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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit Wahn/Demenz im Alter



myrte1
12.04.2007, 15:06
Hallo,

ich bzw. meine Eltern haben ein Problem mit meiner Oma. Sie ist 95 Jahre alt und wohnt mit bei meinen Eltern im Haus. Sie ist körperlich noch für ihr Alter recht fit, allerdings hört und sieht sie sehr schlecht.
Das Problem ist, daß sie psychische Auffälligkeiten zeigt, zumindest kann ich mir ihr Verhalten anders nicht erklären.
Die ganze Sache fing vor ca. 5 Jahren an. Da ging es ihr gerade nicht so gut, sie hatte Probleme mit dem Herz. Da hat sie aus heiterem Himmel behauptet, mein Vater würde sie vergiften wollen und ihre gesundheitlichen Probleme kämen daher. Wir waren geschockt und mein Vater hat berechtigterweise sehr sauer reagiert.
Mein Vater (und wir) konnten das einfach nicht verstehen, weil er ist ein sehr gutmütiger, lieber Mensch und hat sich immer um ein gutes Verhältnis zu meiner Oma bemüht.
Sie brachte dann irgendwelche obskuren Gründe vor, daß er sie aus dem Weg schaffen wolle, um seine Schwester mit im Haus wohnen zu lassen (zu der wir aber kaum Kontakt haben und der es im Traum nicht einfallen würde, zu uns zu ziehen).
Nach dieser Episode war natürlich das Klima zwischen den beiden merklich abgekühlt und hat sich in den nächsten Jahren auch nie mehr so ganz erholt.
Mein Vater war dann immer sehr vorsichtig im Umgang mit ihr, weil sie zum Teil Dinge behauptet hat, die sie sich ausgedacht hatte und einem das Wort im Mund herumgedreht hat und man nie so recht sicher sein konnte, was sie tatsächlich falsch verstanden hatte und was ihrer Phantasie entsprang.
Es gab auch immer wieder mal Situationen, in denen sie Dinge über andere Menschen behauptet hat, die so einfach nicht stimmten, mit dem Hintergrund, daß diese ihr schaden wollten.
Jetzt über die Osterfeiertage ist die Situation aber mal wieder eskaliert. Meine Oma hatte eine Entzündung am Kiefer, die nicht direkt akut war aber ihr über einige Tage zu schaffen machte. beschuldigte meine Oma wieder meinen Vater ihr Testament aus ihrem Nachttisch o.ä. entwendet zu haben. Dieses angebliche Testament existiert überhaupt nicht! Möglicherweise hat sie ein anderes Schriftstück dafür gehalten, k. A.
Meine Mutter, die sich mit ihr auch tagtäglich auseinander setzen muß, streitet sich dann immer furchtbar mit ihr, regt sich auf und schreit sie an. Ich weiß einfach nicht, wie man mit dieser Situation am besten umgehen sollte, ohne die Nerven zu verlieren. Ich kann es gut verstehen, daß meine Mutter jedesmal aus der Haut fährt, aber das führt ja auch zu nichts. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich eine Krankheit (Demenz) ist oder ob sie einfach so boshaft ist und versucht uns gegeneinander aufzuhetzen.
Auch wenn es eine Krankheit sein sollte: wie geht man am Besten mit solchen Menschen um, wie verhindert man solche Streitereien?
Es scheint nichts zu nützen, ihr ihre Überzeugung ausreden zu wollen, daß mein Vater ihr schaden will.
Vielleicht hat jemand schon Erfahrungen mit ähnlichen Situationen gemacht und kann mir helfen.

Inaktiver User
13.04.2007, 08:10
Heyyyy! Die Oma ist KRANK!

Das ist eine wirklich ernstzunehmende Krankheit und keine Spinnerei der alten Dame - in IHRER Welt ist das so.

