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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unvergessen



djinny
27.05.2007, 04:58
Ich sitze mal wieder schlaflos vor meinem Computer, wieder eine Nacht in der ich keinen Schlaf finde weil ich meine Lieben so vermisse. Ich habe in den letzten Jahren meine über alles geliebte Mama, und meine beiden älteren Brüder verloren.

Sie waren alle viel zu jung, meine Mutter wurde nur 60 Jahre alt. Meine Brüder nur 47 und 46.

Meine Ma war schon ein paar Jahre krank, als sie wegen eines 2. Herzinfarkts ins Krankenhaus kam. Es war 2 Wochen vor Weihnachten und die Ärzte machten uns keine Hoffnung. Sie sagten uns das sie keine lange Lebenserwartung mehr hätte. Ich konnte und wollte das nicht glauben, meine Ma war so eine starke Frau, hatte mich und meine 5 Geschwister allein groß gezogen und war immer für uns da.

Am 19. 12.1998 besuchte ich sie morgens im Krankenhaus, sie musste noch einige Untersuchungen über sich ergehen lassen, war aber guter Dinge und freute sich auf Weihnachten mit ihren Kindern und Enkelkindern. Ich fuhr gegen Mittag kurz heim, sagte ihr aber das ich gegen Abend noch mal mit meiner Schwester wieder kommen würde.

Als wir dann Abends ankamen ging es ihr gut, sie wollte unbedingt aufstehen und sich mit uns an einen Tisch setzen. Sie machte Witze und brachte uns zum lachen. Heute glaube ich das sie uns nicht weinend gehen lassen wollte. Nach einer Stunde haben wir sie dann ins Bett gebracht,sie streichelte noch einmal den schwangeren Bauch meiner Schwester und gab uns beiden einen Kuss.Sie war ganz klar bei Verstand,nur ein wenig müde und winkte uns noch hinterher. So habe ich sie das letzte mal lebend gesehen.

3 Stunden später kam der Anruf aus dem Krankenhaus, meine Mutter sei eingeschlafen.Ich war wie von Sinnen, hatte ich doch extra darum gebeten das sie mich anrufen sollten, falls ihr Zustand sich drastisch verschlechtert.

Ich musste dann meine Geschwister verständigen, was mit zu den schlimmsten Erfahrungen meines Lebens zählt. Meine hochschwangere Schwester brach zusammen, wir waren alle zutiefst geschockt. Als wir ins Krankenhaus ankamen um uns von ihr zu verabschieden, dachte ich mich trifft der Schlag. Sie hatten meine Ma in einem Badezimmer aufgebahrt.Ein klitzekleiner Raum in den wir kaum alle rein passten.Es war alles so irreal, mein jüngerer Bruder der vor der Bahre kniete und weinte, meine anderen Geschwister völlig aufgelöst. Es war der schlimmste Tag meines Lebens.

Ich habe bis heute kaum Erinnerungen an die Beerdigung und die Zeit danach.

Der nächste Schlag traf mich und meine Familie 6 Jahre später.
Mein ältester Bruder erlitt einen Herzschlag während er Weihnachtseinkäufe für seine Kinder machte. Der herbei gerufene Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.Für uns ganz schrecklicherweise hat er den selben Sterbetag wie meine Mama.
Es war der 19.12.2004

Er wurde nur 46 Jahre alt und hinterließ 5 Kinder.

Die Trauer um die beiden hatte unsere Familie noch fester zusammen geschweißt, und mein zweitältester Bruder kümmerte sich um alle. Die ganzen Kinder unserer nicht kleinen Familie liebten ihn abgöttisch. Er war ihr Held, ihr Vorbild und das ist nicht übertrieben. Egal wo es Probleme oder Sorgen gab, er hat sich immer und überall eingesetzt und Familie war für ihn das ein und alles.

Ich weiss nicht warum sich das Schicksal unsere Familie für soviel Leid ausgesucht hat, denn auch dieser Fels in der Brandung wurde uns genommen.

