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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Übertragung der Kundenbetreuung/Versicherungsmakler



doro06
24.04.2007, 11:11
Hallo!

ich habe vor Jahren bei einem Versicherungsmakler einer Vermögensberatung einige Versicherungen abgeschlossen. Danach war dieser verschwunden und bei der Firma sagte man mir, dass er nicht mehr Mitarbeiter ist. Bei diesem hatte ich das Gefühl, dass er nur verkaufen will.

Letztes Jahr nun habe ich mich nochmals mit dieser Vermögensberatung in Verbindung gesetzt, weil sich meine Situation geändert hatte und ich eine Altersvorsorge brauchte. Diesmal fühlte ich mich gut beraten, nur ist dieser Versicherungsmakler jetzt auch nicht mehr bei der Firma.

Jetzt meldet sich ein weiterer Mitarbeiter, der mir sagte, dass er jetzt mein Kundenbetreuer ist. Er würde mir in Zukunft eine ordnungsgemäße Betreuung garantieren. Dafür sollte ich allerdings ein Formular unterschreiben, um damit die Kundenbetreuung auf ihn zu übertragen. Auf Nachfrage teilt er mit, dass es mein letzter Kundenbetreuer halt nicht geschafft hätte.

Ich verstehe nicht, warum ich das jetzt unterschreiben soll, will ihn aber auch nicht fragen. Kennt das jemand so? Ich habe ein seltsames Gefühl, kann das aber nicht greifen.

Wenn ich ein Problem oder eine Frage zu einer Versicherung habe, kann ich mich doch auch an die Versicherung direkt wenden oder brauche ich dazu einen Betreuer?

Inaktiver User
24.04.2007, 13:19
Hallo Doro06.

Ich befürchte, es wird Dir dort immer wieder so gehen.
Aus Deinen Worten entnehme ich, daß die Mitarbeiterfluktuation dort sehr hoch ist, was vermutlich darauf schließen lässt, daß es sich nicht um ein herkömmliches Maklerunternehmen handelt sondern um ein strukturvertriebsähnlich aufgebautes Unternehmen oder zumindest um ein Vertriebsunternehmen.

Dieses lebt schon naturgemäß davon, daß immer wieder neue Mitarbeiter ins Haus kommen und ihren Bekanntenkreis abgrasen. Kommen dann noch Bestandsabschlüsse dazu, umso besser.

Meist reicht es aber am Ende nicht aus, um langfristig erfolgreich zu sein. Der Mitarbeiter fällt weg (und damit oft auch der Provisionsanspruch des Mitarbeiters - je nach Vertrag) und der Kunde bleibt... Das ist der Firma vermutlich am liebsten, denn damit gehen die Provisionsansprüche in vollem Umfang auf die Firma über. Auf eine hochwertige, dauerhafte Betreuung sind diese Firmen meist auch gar nicht ausgerichtet.

Da zur gleichen Zeit immer wieder neue Mitarbeiter angeworben werden, reißt der Zustrom neuer Kunden nie ab...

Leid tragende sind die Kunden, die zu keiner Zeit eine hochwertige und dauerhafte Betreuung erfahren (auch wenn dies von jedem neuen Mitarbeiter wieder behauptet wird, denn diese gehen ja mit den besten Vorsätzen ans Werk).

Mein Rat: Wende Dich an einen wirklichen Versicherungsmakler.
Dieser wird Dir zwar auch ein entsprechendes Formular zur Unterzeichnung vorlegen, damit er Deine bestehenden Verträge umfassend in die Betreuung mit aufnehmen kann und von den Versicherungen/Banken/Bausparkassen usw. Deine Unterlagen zur Verfügung gestellt bekommt. Dafür hast Du dann aber die Sicherheit, daß dieser nicht daran interessiert ist, bestehende Verträge zu kündigen nur um Neuabschlüsse zu platzieren sondern daß sowohl alte als auch neue Verträge wirklich betreut werden.

Schöne Grüße

justii

Inaktiver User
24.04.2007, 13:31
... und jetzt warten wir auf Werbung der Firma GZ... des lieben Forumsteilnehmers kratani...

doro06
24.04.2007, 13:58
Hallo Justii-g,

vielen Dank für Deine Antwort.

Ich muss aber nochmal nachhaken. Was meinst Du mit einem wirklichen Makler? Das Unternehmen ist ein sehr großes deutsches (ich bin mir nicht sicher, ob ich es hier nennen darf) Unternehmen und der Herr, der jetzt für mich zuständig ist, ist wohl Regionsleiter oder so ähnlich. Jedenfalls ist er kein neuer Mitarbeiter, das weiß ich.

Inaktiver User
24.04.2007, 14:53
Hallo doro,

der Hauptgrund der Kundenübertragung ist das Geld.

