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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossiertalk: Ungewollt kinderlos - offen darüber reden?



BRIGITTE Community-Team
05.04.2007, 13:58
Liebe Nutzerinnen und Nutzer,

das aktuelle BRIGITTE-Dossier (Heft 9, ab 11.4. am Kiosk) dreht sich um ungewollte Kinderlosigkeit. Mehr als jedes zehnte Paar in Deutschland wünscht sich vergeblich ein Kind. In Erscheinung treten diese Menschen nicht: Sie halten ihr Schicksal geheim, aus Scham, denn wer redet schon offen über seine Fruchtbarkeit?

Hier lesen Sie den ersten Teil (http://www.brigitte.de/frau/familie/dossier-kinderlos/)des Dossiers, und im Dossiertalk können Sie sich über das Thema austauschen.

Ihre
Redaktion Brigitte.de

Inaktiver User
08.04.2007, 09:54
warum geht es in solchen berichten eigentlich immer nur um paare? ich habe das so satt!!! was ist mit all denen, die generell nicht den passenden partner finden? einen partner, der überhaupt kinder will? und wie geht man als frau mit seiner ablaufenden zeit um? auf wievieles wäre man in einer beziehung bereit zu verzichten, wenn man dafür mutter sein dürfte? DAS wären auch mal interessante fragen gewesen. aber stattdessen dürfen wir wieder lesen, dass es in süddeutschland so konservativ ist und man schief angeschaut wird, wenn man x jahre nach der hochzeit immer noch kein kind "präsentiert" hat.

Chinaladen
10.04.2007, 18:33
Zudem kenne ich Frauen, die ungewollt kinderlos sind und dies auch ansprechen. Aber wahrscheinlich sind dies einfach sehr reife und stabile Persönlichkeiten, die keine abendfüllenden Tiraden daraus machen. Solche Gespräche finden normalerweise einfach in privatem Kreise statt, ohne grosses Publikum. Genau so sollte es auch sein.

Der ungeheure Drang mit allem und jedem in der Öffentlichkeit im Rampenlicht stehen zu wollen ist mir etwas suspekt.

Abgesehen davon bin ich die Platte "konservativer Süden" mehr als leid...

@Luci
Die ARD hatte mal einen Bericht über Frauen über 40, die genau dieses Problem hatten. Kinderwunsch, aber kein passender Partner in Sicht, der diesen Wunsch geteilt hätte.

Inaktiver User
10.04.2007, 18:45
Ich kann meinen Vorrednerinnen nur zustimmen: bei allem Mitgefühl für ungewollt Kinderlose finde ich, das ist ein besonderes Schicksal unter vielen, genau wie manche keinen Partner finden, oder chronisch krank sind, oder ihren Traumjob nicht machen können, können manche eben kein leibliches Kind bekommen und müssen sich somit von ihrer Vorstellung des perfekten Lebens verabschieden. Das ist traurig, aber so ist das Leben. Es gibt kein Recht auf irgendwas, nicht auf glückliche Partnerschaft, Gesundheit, Kind oder langes Leben.
Mir fällt auf, dass bei diesem Kinderwunsch-Thema die Dankbarkeit über eine stabile Partnerschaft oft völlig vergessen scheint.
Und vor allem meine ich, dass man sich eben öffnen muß und nicht erwarten kann, dass die Umwelt vor Mitgefühl zerfließt, wenn man selbst nicht zu seiner - unverschuldeten - Situation steht. Wieso nicht einfach sagen: Ja, ich hätte gerne ein Kind, aber es klappt nicht???
Wie gesagt, ich halte eine große Trauer für absolut legitim, das ist schließlich ein Lebensthema. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass das Leben kein Werbefilm ist, und nicht alle, die Kinder haben, deshalb automatisch besser dran sind!!!!!
Wer meint, er wäre nur dann glücklich, wenn Bedingung X erfüllt ist, verpaßt vielleicht damit das einzige Leben, das er hat...

betroffene
11.04.2007, 09:50
ehrlich gesagt - ich bin schon gar nicht mehr entsetzt, wenn ich solch vorverurteilungen lesen, denn wer ohne bedenken ein kind bekommt und es als das normalste der welt ansieht - der hat für uns betroffene kein mitgefühl und verständnis. das widerspiegelt nur die gesellschaftliche realität, mit der wir leben müssen. glück nehmen oft nur die in anspruch, die es als selbstverständlich ansehen.

ich kann den redakteuren nur meinen absoluten respekt zollen, mit welcher akribie sie recherchiert und betroffene gefunden haben. es sind unsere worte, unsere gefühle, die sich da wiederfinden. :blume:

natürlich haben wir kein recht auf ein kind, das hat keine mutter dieser welt, auch ihr nicht, die hier schreibt. aber wir haben ein recht auf ein glückliches selbstbewusstes leben, und wenn ein kind dazu zählt - das natürlichste der welt - das soll man einfach still sein und unser problem als solches akzeptieren. ich will mich nicht ständig rechtfertigen, warum wir ohne kind leben, dafür in der gesellschaft verurteilt und zur sog. verantwortung rangezogen werden.

wir wollen kein mitleid, aber ein wenig mitgefühl. hört uns doch einfach zu und verurteilt nicht gleich.

es mag sein, dass wir besessen sind von dem wunsch nach einem kind, dass es krank macht und schmerzhaft ist, damit leben zu müssen. aber jeder kranke wird behandelt - nur uns will man das moralisch nicht zugestehen. was kann ich dafür, dass mir vor jahren ein tumor am eierstock entfernt wurde und ich nur noch einen eilter habe, der auch noch verschlossen ist?! soll ich das eurer meinung nach einfach akzeptieren oder nicht wenigstens versuchen, die umgehungsstrasse mittels künstl. befruchtung zu beschreiten? wenn es nicht klappt, muss und werde ich es eh akzeptieren. in dem dossier geht es aber um die physischen und psychischen begleiterscheinungen ungewollt kinderloser frauen und männer - und nicht vordergründig um das leben danach. das ist wieder ein anderes kapitel.

gut finde ich trotzdem, dass über das thema diskutiert wird, denn noch immer ist es trotz so vieler betroffener paare und singles ein gesellschaftliches tabu.

danke an das brigitte-team. es ist seit langem der beste beitrag zu diesem thema.

:Sonne:

RatzUndRuebe
11.04.2007, 10:16
Liebe Brigitte-Redaktion,
allerhöchste Zeit, dass das Thema mal endlich in den Focus der Öffentlichkeit kommt. Es wird lauthals nach mehr Kindern geschrien, aber dass immer mehr Paare -wenn überhaupt- nur mit Hilfe der Reproduktionsmedizin Nachwuchs bekommen können, wird immer schön totgeschwiegen.
Es ist nach wie vor ein Tabuthema.
Ungewollt kinderlose Paare müssen sich ständig rechtfertigen und werden vom Staat obendrein noch "bestraft", indem sie auf dem Großteil der Behandlungskosten sitzenbleiben und höher besteuert werden als Familien.... als ob die Behandlungen nicht schon psychisch und physisch aufreibend genug wären...
Leider werden nämlich die ungewollt kinderlosen Paare mit den 'karriere-geilen Paaren ohne Kinder' oft über einen Kamm geschoren...umso schöner, dass das jetzt in der Brigitte mal thematisiert und klargestellt wird....wie gesagt, die Zahl der Paare, die Kinder wollen, aber keine bekommen können, wird immer grösser...fragen Sie mal in den KiWu-Zentren nach....die im übrigen auch wie Pilze aus dem Boden spriessen...nicht nur weil es besonders lukrativ ist (die Behandlungen sind sauteuer und leider gewähren die Krankenkassen bei max. 3 Versuchen einen Zuschuss von 50 %) sondern auch weil der Bedarf stetig wächst.
Totales Unverständnis herrscht also bei ungewollt kinderlosen Paaren, warum der Staat einerseits mehr Kinder will, andererseits aber die Betroffenen so im Regen stehen lässt (und das nicht nur bei den Kosten !).
Mehr Beiträge wie dieses Dossier und vielleicht lässt sich was bewegen ??

Zu meinen (ignoranten!) Vor-Rednerinnen nur soviel: klar ist das Leben kein Wunschkonzert, aber materielle Dinge kann man sich erarbeiten, für den Traum-Job kann ich ebenfalls frühzeitig entsprechende Weichen stellen, denn hier gilt: jeder ist seines Glückes Schmied, aber beim Kinderwunsch ist die Sachlage leider eine andere: da bestimmt einzig und allein die Natur, trotz Repro-Medizin.
DAS ist der kleine, aber feine Unterschied ! Aber genau gegen diese allgemeine Ignoranz müssen ungewollt kinderlose Paare ständig ankämpfen. Als wenn alles nicht schon traurig genug wäre....

Steinchen_77
11.04.2007, 10:39
Hallo,

jaja, nicht betroffen sein, aber eine vorgefertigte Meinung haben. Wer sich von unserem Problem belästigt fühlt, meint, unser Problem würde zu einer abendfüllenden Tirade werden, meint, wir würden in die Öffentlich drängen (wobei Sterilität von der WHO als Krankheit anerkannt ist), wer kein Verständnis hat, wenn medizinisch nachgeholfen wird - all diese Menschen möchte ich bitten, im Falle einer schweren Erkrankung, nennen wir sie einfach einmal Krebs, quasi stillschweigend ihr Los zu akzeptieren, sich keiner lebensrettenden oder -verlängernden Therapie zu unterziehen, bitte nicht zu jammern oder nach neuen Therapiewegen zu schreien. Keinen Aufruf für das eigene Kind zu starten, das vielleicht nur durch eine Plasma-Spende gerettet werden kann. Denn - ich zitiere eine meiner Vorrednerinnen: " Wer meint, er wäre nur dann glücklich, wenn Bedingung X erfüllt ist, verpaßt vielleicht damit das einzige Leben, das er hat..."... Diese Pauschal-Aussage kann man wunderbar auf Single-Frauen münzen, die mit 40 immernoch keinen Partner haben, auf Alleinerziehende, die wir laufend im Voyeur-TV bewundern dürfen, auf "Vielgebärende", die jammern, wenn sie nach 5 gesunden Kindern eine Fehlgeburt erleiden müssen.

Zu mir - mein Mann war an Krebs erkrankt, wir haben 5 Jahre auf die erste Schwangerschaft warten müssen, dieses Kind sehr tragisch verloren und hoffen und beten weiter. Für unsere Partnerschaft, für die Gesundheit meines Mannes - und für die Krönung unserer Liebe, die weit mehr Krisen aushalten musste, als viele Menschen in ihrem ganzen Leben erleiden.

Ich wünsche allen, die uns verurteilen, dass sie unser Los niemals ziehen werden... Und wenn doch - dann sprechen wir eh nochmal...


Das Steinchen

BRIGITTE Community-Team
11.04.2007, 11:56
noch ein Hinweis: bei www.ungewolltkinderlos.de (http://www.ungewolltkinderlos.de/)können Betroffene sich austaschen.

Viele Grüße, Ihre
Redaktion Brigitte.e

auch_betroffen
11.04.2007, 12:54
Vielen Dank für diesen Artikel!
Auch ich bin ungewollt kinderlos und nehme reproduktionsmedizinische Hilfe in Anspruch.

Eines jedoch hat mir nicht so gut gefallen: Es ist - zumindest bei mir - nicht so, dass ich mein "Schicksal aus Scham geheimhalte", sondern ich erzähle nichts von meiner Kinderwunsch-Behandlung aus Verletzbarkeit und Ärger, sprich aus schlechten Erfahrungen mit vorurteilsbehafteten und phrasenhaften Reaktionen der (uninformierten) Umwelt.

Nun hilft dieser Artikel ja vielleicht ein wenig dabei, die Umwelt zu informieren. :smirksmile:

Chinaladen
11.04.2007, 13:19
Ich glaube hier wurde sehr viel missverstanden.

Niemand verlangt von einem Paar, das sich Kinder wünscht, einfach achselzuckend weiterzumachen, wenn es nicht klappt. Und selbstverständlich ist es auch nicht wirklich fair, wenn die extrem hohen Kosten an diesen Paaren hängenbleiben, wo für Rüstung usw. Millionen zur Verfügung stehen.

Wenn meine Freundin die Tränen wegdrückt und zur anderen Strassenseite guckt, weil eine Schwangere auf uns zu kommt - mir bricht da jedesmal das Herz mit.

Ich weiss auch, dass so unsinnige Bemerkungen "vielleicht ist es ja so gewollt... blabla.." wirklich verboten gehören.

Allerdings bewundere ich die Frauen, die ich in dieser Situation persönlich kenne, für ihre innere Stärke und Kraft. Deshalb, und nur deshalb höre ich keine abendfüllenden Tiraden. Das übernehmen dann die Damen, die seit 5 Jahren von der Affaire ihres Mannes wissen und keinen Deut an der Beziehung ändern, dafür aber ihre Umwelt tyrannisieren. Das meinte ich.
Ich kenne nur Gespräche über die Problematik und die Gefühlswelt und ja, die Firma Tempo verdient mit.

Deshalb möchte ich das hier sofort relativieren. Ich bin nicht der Ansicht, dass kinderlose Paare sich in die Ecke stellen sollten und schämen oder sich in einem Tabu gefangen fühlen sollten. Mir persönlich war die Möglichkeit, das so zu sehen nicht einmal bewusst.

An gleicher Stelle möchte ich Bemerkungen wie: "Leider werden nämlich die ungewollt kinderlosen Paare mit den 'karriere-geilen Paaren ohne Kinder' oft über einen Kamm geschoren" als Beispiel ähnlichen Fehlverhaltens anführen.

Wir sind wieder quitt! :blumengabe:

RatzUndRuebe
11.04.2007, 13:23
:blumengabe: liebes Brigitte-Team,

Nix für ungut & Danke für den Hinweis auf www.ungewolltkinderlos.de, aber das beste Forum der Welt :zwinker: für Betroffene ist zweifelsohne www.wunschkinder.net

Dort findet ein äußerst reger Austausch statt & zwar durchaus auch heiter-beschwingt...

Liebe Grüße,
die RÜBE

Steinchen_77
11.04.2007, 13:53
@ Chinaladen: Vielen Dank für Deine Zeilen - juchu, jetzt heule ich... Die Geschichte mit der Straßenseite, ja, die kenne ich! :knatsch:

Wir waren nie unquitt, aber vielen Dank für Deine Worte. Ich gehöre auch zu denen, die sehr offen mit unserer Situation umgehen/umgegangen sind... Und ja, es gibt Ratschläge, die schlagen dem Faß locker den Boden aus... Wenn es jemanden interessiert, womit wir Kinderwünschlerinnen uns andauernd "rumschlagen" müssen und es dennoch mit einem Hauch Humor zwischen den Tränen nehmen... Gesammelte Ratschläge der Wunschkinder (http://www.wunschkinder.net/blog/2006/04/05/die-duemmsten-ratschlaege.html)

und ich muss RatzundRübe, hallo Süße, zustimmen - die beste Unterstützung gibts wirklich bei www.wunschkinder.net

Beste Grüße vom Steinchen

PS: Diese Ratschläge sind eben auch ein Grund, warum viele mit ihrer Behandlung hinter den Berg halten, denn dieses Dummgesabbel ist nur schwer zu ertragen...

knaddel
11.04.2007, 14:49
mein Mann und ich sind auch betroffen. ich kann allerdings sagen, dass ich mich nicht schäme, dass es nicht auf normalem Wege klappt und mir das auch nicht peinlich ist. Es kann ja keiner was dafür, wir nicht und auch die anderen nicht, bei denen es eben einfach so klappt. Unsere Freunde wissen darüber Bescheid (sicherlich unterschiedlich ausführlich) und ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht. Alle haben Verständnis und viele sind daren interessiert, wie es denn im einzelnen so abläuft mit der Behandlung. Es ist aber auch für uns nie alleiniges Thema gewesen, wenn die Sprache auf Kinder kam, bin ich offen und ehrlich damit umgegangen. Ich seh das so wie eine Vorrednerin, wenn ich Diabetes habe, lass ich mich ja auch behandeln. Meine Einstellung war immer, ich möchte es versucht haben, wenn es dann nicht geht, kann ich es leichter akzeptieren, denn es ist mir immer klargewesen, dass es im Leben nicht immer so läuft, wie man sich das vorstellt. Wir haben Glück gehabt und mittlerweile durch die erste ICSI einen Sohn von 18 Monaten, die zweite hat mit einer Fehlgeburt geendet und wir werden weiter versuchen, ein zweites Kind zu bekommen.

