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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sehnsucht



liebste
05.04.2007, 20:39
Irgendwie dachte ich mir, heute ist es etwas leichter, aber die Trauer holt mich doch wieder ein. Es wird ja auch morgen erst 7 Wochen und die Sehnsucht ist unendlich groß. Die Erinnerungen tun so weh und machen so traurig.

Es ist so schwer, jetzt alles, was wir vorher gemeinsam erlebt haben, jetzt alleine erleben zu müssen.

Ich kann noch immer gar nicht so recht glauben, was passiert ist, aber das nie mehr wird immer bewußter.

Den meisten von euch geht es ja genauso schlimm, aber wie schafft ihr das, was tut ihr, damit es besser wird oder muss man es wirklich der Zeit überlassen, hilft nur das?

Inaktiver User
05.04.2007, 22:07
Liebste, ich drück Dich mal ganz vorsichtig, damit die Tränen kullern können. Es ist so unglaublich schwer das zu bewältigen, was Du gerade durchmachen mußt.

Ein wenig musst Du es wirklich der Zeit überlassen. So bitter es ist, die Zeit heilt die Wunden. Manche sagen, diese Wunden heilen nie, aber das glaube ich nicht. Es bleiben Narben, die uns nie vergessen lassen, aber es blutet nicht mehr und tut auch nicht mehr so unendlich weh. Aber in einem hast Du recht - das "nie mehr" bekommt eine unglaubliche Wucht. Das Wort bekommt eine völlig neue Bedeutung.

7 Wochen ist noch keine Zeit für den Heilungsprozess. Gerade die ersten Wochen sind schlimm, weil Dein Mann an allen Ecken und Kanten fehlt, andererseits ja auch immer noch präsent ist. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie lange es bei mir gedauert hat, bis ich nicht mehr jede Stunde an meinen Partner gedacht habe, morgens der erste Gedanke mit Panik begann. Ich weiß aber auch nicht mehr wie lange es gedauert hat, bis es nicht mehr jede Stunde, sondern nur noch jede 2. Stunde war. Anfangs zählte ich die Todestage, dann die Todeswochen, irgendwann die Monate. Und irgendwann wurde ich morgens wach und habe an was anderes gedacht, mich sofort erschrocken, dass ich nicht an meinen Partner dachte. Heute - über 5 Jahre später - denke ich immer noch gerne an ihn, aber dieses Denken bestimmt lange nicht mehr mein Leben.

Ich habe lange und ausgiebig und sehr "bewußt" getrauert. Für mich war das der Weg, damit so umzugehen, dass ich mein Leben nochmals neu starten und unbeschwert leben kann. Ich habe mich auf Alles gestürzt, was mich zum Weinen brachte - traurige Musik, Erinnerungen, Orte, besondere Tage. Ich habe viel darüber geredet und auch geschrieben, auch nachdem es keiner mehr hören oder lesen konnte. Ich habe einfach nur noch gelitten - aber irgendwann wollte ich wieder leben. Und dann fing es an besser zu werden.

Du solltest Dir sicher sein, dass Du für Dich das richtige Tempo findest, wie Du mit Trauer und Abschied umgehst. Finde Deinen Rythmus, lasse Dir von niemandem einreden, dass es schneller oder langsamer gehen soll. Keine/r von uns hat gelernt, mit dem Tod umzugehen, von Erfahrungen anderer können wir vorher nicht lernen - die Trauerzeit ist etwas so persönliches, dass es kein falsch oder richtig gibt, aber leider auch kein Patentrezept.

Erzähl uns weiter, was Dich bewegt, was Dir weh tut und wie schlimm es für Dich ist. Das tut sicherlich gut und meistens ist auf unserer Insel hier jemand, der liest und antwortet.

Liebe Grüße Kranich

liebste
06.04.2007, 18:40
Hallo Kranich,
vielen Dank für Deine tröstenden Worte. Ich hoffe, ich kann bald besser mit der Situation umgehen, aber noch ist es schlimm.

