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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hauskauf - aber keine Ahnung von der Substanz



Sehnsuchtsvolle
25.04.2007, 00:16
Wir leben im Ruhrgebiet und in einer Siedlung werden jetzt alte Zechenhäuser verkauft, 30er Jahre, modernisiert in den 80ern, große Gärten, gewachsener Stadtteil, Einkaufsmöglichkeiten, Anbindung an Autobahn - ein Traum, sowas wollten wir immer haben.
Nur, tja, können wir unglaublich schlecht abschätzen, was da auf uns zukommt und ob der Preis wirklich angemessen ist. Hätte jemand einen guten Literaturtipp? Oder sollten wir einfach einen Architekten mit zu einer Besichtigung nehmen? Oder jemand anders?

Inaktiver User
25.04.2007, 00:29
Sehnsuchtsvolle,

Literatur hilft Dir nicht weiter. Sucht Euch einen Architekten - die Investition lohnt sich! Wir haben ebenfalls ein altes Haus (älter als Euer Zechenhaus) gekauft und hatten nicht nur für die Begutachtung eine Architektin, sondern auch für den kompletten Sanierungsprozess. Anders wäre das für uns gar nicht machbar gewesen - zum einen haben wir nicht das notwendige Spezialwissen, zum anderen hätten wir aufgrund voller Berufstätigkeit niemals die Bauphase wirklich ausreichend betreuen können.

So ein Haus kann grosse Freude bringen (wir fühlen uns sauwohl hier), aber auch zum Extremstressor werden. Wir hatten TROTZ Architektin noch jede Menge um die Ohren, und Murks ist auch passiert. OHNE Architektin hätten wir sicher irgendwann schreiend einen der Handwerker gemeuchelt. :freches grinsen:

Grüssle
Seawasp

Nyx
25.04.2007, 00:46
ich empfehle ebenfalls einen Architekt oder - je nach euren Vorstellungen zumindest einen Gutachter. Unter immobilienkauftipps.de (ich sah dort einen Link zu Gutachtern) finden sich entsprechende Hinweise und noch ein paar Tipps mehr.
Und um beim - zumindest größeren - Umbau Ärger, Stress und nicht zuletzt auch Kosten zu reduzieren, sollte man einen Bauleiter (bei uns macht das der Architekt, aber das ist vielleicht ein eher seltener Glücksfall) beauftragen. - Er holt sein Honorar locker über die Kostenfalle von Handwerkern und Materialbeschaffung rein!
Sicher, Architekt und Bauleiter kosten, aber Schwarzarbeiter bieten wenig Garantie für Qualität - letztendlich muss man die Arbeit nehmen, wie sie einem geliefert wurde, außerdem ist Schwarzarbeit sowieso uncool ;)

Wenn man alles selbst kann, ist man natürlich billiger dran

Viel Glück bei der hoffentlich richtigen Entscheidung!

Inaktiver User
25.04.2007, 09:03
Unsere Architektin hatte die Bauleitung.

Ich hätte nicht gewusst, wie ich z.B. Gewerke ausschreibe, ich kannte die Handwerker der Gegend nicht und konnte auch nicht auf eigene Erfahrung mit ihnen von ANDEREN Bautstellen zurück greifen. Ich kann keine Pläne zeichnen, habe keine Ahnung von Statik - meine Architektin schon.

Für mich waren das klare Argumente.

Und noch ein Tipp: Entscheidet nicht über Preis, sondern über Kompetenz. Schaut Euch andere Objekte des/der Architekten/in an - Ihr müsst zueinander passen.

Gleiches gilt auch für die Handwerker - billig ist nicht immer gut. Wir haben den Auftrag für Heizung und Sanitär an den günstigsten Anbieter vergeben und damit RICHTIG ins Klo gegriffen, weil der mit Heizung UND Solar völlig überfordert war. Das Ganze hat uns unter´m Strich locker 10T€ extra und jede Menge Ärger gekostet. Gerichtet hat es dann der Installateur, der ein teureres Angebot gemacht hatte - hätten wir uns von Anfang an für ihn entschieden, hätten wir uns 60% der Mehrkosten sparen können.

Grüssle
Seawasp

Sehnsuchtsvolle
25.04.2007, 22:17
Danke für eure Antworten! Ein Architekt ist also von Anfang an unabdingbar.