Ist jetzt lang geworden, sorry.
Gruss, Knaddel

braveGirl
11.04.2007, 15:06
Hallo an Alle,

wir sind auch eine betroffene (Kleinst-)Familie. Und wir finden es sehr, sehr gut, dass das Thema endlich mal wieder in der Öffentlichkeit auftaucht. Nach mehreren Monaten mit Hormonbehandlungen, einer erfolglosen ICSI und einer Fehlgeburt denken wir im Moment erneut darüber nach, wie wir "in der Öffentlichkeit" damit umgehen sollen.

Natürlich wissen unsere Familien und gute Freunde über die Situation Bescheid. Aber sogar hier haben wir im Umgang mit dem Thema "ungewollte Kinderlosigkeit" bzw. Reproduktionsmedizin meist eher negative Erfahrungen gemacht. Angefangen von den gut gemeinten Ratschlägen über Ignoranz bis hin zur Ablehnung sämtlicher Behandlungsmethoden war alles dabei.

Natürlich versucht der eine oder andere für unsere Situation Verständnis aufzubringen und dafür sind wir auch sehr dankbar. Aber wir haben schon das Gefühl, das dieses Gefühls-Chaos, welches die Behandlungen mit sich bringen, nur selber Betroffene nachvollziehen können.

Also noch mal großes Lob und herzlichen Dank an das Brigitte-Team für diesen Beitrag!

Liebe Grüße

BraveGirl

Geschafft
11.04.2007, 16:56
Danke, dass Sie dieses Thema aufnehmen. Viele sind von der ungewollten KInderlosigkeit betroffen - ich war eine von ihnen und ich bin Dank der ICSI Methode schwanger geworden.
Ich bin allerdings immer sehr offensiv mit dem Thema umgegangen. Jeder der es wissen wollte (oder auch nicht) wusste über meine Behandlungen bescheid!
Es ist ja nicht so, dass wir Betroffenen uns schämen müssten, jedes siebte Paar in Deutschland hat das gleiche Problem!
Und www.wunschkinder.net ist wirklich die ultimative Seite wenns um den unerfüllten Kinderwunsch geht!

diaz
12.04.2007, 12:34
Da stehen mir ja die Haare zu Berge, wenn ich lese, dass Frauen selbst auf andere ungewollt Kinderlose einhacken, sie als "karrieregeil" bezeichnen, Singles auf Paare eifersüchtig sind... und was uns alle dann doch verbindet, ist der Neid auf jene, die "einfach so" Kinder bekommen? Ist das alles??? Sind wir untereinander unsere größten Kritikerinnen? - Dann ist schon klar, warum nicht über Kinderlosigkeit offen gesprochen wird!

Schon mal darüber nachgedacht, dass es für Männer sicherlich keinen negativen Beigeschmack hat, wenn jemand "karrieregeil" (da sagt man aber "erfolgsorientiert"!!!) ist und obendrein auch noch Kinder haben will? Auch nicht, wenn man für die Umsetzung eines Herzenswunsches (egal ob künstliche Befruchtung oder Traumauto) viel Geld ausgeben muss! Im Gegenteil - das alles würde einen Mann eher attraktiver, interessanter machen. Bloß wir Frauen fühlen uns immer defizitär, ob es nur Dellen an den Oberschenkeln sind - pausenlos gibt es Anlässe uns selber kritisch zu überprüfen, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen - und dann auch gehässig gegen Geschlechtsgenossinnen zu werden.
Genau deshalb rede ich nicht gerne über das Thema Kinderlosigkeit!
Ich erwarte kein Mitgefühl, aber wenigstens so viel Respekt von einem Gesprächspartner, dass nicht meine gesamte Lebensleistung, alles was ich in den 20 Jahren nach dem Abitur getan habe, in die Kritik gerät und womöglich gerechtfertigt werden muss!
Mal ganz abgesehen davon, dass ich es noch nie so gesehen habe, dass ich nicht über meine Fruchtbarkeit sprechen wollte, sondern eigentlich nicht finde, dass mein Intimleben Gegenstand einer Plauderei sein könnte! Das hat uns bei Sex and the City amüsiert, aber ist es lustig, wenn drei Frauen beim Kaffee sitzen und die Spermaqualität ihrer potenziellen Nachwuchs-Erzeuger diskutieren? Möglicherweise muss ich dem Lebenspartner oder Gatten drei Tage später beim Brunch die Hand schütteln - will ich dann wissen, wie es in seinem Hoden aussieht????
Also ich will sagen, dass es eben nicht nur Scham, falsche Prüderie ist, den Themenbereich zu meiden - übrigens auch für die noch zu erwartenden Wunschkinder! Wie wäre es denn, wenn die Patentante mit leichtem Schwips zum Besten gibt: "Dich haben sie damals mit der Bechermethode gezeugt - hat die Mama dir das nicht erzählt?!"

Nein, viel schlimmer als im privaten nicht über Kinderlosigkeit zu sprechen, ist es für mich, ständig von der öffentlichen Debatte ausgeschlossen zu werden!
Ganz Deutschland schwafelt über Kinderbetreuung, ich bin selber Journalistin und hab das Thema x mal in Interviews "abgearbeitet" - aber garantiert kommt von (weiblichen!) Kollegen der Einwand, ich könne das sicher nicht so gut, weil ich ja selber keine Kinder habe!
Das kotzt mich mittlerweile so an - man traut mir zu über den Nahostkonflikt kompetente Interviews zu führen, obwohl ich weder Jüdin noch Palästinenserin bin - aber über Krippenplätze für unter Dreijährige nicht! Katholische Bischöfe dürfen die Debatte anheizen (obwohl sie zweifellos weiter vom Kinderkriegen entfernt sind als ich!) - ich soll als Kinderlose einfach Steuern zahlen und die Klappe halten?! Ich darf nicht mitreden, wenn in dieser Gesellschaft ganz lässig diskutiert wird, ob es die ursprüngliche Aufgabe der Frau ist, zu gebären?! Damit ist ja meine geschlechtliche Zugehörigkeit in Frage gestellt - bin ich dann etwa keine Frau, eben weil ich keine Kinder habe??? Und wieso fragt niemand zurück, ob ein Bischof dann überhaupt ein Mann ist??? Ich hatte gedacht, diese Themen hätte die Generation meiner Mutter abschließend debattiert - wieso lassen wir es zu, dass solche Thesen überhaupt wieder aufs Tablett kommen?

Egal, ob wir Kinder wollten, wünschten oder uns bewusst dagegen entschieden haben - es IST so, dass etwa 40% der gut ausgebildeten Frauen kinderlos sind. Wir sind keine kleine Randgruppe, die sich schamhaft verstecken und in Therapiegruppen flüchten sollte - wir haben diesen Staat gestützt, wir zahlen in die Rentenversicherung, wir sorgen dafür, dass die Finanzierung von Elterngeld einigermaßen hinhaut... und dafür erwarten wir keine Gegenleistung, stellen keine Ansprüche, erlauben uns keine öffentliche Vertretung (nicht mal die kinderlose Kanzlerin hat sich je für uns geäußert!), sondern schweigen betreten und schuldbewusst, weil wir das mit dem Kinderkriegen nicht auch noch geschafft haben!
Wir lassen es uns nicht nur gefallen, dass die Krankenkassen die Kosten der Kinderwunschbehandlung nicht (mehr) übernehmen, wir wehren uns auch nicht, wenn wir gegenüber Müttern schlechter gestellt sein sollen - ob in der Pflegeversicherung oder beim reformierten Scheidungsrecht. Das Schuldbewusstsein über dieses eigene "Versagen" geht so weit, dass wir unsichtbar werden und nicht mal von der Politik Gleichbehandlung fordern.

Ich will kein Mitleid - ich habe im Moment nur Angst, dass ich dann, wenn ich bis 67 gearbeitet habe und schließlich alt bin, mich nicht mehr selbständig versorgen kann, ins Vierbettzimmer vom Altenheim abgeschoben werde -weil ich auch dann noch zu den "geburtenstarken Jahrgängen" gehöre, von denen es viel zu viele gibt und die man dann nicht mehr braucht.
Nicht nur, dass ich dann keine KInder und keine Enkel habe, die mich besuchen - möglicherweise sind die etwas besseren Plätze auch da den Müttern vorbehalten??

Inaktiver User
12.04.2007, 12:42
ein toller beitrag, steinchen!:blumengabe:

Inaktiver User
12.04.2007, 12:57
ich soll als Kinderlose einfach Steuern zahlen und die Klappe halten?!
Das Schuldbewusstsein über dieses eigene "Versagen" geht so weit, dass wir unsichtbar werden und nicht mal von der Politik Gleichbehandlung fordern.

wir wehren uns auch nicht, wenn wir gegenüber Müttern schlechter gestellt sein sollen

möglicherweise sind die etwas besseren Plätze auch da den Müttern vorbehalten??


DAS ist es, was mich als alleinerziehende, berufstätige und nicht wenig Steuern zahlende Mutter von 3 Kindern wirklich wirklich WÜTEND macht:
ES WIRD NIEMAND FINANZIELL DAFÜR BESTRAFT, DASS ER KEINE KINDER HAT
Aber wer keine Kinder hat, egal wieso, ist doch wohl in der Lage, berufstätig zu sein und seine Steuern zu zahlen und eine Altersvorsorge aufzubauen. Wen Eltern vom Staat (wenig genug!!!!!) steuerlich entlastet werden, dann deswegen, weil man aufgrund der Kinder eben dazu nicht in gleichem Maße in der Lage ist. Es gibt genug Beispiele von Frauen, deren Kinder das x-fache an Sozialbeiträgen zahlen, als was sie an Rente für die Kindererziehung bekommen. DAS ist ein Skandal.
Die Vorstellung, der Staat solle einen Mitleidsbonus für ungewollt Kinderlose einführen, ist nun wirklich grotesk.
Ich fühle mit jedem, der kein Kind bekommen kann, und halte es auch für fragwürdig, dass Krankenkassen entsprechende Behandlungen nicht bezahlen.
Aber wer eine minimale finanzielle Anerkennung des Staates für Kindererziehung als unsoziale Benachteiligung von Kinderlosen ansieht, sollte sich mal über die finanzielle Situation von Eltern kundig machen. Nicht umsonst sind Kinder ein Armutsrisiko!!!!!!!

Allein schon wer einmal mit Kind/ern eine bezahlbare Wohnung gesucht hat, begreift schnell, wer hier für was bestraft wird!!!!

Ich respektiere Leute, die keine Kinder haben wollen genauso wie Menschen, die ungewollt kinderlos sind. Genauso will ich aber als Person, die das Glück hatte, ihre Wunschkinder zu bekommen, nicht als Sozialschmarotzerin dargestellt werden, die auf Kosten von ungewollt Kinderlosen den Staat ausnimmt!

Inaktiver User
12.04.2007, 13:03
doppelt

RatzUndRuebe
12.04.2007, 13:37
ES WIRD NIEMAND FINANZIELL DAFÜR BESTRAFT, DASS ER KEINE KINDER HAT

EBEN DOCH !

Leider müssen kinderlose Erwerbstätige einen höhen Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen als Familien und es wird hier kein Unterschied gemacht, ob ein Paar vielleicht schon zig-tausend-Euro in (erfolglose) Kinderwunschbehanlungen investiert hat oder nicht..das ist nur ein Punkt von vielen.

Manchmal ist es besser, sich vorher ausgiebig zu informieren, statt Unwahrheiten zu verbreiten ! Hätte vielleicht auch schon gereicht, das Brigitte-Dossier zu lesen !

Hier bewahrheitet sich mal wieder, dass die ganze Problematik eben nur schwer oder gar nicht nachvollziehbar ist für Personen, die nicht das Trauma der ungewollten Kinderlosigkeit durchleben müssen.

UND AUS DEM GRUND SCHWEIGEN BETROFFENE OFT LIEBER, STATT GEGEN EINE SOLCHE IGNORANZ ANZUKÄMPFEN !

Aber wie schrieb Steinchen schon oben "Man sieht sich immer zweimal" und wenn es denn dann mit den Enkelkindern nicht so "klappen" sollte, bekommen Sie, verehrte "eine wie keine", vielleicht einen etwas anderen Blick ....

Steinchen_77
12.04.2007, 14:30
Äh... Verzeihung... Reden wir hier über die "Gleichstellung von Familien und Nicht-Familien" - die im übrigen wirklich höher belastet werden, aber wir können es uns ja leisten, schließlich können wir ja arbeiten gehen... Ziemlich schwaches Argument, wenn Du mich fragst...


Es gibt genug Beispiele von Frauen, deren Kinder das x-fache an Sozialbeiträgen zahlen, als was sie an Rente für die Kindererziehung bekommen.
Habe ich in Sozialwirtschaft nicht aufgepasst oder ist das nicht das grundsätzliche Problem unseres Renten- und Sozialsystems? KEINER kriegt heute mehr das raus, was er eingezahlt hat. Weder die Eltern noch die Kinderlosen.

Oder geht es um das Thema Kinderlosigkeit???

Und bei ALLEM Respekt - nein, eine Mutter von 3 Kindern kann nicht mit einer Kinderlosen fühlen! Wie auch? Eine solches Mitgefühl - genau das ist es, was mich wütend macht, wenn auf der anderen Seite es wieder heißt: Ihr Kinderlosen, Ihr habt es doch viel besser als wir - Ihr könnt Karriere machen, Ihr könnt Euch die höheren Beiträge leisten, Ihr könnt Euch eine Altersvorsorge aufbauen.
Und daraus leitet sich die nächste Frage ab - will ich das? Will ich Karriere machen? Nein, ich könnte drauf verzichten, aber sitze ich sonst vielleicht eines Tages ohne beides da? Will ich mir eine Altersvorsorge aufbauen? Ja, sicher, aber ich könnte auch auf einen ziemlichen Teil verzichten von dem, was wir heute aufbauen.

Und ganz im Ernst - wenn ich mir manche Mädels ansehe, die ihre drei bis sechstausend Euro pro Jahr für Behandlungen ausgeben... Wo genau sollen wir da finanziell besser gestellt sein?

