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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Vater: Entgiftung und was dann?



zwusel
14.05.2007, 15:28
Hallo, ich (weiblich, verheiratet, 36) hoffe, hier kann mir jemand helfen, der sich darin auskennt. Ob durch eigene Erfahrung oder weil er beruflich da arbeitet.

Mein Vater ist 66, er ist seit einer Woche im Krankenhaus (Einweisung vom Hausarzt, mit eigenem Einverständnis), wird dort entgiftet und durchgecheckt. Er hat eine schwere alkoholische Leberentzündung. Seine Lebensgefährtin hat ihn - aufgeschreckt durch viele Symptome, da er sehr abhängig war, - dazu gebracht, ins Krankenhaus zu gehen. Es ging ihm auch nicht mehr gut, klar. Jetzt spricht er langsamer als früher, sucht nach Worten, sehr sehr leise, ist wahnsinnig schwach, kann Stuhlabgang nicht kontrollieren. Geistig ist er einigermaßen da - manchmal ein wenig verwirrt, aber nicht sehr und eher selten.

Irgendwann (der Arzt am Freitag meinte, in ein bis zwei Wochen) wird er entlassen. Und dann?
Der Arzt sagte, man kann noch nicht sagen, in welchem Zustand er dann ist. Ob er sich allein versorgen kann. Er lebt zwar mit seiner LG zusammen, aber die ist ebenso alt und kann ihn auch nicht pflegen. Sie leben in einem Häuschen, in dem das Schlafzimmer im 1. Stockwerk ist - wir wissen nicht, ob er überhaupt dann Treppen steigen kann.

Wir fragten nach einer Art Reha, damit er auch psychisch trocken wird - BEVOR er nach Hause zurückgeht. Es hieß, man muss sich vorher drum kümmern. Ich lebe nicht dort, wo er lebt (in Karlsruhe, sondern in Frankfurt, meine Geschwister in München, und England), außerdem fahre ich am Samstag für 2 Wochen in Urlaub.
Nun hab ich mich heute telefonisch informiert bei einer Karlsruher Suchtberatung, was in der Zwischenzeit infrage kommt - also BEVOR er einen Kurplatz hat und NACHDEM er entlassen ist. Dort hieß es, möglicherweise ist er zu schwach/krank für einen stationären Aufenthalt in einer Kur/Reha.
Man sagte mir, er solle nach dem Krankenhausaufenthalt mal zur Beratung - aber er darf (unserer Meinung nach) nicht erst nach Hause. Die Ärzte wissen nichts im Voraus,- warten die dann ab, bis er entlassen wird und dann ist es doch zu spät, sich um einen Platz zu kümmern?
Die Lebensgefährtin hat versucht, die Sozialpflegerin zu befragen, aber die scheint relativ interesselos...

So langsam bekomme ich Angst...wir finden alle, er darf nicht einfach so zurück nach Hause. Außerdem: falls er Pflege braucht (Windeln wechseln), wer macht das dann? Muss er dann in ein betreutes Wohnen? Zahlt das die Krankenkasse?

Kann mir einer IRGENDWAS dazu sagen? Was für möglichkeiten bleiben denn? Müssen wir damit rechnen, dass er doch direkt nach Hause geschickt wird...und dann möglicherweise wieder anfängt....?

Hilfe...
Danke und liebe Grüße,
Zwusel

Donna3
14.05.2007, 15:31
Hallo, ich (weiblich, verheiratet, 36) hoffe, hier kann mir jemand helfen, der sich darin auskennt. Ob durch eigene Erfahrung oder weil er beruflich da arbeitet.

Mein Vater ist 66, er ist seit einer Woche im Krankenhaus (Einweisung vom Hausarzt, mit eigenem Einverständnis), wird dort entgiftet und durchgecheckt. Er hat eine schwere alkoholische Leberentzündung. Seine Lebensgefährtin hat ihn - aufgeschreckt durch viele Symptome, da er sehr abhängig war, - dazu gebracht, ins Krankenhaus zu gehen. Es ging ihm auch nicht mehr gut, klar. Jetzt spricht er langsamer als früher, sucht nach Worten, sehr sehr leise, ist wahnsinnig schwach, kann Stuhlabgang nicht kontrollieren. Geistig ist er einigermaßen da - manchmal ein wenig verwirrt, aber nicht sehr und eher selten.

Irgendwann (der Arzt am Freitag meinte, in ein bis zwei Wochen) wird er entlassen. Und dann?
Der Arzt sagte, man kann noch nicht sagen, in welchem Zustand er dann ist. Ob er sich allein versorgen kann. Er lebt zwar mit seiner LG zusammen, aber die ist ebenso alt und kann ihn auch nicht pflegen. Sie leben in einem Häuschen, in dem das Schlafzimmer im 1. Stockwerk ist - wir wissen nicht, ob er überhaupt dann Treppen steigen kann.

Wir fragten nach einer Art Reha, damit er auch psychisch trocken wird - BEVOR er nach Hause zurückgeht. Es hieß, man muss sich vorher drum kümmern. Ich lebe nicht dort, wo er lebt (in Karlsruhe, sondern in Frankfurt, meine Geschwister in München, und England), außerdem fahre ich am Samstag für 2 Wochen in Urlaub.
Nun hab ich mich heute telefonisch informiert bei einer Karlsruher Suchtberatung, was in der Zwischenzeit infrage kommt - also BEVOR er einen Kurplatz hat und NACHDEM er entlassen ist. Dort hieß es, möglicherweise ist er zu schwach/krank für einen stationären Aufenthalt in einer Kur/Reha.
Man sagte mir, er solle nach dem Krankenhausaufenthalt mal zur Beratung - aber er darf (unserer Meinung nach) nicht erst nach Hause. Die Ärzte wissen nichts im Voraus,- warten die dann ab, bis er entlassen wird und dann ist es doch zu spät, sich um einen Platz zu kümmern?
Die Lebensgefährtin hat versucht, die Sozialpflegerin zu befragen, aber die scheint relativ interesselos...

So langsam bekomme ich Angst...wir finden alle, er darf nicht einfach so zurück nach Hause. Außerdem: falls er Pflege braucht (Windeln wechseln), wer macht das dann? Muss er dann in ein betreutes Wohnen? Zahlt das die Krankenkasse?

