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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie 5 jährigem helfen?



Engelchen
14.05.2007, 20:28
Hallo!
Wir haben ein Problem mit unserem Sohn der 5 Jahre alt ist und im August 6 wird!
Meine Mutter ist im Juni 2006 gestorben und er hat daran immer noch zu knabbern!
Ich weiß nicht wie ich ihm noch helfen kann, wir reden ganz viel über Oma, aber verstehen tut er es noch nicht wirklich!
Oma ist immer und überall dabei, wenn es dunkel wird ist der erste Stern Oma!
Ich finde es ja schön, das er soviel an seine Oma denkt und das er sie vermisst ist ja auch ok.
Aber richtig verarbeitet hat er es noch nicht!
Wie kann ich ihm dabei helfen?

Wenn noch mehr Fragen sind, nur zu! Keine Scheu!
Danke euch!
Engelchen

fuechsine
14.05.2007, 20:49
Ich denke, Du solltest Dich an den Fragen orientieren, die er hat. Im Strang "Bücherschrank" gibt es bestimmt Hinweise auf gute Kinderbücher. Was beschäftigt ihn den?

Engelchen
14.05.2007, 20:55
Nabend!
Die Fragen beantworte ich ihm alle! Immer so wie es in meiner Macht steht, ist ja manchmal nicht einfach und man muß sich was einfallen lassen!
Was beschäftigt ihn?
Vieles! Eigentlich alles!
Warum, wo sie jetzt ist, warum dann in die Erde (Beerdigung), ob er sie wieder sieht, wann sie wieder zu Besuch kommt, wann wir mal wieder hinfahren...
Nicht immer ganz einfach.
Die Fragen zu beantworten ist auch nicht so unbedingt das Problem, sondern eher, wie ich ihm helfen kann es zu verarbeiten!

Danke für den Tip, ich schau da mal rein!

Ricarda44
15.05.2007, 08:43
@Engelchen:

Es ist doch schön, dass Oma in seinem Herzen eine Spur hinterlassen hat. Dein Sohn wird es verarbeitet haben, wenn all seine kindliche Neugier und die daraus resultierenden Fragen auf diese ungewohnte Situation beantwortet sind.

Da hilft nur konsequent ehrliche Antworten - auch in Märchen-/Geschichtenform. Eines Tages wird er es so akzeptiert haben und die Fragen werden weniger.

Das mit dem Stern kenne ich auch. Mein Sohn hat auch ganz lange drauf vertraut und dran geglaubt, dass seine liebe Oma (meine Mama) jetzt auf diesem hellsten Stern wohnt. Heute ist er schon 16 und weiß, dass das irgendwie ja gar nicht sein kann. Er hat mir dieses "Märchen" aber nie übel genommen. Es hat einfach geholfen, wenn man mit Liebe und totalem Respekt vor der Persönlichkeit seiner Omi philosophiert hat, wie es ihr "dort oben" jetzt wohl so geht.

Kindliche Fantasie in helfende Richtung wecken, kann nie verkehrt sein.

Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr das gut hinbekommt.

Engelchen
15.05.2007, 12:25
Hallo!
Sicher ist es schon, das die Oma so eine Spur in seinem Herzen hinterlassen hat.
Ich habe denoch das Gefühl, das er es eben nicht verarbeitet hat!
Die Fragen werden immer wieder ehrlich beantwortet, auch wenn es zum Xten mal ist.
Die Sache mit dem Stern, darauf kam mein Mann und die beiden Kinder finden es schön Oma so "leuchten" zu sehen.
Ich bin mir auch sicher, das er es irgentwann akzepiert haben wird und die Fragen weniger werden und auch, das er uns das "Märchen" nicht übele nehmen wird!
Es gibt aber immer mal wieder Situationen, wo er aus heiterem Himmel einfach anfängt zu weinen und uns nicht sagen kann was los ist. Auch hat er öfter "böse" Träume von Oma und ich denke, das ist ein zeichen, das er noch nicht verarbeitet hat!
Weiß aber eben nicht wie ich ihm grad in diesen Situationen helfen kann, bin dann selber ziemlich hilflos.
Aber danke für deine Worte, sie bauten schon mal ein wenig auf und haben geholfen, das es vielleicht doch gar nicht so schlimm ist!