Am 9.1.2006 rief mich meine Schwester an, unser Bruder sei zusammen gebrochen und ins Krankenhaus gekommen. Ich fuhr sofort hin und mein Neffe kam mir schon auf dem Parkplatz entgegen gelaufen und weinte das sein Vater stirbt.

Ich weiss nur noch das ich ihn wütend angeschrieen habe wie er sowas sagen könnte. Nach circa einer halben Stunde konnten wir zu ihm auf die Intensivstation. Dort lag mein grosser starker Bruder an allen möglichen Apparaten angeschlossen.
Meine Schwägerin erzählte uns das ihm ein Aneurysma im Kopf geplatzt wäre. Es kam auch gleich ein Arzt, der uns erklärte das mein Bruder schon Hirntod sei. Er war nur widerbelebt worden, und jetzt wären es nur noch die Maschinen die ihn am Leben erhalten würden. Ich habe ihn angeschrien was er damit sagen will, ob mein Bruder sterben würde? Er hat nur genickt, und uns dann erklärt das es sich mit den Maschinen vielleicht noch ein, zwei Stunden hinaus zögern ließ.

Meine Schwägerin und ich haben gesagt wir möchten einen Raum haben um uns von meinem Bruder verabschieden zu können, dann haben wir die Maschinen abstellen lassen. Ich weiss bis heute nicht wie sich sein Tod so schnell herum sprechen konnte. Es kamen immer mehr Leute ins Krankenhaus an um sich zu verabschieden.

Ich vermisse alle 3 so sehr, unsere Familie ist nicht mehr dieselbe.Am schlimmsten ist es wenn ich meine vielen Neffen und Nichten sehe, sie sind alle noch so jung und hätten ihre Väter doch noch lange gebraucht.

IN MEMORIAM

Mama 25.01.1938 - 19.12. 1998

Axel 31.01.1958 - 19. 12. 2004

Mulle 12.12.1959 - 9.01. 2006


Drei Menschen in der Blüte ihres Lebens zu verloren zu haben, lässt uns oft verzweifeln. Der Schmerz darüber ist manchmal kaum zu ertragen.Aber ihr seid bei uns, in unseren Herzen, für immer.

Wir denken an euch,in unseren erzählen,unseren lachen und weinen.
Der Tod kann uns von den Menschen trennen, die zu uns gehörten,aber er kann nicht das nehmen was uns mit ihnen verband.

Ich liebe und vermisse euch....

fuechsine
27.05.2007, 12:36
Ach, das treibt mir die Tränen in die Augen.Fühl Dich umarmt.:blumengabe:

Inaktiver User
27.05.2007, 21:13
Eine Umarmung auch von mir! :blume:

djinny
27.05.2007, 21:55
Danke ihr Lieben,

es fällt mir hier manchmal unheimlich schwer zu funktionieren.Ich habe eine grosse Familie, selbst 5 Kinder und viele Neffen und Nichten. Jetzt bin ich die älteste von uns 6 Geschwistern und alle suchen bei mir Trost und Rat. Meine Brüder fehlen an allen Ecken und Kanten. :-(
lg
Djinny

Woodstock62
28.05.2007, 11:54
ich stell Dir eine große Tüte Kraft und Licht und Liebe hin...

Woodstock

Tabea57
31.05.2007, 13:52
Oh djinny,

Du hast so viel zu tragen und hast mir - obwohl Du soch selber Trost und Kraft brauchst - so lieb geantwortet und Mut gemacht! Ich vermute mal, dass Du in Eurer Familie ebenfalls diejenige bist, die anderen Mut macht und Kraft gibt.

Pass gut auf Dich auf!

