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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : mutters selbstmord



helgaf
31.03.2007, 21:16
auf der suche nach hilfe, bin ich auf dieses forum gestoßen.. danke, dass es das gibt.

ich wollt nie schreiben!!! aber ich versuchs mal.
vorgeschichte:
ich war 5 da starb mein vater. mein mutter heiratete nie wieder. ich war ihr focus.!! dass das im grunde schädlich für mich war, erfuhr ich erst später.
meine mutter war immer ihr/mein leben lang bei mir. telefonisch oder real.
vor 4 jahren bekam sie ne störung im rückenmark, konnte seitdem nicht mehr gut laufen.. später gesellten sich symptome von parkinson dazu.. nun meinte sie..absolut schwer krank zu sein, mit dem anspruch die welt habe sich noch mehr um sie zu drehen. ich habe anfangs versucht ihr alles recht zu machen, hab pflegemäßig alles allein gemacht.. bis mein eigener körper rebellierte, ich nahm 14 kilo in 3 monaten ab.. aus angst ging ich zum arzt.. er verordnete sofortige änderung meines wesens...nein...sagen lernen!!! und ich bekam ein 6-wöchige reha in einer psychosomatischen klinik.. mutter war der meinung...alles spinnerei!! ich solle mich zusammennehmen und/oder tabletten nehmen. sie selbst hielt viel vonn tabletten. ganz viel!!!!
ich lernte "nein" sagen, zum leidwesen meiner mutter.. je weiter ich ging, mich abnabelte umso "kranker" wurde sie.. bis hin zu krankenhausaufenthalten. die ärzte kümmerten sich dann und nach 10 tagen ging es mutter gut.

oft hatte ich das gefühl nicht mehr atmen zu können.
ich liebe meine mutter...bin undendlich traurig, dass sie nicht mehr war, wie ich sie auch!!! kannte.

um mich zu entlasten organisierte ich pflege..2x täglich, essen aus nem guten restaurant, etc etc.

16.2.2007
wir hatten streit..wie so oft.. ich wollte nicht wie sie.
um 20 uhr sagte ich zu ihr..sag mir einfach was soll ich tun, was möchtest du?
ihre antwort.....anfang hab ich nicht verstanden... dann: dann musst du eben damit fertig werden.. ihr letzter satz!!!

normal kam die pflege morgens um halb zehn... es sei denn, verspätung. oder mutter hat sie mal wieder später bestellt. dann bin ich (am woe) gegen zehn immer nach oben gegangen um nachzusehen, ob alles ok ist..

17.2.2007
zehn uhr.. keine pflege da.. ich hoch.. in dem moment wo ich türe öffnete, wusste ich, da war was........
sie lag seitlich halb aufgerichtet im bett, die zähne weit vorgeschoben.. ich berührte sie am oberarm...mama?? das gefühl der kälte in meiner hand werd ich nicht los... den anblick...

mein mann sagte mir..ich habe nur geschrien.. das weiß ich aber nicht.. hab dann eine tante angerufen und meine freundin. in dem moment kam die pflege...zu spät... aber die riefen pastor,arzt an.. der doc kam...sagt... ich muss polizei anrufen.. ???? da erst sah ich das glas.. es waren ca 40-60 noch nicht ganz aufgelöste tabletten drin (schlaftabletten und beruhigungstabletten)

dann lief die maschinerie.. polizei, kripo ....die fotografieren 2 std. lang jeeeede ecke. und mutter lag da immer noch! 1000 fragen später wurde sie geholt.
während der ganzen zeit hatte ich das gefühl, die geht nur ins krankenhaus..
die polizei fragte mich,m ob ich krisenintervention wolle..nein.ich "starke" frau brauch das doch nicht!!! hätt ich es mal getan.
unten in unserer wohnung versammelte sich die erzkatholische familie. um mir dann zu sagen...mach ne ganz stille beerdigung, nur familie!!!!
nein, das wollte ich nicht, ich wollte jedem die möglichkeit geben sich zu verabschieden. aber das konnte nicht mal ich!!!
abends rief ich bestatter an. wie geht was weiter?? der nächste schock: wir haben keine zeit!! sie löst sich schon auf!! heißt..hätte ich ihre hand genommen, wäre ihr haut an meiner kleben geblieben!!! soetwas passiert dann, wenn jahrzehntelang tabletten-missbrauch betrieben wird/wurde..
ich durfte sie nicht mehr sehen....keiner!!