Kann mir einer IRGENDWAS dazu sagen? Was für möglichkeiten bleiben denn? Müssen wir damit rechnen, dass er doch direkt nach Hause geschickt wird...und dann möglicherweise wieder anfängt....?

Hilfe...
Danke und liebe Grüße,
Zwusel

normalerweise gibt es in den krankenhäusern beratungsstellen.
erkundige doch da mal.
eigentlich dürfen ärzte niemanden nach hause entlassen, dessen pflege nicht gewährleistet ist. die machen sich das ganz schön einfach.
wie sieht es denn aus mit ambulanter pflege? durch die pflegeversicherung müsste die doch abgedeckt sein.

zwusel
14.05.2007, 15:35
Ja, die LG hat in der Krankenhausverwaltung gefragt und wurde auf die Sozialberaterin (vom Krankenhaus) verwiesen. Die würde sich um Weiter-Überweisung in eine Klinik o.ä. kümmern. Als sie diese wiederum anrief, meinte die, das würden die Ärzte machen. Die LG bat sie, das dann mal mit dem Arzt abzuklären, WER sich nun kümmert.
Wie immer, will niemand zuständig sein...und die Zeit läuft...

Ich glaube auch, mein Vater weiß gar nicht bzw. macht sich überhaupt nicht klar, wie es aussieht. Dass er nicht nach Hause soll, bevor er keine Therapie gemacht hat.

Donna3
14.05.2007, 15:38
Ja, die LG hat in der Krankenhausverwaltung gefragt und wurde auf die Sozialberaterin (vom Krankenhaus) verwiesen. Die würde sich um Weiter-Überweisung in eine Klinik o.ä. kümmern. Als sie diese wiederum anrief, meinte die, das würden die Ärzte machen. Die LG bat sie, das dann mal mit dem Arzt abzuklären, WER sich nun kümmert.
Wie immer, will niemand zuständig sein...und die Zeit läuft...

Ich glaube auch, mein Vater weiß gar nicht bzw. macht sich überhaupt nicht klar, wie es aussieht. Dass er nicht nach Hause soll, bevor er keine Therapie gemacht hat.

vielleicht sollte man persönlich in die sprechstunde der beraterin gehen. anrufen bringt es nicht immer.

es ist doch sache der ärzte das deinem vater zu rklären.

zwusel
14.05.2007, 15:50
Ja, ich hab auch überlegt, ob ich diese Woche noch ein Mal hinfahren könnte. Auf der anderen Seite bringt es wohl auch so lange nichts, bis man nicht definitiv weiß, was sein Entlassungszustand sein wird.

Du hast auch Recht mit den Ärzten. Er ist ja auch relativ klar im Kopf, versteht alles, es geht ja auch um SEIN Leben. Man sollte gar nicht zu viel ohne ihn tun, nicht mal zu viel Vor-Arbeiten. Er muss allem sowieso zustimmen und - muss auch der sein, der dann nicht mehr trinkt.

Danke auch fürs schnelle Antworten. Man fühlt sich so schnell zuständig und in der Verantwortung. Letztlich aber ist er mündig und versteht selbst alles und es ist sein Leben. Wenn ich mich zerreiße, heißt das noch nicht, dass er das will.
Es sollte auch eigentlich sein Wunsch und Ziel sein, das weitere Vorgehen mit zu organisieren. Er will ja selbstständig bleiben.

Das ist alles sehr schwer. Ich hoffe, ich kann im Urlaub abschalten...

Donna3
14.05.2007, 16:03
Ja, ich hab auch überlegt, ob ich diese Woche noch ein Mal hinfahren könnte. Auf der anderen Seite bringt es wohl auch so lange nichts, bis man nicht definitiv weiß, was sein Entlassungszustand sein wird.

Du hast auch Recht mit den Ärzten. Er ist ja auch relativ klar im Kopf, versteht alles, es geht ja auch um SEIN Leben. Man sollte gar nicht zu viel ohne ihn tun, nicht mal zu viel Vor-Arbeiten. Er muss allem sowieso zustimmen und - muss auch der sein, der dann nicht mehr trinkt.

Danke auch fürs schnelle Antworten. Man fühlt sich so schnell zuständig und in der Verantwortung. Letztlich aber ist er mündig und versteht selbst alles und es ist sein Leben. Wenn ich mich zerreiße, heißt das noch nicht, dass er das will.
Es sollte auch eigentlich sein Wunsch und Ziel sein, das weitere Vorgehen mit zu organisieren. Er will ja selbstständig bleiben.

Das ist alles sehr schwer. Ich hoffe, ich kann im Urlaub abschalten...

vor ähnlichen situationen steht wohl jeder mal. so ganz abschalten kann man wohl nie. da bleiben immer ängste und sorgen.

Inaktiver User
14.05.2007, 16:20
Hallo Zwusel,

an die Entgiftung schließt sich die Entwöhnung an. Es gibt dazu stationäre, ambulante, kurzfristige, mittelfristige, langfristige Modelle.

Eine erste Entgiftung+anschließender kurzfristiger Entwöhnung geht normalerweise über ca. 3-4 Wochen. Daran kann sich eine Langzeittherapie anschließen (in einer Einrichtung oder ambulant).
Die reine Entgiftung im Krankenhaus, stationär, läuft 3-5, manchmal 8 Tage.

Ich nehme an Dein Vater ist in Rente. D.h. aus Sicht des Rententrägers bzw. eines Arbeitgebers besteht kein Interesse aktiv mitzuwirken, denn er muss ja schließlich in keinen Arbeitsprozess mehr eingegliedert werden.....

Deshalb muss man sich intensiv selbst um die Weiterbehandlung kümmern und hartnäckig an den zuständigen Stellen dranbleiben um genügend Informationen zu bekommen.

Im Krankenhaus müssten sie Dir eigentlich Einrichtungen nennen können, die für Deinen Vater in Frage kommen.
Zu beachten ist dabei, dass er relativ alt ist und offenbar in schlechter körperlicher Verfassung. Geh den Ärzten so lange auf die Nerven und fordere eine klare Aussage über seinen Zustand + Prognose + Empfehlung einer Weiterbehandlung bis Du selbst durchblickst.

Allg. Informationen über Einrichtungen bekommst Du z.B. bei der Diakonie und /oder städtischen Anlaufstellen (= Suchtberatungsstelle). Dito bei den örtlichen AAs.

