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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erste Krise meistern. Wie???



Paciencia
04.04.2007, 18:13
Liebe Bricom Hobbypsychologen,

Ich bin mit meinem Freund, den ich schon mehr als 2 Jahre kenne, jetzt seit 5 Monaten zusammen und nun haben wir die erste Krise und ich weiss nicht so genau, wie ich damit umgehen soll.

Wichtig zur Vorgeschichte ist vielleicht noch, dass er im letzten Sommer von seiner Frau verlassen wurde und ich seitdem seine wichtigste Vertrauensperson war und bin. Im November haben wir dann, nach einem ziemlich “Wein-geladenen” Abend zum ersten Mal Sex gehabt, was uns beide überrascht und aus der Bahn geworfen hat, da wir uns gegenseitig “nur” als gute Freunde sahen. Nach einer Woche mit viel Reden und Zweifeln, haben wir dann beschlossen, eine Beziehung zu beginnen und uns danach beide heftigst verliebt.

Alles war schön, harmonisch, wir verbrachten viel Zeit miteinander (u.a. ein Skiurlaub mit Freunden von mir) und alle Konflike wurden beredet und gelöst . Mitte März fiel mir auf, dass kleine Details (liebevolle sms am Abend, zärtliche Worte) und auch das Interesse an meiner Person (nachfragen, wie es mir geht, nachhaken, Interesse zeigen, wenn ich irgendwas von mir erzähle) nachliessen. Ich beobachtete das Ganze ein wenig und sprach ihn vor knapp 2 Wochen darauf an. Er ging nicht daruf ein, sondern erzählte mir bruchstückartig etwas von Nostalgie, Unzufriedenheit mit sich, Gefühl, dass ihm etwas fehlt, Konflikt mit seiner Mutter und das ganze endete damit, dass er praktisch seine Sachen nahm (meinen Haustürschlüssel lies er hier) und mit mir Schluss machte.

Ich war wie vor den Kopf gestossen und mir ging es richtig schlecht. Abends rief ich ihn an, weil ich einfach wissen wollte, was genau passiert ist. Er fragte, ob er wiederkommen dürfe und ich sagte ja. Seine ersten Worte, als er zur Tür herein kam, waren: Lass uns das zusammen meistern!! Ich brauche dafür Deine Hilfe.

Ich habe dann beschlossen, dass wir die Zeit bis zum nächsten Wochenende getrennt verbringen sollten. Er rief an, wir mailten und ich bekam liebe sms. Ich machte mir ziemlich viele Gedanken über ihn, über mich und weihte auch meine besten Freundinnen ein. Das letzte Wochenende haben wir auf seinen Wunsch hin zusammen verbracht und es war “eigentlich” schön. Nur hat er das Thema, was passiert ist, was in ihm vorgeht, gar nicht angesprochen. Wir hatten 2 kurze Gespräche darüber, aber die gingen von mir aus und sagten eher, dass ich gerne bereit sei ihm zu helfen, dafür aber von ihm etwas kommen müsse, damit ich erstens genau weiss, worum es geht und ihm so zur Seite stehen kann kann. Und natürlich habe ich ihm auch nicht verschwiegen, dass ich durch das Passierte stark verunsichtert bin.

Und jetzt? Er ruft mich häufig an, ist extrem “kuschelig” und anhänglich, wenn wir uns sehen, macht Pläne für Ereignisse, die monatelang entfernt sind, erheitert mich mit netten Geschichten und schweigt über das Thema (und das nicht nur mir gegenüber). Das befriedigt mich ganz und gar nicht, weil sich das alles für mich nicht "echt" anfühlt. Es ist, als ob ein Deckmäntelchen des Schweigens darüber geworfen wurde und nun ist alles wieder gut, denn “gemeinsam meistern” sieht für mich anders aus.

Wie soll ich mich jetzt verhalten?? Ich will ihm Zeit geben, will ihm helfen, möchte mich andererseits aber auch geliebt fühlen und meine Bedürfnisse nicht total vernachlässigen. Ich bin extrem verunsichert und habe Angst, ihn zu verlieren, aber weiss nicht, wie ich jetzt mit der Situation umgehen soll.

Ich hoffe auf Eure gute Ratschläge und Ideen!! Danke für´s Lesen!!

LG Paciencia

Inaktiver User
04.04.2007, 20:35
Hmmm, ich vermute mal, er ist noch nicht richtig bei Dir angekommen oder zweifelt, ob Du die Richtige bist. Die erste Verliebtheit ist dahin (da ist man bekanntlich ziemlich blind für so ungefähr alles), das Nachdenken fängt an.

