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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Übersetzung Vertrag - kann man da belangt werden?



Inaktiver User
28.04.2007, 22:27
Hallo, Ihr Lieben,
ich übersetze gerade für eine niederländische Firma die AGBs vom Englischen ins Deutsche. Naja, ich verfluche es schon etwas, dass ich in den Auftrag angenommen habe, da das ganze zeitlich sehr knapp bemessen ist und nun noch eine andere Sorge dazu kommt: Was passiert eigentlich, wenn mir Fehler passieren, also durch falsche Übersetzungen, die dann u.U. rechtliche Konzequenzen mit sich bringen würden?? Können die mich dann belangen oder müssen sie die Übersetzung auf ihre Richtigkeit überprüfen?? Den Auftrag habe ich überraschend über einen Bekannten bekommen, habe spontan zugesagt, ohne mich vorher mit solchen Dingen zu befassen..
Freue mich über Antworten!!
Lillan

MalGucken
29.04.2007, 19:06
Hi Lillian,
sehr risikoreich, einen Übersetzungsauftrag anzunehmen, der vertragsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Wenn du keine Ausbildung als Übersetzerin hast, dann würde ich mir das gründlich überlegen.
Prinzipiell musst du in der Zielsprache das Fachliche drauf haben und sehr gut, nicht nur sprachlich, den Inhalt der Ausgangssprache erfassen. Das heißt, dass du beim Übersetzen die Rechtssysteme berücksichtigen muss, die im jeweiligen Land herrschen. Im Englischen muss zum Beispiel berücksichtigt werden, ob nun das amerikanische oder britische System berücksichtigt werden muss. In diesem Fall kannst du bestimmte Begriffe oder Sachverhalte nicht 1:1 übersetzen. Weiterhin reicht eine sinnerfassende Übersetzung nicht aus, weil es juristische Fachausdrücke gibt, die man einfach gelernt haben muss.
Bei dir kommt noch hinzu, dass es eine niederländische Firma ist, die vom Englischen ins Deutsche übersetzen lässt. Kann heißen, dass du es hier mit "global Engish" zu tun hast.
Letztendlich ist es aber eine Frage des Vertrags, d. h. welchen Vertrag du unterschrieben hast. Ist es ein Werkvertrag oder ein Dienstleistungsvertrag? Oder hast du gar keinen Vertrag? Dann würde ich sowieso die Finger davon lassen.
Prinzipiell rate ich dazu ab, solche Verträge gehören in die Hände von ausgebildeten Übersetzern.
Ansonsten hilft es dir vielleicht weiter, mal nach der Homepage der BdÜ´s zu googeln.
Liebe Grüße
MalGucken

Jo68
30.04.2007, 19:50
Ja, dafür kann man belangt werden!

Es gibt eine Haftpflichtversicherung für Übersetzer, eben weil man haftbar gemacht werden kann, wenn man eine Betriebsanleitung falsch übersetzt hat und dem Benutzer dann die Maschine um die Ohren fliegt.

Also Vorsicht bei juristischen Texten, die müssen hieb- und stichfest sein.

Liebe Grüße

Jo

Inaktiver User
01.05.2007, 08:24
Danke für eure Antworten!
oje, es ist ja, wie ich befürchtet hatte. Joe, danke für den Hinweis mit der Versicherung, denn dazu habe ich auf ubersetzerportal.de folgendes gefungen:

"...Und noch etwas: Es wird auch eine so genannte Rückwärtsversicherung angeboten, die Schutz gegen die Folgen von Verstößen bietet, die bereits vor Vertragsabschluss eingetreten sind, dem Versicherungsnehmer, also Ihnen, aber bis dahin in keiner Weise bekannt geworden sind. Wird Ihnen also im Anschluss an einen Auftrag mulmig und Sie bereuen vielleicht, immer noch keine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abgeschlossen zu haben, dann ist die Rückwärtsversicherung unter Umständen eine gute Sache..."

werd mich morgen gleich mal mit einer versicherung in verbindung setzen...
viele grüße,
lillan

Inaktiver User
08.07.2007, 20:56
Hallo Lilian,

dein Strang ist zwar schon etwas älter, aber ich finde ihn dennoch interessant. Ich bin beeidigte Übersetzerin und übersetze ab und wann Heiratsurkunden, Zeugnisse etc. aus dem Englischen bzw. ins Englische. Daher finde ich deine Frage, wie es mit der Absicherung bei Übersetzungsfehlern aussieht äußerst interessant. Du hast eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung erwähnt. Ist das die Versicherung, die bei Übersetzungfehlern eintritt? Ich habe irgendwo die Bezeichnung "Betriebshaftpflichtversicherung" aufgeschnappt? Ist das etwas Ähnliches?
Es würde mich brennend interessieren, wie du das Problem bei dir schließlich gelöst hast.

Tamarinda

Bettina14
02.08.2007, 19:13
Hallo TAmarinda,

diese Versicherungen heißen tatsächlich Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen. Allerdings gibt es bestimmte VOraussetzungen, die man erfüllen muss, um dort aufgenommen zu werden. Ohne entsprechende Ausbildung bzw. MItgliedschaft in einem Übersetzerverband stelle ich mir das schwer vor.

Viele Grüße

bettina