Und Du solltest Dich an seine Krankenkasse wenden wegen der Kostenübernahme. Die können Dir auch etwas über den weiteren Verlauf einer Alkoholentwöhnungstherapie und in Frage kommende Einrichtungen sagen.

Wichtig ist allerdings, dass er einigermaßen auf den Beinen ist und sich zuliebe darauf einsteigt. Ansonsten ist die eine Alternative, wenn er körperlich ganz schlecht dran ist, erstmal eine Kurzzeitpflege, die andere: nach Hause entlassen zu werden.

Übrigens: Kinder haften in dem Fall nicht für ihre Eltern. Du kannst die Verantwortung nicht übernehmen, es sei denn er ist ein absoluter Pflegefall und geistig nicht zurechnungsfähig. Du kannst nichts anderes tun als unterstützend und wegweisend zu sein.

Dein Vater wird nicht erst seit gestern trinken - jetzt spitzt sich die Situation zu. Im Prinzip kannst Du organisatorisch ein bisschen was in die Hand nehmen - alles andere am besten gar nicht erst versuchen.

Alles Gute!

Streichholz
14.05.2007, 16:20
Hallo Zwusel,
ich denke auch, dass dein Vater direkt nach dem Krankenhaus in eine Reha müsste, das müssen aber die Ärzte verordnen. Sie dürfen auch deinen Vater nicht nach Hause lassen, wenn keine Pflegeperson vorhanden ist.
Der Einfachkeitshalber würde ich (falls er doch nach Hause käme) auf jeden Fall einen Pflegedienst kommen lassen, und es gibt auch Nachtstühle, wenn das WC zu weit weg ist, Krankenbetten...
Hast dir schon mal Gedanken gemacht, ob man ihn nicht im 1. Stock betten könnte.

Wie du sagst, würde ich mal mit den Ärzte sprechen, und sie auch fragen wie schlimm sein Zustand ist. Viele verschweigen Wichtiges!

Dann bleibt nur noch Betreutes Wohnen und Alten-Pflegeheim. Für 2 Wochen Überbrückung wenn du im Urlaub bist würde ich mir dies überlegen, und du weißt, dass dein Vater gut versorgt ist. Sonst hast du nichts vom Urlaub.

Ich weiß auch gute Pflegeheime hier in der Region!

Mach mir gerade noch Gedanken, wie ich dir noch helfen könnte, wohne auch im Landkreis Karlsruhe.

Hier eine virtuelle Umarmung, dass alles nach deinen Vorstellungen gut gelingt.:blumengabe:
Ich helfe dir gerne!!

Alles Gute
Streichholz

zwusel
14.05.2007, 16:31
Danke ihr!!
Ja, den Leuten auf die Füße treten würde ich gerne und werde ich auch. Das Problem ist nur, dass ich ab Samstag erstmal weg bin. Auch die Brüder müssen sich dann eben ans Telefon hängen. Niemand von uns wohnt halt am Ort - ich bin mit Frankfurt noch am nächsten dran gegenüber München und London.

Die Sache mit dem Übergang, wärehnd ich in Urlaub bin, ist auch nicht möglich, weil er zurzeit ja noch in der Klinik ist und wohl entlassen wird während meines Urlaubs.

Ja, ich konferiere nochmal (telefonisch) heut abend mit der LG und meinem Bruder und meinem Mann, ob was Neues rausgekommen ist. Notfalls muss ich nochmal rüberfahren. Kann mir jetzt natürlich vor dem Urlaub nicht noch frei nehmen...

Das ist auch so ärgerlich, weil er sich ja quasi selbst so krank gemacht hat...

Danke für eure Hilfe!!

zwusel
14.05.2007, 16:41
Liebe Leda,
dir auch ganz herzlichen Dank für die ausführliche Antwort! Ja, bei der Kasse will ich morgen mal anrufen und bei den AA kann man erst abends ab halb 8.
Das alles ist natürlich auch deshalb schwierig, weil ich hier im Büro nicht will, dass alle wissen, WARUM er im Krankenhaus ist. Und in der Mittagspause haben eben auch die betreffenden Stellen Mittagspause...

Danke auch für die Info mit der Haftung...Wir wollen zwar alles (Praktische) tun, was wir können, aber er muss eben erstens mitmachen und trocken werden. Und wenn er das nicht tut, dann will ich nicht noch haftbar (auch nicht finanziell) gemacht werden können.

Habnur2haende
22.05.2007, 18:24
Hallo Zwusel

bei meiner Mutter lief es genauso.(Nierenversagen und Leberschaden)
ABER: im Krankenhaus hatte sie 2-3 tage bevor sie entlassen wurde besuch vom psychologischen Dienst , sowie von den AA's.

Das dein Pa durcheinander ist, liegt am Entzug.
das nicht halten können vom darminhalt ist dasselbe und könnte auch an den Medikamenten liegen. er wird wohl auch weiterhin Medikamente nehmen müssen, die ganz langsam abgesetzt werden.
Falls du etwas mehr wissen möchtest, bitte per PN.

Und JAAAA, meine Ma ist immer noch trocken

Inaktiver User
23.05.2007, 11:00
Hallo Zwusel,

hier ein paar Infos:
eine Entgiftung wird mittlerweile von den Krankenkassen nur für 7 Tage übernommen, länger "darf" nur bleiben, wenn die Ärzte das für nötig halten. Deshalb ganz ganz wichtig: mit den Ärzten reden!
Ich vermute, die Suchtabteilung ist der Psychiatrie angegliedert, da haben die Ärzte Handlungsspielraum, gerade wenn er verwirrt ist und psychisch angeschlagen, was im Übrigen in der ersten Zeit ganz normal ist.

Reha-Massnahme schon im Krankenhaus beantragen, dazu braucht dein Vater einen Arztbericht und einen Sozialbericht (Beratungsstelle), parallel dazu einen Platz in einer Einrichtung suchen!! Es gibt z.T. Wartelisten.

Ansonsten wendet euch doch mal an die Anonymen Alkoholiker, ob die Möglichkeit besteht, dass dein Vater in der Wartezeit von jemandem regelmässig mit in Meetings genommen werden kann, die sind sehr hilfsbereit und gut informiert über die lokalen Möglichkeiten.

