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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : sexuell unerfahren durch Mißbrauch in der Kindheit



grauemaus32
13.05.2007, 16:36
Hallo,
seit mehreren Jahren nun, schleppe ich ein für mich ganz großes Problem mit mir herum und habe auch nicht die Courage gehabt es mit jemandem persönlich zu besprechen. Daher bin ich dankbar, dieses Forum gefunden zu haben und nun überwinde ich mich und möchte von meinem Problem erzählen in der Hoffnung einen Rat zu finden.
Ich bin 32 und sexuell unerfahren. Will damit sagen, praktisch noch Jungfrau. Ich wurde als 13jährige zum ersten Mal von unserem Nachbarn sexuell belästigt und danach immer wieder, er hat keine Gelegenheit ausgelassen und ich hatte keine Chance mich zu wehren. Da ich sehr streng großgezogen worden bin und Sex in unserer Familie ehr eine untergeordnete Rolle spielte, hatte ich kein Courage mich meiner Mutter anzuvertrauen und mein Vater, er war Alkololiker...
Dieser Nachbar, er war der "gute Freund" der Familie und ich war ihm immer wieder ausgesetzt. Ich glaube, meine Mutter hat es irgendwann gemerkt, aber sie hat geschwiegen. Das hatte dann zur Folge, dass ich regelrechte Angst vor Männer bekam und sobald jemand sich mir näherte, wollte ich nichts mehr von ihm wissen. Irgendwann habe ich dann ganz auf meinen Job konzentriert und bedingt durch Arbeitslosigkeit und andere Sorgen habe ich das Thema Männer einfach ignoriert. Auch Schminken und sich zurecht lehnte ich zeitlang ab. Ich bin eigentlich ein sehr humorvoller Mensch und auch nicht so sehr konkaktscheu und lerne auch immer wieder Männer kennen, aber ich kann diesen Schritt einfach nicht überwinden mich jemanden hinzugeben.
Ich habe schreckliche Angst, dass ich die Liebe nie kennenlerne werde und dass ich vielleicht mein Leben alleine bleiben muß.
Was soll ich nur machen, kann hier jemand einen Rat geben?
Ich danke Euch im Voraus,

Inaktiver User
13.05.2007, 16:40
hallo grauemaus,

das tut mir unendlich leid für dich.

Als erstes würde ich die moderatorin bitten, deinen Strang ins Missbrauchs-Forum zu verschieben, aber natürlich nur, wenn dir das auch recht ist. Denn ich denke, es geht in erster Linie darum, deine Missbrauchserfahrungen zu verarbeiten.

viele Grüße

Inaktiver User
13.05.2007, 16:48
Hallo und willkommen.

Nun, zunächst ist es wichtig, dass Du Dir bewußt wirst, dass Du nichts für den Mißbrauch kannst. Du warst ein Kind und Gedanken wie, "ich hatte keine Courage" sind vollkommen falsch.
Wie Du den Schritt meistern kannst Dich einem Mann anzuvertrauen kann ich Dir leider nicht sagen. Ich hatte in meinem Leben eine Freundin, die mißbraucht worden ist und eine andere die vergewaltigt worden ist, aber selbst ich als Freund konnte ihnen da nicht helfen. Ich weiß aber wie schwer das für diese Frauen ist. Doch sie haben sich immer überwunden und sich mir genährt - zwar unter Tränen und großer Überwindung aber mit er Zeit wurde es besser. Ich weiß nicht, ob das der beste Weg ist, es ist jedenfalls der, den ich als Mann bei anderen Frauen miterlebt habe. Du mußt es einfach irgendwie versuchen und dich vielleicht selbst dazu zwingen und schon bald wird es Dir leichter fallen. Und Du hast Glück, dass die Voraussetzung bei dir gar nicht mal so schlecht sind, denn du bist locker und witzig, wie du sagst. Ich denke Du wirst auf jeden Fall deine große Liebe finden - ganz bestimmt.

Brumby

Inaktiver User
13.05.2007, 16:55
Du mußt es einfach irgendwie versuchen und dich vielleicht selbst dazu zwingen und schon bald wird es Dir leichter fallen.

Tut mir Leid, dass ich dir widersprechen muss, Brumby. Mag sein, dass du Fälle kennst, in denen das geholfen hat - aber eine Allgemeinlösung ist das nicht, und ebenso kann das gewaltig daneben gehen und alles nur noch schlimmer machen, wenn sie sich zu etwas zwingt, wozu sie noch nicht bereit ist.

Grauemaus, ich denke, das Wichtigste ist, dass du deine traumatischen Erlebnisse aufarbeitest, bevor du dich in neue Risiken stürzt, und jede Beziehung birgt nun mal leider auch Risiken.