die freigabe ließ auf sich warten.. klar! wochenende!!
wie ich alles organisiert hgabe bis ins kleinste... ich weiß es nicht.
ich hab versucht, alles so zu machen, dass es ihr gefallen hätte. kein kranz..ein herz aus rosen ,tulpen und hyazinthen gesteckt in ihrer lieblingsfarbe. ich hatte ein wundervoll verständnisvollen jungen pastor an meiner seite, der mir die kraft gab, diesen tag zu überstehen.. und die hilfe der bestatterin, die mich mit meinem mann an die hand nahm, um in der aussegnungshalle den sarg zu streicheln und ihr den schutzengel ins gesteck zu setzen. der tag verging...
das wochenende.. montags bin ich arbeiten gegangen.. aber fragt mich nicht wie???

ich habe das komplette bett entsorgt.. sofort!! ich konnt es nicht ertragen..
kann auch heute noch die wohnung kaum betreten.. nur weil ich muss um ihre katze zu versorgen.. das alte mädchen gewöhn ich langsam, stundenweise an meine beiden kater-rabauken..schwer für sie.. arme maus.. nein, sie trauert nicht..hatte kein besonderes verhältnis und war es gewohnt alleine zu sein.aber ich mag es nicht haben,wenn sie alleine ist.

das schlafzimmer meiner mutter kann ich bis heute nicht betreten. vom verstand weiß ich dass sie tot ist...aaaber...

ich funktioniere.....ich kann nicht (mehr) weinen. mich zieht nichts!! zum friedhof.hab meinen doc gefragt,ist das normal?? er sagt.. das ist schock. denn das schlimmste was passieren kann ist, dass angehörige, ihre angehörigen finden..
ich möcht ihm so gerne glauben.. ich hab angst, angst dass alles so weitergeht.
ja ich vermisse sie, sogar ihren telefonterror, ihre andauernde klagerei, ihre forderungen.. aber ich genieße auch, dass ich plötzlich viel tag habe...aber nicht um den preis.!!!!

tief drinnen tut es sch. weh..man ist alleine. trotz ehemann.
und noch was...von wegen familie!!! da lernt man sie kennen. bis heute hat keiner gefragt. wie geht es dir? am dienstag, wenn 6-wochen-amt ist, werden sie alle da sein...der leute wegen.
ich bin so maßlos enttäuscht.

sorry,wenn länger geworden und etwas durcheinander....wie in meinen gefühlen.

Inaktiver User
31.03.2007, 21:22
Hallo Helga,

ich möchte dich hier erstmal Willkommen heissen. Du hast einen ersten wichtigen Schritt getan, dir die Geschichte von der Seele geschrieben.

Und dass du dich damit auseinandersetzt zeigt, dass es nicht so weitergehen wird. Du willst eine Veränderung.

Ja, es ist ein Schock. Und du musst langsam aus diesem Albtraum aufwachen.

Sei froh, dass du so einen lieben Mann hast. Die Verwandtschaft, vergiss sie. In solchen Momenten merkst du, wer wirklich zu dir steht.

Hast du schon mal daran gedacht, eine Trauerbegleitung in Anspruch zu nehmen.

LG Schleifchen

helgaf
31.03.2007, 21:26
trauerbegleitung?? hab hier das wort im forum wohl gelesen.. aber ich wüsste nicht, wo es hier so etwas gibt???
generell bin ich für alles offen, sicher.

Inaktiver User
31.03.2007, 21:28
Wenn du das Wort mal googelst, dann findest du sehr viele Angebote.

Aber frag doch mal den netten Pfarrer, gerade die Kirche bietet so etwas an.

helgaf
31.03.2007, 21:31
danke für den rat.. nehm ich in angriff

Inaktiver User
31.03.2007, 21:33
danke für den rat.. nehm ich in angriff

Gerne und schreib doch mal wieder, wie es dir geht:blumengabe:

helgaf
31.03.2007, 21:39
danke.. ja mach ich sicher...danke fürs blümchen..

Inaktiver User
31.03.2007, 21:42
danke.. ja mach ich sicher...danke fürs blümchen..

