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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst vor dem Friedhofsbesuch



djinny
28.05.2007, 01:12
Ich möchte noch einen neuen Thread starten, weil mich dieses Thema sehr bedrückt.

Als meine Mama vor 9 Jahren verstarb konnte ich nicht einen Tag aushalten ohne sie auf dem Friedhof zu besuchen. Das ging so für 3 Jahre, dann bin ich immer noch 1-2 mal die Woche hin.

Nachdem mein ältester Bruder gestorben war wurde es wieder mehr, er ist ganz in ihrer Nähe bestattet.

Im letztem Jahr verstarb dann auch mein zweitältester Bruder und seit dem kann ich den Friedhof nicht mehr besuchen. Ich war nur bei der Beerdigung da, und einmal als der Stein gesetzt wurde. Ich kriege regelrechte Panikanfälle wenn ich nur dran denke das ich hingehen sollte. Gleichzeitig habe ich ein riesig schlechtes Gewissen.

Kein Geburtstag oder Sterbetag, noch nicht mal zum Muttertag konnte ich mich überwinden. Es geht mir nicht gut damit, und ich weiss auch nicht warum das aufeinmal so ist.

ratlos...Djinny

Inaktiver User
28.05.2007, 10:29
Liebe Djinni,

das ist einfach "zuviel des Friedhofs" - eine Art Überdosis.

Geh nicht hin, gönne dir eine Pause.
Du brauchst wirklich kein schlechtes Gewissen dabei haben.

Deine lieben Verstorbenen trägst du im Herzen bei dir.
Die Liebe wohnt dort, in den Gräbern nicht.

Du vernachlässigst sie nicht, wenn du die Gräber meidest.

Ich kann dich gut verstehen :blumengabe:
Sorge gut für dich! Nimm Rücksicht auf dich, das darfst und "musst" du. Jeder Mensch hat Grenzen des Erträglichen.


ganz liebe Grüße und einen kleinen Knuddler, wenn erlaubt
:wangenkuss:

djinny
28.05.2007, 10:54
Liebe Lavendelmond,

danke für deine Antwort. Ich freue mich sehr dieses Forum gefunden zu haben. Diese Friedhofsangst ist so ganz neu für mich. Vielleicht war es wirklich zuviel.
lg
Djinny

juri
28.05.2007, 11:44
Hallo Djinny!

Du bist ganz einfach völlig überlastet. Ich habe deinen anderen Strang mit der Geschichte deiner Familie gelesen. Außer der schlimmen Tatsache, dass du drei dir nahestehende Familienmitglieder auf tragische Weise verloren hast, kommt noch die Sorge um die Kinder in eurer großen Familie dazu.

Mache dich wegen deiner ablehnenden Haltung gegenüber Friedhofsbesuchen nicht verrückt. Verabschiede dich von dem Gedanken "Ich-muss-auf-den-Friedhof-gehen". Dieser Widerwille ist völlig normal. Den haben viele Menschen. Auf dem Friedhof sind nur die Körper, doch was die Toten als Menschen ausmachte das ist in dir, in deinem Herzen, in deiner Erinnerung. Du brauchst die Gräber nicht um an sie zu denken.

Niemand darf dir aus deiner Angst vor dem Friedhofsgang einen Vorwurf machen. Am allerwenigsten du selbst.

Ich wünsche dir alles Liebe.

Gruß Juri

Inaktiver User
28.05.2007, 14:56
Liebe Djinny,

ich kann Dich sehr gut verstehen.

Mein Bruder und meine Mutter sind beide innerhalb 7 Monaten im Jahr 2002 verstorben. Sie wurden feuerbestattet.
Die Gräber befinden sich hintereinander...

Ich konnte lange nicht auf den Friedhof gehen. Es war mir zuviel, vor dem einen Grab zu stehen und das andere zu sehen bzw. zu wissen, dass das andere Grab hinter mir ist.

Ich wohne 150 km vom Friedhof entfernt aber nicht nur deshalb war ich seither vlt. erst 5 mal dort. Lange war es der Schmerz, das ganze nciht aushalten zu können, dass beide da liegen, dann aber auch, dass mir die Gräber gar nichts "geben".
Die Toten leben in unseren Herzen weiter und mittlerweile gibt es mir viel mehr, ein Foto anzuschauen, Kerze anzuzünden und liebevoll an beide zu denken.

Mein ganzes Mitgefühl gehört Dir. Denn Du hattest in den letzten Jahren Schweres zu tragen. Du musst Dich nicht schlecht fühlen, dass Du die Kraft nicht hast und findest auf den Friedhof zu gehen. Wenn es wieder an der Zeit ist, dann drängt es Dich schon ganz alleine dorthin.

Und mit Sicherheit denkst Du an Geburtstagen, Todestagen, Muttertag an die lieben Verstorbenen. Das ist vollkommen ausreichend.

Falls es Dir auch um die Pflege der Gräber geht: vlt. kannst Du Grabpflege beantragen?

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und kann Dir ganz sicher sagen, dass Du kein schlechtes Gewissen haben musst und Dich nur um Dich kümmern sollst. Dass wäre mir Sicherheit Deinen verstorbenen Lieben wichtiger, als dass Du immer an die Gräber gehst.

Sende Dir positive Energie und Licht.