3komma14159
13.05.2007, 17:22
rosemary hat Dir schon empfohlen, ins Mißbrauchsforum zu gehen.
Das ist sicher der richtige Weg. Ich hatte einmal eine Freundin, die Mißbrauch als Kleinkind erlebt hat.
Für sie ist es ein harter Weg mit Therapie und auch einem Namenswechsel gewesen. Als wir uns kennenlernten, war sie in der Lage normal, was auch immer das dann bedeutet, zu leben.

Lass Dich im anderen Forum beraten.

Gruß Pi

Inaktiver User
13.05.2007, 17:25
Tut mir Leid, dass ich dir widersprechen muss, Brumby. Mag sein, dass du Fälle kennst, in denen das geholfen hat - aber eine Allgemeinlösung ist das nicht, und ebenso kann das gewaltig daneben gehen und alles nur noch schlimmer machen, wenn sie sich zu etwas zwingt, wozu sie noch nicht bereit ist.

Grauemaus, ich denke, das Wichtigste ist, dass du deine traumatischen Erlebnisse aufarbeitest, bevor du dich in neue Risiken stürzt, und jede Beziehung birgt nun mal leider auch Risiken.

Natürlich ist das nicht das Allheilmittel - ich schrieb ja selbst, dass ich nicht weiß, ob das der beste Weg ist. Letztendlich kann ich dazu eigentlich keinen schlauen Rat geben.

Brumby

Rianita
13.05.2007, 22:17
Hallo GraueMaus!
Erst einmal lass Dir sagen, Du bist mit solchen Erfahrungen nicht alleine. Und es gibt Wege, aus dieser Situation herauszukommen.
Der Rat, das ganze mit Hilfe eines Therapeuten zu schaffen, ist sicherlich nicht der schlechteste. Wenn Du Dich irgendwann traust, wird es Dir sicher eine Hilfe sein.

Mein Weg sah anders aus, ich bin aber auch ein ziemlich verrückter, um nicht zu sagen bescheuerter, Mensch.
Mein erster Mißbrauch war früher, so mit neun, und bei mir waren es mehrere Mißbrauchserfahrungen. Trotzdem hab ich mittlerweile zu einem halbwegs normalen Leben (auch Sexualleben) gefunden.

Es ist möglich das zu schaffen, also wünsche ich Dir Mut, es in Angriff zu nehmen.

grauemaus32
14.05.2007, 20:41
Vielen Dank für Eure Ratschläge, nur weiß ich nun immer noch nicht so richtig, wie es einem Mann beibringen soll. Und diese therapeutische Hilfe, an wen soll ich mich wenden, an meine FA?
In meinem Umfeld (auf der Arbeit ...) glauben viele, dass ich unnormal sei. Kein Freund, keine Männergeschichten, ich bin an einem Punkt, wo ich es leid bin, dass man ständig über mich her zieht. Ich kann bald nicht mehr. Warum muß ausgerechnet mir sowas etwas passieren. Ich haße mein Leben, denn ich fühle mich einsam. Und ich glaube kaum, dass ein Mann Verständnis dafür hat. Das Beste wird sein, ich vergesse die Liebe und widme mich weiterhin meinem Job und meinen sozialen Projeken.
Nochmals Danke, bin froh, dass ich wenigstens mal darüber reden konnte.

Rianita
14.05.2007, 21:17
Hey, gib Dich nicht auf! Noch ist nicht aller Tage Abend.

Du stellst verschiedene Fragen. Erst einmal, wo Du denn therapeutische Hilfe findest. Natürlich kannst Du einfach Deinen FA nach einem Therapeuten fragen, Du kannst aber auch einen Psychotherapeuten direkt kontaktieren. Wenn Du mit dem ersten nicht gleich zurechtkommst, kannst Du auch weitere ausprobieren, manchmal stimmt die Chemie einfach nicht.

Dann ist eine Frage, wie Du es einem Mann beibringen sollst, und ob ein Mann dafür überhaupt Veständnis haben kann. Klar kann er das. Und klar gibt es Männer, die das nicht haben. Um rauszufinden, zu welcher Sorte der jeweilige gehört, hilft nur reden. Ihm sagen, was Du erlebt hast und wie Du Dich jetzt fühlst. Mein Freund weiß auch, dass ich so etwas erlebt habe, weiß auch, dass ich deshalb manchmal seltsam reagiere. Aber er kann damit umgehen.
Ich weiß, es ist nicht einfach, darüber zu sprechen, aber je öfter Du das tust, desto einfacher wird es. Und klar, Du wirst immer wieder Menschen treffen, die damit nicht umgehen können, aber ich habe festgestellt, je öfter ich darüber gesprochen habe, desto mehr Leidensgenossinnen habe ich getroffen, denn das sind mehr, als man denkt. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis fast die Hälfte der Frauen.