Mir ist das Ganze trotzdem ein wenig unheimlich, weil ich auch überhaupt Null Ahnung habe und mich komplett in die Obhut anderer begeben muss, ohne abschätzen zu können, ob die ihren Job richtig machen. Leider haben wir keinen Architekten, der uns empfohlen wurde.
Heute hatte ich ein langes Gespräch mit einem Kollegen, der vor einem Jahr so ein Haus in einer anderen Stadt kaufte und da auch ganz böse Überraschungen erlebte - insgesamt wurde es viel teurer als erwartet.
Dazu kommt noch folgendes Problem: Da ein Einfamilienhaus keinen Sinn macht (die sind sehr klein, klar, alte Zechensiedlung), wird es ein Zweifamilienhaus sein, da sind zum Teil noch Mieter drin, die max. 5 Jahre noch dort bleiben können. Nee, Vermieter wollte ich auf gar keinen Fall werden. Mir schwirrt jetzt schon der Kopf, dabei ist die Gegend so wunderschön... .
Fertighäuser sollen ja auch ganz prima sein, dachte ich heute zum ersten Mal in meinem Leben

Inaktiver User
26.04.2007, 10:30
Sehnsuchtsvolle,

verabschiede Dich von dem Gedanken, einen Hausbau kontrollieren zu können. Egal ob Sanierung, Neubau, Fertigbau - irgendwas ist immer. Mein Bruder und mein Schwager haben schlüsselfertig gebaut und beide jeweils draufgelegt und eine Menge Ärger gehabt. Mein Schwager hat sogar mit vielen anderen Hauskäufern der Siedlung wegen Mängeln den Bauträger verklagt.

Wir haben saniert und sind über die kalkulierten Kosten gekommen.

Es gibt immer Unwägbarkeiten, Verzögerungen, schlampige Handwerker, Reibungsverluste etc.. Preise können nicht immer gehalten werden, Handwerker versuchen, Dich über "Sonderleistungen" über den Tisch zu ziehen (deshalb ist es z.B. wichtig, einen Architekten als Bauleiter zu haben. Der achtet genau darauf, was im Vertrag mit dem Handwerker aufgenommen ist und lässt sich auf bestimmte "Lockangebote" gar nicht erst ein, weil er genau weiss, dass die garanitert teurer werden, wenn z.B. ein bestimmtes Kontingent von Arbeitsstunden vereinbart wurde, das natürlich nicht eingehalten werden kann - bei DEN Problemen!) - wie gesagt:

IRGENDWAS IST IMMER

:freches grinsen:

Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
26.04.2007, 10:50
Das meiste ist ja schon gesagt worden.

Nimm auf jeden Fall einen Bau-Sachverständigen mit. Da müsste es inzwischen Listen im Internet geben.

Solltest du in der Gegend zufällig einen Juristen kennen, der mit Baurecht zu tun hat, frag den. Er wird dir einen SV empfehlen.

Ein Haus zu bauen oder zu renovieren kostet Zeit , Nerven und Geld. Velass dich nie komplett auf andere.

Annabelle7
26.04.2007, 11:02
Ich schließe mich allen VorschreiberInnen an.

Wir sanieren gerade ein Haus aus den 50ern. "Entkernen" trifft es eher... außer den Außenwänden und dem Dach wird alles erneuert (und selbst die erhalten eine Volldämmung).

Wir lassen einen Architekten ran, weil wir weder das Knowhow noch die Zeit haben, selber Hand anzulegen. Und ich bin immer wieder überrascht, wieviel Knowhow da gefragt ist und was man alles bedenken muss.

Der Architekt ist nicht billig; ich bin aber fest überzeugt davon, daß wir durch ihn und seinen "Überblick" das Geld an anderer Stelle wieder reinholen. Zumindest teilweise;( Es ist schon wahr, was einem vorher jeder sagt (und ich nie glauben wollte): es wird alles viel teurer als geplant...

Sehnsuchtsvolle, Du kannst Dir Referenzen des Architekten einholen, Objekte besichtigen, die er saniert hat (ich würde mir unbedingt einen suchen, der mit Altbausanierungen Erfahrung hat!), und zu Deiner eigenen Beruhigung: falls es dennoch Probleme gibt, kann man einen Architektenvertrag auch aufkündigen und dann nur die Leistungen bezahlen, die bislang erbracht wurden.

