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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unterbrechung einer Lebensversicherung



Maxys
07.06.2007, 19:59
Hallo,
ein Freund von mir hat eine Lebensversicherung bei der Victoria und wollte diese beitragsfrei stellen. Da die beitragsfreie Versicherungssumme noch nicht erreicht ist, ist auch die Beitragsfreistellung nicht möglich. Dennoch möchte er die Versicherung beibehalten ohne Beiträge zu zahlen um später ggfs. wieder einzahlen zu können.
Wie ist das mit der Unterbrechung ?
Muss der Anbieter - in diesem Fall die Victoria - eine Unterbrechung der Lebensversicherung akzeptieren und wie lange kann man eine Versicherung unterbrechen - egal ob zu alten oder zu neuen Konditionen ?

Inaktiver User
08.06.2007, 08:23
Hallo Maxys.

Du meinst eine beitragsfreie Mindestversicherungssumme?
Denn die beitragsfreie Versicherungssumme wird ja bei Beitragsfreistellung erst gebildet.

Da hat Dein Freund jetzt ein Problem.
Denn obwohl der Vertrag beitragsfrei bestehen würde, fallen auf diesen trotzdem weiterhin Kosten an (Verwaltungskosten, Stückkosten und geringe Risikokosten). Diese werden normalerweise für eine gewisse Zeit vom Guthaben gedeckt, da ja keine Beiträge mehr fließen und soweit die Erträge/Zinsen) nicht die Kosten übersteigen. Dadurch wird wiederum das Guthaben aufgebraucht und irgendwann erhält Dein Freund ein Schreiben: "Sehr geerhrter Kunde.....blablabla... da die Kosten nicht mehr gedeckt werden können, erlischt Ihr Vertrag mangels Guthaben..."

Er hat also durch die Beitragsfreistellung nichts gewonnen sondern sein minimales Guthaben auch noch verspielt. Eine Beitragsfreistellung dürfte zu diesem Zeitpunkt also weder möglich noch anzuraten sein...

Ein Verkauf der LV ist aufgrund mangelndem Rückkaufswert auch unwahrscheinlich.... und damit auch keine Lösung.

Aber als Versicherungskaufmann solltest Du diese Sachverhalte wissen oder? Andernfalls hätte ein Blick in die Versicherungsbedingungen gereicht, denn diese wurden zwischen Versicherung und Deinem Freund vereinbart. Es sollte auch bekannt sein (sollte sein Ansinnen dahin gerichtet sein), daß ein Vermittler seinen Provisions-/Courtageanspruch verliert, wenn er eine LV kündigt um einen neuen Vertrag zu platzieren (dies wurde in der Vergangenheit sehr oft bei KLV's gemacht um FLV's abzuschließen).

Ich erwähne das nur deshalb, weil in solchen Fällen nur allzu oft der Trick "Beitragsfreistellung" verwendet wurde um eine akute Kündigung zu vermeiden.

Zusammenfassung: Eine Versicherung muß/kann eine Beitragsfreistellung akzeptieren, wenn die im Vertrag vereinbarten Rahmenbedingungen dazu erfüllt sind. Längstenfalls bis das vorhandene Guthaben nicht mehr zur Deckung der Kosten ausreicht oder ein im Vertrag vereinbarter Minimalbetrag unterschritten wird.

Ich habe in meiner ganzen langen Zeit in der Finanzbranche noch nicht eine einzige Kapitallebensversicherung angeraten/verkauft, weil seit Jahrzehnten bekannt ist, daß diese Verträge
a) keine geeignete Kapitalanlage oder Altersversorgung darstellen
b) den Kunden regelmäßig übervorteilen
c) rechtmäßig als "legaler Betrug" bezeichnet werden dürfen
d) recht zutreffend auch als "Anleger-Melkmaschine" bezeichnet werden
e) usw.
und nur in ganz seltenen Fällen für den VN einen Sinn ergeben.