Wer 3 Kinder kriegt, hat sich aktiv dafür entschieden und darf heute bitte nicht jammern, dass die Welt so gemein ist zu ihm.

Und hier wird KEINER als Sozialschmarotzer dargestellt - es geht um die Gleichstellung von Familien und ungewollt Kinderlosen - oder soll uns das jetzt auch noch untersagt werden?

Diese "Vergleiche" verbitte ich mir!!! DAS ist es, warum wir nicht darüber sprechen, wenn wir uns mit solcher... solchen... solchen "Argumenten" auseinandersetzen müssen...

Inaktiver User
13.04.2007, 12:03
warum muss das hier eigentlich so entgleiten? :wie?:

wenn familien mit kindern steuerlich begünstigt werden, so geschieht das doch deshalb, weil sie diese kinder haben. wenn jemand nunmal KEINE kinder hat, warum sollte er dann steuerlich begünstigt werden? an dieser stelle darf zwischen gewollt und ungewollt kinderlos m.e. nicht unterschieden werden.

ich wäre dafür, dass der staat die behandlung von ungewollt kinderlosen finanziell mehr unterstützt. dies sollte man aber unabhängig von irgendwelchen steuern tun. diese finanzielle unterstützung müsste dann aber eigentlich auch singles bzw unverheirateten zustehen.

mit welchem hass hier von vielen argumentiert wird, ist schon erschreckend.

Inaktiver User
13.04.2007, 12:05
Und hier wird KEINER als Sozialschmarotzer dargestellt - es geht um die Gleichstellung von Familien und ungewollt Kinderlosen - oder soll uns das jetzt auch noch untersagt werden?

liebe steinchen,

was soll denn da gleichgestellt werden? ich verstehe nicht ganz, wie du das meinst.

lg
luci

Steinchen_77
13.04.2007, 14:07
Hallo Luci,

oh man, habe ich mich doof ausgedrückt... Gleichstellung... Klar, gleich stellen geht nicht, aber Eltern können nicht immer darauf rumreiten, dass sie dieses und jenes im Gegensatz zu Nicht-Eltern nicht können. Und im Gegenzuge argumentieren - "Ach Ihr, Ihr habts ja viel besser, weil ihr keine Kinder habt". Das ist mir zu pauschal und zu schwarz-weiß.

Sicher muss Familien ein finanzieller Vorteil entstehen, aber Kinderlose sind kein ewig schröpfbarer Haufen, bei denen man kassieren kann, denn sie haben ja die Zeit, das Geld zu verdienen... Egal ob für den höheren Soli, nun sollen wir auch noch für die Krippen-Plätze ins Boot geholt werden, die anteilige Beteiligung für die Änderung unseres "Zustandes"... Die kinderlosen Karrieregeilen könn's ja...

Hach, es wäre so einfach zu erklären, was ich meine, wenn Du mir gegenübersitzen würdest...

Hass - nein, ich denke nicht, dass es Hass ist, es ist nur ein wahnsinnig emotionales Thema (auf beiden Seiten) und oftmals fehlt schlichtweg das Hören der Tonalität.

:blumengabe: :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

Inaktiver User
13.04.2007, 15:41
warum muss das hier eigentlich so entgleiten? :wie?:

wenn familien mit kindern steuerlich begünstigt werden, so geschieht das doch deshalb, weil sie diese kinder haben. wenn jemand nunmal KEINE kinder hat, warum sollte er dann steuerlich begünstigt werden? an dieser stelle darf zwischen gewollt und ungewollt kinderlos m.e. nicht unterschieden werden.

Es geschieht vor allem deshalb, weil das Bundesverfassungsgericht mehrfach angemahnt hat, Familien nicht schlechter zu stellen, als Menschen ohne Kinder und bis heute sind die Forderungen der Verfassungsrichter nicht umgesetzt.

Also nicht beklagen, sondern begreifen, dass noch einiges für Menschen, die Kinder erziehen, getan werden muss.

Inaktiver User
13.04.2007, 17:54
Egal, ob wir Kinder wollten, wünschten oder uns bewusst dagegen entschieden haben - es IST so, dass etwa 40% der gut ausgebildeten Frauen kinderlos sind. Wir sind keine kleine Randgruppe, die sich schamhaft verstecken und in Therapiegruppen flüchten sollte - wir haben diesen Staat gestützt, wir zahlen in die Rentenversicherung, wir sorgen dafür, dass die Finanzierung von Elterngeld einigermaßen hinhaut... und dafür erwarten wir keine Gegenleistung, stellen keine Ansprüche, erlauben uns keine öffentliche Vertretung (nicht mal die kinderlose Kanzlerin hat sich je für uns geäußert!), sondern schweigen betreten und schuldbewusst, weil wir das mit dem Kinderkriegen nicht auch noch geschafft haben!




Danke für dieses Statement!

Inaktiver User
13.04.2007, 19:47
@Steinchen_77
"Äh... Verzeihung... Reden wir hier über die "Gleichstellung von Familien und Nicht-Familien" - die im übrigen wirklich höher belastet werden, aber wir können es uns ja leisten, schließlich können wir ja arbeiten gehen... Ziemlich schwaches Argument, wenn Du mich fragst..."
Du meinst also, Du wirst vom Staat bestraft, weil Du ungewollt kein Kind hast?? Wie sollte Deiner Ansicht nach der Staat denn darauf eingehen? Willst Du einen Kinderwunschfreibetrag oder was?? Also unrealistischer geht es ja nicht mehr. Auch (ungewollt) Verwitwete werden wieder als Single besteuert, ist doch anders gar nicht machbar!! Und auch als vielleicht gegen deinen Willen Verlassene/Geschiedene zählst Du wieder zu den Singles.


Steinchen_77"Und bei ALLEM Respekt - nein, eine Mutter von 3 Kindern kann nicht mit einer Kinderlosen fühlen! Wie auch? Eine solches Mitgefühl - genau das ist es, was mich wütend macht, wenn auf der anderen Seite es wieder heißt: Ihr Kinderlosen, Ihr habt es doch viel besser als wir - Ihr könnt Karriere machen, Ihr könnt Euch die höheren Beiträge leisten, Ihr könnt Euch eine Altersvorsorge aufbauen."

Was ich fühlen kann oder nicht, kannst Du glaub ich nicht nachvollziehen, willst Du auch offensichtlich nicht. Ich meine, gerade weil mir Kinder sehr wichtig waren, weiß ich, dass ich eben auch extrem darunter gelitten hätte und es schwer gefunden hätte, mein Leben als ebenso erfüllt anzusehen.

Ich frage mich, was Du eigentlich willst? Mitgefühl sprichst Du Müttern also grundsätzlich ab, aber wer meint, so schlimm ist das doch nicht mit der Kinderlosigkeit, tut dir wohl auch keinen
Gefallen.

Damit haben glaub ich viele, die nicht in der Situation sind, Schwierigkeiten! Dieses Selbstmitleid, was mit berechtigter Trauer (die man durchaus auch ausdrücken darf) nichts mehr zu tun hat, diese Einstellung, das Leid der Welt gepachtet zu haben und die durch nichts zu erschütternde Überzeugung, alle anderen hätten das schönste Leben, keine Sorgen, keine Krisen, keine Schmerzen, weil sie ja Kinder haben. DAS kann echt keiner nachvollziehen, da hast Du recht.

Sorry, das ist mir zu unreflektiert.


Steinchen_77 "Wer 3 Kinder kriegt, hat sich aktiv dafür entschieden und darf heute bitte nicht jammern, dass die Welt so gemein ist zu ihm."
Hab ich nicht und werd ich nicht: ich kann rechts und links schauen und sehen, was ich habe und nicht nur, was nicht...

Jasmin784
14.04.2007, 02:19
Sehr nette sehr einfühlsame Antwort,das muss man ihnen ja lassen...Ich bin selbst Mutter von 2 Kindern...aber Menschen die so verzweifelt versuchen ein Kind zu bekommen..Famielinplanung,Ursachen der Kinderlosigkeit,auch Verhütung...Paar und Familie sein ist in Deutschland Luxus ob verhütung oder Fortpflanzung...Aber Ihre Antwort so frei nach dem Motto,die Jammerlappen sollen uns nicht wieder auf den Wecker fallen...Sind sie von Ulla schmidt angagiert?Damit niemand auf die Idee Kommt,die Gesetz e überdenken zu wollen?Mfg Jasmin784

pibi
14.04.2007, 18:43
Hallo Frauen um die 40,

ich weiß nicht, ob dies der richtige Platz für meine Idee ist, aber ich versuche es einfach mal:

Wer sucht wie ich im Raum Berlin Gleichgesinnte zum Klönen, die (ungewollt) ohne Kinder leben und genug haben von Traurigkeit und "Ausgeschlossenfühlen"?

Freue mich über Nachrichten hier im Forum.

Lieben Gruß
pibi

Jo68
15.04.2007, 13:16
Hat eigentlich jemand hier das gesamte Dossier in der Brigitte gelesen oder bezieht Ihr Euch nur auf den Online-Artikel?

Letzterer ist gut, stimmt, aber das Dossier im Heft :gegen die wand:

Am schlimmsten fand ich das Interview mit der Autorin des Buches "Wenn die Seele nein sagt". Allein schon der Buchtitel! Die Seele also, aha. Klar, die Seele hat die Eileiter verklebt, nicht die unerkannte Infektion zu Teeniezeiten und nicht die Mumpserkrankung als Kleinkind hat den Mann unfruchtbar gemacht, nein es war die Seele. Dabei steht im ersten Artikel deutlich, dass bei 90% aller Paare ein konkreter, behandelbarer Grund für die Kinderlosigkeit gefunden wird.

Und weiter geht's: Sollten die ungewollt Kinderlosen durch eine Sterilitätsbehandlung doch Kinder bekommen, dann ist das natürlich nicht gut, denn plötzlich wollen sie sie doch nicht oder empfinden Mehrlinge (denen sie natürlich nicht gerecht werden - geht das eigentlich auch "natürlichen" Zwillingseltern so?) als Bestrafung. Außerdem sind sie nicht dankbar für ihre Kinder, sondern erwarten von diese Dankbarkeit, in die Welt gesetzt worden zu sein. Na, klar.

Richtig esoterisch wird's dann aber, wenn es heißt (nicht näher erläuterte) Traumanalysen von per IVF gezeugten Kindern hätten gezeigt, dass diese ein Bewusstsein für ihre "Geschwister im Eis" hätten. Diese "Geschwister" bestehen aus befruchteten Eizellen (es sind keine Embryos!). Wie sieht das denn bei natürlich entstandenen Kindern aus? Haben die auch ein Bewusstsein für all die befruchteten Eizellen, die sich nicht einnisten, weil Mama die Pille nimmt oder die Spirale trägt??? Wäre schließlich genauso logisch.

Einfach ein unglaublich idiotisches Interview, das mit der Realität herzlich wenig am Hut hat.

Steffi_HH
15.04.2007, 19:44
Liebe Jo,

Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe mir die Brigitte gekauft weil ich dachte, da stände eventuell was Geistreiches zum Thema drin, da ich den Artikel hier online ganz nett fand. Aber nachdem ich das Dossier gelesen hatte, war ich doch ziemlich enttäuscht.

Ich bin übrigens auch eine von denen, denen die Seele einen Eileiter verklebt hat - mithilfe einer Streptokokkeninfektion, die meine Ärztin zwar fand, ihre Sprechstundenhilfe mir aber nicht mitteilte. Die Spermien meines Mannes sind deformiert - wir haben schon versucht in Urlaub zu fahren und ein neues Auto zu kaufen, hat leider bisher noch nichts gebracht. Das ist nämlich das Schlimmste - diese dümmlichen Vorschläge. Jeder kennt auf einmal ein Paar, das sofort schwanger geworden ist, als es in Urlaub gefahren ist und mal ordentlich entspannt hat. Ich hätte es sehr schön gefunden, wenn das Dossier gezeigt hätte, wie unsensibel solche Aussagen sind. Statt dessen werden sie noch unterstützt.

@einewiekeine:
Du fragst, was Steinchen vom Staat will. Ich denke ein sinnvoller Ansatz wäre eine bessere Unterstützung in der Kinderwunschbehandlung. Die kostet z.B. bei uns (ICSI) ca. 2000 EUR Zuzahlung pro Versuch. Obwohl die WHO Kinderlosigkeit als Krankheit anerkennt. Obwohl der Staat Kinder will. Viele Paare können sich das nicht leisten.

Und Deine Aussagen hier
"Dieses Selbstmitleid, was mit berechtigter Trauer (die man durchaus auch ausdrücken darf) nichts mehr zu tun hat, diese Einstellung, das Leid der Welt gepachtet zu haben und die durch nichts zu erschütternde Überzeugung, alle anderen hätten das schönste Leben, keine Sorgen, keine Krisen, keine Schmerzen, weil sie ja Kinder haben. DAS kann echt keiner nachvollziehen, da hast Du recht."
finde ich etwas daneben. Wieviel berechtigte Trauer ist denn Deiner Meinung nach erlaubt? Eher so viel wie im Urlaub hats geregnet oder doch in Richtung oh, ich hab ne Beule ins Auto gefahren?

Inaktiver User
15.04.2007, 21:31
@ Steffi_HH



Wer 3 Kinder kriegt, hat sich aktiv dafür entschieden und darf heute bitte nicht jammern, dass die Welt so gemein ist zu ihm.


DAS meine ich damit. Ich habe als alleinerziehende berufstätige Frau eh das dolce vita, außerdem bin ich ja selbst schuld (an allem, von der ungenügenden steuerlichen Entlastung, der Betreuungssituation, dem Schulsystem, den nicht vorhandenen bezahlbaren Familienwohnungen etc), ich wollte es ja so???? Sich kein bisschen relativieren wollen und sehen, dass andere vielleicht auch nicht dauerglücklich sind, kein Mitgefühl für irgendwas. Das find ich schon sehr verbiestert. Das macht es einem schon schwer, Verständnis aufzubringen...

Zudem hab ich mehrfach versucht auszudrücken, dass ich eine große Verzweiflung wegen eines nicht erfüllten Kinderwunsches sehr gut verstehen kann, gerade weil es mir auch sehr wichtig war, Kinder zu haben: das ist angeblich unglaubwürdig. Aha, wenn ich also jemand bedauere, der Krebs hat, zählt das nicht, solange ich keinen habe???? Find ich schon ein bisschen merkwürdig, und führt halt nicht dazu, dass man sich versteht...

Die Kostenfrage ist wieder was anderes, ich hatte das jetzt nicht dem Staat zugeordnet, sondern den KK, halte es aber auch für nicht in Ordnung, weil ein Abbruch z.B. ja auch bezahlt wird!!! Da ist ja aber das ganze System in sich unsinnig. Hatte ich aber auch schon gesagt...

Inaktiver User
15.04.2007, 21:32
Letzterer ist gut, stimmt, aber das Dossier im Heft :gegen die wand:

Am schlimmsten fand ich das Interview mit der Autorin des Buches "Wenn die Seele nein sagt". Allein schon der Buchtitel! Die Seele also, aha. Klar, die Seele hat die Eileiter verklebt, nicht die unerkannte Infektion zu Teeniezeiten und nicht die Mumpserkrankung als Kleinkind hat den Mann unfruchtbar gemacht, nein es war die Seele.