Ich empfinde Dich als eine sehr tapfere Frau :blumengabe:

Warum manche Menschen bzw. manche Familien zu viel zu tragen haben und so einen großen Packen an Schmerz verarbeiten müssen, verstehe ich nicht. Vielleicht lässt es sie menschlich reifen, aber das scheint mir ein sehr hoher Preis dafür zu sein.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, und dass Dir die Liebe Deiner Nichten, Neffen und Deiner eigenen Kinder eine Quelle der Stärke sein kann!

Alles Liebe für Dich!

Tabea57

Atis
31.05.2007, 14:37
Auch von mir alles Liebe, djinny!
:kerze: :kerze: :kerze:

Bine0369
02.06.2007, 08:26
Auch von mir eine vorsichtige Umarmung und eine große :kerze: für all Deine Lieben.

Inaktiver User
02.06.2007, 11:26
Danke ihr Lieben,

es fällt mir hier manchmal unheimlich schwer zu funktionieren.Ich habe eine grosse Familie, selbst 5 Kinder und viele Neffen und Nichten. Jetzt bin ich die älteste von uns 6 Geschwistern und alle suchen bei mir Trost und Rat. Meine Brüder fehlen an allen Ecken und Kanten. :-(
lg
Djinny


Sag mal Djinny , woher nimmst Du denn Deine Kraft? Was ist Deine Tankstelle, aus der Du die Energie beziehen kannst, um Deiner Umgebung so sehr die Hände reichen zu können.

Es ist so traurig, was Du erlebt hast, es ist sicherlich tröstlich eine große Familie zu haben, aber aus Deinen Worten lese ich Leere, Erschöpfung und Atemlosigkeit.

Hast Du jemanden, an den Du Dich anlehnen kannst, der Dich mal in den Arm nimmt, der Deine Tränen trocknet?

Pass auf Dich auf - auch starke Menschen verfügen nicht über unendliche Kräfte. :blume:

djinny
02.06.2007, 15:17
Sag mal Djinny , woher nimmst Du denn Deine Kraft? Was ist Deine Tankstelle, aus der Du die Energie beziehen kannst, um Deiner Umgebung so sehr die Hände reichen zu können.



Im Moment finde ich alle Kraft in meiner Familie, ich werde bald zum ersten mal Oma, da freue ich mich wahnsinnig drauf.

Das meine Kräfte nicht unendlich sind zeigt mir mein Körper schon. Ich hatte vor 2 jahren einen schweren Bandscheibenvorfall, der sich trotz mehreren OP´s nicht wirklich gebessert hat. Ich habe 3 stationäre Schmerztherapieen gemacht, und im Febuar ist mir eine Sonde an die Nervenwurzel gesetzt worden und der Empfänger wurde unter die Bauchdecke implantiert.

:freches grinsen: Jetzt kann ich mich selbst unter Strom setzen.:freches grinsen:

Naja, aber das ist eine andere Sache.

Auch wenn ich es manchesmal als anstrengend empfinde immer Trost zu spenden so gibt es mir gleichermaßen trotzdem auch Kraft. Gleichzeitig sind meine Lieben auch für mich da, helfen mir mit anderen Sachen.
Meine Schwester zum Beispiel setzt sich Nachts mit mir hin wenn ich mal wieder vor Schmerzen kein Auge zu kriege, und lenkt mich ab. Meine Kinder sind grossartig, helfen mir auch wo sie können.

lg
Djinny

djinny
09.06.2007, 04:17
Hallo ihr Lieben,
heute hatte meine Tochter einen Ultraschalltermin, sie ist jetzt Mitte 5. Monat und wir freuen uns alle riesig auf das Baby. Es war ein wunderschöner Moment, wir konnten sehen wie sich der klitzekleine Mensch die Äuglein gerieben hat, und dann als wir richtig neugierig wurden hat es die Beine übereinander geschlagen. Also war nix mit genauer kucken. Als wir fertig waren fing meine Tochter fürchterlich an zu weinen, ich konnte sie fast kaum beruhigen.