Und ganz vorsichtig angefragt: Könntest du dir vorstellen, statt deines Urlaubs deinen Vater zu unterstützen?

zwusel
24.05.2007, 12:05
Hallo Evemie,

danke für die Antwort! Zunächst gleich hierzu: den Urlaub haben wir abgesagt. Das heißt aber nicht, dass ich nun die ganze Zeit in Karlsruhe bin. Ich bin hier in meiner Stadt, arbeite im Moment und telefoniere nebenher mit Ärzten, Sozialpflegern und seiner Lebensgefährtin. Außerdem mit meinen Brüdern und ein Mal mit der Suchtberatung.
In Karlsruhe selbst kann ich im Augenblick nicht viel tun. Die Lebensgefährtin hat erst nächsten mittwoch einen Termin bei der Drogenberatung, der nötig ist, damit ein Sozialbericht erstellt werden kann mit Prognose und allem. FALLS die KK die Kostenzusage erteilt für eine Langzeittherapie in einer Suchtklinik (es ist an 10 Wochen gedacht, nach meinung der Psychologin), würde er dahin kommen. Da er nun aber schon seit über 2 Wochen im Krankenhaus ist und der Termin erst nächsten Mittwoch, haben wir den Verdacht, dass er bis zur Übersiedelung nicht im Krankenhaus bleiben kann.
Aber das muss man sehen.

Wenn er zwischendurch heim müsste, würde ich schwarz sehen. Der arzt misstraut ihm auch in der Hinsicht, obwohl er gesund werden will. Dennoch hat er kürzlich in der KH-Cafeteria ein alkoholfreies Bier getrunken.
Er ist außerdem nicht immer klar - weiß seine Telefonnummer ovn zuhause nicht mehr, verwechselt meine Brüder miteinander. Das Entgiftungsmittel ist schon abgesetzt - ich nehme an, das Gehirn ist einfach so geschädigt, dass das bleiben wird.

Ich werde da sein, wenn es darum geht, zu organisieren und zu informieren usw. Was ich sicher nicht tun werde, ist meinen Vater pflegen oder - sei es auch nur für einige Tage oder Wochen - in mein Elternhaus zurückziehen.
Sollte er alleine nicht mehr leben oder zurecht kommen können, muss nach einer anderen Lösung - Pflege oder Betreutes Wohnen gesucht werden.

Bei all dem mal überhaupt vorausgesetzt, er bleibt trocken...

Die Sache macht mich manchmal auch einfach nur wütend....!!

Orkan
24.05.2007, 12:21
Hallo Zusammen,

bei meiner Mum ist es das gleiche, nur will sie es nicht einsehen, dass sie ein ernsthaftes Problem hat (täglich 1 bis 1/2 Flaschen Schnaps). Sie war schon mehrfach zur Entgiftung und wurde jedesmal nach 1 Woche wieder aus dem Krankenhaus entlassen.
Der Hausarzt und die Familie haben alles mögliche versucht ihr
zu helfen.
Bei jedem Krankenhausaufenthalt haben wir ihre Wohnung renoviert, Wäsche gemacht usw.usw.
Beim letzten Mal wurde sie durch Zufall in der Wohnung gefunden. War ein Glück, sie hätte die Nacht sonst nicht überlebt.
Aber...absolut kein Einsehen...Es wurde seitens des Hausarztes schon von Entmündigung gesprochen, aber diesen Schritt wollten wir einfach noch nicht gehen, denn sie ist geistig meistens klar.

Man hat uns auch ganz klar gesagt, dass man keinen Menschen zu einer Therapie zwingen kann. Diese widerum bringt auch nur etwas, wenn der Patient einsieht, dass er krank ist.

Uns sind also absolut die Hände gebunden.

Ich hoffe für Deine Familie und Dich und natürlich für deinen Vater, dass er wieder gesund wird bzw. gesund werden will.

Liebe Grüsse und viel Kraft und Geduld
Orkan

Inaktiver User
24.05.2007, 12:33
Hallo Zwusel,

wenn die in der Suchtklinik keine Entgiftungsstation haben, nehmen sie ihn sowieso nur trocken.
Und eine Überbrückungszeit von ein paar Tagen oder 1-2 Wochen sollte er schon hinkriegen können. Wenn nicht, muss er eben noch eine Runde drehen ... vorausgesetzt er will.
Gut wäre für ihn, wenn er verstehen würde, dass er momentan eine einmalige Chance hat. Die kommt angesichts seine Alters und seines Zustands nicht wieder. Bei einer Zirrhose kann jeder Schluck der letzte sein. Wenn er das aber so nicht versteht und nichts daraus macht im Sinne von mehr Lebensqualität, dann kannst Du nichts tun als das zu akzeptieren. Es ist dann einfach so. Mehr Lebensqualität ist nicht für jeden aushaltbar und somit auch nicht erstrebenswert. Wenn er das aber will, hat er jede Unterstützung nötig.

polar
27.05.2007, 10:31
Hallo,

zum Vorgehen bezüglich Reha etc. ist von Anderen hier ja schon alles Wichtige angemerkt worden.

Sollte es so sein, das ihr einen Entwöhnungsplatz für Deinen Vater habt und zwischen diesem und dem Ende des Krankenhausaufenthaltes noch ein paar Tage liegen, würde ich an Deiner Stelle eine Kurzzeitpflege für ihn anstreben, d.h. einen überbrückenden Aufenthalt in einem Pflegeheim.

Was seine Verwirrtheit angeht- so wie Du es schilderst, und da sein Entzug ja bereits gelaufen ist, könnte es eventuell auch sein, das er ein Korsakow-Syndrom hat. Ein bei Alkoholikern häufiger Hirnschaden, der durch Vitaminmangel entsteht und zu Amnesien und Verwirrtheit führen kann. Frag die Ärzte einmal, ob es sein kann, das er darunter leidet.

UND, ganz wichtig: VORSICHT mit alkoholfreiem Bier!!! Die wenigsten wissen, das selbst in alkoholfreiem Bier ein geringer Prozentsatz Alkohol enthalten ist. Bei jemand, der gerade die Sucht hinter sich lässt und dazu eine Zirrhose hat, kann selbst sowas reichen, damit es nach hinten losgeht.......dasselbe gilt für all die Alkohole, die versteckt in Torten etc. schlummern. Primär gar nicht wegen des Suchtproblems, sondern wegen seiner Leber.