Mir fällt dazu ein, dass es reihenweise Geschichten gibt, wo Frauen sich unbedingt Kinder gewünscht haben, sich behandeln liessen etc., es nie geklappt hat und dann, als der Kinderwunsch begraben war, sich die Kinder einstellten.

Was ich meine ist..... DAS HÖRT MAN. Und zwar immer wieder. Ob solche Geschichten wahr sind.... keine Ahnung. Ich selbst kenne mindestens zwei. Vielleicht kommt daher das Seelenmärchen.

Ich hab selbst zwei Kinder, zum ersten bin ich mehr so überraschend gekommen, beim zweiten mussten wir schon so 1,5 Jahren "üben".... Wenn ich versuche, mich in die Lage von Frauen zu versetzen, bei denen es eben NICHT klappt, dann gerate ich ehrlich gesagt in Grenzbereiche. Im ersten Gedanken würde ich sagen, warum gehen die Frauen nicht offen damit um. Beim Weiterdenken beginne ich die Problematiken zu verstehen. Und ich bekomme einen Hauch davon, wie dunkel dies sein kann.

Von mir ein :blumengabe: für alle, deren Herzenswunsch Kinder sind.

Ich finde, dass die Krankenkassen die Möglichkeit geben sollten, alles Nötige veranlassen zu können und wünschende Eltern nicht aus Kostengründen aufgeben müssen.

Die Krankenkassen finanzieren die Behandlung von so vielen "Krankheiten", für die die "Kranken" selber verantwortlich sind. Z.B. alles, was durchs Rauchen verursacht wird, die Alkoholfolgen, Unfälle durch Risikosportarten etc. Warum dann nicht die Behandlungen, um schwanger zu werden?

Inaktiver User
15.04.2007, 21:34
Die Kostenfrage ist wieder was anderes, ich hatte das jetzt nicht dem Staat zugeordnet, sondern den KK, halte es aber auch für nicht in Ordnung, weil ein Abbruch z.B. ja auch bezahlt wird!!! Da ist ja aber das ganze System in sich unsinnig. Hatte ich aber auch schon gesagt...

Soweit ich weiss, wird der Abbruch bezahlt, wenn nachweislich eine soziale Notlage besteht. Sollte diese bei einer Kinderwunschbehandlung nachweisbar sein, wäre es doch widersinnig, die Behandlung zu zahlen, denn wovon soll nachher das so entstandene Kind versorgt werden????

Da finde ich es schon sinnig, wenn man das selbst finanziert.

Inaktiver User
15.04.2007, 21:59
Nicht dass ich dafür wäre, dass Sozialhilfe-Empfänger 7 Kinder haben, ok, aber dass jemand GAR kein Kind haben darf, weil er momentan keinen Job/kein Geld hat?? Das ist ja nicht unbedingt der Ausdruck persönlichen Versagens heutzutage, meinst Du nicht? Und läßt daher auch keine Rückschlüsse zu auf die Elternqualitäten, nicht automatisch jedenfalls!
Irgendwie ist das ziemlich dünnes Eis...
Vielleicht wäre so jemand die tollste, liebevollste Mutter, da hätte der Staat doch gut investiert??
Also ich weiß nicht...

Steffi_HH
15.04.2007, 22:03
@einewiekeine:
ich glaube Dir, dass es nicht einfach ist, alleine drei Kinder aufzuziehen und ziehe auch meinen Hut davor. Ich denke, was Steinchen gemeint hat, ist einfach, dass Du entschieden hast, Kinder zu bekommen. Wir haben dagegen nicht entschieden, keine Kinder zu bekommen.

Die Kostenfrage ist soweit ich weiß der Gesetzeslage zu verdanken.

@gerrimee:
es gibt bestimmt auch Paare, wo es nach einiger Zeit doch klappt. Das sind dann aber schonmal sicher die mit verschlossenen Eileitern.
Ich habe mir aber auch schon mal überlegt, was ich meiner Umwelt erzählen würde, wenn eine Behandlung klappen würde. Würde ich die Wahrheit sagen und damit riskieren, dass meine Schwiegermutter meinem Kind erzählt, dass es "wider die Natur" ist?

@Vita:
für das Geld, das viele Paare in die entsprechende Behandlung stecken, könnte man ein Kind schon seeeeeeeeehr lange sehr gut über die Runden bringen.
Mit dem Abbruch gibt es übrigens noch eine nette Widersprüchlichkeit in unserem System: Man darf ja bis zum dritten Monat (oder wie lange?) abtreiben. Was man mit seinen befruchteten Eizellen machen darf, ist sehr viel strenger reglementiert.

Steffi_HH
15.04.2007, 22:03
sorry, war doppelt

Inaktiver User
15.04.2007, 22:26
@Vita:
für das Geld, das viele Paare in die entsprechende Behandlung stecken, könnte man ein Kind schon seeeeeeeeehr lange sehr gut über die Runden bringen.
Mit dem Abbruch gibt es übrigens noch eine nette Widersprüchlichkeit in unserem System: Man darf ja bis zum dritten Monat (oder wie lange?) abtreiben. Was man mit seinen befruchteten Eizellen machen darf, ist sehr viel strenger reglementiert.

Was heißt "viele"? Von welchen Zahlen sprichst Du? Die Kassen haben aufgrund ihrer gesetzlichen Verpflichtung viele Jahre sehr viel Geld für Kinderwunschbehandlungen aller Art gezahlt. Nun nach der Gesetzesänderung im Gesundheitsbereich, bei der vieles nicht mehr von der Gemeinschaft sondern vom einzelnen beglichen werden muss, zu behaupten, die Kassen seien schuld, ist unsinnig, denn diese halten sich lediglich an die Gesetze, denen sie verpflichtet sind.

Das was Du als Widersprüchlichkeit bezeichnest, hat zum einen verschiedene Rechtsgrundlagen und zum anderen sind es verschiedene Notlagen, um die es geht. In dem einen Fall muss sehr schnell gehandelt werden und in dem anderen besteht keine Notwendigkeit einer kurzfristigen Entscheidung.

Aber ich nehme an, die Diskussion ist dabei gerade zu entgleiten...

Inaktiver User
15.04.2007, 23:58
@vita

Ich glaube, hier mischen sich die Ebenen: was auf welcher Grundlage bezahlt wird oder nicht, ist sicher nicht das Thema.

Was für ungewollt Kinderlose aber sicher sehr schwer zu ertragen ist, dass einerseits - auch von Seiten des Staates - betont wird, dass wir mehr Kinder brauchen, andererseits aber diejenigen, die Kinder wollen und eben ein medizinisches Problem haben, so im Regen stehen gelassen werden. Und sich dann wahrscheinlich noch oft abholen können, was für Egoisten sie sind, weil sie doch keine Kinder haben.

Ich denke, hier treffen sich auch verschiedene Gruppen wieder, denn sind die angeblich vom Staat so erwünschten Kinder nun mal da, sind sie diesem auch wieder reichlich egal, siehe nur Armutsrisiko Kind.

Es wär schön, wenn es hier nicht nur Neid gäbe, sondern eine gewisse Solidarisierung bei dem Thema. Aber da träum ich wohl nur davon...

Inaktiver User
16.04.2007, 08:44
@vita

Ich glaube, hier mischen sich die Ebenen: was auf welcher Grundlage bezahlt wird oder nicht, ist sicher nicht das Thema.

Das wurde hier bereits öfter angeführt und es wurde geschrieben, dass die Kassen schuld wären. Da sie das nicht sind, sondern sie aufgrund von Regelungen aus Berlin zahlen oder eben nicht, schrieb ich das.


Was für ungewollt Kinderlose aber sicher sehr schwer zu ertragen ist, dass einerseits - auch von Seiten des Staates - betont wird, dass wir mehr Kinder brauchen, andererseits aber diejenigen, die Kinder wollen und eben ein medizinisches Problem haben, so im Regen stehen gelassen werden. Und sich dann wahrscheinlich noch oft abholen können, was für Egoisten sie sind, weil sie doch keine Kinder haben.

Da geht aber bei Dir auch einiges durcheinander. Zum einen die staatliche Kampagne für mehr Kinder, die es erst seit man dort vor Kurzem das Thema politisch entdeckte gibt.

Und zum anderen die individuell psychische Belastung der Paare, sofern sie denn ein medizinisches Problem haben.


Ich denke, hier treffen sich auch verschiedene Gruppen wieder, denn sind die angeblich vom Staat so erwünschten Kinder nun mal da, sind sie diesem auch wieder reichlich egal, siehe nur Armutsrisiko Kind.

Dass Kinder ein Armutsfaktor sind, hat im gesellschaftlichen Mittelfeld vor allem damit zu tun, dass Frauen in Deutschland nicht wie in anderen Industrienationen weiter arbeiten. Man kann, was mittlerweile viele Familien am eigenen Leib erfahren, nicht ein Gehalt wegfallen lassen und mehr Personen als zuvor davon ernähren, kleiden und bespaßen. Sollten wir in diesem Bereich beispielsweise unseren Nachbarn folgen, wäre dieses Thema nicht so präsent in den Medien, weil es schlicht vernachlässigenswert wäre, wie man am Beispiel der Nachbarn sehen kann.

Der Staat ist nicht dazu geeignet jedes Lebensrisiko abzufangen und in Zeiten klammer Kassen, die wir trotz anders lautender Bild-Zeitungsmeldungen weiterhin haben werden, wird er das wohl auch nicht mehr tun.


Es wär schön, wenn es hier nicht nur Neid gäbe, sondern eine gewisse Solidarisierung bei dem Thema. Aber da träum ich wohl nur davon...

Ich neide niemandem etwas. Was auch? Aber Solidarität in einem Bereich einzufordern, der auch in anderen Ländern Privatsache ist, bei gleichzeitigem Zurückfahren von anderen wesentlich bedrohlicheren gesundheitlichen Problemen, halte ich für überzogen.

vita

Inaktiver User
16.04.2007, 11:31
Dass Kinder ein Armutsfaktor sind, hat im gesellschaftlichen Mittelfeld vor allem damit zu tun, dass Frauen in Deutschland nicht wie in anderen Industrienationen weiter arbeiten. Man kann, was mittlerweile viele Familien am eigenen Leib erfahren, nicht ein Gehalt wegfallen lassen und mehr Personen als zuvor davon ernähren, kleiden und bespaßen. Sollten wir in diesem Bereich beispielsweise unseren Nachbarn folgen, wäre dieses Thema nicht so präsent in den Medien, weil es schlicht vernachlässigenswert wäre, wie man am Beispiel der Nachbarn sehen kann.

Naja. Sicherlich ist auch ein Fakt hier bei uns, dass es Millionen von Arbeitslosen gibt. Und dass man ab einem bestimmten Alter mit der dazugehörigen Qualifikation, nicht mehr vermittelbar ist. Und das liegt hier bei uns verdammt niedrig. Das "den Nachbarn folgen" schafft auch nicht mehr Arbeitsplätze.

Weiterhin verdienen hier manche Doppelverdiener in Geringverdienerjobs gerade mal soviel - wenn überhaupt - wie manch Gutverdiener alleine. Nur daran kann es also nicht liegen.

Eine Tatsache: ALLES, was Du mit Kindern machst, kostet viel viel Geld. Warum z.B. ist der Eintritt für Kinder z.B. in Freizeitparks nicht kostenlos? Geh mal mit zwei Kindern schwimmen. Am besten noch im Spassbad. Warum ist Kinderbetreuung nicht kostengünstig?

Die Rechnung Doppelverdiener = hohes Familieneinkommen geht nicht auf. Die Kosten dagegen sind für alle gleich. Urlaub in den Ferien? Eine Wohnung mit drei Kindern? Teuer.

Inaktiver User
16.04.2007, 11:38
Naja. Sicherlich ist auch ein Fakt hier bei uns, dass es Millionen von Arbeitslosen gibt. Und dass man ab einem bestimmten Alter mit der dazugehörigen Qualifikation, nicht mehr vermittelbar ist. Und das liegt hier bei uns verdammt niedrig. Das "den Nachbarn folgen" schafft auch nicht mehr Arbeitsplätze.

Um nicht vermittelbar zu sein, muss man zunächst einmal keinen Arbeitsplatz gehabt haben und dazu kommt es bei Frauen häufig, wenn sie aus dem Beruf aussteigen.


Weiterhin verdienen hier manche Doppelverdiener in Geringverdienerjobs gerade mal soviel - wenn überhaupt - wie manch Gutverdiener alleine. Nur daran kann es also nicht liegen.

Zwei Geringverdiener verdienen wohl immer noch mehr als einer. Was ist das nun für eine Logik?


Eine Tatsache: ALLES, was Du mit Kindern machst, kostet viel viel Geld. Warum z.B. ist der Eintritt für Kinder z.B. in Freizeitparks nicht kostenlos? Geh mal mit zwei Kindern schwimmen. Am besten noch im Spassbad. Warum ist Kinderbetreuung nicht kostengünstig?

Niemand muss mit Kindern in ein Spassbad oder einen Feizeipark oder ähnliches. Es gibt genug kostengünsige bis gratis zu erlebende schöne Dinge mit Kindern. Ich selbst bin darin ganz gut, die Zeit mit Kind ohne grossen Aufwand zu verbringen.

Und kostengünstig ist Kinderbetreuung mittlerweile, wenn Du mal schaust, was steuerlich in dem Bereich absetzbar ist. Sie ist allerdings nicht gratis.


Die Rechnung Doppelverdiener = hohes Familieneinkommen geht nicht auf. Die Kosten dagegen sind für alle gleich. Urlaub in den Ferien? Eine Wohnung mit drei Kindern? Teuer.

Es kommt bei Wohnungen immer noch auf die Ansprüche an und es gibt hier wie auch bei Freizeitgestaltung oder Urlaub vieles, was man mit Kindern gut leben kann, ohne in den Bereich der Armut zu kommen.

Ich sehe es bei mir und den Menschen, die ich in den Kita-Jahren meines Kindes traf und treffe, dass es mitnichten in Armut führt. Man kann lediglich nicht alles wahrnehmen, was angeboten wird und muss mehr beispielsweise auf Vereine zurückgreifen. Aber das ist doch kein Problem.

Jo68
16.04.2007, 11:47
Ich zitiere gleich mal zwei Artikel zur Antwort. Einmal diesen hier: http://www.zeit.de/2007/10/M-IVF?page=1 zum Thema Finanzierung der Sterilitätsbehandlung:

"80 Millionen Euro im Jahr sollen die Krankenkassen durch die Eigenbeteiligung der ungewollt Kinderlosen sparen. Doch die Rechnung geht nur kurzfristig auf. Denn die Zuzahlungen hatten nicht nur weniger Behandlungen zur Folge, sondern auch einen Einbruch bei den IVF-Geburten. Rund 8000 Kinder fehlen seitdem in Deutschland – und damit 8000 künftige Beitragszahler der Sozialkassen, die jährliche Neugeborenenzahl einer deutschen Großstadt. ...
Ob sich die familienpolitischen Initiativen wie Elterngeld, zusätzliche Krippenplätze oder mehr Teilzeitarbeit demografisch auszahlen, ist ungewiss. Die Rücknahme der finanziellen Belastungen für ungewollt kinderlose Paare aber würde sich sofort in den Geburtenraten niederschlagen.
...
Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen jedoch keine Bevölkerungspolitik. Sie dürfen nur die Behandlung von Krankheiten finanzieren. Dass ungewollte Kinderlosigkeit dazugehört, wird von den Krankenkassen bestritten. ... Was Sterilität von Krankheit unterscheiden soll, ist rätselhaft. Ihre Ursachen liegen sehr wohl in körperlichen Defiziten: verwachsene Eileiter, Hormonstörungen, fehlende Spermien. Die Weltgesundheitsorganisation definiert ungewollte Kinderlosigkeit deshalb als Krankheit.
Ist jemand nach deutschen Maßstäben krank, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nicht nur direkte Behandlungskosten, sie steht auch für die Linderung der Folgen einer Krankheit finanziell ein. Jede Reha-Behandlung folgt diesem Ziel. Ebenso üblich ist die Praxis, Schönheitsoperationen zu bezahlen, etwa bei stark abstehenden Ohren oder einer Hasenscharte. Beide körperlichen Makel verursachen ähnlich wie die Unfruchtbarkeit keine körperlichen Schmerzen, sie können für die Betroffenen aber sehr wohl psychisch quälend sein. Selbst Abtreibungen aufgrund sozialer Indikation werden aus öffentlichen Kassen bezahlt – obwohl niemand eine Schwangerschaft als Krankheit bezeichnen würde.