Inaktiver User
06.04.2007, 18:46
Es ist auch einfach nur schlimm, Liebste. Trauer macht einsam und tut weh. Wir können Dich trösten, Dir die Hände reichen und Dir Hoffnung für die Zukunft geben. Den Schmerz muss jeder von uns mit sich selbst ausmachen.
Hast Du Familie oder Freunde, mit denen Du die nächsten Tage verbringst? Auch dazu solltest Du wissen, dass jeder Tag, den Du verbringst, Dich ein kleines Stückchen mehr heilt - egal wie Du den Tag verbringst. Im Moment geht es nur um Dich.

Kranich

liebste
07.04.2007, 07:28
Ich habe zwei Kinder (15 und 19), die mir etwas beistehen und die ja auch betroffen sind, aber jeder muss halt alleine und dann doch wieder zusammen damit klarkommen.
Das Loslassen macht mir am meisten Probleme und dann diese Innere Sperre, wenn es darum geht, alleine weiterzumachen. Immer kommen die Gedanken ich will aber nicht alleine, kann es nicht wieder so sein wie vorher? Warum?
Ich finde meinen Frieden einfach nicht. Es ist alles wirklich so anstrengend. Es kostet so viel Kraft.
Manchmal glaube ich, es einfach nicht schaffen zu können, aber es gibt wohl immer einen Weg.

Inaktiver User
07.04.2007, 08:38
Liebste, sei geduldig mit Dir. Du stehst doch vor einer für Dich völlig unerwareteten Situation, die Dein Leben völlig verändert. Erwarte nicht, dass Du nach so kurzer Zeit schon halbwegs gelassen wieder damit umgehen kannst. Sogar ein "einfacher" Liebeskummer braucht doch länger, um verschmerzt zu werden. Im Moment kannst Du auch einfach nur leiden und traurig sein. Versuche nicht, es zu verdrängen - die Trauer fordert seine Zeit. Und sich damit auseinanderzusetzen, dass Du alleine weitermachst, ist auch ein Prozess, der Zeit benötigt und nicht einfach von jetzt auch gleich hingenommen werden kann.
Kranich

liebste
07.04.2007, 13:44
Hallo Kranich,

wir zwei scheinen ganz alleine hier zu sein. Ich weiß schon, die Zeit. Ich hoffe auch, dass es jeden Tag ein kleines bisschen besser wird, aber in einem Buch hab ich gelesen, den Partner oder ein Kind zu verlieren, ist das schlimmste, was man erleben kann und wenn man da durchkommt, ist man ein großes Stück gewachsen (erwachsener). Wie konntest Du Dich denn überwinden, alles alleine zu tun, was ihr vorher gemeinsam getan habt? Überall sind doch die Erinnerungen und alles macht die Lücke immer noch bewußter. Es tut unendlich weh, so dass ich manchmal denke, es nicht mehr ertragen zu können.

Inaktiver User
07.04.2007, 18:06
Ich habe mich nicht dazu überwunden - mein Leben heute sieht in vielen Bereichen ganz anders aus als früher. Ich finde es sehr lebenswert und - wenn ich ehrlich bin - in Teilen auch besser. Mein Partner ist seit 5 1/2 Jahren tot und ich bin bis heute auch alleine geblieben. Ich kann mir aber seit einiger zeit vorstellen, mich wieder zu verlieben. Der Richtige war aber noch nicht da.

Ich habe mich damals einfach in meine Traurigkeit reinfallen lassen. Ich fand alles schrecklich und habe auch dementsprechend gelitten. Und mir brauchte niemand erzählen, dass es jemals besser wird. Ich habe viel über Tod und Sterben gelesen. Mir hat eine Trauerbegleiterin geholfen, die auch darauf geachtet hat, dass ich nicht ganz versinke. Und ich habe das, was wir früher zu zweit gemacht haben, nie wieder gemacht. Natürlich ist das tägliche Leben weitergegange, aber das, was nur uns 2 betraf, ist mir und ihm geblieben. Das konnten bei uns Restaurants sein, eine Wiese im Wald, eine Cocktailbar. Und ich habe viel geweint - mir hat das gut getan.

Ab wann es dann plötzlich wieder Licht gab, kann ich gar nicht sagen. Es schlich sich in mein Leben wieder ein. Gib Dir Zeit, Liebste, und besonders - nimm sie Dir ganz bewußt. Je mehr Du Deine Trauer beachtest, um so eher kommen auch die ersten kleinen Zeichen der Besserung.

