??

Und- Deine Wahl besteht letztlich darin- das lernen zu tragen- zu verändern- oder zu gehen, weil es DIR nicht mehr gut tut!

Kenzia

kaffeesahne
15.06.2007, 23:51
Hallo Buffy,

ich bin auch in Therapie.
Auch schon etwas länger.

Und ich koche mit Wasser, wie alle anderen.
Wenn meine Leute mich anders behandeln würden, täten sie weder mir, noch sich selbst einen Gefallen.

Meine Probleme waren ja VOR der Therapie schon da.
Jeder hat sich normal verhalten.
Als die Therapie anfing, änderte sich das etwas.
Plötzlich hatten Leute ein anderes Verständnis für meine Situation als vorher.
Das war nicht ok.
Für mich.

Ich habe klargestellt, das ich genauso behandelt werden möchte, wie jeder andere auch.

Schliesslich ist es mein Ziel, gesund zu werden, und nicht kranke Verhaltensweisen und Beziehungen zu pflegen.

Meine Wahrnehmung ist schon verändert genug,
da brauche ich eine "gesunde" Reaktion auf mich.

In meiner Therapie habe ich gelernt, was bei mir anders läuft als bei anderen.
Wenn ich ein Problem mit jemandem aufgrund dieses Umstandes habe, kann ich jetzt auf ihn zugehen, und MEIN Verhalten transparent machen, und das Problem zu lösen.
Oder halt nur anerkennen, das es jetzt halt so ist.

Eine gesunde Reaktion auf mich ist mir sehr wertvoll.

Ich selbst behandele auch alle Menschen gleich.
Je nach Situation.
Auch die, die krank sind und sich in einer Therapie befinden.

Sonst spielt ja jeder jedem etwas vor.
Das hat weder was mit Freundschaft, noch mit dem Leben, und am wenigsten mit Gesund-werden zu tun..

Kaffeesahne

Fussl
16.06.2007, 17:56
Hallo Buffy,

leider kann ich dir genau nachempfinden, wie es dir geht. Eine "Freundin" (denn als solche würde ich sie langsam echt nicht mehr bezeichnen) ist ebenfalls seit vielen Jahren in Therapie, 4x die Woche. Wir kennen uns schon einige Jahre, doch offiziell weiss ich von der Therapie nichts, sonder eine gute Freundin von uns hat es mir erzählt. Leider hat sie mir noch so einiges mehr erzählt, das ich jetzt weiss - aber eben nicht wirklich offiziell.
Egal, mir ging es wie dir: ich hab mir immer genau überlebt, wie und mit was ich sie anspreche und habe sie echt mit Samthandschuhen angefasst. Leider ist sie da ganz anders: wums und raus, ohne Rücksicht darauf, ob es den anderen verletzt oder nicht.
Mir stinkt es auch langsam und aufgrund noch ein paar weitere Sachen habe ich jetzt beschlossen: die Schonfrist ist jetzt rum. Ich sage, was ich denke oder fühle. Ob es dem anderen passt oder nicht soll in Zukunft nicht mehr mein Problem sein. Therapie hin oder her - jeder hat sein Päckchen zu tragen, im übrigen auch ich und auf mich nimmt auch keiner Rücksicht. Warum auch? Ich will keine Sonderbehandlung und aus diesem Grund behandel ich sie auch nicht mehr wie Extrawurst!

Viele Grüße
Fussl

Buffy
18.06.2007, 18:57
Hallo Kenzia, Kaffesahne und Fussl!

Habt vielen lieben Dank für Eure Meinungen!

Ich denke auch, dass die "Schonfrist" jetzt vorbei ist! Nach so vielen Jahren bin ich es wirklich leid! Bei allem Verständnis....aber jetzt ist Schluß!
Ich habe keine Lust mehr immer alles runter zu schlucken, nur weil "Madame" nicht damit klar kommen könnte!

Wenn wieder mal so eine Situation vorkommt, dann sage ich es ihr direkt! Muss ja nicht mit harten Worten sein, aber einfach mal klar machen, dass es mir auch weh tut, wenn sie so ist!
Na, und dann mal schauen...!:wie?:

Ciao,
Buffy

kaffeesahne
18.06.2007, 21:52
Liebe Buffy,

gute Entscheidung, ich kann dich nur bestärken, das auch durchzuziehen.

Hast du schon mal von Co-Alkoholikern gehört?

Das gleiche geschieht bei ganz vielen psychischen Erkrankungen.

Die Umwelt verhält sich - und wird dann- co-krank.

Keiner agiert mehr angemessen.
Ein Teufelskreis.

Also: raus da.
Viel sanfte, aber deutliche hartnäckigkeit und Erfolg dabei!

Kaffeesahne

Fussl
19.06.2007, 17:26
Liebe Buffy,

ich drücke dir die Daumen, dass du deiner Linie in Zukunft treu bleibst. Denk auch mal an dich, denn ich bin sicher, du wirst mit ihr genauso respektvoll und achtvoll umgehen, wie mit jedem anderen Menschen auch. Und bei den anderen machen wir uns ja auch keinen Kopf und überlegen krampfhaft über jedes Wort nach.

Ich hoffe, dir bleibt solch eine "Freundschaft"-Enttäuschung wie ich sie letztendlich hatte erspart....

Viele Grüße
Fussl