Insofern liegt der Verdacht nahe, dass hier eine Patientengruppe zur Kasse gebeten wird, von der aus Scham kein Protest zu erwarten ist."

Und dann diesen hier http://www.eltern.de/schwangerschaft_geburt/schwanger_werden/kinderwunsch.html?p=1 (sehr gut, um all die Mythen rund um das Thema aufzuklären), wegen des Mythos, dass man schwanger wird, sobald man es nicht mehr sein will:

"Fast jeder hat schon einmal von einem Paar gehört, das ein Kind adoptiert oder in Pflege genommen hat und daraufhin doch noch unerwartet schwanger wurde.
Daraus leiten Laien gern ab, dass es zum schwanger werden offenbar notwendig sei sich nicht zu fest darauf zu konzentrieren und den Wunsch nach einem Kind innerlich loszulassen.

Tatsächlich gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine "Fixierung" auf den Kinderwunsch, ein besonderes Beziehungsmuster oder auch der Abschied vom Kinderwunsch die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit erhöhen könnte.

Auch konnte keine Untersuchung einen Zusammenhang zwischen Adoption und Schwangerschaft nachweisen.


In Studien mit größeren Fallzahlen liegt die Schwangerschaftsrate bei Adoptiveltern nicht über der von Paaren nach Infertilitätsbehandlung.
In einer Studie betrug die Schwangerschaftsrate bei 133 Paaren, die ein Kind adoptiert hatten, 20 Prozent. Von den 400 Paaren der Kontrollgruppe, die kein Kind adoptiert hatten, wurden dagegen 66 Prozent schwanger.
In einer Untersuchung an 204 Kinderwunschpaaren an der Uniklinik Heidelberg hatten 32 Paare den Kinderwunsch aufgeben. Von ihnen war eine schwanger geworden, nachdem sie ein Pflegekind aufgenommen hatte.


"Mit Spontanschwangerschaften nach Adoption verhält es sich ähnlich wie mit Wunderheilungen nach Krebs:
Viele hoffen darauf, ihre Wahrscheinlichkeit ist aber äußerst gering. Sie liegt deutlich unter der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit durch eine fortpflanzungsmedizinische Behandlung", sagt Dr. Tewes Wischmann, Psychologe an der Kinderwunschsprechstunde der Universität Heidelberg. Er ergänzt: "Der Vorsatz, den Kinderwunsch aufzugeben, um zu einem Kind zu kommen, ist letztlich ein paradoxer Versuch, die unkontrollierbare und belastende Situation einer Fertilitätsstörung durch bewusste Aufgabe der Kontrolle doch noch positiv beeinflussen zu können.""

Jo68
16.04.2007, 11:57
PS: 'tschuldigung, dass das Posting so lang geworden ist und trotzdem habe ich noch was vergessen. In Österreich gibt's eine Stiftung, an die man sich zur Finanzierung der Fruchtbarkeitsbehandlung wenden kann. Das wäre doch auch ein gutes Modell für Deutschland, dann sind die Krankenkassen außen vor, die Betroffenen aber nicht mehr allein gelassen.

Smilla1958
16.04.2007, 12:01
@luci: Du sprichst mir aus der Seele! Irgendwie bekomme ich zunehmend den Eindruck, dass die Welt nur noch aus Paaren besteht - dabei sieht die Realitaet doch ganz anders aus. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

Inaktiver User
16.04.2007, 12:01
Um nicht vermittelbar zu sein, muss man zunächst einmal keinen Arbeitsplatz gehabt haben und dazu kommt es bei Frauen häufig, wenn sie aus dem Beruf aussteigen.

Stimmt. Es trifft aber immer häufiger auch Leute, die ihr Leben geplant haben, aber plötzlich der Arbeitgeber meint, er müsse rationalisieren. Heute sind in Essen Warnstreiks der Telekom-Mitarbeiter. Die Leute haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Allianz-Versicherung. Deutsche Bank. Das Wort "Stellenabbau" begleitet uns doch tagtäglich.

Um "nicht vermittelbar" zu sein musst Du einfach nur den Arbeitsplatz verlieren. Wie eine Freundin und Arbeitskollegin von mir. Keine Kinder, single. Branche: Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. Keine Stelle zu finden, da genug jüngere und daher tariflich geringer einzustufende auch sehr gute Kräfte im Angebot sind.




Zwei Geringverdiener verdienen wohl immer noch mehr als einer. Was ist das nun für eine Logik?

Aber zwei Geringverdiener verdienen weniger als ein Besserverdiener. Für die zwei stellt sich meist auch bei Kinderwunsch die Frage gar nicht, ob ausgesetzt oder Stunden reduziert werden können. Ich kenne Leute, die kommen gerade mal so über die Runden, schon ohne Kinder. Kommt jetzt noch ein Kind dazu... Oder es sind schon zwei da und plötzlich meldet sich ein drittes an. Dann reicht das Auto nicht mehr etc. pp.




Niemand muss mit Kindern in ein Spassbad oder einen Feizeipark oder ähnliches. Es gibt genug kostengünsige bis gratis zu erlebende schöne Dinge mit Kindern. Ich selbst bin darin ganz gut, die Zeit mit Kind ohne grossen Aufwand zu verbringen.

Es kommt bei Wohnungen immer noch auf die Ansprüche an und es gibt hier wie auch bei Freizeitgestaltung oder Urlaub vieles, was man mit Kindern gut leben kann, ohne in den Bereich der Armut zu kommen.

Hier stimme ich Dir allerdings 100 % zu. Der billigste Urlaub mit Kindern, den ich je gemacht habe, war gleichzeitig der allerschönste. Andererseits: Wir haben hier ein Spassbad direkt vor der Tür. Also muss ich einfach mit den Kindern dort mal hingehen. Bis jetzt war das kein Problem. Ich sehe aber ringsherum genug Leute, die sich ausrechnen, ob das Wetter wirklich so gut ist, um über 10 Euro Eintrittspreise für den Grugapark auszugeben.

Kinder lieben Kirmes. Geh mit dreien hin! Man kann nicht immer den Kindern alles verwehren. Hat man Lust auf ein Eis, so muss man sofort den Preis für x Personen berechnen. Kinder kosten Geld. Man kann diesen Faktor niedrig halten, aber er ist da.


Ich sehe es bei mir und den Menschen, die ich in den Kita-Jahren meines Kindes traf und treffe, dass es mitnichten in Armut führt. Man kann lediglich nicht alles wahrnehmen, was angeboten wird und muss mehr beispielsweise auf Vereine zurückgreifen. Aber das ist doch kein Problem.

Wie erklärst Du Dir dann die "Kinderarmut" in Deutschland? Ich glaube, ein Faktor dafür sind die scheiternden Ehen. Da werden dann auch Frauen mit hineingerissen, die vorher berufstätig waren, dies aber nur durch die Organisation mit dem Vater möglich war. Nicht immer geht das nahtlos weiter. Nicht alle Berufe sind mit den Kinderbetreuungszeiten kompatibel, so dass viele Getrennte da auf der Strecke bleiben.

Oft ist es auch ein simples Rechenexempel. Eine Frau, die allein mit zwei Kindern ist und wo der Vater sich aus dem Staub gemacht hat, bekommt ca. 1500 Euro AlG II. In einem Geringverdienerjob, der auch noch teilzeit ausgeübt wird, wird sie das nicht netto verdienen können.

Steinchen_77
16.04.2007, 12:08
Ich fände es wünschenswert, zur eigentlichen Diskussion zurück zu kehren!!!

Denn es geht diesmal nicht um Singles, Alleinerziehende, Finanzierbarkeit von Spaßbädern oder Wohnungen oder Urlauben, es geht um ungewollte Kinderlosigkeit...

Inaktiver User
16.04.2007, 12:37
PS: 'tschuldigung, dass das Posting so lang geworden ist und trotzdem habe ich noch was vergessen. In Österreich gibt's eine Stiftung, an die man sich zur Finanzierung der Fruchtbarkeitsbehandlung wenden kann. Das wäre doch auch ein gutes Modell für Deutschland, dann sind die Krankenkassen außen vor, die Betroffenen aber nicht mehr allein gelassen.

Das dürfte vor allem für die Fälle, bei denen kein gesundheitliches Problem vorhanden ist (siehe in dem Dossier Herr Brussig und seine Frau) ein guter Weg sein.

Inaktiver User
16.04.2007, 12:43
Wie erklärst Du Dir dann die "Kinderarmut" in Deutschland? Ich glaube, ein Faktor dafür sind die scheiternden Ehen. Da werden dann auch Frauen mit hineingerissen, die vorher berufstätig waren, dies aber nur durch die Organisation mit dem Vater möglich war. Nicht immer geht das nahtlos weiter. Nicht alle Berufe sind mit den Kinderbetreuungszeiten kompatibel, so dass viele Getrennte da auf der Strecke bleiben.

Kinderarmut in Deutschland bezieht sich vor allem auf Kinder von Hartz IV-Empfänger, die seit der Einführung dieser Zahlungen schlechter gestellt sind, als die früheren Sozialhilfeempfängerkinder.


Oft ist es auch ein simples Rechenexempel. Eine Frau, die allein mit zwei Kindern ist und wo der Vater sich aus dem Staub gemacht hat, bekommt ca. 1500 Euro AlG II. In einem Geringverdienerjob, der auch noch teilzeit ausgeübt wird, wird sie das nicht netto verdienen können.

Und was ist nun Deine Lösung? Weniger ALGII oder mehr Gehalt für wenig Stunden bei Teilzeit oder Vollfinanzierung des Staates der Kinder, wenn ein Elternteil ausfällt?

Ich sehe private Probleme, die zum Teil selbstverursacht und zum Teil strukturell bedingt sind, weiss aber nicht, wie man als Staat darauf reagieren könnte, ausser mit einer besseren Förderung der Betreuung, dass ein Elternteil auch allein die Kinder finanzieren können, wenn er denn alleine damit ist.

Inaktiver User
16.04.2007, 12:45
Ich fände es wünschenswert, zur eigentlichen Diskussion zurück zu kehren!!!

Denn es geht diesmal nicht um Singles, Alleinerziehende, Finanzierbarkeit von Spaßbädern oder Wohnungen oder Urlauben, es geht um ungewollte Kinderlosigkeit...

Und die Finazierung der medizinischen Abhilfe - wodurch wir darauf kamen.

Diskussionen und deren Themen haben oft mehrere Aspekte.

Steinchen_77
16.04.2007, 13:00
Sicherlich haben Themen oft mehrere Aspekte, aber es geht nicht darum, wie schlecht es anderen bei der Wohnungssuche geht oder wie man Familien entlastet...

Es geht um ungewollte Kinderlosigkeit!

Steinchen_77
16.04.2007, 13:02
In einem anderen Forum schreibt eine Userin, die heute erfahren hat, dass der 3. - der letzte - Versuch gescheitert ist, folgendes:

ich weiß nicht wie ich das alles überstehen soll, mein Hoffnung,die Angst und dieses Endlose Warten alles ist zu Ende!!!!
Ich warte nun auf meine FG.....mein HCG Wert ist von 35 auf 17 gefallen.....nun bin ich am Ende mit meiner Kraft und sehe keinen Sinn mehr.......
noch ein Versuch können wir uns nicht mehr leisten....die KK zahlt nicht mal mehr die 50%
Eben weiß ich nicht wo mir der Kopf steht, ich reiße mich ja schon zusammen.....ich fühle mich wie eine Versagerin.....die nicht mal ein Kind austragen kann
es kommen ganz komische Gedanken...ich weiß nicht mal was mit mir los ist...mein Körper heult und zittert....wie komme ich raus...aus dem was ich erstmal begreifen muss,dass ich wahrscheinlich nie mehr ein Kind zur Welt bringe...nie in unserem Haus Kinderlachen erklingt....Alles Sinnlos...wozu das alles und WARUM???
du musst nur die Zeitung aufschlagen, hier und da TOTE BABYS...warum das alles..es tut so weh....

DARUM geht es!

Inaktiver User
16.04.2007, 13:10
In einem anderen Forum schreibt eine Userin, die heute erfahren hat, dass der 3. - der letzte - Versuch gescheitert ist, folgendes:

ich weiß nicht wie ich das alles überstehen soll, mein Hoffnung,die Angst und dieses Endlose Warten alles ist zu Ende!!!!
Ich warte nun auf meine FG.....mein HCG Wert ist von 35 auf 17 gefallen.....nun bin ich am Ende mit meiner Kraft und sehe keinen Sinn mehr.......
noch ein Versuch können wir uns nicht mehr leisten....die KK zahlt nicht mal mehr die 50%
Eben weiß ich nicht wo mir der Kopf steht, ich reiße mich ja schon zusammen.....ich fühle mich wie eine Versagerin.....die nicht mal ein Kind austragen kann
es kommen ganz komische Gedanken...ich weiß nicht mal was mit mir los ist...mein Körper heult und zittert....wie komme ich raus...aus dem was ich erstmal begreifen muss,dass ich wahrscheinlich nie mehr ein Kind zur Welt bringe...nie in unserem Haus Kinderlachen erklingt....Alles Sinnlos...wozu das alles und WARUM???
du musst nur die Zeitung aufschlagen, hier und da TOTE BABYS...warum das alles..es tut so weh....

DARUM geht es!

Und dann? Die Zeitungen schreiben von sochen Dingen, weil sie passieren. Das Leben geht für viele Menschen anders weiter als für diese Frau, die ein private Tragödie erlebt und seit einigen Jahren mit der Hoffnung lebt, ein Kind auf diesem Weg zu bekommen.

Das ist aber ein Schicksal, das sie mit vielen teilt, denen Dinge passieren (Krankheit, Tod, Firmenpleite), die andere nicht nachvollziehen können.

pelzpfote
16.04.2007, 13:14
Sowohl beim Dossier als auch hier in der Diskussion fällt mir auf, dass nur ungewollt Kinderlose angesprochen werden, die das Problem dann mit Hilfe der modernen Medizin lösen wollen bzw. können.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von ungewollt Kinderlosen, die keine Aussicht auf eine Lösung ihres Problems haben, weil z. B. die Frau aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder bekommen kann bzw. darf.

