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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : warum?



Kantinenfrau
10.04.2007, 16:13
Du hast Dich gegen das Leben entschieden,
gegen Dich selbst.


Gegen das Rauschen des Meeres.
Gegen das Funkeln der Sterne.
Gegen Deinen Herzschlag.
Gegen das Leuchten
in den Augen derer,
die Dich liebten.
Gegen jede Hilfe.
Gegen jeden,
der dir nah war.


:kerze:

Inaktiver User
10.04.2007, 23:09
Hallo Kantinenfrau !

Es ist für jeden furchtbar,der zurückbleibt. Da kommt dann das große WIE,geht es für mich weiter,wie soll ich damit zurecht kommen.

Was ist dir passiert? Du bist traurig, ich kenne dich nicht,weiss nichts von dir und fühle doch mit dir.

Alles Gute für dich,:blume: , Melia

Kantinenfrau
10.04.2007, 23:12
Merci! Melia

M. hat sich das Leben genommen, das ist passiert.

Inaktiver User
10.04.2007, 23:28
Mich macht das ganze Thema,immer wieder traurig. Es ist so grauenvoll,wenn einer sich aus dem Leben schleicht.

Mein Vater hat sich damals mit 34J.das Leben genommen.30J.wußte ich nicht warum.

Dieses <Warum> ist es was einen um den Verstand bringt.

Ich weiss es gibt keinen Trost in deiner Situation momentan.

Hast jemand mit dem du sprechen kannst? Das wäre so wichtig für dich.

Fühle dich umarmt,von denen die mit dir fühlen,Melia

Kantinenfrau
10.04.2007, 23:52
Danke. Ja, es gibt Menschen, mit denen ich sprechen kann, nur heute über Tage habe ich mich so alleine gefühlt, deshalb das posting.

Inaktiver User
11.04.2007, 00:14
Ich kann dich gut verstehen und diese Tage/Momente,werden immer mal wieder kommen.

Dann komm doch in dieses Forum und schreib bis die Finger glühen,solange bis du dich besser fühlst.

Es gibt hier soviele,die mit dir mitfühlen können,die im selben Boot sitzen und die so nett sind.
Ich habe hier noch nicht soviel geschrieben,bin eher stille Mitleserin gewesen.
Selbst das lesen hat mich ein wenig getröstet,in der Traurigkeit die immer mal wieder in mir hochkommt.

Ich wünsch dir heute eine gute Nacht,möge dein Schutzengel dich begleiten.
Alles liebe dir,Melia :blumengabe:

blackxena
11.04.2007, 13:01
Schrecklich. eine meiner besten freundinnen hat sich mit 30 umgebracht. sie war krank und in einer klinik (psycho) als sie wieder draussen war, ihr ging es angeblich besser, hat sie es getan..
bis heute ist es mir ein rätsel.. Warum??

das ist 10 jahre her.. :kerze:

Kantinenfrau
11.04.2007, 14:14
:kerze: dieses emoticon tut mir gut. danke für euer mitgefühl.

Golddrops
11.04.2007, 17:48
Warum?

Weil der Mensch aus tiefster Seele danach strebt, frei zu sein.
Entfesselt zu leben. Selbstbestimmt handeln zu können.
In Selbst-Vertrauen, aus eigener Kraft.

Ein Mensch, der sich all dieser Dinge beraubt fühlt,
der den Eindruck hat, über ihn werde bestimmt, er selbst sei weder wehr- noch habhaft, - stattdessen hilflos ausgeliefert, herumgeschubst, unverstanden, unbeachtet,

ein Mensch, der nur noch zum Selbsterhalt wirkt
und selbst das - nach eigener Einschätzung - unzulänglich,
dem scheint der Freitod die letzte Möglichkeit zu sein,
dem eigenen Befangensein zu entkommen.
Sich selbst zu beweisen,
Recht und Entscheidung,
seinen Willen
durchsetzen zu können, um welchen Preis auch immer.
Und wenn dieser Schritt der letzte ist, den er unternehmen kann,
bewusst und bestimmend.

Letztlich gibt er die Verwirrungen,
die Lasten und seine Ohnmacht an die zurück,
die er mit Fragen zurücklässt,
indem er sie mit Fragen zurücklässt,
auf die er selbst keine Antwort wusste,
auf die niemand eine Antwort hat,

weil es schlicht keine gibt.
Manche Fragen beantworten sich vollumfänglich durch ihre Unbeantwortbarkeit.

