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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : angst vor meinem chef



Inaktiver User
11.05.2007, 16:12
hallo,

ich habe ein nicht ganz gleiches problem wie die userin im nachbarstrang "angst vor autoritäten". erst habe ich überlegt, ob ich dort poste, denn ich hatte damals als studentin tatsächlich ein analoges problem.

hier geht es allerdings nicht um irgendeine bestimmte menschengruppe, sondern ausnahmslos um eine einzige person.
:knatsch:
dazu einiges zur erläuterung:

der mann, um den es geht, ist nicht mein direkter vorgesetzter, sondern steht noch eine position höher in der hirarchiestufe. was vielleicht wichtig für euer verständniss ist, ich bin nichtmehr sooo jung. normalerweise hat man derartige probleme in meinem alter routiniert genug im griff und ist in verschiedenen strategien mit deren umgang einigermassen geübt.

ich habe normalerweise kein gestörtes verhaltniss zu chef's und kollegen und kann völlig normal und selbstbewusst mit ihnen umgehen. eine frühere verhaltensgestörtheit habe ich seid vielen jahren überwunden.

nun zur person meines chefs: :freches grinsen:
er ist etwa in meinem alter, sehr gutaussehend und unfähig, eine leitende funktion auszuführen. er ist im laufe der jahre in unserer firma nach oben gepäppelt worden. als unternehmersöhnchen brachte er wahrscheinlich genug bedingtes fachwissen und erfahrung mit. nur, er ist keine ernst zu nehmende autorität.

er hatte vor fünfeinhalb jahren mit mir das zweite einstellungsgespräch geführt und kam mir schon bei diesem ersten gespräch etwas seltsam vor. ich fand seine art und weise abstossend, obwohl er sehr freundlich zu mir war, mich sogar mehrmals in indiskreter weise anlächelte. zur erklärung: ich bin eine relativ attraktive frau mit sehr schlanker sportlicher figur. mir wurde an seinem verhalten deutlich klar, dass es das war, was ihm wahrscheinlich gefiel. wir sind ein mittelständiges softwareunternehmen, in dem die männlichen kollegen in deutlicher überzahl gegenüber den weiblichen sind. die freude auf seiner seite konnte also ganz begründet sein.
:wie?: :Sonne:
nun hatte ich- wie so mancher - im verlauf eines arbeitsverhältnisses - zwischendurch ärger mit dem einen oder anderen kollegen....es lief also nicht immer alles glatt. vor eineinhalb jahren etwa wechselte ich die abteilung und bekam unseren berühmten sonny-boy als team- bzw. abteilungsleiter.:ooooh: entsetzen pur auf meiner seite.

seit diesem zeitpunkt habe ich panische furcht vor - nennen wir ihn - herrn french. ich bin oft auf meinen eigenen kopf angewiesen. bei uns erwartet man selbstständiges denken und handeln auch von kollegen aus der untersten organigramm-ebene. :smirksmile: also sozusagen von allen. das ist gut so.
:freches grinsen: :freches grinsen: :freches grinsen: :freches grinsen:
wenn herrn french das büro betritt, fällt mir vor angst das herz in die kniekehlen. ich kann nichts gegen dies unbegründete furcht tun, die mich willkürlich befällt, sobal er in der nähe ist. sogar den blickkontakt mit ihm meide ich ängstlich. eigentlich rede ich sowenig wie möglich mit ihm. ich kriege echte panikattacken, sobald auf dem flur seine stimme zu hören ist, krieche förmlich in mich hinein und versuche meine hände auf der tastatur ruhig zu halten. es gelingt mir nicht.

ich bin von herrn french allerdings nie indiskret angesprochen oder unfreundlich behandelt worden. er wirkt bisweilen etwas arrogant, kann aber auch ausgesprochen lieb sein. seine frau hatte auch in dieser firma gearbeitet. sie sitzt jetzt bei den drei kindern daheim.

herr french hat längst mitbekommen, dass seine kollegen seltsam nervös in seiner gegenwart wird. er tut aber so, als wäre das normal. obwohl er ein idiot ist, ist er andererseits auch wieder ein erstaunlich sensibler mensch.:Sonne:

ich kann mit dieser furcht vor ihm nicht umgehen. sie existiert seit beginn meines arbeitsverhältnisses und wurde noch schlimmer, seitdem ich zwangsläufig öfter mit ihm zu tun haben muss.:krone auf:

hat jemand einen rat, wie ich mit diesem problem umgehen kann?
ich bin euch allen für jede antwort sehr dankbar. :blumengabe:

Lizzie64
12.05.2007, 13:34
liebe lady julia,

das klingt alles nicht gut ... und das weißt du ja auch selbst. ich finde, du durchschaust und analysierst deine situation sehr realistisch. das ist sehr wichtig, um sich nicht in eine unbegründete angst hineinzusteigern.

ich will erst mal gar nicht so viel schreiben, sondern vielleicht ein bisschen provokativ eine frage stellen: kannst du dir denn vorstellen, die firma zu wechseln?

was passiert, wenn du dir diese frage stellst? vielleicht spielst du längst mit dem gedanken?

Ricarda44
12.05.2007, 20:24
Wenn sich eine Angst "aufbaut", werden einem sozusagen "Warnsignale" geschickt.
Versuche doch mal bitte auf ein Blatt Papier - nur so für Dich - auf zu schreiben, WAS WÄRE WENN Herr "French"
- mich gerechtfertigt kritisieren würde,
- mich ungerechtfertigt kritisieren würde,
- mich "anmachen" würde,
- ...
- ....

