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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angehörigenpflege in der Familie



Dienstreise
30.04.2007, 12:32
Hallo, in die Runde.
Mir ist das Thema in anderem Zusammenhang begegnet und ich habe die nachstehende Geschichte daraus gemacht. Es wäre vielleicht interessant, hätte die / der eine oder andere von euch Interesse, über entsprechende Erfahrungen zu berichten.

Ich stricke zudem an einem Folgebeitrag, bei dem es um die berufsbegleitende Qualifizierung von Pflegedienst-Mitarbeitern gehen wird; in der Praxis ist der Pflegeberuf für viele Jugendliche ein Notnagel, die Motivation ist entsprechend. Bei stationären Einrichtungen mag das angehen; schwierig wird es aber wenn man sich entscheidet, einen privaten Anbieter auf die eigenen Eltern los zu lassen.

In jedem Fall herzlich aus der sonnigen Pfalz
bico

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Modellversuch in der Pflege setzt auf Verständnis durch Schulung

Mobile Krankenpflege Magdeburg zieht positive Bilanz von Angehörigen-Training im Alltag /
Qualifizierte Laien-Pflege schont Nerven und Geldbeutel

Der Schlaganfall ihres Vaters ändert das Leben von Sigrid S. über Nacht. Zwar rettet die Kunst der Ärzte das Leben des 79-Jährigen, aber als der ehemalige Schlosser die Klinik verlässt, ist er ein Pflegefall. Für Sigrid S. ist es keine Frage, die Versorgung ihres Vaters in eigene Hände zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt ist nicht abzusehen, ob sich die halbtags berufstätige Frau und Mutter zweier Kinder auf eine möglicherweise jahrzehntelange Pflege des bettlägerigen Patienten einrichten muss.

„Dieses Schicksal trifft in Deutschland zehntausende Familien“, sagt Frank Hoffmann. Der 42-Jährige ist Geschäftsführer der Mobilen Krankenpflege Magdeburg GmbH. Das Unternehmen gehört zu den führenden Pflege-Anbietern im Umland der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt. Seit über elf Jahren betreuen Hoffmann und rund 55 Mitarbeiter alte und kranke Menschen in der Region. In dieser Zeit habe die Zahl der Fälle, in denen sich Angehörige dazu bereit erklären, einen Schwerstkranken in der Familie zu betreuen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu pflegen, stetig zugenommen.

„Oft schrecken die Angehörigen vor dem Gedanken zurück, einen geliebten Menschen in das Räderwerk eines anonymen Pflegebetriebes zu geben“, sagt Hoffmann: Dabei werde die Belastung, die eine pflegende Familie erwartet, oft unterschätzt. Fachleute rechnen, dass jeder Dritte privat Pflegende in Deutschland selber ernsthaft krank wird und sich wegen psychischer oder physischer Beschwerden in ärztliche Behandlung begeben muss.

Nach Ansicht Hoffmanns bieten gezielte Weiterbildungs-Angebote und eine Aufteilung der Pflegeaufgaben zwischen Angehörigen und professionellen Helfern einen Ausweg aus der Misere. Entsprechende Erfahrungen gibt es unter anderem in Magdeburg. „Wir setzen alles daran, pflegenden Angehörigen jede denkbare Unterstützung zu geben“, sagt Hoffmann. In einem Modellversuch vermitteln die Mitarbeiter der Mobile Krankenpflege Magdeburg Grundlagenwissen, das es den Angehörigen ermöglicht, die geänderte Lebenssituation des Patienten zu verstehen und einfache Pflegeaufgaben besser und leichter zu bewerkstelligen. Nun wünscht sich Frank Hoffmann, dass das Modell Schule macht, denn der Kostendruck verbietet es den meisten Krankenhäusern, Laien-Pflegekräfte über das notwendige Maß hinaus anzulernen.

Nach den Erfahrungen Hoffmanns würde das Angebot einer gezielten Qualifizierung von pflegenden Angehörigen durch private Anbieter die Situation der Pflegefamilien spürbar verbessern. Im Fall von Sigrid S. könnte der bettlägerige Patient zunächst von ausgebildeten Fachkräften betreut werden. Vom ersten Tag ihrer Arbeit an, binden die Spezialisten auch Sigrid S. in den Pflegealltag ein. So lernt die junge Frau Schritt für Schritt, auf den ersten Blick einfache Tätigkeiten, wie das Waschen und Umlagern des Patienten, auf professionelle Weise zu erledigen. Zu gegebener Zeit wird Sigrid S. auch mit anspruchsvolleren Tätigkeiten vertraut gemacht, die in ihrem individuellen Betreuungsumfeld auftauchen.