Wünsche Dir viel Kraft!!

Inaktiver User
30.05.2007, 10:01
Hallo Zwusel,

ob er dauerhafte Schäden zurückbehält, kann nur die Zeit zeigen, ich hab da schon "Wunder" erlebt.

Das alkoholfreie Bier ist aber kein gutes Zeichen, dass er aufhören will. (Wie kann in einer Klinik, die eine Entzugsabteilung hat, Bier ausgeschenkt werden??)
Nur soviel: Alkoholfreies Bier hat Alkohol, und ein Alkoholiker trinkt doch nicht, weil es schmeckt, sondern weil er den Stoff braucht. Und wer den Geschmack von Bier im Mund hat und keine Wirkung spürt, der greift das nächste Mal zum richtigen Bier.

Ich find es gut, dass du dich kümmerst, aber klare Grenzen setzst. Wenn du selber Unterstützung für diese harte Zeit brauchst, versuch doch, eine Angehörigengruppe zu finden, diese Gruppen sind wunderbare "Auftankstellen" und deine Wut muss ja auch irgendwohin. *smile*

Alles Liebe für dich!

zwusel
03.06.2007, 16:56
Hallo Evemie,
das mit dem alkoholfreien Bier, das nicht ganz eines ist, wusste ich auch und hab auch ganz erbost die Klinik angerufen. Es hieß, dieses bier sei ganz frei davon - es ist aber wohl Clausthaler, welches ja nicht ganz ohne ist. Mein Vater hat aber in die Akte bekommen, dass er nicht mehr alleine in die Caféteria soll. Trotzdem denke auch ich, dass es kein gutes Zeichen ist.

Er spricht auch mittlerweile wieder besser und wird hoffentlich nicht so viel geistige Schäden zurückbehalten, wie ich zuerst befürchtet hatte. Im Augenblick wartet er immer noch, dass die Kasse die Kosten genehmigt und er dann bald in eine Langzeittherapie von 10 Wochen, was die Ärzte für ihn empfehlen, gehen kann.
Die Klinik hat ein wenig verpennt, den Termin it der Drogenberatung, der für den Sozialbericht und Prognose nötig ist, zu vereinbaren. HAt auch mir nicht gesagt, dass ich das tun könnte und so zögert sich nun alles hin. Ich glaube aber, dass wir es hinkriegen, wenn die kasse sich nicht völlig doof stellt, ihn übergangslos zu überführen. Sonst wäre ja vielleicht auch der Entzug und alles vergebens und sie müssten diese Kosten auch wieder neu tragen.

Ja, mit dem letzten Abschnitt hast du was Wahres ausgesprochen. Ich habe auch erkannt, WIE wichtig es für mich ist, mich abzugrenzen. Ich bin sowieso diejenige, die für meinen Vater am unwichtigsten und selbstverständlichsten ist - und dennoch mit am meisten tut. Ich tue dies - mich informieren, mit der Klinik sprechen - aber hauptsächlich, damit -WIR (mein Mann und ich) Bescheid wissen, aus erster Quelle, nämlich von den Ärzten.
Mein Vater hat mich nicht nur in den letzten Jahren durch seine Ignoranz und Wurschtigkeit und so sehr sehr oft verletzt (im Gegensatz zu meinen beiden Brüdern), inkl. meiner Hochzeit vor 10 Monaten, sondern mir irgendwie auch jetzt noch ein großes Stück meiner Kindheit geraubt.

Es würde zu weit führen, das auszuführen, aber ich bin mir sicher, dass du weißt, was ich meine.
Wir haben einen Freund, der seit über 20 Jahren trockener Alkoholiker ist, und mit dem wir kürzlich einfach mal reden konnten. Das hat uns gut getan. Er kannte alles, was ich empfand, da auch seine Mutter früher getrunken hatte. (Meine übrigens auch, teilweise). Er empfahl mir auch die Al-Anons oder EKA. Ich habe mal gegooglet, aber bei den Al-Anons sind sehr viele der Grundsätze mit Gott verbunden. ICh bin noch zu keinem Treffen, weil ich meinen Glauben - oder auch nicht - als etwas Intimes empfinde und nichts, was für mich mit einer solchen Gruppe zu tun hat. Mal sehen - irgendwann werde ich aber wohl doch mal hingehen und schauen.

ich habe teilweise eine Wut und einen Ärger in mir, dann wieder Trauer. Auch darüber, was man mir angetan hat. Ich war früher magersüchtig - irgendwoher muss das ja auch kommen.

Jetzt geht es mir gut. Ich selbst trinke gerne Rotwein, aber beobachte mich natürlich da auch immer selbst. Finde es schon ätzend, mich dauernd beobachten und fragen zu müssen, ob ich irgendwie gefährdet bin, nur weil die Eltern so waren.

Ich bin mittlerweile so weit und so enttäuscht, dass ich auch einen Kontaktabbruch für möglich halte. Die Reaktion, die mein Vater jetzt schon teilweise wieder an den Tag legt, sagt mir, dass es am wichtigsten ist, dass ich mich schütze. Vor weiteren Enttäuschungen dieses Menschen, der zwar krank ist. Aber irgendwo hat er eben auch eine Verantwortung - Alkoholismus ist kein Krebs, für den man nichts kann. Man kann doch etwas dafür.

ich bin auch froh, dass ich über ihn wütend werden kann. Das ist besser, als dauernd verletzt und enttäuscht zu werden.

Mein Mann bestärkt mich darin. Er ist wirklich das Beste in meinem Leben.

Danke für eure Anteil nehmenden Feedbacks.

Ganz liebe Grüße,
zwusel

zwusel
03.06.2007, 16:57
Hallo Evemie,
das mit dem alkoholfreien Bier, das nicht ganz eines ist, wusste ich auch und hab auch ganz erbost die Klinik angerufen. Es hieß, dieses bier sei ganz frei davon - es ist aber wohl Clausthaler, welches ja nicht ganz ohne ist. Mein Vater hat aber in die Akte bekommen, dass er nicht mehr alleine in die Caféteria soll. Trotzdem denke auch ich, dass es kein gutes Zeichen ist.