Es ist schon angesprochen worden, aber ich denke, warum viele das Thema nicht offen ansprechen, liegt daran, dass tatsächlich oft die Meinung vorherrscht, dass jeder, der keine Kinder hat, das so will und dass auch unterschwellig oft zum Ausdruck kommt, dass doppelt verdienende Paare ohne Kinder ruhig mehr für die Gemeinschaft blechen sollen, weil sie sich ja schließlich ein tolles Leben machen, während sich diejenigen mit Kindern einschränken müssen.

Insofern finde ich es gut, dass das Thema in dem Dossier angesprochen wurde.

Inaktiver User
16.04.2007, 13:21
Sowohl beim Dossier als auch hier in der Diskussion fällt mir auf, dass nur ungewollt Kinderlose angesprochen werden, die das Problem dann mit Hilfe der modernen Medizin lösen wollen bzw. können.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von ungewollt Kinderlosen, die keine Aussicht auf eine Lösung ihres Problems haben, weil z. B. die Frau aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder bekommen kann bzw. darf.

Brussig und Frau scheinen die Medizin nicht mehr in Anspruch zu nehmen, wenn ich das richtig verstanden habe und sind von Berlins hippen Bezirk mit vielen Kinderwagen aufs Land gezogen.


Es ist schon angesprochen worden, aber ich denke, warum viele das Thema nicht offen ansprechen, liegt daran, dass tatsächlich oft die Meinung vorherrscht, dass jeder, der keine Kinder hat, das so will und dass auch unterschwellig oft zum Ausdruck kommt, dass doppelt verdienende Paare ohne Kinder ruhig mehr für die Gemeinschaft blechen sollen, weil sie sich ja schließlich ein tolles Leben machen, während sich diejenigen mit Kindern einschränken müssen.

Insofern finde ich es gut, dass das Thema in dem Dossier angesprochen wurde.

Dass das Thema angesprochen wird, finde ich auch gut, vor allem, weil ich den Umgang damit in der Familie über Jahre mitbekam und hierzu einiges an Gesprächen geführt habe. Es war nie im Verborgenen in der Familie.

Inaktiver User
16.04.2007, 13:39
@Pelzpfote


Es ist schon angesprochen worden, aber ich denke, warum viele das Thema nicht offen ansprechen, liegt daran, dass tatsächlich oft die Meinung vorherrscht, dass jeder, der keine Kinder hat, das so will

Gerade dann herrscht aber doch "Aufklärungsbedarf". Ich weiss nicht, wie man jemandem, der sich ein Kind wünscht, es aber warum auch immer nicht bekommen kann, etwas anderes entgegenbringen kann als Mitgefühl. Und ja, ich finde, die Krankenkassen sollten die Behandlung ruhig bezahlen, zahlen sie doch auch sogar die Kosten für "selbstverschuldete" Krankheiten oder auch Vorbeugemassnahmen.

Aber die "vorherrschende Meinung", von der Du gesprochen hast, resultiert nicht zuletzt daraus, dass einige Doppelverdiener, die bewusst kinderlos bleiben, gerne und oft - auch ungefragt - anderen ihre Möglichkeiten und ihren kinderlosen Lebensstandard unter die Nase reiben. Was immer auch wirklich nun dahintersteckt. Ich hab das selbst erlebt. Das geht soweit, dass dann sogar gesagt wird, "Du arme, was bin ich froh, dass jetzt zuhause nur noch den Fernseher einschalten muss" Situation: Kinder werden zu Bett gebracht, wollen aber nicht und heulen daher. Oder die Urlaubssituation: "WIR sind froh, dass wir nicht in den Ferien fahren müssen.... was wir da sparen!"

Vielleicht würde ein "offeneres" Umgehen mit der Situation ungewollten Kinderlosigkeit vielleicht sogar helfen, mehr Verständnis zu erzeugen.

Zu den "Sprüchen" und "Ratschlägen" ist ja schon einiges gesagt worden. Ich glaube allerdings, dass viele davon durchaus "gutgemeint" sind. So, wie man vielleicht aus Hilflosigkeit einem Krebskranken sagt "Das wird schon wieder".

Ich habe eine Frage an die ungewollt Kinderlosen: Wenn Ihr offen sprechen würdet.... welche Art von Reaktion von eurem Umfeld würdet Ihr euch denn wünschen?

pelzpfote
16.04.2007, 13:44
Brussig und Frau scheinen die Medizin nicht mehr in Anspruch zu nehmen, wenn ich das richtig verstanden habe und sind von Berlins hippen Bezirk mit vielen Kinderwagen aufs Land gezogen.
Ich meinte, dass es Leute gibt, die die Medizin nicht nur "nicht mehr" in Anspruch nehmen, sondern nie die Chance haben/hatten, sie in Anspruch nehmen zu können.

Ich glaube auch, dass es bei der Diskussion nicht darum gehen soll, dass (wieder) zwei Lager aufgebaut werden, von denen jedes beansprucht, das am meisten benachteiligte zu sein (mal überspitzt gesagt), und auch nicht, dass ungewollt Kinderlose besonders viel Mitleid haben möchten, sondern einfach nur, dass jemandem, der keine Kinder hat, nicht von vornherein "unterstellt" wird, dass er/sie das so gewollt hat und deswegen die Folgen gefälligst zu tragen habe, sondern dass man im Umgang untereinander ein bisschen sensibler wird und niemanden in eine Schublade steckt, ohne die Hintergründe zu kennen.

Ich habe eine Freundin in der Situation und es tut ihr schon sehr weh, wenn immer die Rede von "den Kinderlosen" ist, die ihren "Vorteil" ruhig mit Sondersteuern usw. ausgleichen sollen. Und dabei dann immer so getan wird, als bräuchten sie es halt bloß zu ändern.

Inaktiver User
16.04.2007, 13:51
Ich meinte, dass es Leute gibt, die die Medizin nicht nur "nicht mehr" in Anspruch nehmen, sondern nie die Chance haben/hatten, sie in Anspruch nehmen zu können.

Die findest Du, soweit ich weiss, vor allem in katholischen Kirchenkreisen, wo man diese Entscheidung nicht an die Medizin weiter gibt.


Ich glaube auch, dass es bei der Diskussion nicht darum gehen soll, dass (wieder) zwei Lager aufgebaut werden, von denen jedes beansprucht, das am mesiten benachteiligte zu sein (mal überspitzt gesagt), und auch nicht, dass ungewollt Kinderlose besonders viel Mitleid haben möchte, sondern einfach nur, dass jemandem, der keine Kinder hat, nicht von vornherein "unterstellt" wird, dass er/sie das so gewollt hat und deswegen die Folgen gefälligst zu tragen habe, sondern dass man im Umgang untereinander ein bisschen sensibler wird und niemanden in eine Schublade steckt, ohne die Hintergründe zu kennen.

Das mit dem Unterstellen liegt wohl oft auch an den Aussagen, die von Kinderlosen getroffen werden. Frage: "Ihr wart auf... im Urlaub?" "Bei uns ist das kein Problem. Wir haben schliesslich keine Kinder, die uns was kosten" Fast O-Ton einer ehemaligen Kollegin, von der ich viel später erfuhrt, dass sie gern Kinder gehabt hätte und in Behandlung war.

Was soll man da sonst unterstellen? Man kann immer nur so sensibel sein, wie der Mensch gegenüber das zulässt und ein Problem signalisiert.

Und einige meiner kinderlosen Bekannten und Freunde würden mir was husten, wenn ich ihnen ungewollte Kinderlosigkeit unterstellen und besonders sensibel vorgehen würde.

Wie soll man es denn Recht machen, wenn man keine Infos hat?


Ich habe eine Freundin in der Situation und es tut ihr schon sehr weh, wenn immer die Rede von "den Kinderlosen" ist, die ihren "Vorteil" ruhig mit Sondersteuern usw. ausgleichen sollen. Und dabei dann immer so getan wird, als bräuchten sie es halt bloß zu ändern.

Ich habe eine Frau mit ähnlichen Problemen in der Familie, wie ich bereits schrieb. Dass sie einen finanziellen Vorteil durch Nichterziehung von Kindern hat, ist einleuchtend und keine bösartige Unterstellung. Das besagt nicht, dass sie es ändern müssten, sondern lediglich, dass sie bestimmte Aufwendungen nicht haben.

Das wurde bei uns in den letzten Jahren auch sehr offen diskutiert.

pelzpfote
16.04.2007, 13:52
Aber die "vorherrschende Meinung", von der Du gesprochen hast, resultiert nicht zuletzt daraus, dass einige Doppelverdiener, die bewusst kinderlos bleiben, gerne und oft - auch ungefragt - anderen ihre Möglichkeiten und ihren kinderlosen Lebensstandard unter die Nase reiben.
Da hast du natürlich recht.

Ich denke auch, dass viele ungewollt Kinderlose deshalb schweigen, weil sie es entweder selbst (noch) nicht akzeptieren können und dann natürlich Probleme haben, darüber zu reden und auch, dass es (von vielen Seiten) als "Makel" angesehen wird, keine Kinder bekommen zu können.

pelzpfote
16.04.2007, 13:56
Die findest Du, soweit ich weiss, vor allem in katholischen Kirchenkreisen, wo man diese Entscheidung nicht an die Medizin weiter gibt.
Ich glaube, da hast du was missverstanden! :wie?: :wie?: :wie?: Was bitte hat das mit katholischen Kirchenkreisen zu tun, wenn eine Frau z. B. nach einer schweren Krankheit und zahlreichen Operationen keine Kinder bekommen darf, ohne ihre ohnehin schlechte Gesundheit zu gefährden bzw. wenn eine Totaloperation vorgenommen werden musste. Ohne Gebärmutter und Eierstöcke kann auch die moderne Medizin nicht helfen, oder gibt es da neuere Erkenntnisse?????????

Inaktiver User
16.04.2007, 14:01
Ich glaube, da hast du was missverstanden! :wie?: :wie?: :wie?: Was bitte hat das mit katholischen Kirchenkreisen zu tun, wenn eine Frau z. B. nach einer schweren Krankheit und zahlreichen Operationen keine Kinder bekommen darf, ohne ihre ohnehin schlechte Gesundheit zu gefährden bzw. wenn eine Totaloperation vorgenommen werden musste. Ohne Gebärmutter und Eierstöcke kann auch die moderne Medizin nicht helfen, oder gibt es da neuere Erkenntnisse?????????

Ich kenne zwei, bei denen bis heute nicht klar ist, wieso sie keine Kinder bekommen. Sie hätten sich in Kinderwunschbehandlung an der Uni begeben können und haben es auch überlegt.

Sie sagten aber, dass es mit ihrem Glauben nicht vereinbar sei und sie es aus diesem Grund nicht tun würden. Sie erzählten auch, dass es in der Gemeinde eine Gruppe von Menschen gäbe, die das ähnlich sehen.

Ohne Gebärmutter und Eierstöcke braucht man übrigens auch keine IVF mehr, ist also unsinnig, darauf hinzuweisen. Da würde, so mein Kenntnisstand nur Eispende und Leihmutter helfen und das scheint noch mal etwas anderes, als im Dossier zu lesen war.

pelzpfote
16.04.2007, 14:09
Auch wenn du zwei kennst, so heißt das noch lange nicht, dass das überall so ist.

Ich glaube wirklich, du hast mein Anfangspost nicht gelesen. Mir ging es darum darauf hinzuweisen, dass nicht alle ungewollt Kinderlosen die Möglichkeit haben, das Problem mit Hilfe der Medizin zu lösen. Nicht etwa, weil sie es aus welchen Gründen auch immer nicht wollen, sondern weil ihnen die Medizin nicht helfen kann, eben z. B. wenn eine Frau aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen darf, ohne selbst evtl. ihr Leben zu gefährden, bzw. wenn die entsprechenden Organe nicht mehr vorhanden sind.

Ich weiß übrigens schon, dass ohne Gebärmutter und Eierstöcke keine IVF möglich ist, es sollte eigentlich satirisch gemeint sein. :freches grinsen: Deine Antwort zeigt mir, dass du offensichtlich auch nicht weißt oder zur Kenntnis nehmen willst, dass ungewollte Kinderlosigkeit eben nicht immer durch IVF zu lösen ist - und genau darauf wollte ich hinweisen.

Inaktiver User
16.04.2007, 14:11
Auch wenn du zwei kennst, so heißt das noch lange nicht, dass das überall so ist.

Das habe ich nicht behauptet. Ich schrieb, dass ich sie in diesem Umfeld vermuten würde.


Ich glaube wirklich, du hast mein Anfangspost nicht gelesen. Mir ging es darum darauf hinzuweisen, dass nicht alle ungewollt Kinderlosen die Möglichkeit haben, das Problem mit Hilfe der Medizin zu lösen. Nicht etwa, weil sie es aus welchen Gründen auch immer nicht wollen, sondern weil ihnen die Medizin nicht helfen kann, eben z. B. wenn eine Frau aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen darf, ohne selbst evtl. ihr Leben zu gefährden, bzw. wenn die entsprechenden Organe nicht mehr vorhanden sind.

Hier ging es zwischenzeitlich um Finzierung von IVF und anderen Behandlungen und der Frage, wie man anderen in dieser Phase gegenüber tritt, wenn ich das richtig verstanden habe.


Ich weiß übrigens schon, dass ohne Gebärmutter und Eierstöcke keine IVF möglich ist, es sollte eigentlich satirisch gemeint sein. :freches grinsen: Deine Antwort zeigt mir, dass du offensichtlich auch nicht weißt oder zur Kenntnis nehmen willst, dass ungewollte Kinderlosigkeit eben nicht immer durch IVF zu lösen ist - und genau darauf wollte ich hinweisen.

Danke, für den satirischen Kunstgriff.

Ich weiss wohl, dass es nicht damit getan ist. In vielen Fällen ist das aber das Mittel der Wahl, weil es Erfolg verspricht.

pelzpfote
16.04.2007, 14:24
Jetzt zitiere ich mich mal ausnahmsweise selber.:zwinker:

Sowohl beim Dossier als auch hier in der Diskussion fällt mir auf, dass nur ungewollt Kinderlose angesprochen werden, die das Problem dann mit Hilfe der modernen Medizin lösen wollen bzw. können.
Ich bin heute erst auf diesen Thread gestoßen und da ist mir eben das oben Angesprochene aufgefallen. Auch wenn es zwischenzeitlich in erster Linie um die Finanzierung der IVF ging, dachte ich, dass es doch erlaubt ist, auch einen neuen Gedanken zu dem Thema einzubringen.

Und ich finde es nach wie vor schade, dass die ungewollte Kinderlosigkeit nur auf evtl. medizinisch lösbare Fälle beschränkt wird. Es ging doch in der Überschrift darum, ob man offen über das Problem reden soll. Und das gilt für alle Betroffenen - dachte ich zumindest. :peinlich:

Und ich meine, gerade für Menschen, die keine Aussicht auf irgendeine (medizinische) Hilfe haben, wiegt das Problem doch vielleicht noch schwerer.

Inaktiver User
16.04.2007, 14:37
Ich weiß nicht, ob man das immer so gewichten muss, wessen Leid jetzt schwerer wiegt??