Schreib alles auf, was Dir Angst machen könnte und mindestens 1 gut durchdachte Handlungsmöglichkeit, um "gewappnet" zu sein.
Spiele diese gedachten Möglichkeiten in Gedanken durch.

Angst hat man meistens vor dem UNBEKANNTEN. Also etwas, was man noch nicht erlebt hat, z. B. eine Situation, die man für bedrohlich hält.
Wahrscheinlich werden viele dieser im Unterbewusstsein als bedrohlich wirkenden Situationen nie eintreten.
Aber wenn es denn doch mal so sein sollte, hat man einen klareren Kopf, wenn man sich vorher damit schon mal "bildlich" auseinandergesetzt hat.

Das wäre so meine Idee zum Umgang mit der Thematik.

Inaktiver User
14.05.2007, 08:37
ich will erst mal gar nicht so viel schreiben, sondern vielleicht ein bisschen provokativ eine frage stellen: kannst du dir denn vorstellen, die firma zu wechseln?

was passiert, wenn du dir diese frage stellst? vielleicht spielst du längst mit dem gedanken?

guten morgen lizzie,

vielen dank für deine antwort.:smile: ja, ich habe schon versucht die firma zu wechseln. allerdings erfolglos. ´das ist jetzt ein jahr her und ich wollte zurück in meine heimatstadt, wo jobmässig sowieso so gut wie alle chancen schlecht stehen und das in fast jeder branche. dort boomt der arbeitsmarkt nicht gerade.

hier hätte ich eher eine chance, wenn ich denn überhaupt eine habe mit meinem recht wechselvollen auf-und-ab im lebenslauf.

die idee, wieder in meine heimat zurückzukehren, habe ich inzwischen aufgegeben, auch weil der kontakt zu meiner mutter in wahrheit nichtmehr zu kitten war.

ich fühle mich hier doch sehr wohl und ein wechsel in eine andere region würde mir - insbesondere auch wegen der grünen umgebung - sehr zusetzen.....ich bin , um ehrlich zu sein, abgeschreckt von den absagen, die ich inzwischen bekommen habe und möchte mir nicht gern weitere enttäuschungen zumuten.

aber denken tue ich schon daran. dazu müsste ich um eine beurteilung von meiner firma bitten. nur wissen die dann sofort, was ich im schilde führe. ich möchte aber auf diese beurteilung nicht verzichten. :knatsch: so richtig weiss ich nicht, wie ich mich aus der affäre ziehen soll. :smirksmile:

lieben gruss und vielen dank
lady_julia

Inaktiver User
14.05.2007, 08:47
Wenn sich eine Angst "aufbaut", werden einem sozusagen "Warnsignale" geschickt.
Versuche doch mal bitte auf ein Blatt Papier - nur so für Dich - auf zu schreiben, WAS WÄRE WENN Herr "French"
- mich gerechtfertigt kritisieren würde,
- mich ungerechtfertigt kritisieren würde,
- mich "anmachen" würde,
- ...
- ....

Schreib alles auf, was Dir Angst machen könnte und mindestens 1 gut durchdachte Handlungsmöglichkeit, um "gewappnet" zu sein.
Spiele diese gedachten Möglichkeiten in Gedanken durch.

Angst hat man meistens vor dem UNBEKANNTEN. Also etwas, was man noch nicht erlebt hat, z. B. eine Situation, die man für bedrohlich hält.
Wahrscheinlich werden viele dieser im Unterbewusstsein als bedrohlich wirkenden Situationen nie eintreten.
Aber wenn es denn doch mal so sein sollte, hat man einen klareren Kopf, wenn man sich vorher damit schon mal "bildlich" auseinandergesetzt hat.

Das wäre so meine Idee zum Umgang mit der Thematik.

vielen dank dir auch, ricarda. :smirksmile:
ich bin froh, dass ich antworten auf mein posting bekommen habe. :knicks:

alles, was du schreibst, habe ich gedanklich auch schon durchgespielt.

ausser der anmache ist auch so gut wie alles schon vorgekommen...mein chef meckert bisweilen unbegründet, ist aber mir gegenüber relativ vorsichtig geworden. zumindest habe ich vorrübergehend den eindruck.

ich kann schon mit der einen oder anderen situation umgehen, nur mein gefühl kann es nicht. ich vermute, mein chef hat - ähnlich wie ich - eine strenge erziehung gehabt. vieleicht wurde er auch zu hart angefasst. ich glaube, wir haben menschlich dasselbe problem, müssen aber aus einer völlig entgegengesetzten ausgangssituation und position heraus damit leben. und jeder von uns tut es wohl mehr schlecht als recht. das ist aber auch nur eine vermutung von mir. andere lesarten gibt es auch.

das er mich anmachen wird, glaube ich eher nicht. und wenn, dann wird er es wahrscheinlich auf eine art und weise tun, die mich nicht unter druck setzt. ich schätze ihn in dieser hinsicht nicht als den fiesen typ vorgesetzten ein. er ist nur eine art grossgewachsener und kleingebliebener junge und hat keine kontrolle über sein auftreten, grinst unangebracht, schneidet gesichter, vergreift sich im ton und flüchtet danach in sein büro.

na ja, du hasst vielleicht recht mit dem unbewussten und der angst vor dem möglichen unbekannten, dass nie eintreten wird.

vor einer kündigung sollte ich wohl eher keine angst haben...wenigstens komme ich so zu einer beurteilung. :smirksmile: die werden sie mir nicht versauen, das ist gegen die firmenphilosophie.