Auch wichtig: Festpreis aushandeln und sich nicht auf "soundsoviel Prozent der Bausumme" einlassen - denn dann ist ihm die Kostenkontrolle naturgemäß weniger am Herzen gelegen...

Und zum Schluß noch: wenn Dir Dein Gefühl sagt, daß Du dort in dieser Gegend leben möchtest, dann tu es und leier nicht stattdessen ein Fertighausprojekt auf einem Miniaturgrundstück an! Mit den jetzigen Mietern kann man sich einigen. Viele werden eher fortziehen wollen als monatelang auf einer Baustelle zu leben (wenn Ihr saniert). Viel Glück...

Inaktiver User
26.04.2007, 12:44
Da ich von der Materie auch keinen blassen Dunst hatte, hab ich meinen Neubau von einem TÜV-Gutachter abnehmen lassen. Es gibt beim TÜV ganz normale Baugutachter auch für Altbau-Gutachten. Ich fand es preislich auch absolut im Rahmen.

Bausachverständige gibt es ja viele, und auch solche und solche, mir schien der TÜV doch seriös zu sein, und vor allem wenn es später um eine Haftung geht, ist da im Gegensatz zu privaten Gutachtern wohl leichter was zu holen.

Inaktiver User
26.04.2007, 18:24
Ja,

das wollte ich gerade noch anfügen - dass es ja auch den TÜV gibt, der solche Dienste anbietet und vielleicht preislich gar günstiger als ein Architekt oder Sachverständiger?

Grüssle
Seawasp

Prijon
26.04.2007, 22:01
Irgendwie habe ich das Gefühl, der TüV macht jeden Mist, solange es nur Geld bringt - ist aber meine Denke und deshalb nicht bindend.

Wir haben ein Haus aus den 50er Jahren, vor der Kaufentscheidung war ein befreundeter Bauingenieur drin - trotzdem Überraschungen. Ich kann mir aber vorstellen, dass so ein Zechenhaus (das ja wahrscheinlich von irgendeiner Wohnungsbaugesellschaft verkauft wird) anders "behandelt" wurde als mein absolut verbastelter Privatbau. So ein Beispiel: Als wir vor ein paar Jahren das Dach decken ließen, tauchten Dutzende alter Matrazen unter den Ziegeln auf - der Vorbesitzer (und Erbauer) hatte sie als Wärmedämmung eingebaut.

Was ich auch täte: Ich ließe bei so einem alten Haus sofort ein so genanntes BAFA-Gutachten (musste mal nach googeln) machen. Es liefert Dir für einen überschaubaren Preis einen recht detaillierten Überblick, welche Maßnahmen der Energieoptimierung sich wie rechnen.

Prijon

Sehnsuchtsvolle
26.04.2007, 22:44
Nochmals Danke für eure vielen Tipps! :blumengabe:

Ja, man kann nicht alles kalkulieren und muss einfach Unwägbarkeiten einbauen, aber den Rahmen würde ich wenigstens so ungefähr gern abschätzen können. Bei meinem Kollegen ist es schon etwas dramatischer geworden, weil sonstige Aktivitäten wie Urlaub für die nächsten Jahren komplett gestrichen sind und so hatte er das auch nicht geplant. Aber da werde ich mit der Bank sprechen.
Im Moment befinden wir uns eh noch in der Sichtungsphase, weil unterschiedliche Objekte in unterschiedlichen Preisklassen angeboten werden.
@ Prijon: Danke für den Tipp mit der Liste! Und ja, die Häuser gehören einer Wohnungsbaugesellschaft.

Prijon
26.04.2007, 23:10
@ Sehnsuchtsvolle,

welche Liste?!

Was mir noch eingefallen ist: Du schreibst, die Häuser sind in den 80er Jahren saniert worden. Das ist ein sehr weiter Begriff.

Die Frage ist: WAS genau ist damals gemacht worden?

Um es mal platt zu sagen: Wenn die das Ding gestrichen und das Dach neu gedeckt haben, dann sieht das Gebäude wahrscheinlich heute noch super aus. Was aber nichts heißt - Fassade streichen und Dach decken kostet für so ein Zechenhaus vielleicht 15000 Euro und Du kannst es machen lassen, wenn Dir danach ist und Du das Geld hast. Auch dann, wenn Du schon darin wohnst.