Ich komme bestimmt heute abend nochmals wieder - also vielleicht bis später.

liebste
08.04.2007, 11:44
Hallo Kranich,
wir sind glaube ich doch die einzigen zur Zeit.
Du hast recht, es ist vielleicht vieles einfacher, wenn ich mir zugestehe, dass viele Dinge viel zu weh tun und es besser ist, manche Dinge einfach nicht mehr zu machen. Nur hab ich in mir so das Gefühl, alles schaffen zu müssen und dass es manchmal einfacher ist, sich zu stellen. Vielleicht muss ich mir dafür aber einfach doch die nötige Zeit lassen. Gerade am Anfang glaub ich, ist Deine Lösung besser und es muss bestimmt auch vieles geben, das nur für uns zwei war und auch so bleiben soll.

Es ist schön, dass es Dich gibt.
Bis bald

Inaktiver User
08.04.2007, 12:01
Weißt Du Liebste, jeder muss da natürlich seinen Weg finden. Mein Weg kann nicht Deiner sein. Vielleicht ähneln sie sich, aber wir sind unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Empfindungen.

Ich weiß aber, das auch mir damals viele gesagt haben, ich müsse stark sein, dürfe mich nicht zu sehr gehen lassen, ich wäre doch noch so jung und hätte noch so viel Leben vor mir. Und das ist vielleicht in der Theorie auch richtig, aber ich wollte es gar nicht hören. Alle meine Vorstellungen und Träume von meiner Zukunft waren ja bis zu dem Tag mit diesem einen Menschen verbunden. Durch dessen Tod war schlicht und einfach meine Zukunft, so wie ich sie gesehen hatte, auch gestorben. Ich mußte ja nicht nur mit dem Tod meines Partners klar kommen, sondern irgendwie war auch vieles von mir mitgestorben.

Mir ist damals relativ schnell die Kraft ausgegangen, mich gegen die Trauer und Verzweifelung aufzulehnen. er ist Anfang November gestorben, bis Mitte Januar habe ich versucht, zu kämpfen, nach vorne zu schauen. Dann konnte ich nicht mehr und habe mich einfach fallen lassen. Das war für meine Umgebung nicht nachvollziehbar, denn die dachte ja, ich hätte das Schlimmste überstanden.

Aber es war gut, dass ich nicht versucht habe, meiner Umgebung zu glauben. Als ich nicht mehr gekämpft habe, sondern wirklich nur noch getrauert und gezweifelt habe, kam ich relativ schnell ganz unten an. Und als alles schwarz und düster war, konnte ich wieder anfangen, mich an dem kleinsten Lichtstrahl zu freuen.

Bis später mal - ich schaue wieder vorbei.
Kranich

fuechsine
08.04.2007, 12:13
Nein, Ihr seid keineswegs die Einzigen, die heute morgen aktiv sind, Liebste.
Bei mir ist es nun 1 1/2 Jahre her, dass ich meinen Partner verloren habe und ich war über Monate nur fähig, zu weinen, aufzustehen, zu arbeiten und mich wieder zuhause zu verkriechen um weiter zu weinen. Im Nachhinein würde ich es als große, alles überschwappende Trauerwellen bezeichnen, aus denen ich nur mit Mühe zum Atemholen auftauchen konnte. Und ich habe monatelang nicht glauben können, dass es mal anders werden könnte.
Es geht mir immer noch nicht gut, weil ich die Richtung in meinem Leben verloren habe und drei Jahre vor dem Ende meines Arbeitsleben stehe - ziemlich trostlose Perspektiven, die ich noch nicht mit Neuem ersetzen kann. Wenn man jahrzehntelang Teil eines Paares war, muß man sich vermutlich neu zusammen setzen.
Die Kids zwingen Dich wahrscheinlich zum Weiterfunktionieren, was ja auch gut sein kann. Aber der Schmerz wird Dir den Atem rauben und es gibt keinen anderen guten Weg, als ihn zuzulassen.
Und er ist doch angemessen aufgrund der Ereignisse und des Verlustes??? Laß Dir nichts anderes weismachen und glaub nicht, Du müßtest schneller wieder funktionieren.
Viel Kraft und liebe Grüße:blumengabe:

liebste
08.04.2007, 17:22
Danke ihre beiden. Am allerschlimmsten empfinde diese Stille. Meine Schwiegermutter erzählte mir, sie ist mitten in der Nacht auf den Friedhof gelaufen und hat gesagt, hier kann ich dich nicht finden, daheim kann ich dich nicht finden, wo bist Du nur.
So geht es mir momentan auch. Es gibt so viele Fragen und keine Antworten mehr, noch nur grausames Schweigen.