:blume: :blumengabe: :blume: :blumengabe: :blume: :blumengabe: :blume:

Gute Nacht

helgaf
31.03.2007, 21:44
dir auch.. schlaf schön

Atis
31.03.2007, 23:37
Liebe helgaf,

es tut mir leid, dass Du so etwas durchmachen musstest.
Man sagt, Selbstmord sei eine der egoistischsten Dinge, die es gibt, und da ich vor vielen Jahren selbst einmal ernsthaft Selbstmordgedanken hatte, denke ich, ich kann sagen, das stimmt. Jemand, der sich selbst umbringt, ist so fertig, dass er nicht mehr in der Lage ist, an die Folgen zu denken, die es für die anderen hat.

Lass Dir Zeit, helgaf, dieses schreckliche Erlebnis ist noch nicht lange her. Und auf den Friedhof mußt Du nicht gehen, zwing Dich nicht dazu. Warum auch? Dort ist nur der Körper Deiner Mutter, ihre Seele ist längst "nach Hause gegangen" und dort geht es ihr jetzt gut.

Wie schön, dass Du Dich so liebevoll um die Katze kümmerst! :blumengabe:

Schleifchen hat Recht, vergiß die Verwandtschaft, wenn diese sich so benimmt. Halte Dich an denen fest, die sich auch für Dich wirklich interessieren und die Dir gut tun.

Sei lieb zu Dir. Du hast etwas Schlimmes erlebt und trauerst. Versuch Dir jeden Tag etwas Gutes zu tun und behandle Dich selbst liebevoll...

Lieben Gruß von Atis.

helgaf
01.04.2007, 00:05
hallo atis,
danke für deine lieben worte..

du selbstmord? sooo verzweifelt gewesen? schön, dass du es doch nicht getan hast. ja, egoistisch. das stimmt..und es bringt viel leid und verzweiflung für die, die über bleiben. der pastor sagte , solche menschen sind viell. bei verstand, aber nicht bei sinnen...lange drüber nachgedacht, denke aber es stimmt.

ich wünsche ihr soo sehr, dass sie zuhause ist, und es ihr wirklich gut geht.

ja iht habt recht.. verwandtschaft sucht man sich nicht aus..zufall!!
es stimmt friedhof bringt mir gar nichts. was für mich im mom. schlimm ist. ich find noch nichts...um ihr nah zu sein.. das letzte bild von ihr überdeckt noch alles.

na klar.. ihre prinzessin wird sich hoffentl. eingewöhnen.. sie hat alle zeit..

ach atis,, mir was gutes tun? mich liebevoll behandeln? bin ich nicht gewohnt.. aaaber da ich ja grad mein leben irgendwie neu ordne, schaff ich das viell. auch noch..

Atis
01.04.2007, 00:15
Liebe helgaf,

Deiner Mutter geht es wirklich sehr gut, da kannst Du Dir ganz sicher sein, sie ist glücklich.

Schau Dich einmal hier im Trauerforum um, es gibt Threads, die sich auch mit dem Thema "Leben nach dem Tod" beschäftigen. Und im Thread "Unser Forums-Bücherschrank" findest Du viele hilfreiche Lesetipps auch zu diesem Thema.

Dass das letzte Bild von ihr noch alles überdeckt, ist verständlich, ich denke, es ist wie eine große Wunde, die Du erlitten hast und die erst heilen muss. Es braucht Zeit, helgaf, aber eines Tages, da bin ich mir sicher, wirst Du Dich auch wieder an andere, schöne Momente erinnern können, und dabei lächeln können. Und ich bin mir sicher, dass Deine Mutter sich dann sehr freut. Aber das braucht Zeit. Es ist ja auch alles erst so kurze Zeit her.

Wenn Du, wie Du schreibst, Dein Leben gerade neu ordnest, finde ich es immens wichtig, dass Du lernst, lieb zu Dir selbst zu sein. Räume diesem Punkt oberste Priorität ein. Sei gut zu Dir!

helgaf
01.04.2007, 00:33
ja atis,
ich denke mal, so ein erlebnis und dessen folgen verändert einen menschen...bewusst oder unbewusst..

ich nehm es zum anlass, auch gewisse dinge zu verändern und/oder neu zu ordnen. vielleicht hast du recht und ich sollte beginnen mehr an mich zu denken.
danke für den rat

BlauerHimmel
01.04.2007, 08:04
helga,

du solltest dringend psychologische Betreuung in Anspruch nehmen. Das ungesunde Verhältnis zu deiner Mutter und diese traumatische Erfahrung jetzt wären für niemand einfach zu ertragen. Bevor du selber daran krank wirst, lass dir helfen!