MIR wäre es wesentlich wichtiger, bei einem Erstgespräch nach der Haustechnik zu fragen. Also: Von wann sind Stromleitungen,Wasserleitungen, Abwasserrohre? Art und Baujahr der Heizung? Wurde die regelmäßig gewartet? Schornsteinfegerprotokolle?

Mal eben die Fassade streichen ist simpel. "Mal eben" die Abwasserleitungen erneuern eher nicht möglich.

Meine Einschätzung: Wenn bei der Sanierung in den 80ern die Haustechnik erneuert wurde, dann ist das sehr gut. Die Wohnungsbaugesellschaft sollte Dir anhand ihrer Unterlagen sehr genau sagen können, was damals gemacht wurde.

Und noch eine Einschätzung: Ich habe heute per Zufall ein Objekt entdeckt, das die Baugesellschaft meiner Heimatstadt verkaufen möchte. Drei Wohnungen (150, 45, 40 qm), saniert vor etwa 20 Jahren - steht für unter 90000 Euro zum Verkauf. Die Baugesellschaften stehen wegen der Leerstände in Deiner wie in meiner Region unter Druck, die Angebote von denen sind die schlechtesten sicher nicht.

Prijon

Sehnsuchtsvolle
26.04.2007, 23:55
@ Prijon: Quatsch mit Liste, meinte natürlich das Gutachten. Was genau gemacht wurde in den 80ern werde ich noch in Erfahrung bringen, bei der ersten Kontaktaufnahme am Telefon wurde als Beispiel die komplette Erneuerung der Badezimmer genannt. Als sehr skeptischer Mensch gehe ich auch nicht davon aus, dass sehr teure und aufwendige Leistungen getätigt wurden, da muss nochmal genau nachgehakt werden.
Leider sind die Leerstände in dem Stadteil kein Problem, diese Gegend hat in den letzten Jahren kontinuierlich an Wert gewonnen. Ein richtiges Schnäppchen konnte man dort noch vor einigen Jahren machen, der Mitarbeiter verwies ganz stolz darauf, dass jetzt vornehmlich Lehrer und Rechtsanwälte dort kauften. Der von dir genannte Preis weicht daher ganz erheblich von denen hier ab... .

Laufrad
27.04.2007, 08:33
"In den 80ern" kann ja durchaus schon 25 Jahre her sein. Bei unserem Haus, ziemlich hartes Wasser hier, waren die Wasserleitungen nach 27 Jahren teilweise dicht. Total dich, da ging kein Tropfen mehr durch. :knatsch:

Wurden die Elektroleitungen erneuert? Oder liegen da noch zweiadrige Kabel in der Wand? Das ist ein Sicherheitsproblem und dir fasst heute kein Elektriker mehr an die alten Kabel, wenn du etwas ändern willst. Also aufklopfen, Leitungen raus, Leitungen rein, neue Schalter und (Steck)Dosen, wieder zuspachteln. Sicherungskasten neu weil der alte viel zu klein, Fehlerstromschutzschalter für die Feuchträume. 50€/qm Wohnfläche für die Elektroinstallation ist nicht sehr hoch gegriffen.

Fenster ist auch noch ein Punkt. Wurde die erneuert? Oder sind es noch die Originale? Wobei z.B. Verbundfenster gar nicht so schlecht sind, man muss sie halt zum putzen öffnen.

Wurde damals auch die Wärmedämmung der Fassade verbessert?

Lass dir doch mal die Heizkostenabrechnung der jetzigen Mieter geben.

lutzk
04.05.2007, 19:56
Ersteinmal das Angebot auf den Tisch geben lassen und dann mal einen Schuldnerhilfeverein der es auch kann fragen. Oftmals sind diese Vereine wenn Sie nicht als geeignete Personen oder Stellen zugelassen sind mit Rechtsanwälten verbunden, die`s können und auch fair machen. Wenn nötig frag noch mal aber hol ersteinmal Daten rein. ok?

Inaktiver User
04.05.2007, 22:01
lutzk, was willst du eigentlich dauernd mit deinem Schuldnerhilfeverein???

Inaktiver User
05.05.2007, 08:33
lutzk, was willst du eigentlich dauernd mit deinem Schuldnerhilfeverein???

..und seit wann sind die (oder ein RA) Spezialisten in Hinblick auf Überprüfung von Bausubstanz?