Ricarda44
15.05.2007, 19:27
@Engelchen:

Das mit den bösen Träumen ist aber gerade auch in dem Altern noch ziemlich normal - auch ohne belastende Ereignisse wie dem Tod eines Angehörigen. Ich kenne es von meinen, als sie noch in dem Alter waren, dass sie von Monstern unterm Bett oder an der Decke träumten.

Was hältst Du denn davon, Deinem Spatz einen "Traumfänger" über sein Bett zu hängen. Ich selbst empfinde diese Dinger ja als Spinnerei - sorry an alle, die dran glauben. Aber für ein Kind kann ich mir so vorstellen, ist sowas Trost und ein Stück Sicherheit. Zu kaufen gibts die auf jeden Fall. Aber vielleicht mögt Ihr ja auch zusammen sowas basteln? (Oh, ich hätte da nicht die Begabung und Geduld zu, aber was tut man nicht alles für das Wohl der Süßen?!)

Aber sag mal, hat Oma denn direkt bei Euch im Haus gewohnt und den Hauptteil der Betreuung Deines Kindes inne gehabt? Weil sonst ist es schon ziemlich ungewöhnlich, dass sich ein Kind in dem Alter so sehr damit beschäftigt. Kann es vielleicht auch sein, dass andere Veränderungen ihm zu schaffen machen und er vielleicht nicht die richtigen Worte dafür findet?

Ich kenne es von meinen so - da waren sie allerdings noch jünger - wenn was "faul war im Staate Dänemark" hatten sie Bauchschmerzen. Wenn die Kindergärtnerin geschimpft hatte, oder sie das Mittagessen in der Kindereinrichtung aufessen mussten und nicht mit der Wahrheit rausrücken wollten. Oder wenn sie Stress mit Kumpel/inen hatten - es war immer Bauchweh. Bis man sich dann die Zeit genommen hat - abendliches Ritual, sich gegenseitig zu erzählen, was denn so los war am Tag. Mama hat ehrlich erzählt, dass es Stress gab im Job und man sich über einen Kollegen mächtig geärgert hat und das wirklich doof findet, was der so macht. Plötzlich hatte Kiddy dann auch zu erzählen, was es mächtig doof fand. Da waren dann plötzlich die älteren Schüler, die sich bei der Essenausgabe immer vordrängelten und die Kleinen keine Zeit hatten, das Essen einzunehmen bzw. zu spät zum Unterricht kamen. Da war im Kindergarten dann ein Mädchen, das immer kniff und schlug, wenn die Erzieherin nicht hinsah.

Schau doch einfach mal, ob's wirklich Oma ist, oder ob Oma jetzt den Schmerz ausdrückt, mit dem man sonst nicht einfach so heraus rückt.

Wären so meine Gedanken dazu.

Engelchen
21.05.2007, 13:16
Hallo Ricarda!
Einen Traumfänger hat er schon, der hilft auch ganz gut, die schlechten Träume werden weniger.
Meine Mama hat nicht bei uns mit im Haus gewohnt, aber wir waren viel bei ihr und sie war so die typische Oma, ein richtiges Muttertier!
Sie hat alles für ihre Kinder und später auch für die Enkel getan. Kinder waren ihr Leben!
Das ihn etwas anderes beschäftigt habe ich mir auch schon überlegt, aber er sagt es ist alles ok, es wäre nix, er würde nur Oma so schrecklich vermissen!
Ich kenn das von dem alter auch nicht, aber wir reden dann eben über Oma!
Diese Ritual, am Abend über den tag zu reden machen wir schon eine ganze Weile, den Kinder gefällt es, meinem Mann und mir tut es gut! Das ist eine halbe Stunde des Tages wo die anderen einem wirklich zu hören und man auch sagen kann was man am eigenen Kind heute "doof" fand!
danke dir für deine Tips.
Ich werde mir jetzt noch ein Buch zu legen, hat mir eine Freundin empfohlen, ich denke, dann wird es auch bald besser werden mit ihm!
Schönen sonnigen Tag noch!
Engelchen

