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Inaktiver User
26.05.2007, 20:00
Hallo,
nach halbjährigen Krankenhausaufenthalt inkl. mehrwöchigem Koma, mehreren Operationen, einer Wiederbelebung u. Ä. ist ein Freund von uns in ein Hospiz verlegt worden. Da die familiäre Situation schwierig ist, bekommen wir von dort keine Information.
Ich möchte aber eigentlich auch ganz allgemein wissen: Bedeutet Hospiz das nahe Ende? Ich habe erfahren, dass es im Hospiz eine 1:1-Betreuung gibt, was einen großen finanziellen Aufwand bedeutet, den sich eine Versicherung nicht lange leisten kann. Wenn jemand etwas darüber weiß oder mir auch ganz allgemein was zum Thema aus eigener Erfahrung schreiben kann, wäre ich sehr dankbar. Ich muss mich mit dem Thema beschäftigen können, ohne mich in meinen Gedanken nur im Kreis zu drehen.
Danke und liebe Grüße
Lola

Viola
26.05.2007, 20:10
So würde ich es verstehen und wird es bei uns gehandhabt :

Im deutschen Sprachraum der Gegenwart wird mit Hospiz meist eine spezielle Pflegeeinrichtung bezeichnet, die Sterbende (http://de.wikipedia.org/wiki/Sterben) im Sinne der Palliativpflege (http://de.wikipedia.org/wiki/Palliation) umfassend versorgt. Es gibt ambulante (http://de.wikipedia.org/wiki/Ambulant), teilstationäre (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Teilstation%C3%A4r&action=edit) und stationär (http://de.wikipedia.org/wiki/Station%C3%A4r) tätige Hospizvereinigungen. Unter Hospiz versteht man heute nicht unbedingt eine konkrete Institution (http://de.wikipedia.org/wiki/Institution), sondern ein Konzept der ganzheitlichen Sterbe- (http://de.wikipedia.org/wiki/Sterbebegleitung) und Trauerbegleitung (http://de.wikipedia.org/wiki/Trauerbegleitung). Hospize wollen (nach Christoph Student (http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Student), 2004) fünf Qualitätskriterien verwirklichen:

Der Kranke und seine Angehörigen stehen im Zentrum des Dienstes
Unterstützung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team
Einbeziehung freiwilliger Begleiterinnen und Begleiter
Palliative care (Palliativmedizin (http://de.wikipedia.org/wiki/Palliativmedizin)) statt medical care (auf Heilung gerichtete Behandlung), das heißt: Lebensqualität statt Lebensquantität
Trauerbegleitung (http://de.wikipedia.org/wiki/Trauerbegleitung)puncto Bezahlung weiß ich leider nicht, wie es in Deutschland gehandhabt wird - bei uns übernehmen die Kassen sehr wohl einen Teil der Kosten.
Erfahrungen- was ich von Bekannten weiß - durchaus sehr positiv - dein Freund ist dort wirklich in guten Händen- alles Gute !

Hummelchen
26.05.2007, 20:20
Liebe Lola,

der von Viola erwähnte Christoph Student hat einige Bücher zum Thema verfasst, die auch Laien einen guten Überblick zum Thema Hospizbewegung geben. Wenn Du bei Amazon seinen Namen eingibst (hier komischerweise Johann-Christoph Student, ich kenne ihn nur als Christoph Student) siehst Du eine Auswahl.

Sehr häufig bedeutet ein Aufenthalt im Hospiz eine Begleitung bis zum Ende, aber nicht in jedem Fall. Wichtig ist besonders die intensive, liebevolle Begleitung und auch eine adäquate Schmerzbehandlung.

Alles Gute für deinen Freund,

liebe Grüße, Hummse

crocus53
26.05.2007, 22:00
Ich habe mal ehrenamtlich Sterbebegleitung in einem Hospiz gemacht. Du kannst sicher sein, dass Dein Freund die beste Behandlung erhält. In der Regel wird ein Mensch in ein Hospiz verlegt, weil er austherapiert ist und eine Chance auf Heilung wahrscheinlich nicht mehr besteht.

In dem Hospiz, wo ich begleitet habe, wurden "Bewohner" - nicht Patienten - sehr liebevoll betreut. Schmerztherapie, Krankengymnastik, Kochen des Lieblingsessens - Einzelzimmer, Gespräche, die Hand halten, zuhören, schweigen - in Würde die letzten Tage verbringen

- das ist in einem Hospiz möglich.

Ich denke, Dein Freund ist in besten Händen...

Alles Liebe

crocus

Inaktiver User
28.05.2007, 14:05
Ihr Lieben,

vielen Dank für eure Beiträge, auch für die privaten Nachrichten. Es ist alles viel schneller gegangen, als wir angenommen haben: Er ist heute Nacht gestorben. Wir (Mitglieder von zwei großen Chören) sind natürlich alle erschüttert, andererseits wissen wir nun, dass er keine Schmerzen mehr leiden muss, und das empfinde ich persönlich als große Erleichterung, denn es hat einem mit wehgetan, wenn man sein schmerzverzerrtes Gesicht gesehen hat.
Ich danke euch für die vielen Informationen zum Hospiz. Ich wollte ihn heute Vormittag besuchen, und als ich hinkam, erfuhr ich die Nachricht. Ich musste natürlich weinen und fand, dass die Schwestern dort besonders freundlich und empfindsam mit mir umgegangen sind. Ich freue mich für ihn, dass er die letzten Tage in so schöner, freundlicher Atmosphäre sein konnte. Und wenn ich mal nicht mehr berufstätig oder beruflich nicht mehr so stark eingespannt bin, werde ich mich in irgendeiner Weise in diesem Bereich ehrenamtlich engagieren. Das weiß ich zwar schon lange, aber heute ist es mir wieder ganz deutlich geworden.

Danke noch mal und viele Grüße
Lola