Die Tat des Freimörders ist eine Aufforderung:
Akzeptier/t meine Entscheidung.
Meine Entscheidung,
einen freien, frei gewählten Tod
einem fremdbestimmten Leben vorzuziehen.

Zugegeben,
die eindringliche Logik eines Befangenen,
aber nachvollziehbar.
Und gleichzeitig eine Möglichkeit,
einen Freund gehen zu lassen
ohne ihn zu verlieren.

Kantinenfrau
11.04.2007, 21:00
Dear Golddrops: dem setze ich entgegen: Suizid ist die eine finale Lösung aller temporären Probleme, unabhängig davon, wie verzweifelt der Einzelne gewesen sein mag.

:kerze:

prinzessin01979
11.04.2007, 21:13
Liebe Kantinenfrau,

wieder ein mensch, der sich mit all den gefühlen, den fragen und dem unendlichem schmerz- den ein suizid hinterlässt, quälen muss.. es tut mir so sehr leid für dich!

Ich weiss nur zu gut, was du jetzt durchmachen musst. Ich habe meinen kleinen bruder vor fast 8 monaten, durch suizid verloren.

Ich denke auch, dass suizid niemals die beste lösung sein kann.

All die last, die ein mensch mit sich herumgetragen hat, überträgt er auf die hinterbliebenen doppelt, dreifach, millionenfach- wenn er durch suizid aus dem leben geht. Die hinterbliebenden leiden darunter ihr ganzes leben lang!

Liebe Kantinenfrau, wenn du mehr darüber erzählen magst, was passiert ist, dann wirst du hier immer jemanden finden, der dir zuhört, dich vielleicht etwas aufbauen kann.

Ganz viel Kraft,
Melissa

Golddrops
11.04.2007, 21:23
Suizid ist die eine finale Lösung für alle temporären Probleme

Suizid ist nie Lösung, sondern Aufgeben.
Loslassen, das dem Selbstmörder einfacher erschien als Zulassen, Zupacken und die Bewältigung seiner Probleme.

Kantinenfrau
11.04.2007, 21:34
Lösung im Sinne von: dem Leben ein Ende setzen. Finis.

Kantinenfrau
13.04.2007, 13:49
Warum? Weil der Mensch aus tiefster Seele danach strebt, frei zu sein. Entfesselt zu leben. Selbstbestimmt handeln zu können. In Selbst-Vertrauen, aus eigener Kraft.

Hättest du ihre Verzweiflung gesehen und gespürt, du wüsstest, dass der Mut der Verzweiflung eine finale Kraftaufwendug ermöglicht. Sie sagte mir, sie könne nicht verantworten, den anderen weiterhin zur Last zu fallen, mein "dem ist nicht so, du brauchst Hilfe, aber eine unaufbürdbare Last bist du nie gewesen und wirst es auch nie sein", hörte sie nicht mehr. Sie vertraute mir nicht. Nicht meinen Worten, nicht meinen Blicken, nicht meinem Wollen, ihr zu helfen.


Ein Mensch, der sich all dieser Dinge beraubt fühlt, der den Eindruck hat, über ihn werde bestimmt, er selbst sei weder wehr- noch habhaft, - stattdessen hilflos ausgeliefert, herumgeschubst, unverstanden, unbeachtet, ein Mensch, der nur noch zum Selbsterhalt wirkt und selbst das - nach eigener Einschätzung - unzulänglich, dem scheint der Freitod die letzte Möglichkeit zu sein, dem eigenen Befangensein zu entkommen. Sich selbst zu beweisen,
Recht und Entscheidung, seinen Willen durchsetzen zu können, um welchen Preis auch immer. Und wenn dieser Schritt der letzte ist, den er unternehmen kann, bewusst und bestimmend.

Ich kann nur für mich sprechen, und ich habe ihre Verzweiflung ernst genommen, ihr Nichtweiterwissen. Es ging um gesellschaftliche Verpflichtungen (Familie, Job). Um ein Ohnmächtig-sein, weil sie meinte, bestimmte Anforderungen nicht länger erfüllen zu können. Sie empfand ihre Existenz als wertlos (das Nichtfunktionieren als existentielle Schuld) und war untröstlich. Hätte sie einmal nur gesagt: bleib bei mir, ich wäre da gewesen. Das lässt mich unsäglich traurig zurück.