Ich selbst kenne viele Frauen, die schlicht deswegen ungewollt kinderlos sind, weil sie nicht den richtigen Partner gefunden haben... Das Glück hat halt auch nicht jede, und: nein, es sind nicht Frauen, die mit völlig überzogenen Ansprüchen auf den Märchenprinzen gewartet haben (wie ihnen bis zum Überdruß unterstellt wird). Sicher haben sie kein körperliches Problem, aber sich von irgendeinem ONS schwängern lassen ist halt auch nicht die Lösung...

Aber egal, um was es geht: ohne selbst offen zu sein (was zugegebenermaßen Kraft und Mut verlangt) kann keine Nähe und kein Verständnis entstehen! Ich denke aber, es lohnt sich immer, es zu versuchen!

Inaktiver User
16.04.2007, 14:37
Und ich meine, gerade für Menschen, die keine Aussicht auf irgendeine (medizinische) Hilfe haben, wiegt das Problem doch vielleicht noch schwerer.

:blumengabe: Pelzpfote.

Du sagst es. Luci hat in ihrem ersten Posting z.B. Frauen angesprochen, deren Lebenssituation es einfach nicht zulässt, dass sie schwanger werden "können". Auch hier kenne ich sehr viele "Fälle". Z.B. meine Schwester. Mein Schwager wollte kein Kind. Immer waren die Finanzen der ausschlaggebende Faktor, warum es "jetzt gerade" nícht passe.

Oder Frauen, die einfach keinen passenden Partner für eine Familiengründung finden können.

"Schämen" die sich vielleicht noch viel mehr..... Und kann man nicht gerade "so etwas" noch viel schlechter dem Umfeld mitteilen????

Steinchen_77
16.04.2007, 14:44
Hallo Pelzpfote,

auf Deine Frage - Sensibilität anstelle von Phrasengekloppe würde uns/mir in den allermeisten Fällen schon reichen. Anstatt uns von dem wundervollen Gefühl des Elternseins stundenlang vorzuschwärmen, wäre ein interessiertes Auseinandersetzen mit unserer Situation auch nicht verkehrt.

Ja, wir waren offen und wir mussten uns rechtfertigen, dass wir kein Designerbaby wollen, dass uns das Geschlecht egal ist und dass wir uns auch kein zwangsläufig behindertest Kind "züchten"... Unsere Zurückhaltung heute, nicht mehr ganz so offen zu sein, resultiert aus dem gescheiterten Versuch der Offenheit!

Sätze nach meiner Fehlgeburt "Es ist wie es ist" - sind zwar richtig, aber nur wenig mitfühlend.

Auch der Hinweis "Seid doch froh, dass Ihr Euch habt" sind als solches wahr, dennoch sei uns gestatten, uns ein Kind zu wünschen und verzweifelt zu sein - erst weil es nicht geklappt hat, dann weil wir Sorge hatten, dass es aufgrund der Erkrankung nie klappen könnte und dann, weil wir dieses Wunschkind verloren habe.

Auch Diskussionen á la: "Wenn Frauen erst mit 37 Mutter werden, das ist doch widerlich, hätten sie auf die Karriere verzichtet, hätten sie schließlich früher Mutter werden können, aber dank der Emanzipation müssen Frauen ja immer alles wollen" - da platzt mir der Hals. Auf meine Nachfrage, wie er drauf käme, erhielt ich die Antwort: "Das denke ich mir". Mein Hinweis, dass diese Frauen es vielleicht schon seit Jahren versuchen, fand selbstverständlich kein Gehör.

Ein ernst gemeintes: "Es tut mir leid!" ist mir 1.000 mal lieber als "Wenn es lange nicht klappt, soll man an die Nordsee fahren".

Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, Verständnis für Kinderlose (behandelbar oder nicht) aufzubringen. Man müsste sich nur die Mühe machen, sich mit den Betroffenen zu beschäftigen.

Wir sind anfangs sehr offen mit dem Problem umgegangen, mittlerweile haben wir uns diesbezüglich reduziert, denn wir ärgern uns immer wieder über die dann folgenden Reaktionen. Also läßt man es irgendwann - das ist wie mit dem Backofen!


Das Steinchen

PS: Es ging bei meinem Zitat aus dem anderen Forum nicht um dieses "Einzelschicksal", sondern mehr um das, was sie schrieb - diese Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Selbstvorwürfe... Ich finde, das sagt so vieles aus...
Und ja, auch andere sind verzweifelt, hoffnungslos, ich weiß. Aber um die geht es hier gerade mal nicht.

pelzpfote
16.04.2007, 14:46
"Schämen" die sich vielleicht noch viel mehr..... Und kann man nicht gerade "so etwas" noch viel schlechter dem Umfeld mitteilen????
Ich glaube, so ist es tatsächlich. Und man sieht es ja hier im Forum: Wenn jemand über seine Probleme spricht, ganz gleich welche, gibt es immer gleich ganz "Superschlaue", die sie mit ihren Kommentaren "niedermachen" oder darauf hinweisen, wie toll sie gleiche oder ähnliche Situationen wuppen. :knatsch: Aber die gibt es eben auch im wirklichen Leben und da kann ich mir schon denken, dass man solche vermeintlichen "Schwachstellen" nicht gerne preisgibt.

Und ich denke auch, dass es viel damit zusammenhängt, wie weit man eine Situation selbst verarbeitet hat. So lange man selbst damit "kämpft", ist es für viele verdammt schwer, sich anderen zu öffnen. Das ist ja auch z. B. bei schwerer Krankheit (Krebs) oder Behinderung so.

Jo68
16.04.2007, 14:48
Das fand ich übrigens auch dämlich an dem Dossier, dass all die (doch sehr häufigen) Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit wegen fehlendem Partner oder einem "später, aber nicht jetzt"-Mannes und ähnlichem, nicht vorkamen. Und ich würde überhaupt keinen Unterschied machen, warum man ungewollt kinderlos ist und ganz bestimmt keine "Leid-Hitliste" erstellen.

Tja, die Offenheit. Das ist nicht so einfach. Wir waren nach zwei Jahren des Übens offen und haben Familie und Freunde eingeweiht und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber ich habe auch schon von anderen Betroffenen ganz anderes gehört. Von Sprüchen wie "soll ich mal vorbei kommen, wenn dein Mann es nicht bringt" oder dass unfruchtbare Frauen ja "taube Nüsse" sind bis zu den unglaublich nervigen Ratschlägen à la "fahrt doch mal in Urlaub". Ganz schlimm auch, wenn Außenstehende einem erzählen wollen, dass die Natur sich was dabei denkt - denn das heißt ja nichts anderes, als dass man es nicht wert ist, Eltern zu werden. Also, daher kann ich schon verstehen, dass manche nicht darüber sprechen wollen.

Ich würde mir aber eine offene Diskussion wünschen, sowohl im privaten Bereich, als auch in den Medien. Es ist doch seltsam, dass gerade dieses Thema in unserer ach so tabulosen Gesellschaft eben doch noch tabu ist.

Ach und wer hat gefragt, was die richtige Reaktion ist? Für mich war sie ein ehrliches (!) "Das tut mir aber leid" oder "das ist aber schade" oder "Was für ein Mist" oder ähnliches. Das hat mir eigentlich schon genügt, ich habe keine tollen Ratschläge oder Trost oder sonstwas erwartet.

Steinchen_77
16.04.2007, 14:51
Ach und wer hat gefragt, was die richtige Reaktion ist? Für mich war sie ein ehrliches (!) "Das tut mir aber leid" oder "das ist aber schade" oder "Was für ein Mist" oder ähnliches. Das hat mir eigentlich schon genügt, ich habe keine tollen Ratschläge oder Trost oder sonstwas erwartet.

:Sonne: Schön, zwei Betroffene, eine Meinung!

Vielen Dank!!! :blumengabe: :blumengabe: :blumengabe:

pelzpfote
16.04.2007, 15:03
Und ich würde überhaupt keinen Unterschied machen, warum man ungewollt kinderlos ist und ganz bestimmt keine "Leid-Hitliste" erstellen.
Das möchte ich auch nicht - um Gotteswillen. Ich finde auch, dass man keinen Unterschied machen sollte - eben deswegen hat es mich ja gestört, dass in dem Dossier und beim Talk in erster Linie nur die Paare angesprochen wurden, die es mit IVF (vergeblich) versuchen.

Steinchen_77
16.04.2007, 15:08
@ Pelzpfote: Da gebe ich Dir in einem gewissen Rahmen recht - aber es läßt sich nicht alles in einem Artikel abhandeln, dazu ist es zu komplex! Es gibt die Erfolgreichen und die Erfolglosen, die Erfolgreichen mit Partner und die Erfolglosen mit Partner, es gibt die Erfolgreichen ohne Partner und die Erfolglosen ohne Partner, es gibt die Erfolgreichen mittlerweile ohne Partner und die Erfolglosen mittlerweile ohne Partner, es gibt die, wo die Männer während der Behandlung die Biege machen und die Erfolgreichen nach 21 Versuchen, es gibt einen Abschied und Wunderschwangerschaften.

Hier ging es nunmal um die Paare mit Behandlung und ich denke, es ist dringend notwendig, dass wir uns öffentlich auch diesem Thema zuwenden - somit sei den Kinderwünschlerinnen auch dieser Raum zugestanden, denn sie finden erst seit kurzem und auch noch sehr spärlich Beachtung in der Öffentlichkeit.

Liebe Grüße


Steinchen

Inaktiver User
16.04.2007, 15:09
Das fand ich übrigens auch dämlich an dem Dossier, dass all die (doch sehr häufigen) Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit wegen fehlendem Partner oder einem "später, aber nicht jetzt"-Mannes und ähnlichem, nicht vorkamen. Und ich würde überhaupt keinen Unterschied machen, warum man ungewollt kinderlos ist und ganz bestimmt keine "Leid-Hitliste" erstellen.

Aber dieses Thema wurde in der Printausgabe sehr wohl angesprochen und für die "später, aber nicht jetzt"-Problematik gab es vor einiger Zeit mal einen langen Artikel in der Brigitte.


Ich würde mir aber eine offene Diskussion wünschen, sowohl im privaten Bereich, als auch in den Medien. Es ist doch seltsam, dass gerade dieses Thema in unserer ach so tabulosen Gesellschaft eben doch noch tabu ist.

Gerade in den Medien finde ich nicht, dass es tabuisiert wird. Dort gab es diverse Sendungen, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Ob Monalisa oder frautv, 37Grad oder andere. Es wurde oft schon genau über diese Problematik berichtet.

Zuletzt waren es vor allem Berichte, die sich mit der fehlenden Krankenkassenfinanzierung und den Folgen für die Betroffenen auseinander setzten.


Ach und wer hat gefragt, was die richtige Reaktion ist? Für mich war sie ein ehrliches (!) "Das tut mir aber leid" oder "das ist aber schade" oder "Was für ein Mist" oder ähnliches. Das hat mir eigentlich schon genügt, ich habe keine tollen Ratschläge oder Trost oder sonstwas erwartet.

Ich kann mir schon vorstellen, dass man das auch bekommt. Zumindest hat das meine Verwandte auch so erlebt. Genauso gut gab es aber auch unsensible oder übersensible Bemerkungen, die verletzten oder sie brüskierten.

Das ist aber das, was ich vorhin schrieb, dass man in jeder Ausnahmesituation oder besonderen Lebenssituation auf Menschen trifft, die damit umgehen können und wollen und auf die, die dies weder können noch wollen. Da stellt Kinderlosigkeit keine Ausnahme dar.

Jo68
16.04.2007, 15:19
Naja, ich fand es wurden in der Printausgabe halt diese extremen Fälle (Kind von einem Fremden und trotz Insemination eigentlich kein Kinderwunsch) dargestellt. Ich hätte mir stattdessen einen Artikel über alltäglichere Fälle gewünscht. Und genau das gilt auch für viele Medienberichte, die es sonst so gibt.

Du hast aber Recht, dass durch das Karlsruher Urteil in letzter Zeit relativ viel über dieses Thema berichtet wurde. Leider strotzen viele Artikel nur so vor Fehlern, was mich jedesmal wegen fehlender Recherche auf die Palme bringt. Aber Meike Dinklages Buch Zeugungsstreik beschreibt natürlich eine andere Seite des Problems.

Ich verstehe übrigens nicht, warum hier immer wieder betont wird, dass Kinderlosigkeit keine Ausnahme ist oder dass auch andere Probleme haben etc. Ja, natürlich, das ist doch klar. Es behauptet doch auch niemand, dass Kinderlosigkeit irgendwie schwerer wiegt als andere Schicksalsschläge oder dass es einzigartig ist. Warum also immer wieder diese Ermahnungen?

Inaktiver User
16.04.2007, 15:24
Ich verstehe übrigens nicht, warum hier immer wieder betont wird, dass Kinderlosigkeit keine Ausnahme ist oder dass auch andere Probleme haben etc. Ja, natürlich, das ist doch klar. Es behauptet doch auch niemand, dass Kinderlosigkeit irgendwie schwerer wiegt als andere Schicksalsschläge oder dass es einzigartig ist. Warum also immer wieder diese Ermahnungen?

Das war ich. Es ging mir darum, dass es viele Lebenssituationen gibt, in denen die Umwelt nicht adäquat (oftmals aufgrund mangelnder Information) reagiert.

Es ging mir nicht um ein Abwiegeln, weil ich es in der nächsten Umgebung mitbekommen habe, dass es (jedenfalls zeitweise) einer persönlichen Katastrophe nahe kommen kann.

Jo68
16.04.2007, 15:30
Nee, das warst nicht nur Du allein :blumengabe:

"Das war ich. Es ging mir darum, dass es viele Lebenssituationen gibt, in denen die Umwelt nicht adäquat (oftmals aufgrund mangelnder Information) reagiert."

Stimmt absolut! Genau das habe ich während meiner Kiwuzeit immer gedacht. Ich habe mich gefragt, wie es für Krebskranke sein muss oder für Menschen, die einen nahen Angehörigen verloren haben. Mit Trauer (egal weswegen) kann wohl kaum jemand umgehen.Ich kann jetzt sehr viel besser nachvollziehen, wie man in einer solchen Situation plötzlich ganz alleine dastehen kann.

Inaktiver User
16.04.2007, 15:38
Stimmt absolut! Genau das habe ich während meiner Kiwuzeit immer gedacht. Ich habe mich gefragt, wie es für Krebskranke sein muss oder für Menschen, die einen nahen Angehörigen verloren haben. Mit Trauer (egal weswegen) kann wohl kaum jemand umgehen.Ich kann jetzt sehr viel besser nachvollziehen, wie man in einer solchen Situation plötzlich ganz alleine dastehen kann.