Madame_butterfly
25.05.2007, 14:22
Liebes Engelchen,

soeben habe ich Deine Zeilen hier gelesen. Und ich erinnerte mich spontan an ein liebevoll gestaltetes, virtuelles Trauerangebot, speziell abgestimmt auf die Trauer von Kindern und Jugendlichen. Vielleicht kann dieses Angebot Dir und Deinem kleinen Sohn hilfreich sein? Zumindest kannst Du Dir dort, wie ich finde, liebevolle Anregungen einholen. Die schlichte, aber innige Headline lautet:

„Für dich da sein, wenn du traurig bist …“

Ich könnte mir vorstellen, dass es Dich und Dein Mutterherz ansprechen wird. Schau doch einfach einmal hinein (kinder.trauer.org/). Du findest dort auch einige kleine Geschichten. Und was ich noch sehr zauberhaft finde, Du kannst dort mit Deinem kleinen Mann einen virtuellen großen roten Luftballon für die Oma in den Himmel steigen lassen und ihm all Eure Wünsche mit auf den Weg geben. Es kann aber auch als Anregung für Eure eigene Kreativität dienen - den eigenen Luftballon aufpusten, ihn mit Euren Herzensgedanken bestücken und in den Himmel aufsteigen lassen.

Vielleicht ist es das, was Du suchst? So kannst Du mit Deinem Sohn weiterhin aktiv bleiben – denn ich finde alles, was Du bisher getan und beschrieben hast, um die Traurigkeit oder die Sehnsucht Deines kleinen Lieblings aufzulösen, sehr, sehr einfühlsam!

Liebe Grüße und eine :Sonne: für Deinen kleinen Mann

Olive
26.05.2007, 22:33
Hallo Engelchen,

soetwas wie Madame Butterfly vorgeschlagen hat, schwebte mir auch vor. Vielleicht ist ein Luftballon schön, weil ihr die Oma auf dem Stern "weiterleben" lasst.

Ich dachte an ein Boot, daß Ihr zusammen baut und alle guten Wünsche hinfüllt und es dann fahren lasst, wenn Dein Sohn meint es ist "jetzt" gut bestückt. So, daß er selbst bestimmen kann, wann er Abschied nehmen möchte.

Ansonsten solltest Du vielleicht mal mit Eurem Kinderarzt darüber sprechen. Der hat vielleicht auch noch einen Tipp.

Alles Gute für Euch,
Olive :blumengabe:

Engelchen
29.05.2007, 13:08
Hallo!
@ Madame_ Butterfly, lieben danke für deine Worte, sie sind ganz toll und aufbauend geschrieben. Mir stiegen richtig Tränen in die Augen!
Die Idee mit dem Luftballon finde ich klasse, das wird ihm, seiner großen Schwester und auch mir sicher sehr viel helfen!
Danke dafür!

@ Olive, auch dir danke für deine Worte.
Deine Idee mit dem Boot ist auch toll, wobei ich denk das es mit dem Luftballon besser ist, da die Oma ja im Himmel ist.
Der Kinderarzt ist darüber schon informiert, konnte mir aber leider solche Tips nicht geben, nur eben, das wir immer wieder mit dem Kleinen drüber reden!
Danke euch beiden!

Gruß
Engelchen

Engelchen
29.05.2007, 13:16
Hallo!
@ Madame_butterfly, danke für deine lieben Worte, taten sehr gut.
Die Idee mit Luftballon finde ich super klasse, ich denke, das tut ihm, seiner großen Schwester und auch mir sehr gut. Werden wir dann machen!
@ Olive, auch dir danke!
Deine Idee ist auch gut, aber ich denke die Idee mit dem Luftballon ist besser, da die Oma ja jetzt im Himmel ist!
Der Kinderarzt ist informiert, konnte mir aber leider solche Tips nicht geben, nur eben das wir immer wieder mit dem Kind reden und das tun wir ja!

Danke euch beiden nochmal!
Gruß
Engelchen

Engelchen
29.05.2007, 13:16
Na toll, schon wieder zweimal,was ist denn das!??