Inaktiver User
08.04.2007, 19:31
gelöscht, weil doppelt

Inaktiver User
08.04.2007, 19:31
Fuechsine, Du hast es wunderbar beschrieben - man muss sich neu zusammensetzen. Das hat - glaube ich mit Alter, Lebenssituation, usw. - nichts zu tun. Ich war 43, mitten im Berufsleben, über 15 Jahre mit meinen Partner zusammen, aber durchaus auch gewohnt, vieles alleine zu machen. Ich habe es trotzdem genauso erlebt, wie Du es beschrieben hast. Die Perspektive aus Sicht von Trauernden ist immer düster.

Auch 1 1/2 Jahre sind da noch kein Masstab - jeder findet seinen Rythmus, und jede Geschwindigkeit ist richtig. Ich weiß, wo mein Partner ist -auf der anderen Seite des Mondes. Als wir das letzte Mal gesprochen haben, sagte er mir, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren, wenn wir den Mond anschauen. Mir helfen solche Bilder. Ich weiß noch, dass der Wind brauste als mein Großvater starb. Seit dem weiß ich auch, wo er ist - bei den Winden.

Kranich

Lillian2207
10.04.2007, 09:11
Hallo liebste,

ich kann alles so gut nachvollziehen was Du schreibst, ich bin auch so einsam und habe solche Sehnsucht, dass es mir oft den Atem nimmt. Nächsten Monat, am 2.05. ist mein Schatz ein Jahr tot..... so viele Tage und Stunden ohne Ihn, keine Wärme, keine Geborgenheit, nichts. Manchmal denke ich, ich bin wie ein Eiszapfen, eben war ich noch so glücklich, jetzt ist alles kalt. ABER, und das möchte ich Dir gerne schreiben: es gibt Lichtblicke. Ich habe mich irgendwann aufgerafft und wieder Dinge getan. Ich habe mich zum Beispiel auf der Arbeit wieder konzentrieren können, wo ich vorher nur funktioniert habe. Ich bin im Kino gewesen und konnte mir einen Film anschauen und auch lachen. Ich bin wieder mit Freuden unterwegs und es gibt Stunden, an denen ich nicht ständig an André denken muß. Natürlich hadere ich mit mir, ob ich das will, aber es scheint der Heilungsprozeß zu sein, der einfach irgendwann einsetzt und der eben kommen muß. Ich darf mich nicht davor verschließen, ich muß und lasse Ihn zu.

Ein Jahr ist fast rum, mein Gott so eine lange Zeit und doch so kurz wenn man trauert. Aber Kranich hat Recht: die Zeit heilt die Wunden, bei dem einen schneller, bei dem anderen langsamer. Aber sie heilt und sie hilft!!!! Ganz ehrlich!

Halte noch weiter durch, 7 Wochen sind doch noch keine Zeit! Bei mir hat alleine der Schock über Andrés Tod über einen Monat angehalten! Und noch Monate lang habe ich Rotz und Wasser geheult, jeden langen Tag. Lass Dich fallen, trauer so wie du willst! Du wirst es schaffen, ganz sicher. Auch wenn Du jetzt noch nicht glauben kannst, dass es irgendwann wieder gut werden könnte!

Ich drück Dich und wünsche Dir alles alles Gute!
Lillian2207

Inaktiver User
14.04.2007, 22:13
Hallo Liebste - wie geht es Dir? Lass mal was von Dir hören (lesen). Schweigen ist nicht gut - schreiben befreit, weil Du Dich in Ruhe mit Dir selbst beschäftigst.
Herzliche Grüße Kranich