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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst, dass Angehörigen etwas passiert



moosroeschen
30.04.2007, 21:58
Meine Kinder sind (mit dem Auto) unterwegs, mein Partner in seiner Wohnung und vorhin fuhren hier einige Feuerwehrautos + Polizei vorbei. Allein das Geräusch liess mich unruig werden, mein Sohn war gerade erst 10 Minuten weg. Er hat seit gut einem Jahr einen Führerschein. Seitdem 2 Unfälle, 1 davon selbst verschuldet. Beide Male blieb er unverletzt.

Die Feuerwehr fuhr zu einem Brand ein paar Strassen weiter.
Ich sitze hier und zittere - frage mich, warum das so ist...

Mein Bruder starb (an einer Krankheit) als ich 6 war. Mit 20 wurde ich mitten in der Nacht geweckt, weil es in meiner damaligen Wohnung brannte und auch hier wurden wir schon mal wegen einem Brand evakuiert.
Traumatische Erlebnisse? Ganz normale Angst um meine Kinder?
Oder hysterisches Verhalten einer überlasteten allein Erziehenden?

Lizzie64
30.04.2007, 23:47
hallo moosröschen!

einen ganz ähnlichen strang gab es neulich schon mal hier, schau hier. (http://www.brigitte.de/foren/showthread.html?t=57167)

gruß, liz :blumengabe:

Tinchen1
01.05.2007, 08:10
Hallo,
du fühlst genauso wie ich. Mit meinem Sohn war es das gleiche, 2 selbst verschuldete Unfälle mit dem Auto und dann passierte es tatsächlich, ich hatte es immer geahnt...schwer verletzt per Hubschrauber ins Krankenhaus...er ist noch mal davongekommen...die Angst bleibt..Er hat zwar kein Auto mehr, aber immer wenn er mit Kumpels unterwegs ist und manchmal auch fährt..habe ich Angst, wenn ich keine Nachricht von ihm bekomme. Das geht so weit, das ich sogar die Polizei anrufe.

muggl
05.05.2007, 18:50
Hallo!

Der Titel des Stranges hat ich angesprochen, weil ich auch öfter Angst um meine Angehörigen habe, die sich hochschaukelt und mir die klaren Gedanken nimmt.

Wo das herkommt? Warum das bei uns so stark ist?
Aus meiner Erfahungen kann ich Dir berichten, dass das bei mir verstärkt so ist, seit sehr plötzlich mein Vater gestorben ist als ich 18 war. Von da an dachte ich oft, wenn zB meine Mutter zu spät einer Verabredung kam, dass sie höchst wahrscheinlich jetzt auch noch verunglückt ist, und ich nun Vollwaise werde.... Das klingt jetzt vielleicht trocken bis zynisch oder so. Aber solche Gedanken wie "tot, verunglückt, wieder ein Herzinfarkt" waren dann einfach sehr schnell da. Nichts mehr, was weit weg ist. Und daraus hat sich dann auch schnell ein Gedankengerüst entwickelt. - Mitunter wurde ich auf unerklärliche Weise schlagartig sehr deprimiert, wenn nahe Angehörige zB alleine weiter weg oder im Krankenhaus waren, und erst nach einiger Zeit kam ich drauf, dass das mit unbewussten Verlustängsten zu tun haben könnte.
Erst vor einem Jahr habe ich mich, glaub ich, ziemlich vor Kollegen und Freunden blamiert, als ich meinen (supergroßen und erwachsenen) Bruder völlig fertig unter Tränen fast vermisst gemeldet hätte, weil er trotz Verabredung mehrere Stunden verschollen blieb und ich ihn nicht erreichen konnte. Ich tippte auf eine Entführung (waren vor einer internationalen Behörde verabredet... hätte ja sein können.) Im Ernst. Ich sage ja, ich mache mir die irrationalsten Gedanken und glaube sie mir...

Du berichtest ja auch, dass Du mit 6 Jahren Deinen Bruder verloren hast. Ich denke schon, dass solche Verlusterlebnisse da prägen. - Ich kann, da ich damals 18 war, ziemlich gut mein Leben vor dem Trauma mit dem danach vergleichen, und es ist eindeutig so, dass sich die Ängste danach verstärkt haben.
Deine Brand-Erfahrungen sind sicher elementar! :ooooh:

Allerdings denke ich auch, dass Menschen anfälliger sind, die generell ängstlicher veranlagt sind oder ängstlicher erzogen wurden. Andere stecken sowas wohl eher weg oder beruhigen sich wieder. - Leider wurde ich sehr ängstlich erzogen (obwohl sich meine Mutter für recht 'mutig' hält). In schlechteren Zeiten warnt(e) meine Mutter uns vor fast jeder Aktivität vor den Gefahren, die dabei eintreten könnten, und es fällt ihr garantiert immer etwas ein. :knatsch: ("Danke, Mama. Am besten ich gehe gar nicht mehr aus dem Haus...") Bezeichnend ist dabei, dass sie es selbst nicht (mehr) merkt, sich selbst eher für mutig hält und ihre Bedenken für normal und berechtigt.
Wenn ich wiederum über ihren Hintergrund nachdenke, so hat sie 1 Monat vor meiner Geburt ihren Vater verloren, was sie noch lange beschäftigt hat (evtl. Ängste übertragen?) und meine Geburt war wohl auch heikel. Außerdem ist sie ein Kriegskind, und ich kann mir schon vorstellen, dass man sich in jener Zeit jedes Mal beim Verlassen des Hauses überlegt hat, wo man hingeht und was für Gefahren lauern.

Da Du auch aus der Perspektive einer Mutter berichtest, wünsche ich Deinen Kindern, dass Du -zumindest ihnen- Deine Ängste nicht zu sehr zeigst. Mich zB belastet das wirklich, wenn meine Mutter mir auf meine Weg ihre Ängste mitgibt. Man fühlt ständig die Gefahr im Nacken und wird selbst ängstlich und gehemmt. Und ich habe auch gelernt, dann man dann gerade gedanklich auf Unglücke und Missgeschicke fixiert ist und sie wahrscheinlicher passieren!

Alles Gute!

Muggl