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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ängste um den Partner



Inaktiver User
23.04.2007, 23:09
Hallo,

ich wünsche mir, das es mir alleine durch das runter schreiben schon bissel besser geht, aber noch mehr hoffe ich auf gute Tips....oder Erfahrungsberichte...

Ich bin 39, meine Mutter starb, als ich 11 Jahre war (Suizid), meinen Vater kenne ich nicht, mit weiiterer Familie nur Streit, ich wuchs im Kinderheim auf (eine wirklich sehr schöne Zeit unter diesen Umständen!!).
Ich vermisste und vermisse meine Mutter immer noch sehr, habe also immer noch mal mehr, mal weniger mit dem schmerzlichen Verlust zu kämpfen..wenn ich ihr Bild an meinem Bett länger wie eine Minute betrachte, fließen Tränen. das ist nun 27Jahre her.

Mein Problem: Verlustangst von mir sehr nahestehenden Menschen (Partner), auf einmal und von jetzt auf gleich. Da ich heute noch weiß, wie sich das anfühlt, ist das eine riesige Angst!

Lösung A: Therpie gemacht, hat auch geholfen, ich konnte durch Gespräche und viele gute Erknntnisse meine Einstellung zu Ängsten relativieren und verbessern, z.B. Flugaangst, sie ist nch da, aber ich fliege trotzdem....ich bin mit der Psychologin auch diese schlimmsten Angstzustände durchgegangen...bis zum Besuch der Polizei mit der schlimmen Nachricht...mag garnicht dran denken, aber es hat geholfen....heute ist davon teilweise nicht mehr viel zu spüren (Therapie war 2003).
Habe seitdem eine Trennung hinter mit, die mich sehr gestärkt hat, eine neue Beziehung und Hochzeit vor mir, die mich noch mehr gestärkt hat, aber mich auch weitaus verletzlicher gemacht hat!!!!

Was nicht geht, ist die nach wie vor im Vordergrund stehende Angst, mein Partner könnte von jetzt auf gleich sterben...diesen schmerzlichen Verlust kann und will ich nicht noch einmal erleben. Da dies aber leider natur-oder schicksalsgegeben nicht bewußt angezielt werden kann, muß ich einen Weg finden, damit umzugehen...damit diese Ängste nicht mein Leben beherrschen.

Beispiel aktuell:
Schatzel mußte heute ins Krankenhaus um Mandeln entfernt zu bekommen. Fazit: Es geht ihm den Umständen entsprechend gut (Schmerzen, aber die waren vorhersehbar und er wird natürlich entsprechend behandelt)...aber meine Phantasie geht mit mir durch....ohne Rescue Tropfen wäre dieser Tag heute nicht überstanden worden durch mich....die Angst, er könnte sterben bei Narkose/OP/Nachbehandlung...sie beherrscht mich geradezu! Kann mich in solchen Zeiten auf NIX anderes mehr konzentrierenen, mit aller Gewalt rede ich mir gerne alle positiven Dinge ein...das erfordert so viel Arbeit und Konzentration...ich wäre ein Nervenbündel, weil meine größte Angst darin besteht, das mein lieber Partner stirbt.

Ich bin, gerade durch die Erlebnisse heute, wieder fast soweit, eine weitere Therapie zu besuchen....

Bitte, hat jemand ähnliche Erfahrungn?

Liebe Grüße......

Lillian2207
24.04.2007, 09:01
Liebe Silencio,

ich weiß nicht, ob es richtig ist hier zu posten, denn mir ist genau das passiert, wovor Du Angst hast und ich möchte Dich nicht erschrecken. Aber Dein Beitrag kommt mir so vertraut vor und ich weiß genau wovon Du sprichst:

Ich kenne diese Ängste sehr gut, meine Eltern ließen sich scheiden, da war ich gerade mal sechs Jahre. Mein Vater verließ die gemeinsame Wohnung mit einer gepackten Sporttasche und mit den Worten: "ich bin kurz weg, komme bald wieder". Danach sah ich ihn Wochen nicht, bis das Sorgerecht geklärt war und ich jeden Samstag von meinem Vater abgeholt wurde. Ich weiß noch wie schrecklich es für mich war, ich konnte das alles nicht verstehen, noch viel weniger konnte ich die neue Frau an der Seite meines Vaters ertragen! Immer wenn ich mit meiner Mutter alleine war, hatte ich Angst, sie könnte auch einfach eine Sporttasche packen und mich verlassen. Diese Angst war immer da, auch wenn meine Mutter mir versicherte, sie würde mich niemals alleine lassen.... Jahre später, und ich meine viel später, hatte ich meinen ersten Freund (18). Das war relativ spät, wenn ich meine Freundinnen im Vergleich sehe. Aber vorher hatte ich keine Ambitionen dazu. Mein erster Freund hat sehr unter mir gelitten, ich habe extrem geklammert und wenn er mal nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt anrief, hatte ich schon wieder Angst, er hätte mich verlassen. Man kann sich vorstellen, dass ich mit der Einstellung meinen ersten und noch kommende Freunde in die Flucht geschlagen habe, diese Erfahrungen machte ich immer wieder, am schlimmsten war es bei den Männern, die ich sehr geliebt habe. Es hat mich einfach immer wieder darin bestätigt, das ich von allen nur verlassen werde.

Ich bin irgendwann auf die Idee gekommen, mich zu schützen und bin eine (freudlose) Beziehung mit einem Mann eingegangen, den ich nicht geliebt habe, er mich dafür umso mehr, und so hatte ich zumindest die Sicherheit, er würde mich nicht einfach so verlassen und wenn doch, dass es mir dann nicht weh tun würde.... Naja, aber ohne Liebe kann man auf lange Sicht auch nicht glücklich sein und nach zwei solcher Erfahrungen habe ich mein Herz wieder für richtige Liebe geöffnet.

Ich lernte André kennen, wir waren beide sehr verliebt und ich dachte noch, alles kann gut werden, Du brauchst nicht immer Angst vor Verlust zu haben, dass hat Zukunft. Es lief auch gut, ich hatte nie das Gefühl ihm weniger Wert zu sein als er mir Wert war, er hat mir immer gezeigt, wie verliebt und glücklich er war. Bis vor einem Jahr, da hatte André einen Autounfall und starb (eine so schmerzhafte Erfahrung, die ich noch nicht überwunden habe, die ich mir hier im Trauerforum immer noch von der Seele schreibe).

Ich kann gar nicht sagen, was das alles in mir ausgelöst hat. Ich habe solche Ängste entwickelt. Ich bekam einfach Angst vor allem: vor dem Aufstehen und dem Alltag, vor der Arbeit und dem Autofahren, vorm Fliegen und vor Menschen. Ich habe Angst um meine Mutter, die mir die beste Freundin in dieser Zeit geworden ist, ich habe Angst um alle Familienmitglieder und würde am liebsten jeden Tag von ihnen hören um zu wissen das es Ihnen gut geht. Ich telefoniere täglich mit den drei besten Freundinnen die ich habe, weil ich so Angst um sie habe und ich klammere mich an Andrés Eltern, die die letzte Verbindung zu meinem Verlobten sind.

Ich weiß nicht wie mein Leben zukünftig aussehen soll. Ich bin 34 Jahre und denke oft, dass ich nicht "gesellschaftsfähig" bin. Ich kann keine "normalen" Beziehungen führen, nicht zu Freunden, nicht zu Partnern. Wie soll eine ggf. neue Beziehung zu einem neuen Partner aussehen? Werde ich nicht jeden erdrücken den ich mal kennenlerne? Ich hatte mir das Leben anders vorgestellt. Mit Vertrauen kann ich nicht mehr viel anfangen, dafür gibt es zu viel Schicksal, zu viel Verlust.

Ich kann Dich so gut verstehen, der Tod der Mutter.... oh mein Gott, daran möchte ich gar nicht denken.... was für eine schreckliche Erfahrung! Ich denke zwar auch, das der Tod zum Leben dazu gehört, aber ich kann ihn nicht akzeptieren!