:wie?:

Grüssle
Seawasp

Peter9
06.05.2007, 19:08
Hallo,

für eine Gebäudeschätzung gibt es 4 Möglichkeiten:


- Makler
Kennen den Markt und die Preise vergleichbarer Objekte.
Unverbindlich, aber oft zum Nulltarif. Trotzdem recht genaue Werte.

- Ortsgericht
Ist am billigsten, aber bewertet nur den Boden nach Tabelle und grob das Objekt. Instandsetzung und die Kosten dazu wird nur mit dem Daumen abgeschätzt, wenn überhaupt.
Trotzdem: Die ermittelten Werte sind recht nahe bei anderen Schätzungen.

- Gutachterausschuß:
Ist am Katasteramt (heute in Hessen als „Amt für Bodenmanagement“ bezeichnet!! demnächst „Office for Groundmanagement“) angesiedelt. Kosten liegt geringfügig unter den Sätzen der HAOI. (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) Beim EFH also deutlich unter 1000 Euronen.
Qualität des Gutachtens habe ich noch nicht geprüft.

- Vereidigter Sachverständiger. (Adresse bei der IHK)

Beschafft sich die Bodenbewertung beim Katasteramt und geht in der Regel recht genau auf den Gebäudezustand ein.
Es sind in der Regel Architekten oder Bauingenieure.
Sie können daher fehlende Instandsetzung recht genau feststellen. Ich denke aber, bei einem Altbau wird es immer wesentlich teuerer.

In dem mir vorliegenden Fall, ist die Dachsanierung letztlich nur mit dem halben Preis angesetzt. Die Innensanierung vermutlich auch zu niedrig.

Die letzten beiden Gutachten, eigentlich auch das Ortsgericht, sollten vom Finanzamt anerkannt werden. Weil es doch nicht so ist, besprechen wir uns demnächst am Finanzgericht.

Peter

Sehnsuchtsvolle
06.05.2007, 22:06
Leider sind wir in der letzten Zeit nicht sehr weit gekommen, weil wir tagsüber so eingespannt waren, allerdings wissen wir nun, dass an dem Haus an relevanten Dingen seit Jahrzehnten nichts gemacht wurde, was uns dann doch ein wenig schockierte. Der Kaufpreis soll immerhin 200.000 betragen und bei einer Komplettsanierung kann das schnell ein Fass ohne Boden werden :knatsch: .
Heute haben wir uns das Kontrastprogramm gegeben und ganz viele Musterhäuser und Gegenden angeschaut, die neu erschlossen wurden. So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt! Von den Quadratmetern her war das alles ganz gut, aber aufgrund der teuren Grundstückspreise alles nach oben gebaut auf drei Etagen. Das allein ist natürlich nicht schlimm, aber die Treppen fand ich schon mehr als merkwürdig, ich hielt sie zunächst für provisorische Bautreppen :freches grinsen:, aber das war schon der Endzustand :ooooh:. Derartig schmale und steile Dinger habe ich noch nie gesehen, wie soll man da selbst einfachste Alltagsgegenstände hoch- und runterschleppen? Und wie das im Alter zu wuppen sein soll, ist mir auch schleierhaft.
Das Schlimmste waren jedoch die Terrassen und Gärten in Größe eines Handtuchs, bei schönem Wetter wie heute saßen natürlich alle draußen und von weitem sah es aus wie eine große Gartenparty, so dicht hockten die Leute verschiedener Häuser da zusammen.
Wir waren ziemlich schockiert, schauten uns nur an und dachten unisono: Auf gar keinen Fall! Gut, da sind wir uns schon mal einig, ein Neubau kommt für uns zu diesen Bedingungen nicht in Frage und andere scheint es hier nicht zu geben.
Zurück zu alten Häusern, irgendeinen Weg muss es da geben.

Peter9
07.05.2007, 05:42
Hallo,

wenn man bednekt, daß diese Siedlungen oft für 40 bis 50.000 an "Heuschrecken" verhöckert werden, will man hier bei 200.000 wohl mal richtig Kasse machen.
- Wie groß ist denn das Grundstück und mit welchem Wert wird am Katasteramt der m² bewertet.
Das wäre doch schon einmal eine Zahl.