Letztlich gibt er die Verwirrungen, die Lasten und seine Ohnmacht an die zurück, die er mit Fragen zurücklässt, indem er sie mit Fragen zurücklässt,
auf die er selbst keine Antwort wusste, auf die niemand eine Antwort hat, weil es schlicht keine gibt. Manche Fragen beantworten sich vollumfänglich durch ihre Unbeantwortbarkeit.

Stimmt. Manche Menschen muss man vor sich selbst schützen, das weiß ich nun, wo es zu spät ist.


Die Tat des Freimörders ist eine Aufforderung: Akzeptier/t meine Entscheidung. Meine Entscheidung, einen freien, frei gewählten Tod einem fremdbestimmten Leben vorzuziehen.

Sich selbst zu Töten ist für mich eine Verzweiflungstat.



Zugegeben, die eindringliche Logik eines Befangenen, aber nachvollziehbar. Und gleichzeitig eine Möglichkeit, einen Freund gehen zu lassen ohne ihn zu verlieren.

Mir unverständlich.


:kerze:

Golddrops
14.04.2007, 14:54
Hättest du ihre Verzweiflung gesehen und gespürt, du wüsstest, dass der Mut der Verzweiflung eine finale Kraftaufwendung ermöglicht.

Der Mut der Verzweiflung war offenbar groß genug, den Tod in Angriff zu nehmen, nicht aber das Leben.
Ein Selbstmord beginnt nicht mit dem Entschluss, den eigenen Tod zu bestimmen (weil das Leben unbestimmbar scheint), sondern lange Zeit vorher.


Sie sagte mir, sie könne nicht verantworten, den anderen weiterhin zur Last zu fallen,

Vor allem konnte und wollte sie nicht länger verantworten, sich selbst zur Last zu fallen. Ihr Schmerz ließ sich nicht stillen und Hilfe konnte sie nicht annehmen. Auch die eigene Unfähigkeit, sich selbst durch Fremdhilfe Linderung zu verschaffen, unterstützt den Entschluss, eben diese Linderung im Tod zu suchen.


mein "dem ist nicht so, du brauchst Hilfe, aber eine unaufbürdbare Last bist du nie gewesen und wirst es auch nie sein", hörte sie nicht mehr.

Hörte sie schon, verstand sie vermutlich auch.
Der Punkt ist, dass sie Hilfe nicht annehmen konnte.
Man kann niemanden heilen, der sich unheilbar fühlt.
In der Suizidprävention muss man genau hier ansetzen.
Dem Kranken das Gefühl der Ausweglosigkeit (im Leben) und der Heillosigkeit nehmen.


Sie vertraute mir nicht. Nicht meinen Worten, nicht meinen Blicken, nicht meinem Wollen, ihr zu helfen.

Siehe oben.

Es ist sehr schwierig, jemandem Hoffnung und neuen Lebensmut zu geben, der an sich selbst! ver-zwei-felt ist.



Ich kann nur für mich sprechen, und ich habe ihre Verzweiflung ernst genommen, ihr Nichtweiterwissen. Es ging um gesellschaftliche Verpflichtungen (Familie, Job). Um ein Ohnmächtig-sein, weil sie meinte, bestimmte Anforderungen nicht länger erfüllen zu können. Sie empfand ihre Existenz als wertlos (das Nichtfunktionieren als existentielle Schuld) und war untröstlich.

Ohnmachts- und Hilflosigkeitsgefühle, Mut- und Hoffnungslosigkeit, das immer stärker werdende Gefühl, nichts ändern zu können und verloren zu sein, - all diese Empfindungen führen über Leere und Lähmung zur Selbstdemütigung, dem Empfinden von Schuld und Wut, die das eigene Unvermögen mit sich bringt.
Sie war untröstlich, schreibst du. Das war sie - im wahrsten Wortsinn.


Hätte sie einmal nur gesagt: bleib bei mir, ich wäre da gewesen. Das lässt mich unsäglich traurig zurück.