Zum Thema nervende Arbeitskollegen: Du schreibst, Du seist ein humorvoller Mensch. Wenn Du die Quälgeister nicht mit Humor ertragen kannst (Du weißt, Humor ist, wenn man trotzdem lacht.), dann versuch sie mit Deinem Humor zu entwaffnen. Mir sind dazu immer so nette Sprüche eingefallen wie: Ich warte noch auf den Märchenprinz, und der ist hier nicht zu sehen, oder Wenn Ihr wüsstet, was ich sonst so mache, aber da schweige ich lieber, frau ist ja Kavalier..

Und dass Du Dein Leben hasst und Dich einsam fühlst. Nimm es zum Anlass, endlich was daran zu ändern. Mir hat mein Stolz und mein Trotz geholfen. Ich hab mir gesagt: "Du hast Dir das von dem antuen lassen, weil Du damals nicht anders konntest. Lass ihn nicht weiterhin über Dich Macht haben und Dich weiterhin zerstören. Du bist stärker."

meikee
02.07.2007, 22:31
wir haben etwas gemeinsam

BlauerHimmel
03.07.2007, 21:25
Vielen Dank für Eure Ratschläge, nur weiß ich nun immer noch nicht so richtig, wie es einem Mann beibringen soll. Und diese therapeutische Hilfe, an wen soll ich mich wenden, an meine FA?

Wenn du ein Vertrauensverhältnis zu ihm/ihr hast, ist das eine Möglichkeit. Ansonsten solltest du schauen, welche Psychotherapeuten bzw. Psychologen es in deiner Stadt gibt, und einen auswählen. Ich halte es für sehr wichtig, dass du jemand zum Reden bekommst, da du bisher wohl nach allen Seiten geschwiegen hast über das, was dir geschehen ist. Die Scham ist immer in dir drin geblieben und konnte nie über ein Ventil heraus. Daran solltest du arbeiten. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

Gruß
BlauerHimmel

Inaktiver User
28.07.2007, 19:41
Ich gehöre auch dazu.

Und ich meine, dass es nicht so einfach ist, einen Mann ins Vertrauen zu ziehen.
Er könnte unter Umständen sofort die Flucht ergreifen, wobei Du dann noch Glück hättest.

Er könnte Deine Unerfahrenheit aber auch ausnutzen. Dann geht es Dir wie mir, dann wirst Du ihm eines Tages hoffnungslos verfallen sein.
Wie eine läufige Hündin wirst Du hinter ihm - dem Mann, der Dir über die Barriere hinweggeholfen hat - herlaufen.

Erspare Dir diese Demütigungen, sie sind schlimmer als der Missbrauch, der Dir jetzt zu schaffen macht.

Ohne Therapie wartet auf Dich an dieser Stelle - meiner Meinung nach - kein Glück.
Ich habe es - Gott sei Dank - noch geschafft, von dem Zug abzuspringen, der mich ins Unglück gestürzt hätte.
Ob es Dir gelingen würde, weiß ich nicht.
Deswegen glaube ich, dass eine Therapie der beste Weg wäre.

Andaju
05.08.2007, 15:11
Hallo grauemaus,

dein Posting hat mich grad sehr betroffen gemacht, denn es geht mir sehr ähnlich. in einem anderen Posting hab ich schon geschrieben, das ich bisher wegen dem Missbrauch von meinen Partnern verlassen wurde. Auch ich habe eine irre angst für immer allein zu bleiben. das lässt mich grad sehr verzweifeln und da kann ich deine TRaurigkeit nur zu gut nachvollziehen. Ich mache nun schon mehrere jahre therapie und das kann ich dir nur empfehlen. du kannst zu einem Facharzt für Psychiatrie gehen, oder direkt zu einem Psychotherapeuten. leider haben die meisten lange wartezeiten und auf anhieb einen wirklich guten therapeuten zu finden ist auch nicht leicht. aber es ist es wert!!!!
So wie Gila47 geschrieban hat, bin ich auch der meinung das man ohne therapie nicht glücklich wird...... der missbrauch rückt vielleicht in den hintergrund , aber er wird nie verschwinden und wenn man nicht daran arbeitet, dann wird er immer wieder in dein Bewusstsein drängen. leider....
Am schlimmsten ist für mich auch grad die Vorstellung wie es weiter gehen soll, wann und wie soll man jemanden kennen lernen und wann und wie sage ich ihm was passiert ist?? wird er es versthen, weglaufen oder oder oder...... Das zermürrbt mich.
Du hast hier den ersten schritt getan, nämlich darüber zu reden... mach das weiter so!!! wirklich! gib nicht auf, denn die schlimmen zeiten hast du überlebt! vielleicht helfen dir einige seiten aus dem web weiter, die sind für überlebende sexueller gewalt, mit anlaufstellen, theras und anderen betroffenen etc. Wenn du magst, dann schreib hier weiter, ich "hör" dir zu.

LG andaju