Gruß
BlauerHimmel

Inaktiver User
01.04.2007, 08:52
Helga, Selbstmord ist meistens für die Angehörigen sehr schlimm, denn es fehlt am Ende die Versöhnung und die lieben Worte, die man sonst mitgegeben hätte. Als mein Partner sich das Leben nahm, ging es mir ähnlich wie Dir. Er sprang aus einem Hochhaus, deswegen ist mir das letzte Bild erspart geblieben, das Dich im Moment noch quält.

Bei mir ist es jetzt 5 1/2 Jahre her. Ich habe damals - weil es auch nicht anders ging - mein Leben ganz neu ausgerichtet, vieles verändert. Nicht wegen des Selbstmordes oder um damit fertig zu werden. Ich glaube, dass so ein Ereignis derartig am eigenen Selbstverständnis, an Werten und Vorstellungen, erworbener Sicherheit rüttelt, dass es gar nicht anders geht. Allerdings habe ich das auch nicht alleine geschafft. Die ersten 3 Monate nach dem Tod habe ich es versucht, dann habe ich Hilfe in Anspruch genommen. Heute bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein.

Meine Verwandtschaft hat ähnlich reagiert wie Deine. Das Verhältnis hat sich allerdings bis heute nicht wieder richtig eingerenkt. Das Thema wird einfach ausgeklammert. Damit kann ich mittlerweile umgehen, allerdings klammere ich heute auch andere Themen mit aus.

Ich gehe übrigens auch kaum zum Friedhof, was aber auch daran liegt, dass mein Freund 500 km von mir entfernt beerdigt ist. Ich habe mir andere Orte gesucht, wo ich so meine Ruhe finde, meine Seele baumeln lassen kann, dass ich ihn finde, wenn ich das möchte. Das kann in einer Kirche sein, an einem ruhigen versteckten Platz im Wald, abends alleine am Meer.

Versuche nicht zu stark zu sein. Es ist so schon schmerzhaft genug - Du hast allen Grund, nach Hilfe zu suchen und sie auch anzunehmen.

Alles Gute - Kranich

Inaktiver User
01.04.2007, 14:15
Liebe Helga (und alle anderen evt. Betroffenen)

ich möchte dich auf eine Selbthilfegruppe hinweisen, die einen sehr guten Ruf hat.

Hier (http://www.agus-selbsthilfe.de/) findest du Informationen dazu. Vielleicht magst du bei Gelegenheit einmal reinschauen.

Alles Gute und viel Kraft

helgaf
01.04.2007, 18:48
hallo blauer himmel,
dandanke für deinen rat, ich denke du hast recht.. aber das problem ist ganz einfach, dass es nahezu unmöglich ist, kurzfristig nen termin bei einem psychologen zu bekommen..
aber ich werd mich zusätzlich noch mal um trauerbegleitung kümmern. viell. hab ich da eher glück. ich bin irgendwo enttäuscht, habe mit meinem hausarzt und mit meinem neurologen gesprochen....antwort: dauert alles seine zeit.. du stehst noch völlig unter schock.!!! na toll, das hilft mir null..

helgaf
01.04.2007, 18:50
danke rosemary,
hab mich dort umgeschaut..schade nur, dass alle anlaufstellen doch recht weit von mir entfernt sind..

helgaf
01.04.2007, 19:01
hallo kranich,
einen ganz liebern freund habe ich auch vor ein paar jahren durch den sprung aus dem 11.stock verloren.

ja genau so.. man sieht sich und alles andere irgendwie mit anderen augen.

stark sein..ich bin und war es immer. drum glaubt halt gott und die welt... ach!! die packt das so weg!!! so brauchen sie sich eben auch nicht mit der situation und/oder mir auseinandersetzen.

weißt du, es tut gut, überrascht und erstaunt mich, dass fremde menschen sich mehr zeit nehmen,interesse zeigen, wie die personen von denen man es annahm...

ja, ich nehm die situation zum anlass, änderungen (wlcher art auch immer) in angriff zu nehmen.
lg helga

Inaktiver User
01.04.2007, 19:08
Hallo Helga,

ich finde es gut, dass du dich schon umschaust, wie du dir helfen lassen kannst.