Fortgeschrittene Selbstmörder verlieren den Glauben an die Möglichkeit der Stillung elementarster Bedürfnisse - und somit deren Bemerken und Äußern.
Sie kommunizieren nur noch sehr einseitig mit ihrer Umwelt, was zu einer Verstärkung der Isolation führt.

Es ist traurig, nicht helfen gekonnt zu haben.
Ohn-mächtig gewesen zu sein.
Es ist traurig, dass Menschen so in sich vereinsamen können, dass sie sich letzten Endes nur noch um sich selbst drehen, in einer tödlichen Spirale - und daran wahnsinnig werden.




Stimmt. Manche Menschen muss man vor sich selbst schützen, das weiß ich nun, wo es zu spät ist.

Manchen Menschen muss man aus ihrem Selbst(empfinden) heben, aus ihrer (Selbst)Wahrnehmung.
Schutz und Fürsorge müssen früher beginnen als zu einem Zeitpunkt, wo Schutz nur noch bedeuten kann, dass man dem an Ohnmacht Erkrankten den letzten Funken Macht, Selbstbestimmung und Würde nimmt, den dieser noch besitzt.

Wenn ein Mensch aber sein eigenes Handeln nicht mehr verantworten kann, weil er zuvor verlernt hat, sein Denken und Fühlen zu verantworten, muss man sich als Freund und Helfender zur Entrechtung verpflichten.
Und sich "gegenmoralisch" verhalten, um Leben zu schützen.




Sich selbst zu Töten ist für mich eine Verzweiflungstat.

Wie du selbst bereits schriebst:
Der Mut der Verzweiflung befähigt dazu, den Selbstmord zu vollenden.
Der Tod ist für den Selbsttöter die letzte verbliebene Aussicht auf Leben (im Sterben).




Mir unverständlich.

Was genau?

Kantinenfrau
15.04.2007, 08:23
Anm.: Ich möchte voranstellen, dass ich nicht länger über sie spreche, sondern mich mit deinen Kommentaren hier auseinandersetze, denn es wäre in meinen Augen pietätlos, über ihre Motive zu spekulieren.



Ein Selbstmord beginnt nicht mit dem Entschluss, den eigenen Tod zu bestimmen (weil das Leben unbestimmbar scheint), sondern lange Zeit vorher.


Ich habe gelesen, dass die meisten Menschen über ihre Pläne sprechen. Die Tat an sich soll impulsiv geschehen, auch wenn die Todesart genau geplant wurde. Das Leben als fremdbestimmt zu erleben, ist das nicht ein Armutszeugnis der Gesellschaft? Wie verzweifelt mag ein junger Mensch sein, eher den Tod als einen geplanten Aufenthalt in der Psychiatrie zu wählen, eben weil eine Verwahrung in dieser Institution einer Stigmatisierung gleich kommt?



Hörte sie schon, verstand sie vermutlich auch. Der Punkt ist, dass sie Hilfe nicht annehmen konnte.
Man kann niemanden heilen, der sich unheilbar fühlt.
In der Suizidprävention muss man genau hier ansetzen.
Dem Kranken das Gefühl der Ausweglosigkeit (im Leben) und der Heillosigkeit nehmen.


In meinen Augen muss so lange verhandelt werden, bis eine lebbare Lösung vorliegt und sei es eine 24 h Stunden Betreuung. Ich bin mir sicher, es geht nie um das Leben an sich, es geht um die Auswegslosigkeit aus einer bestimmten, temporären Situation. Der Suizident sieht keinen lebbaren Alternative mehr, dabei gibt es immer eine, da bin ich mir sicher, und sei es nur für die kommenden 2 Stunden.



Manchen Menschen muss man aus ihrem Selbst(empfinden) heben, aus ihrer (Selbst)Wahrnehmung.
Schutz und Fürsorge müssen früher beginnen als zu einem Zeitpunkt, wo Schutz nur noch bedeuten kann, dass man dem an Ohnmacht Erkrankten den letzten Funken Macht, Selbstbestimmung und Würde nimmt, den dieser noch besitzt.


Ja. In manchen Fällen vertraut man immer noch auf die Vernunft, wo keine mehr vorhanden ist. Vertraut dem Suizidenten sein eigenes Leben an, weil er noch ansprechbar und verständig wirkt. Ein tödlicher Irrtum in manchen Fällen.