Sie schluchzte so herzzerreissend, das ihr Baby nie nie nie ihre liebe Onkel kennen lernen wird, und das sie sich das so sehr wünschen würde.

Ich musste natürlich auch gleich weinen, das war wirklich schlimm. Wir sind dann so verheult wie wir waren in ein Cafe gegangen und ich habe sie getröstet, und ihr erzählt das unsere Lieben ganz bestimmt ihr Baby sehen, und das sie dort wo sie jetzt sind ganz besonderes auf sie achten werden.

Mein Herz tat schrecklich weh, mir kommt es so vor als ob die Narben nie verheilen.
lg
Djinny

Inaktiver User
09.06.2007, 07:53
Liebe Djinny,

sei sicher, dass das neue Menschenkind seine Onkel kennen lernen wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie sich begegnen, bevor es auf die Welt kommen wird. Die Seelen treffen sich irgenwo an einem Ort, der uns Erwachsenen nicht zugänglich ist. Die 2 werden ihrer Nichte oder Neffe all das mit auf den Weg geben, was wichtig und gut ist. Und Ihr werdet sehen, das kleine Wesen wird einiges davon behalten und Ihr werdet den einen und anderen Zug der Onkel auch bei ihm/ihr wieder erkennen.

Lass uns wissen, wenn das Baby da ist - hier freuen sich bestimmt viele mit Dir:blumengabe:

Tabea57
09.06.2007, 11:45
Kranich,

Deine Worte sind sehr schön, sie berühren mich, obwohl ich nicht Djinny bin.

Danke,

Tabea57

Lorolli
09.06.2007, 11:50
Hallo Djinny,

lasse Dir einfach mal ein paar liebe Grüsse hier. :blumengabe:

Lorolli

djinny
09.06.2007, 23:58
Liebe Kranich,
das glaube ich auch ganz fest. Ich habe meiner Tochter dann auch noch gesagt das ihre Brüder bestimmt genauso tolle Onkel für ihr Kind werden, wie meine Brüder es für sie waren.

@Lorolli....danke

@ Tabea57
Ich hoffe es geht dir gut.
LG
Djinny

Tabea57
10.06.2007, 00:09
@ Tabea57
Ich hoffe es geht dir gut.
LG
Djinny

Tut es, Djinny, danke!

Ich wünsche Dir einen sicheren Hafen und eine Tankstelle zum Kraft-tanken und Menschen, die Dich halten und trösten.

:blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

Tabea57

djinny
23.11.2007, 07:40
Hallo Ihr Lieben, jetzt möchte ich mich noch mal wieder melden. Nächsten Monat jähren sich die Todestage meiner Ma und meines ältesten Bruders. Im Januar auch der meines anderen Bruders. Ich war die vergangenen Monate gut abgelenkt durch die Schwangerschaft meiner Tochter, mittlerweile hat sie mich auch zur Oma gemacht. :-)

Am 23.10. kam unsere kleine Maus, Aimee auf die Welt. Es war ein wunderschönes Erlebnis weil ich meine Tochter bei der Geburt begleiten durfte.

Es gibt mir sehr viel Kraft meiner Tochter zur Seite zu stehen und ich fühle das erste mal seit langem wieder so etwas wie Glücksgefühle.

lg
Djinny

Bine0369
28.11.2007, 12:33
Hallo Djinny,

schön, wieder von Dir zu hören und Herzlichen Glückwunsch, dass Du nun Oma bist.

Den Namen Aimee finde ich schön und ich hoffe, sie wächst so behütet und geliebt auf, wie Du.

Ich wünsche Dir für die beiden Gedenktage alles Gute und ganz viel Trost!

Tabea57
28.11.2007, 21:52
Auch von mir, Djinny, herzlichen Glückwunsch!
Es muss ein besonderes Erlebnis sein, bei einer Geburt dabeisein zu dürfen (und diesmal nicht als Gebärende).
Alles Gute für Dich!

Tabea57