Es wäre für Euch alle das beste, sich mit Demenz auseinanderzusetzen, nur so könnt Ihr damit umgehen lernen. Anschreien oder sonstiges ist ... vorsichtig gesagt ... bereits Mißhandlung.

Holt Euch Hilfe!

Rivella
13.04.2007, 09:00
Gerontopsychiater einschalten, das hört sich wie ein sogenanntes Altersparanoid hat, gibt es mit und ohne Demenz

Inaktiver User
13.04.2007, 09:04
Stimmt - jedes größere Krankenhaus beispielsweise hat eine Abteilung für Gerontopsychiatrie. Vielleicht nehmt Ihr mal da Kontakt auf? Es gibt bestimmt auch passende niedergelassene Fachärzte.

Inaktiver User
13.04.2007, 09:07
Bitte, bitte - nicht anschreien. Für die Oma ist die Paranoia auch ganz schrecklich, denn sie denkt ja wirklich, dass Dein Vater ihr was Böses will. Versuche Dir das einmal vorzustellen, die Angst, von Menschen umgeben zu sein, die Dir nicht (mehr) wohlgesonnen sind. Da hilft tatsächlich nur ein Arzt und - so schwer es fällt - sehr viel Geduld.
Den Gegenbeweis anzutreten, ist übrigens so gut wie aussichtslos, würdet ihr das Testament finden, so wäre es garantiert gefälscht... Daher wäre auch für Euch ein Crash-Kurs im Umgang mit der Krankheit Eurer Oma sehr von Vorteil...

Regan
17.04.2007, 13:46
Auch wenn es noch so schwer fällt, hier hilft nur Ruhe bewahren. Die Oma sieht ihre Welt, wie sie sie sieht, und Ihr wisst, daß die Realität ein wenig anders aussieht. Zu befürchten habt Ihr nichts, die Oma wird Euch schon nicht die Polizei auf den Hals hetzen (und selbst wenn, dann wird unser Freund und Helfer das schon einzuschätzen wissen).

Demenzkranke (falls sie dazugehört) werden sehr leicht aggressiv, am besten gar nicht darauf einsteigen und ruhig bleiben. Alles andere führt ja zu nichts. Am besten Tips beim behandelnden Arzt der Oma einholen, bzw. zu einem Spezialisten gehen.

Das wichtigste ist, sich vor Augen zu führen, daß es nicht die Oma ist, die da aggressiv und paranoid gegen Euch vorgeht, sondern daß es die Krankheit ist, die aus ihr spricht. Sie ist nicht einfach "böse" geworden weil ihr danach gerade war - wenn es vor 5 Jahren mehr oder weniger plötzlich angefangen hat, dann steckt da was anderes dahinter.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie viiiiiel Geduld, auch wenn es sehr schwer fällt.
Regan

vielleicht...
19.04.2007, 17:07
Hallo,

deine Oma erinnert mich stark an meinen Opa.
Ich musste ihm manchmal an den ganz seltenen Abenden an denen meine Mutter mich mit ihm allein gelassen hat (ich war damals elf Jahre!) zeigen, dass da wirklich keine kleinen Kinder in seinem Bett sitzen und ihn vertreiben wollen. Die waren natürlich weg wenn ich mit ihm gegangen bin. Es kann sehr wohl gefährlich werden, Opa hat irgendwann mal versucht, den Ofen anzuheizen, allerdings hat er den Spülschrank mit dem Ofen verwechselt. SOFORT haben meine Eltern seine Wohnung in unserem Haus mit einer Heizanlage ausstatten müssen.
Ich glaube es gibt leider keine Lösung, ihr könnt nur lernen damit umzugehen. Anschreien bringt nichts. Aber die Geduld eines jeden hat eben Grenzen.
Opa hatte zwischendurch auch seine "klaren" Momente und wenn er dann mitgekriegt hat was los war, war das immer sehr schlimm für ihn.
Holt euch bitte professionelle Hilfe ins Haus!!!