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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Parodontose oder Abzocke?



Renatemaria
24.05.2007, 08:30
Gestern hatte ich einen Zahnarzttermin und frage mich jetzt, ob dieser Arzt weiterhin der "Arzt meines Vertrauens" ist.

Ich ging bloß hin, weil an einer Füllung des Backenzahns ein Stück herausgebrochen war.

Die Arzthelferin wollte sofort ein Röntgenbild aller Zähne machen, "weil wir noch keines von Ihnen haben". Ich wollte das nicht, zumal ich keinerlei Beschwerden im Kiefer oder sonstwas habe. Das mußte sie akzeptieren.

Als ich dann im Behandlungsstuhl saß, untersuchte mich die Arzthelferin (!) und diagnostizierte eine beginnende Parodontose mit Taschentiefe 4mm. Ob ich Beschwerden hätte, ich hätte doch sicher Zahnfleischbluten.

Habe ich aber nicht, vielleicht 4x im Jahr, aber sonst gar nicht. Optisch sieht mein Zahnfleisch aus wie immer, es ist nichts locker oder sonstwas. Jedenfalls meinte sie, dass sie jetzt doch ein Röntgenbild bräuchten, ich solle nächste Woche deshalb nochmal kommen. Dann würden sie für die Parodontosebehandlung einen Kostenplan erstellen für die private KK (bin Beamtin).

Der Zahnarzt kam dann irgendwann mal für 3 Minuten und füllte den Backenzahn (achja, wegen dem war ich ja eigentlich da!!!), kein Wort von Parodontose, entfleuchte, bevor ich irgendwas sagen konnte! (Und ich bin nicht auf den Mund gefallen!)

Nachdem ich mich schon öfters gewundert und geärgert habe, dass ein Großteil der Behandlungen von den Arzthelferinnen erledigt wurde, frage ich mich nun, ob ich das Ganze wirklich so akzeptieren soll - oder mir einen anderen Arzt suchen sollte?

Was meint Ihr? Zu meinem Alter: Ich gehe auf die 50 zu, habe zwar nicht die optimalsten Zähne, aber wie gesagt keinerlei Beschwerden oder optische Veränderungen. Die "Diagnose" Parodontose hat mich im Internet mal suchen lassen - ich habe wirklich keines der dort genannten Symptome!

Margali62
24.05.2007, 12:13
Ab 4 mm beginnt der Paradontitiszustand.
Auf dem Röntgenbild kann man den Knochenabbau sehen.

Lies Dich doch mal schlau zu "Paradontitis" bei Wikipedia.

Nach meiner (meiner!) Meinung solltest Du was machen. Den Paradontitiskram macht bei meiner Zahnärztin auch die "Sprechstundenhilfe". Sie ist dafür ausgebildet.

Du riskierst gefährlichen Bakterienbefall, der Deine Organe schädigen kann. In den Taschen sind nämlich Bakterien.
Zumindest riskierst Du rausfallende Zähne.


LG

M.

Nocturna
24.05.2007, 12:35
Hallo Renatemaria,
ich kann dich schon verstehen, wenn du dich abgezockt fühlst. Als Privatpatientin ist man immer hellhörig, wenn man mal gleich vorbeugend durch den gesamten Gerätepark gelotst wird.

Theoretisch könnte es guter Service sein, sich von einem neuen Patienten einen kompletten Status zuzulegen. Auf jeden Fall lässt aber die Kommunikation sehr zu wünschen übrig und allein deswegen würde ich vielleicht doch lieber einen anderen Zahnarzt konsultieren.

Ich möchte Margalie aber dahingehend Recht geben, dass mit Paradontitis nicht zu spaßen ist. Es stimmt auch, wenn sie schreibt, dass die Sprechstundenhilfe beim Zahnarzt für die Mundhygiene verantwortlich ist. Bei mir hat meine Zahnärztin nur kurz Hand angelegt, als mein Zahn akut wackelig war. Den Rest übernahmen schon wieder die Helferinnen.

Ich würde den Zahnfleischstatus noch mal überprüfen lassen von einem kommunikationsfreundlicheren Team allerdings. Wenn du, bis auf die Füllungen gesunde Zähne hast, ist die Paradontitis wirklich etwas, was du akut fürchten solltest. Dir hilft der schönste Zahn nichts, wenn er sich aufgrund mangelndem Zahnbetts auf die Socken macht. Und solange das nicht gesund ist, bringen dir nicht mal Implantate was.

Ich habe mit 41 akut Probleme mit dem Zahnfleisch bekommen, so dass einer sogar zum Wackeln begonnen hat. Überaus ärgerlich, da ich regelmäßig zweimal pro Jahr zur Zahnsteinentfernung gegangen bin. Ich wünschte, mich hätte jemand rechtzeitig auf dieses Problem hingewiesen und frage mich immer noch, ob Zahnarzt und Helferin dort gepennt haben. Insofern wäre mir deine übereifrige Helferin auf alle Fälle lieber als eine, die nichts sagt.

Amely
24.05.2007, 12:41
Ich habe hinten auch immer wieder Zahnfleischbluten und habe extra eine besondere Reinigung der Zähne durchgeführt - es ist immer noch nicht besser, da ich viel unterwegs bin und sie meinten mit richtiger Pflege würde ich es wieder in den Griff bekommen - aber meine Mundwasser taugen alle nicht sehr viel. Werde mir jetzt Grapefruit-Extrakt besorgen und Teebaumöl konzentriert. Hoffentlich bekomme ich die Bakterien in Griff. Denn meine Mutter sagt mir schon länger, dass ich manchmal lästigen Mundgeruch habe.:knatsch:

Nocturna
24.05.2007, 13:04
Hm Amely, ob die Mundwässer das halten können, was sie immer gerne versprechen? Ich habe da ehrlich gesagt so meine Zweifel und benutze gar keine mehr.