Er spricht auch mittlerweile wieder besser und wird hoffentlich nicht so viel geistige Schäden zurückbehalten, wie ich zuerst befürchtet hatte. Im Augenblick wartet er immer noch, dass die Kasse die Kosten genehmigt und er dann bald in eine Langzeittherapie von 10 Wochen, was die Ärzte für ihn empfehlen, gehen kann.
Die Klinik hat ein wenig verpennt, den Termin it der Drogenberatung, der für den Sozialbericht und Prognose nötig ist, zu vereinbaren. HAt auch mir nicht gesagt, dass ich das tun könnte und so zögert sich nun alles hin. Ich glaube aber, dass wir es hinkriegen, wenn die kasse sich nicht völlig doof stellt, ihn übergangslos zu überführen. Sonst wäre ja vielleicht auch der Entzug und alles vergebens und sie müssten diese Kosten auch wieder neu tragen.

Ja, mit dem letzten Abschnitt hast du was Wahres ausgesprochen. Ich habe auch erkannt, WIE wichtig es für mich ist, mich abzugrenzen. Ich bin sowieso diejenige, die für meinen Vater am unwichtigsten und selbstverständlichsten ist - und dennoch mit am meisten tut. Ich tue dies - mich informieren, mit der Klinik sprechen - aber hauptsächlich, damit -WIR (mein Mann und ich) Bescheid wissen, aus erster Quelle, nämlich von den Ärzten.
Mein Vater hat mich nicht nur in den letzten Jahren durch seine Ignoranz und Wurschtigkeit und so sehr sehr oft verletzt (im Gegensatz zu meinen beiden Brüdern), inkl. meiner Hochzeit vor 10 Monaten, sondern mir irgendwie auch jetzt noch ein großes Stück meiner Kindheit geraubt.

Es würde zu weit führen, das auszuführen, aber ich bin mir sicher, dass du weißt, was ich meine.
Wir haben einen Freund, der seit über 20 Jahren trockener Alkoholiker ist, und mit dem wir kürzlich einfach mal reden konnten. Das hat uns gut getan. Er kannte alles, was ich empfand, da auch seine Mutter früher getrunken hatte. (Meine übrigens auch, teilweise). Er empfahl mir auch die Al-Anons oder EKA. Ich habe mal gegooglet, aber bei den Al-Anons sind sehr viele der Grundsätze mit Gott verbunden. ICh bin noch zu keinem Treffen, weil ich meinen Glauben - oder auch nicht - als etwas Intimes empfinde und nichts, was für mich mit einer solchen Gruppe zu tun hat. Mal sehen - irgendwann werde ich aber wohl doch mal hingehen und schauen.

ich habe teilweise eine Wut und einen Ärger in mir, dann wieder Trauer. Auch darüber, was man mir angetan hat. Ich war früher magersüchtig - irgendwoher muss das ja auch kommen.

Jetzt geht es mir gut. Ich selbst trinke gerne Rotwein, aber beobachte mich natürlich da auch immer selbst. Finde es schon ätzend, mich dauernd beobachten und fragen zu müssen, ob ich irgendwie gefährdet bin, nur weil die Eltern so waren.

Ich bin mittlerweile so weit und so enttäuscht, dass ich auch einen Kontaktabbruch für möglich halte. Die Reaktion, die mein Vater jetzt schon teilweise wieder an den Tag legt, sagt mir, dass es am wichtigsten ist, dass ich mich schütze. Vor weiteren Enttäuschungen dieses Menschen, der zwar krank ist. Aber irgendwo hat er eben auch eine Verantwortung - Alkoholismus ist kein Krebs, für den man nichts kann. Man kann doch etwas dafür.

ich bin auch froh, dass ich über ihn wütend werden kann. Das ist besser, als dauernd verletzt und enttäuscht zu werden.

Mein Mann bestärkt mich darin. Er ist wirklich das Beste in meinem Leben.

Danke für eure Anteil nehmenden Feedbacks.

Ganz liebe Grüße,
zwusel

zwusel
06.08.2007, 11:03
Hallo Ihr Lieben,
ja, mittlerweile sind wieder 2 Monate vergangen. Mein Vater war 6 Wochen im normalen Krankenhaus, bis er übergangslos in eine Suchtklinik gehen konnte. Da war er nochmal 6 Wochen, vor 6 Tagen kam er raus.
Und was macht er? Nein, getrunken hat er noch nichts. Aber es ist Alkohol zuhause. Er meint irgendwie, sich anderen gegenüber so groß zeigen zu müssen (bzw. WILL das einfach), dass er einen Kasten Bier gekauft hat, weil meine Brüder kürzlich für einen Abend da waren. Dabei war er selbst an dem Abend verreist. Aber er kauft extra Bier, besteht sogar darauf, dass seine LG donnerstags (2 TAGE nach seiner Rückkehr) abends eines trinkt (obwohl ihr gar nichts daran lag), damit sie sich "was gönnt" und er müsse ja auch "damit umgehen können".
Übermorgen feiert sie Geburtstag, hat ein bisschen Familie zum Grillen eingeladen und fragte mich auch, was mein Mann und ich trinken wollen. Denn sie werden genau das (Bier, Weizen, Wein, wasauchimmer) für die Gäste kaufen.
Ich war sehr aufgebracht und sagte, Cola light oder Wasser. als sie insistierte und meinte, wenn wir was anderes dann doch wollten, wäre das dann nicht da, da sie nur gezielt abgezählt für die Gäste einkauft, war ich sehr aufgebracht. Ich sagte, ich sei sowieso der Ansicht, bei einem trockenen Alkoholiker, der gerade eine Woche aus der Klinik sei, sollte GAR KEIN Alkohol im Hause sein.
Sie war wohl etwas pikiert ob meiner Deutlichkeit.

Aber ich finde (und mein mann auch) das unmöglich! Was soll das? Jeder Arzt rät einem, erst mal KEINEN Alk im Hause zu haben und er kauft einen KASTEN Bier für meine Brüder!!! Die hätten sich selbst ein Fläschchen kaufen können, wenn sie unbedingt gewollt hätten. Und wenn man schon meint, grillen zu müssen, hätte wirklich JEDER Verständnis dafür, wenn es eben mal keine Alk gibt. Jeder weiß doch, was mit meinem Vater los war.

Oder wie seht ihr das??