Lieben Gruß,
Scarlett

Inaktiver User
28.05.2007, 15:17
Menschen, an die wir denken, sterben nie!

djinny
28.05.2007, 16:16
Ihr Lieben,
ich bin eigentlich nur so verwundert das ich es auf einmal nicht mehr kann. Früher ging es mir nach dem Friedhofsbesuch immer gut, und es hat mich jeden Tag dort hingezogen. Ich habe mit meinen Lieben gesprochen und es hat mir Trost gegeben. Ich schäme mich vor mir selbst das ich das jetzt so vernachlässige. Die Gräber werden zwar von anderen Familienmitgliedern gepflegt, aber ich bin trotzdem innerlich ganz unruhig. Weiss auch nicht... :-(
lg
Djinny

Ricarda44
28.05.2007, 18:38
Liebe djinny,

ein Friedhof ist NUR eine ehrenvolle Stätte.
Der Besuch dort stellt keine Verpflichtung dar, also musst Du auch kein schlechtes Gewissen haben.

Lies Dir die obigen Beiträge ruhig noch mal durch. Das ist alles total richtig.

Deine Unruhe kommt wahrscheinlich vom schlechten Gewissen. Aber wie gesagt: Du brauchst keines zu haben. Die, die man geliebt hat, leben im Herzen weiter.

Meine Mutter hat immer gesagt: "Ich hol mir jetzt Blumen für die Vase. Wenn ich auf'm Friedhof liege, nützen sie mir auch nix mehr."
Recht hatte sie.
Vieles, was sich so an "Kult" auf den Friedhöfen manchmal abspielt, ist überzogen.

Und es ist doch nun mal Tatsache: Wer seinen lieben Verstorbenen zu Lebzeiten nicht die nötige Liebe und Achtung entgegengebracht hat, braucht hinterher nicht weinend auf den Friedhof zu laufen. Sowas finde ich daneben.

Denk mal drüber nach, welch schöne Zeiten Ihr im gemeinsamen Leben hattet. Behalte die Liebe im Herzen und das ehrende Gedenken. Dann kannst Du nie wirklich was verkehrt machen!

Dann gibt es auch einige, die meinen "sie müssen auf den Friedhof gehen, wegen der Leute....".
Ist doch nur scheinheilig sowas.

Also, ich halte es so mit Friedhofsbesuchen, da ich kein Friedhofsgänger bin: Ich verlasse mich da gern auf meine lieben Geschwister und sie pflegen die Anlagen dort auch gern und liebevoll. Und wenn sie mal nicht können, ist es mir eine Selbstverständlichkeit, dort alles herzurichten. Aber ansonsten wohnt meine Mutter in meinem Herzen. Und dieses Denken habe ich von ihr.

juri
28.05.2007, 20:03
Hallo Djinny!

Dass du es nun auf einmal nicht mehr kannst, es dich nicht mehr tröstet ist ein Hinweis etwas zu ändern. Die Art der Trauer verändert sich im Laufe der Zeit. Warum dann nicht auch die Art der Trostfindung?

Vielleicht tröstet es dich jeden Abend eine Kerze für die Verstorbenen anzuzünden, die du an einem bestimmten Platz aufstellst.

LG juri

Naturkosmetik
28.05.2007, 21:58
Hallo Djinny,
Deine Gefühle sind ganz normal und durchaus ok. Man trägt die Lieben im Herzen. Es nützt nichts, sich einen Grabstein anzusehen. Es bringt auch nicht unbedingt was, den Verstorbenen schon gar nicht. Du kannst genau so gut ein schönes Foto aufhängen oder aufstellen und eine Kerze anzünden. Beim Friedhofsbesuch kommt wohl viel in Dir hoch. Vielleicht wird auch die Trauer dann größer und Du hast Angst davor. Niemand würde enttäuscht sein, wenn Du nicht ans Grab gehst. Der Tod ist etwas ganz Normales, so wie die Geburt. Dessen müssen wir uns bewusst werden. Wir alle müssen mal gehen - und wir werden in ein schöneres Leben gehen!

Inaktiver User
29.05.2007, 08:36
Liebe Djinni, was Juri sagte:

"Dass du es nun auf einmal nicht mehr kannst, es dich nicht mehr tröstet ist ein Hinweis etwas zu ändern. Die Art der Trauer verändert sich im Laufe der Zeit. Warum dann nicht auch die Art der Trostfindung?"
ist ein ganz wichtiger Aspekt !

für dich: :blumengabe:

djinny
29.05.2007, 12:05
Ihr Lieben,

danke für die vielen Antworten. Ich bin einfach nur verwundert das ich jetzt so fühle. Ich habe den Gang zum Friedhof nie als Pflicht gefühlt, sondern es hat mir immer sehr viel gegeben. Ich möchte auf jeden Fall versuchen kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, denke das wäre garantiert nicht im Sinne meiner Lieben gewesen.

@ Ricarda
ich musste sogar ein wenig lachen. GENAU das hat meine Mutter auch immer gesagt.

@all
ich bin sehr froh hier gelandet zu sein. Danke schön....Djinny

Inaktiver User
31.05.2007, 15:24
Liebe djinny,

was den Friedhofsbesuch angeht, ändert sich im Lauf der Zeit tatsächlich etwas.

Anfangs konnte ich ohne Probleme zum Friedhof fahren, das Grab meines Mannes pflegen und ruhig wieder nach Haus fahren. Für heute hatte ich geplant, neue Blumen zu pflanzen und stell Dir vor, schon gestern ging es mir nicht gut. Der Tag heute stand mir vor Kopf!!

Als sich das nicht änderte, habe ich mich entschieden, nicht zu fahren, weil ich es einfach nicht gekonnt hätte.

Irgendwie hat sich also etwas verändert und ich will es akzeptieren, weil es zu meinem ganz persönlichen Trauerprozess gehört.

Liebe Grüße!