Was mich noch etwas irritiert ist der Mundgeruch. Also wenn es schon mal so weit ist, dass die Bakterien in deinem Mund zu riechen sind, dann wäre für mich aber allerhöchste Eisenbahn angesagt. Könnte es aber nicht vielleicht auch vom Belag deiner Zunge kommen? Hast du einen Zungenreiniger mit dem du dir täglich die Zunge putzt? Seitdem ich Zungenreinigung in mein Programm aufgenommen haben, gibt es keinen Mundgeruch mehr.

Inaktiver User
24.05.2007, 13:11
also ich kann verstehen, dass Privatpatienten auch bestimmt mal etwas mehr Krankheiten haben als Kassenpatienten ;o)

nur was ich nicht verstehe: wieso macht das die HELFERIN? Also mich langt keine ZA-Helferin an, bevor nicht der Arzt da war und der macht auch den größten Teil der Behandlung. Das einzige was sie bei mir macht, ist Zahnstein entfernen, sofern einer da ist. Und solche Sachen wie Parodontose sollte der ZA diagnostizieren, nicht seine Angestellte.

Didi50
24.05.2007, 14:47
Liebe Renatemarie,

ich versteh dich voll. Ich bin auch Privatpatientin und kann mich oft nicht des Eindrucks erwehren, dass sie schauen wollen, wie viel Geld ich jetzt abdrücke.

Ich habe selbst Paradontose, ziemlich schlimm. Du merkst das aber auf jeden Fall am Zahnfleischbluten.

Ausserdem würde ich auf eine ärztliche Untersuchung bestehen. Taschentiefe sollte vom Arzt gemessen werden, Zahnreinigung kann eine Assistentin durchführen.

Ich denke aber, dass damit zur Zeit auch viel Schindluder getrieben wird. Mein Mann ist 55, war bisher in seinem Leben ganz selten beim Zahnarzt und hat nur zwei Füllungen, gesunde Zähne, und kein Zahnfleischbluten. Er wird vom Zahnarzt auch immer geschimpft, wenn er nicht jedes halbe Jahr kommt (er geht so eher alle drei Jahre mal).

Wenn du dem Arzt nicht vertraust, wechsle ihn oder rede mal mit dem Arzt selbst über deinen ganz konkreten Verdacht.

Monkele
24.05.2007, 14:50
Bei unserem Zahnarzt haben ein Teil der Arzthelferinnen eine Zusatzausbildung als Zahnhygienikerin. Genau aus diesem Grund machen sie die Messung der Taschentiefe und die manuelle! Zahnsteinentfernung. Bei mir wird dies übrigens alle 5 Monate gemacht und ich bezahle es selbst (ansonsten Kassenpatientin). Das ist es mir aber auch wert, denn seitdem hat sich der Zustand bei mir im Mund deutlich gebessert!

Ich würde nicht als Erstes eine "Abzocke" sehen und vermuten, sondern eher den Hinweis auf etwas, was du noch nicht kennst, aber erfahrungsgemäß gut ist (und nicht nur für den Geldbeutel des Zahnarztes). Die Kommunikation finde ich allerdings auch etwas dürftig, aber da du mir ja nicht auf den Mund gefallen zu sein scheinst, kannst du sicher nochmals beim Zahnarzt nachfragen. Parodontose ist für den Laien nicht immer gleich sichtbar (außer wenn das Zahnfleisch blutet), aber die Auswirkungen davon können enorm sein!

Und in Abständen ein Röntenbild zu machen sehe ich auch nicht als schlecht an und das, obwohl ich ein extremer Würger bin und wir viele Anläufe brauchen, bis es mit dem Röntgenbild klappt.

Monkele

Quirin
24.05.2007, 15:10
Das mit dem Röntgenbild kenn ich auch so, das wird alle paar Jahre gemacht, und ich bin Kassenpatient. Man kann darauf wohl Karies unter den Füllungen und in den Zahnzwischenräumen sehen, wenn ich mich recht entsinne.

Amely
24.05.2007, 16:42
@nocturna - vielen Dank für den Tipp mit dem Zungenreiniger.
Ich habe sogar einen.

Mit richtiger Pflege kann man viel erreichen. Ich werde mir demnächst auch eine Munddusche kaufen und das selbstzusammengestellte Mundwasser dann dort einfüllen.

Leider ist Paradontose ab 40 häufig (beide Elternteile sind bei mir betroffen). Habe auch kleine Bürstchen und Zahnseide für unterwegs zur Hand.

Eine Userin hat hier schon mal länger gepostet. Sie kam sehr gut mit selbstgemachten Mundwasser zurecht. Und zwar ein paar Tropfen Teebaumöl und weiße Heilerde und Meersalz und ein bißchen Wasser dazu.

Renatemaria
24.05.2007, 18:25
Danke für die vielen Antworten!!! :smile:

Ich habe mich jetzt entschlossen, den Arzt zu wechseln. Vor Parodontose habe ich schon auch Angst und die Infos, die ich im Internet ergoogelt habe, machen es auch nicht besser. Aber ich fühlte mich einfach völlig überrumpelt. Und - wie Ihr anscheinend auch empfindet - ließ die Kommunikation schon sehr zu wünschen übrig.

Ich glaube selbst eigentlich nicht an die Richtigkeit der Diagnose, lasse mich aber (wenn nötig) von einem ARZT davon überzeugen. Nicht von einer Helferin, auch nicht mit Zusatzausbildung. Den Rechnungsbetrag bekommt schließlich auch der Arzt und als Stundensatz zahle ich dann sicher nicht den seiner Helferin! :ooooh: Bei allem Respekt vor deren Ausbildung natürlich!