Heute bin ich auch in Therapie. Ich kann nicht sagen, ob es mir je helfen wird. Ich kann nur hoffen, dass ein zufünftiger Partner ganz viel Verständis hat, für mich, mein Klammern, für meine Situation. Aber ich mache mir nichts vor. Es wird immer mein Leben bestimmen und ich werde mich nie davon frei machen können! Nicht vor der Angst, das wieder einfach eine Sporttasche gepackt wird, oder ein Autounfall passiert. Wie also wird es werden?

Liebe Silencio, ich kann nur Erfahrungen hier schreiben: ich habe heute nur die Ängste vor dem Alltag, dem Autofahren, dem Fliegen etc. abgebaut, aber nicht die Verlustängste. Ich denke die werde ich auch bis zu dem Zeitpunkt nicht ablegen können, bis ich eines Besseren belehrt werde, bis mal jemand lange bei mir bleibt. Aber, und das kann ich dir sagen: ich hoffe darauf. Ich merke wie groß meine Hoffnung geworden ist, dass ich es schaffen kann. Naja, die Hoffnung geht eben zuletzt!

Ich drück Dich und wünsche Dir alles alles Gute! :blumengabe:

Lillian2207

Inaktiver User
24.04.2007, 15:37
Liebe Lillian,

ach, das ist ja auch sehr traurig, was Du schreibst, fühl Dich fest gedrückt!

Ich habe bislang nicht die Erfahrung gemacht, das mich ein Mann verlassen hat, aber ich denke,damit kann ich (sofern es ehrlich abläuft) schon gut umgehen, würde eben akzeptieren, das jemand sich seiner Gefühle für mich nicht mehr sicher ist.
es wäre sehr traurig, aber es wäre für mich weiterhin eine Zukunft zu sehen. Ich bin da sehr selbstbewußt.
Daher bin ich zwar ein Klammertyp, wenn es um Dinge geht wie jetzt der Krankenhausaufenthalt, ich will wissen, ob alles okay ist, aber ich bin ansonsten ein freiheitsdenkender mensch und tolerant. Wenn jemand gehen will, kann ich ihn nicht festhalten. Für mich einfacher als für Dich, da ich damit noch keine negativen Erfahrungen machte.

Ich würde aber meine Lieben eben gerne beschützen vor allem...aber das geht nicht.
Wenn jemand stirbt, ist es vorbei...nichts geht mehr....nie wieder reden, weinen, lachen mit dem anderen....das Vermissen und dieser stetige Schmerz, mal intensiver, mal unterbewußter, aber latent vorhanden, das ist die Hölle.

Ich muß unbedingt etwas dagegen tun, dass mich diese Angst auffrisst, sie beherrscht mich zu stark.

Seufz....

Lillian2207
24.04.2007, 16:02
Aber liebe Silencio,

eine gewisse "Angst" vor unvorhersehbaren Dingen, ist die nicht natürlich? Ich weiß, ich bin vorbelastet, aber wenn ich glücklich mit etwas bin, dann mache ich mir doch sicher gleichzeitig auch gedanken, wie lange ich dieses Glück noch habe?! Oder ist das schon krankhaft? Ich denke nicht.

Wir Menschen sind doch umgekehrt auch meist so, dass es uns erst auffällt wie glücklich wir waren, wenn es nicht mehr so ist.... Auch nicht richtig! Dann ist es doch besser zu wissen wie glücklich man ist, es geniessen kann?!

Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, immer und überall alles (ich nenne es jetzt mal so) unter Kontrolle haben zu wollen, aber wann sollte man sich darüber denn Gedanken machen? Wie schlimm ist es denn bei Dir? Also wenn mein Schatz ins Krankenhaus kommen würde, hätte ich auch bei der kleinsten Behandlung schon Angst, ist das dann schon falsch?

Ich weiß nicht, ich finds normal sich Sorgen zu machen!

Übrigens, ich beneide Dich sehr um Deine Toleranz, wäre ich doch ein bisschen legerer wenn es um Beziehungen geht, aber ich konnte das Klammern nie abstellen!

Ich wünsche Dir und Deinen Lieben alles Gute! Sorry, dass ich Dir keinen direkten Rat geben konnt :niedergeschmettert:

LG Lillian2207