Inaktiver User
04.06.2007, 16:06
Engelchen, ich glaub, das tut er grade und sehr intensiv: verarbeiten. Es ist seine Art (und die vieler Kinder übrigens), damit fertig zu werden, alles zu wissen, sich mit seiner Oma zu beschäftigen.

Das Thema Tod wird leider viel zu sehr beschwiegen in unserer westlichen Welt. Gerade durch die intensive Trauerarbeit wird vieles leichter gemacht.

Und nicht vergessen darf man: gerade in dem Alter haben Kinder so viele Rituale. Wahrscheinlich gehört die Beschäftigung mit Oma zu seinem Ritual.

Jenufa
04.06.2007, 18:25
Als ich in dem Alter war und meine Oma gestorben ist, haben meine Eltern mir das Buch "Leb wohl lieber Dachs geschenkt". Falls Du es nicht kennst hier die Kurzzusammenfassung: Der Dachs ist alt und beliebt und er stirbt (er träumt, er geht in einen Tunnel und auf einmal sind all seine körperlichen Gebrechen weg und er fühlt sich glücklich und frei). Die anderen Tiere finden ihn am nächsten Tag und sind alle sehr traurig und sie treffen sich und erzählen, was sie mit dem Dachs verbindet (er hat jedem irgendetwas Besonderes beigebracht). Und sie merken dann irgendwann, dass die Erinnerung nicht mehr so schwer ist, sondern sie sich gerne zurückerinnern, wenn sie daran zurückdenken, wie schön es mit dem Dachs war.

Ob mir das Buch geholfen hat, kann ich nicht sagen (ich würde sagen ja), aber auf jeden Fall ist es bis heute eines meiner Lieblingsbücher.

Ansonsten habe ich mich (so erinnere ich mich auf jeden Fall dara zurück) damals damti auseinandergesetzt, dass auch ich und alle anderen sterben müssen und das ist vermutlich eine harte Erkenntnis für jeden von uns. Die Vorstellung von Omi auf einer Wolke fand ich immer sehr tröstlich, allerdings ist mir zumindest teilweise die Unlogik der ganzen Geschichten aufgefallen, z.B.: wo sind sie dann, wenn keine Wolken da sind...

Besonders interessiert hat mich wie das wohl ist, wenn sie ihren Mann wiedertrifft, der doch schon 30 Jahre vorher gestorben ist und was bei Menschen passiert, die nach dem Tod des Partners noch einmal geheiratet haben, ob das "im Himmel" nicht Krach gibt.

Engelchen
05.06.2007, 12:08
Hallo Jenufa!
Deine Oma ist auch gestorben als du 5 warst? Deine Eltern haben mit dem Buch eine sehr gute Idee gehabt, genauso erkläre ich es meinem Sohn, (der Oma tut jetzt nix mehr weh, sie hat all ihr lieben wieder die schon vor ihr gegangen sind usw.)
Ich habe das Gefühl, es hilft ihm und er hat immer leuchtende Augen, wenn wir über Oma reden.

Du hast recht, Kinder haben viele Rituale, das es für ihn ein solches sein kann, darauf bin ich noch gar nicht gekommen.
Allerdings ist es im Moment auch recht gut, er redet noch immer viel von ihr, aber die "bösen" Träume haben aufgehört, er schläft wieder durch und auch ruhig ein.
Er sagte neulich zu mir, er möchte ein Bild von der Oma direkt über sein Bett haben, damit Oma auf ihn aufpassen kann, wenn er schläft.
Natürlich bekommt er ein Bild von ihr übers Bett, darf sich eins aussuchen.
Der Todestag jährt sich nun bald (26.06) ich hoffe wir überstehen den Tag und es wird nicht zu schwer für beide Kinder.

Das mit den Wolken ist wohl das normale was man Kindern erzählt, mir ist auch viel später erst bewußt geworden das ja gar nicht immer Wolken da sind.
Ob es wirklich Krach gibt? Ich denke nicht, denn wenn ein Partner gestorben ist und der andere wieder geheiratet hat, hat es ja nichts damit zu tun, das man den Verstorben nicht mehr liebt, oder vergessen hat, es ist nur ein weiter Mensch ins Leben getreten und sie sind den Weg zusammen gegangen. Mein Denken!