Das glaub ich Dir unbesehen. :blumengabe: :Sonne:

Inaktiver User
27.04.2007, 10:02
Hallo,

irgendwie habe ich das Gefühl, dass man wohl fixiert ist ein Problem überall zu sehen, wenn man selber eines hat. Ich bin 43, sowohl partner- als auch kinderlos (ob ich welche bekommen kann, daran habe ich so meine Zweifel durch meine Hormonstörungen, aber da nie ein geeigneter Vater in Sicht war habe ich es nie darauf angelegt und im Grunde ist es auch nicht sonderlich wichtig, beides ist ok). Ich kann aber nicht sagen, dass man mich deswegen sonderlich ausgegrenzt oder unter Druck gesetzt hätte. Im Gegenteil, ungefähr die Hälfte meiner Freundinnen und Kolleginnen ist kinderlos, gewollt oder ungewollt. Aber auch die „ungewollten“ machen daraus keine Staatsaffäre, sondern leben ihr Leben souverän und ausgefüllt und nutzen dennoch die medizinischen Möglichkeiten. Dass es nicht schön ist, gewisse Lebensträume nicht erfüllen zu können, dass das manchmal sogar sehr schmerzhaft sein kann dies zu erkenne und sich neu zu orientieren ist klar und menschlich. Die Betroffenen haben dann auf jeden Fall mein Mitgefühl. Und es ist auch ok, wenn man die moderne Medizin nutzt. Aber ich wenn ich so lese beschleichen mich ganz andere Gedanken zum Thema:

Ich denke wenn man so wie die meisten hier und im Dossier beschrieben gradezu besessen davon ist, dass es nur EIN Lebenskonzept gibt, was glücklich macht und alle Träume erfüllt. Und dieses Konzept noch dazu darauf beruht, dass ein anderer Mensch – nämlich das Kind und der Partner, der dieses Kind irgendwie herzuzaubern hat – und nicht man selber die Verantwortung dafür übertragen bekommt, dass dieses Konzept funktioniert, dann läuft irgendwas gewaltig schief! Da wäre meiner Meinung nach eine Therapie sehr viel sinnvoller als Reproduktionsmedizin. Denn spätestens dann, wenn man den „richtigen“ Partner gefunden hat und irgendwie nach Jahren geschafft hat, das ersehnte Kind in die Welt zu setzen wird man irgendwann wohl geschockt realisieren müssen, dass damit NICHT die Bedürfnisse befriedigt sind, die im Hintergrund der Motor für den ganzen Reproduktions-Irrsinn (und das ist er – ich kenne mehrere Frauen, die durch die Hormone nach Jahren körperliche Wracks geworden sind) waren. Das was viele in Kindern zu bekommen hoffen, das findet man nur in sich selbst! Kein anderer Mensch kann einem das geben und in vielen Fällen bin ich sehr froh, dass die Kinder ausbleiben, denn alleine die Vorstellung mit was für einem Ballast solche Kinder aufwachsen würden macht mir angst. Es ist schon schlimm genug mit ansehen zu müssen, was die meisten „normalen“ Eltern mit ihren Kindern so anstellen und dass sich eh kaum einer Gedanken macht was es eigentlich heißt für ein Kind die Verantwortung zu übernehmen und zu erziehen statt zu verwahren.

Außerdem fehlt mir in der ganzen Diskussion folgendes: Es gibt Untersuchungen, wonach die zurückgehende Zeugungsmöglichkeiten bei Menschen und Tieren u.a. drauf beruhen, dass wir unsere Umwelt immer mehr mit künstlichen Hormonen überfrachten (aus der Pille, Tiermast usw.). Diese Stoffe bauen sich extrem langsam ab und gelangen über das Wasser in die Nahrungskette. Vielleicht wachen ja endlich ein paar mehr Menschen auf wenn sie merken, dass das, was sie mit der Umwelt und der Natur machen, wohl doch mal auf sie zurückfällt.

Und ganz nebenbei leidet diese Welt an Überbevölkerung und nicht am Gegenteil! Sich jetzt darauf zu berufen dass die Politik Druck ausübt auf die bösen Kinderlosen halte ich für arg oberflächlich. Die machen das nämlich nur um von den wirklichen Problemen und vor allem von der – unangenehmer – Lösung abzulenken. Wir haben von allem genug für alle, wir sind eins der reichsten Länder dieser Erde – und wie es verteilt wird, das liegt in der Hand jedes Einzelnen! Hört doch auf zu Jammern über die Politik sondern fangt an, euch selber, euer Verhalten und damit die Gesellschaft zu ändern. Dann wäre vielleicht auch die Frage, ob man ein leibliches Kind hat oder nicht nicht mehr so relevant, denn dann würde sich vielleicht jeder um die vorhandenen Kindern kümmern und sie nicht mehr als „Eigentum“ oder „Trophäen“ betrachten.

Liebe Grüße
Gabi

Inaktiver User
27.04.2007, 12:16
Hallo,

irgendwie habe ich das Gefühl, dass man wohl fixiert ist ein Problem überall zu sehen, wenn man selber eines hat. Ich bin 43, sowohl partner- als auch kinderlos (ob ich welche bekommen kann, daran habe ich so meine Zweifel durch meine Hormonstörungen, aber da nie ein geeigneter Vater in Sicht war habe ich es nie darauf angelegt und im Grunde ist es auch nicht sonderlich wichtig, beides ist ok). Ich kann aber nicht sagen, dass man mich deswegen sonderlich ausgegrenzt oder unter Druck gesetzt hätte. Im Gegenteil, ungefähr die Hälfte meiner Freundinnen und Kolleginnen ist kinderlos, gewollt oder ungewollt. Aber auch die „ungewollten“ machen daraus keine Staatsaffäre, sondern leben ihr Leben souverän und ausgefüllt und nutzen dennoch die medizinischen Möglichkeiten. Dass es nicht schön ist, gewisse Lebensträume nicht erfüllen zu können, dass das manchmal sogar sehr schmerzhaft sein kann dies zu erkenne und sich neu zu orientieren ist klar und menschlich. Die Betroffenen haben dann auf jeden Fall mein Mitgefühl. Und es ist auch ok, wenn man die moderne Medizin nutzt. Aber ich wenn ich so lese beschleichen mich ganz andere Gedanken zum Thema:

Ich denke wenn man so wie die meisten hier und im Dossier beschrieben gradezu besessen davon ist, dass es nur EIN Lebenskonzept gibt, was glücklich macht und alle Träume erfüllt. Und dieses Konzept noch dazu darauf beruht, dass ein anderer Mensch – nämlich das Kind und der Partner, der dieses Kind irgendwie herzuzaubern hat – und nicht man selber die Verantwortung dafür übertragen bekommt, dass dieses Konzept funktioniert, dann läuft irgendwas gewaltig schief! Da wäre meiner Meinung nach eine Therapie sehr viel sinnvoller als Reproduktionsmedizin. Denn spätestens dann, wenn man den „richtigen“ Partner gefunden hat und irgendwie nach Jahren geschafft hat, das ersehnte Kind in die Welt zu setzen wird man irgendwann wohl geschockt realisieren müssen, dass damit NICHT die Bedürfnisse befriedigt sind, die im Hintergrund der Motor für den ganzen Reproduktions-Irrsinn (und das ist er – ich kenne mehrere Frauen, die durch die Hormone nach Jahren körperliche Wracks geworden sind) waren. Das was viele in Kindern zu bekommen hoffen, das findet man nur in sich selbst! Kein anderer Mensch kann einem das geben und in vielen Fällen bin ich sehr froh, dass die Kinder ausbleiben, denn alleine die Vorstellung mit was für einem Ballast solche Kinder aufwachsen würden macht mir angst. Es ist schon schlimm genug mit ansehen zu müssen, was die meisten „normalen“ Eltern mit ihren Kindern so anstellen und dass sich eh kaum einer Gedanken macht was es eigentlich heißt für ein Kind die Verantwortung zu übernehmen und zu erziehen statt zu verwahren.



100% Zustimmung. Und ich bin froh, dass das eine Kinderlose sagt, weil ich als Mutter das ja nicht darf :smirksmile:

Petrapetra
27.04.2007, 14:33
Naja, ich fand es wurden in der Printausgabe halt diese extremen Fälle (Kind von einem Fremden und trotz Insemination eigentlich kein Kinderwunsch) dargestellt. Ich hätte mir stattdessen einen Artikel über alltäglichere Fälle gewünscht. Und genau das gilt auch für viele Medienberichte, die es sonst so gibt.


Genau! Ich habe mich am meisten über den Artikel
über die Frau, die von einem Fremden über
Insemination ein Kind bekam aufgeregt. Was
sollte dieser extreme Fall von diesem miesen Schwein, den eine Kinderwunschfrau als Erzeuger akzeptiert in der BRIGITTE? Soll das eine Warnung sein für die Ehefrauen, die kein Kind bekommen
können? Oder ein Tipp für Singlefrauen mit
Kinderwunsch? Jedenfalls völlig daneben.

Den Artikel über die Ängste in der Schwangerschaft
fand ich dann wieder sehr gut und zutreffend.
Mutig, auch mal diese Seite zu zeigen anstatt
die Schwangerschaft als Ende gut-alles gut
darzustellen.

Grüsse,
Petra

schnuckibaerche
01.05.2007, 13:21
Liebe Nutzerinnen und Nutzer,

das aktuelle BRIGITTE-Dossier (Heft 9, ab 11.4. am Kiosk) dreht sich um ungewollte Kinderlosigkeit. Mehr als jedes zehnte Paar in Deutschland wünscht sich vergeblich ein Kind. In Erscheinung treten diese Menschen nicht: Sie halten ihr Schicksal geheim, aus Scham, denn wer redet schon offen über seine Fruchtbarkeit?

Hier lesen Sie den ersten Teil (http://www.brigitte.de/frau/familie/dossier-kinderlos/)des Dossiers, und im Dossiertalk können Sie sich über das Thema austauschen.

Ihre
Redaktion Brigitte.de
Hallo Brigitte-Team,

mein Mann und ich gehören auch zu den ungewollt kinderlosen Ehepaaren. Wir sind zwischenzeitlich 48 und 58 Jahre alt und haben uns damit abgefunden. Nach einer Eileiterschwangerschaft, durchblasen der Eileiter und ich weis nicht wie vielen Hormonbehandlungen kam eines Tages der Moment wo es einfach gereicht hat. Mein damaliger Frauenarzt hat mich gefragt ob wir weitermachen sollen oder auf die Natur vertrauen. Ich war ihm damals und bin es heute noch dankbar dafür, daß er die ganze Situation entspannt hatte. Heute rege ich mich regelmäßig auf, wenn die Politiker wieder die Diskussion anfachen, jetzt müssen die Kinderlosen Ehepaare zur Kasse gebeten werden. Heute habe ich meinen Frieden gefunden. Ich kann mich aber noch sehr gut an die Zeit erinnern, wo im Freundeskreis die Babys kamen und ich nur mit Mühe die Babys in den Arm nehmen konnte. Wenn wir dann erzählten, wo wir unseren Urlaub verbringen, da kamen dann so antworten wie, unser Urlaub liegt im Kinderzimmer, oder unser PC liegt im Kinderzimmer, diese Liste kann man endlos weiterführen. Ich werde auch den Tag nie vergessen, als mein Mann mich am Samstag morgen in die Frauenklinik des Roten Kreuzes in München brachte und abends der Oberarzt kam und eine Notoperation veranlasste. Es war der 10.06.1989. Wenn ich heute die Kinder unserer Freunde (geboren zwischen 1988 und 1989) beoachte, dann denke ich natürlich daran wie sein könnte. Diese Momente halten immer nur kurz an. Mein Mann und ich haben unseren Frieden gefunden. Wir genießen mittlerweile unser Leben ohne Kinder. Viele Grüße eine Leserin

maryleen
16.05.2007, 17:37
Hallo,
ich bin auch "Betroffene" und habe die Zeitung wegen des Titels gekauft. Es ist ein Thema, das immer wieder mal auftaucht, aber in meiner Wahrnehmung bin ich als Kinderlose eine ziemliche Minderheit. Ich bin ungewollt kinderlos und alle meine Freundinnen, obwohl Akademikerinnen, haben mittlerweile Kinder. Das heißt, wenn ich eigentlich mal was nettes machen will, um zu entspannen, bin ich irgendwie wieder gleich mit dem Thema konfrontiert. Irgendwie sind wir umgeben von Kindern, zwar schön, aber auch schwierig. Mein Mann will übrigens noch mehr ein Kind wie ich - das ist glaube ich auch ziemlich selten - und drängt mich zur künstlichen Befruchtung, zu der wir aber gar nicht kommen, weil die Hormone verrückt spielen.
Ich fühle mich manchmal sehr einsam und unverstanden, auch wenn alle meine Freundinnen und Familie sehr lieb und verständnisvoll sind. Keine dummen Sprüche! Im großen und ganzen.
Es kostet viel Kraft, mit dieser Situation umzugehen. Wir sind seit ca. vier Jahren dabei und ich bin andauernd beim Arzt, obwohl ich ja eigentlich - zum Glück - gesund bin.
Ich weiß auch, dass es schlimmeres gibt und manchmal freue ich mich auch über meine Unabhängigkeit und meine relativ gute finanzielle Situation, aber ich denke, dass Problem ist, dass Kinderlosigkeit von Fremden ganz unterschiedlich wahrgenommen wird. Kinderlosigkeit ist zunächst wertfrei, sie kann ja auch gewünscht sein. Sie wird auch oft mit Partys, Juppies und Traumreisen gleichgesetzt oder halt eben mit sozialem Schmarotzertum oder Egoismus, Verantwortungslosigkeit etc. Das es auch eine sehr schmerzhafte Sache sein kann, wird nicht wahrgenommen. Meines Erachtens ist es wichtig, dass wir die unterschiedlichen Lebensformen - freiwillig oder zwangsweise gewählt - nicht gegeneinander ausspielen.!!!!

Liebe Grüße
Maryleen

Trudchen
06.07.2007, 14:21
Eigentlich wollte ich direkt nach dem Erscheinen des Dossiers schreiben, nun aber bin ich ganz froh, dass ich es nicht getan habe, denn so hatte ich Gelegenheit, mich erst mal durch die vielen vielen Beiträge zu wuscheln und damit zu sehen, dass doch schon vieles gesagt worden ist. Dennoch ein paar Worte dazu: wir haben 2 ICSI-Behandlungen hinter uns, die angesichts des notwendigen Extremeinsatzes von Medikamenten mehr als belastend waren. Wir haben uns damals gesagt, wir erzählen nichts während der Behandlung, um uns nicht zusätzlich unter Druck setzten zu lassen - was ein großer Fehler war, denn so haben wir erst dann erzählt, als beide Behandlungen erfolglos blieben und hätten die Unterstützung doch auch während der Behandlungen dringend nötig gehabt.
Seither rede ich offen darüber, dass ich ungewollt kinderlos bin - und mache damit gute Erfahrungen. Denn viele dachten, wir hätten uns - beide erfolgreich in unseren Berufen - bewusst gegen Kinder entschieden und sind dann manchmal etwas perplex, dass das "Karrierepaar" eigentlich ganz andere Ziele hatte... Diese schwarz-weiß-Stempelei ging und geht mir gehörig auf den Geist, denn wir sind ein gutes Beispiel: sicher, wir haben beide einen 1a Job, haben uns erst jenseits der "Grenze" von 35 Jahren Gedanken gemacht, ein Kind zu bekommen, haben erst gedacht, das alles gut läuft, wir haben ja Zeit, und haben dann irgendwann gemerkt: es klappt eben nicht einfach so. (was aber nichts mit meinem Alter zu tun hatte). Wir haben uns nicht wegen unserer Berufe gegen ein Kind entschieden, und genau das ist zunächst offensichtlich in vielen Köpfen selbstverständlich. "wie, Ihr wolltet ein Kind? Das hätte ich nicht gedacht" - ach?
Ich plädiere für einen offenen Umgang mit dem Thema, um damit einen kleinen Schritt zu tun in Richtung "besseres Miteinander"

pia212
18.01.2008, 16:14
Wissenschaftliche Umfragen bitte vorab mit dem Brigitte.de-Team absprechen.