Liebe Grüße,
Zwusel

Inaktiver User
09.08.2007, 10:13
Zwiesel,

du siehst das genau richtig, da ist der Rückfall schon fast vorprogrammiert.

Je weiter der Stoff entfernt ist, desto mehr Chancen hab ich, auf dem Weg dorthin umzukehren. Wenn er zu nah ist, garantier ich für gar nix.

Er überschätzt sich und unterschätzt das Suchtgedächtnis, das triggert in Momenten los, das glaubst du gar nicht. Ich hab mal in der Sauna nach monatelanger Trockenheit derart Suchtdruck bekommen, dass ich nur am Zittern war.... Wenn da was in Reichweite gewesen wäre, ich hätt überhaupt nicht mehr nachgedacht.

Mittlerweile kann ich damit umgehen, aber Himmelarsch, das dauert!!

Dein Vater ist vermutlich ein stolzer Mann, der noch nicht begriffen hat, dass das Zeug stärker ist als er und beweisen will, dass er "keine Probleme" damit hat.

Aber vielleicht muss er die Erfahrung einfach nochmal machen. Es gibt im Leben keine Abkürzungen.. *smile*

An meinem Geburtstag im 1. Jahr war ich mit Freunden essen, einer musste natürlich Bier bestellen und vor meiner Nase trinken, ich hab das nur ausgehalten, weil alle andern trockene Alkoholiker waren und somit waren wir in der Mehrzahl.
Gemein fand ich's trotzdem.
Mittlerweile stört es mich nicht mehr, aber das war ein langer Weg....

Die Partnerin deines Vaters hat offenbar auch ein Problem, sie meint wohl, sie könne da was kontrollieren durch Abzählen?? *pruuuust* Und besonders einsichtig scheint sie auch nicht zu sein... Warum nicht mal ein Kaffeetrinken im Grünen, anstatt die übliche Grill-Sauferei, dem Mann zuliebe?

Zwiesel, geh einen Schritt zurück....du kannst nichts tun....

Ich drück dich mal aus der Ferne!

zwusel
09.08.2007, 12:45
Liebe Evemie,
danke für deine Antwort! Und danke fürs Drücken!!

Gestern war die Feier und mein mann und ich waren da. Wir waren - außer meinem Vater - die einzigen, die nichts Alkoholisches getrunken haben. Wir machen selbst zurzeit eine Pause von einfach mal 3 Wochen. Aber auch wenn wir das nicht machen würden, hätte ich nicht die geringste Lust, in diesem Haus und vor meinem Vater Bier und Rotwein zu trinken.
Warum sollte man das auch tun?
Klar, er sagte, er muss damit umgehen und wird in Lokalen und auf Feiern immer auf Alkohol und Menschen, die welchen trinken, treffen. Aber muss man sich das schon eine Woche nach der Klinik antun? und vor allem: muss seine LG und deren Kinder/Schwester etc. (es waren insgesamt mit uns 11 plus Vater und LG) ihm das antun?
Und jeder hatte vor sich, was er gerne trinkt: Pils, Weizen, Rotwein, Weißwein. Mein Vater schenkte ihr auch immer nach (fragte aber vorher) und wir bemerkten, dass sie mehr trank als früher.
Nicht total viel oder so, aber 3 x 0,33 l-Fläschchen Bier waren es mindestens. Und seit ich sie kenne, trank sie abends immer nur eine 0,5 l-Flasche.
Keine Ahnung, ob da nun Machtspielchen ablaufen oder was das soll. Aber ich finde, bewusst leicht macht sie es ihm nicht.

Mein Vater hat den Willen, nichts mehr zu trinken - aber sich dann gleich für eine Feier Wein und Bier ins Haus zu holen, ist nicht ideal. Es hieß dann, dass es für manche vielleicht besser sei, gar nichts im Haus zu haben (weil ich am Telefon schon gesagt hatte, als ich nach den gewünschten Getränken gefragt wurde, dass ich finde, im Hause eines frisch trockenen Alkoholikers sollte gar nichts sein), aber nicht für ihn. Gut, er hat allen bewiesen, dass er nicht sofort was trinkt. Aber was soll das?!
Klar muss er damit fertig werden, dass Leute mal am Nachbartisch was trinken. Aber kann man nicht einen Abend mal auf Alkohol verzichten, wenn man nun wie gestern auf so eine Feier geht?

Ich bin selber sehr gut mit einem seit 20 Jahren trockenen Alkoholiker befreundet. Wenn er oder seine Frau feiern, kaufen sie manchmal ein paar Bier und seine Frau fragt manchmal, ob jemand mit ihr einen Wein trinkt. (Sie kannte ihn zur nassen Zeit noch gar nicht und er ist so lange trocken, dass das auch kein Problem ist, wenn andere trinken.) Jetzt allerdings nicht, sie ist schwanger. Aber ich muss sagen, wenn so viele trockene Alkoholiker mit dabei sind auf den Feiern, dann ist mir auch nicht wirklich danach, was zu trinken. Und wo ist das Problem - es geht ja nur um einen Abend?
Er kommt auch auf unsere Feiern und da trinken die meisten was. Aber er ist seit 20 Jahren trocken - nicht seit so kurzem.

Wie du schon sagst - irgendwann wird der Trinkdruck kommen. Auch mein MAnn sagt das, er hat vor Jahren mal Zivi beim Blauen Kreuz gemacht. Und wenn dann Alk im Hause ist, ist die Hemmschwelle schon niedriger...
Ich kann da aber nicht mehr machen als sowas zu sagen. Letztlich machen die beiden,was sie für richtig halten. Aber so richtig die Riesenhoffnung oder Überzeugung, dass er es für immer schafft, hab ich nicht...

Und wir sind beide der Meinung, wenn er richtig einen Rückfall erleidet, macht er all das nicht mehr mit mit Entzug und Suchtklinik, dann gibt er sich auf. Dann wird es auch für seinen Körper schwerer, denn er hat total abgenommen, sieht im Gesicht gut und nicht mehr so aufgeschwemmt auf - aber für den Ernstfall hat er nicht mehr so viel zuzusetzen.

Und wieder mal bin ich (als Tochter bzw. gemeinsam mit meinem Mann) die einzige der drei Kinder, die das so sieht und die nicht zur Normalität übergehen will. Für die anderen ist jetzt alles supi, Vater trinkt nicht mehr und wird es auch schaffen, denn er hat ja einen "Sturkopf"...