Kann es sein, dass er gar nicht so richtig Zeit hatte, seine Wunden zu lecken?
Oder vielleicht trauert er auch Eurer Freundschaft hinterher (die ja leider oft auf der Strecke bleibt, wenn Liebe draus wird).

Vielleicht schreibst Du noch ein bisschen was zu Eurem Alter und wie lange er mit seiner Frau zusammen war? Nicht unerheblich, denke ich.

Grundsätzlich würde ich raten, dass Du Deine Bedürfnisse sehr klar formulierst und im Zweifel auch (möglichst) konsequent danach handelst. Vielleicht Funkstille/Abstand, bis er redet? (Aber bitte mit Erklärung vorher!) Erklär ihm, was seine Andeutungen ohne Aufklärung mit Dir machen, wie Dein Vertrauen schwindet, wie hilflos und unglücklich Du Dich fühlst. Sag ihm, was Du brauchst und steh dazu. Das wäre der gerade Weg. Ist aber meist sehr unbequem.

cris711
04.04.2007, 21:55
liebe paciencia

ich glaube auch,dass du rausfinden musst inwiefern er sich hat von seiner frau lösen können...
für dich, pass auf, dass du nicht aus falscher vorsicht dinge nicht ansprichst,weil du angst hast ihn zu verlieren oder so.eins ist so sicher wie der nächste tag,irgend einmal kommt es hoch und wenn nicht jetzt wird es bis dorthin zwischen dir undihm stehen und womöglich weitmehr unheil anrichten.

liebe grüsse

cris

Prijon
04.04.2007, 22:03
Hallo,

Ich habe dann beschlossen, dass wir die Zeit bis zum nächsten Wochenende getrennt verbringen sollten

Ist für mich das frappierenste Beispiel. Es gibt mehrere davon in Deinem Posting, wo ich "ups" gedacht habe. Sicher musst Du ganz klar sagen, was DU willst. Du kannst aber nicht beschließen, wie EUER Weg auszusehen hat. Dazu gehört er auch. An seiner Stelle würde ich mich von Dir ziemlich überfahren fühlen.

Prijon

Paciencia
05.04.2007, 10:37
Vielen Dank für eure Antworten!!!

Redwhife: Wir sind beide knapp 40 und er war mit seiner Frau 10 Jahre zusammen, die letzten 3 davon verheiratet.

Er hatt genügend Zeit, seine Wunden zu lecken, sich über vieles klar zu werden, einiges für sich zu verändern, aber, und da hast Du recht, wohl trotzdem nicht richtig mit seiner Beziehung “abgeschlossen”, denn nachdem wir zusammengekommen sind, hat er sich wohl gar keine Gedanken mehr darüber gemacht. Es gab allerdings Ende September einen Wendepunkt. Da war er auf Geschäftsreise und hatte einen one night stand. Er kam dann ziemlich euphorisch wieder, sagte die Trauerphase sei vorbei und er wäre jetzt auch offen für etwas Neues (ich habe damals etwas ironisch gegrinst)

Das mit der Definition meiner Bedürfnisse ist gut und richtig und damit habe ich auch kein Problem. Ich habe ihm häufiger signalisiert, dass er Zeit haben kann. Was Du vorschlägst, mich solange zurückzuziehen, bis er bereit ist zu reden, sehe ich als enorm grossen Druck. Für mich ist es auch wichtig, dass wir zusammen relaxt schöne Tage /Abende verbringen, allerdings ohne das Thema völlig auszuschliessen...

Cris711: Ich glaube, gelöst hat er sich, richtig abgeschlossen noch nicht. Das es im Nachhinein zu früh war für eine neue Beziehung, davon bin ich jetzt überzeugt, aber daran kann man ja nichts mehr ändern.
Nein, ich habe keine Angst aus falscher Vorsicht etwas nicht anzusprechen, habe aber Angst, dass immer nur ich diejenige bin, die solche Sachen überhaupt anspricht...

Prijon: Ich weiss, was Du meinst.. Ich will bestimmt nicht beschliessen, wie unser Weg auszusehen hat. Tatsache ist allerdings, dass ich in unserer Beziehung diejenige bin, die weniger Probleme hat, Entscheidungen zu treffen. Ich war einfach der Meinung, dass mir und auch ihm (die Reihenfolge habe ich bewusst gewählt) die räumliche Trennung von 5 Tagen gut tun würden. Wenn er mir widersprochen hätte oder Argumente dafür angebracht hätte, einen anderen ersten Schritt zu machen, wäre es auch anders gewesen. Aber er sagte nur “ja, Du hast wohl recht”.

Bis später
Paciencia