Peter

Inaktiver User
07.05.2007, 07:59
Sehnsuchtsvolle,

ich kann Dich gut verstehen - mein Bruder und mein Schwager leben ja in einem solchen Neubaugebiet, und es ist genau so, wie Du es schilderst - willst Du mit Freunden grillen, schaut Dir Dein Nachbar direkt auf den Teller. Heult der Nachbarsjunge, oder gibt es nebenan einen etwas lauteren Ehekrach, bist Du Zeuge, ob Du das nun willst oder nicht.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie fürchterlich so eine Distanzlosigkeit werden kann, wenn die nachbarschaftlichen Beziehungen mal so richtig belastet sind. Auch was die Treppen angeht, kann ich Dir nur zustimmen - besonders extrem empfinde ich das im Haus meines Schwagers, in dem eine offene Wendeltreppe die Stockwerke miteinander verbindet, die sehr eng ist. Da bekommst Du schon mit einem Wäschekorb Probleme.

Wir hätten uns nie vorstellen können, so zu leben - WENN eigenes Haus, dann bitte freistehend und mit einem Grundstück, das zumindest eine grundsätzliche Privatsphäre ermöglicht. Aber für viel Geld dann quasi doch Mietwohnungsflair zu haben - thanks, but no thanks.

Im Ruhrgebiet stadtnah so etwas zu finden, dürfte allerdings entweder schwierig oder mit sehr hohen Kosten verbunden sein, da drücke ich Euch mal fest die Daumen, dass Ihr dennoch fündig werdet!

Grüssle
Seawasp

Anastasia1960
07.05.2007, 18:45
Du schreibst , dass es alte Zechenhäuser sind. Ich habe mal gelesen, dass in einem Zechenwohngebiet der Untergrund nachgegeben hat, weil die Stollen im Untergrund eingebrochen sind. Risse in der Fassade und andere Baumängel sind entstanden. Manche Häuser mussten sogar abgerissen werden. Kann das auch bei deinen Kaufobjekten der Fall sein?
Habt ihr euch schon ein Haus innen angesehen? Man muss ja nicht sofort neue Bäder einbauen lassen, hauptsache die Lge stimmt und ein schöner großer Garten ist doch gar nicht zu vergleichen mit den Handtuchgärten in Reihenahussiedlungen.

trambahn100
07.05.2007, 19:11
Du schreibst , dass es alte Zechenhäuser sind. Ich habe mal gelesen, dass in einem Zechenwohngebiet der Untergrund nachgegeben hat, weil die Stollen im Untergrund eingebrochen sind. Risse in der Fassade und andere Baumängel sind entstanden. Manche Häuser mussten sogar abgerissen werden. Kann das auch bei deinen Kaufobjekten der Fall sein?
Habt ihr euch schon ein Haus innen angesehen? Man muss ja nicht sofort neue Bäder einbauen lassen, hauptsache die Lge stimmt und ein schöner großer Garten ist doch gar nicht zu vergleichen mit den Handtuchgärten in Reihenahussiedlungen.


das mit dem heiklen Untergrund im Ruhrgebiet wurde auch schon mehrmals im TV berichtet. insofern würde ich lieber ein altes Ding günstig kaufen als viel Geld zu investieren.

Sehnsuchtsvolle
07.05.2007, 19:11
@Seawasp: Ich sehe es genau wie du, wenn ich schon richtig viel Geld ausgebe, dann nur mit einem garantierten Maß an Privatsphäre. Ich halte mich zwar für einen recht umgänglichen Menschen, aber wenn ich einen Sommer mit allen Nachbarn ungewollt gemeinsam draußen sitzen muss, dann bin ich spätestens nach dieser einen Saison mit der Hälfte verkracht. Nee, wenn ich nicht mal in Ruhe ein Buch draußen lesen kann... . Danke fürs Daumen drücken. :blumengabe:

@ Peter: Das Grundstück hat 500qm, das Haus 150qm Wohnfläche, also wenig ist das nicht. Ich denke, der Preis hängt von der Lage ab, das Haus ist in einem wunderschönen Stadtteil gelegen und die Häuser werden daher jetzt gern von "Lehrern und Rechtsanwälten" gekauft, wie mir der Herr von der Immobiliengesellschaft freudig mitteilte. :knatsch:. In einem schäbigen Stadtteil von Duisburg oder Gelsenkirchen kann man nach wie vor billig Objekte schießen, aber da will auch niemand wirklich gern wohnen.