Wer eine Kapitallebensversicherung von seinem Berater/Vertreter/Familienangehörigen/Freund/Strukki angeraten bekommen hat, sollte diesen Ratgeber i.d. Regel möglichst weit in die Wüste schicken und die Tür fest verschließen, denn dieser hat nur seinen eigenen Geldbeutel im Sinn und möchte (oft mehrmals) tausende Euro auf Kosten eines Unkundigen "abzocken".


Kapitalanlage/Altersversorgung ist ein Kapitalanlageproblem
Todesfallversorgung ist ein Versicherungsproblem
Und Beides hat überhaupt nichts miteinander zu tun und gehört in jedem Fall voneinander getrennt!

Schöne Grüße

justii

Maxys
08.06.2007, 08:36
Du hast meine iegentliche Frage leider nicht beantwortet.
Beitragsfreistellung ist klar, aber sog. Unterbrechung - meinst du damit auch, dass dann die Kosten vom Guthaben abgezogen werden ? Und ist eine sog. Unterbrechung jederzeit möglich
(keine Beitragsfreistellung) ?

Inaktiver User
08.06.2007, 08:50
...einzelne Kosten des Vertrages laufen i.d. Regel weiter. Es gibt auch Tarife, bei denen die Kosten für eine bestimmte Zeit ausgesetzt werden (i.d. Regel max. 24 Monate), die aber eine Bearbeitungsgebühr etc. für die Außerkraftsetzung und/oder Wiederinkraftsetzung verlangen. Läuft sich aufs Selbe hinaus...

Beantwortet das Deine Frage?
http://moneytimes.fss-online.de/lv_vergl/hilfe/klv_ratgeber.asp#Kündigung ist auch ganz interessant.

Warum hat er denn den Vertrag abgeschlossen?
Warum will er ihn jetzt (auch welche Art auch immer) unterbrechen?

Gruß justii

Maxys
08.06.2007, 12:22
Abgeschlossen aufgrund: Damit ich überhaupt was habe bzw. der Steuerfreiheit bis 2004.
Unterbrechen aufgrund eines finanziellen Engpasses.

Inaktiver User
08.06.2007, 18:24
Abgeschlossen aufgrund: Damit ich überhaupt was habe bzw. der Steuerfreiheit bis 2004.
Unterbrechen aufgrund eines finanziellen Engpasses.


Ja, die Panikmache damals mit der Steuerfreiheit war in den meisten Fällen ein schlechter Ratgeber. Es kommt halt bei der Kapitalanlage und bei der Altersversorgung nicht darauf an "dass man überhaupt etwas hat..." sondern es kommt darauf an, was man hat.

Das ist also sowohl ein Paradebeispiel und gleichzeitig auch ein Spiegel der Situation in vielen Versicherungshaushalten in Deutschland, den sich verantwortungslose Vermittler vors Gesicht halten lassen müssen.

Die Lösung hätten die Versicherungsgesellschaften in der Hand, denn diese haben an den unsinnigen Verträgen ebenso verdient wie diese Vermittler. Beide gehören an der Nase (oder besser bei der Verantwortung) gepackt...

Wenngleich man auch den Kunden nicht schadlos halten kann, der mit einer solchen Einstellung "dass man überhaupt etwas hat..." einen Vertrag über Jahrzehnte schließt.

Mein eindeutiger Rat wäre eigentlich => Er soll zum damaligen Vermittler gehen, von diesem die einbezahlten Beiträge in bar zurück fordern und dafür den Vertrag auf den Vermittler überschreiben. Da dieser ja "ein soooooo gutes und vor allem steuerfreies Produkt" verkauft hat, dürfte dieser doch in den heutigen steuerbaren Zeiten glücklich darüber sein, wenn er so eine Kapitalanlage angeboten bekommt.

Will dieser einen solchen Deal nicht eingehen, würde ich mich fragen, warum dies so ist....

Schöne Grüße

justii