„Wichtig ist es, dem Angehörigen auch das theoretische Wissen zu vermitteln, das die Pflege begleitet“, sagt Frank Hoffmann. Kritisch werde die Situation nur in solchen Fällen, in denen ein, mit einer ungewohnten Situation überforderter, Angehöriger, ungewohnte Tätigkeiten übernehmen soll, die zudem das bisherige Familienverständnis auf den Kopf stellen. „Es ist eine ungeheure Belastung, einem Menschen, den man sein ganzes Leben als Vorbild geachtet hat, plötzlich den Hintern abputzen zu müssen“, sagt Hoffmann. Auch die Tatsache, dass sich der pflegende Angehörige den möglichen Folgen einer fehlerhaften Betreuung durchaus bewusst ist, trägt nicht dazu bei, die Situation zu erleichtern. Nach den Erfahrungen der Mobilen Krankenpflege Magdeburg ist es sinnvoll, die Anleitung der Laien an den Erfordernissen des jeweiligen Patienten auszurichten und die Begleitung des Angehörigen so lange fortzusetzen, bis sich dieser in der Lage sieht, die gestellten Aufgabe nachweisbar routiniert zu übernehmen.

Frank Hoffmann räumt ein, dass die umfassende Qualifizierung von Laienpflegern Geld und Zeit kostet. Diese aber sei gut angelegt, vergleicht man die eingesetzten Mittel mit den Kosten, die bislang durch psychische und körperliche Krankheiten und deren Folgeschäden in den pflegenden Familien entstehen. Rückenwind bekommt dieser Modellversuch in der Pflege zudem von den europäischen Nachbarn. Andere Länder haben gute Erfahrungen mit dem Konzept gemacht. In Großbritannien beispielsweise, ist sich Frank Hoffmann sicher, würde ohne das Engagement der privaten Pflegehilfen das Gesundheitssystem zusammenbrechen.

Steinbock07
03.07.2007, 20:26
Hallo,
ich kümmere bzw. pflege meine 77-jährige Mutter seit mehreren Jahren. Sie wohnt zwar noch alleine, braucht aber in vielen Dingen Hilfe und Unterstützung. Ich bin jeden Tag bei ihr, manchmal sogar 2 x amTag.
Was mich sehr belastet ist nicht das Organisieren des Alltags, sondern die physische Belastung. Kochen, einkaufen, Wohnung sauber halten, Wäsche waschen, alles kein großes Problem. Nur dieses ständige "leiden und nörgeln" macht mich verrückt. Der Optimismus, den ich versuche zu vermitteln, wird ständig unterdrückt. Wenn es ihr mal einen Tag etwas besser geht, kommt direkt die Einschränkung, das am nächsten Tag wieder "alles weh tut".Es dreht sich bei meiner Mutter alles nur um sie selbst. Krankheit ist das Thema Nummer 1. Ich kann es nicht mehr hören! Das hat zur Folge, dass ich meine eigenen Beschwerden völlig ignoriere, da ich auf keinen Fall so werden möchte wie meine Mutter. Externe Hilfe kostet Geld. Wer soll das bezahlen? Sie hat Pflegestufe 1. Das Geld geht für ihre Bedürfnisse drauf, da sie zu ihrer kleinen Rente nur noch eine Grundsicherung erhält. Das reicht gerade mal für die Fixkosten. Meine Kosten und mein Zeitaufwand ist mein Vergnügen.
Amtliche Stellen finden mein Angagement "ganz toll".Das hilft mir wenig.Sollte ihr Zustand sich verschlimmern, werde ich ein Pflegeheim für sie suchen. Da stelle ich mein Wohlergehen und das meiner Familievor meine Mutter.
Frauen in meinem Alter haben oft noch Kinder, die zu Hause wohnen. Ich habe zwei Söhne, 23 und 16 Jahre alt. Der 16-jährige wohnt noch zu Hause, ist aber recht selbständig. Jetzt wäre es an der Zeit, dass mein Mann und ich wieder für uns etwas tun können. Geht aber nur bedingt, da wir uns um meine Mutter kümmern müssen. Also, Kinder aus dem Haus, Mutter steht vor der Tür (sinnbildlich)...
Das hört sich sicherlich sehr hart an; ist es auch.

Margali62
04.07.2007, 15:53
Wir haben im Familiensache-Strang einige Beiträge zu diesem Thema.

LG

M.

Margali62
04.07.2007, 16:04
Liebe Steinbock,

ich rate dazu, etwas umzudenken. Und um zu organisieren.
Einkaufen: können deine Söhne erledigen. Essen zur Mutter bringen: Auch da kann man sich abwechseln. Das muß nicht immer DEINE Aufgabe sein.
Putzen: Ich empfehle eine Putzfrau. Pro Woche 2 Stunden (das wären ca. 20 EUR), das sollte Dir die Sache wert sein.

Teile die anfallenden Dienst auf. Laß nicht alles an Dir kleben.

Ist das eine Alternative? : Die Mutter ins Altenheim: Da sind doch auch Kosten! Überlegt Euch das. Und wenn sie das gar nicht will? Das Bestimmungsrecht der Wohnung ist ein Grundrecht. So einfach ist das nicht!


Zum meckern und nörgeln: Auf Durchzug schalten.


LG

M.