Hier muß zwischen zwei Einnahmequellen unterschieden werden.

1. eine Bestandspflege-Provision (BPP)

2. eine Neuabschluß-Provision (NP)

Wenn es sich anstelle eines Strukturvertriebes um einen Makler handelt, heißt es nicht ...Provision sondern ...Courtage.

Es gibt rechtlich einen Unterschied zwischen Provision und Courtage. Beides sind Entohnungssysteme für erbrachte Leistungen. Aber das istt hier nicht das Thema.

Nach Ihrer Beschreibung handelt es sich um einen Strukturvertrieb (z.B. DVAG, AWD-tecis, MLP, OVB, Bonnfinanz usw.).

zu 1.:

Die BPP erhält i.d.R. die Muttergesellschaft des Strukturvertriebes. Je nach Vereinbarung und Verhandlungsgeschick der angegliederten Struktur-Vertriebler (Strukkis) erhalten, die einen kleinen Teil dieser BPP. Die BBP wird immer vom Versicherer an die Strukki-Mutter gezahlt.

zu 2.:

Die NP erhält immer der Strukki, der den Vertrag betreut bzw., der den Kunden betreut. Deshalb will auch immer der neue, frische Strukki den Altkunden übernehmen.

Bei jeder Dynamik eines Vertrag wird eine neue, kleine Provision an den betreuenden Strukki ausgezahlt.

Und bei jeder Vertragsverlängerung im Sachversicherungsgeschäft fließt eine Provision an den betreuenden Strukki.

Neben der BPP und der NP passiert aber noch folgendes.

Sind die Verträge noch nicht lange am Laufen, so steht der Alt-Strukki noch in der Stornohaftungszeit (bis zu 5 Jahre).

Wird also beispielsweise eine LV (Beginn 2005) in 2007 auf einen neuen Strukki übertragen, so muß der Altstrukki, auch wenn er das Unternehmen verlassen hat und nun etwas völlig anderes beruflich macht, die nicht verdiente Provision zurückzahlen.

Und zwar nicht nur er, sondern auch alle, die in der Hierarchie über ihm stehen, also der Ober-Strukki, der Super-Strukki, der Super-Ober-Strukki und die Strukki-Muttergesellschaft.

Wird der Vertrag "nur" von Alt-Strukki auf Neu-Strukki übertragen verändert sich für die oberen Strukturen nichts.

Deshalb wird der Neu-Strukki "aufgefordert" den Kunden und den Vertrag wieder ans Unternehmen zu binden.

Mit dieser Kundenübertragung stoßen sich die neuen Strukki auch die Hörner ab. Sie lernen zu telefonieren, mit Kunden zu reden und Reklamationen sich anzuhören. Und auch nicht zu vergessen, man kann wieder neue Produkte verkaufen.

So doro, das war etwas Insiderwissen, warum Kunden von Strukkies übertragen werden sollen.

Gruß

Frank J. Kontz

doro06
24.04.2007, 15:48
Danke Franck, jetzt blicke ich ein bißchen mehr durch.

Gruß, doro

Inaktiver User
26.04.2007, 09:40
.....
Das Unternehmen ist ein sehr großes deutsches (ich bin mir nicht sicher, ob ich es hier nennen darf) Unternehmen und der Herr, der jetzt für mich zuständig ist, ist wohl Regionsleiter oder so ähnlich. Jedenfalls ist er kein neuer Mitarbeiter, das weiß ich.

Naja, Regionalleiter wird man bei den meisten solchen Unternehmen relativ schnell (mit ausreichenden Abschlußzahlen und/oder entsprechender Mitarbeiterwerbung...). Ich habe da vor (ich möchte fast sagen) Jahrzehnten auch mal Erfahrungen gesammelt und war binnen 3 Monaten Bezirksleiter und weitere 3 Monate später Regionalleiter... In Wirklichkeit war ich nach gerade 6 Monaten trotzdem immer noch ein Anfänger...

Aber wie Du siehst, lassen sich Kunden von solch klangvollen Namen blenden. Deren gibt es jedoch viele:
Vertriebsleiter, Strukturleiter, Regionalleiter, Bezirksleiter, Bereichsmanager, Vertriebsmanager, Vertriebsdirektor, usw.
Und die Mitarbeiter, die oft im vorherigen Beruf "Maler, Maurer, Büroangestellte(r) waren, werden durch solche "Ehrenbezeichnungen" natürlich enorm motiviert...

Wenn Du nicht offen möchtest, kannst Du die Firma ja in einer PN benennen...

Lieben Gruß

justii

doro06
27.04.2007, 09:28
Hallo Justii-g,

ich habe Dir eine PN geschickt.

Gruß, doro