Inaktiver User
10.08.2007, 12:13
Hallo Zwusel,

ich vermute mal, es war die erste Entgiftung und Therapie?

Ich war danach auch auf dem totalen Höhenflug, stolz wie Oskar und total von mir überzeugt....*smile* Bis zum ersten Rückfall. Und zum zweiten, und dritten.

Dann sagte mir ein Therapeut, ich würde nicht am Alkohol verrecken, sondern an meinem Stolz und der Ansicht, ich müsse alles alleine wuppen.

Ich glaub, für Männer ist das noch schwerer, vor allem in dem Alter, zuzugeben, dass sie was nicht hinkriegen.

Geht er denn in Selbsthilfegruppen? Oder in eine ambulante Therapie? Das ist ja auch noch eine wichtige Unterstützung, und er lernt noch mehr Menschen mit den gleichen Problemen kennen.

Ich hab es übrigens immer als ein Zeichen mit Respekt und Verständnis empfunden, wenn Freunde und Familie solidarisch mit mir ohne Alkohol zusammensassen, und finde es sehr liebevoll von dir, wie du mit ihm umgehst.

Vielleicht kann er's nicht zugeben, aber er kriegt es mit, und es tut ihm sicher wohl.

Liebe Grüsse und Knuddlers

zwusel
10.08.2007, 12:34
Das ist nett, was du sagst (bzw. schreibst)!

Ja, es ist seine erste Entgiftung. Und irgendwie glaub ich nicht, dass er jemals zu einer zweiten gehn würde. Obwohl er sogar weiß und aus der Suchtklinik erzählt, dass sehr viele dort zum wiederholten Male waren. Ja, ich glaube, er ist der Meinung, er schafft das alleine.

Er will nächste Woche mal zur Suchtberatung gehen, wo er schon mal war, bevor er in die Suchtklinik kam. Ich hab ihn auch auf die AA angesprochen, aber noch ist er nicht sicher, was er machen will. Ich hoffe sehr, dass er in eine Selbsthilfegruppe geht - viele (durch den trockenen Freund kenne ich ein paar) trockene Alkoholiker sagen, alleine schafft mans gar nicht.

Auch das in einer Einzeltherapie aufzuarbeiten, was er nie verarbeitet hat, nämlich den Tod meiner Mutter vor 9 Jahren, fände ich gut. Mal sehen, was er macht. Ich hoffe, er glaubt nicht wirklich, alles ganz allein wuppen zu können. Wie sagte mein Mann zu ihm: jetzt scheint alles so klar. Aber es kommen auch die dunklen Januarabende und wenn dann Alkohol im Keller ist...

Das Zwischenmenschliche dabei - ob er sieht und merkt, dass wir viel rücksichtsvoller handeln als die anderen - ist eine andere Sache. Ich habe ihm schon angekündigt, dass ich gerne auch mal mit ihm reden würde, über die letzten Jahre. Dass es nicht nur SEIN Ding und das seiner LG war. Auch ich habe gelitten, auch mich hat er verletzt, obwohl ich in einer anderen Stadt wohne. Das hat er gar nicht gemerkt, weil er halt immer bewölkt war und ihm war dann alles wurscht.
Seit ich ihm das angekündigt habe, bin ich ihm nicht so geheuer, glaub ich. Er hat uns kaum direkt angeschaut an dem Abend.

Ich werde das mal gesondert tun, denn ich finde es wichtig, dass er weiß, WAS er alles verbockt hat. Nicht, dass ich sage, ich könnte das nie verzeihen - aber diese Tour, dass man nun so tut, als ob nix gewesen wäre und alles gehen zur Normalität über (mit der Änderung, dass er halt nicht mehr trinkt), die kann ich nicht fahren. Ich muss ihm da sagen, dass er auch mich verletzt hat.

Wie war das für dich? Hat man auch dir gesagt, wie schlimm es für alle war oder hat man gesagt: Schwamm drüber?

Ich finde es wichtig, ehrlich zu sein. Und damit auch ihm zu zeigen, dass es eben keine Lappalie oder nur "sein Problem" war. Ich bin auch immer für Offenheit. Wenn ich es nicht tun würde, würde es noch weiter in mir gären und die Verletzung könnte nie weggehen.

Liebe Grüße,
Zwusel :in den arm nehmen:

Inaktiver User
11.08.2007, 11:26
Liebe Zwusel,

gib ihm noch ein wenig Zeit, warte mit der Abrechnung noch ein bisschen....*smile* Und wenn, dann mach es am besten zusammen in der Suchtberatungstelle mit einem Profi, das ist oft harter Toback und es ist gut, "einen Schiedsrichter" zu haben.

Je klarer er im Kopf wird, desto klarer wird ihm sein Verhalten werden - und da kommt soviel Scham hoch, deshalb braucht er unbedingt andere Alkoholiker, wo er offen über den Mist, den er gebaut hat reden kann!

Das erste Jahr ist wirklich superhart, aber es wird milder.....*smile*

AA ist übrigens gut für Menschen, die sich nicht gerne was sagen lassen! Dort kriegt man keine Ratschläge, sondern nur Empfehlungen, oder die andern erzählen von ihren Erfahrungen.

Meine Familie und meine Freunde haben mir nie Vorwürfe gemacht. Für mich waren die 12 Schritte heilsam: Unrecht zugeben, um Verzeihung zu bitten, Wiedergutmachung - und keiner, den ich um Verzeihung gebeten hab, hat mich zurückgestossen. Ich war im übrigen mit Alkohol wesentlich pflegeleichter und friedlicher, von daher waren manche nicht sooo begeistert, wie anstrengend ich auf einmal wurde *zwinker*

Ich hab auch alle gebeten, mich zu unterstützen und dauernd zu loben...ich konnte davon nich genug kriegen.. hab ich aber in der Therapie schmerzhaft lernen müssen.

Ein AA-Freund sagt immer: Menschen ändern sich nicht durch Hiebe, nur durch Liebe.

Also, wenn da bei dir noch was übrig ist an Liebe, dann schenk ihm das erstmal, wenn du kannst. (Ich bin bisschen parteiisch, was Alkis angeht *zwinker)

Liebe Grüsse an dich