Probier einfach aus, was dir am besten zusagt. Und ich finde Atis Rat sehr gut. Mach mal was nur für dich. Und wenn es ein kleiner Bummel ist oder ein Bad mit Kerzenlicht und einem guten Buch.

Ich wünsche dir weiterhin viel Glück und melde dich, wie es weitergeht.

LG Schleifchen

Inaktiver User
01.04.2007, 22:07
weißt du, es tut gut, überrascht und erstaunt mich, dass fremde menschen sich mehr zeit nehmen,interesse zeigen, wie die personen von denen man es annahm...

Mich hat das damals auch überrascht - ich habe mich auch damals von vielen Menschen in meiner Umgebung abgekehrt, weil ich auch erfahren habe, dass Fremde verständnisvoller und zugewandter mit mir umgingen als mein eigener Freundeskreis.

Allerdings - nach einigen Jahren Abstand - muss ich auch zugeben, dass ich auch Fremden oder nur flüchtig Bekannten gegenüber offener und ehrlicher war. Ich habe das nicht bewußt getan, aber es war sicherlich so.

Und - auch das muss ich mir selbst eingestehen, es weiß niemand so deutlich über meinen Kummer, meine Trauer und meinen Seelenschmerz Bescheid, wie die die Mitschreiber hier auf dieser Insel in der bricom. Hier habe ich mir alles von der Seele geschrieben.

Kranich

prinzessin01979
01.04.2007, 23:05
Hallo Helga,

es tut mir unwahrscheinlich leid, dass sich deine mum, für diesen weg entschieden hat. Mein kleiner bruder hatte diesen weg auch gewählt, ich kann deine gefühle nachempfinden..

Ganz viel Kraft für die nächste Zeit, wünsche ich Dir!

Melissa

helgaf
01.04.2007, 23:50
ja kranich, vielleicht erwartet man auch grad in solchen situation zuviel von freunden, erst recht verwandten.??? wobei ich meine grade verwandte, die ja den/die verstorbene schließlich besser kannten, als andere, eigentlich den trauernden näher stehen sollten.. irrtum eingeschlossen..leider.

ich gen dir völlig recht, hier fühlt man sich verstanden, aufgehoben..
hier reagiert auch kaum einer mit unverständnis wenn man auch mal böse/wütend auf denjenigen ist, der zurückgeblieben ist.
ich habe oft gesagt.. das hätte sie (mutter) nicht tun dürfen.. das war aber aus meiner trauer, hilflosigkeit heraus... ihr wisst was ich meine..
nur die meisten verstehen es nicht....
helga

helgaf
01.04.2007, 23:55
danke prinzessin,
ich glaub wirklich inzwischen, dass die gefühle die einen in dieser situation bewegen, kann nur jemand wirklich nachempfinden, der es selbst erlebt hat. sicher trauert jeder um menschen, die nahe waren..und doch denk ich, dies ist was anderes.!!

ich hoffe und wünsche dir, dass du ein wenig deinen weg wiedergefunden hast..

helga

Atis
02.04.2007, 00:25
Wut auf den Verstorbenen zu haben, ist ganz normal; selbst dann, wenn derjenige an einer Krankheit o.ä. gestorben ist, kann es sein, dass man wütend ist, er / sie hat einen ja schließlich sozusagen zurückgelassen. Und wenn jemand seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat, ist es ja nur um so verständlicher, dass man wütend ist. Bitte, mach Dir deswegen keine Vorwürfe! Laß es raus, schreib Deine Wut hier ins Forum oder schrei sie laut in den Wind oder reagiere Dich in einem Brief an Deine Mutter ab oder wie auch immer, tu, was immer Dich erleichtert und Dir gut tut!

Jenufa
02.04.2007, 11:42
Liebe Helga,

nach allem was Du schreibst, scheint Deine Mutter im Leben bis zu ihrer Entscheidung es zu beenden gerne Dir die Schuld an allem gegeben zu haben. Bleib stark und mach Dir diese Sicht nicht zueigen: Es war ihre Entscheidung!
Ich denke für die Verwandten ist es oft schwer zu helfen, da sie emotional involviert sind, was sie vermutlich noch unsicherer macht, als man sich als Anghöriger sowieso fühlt - zumindest geht es mir so als Angehöriger: Man hat das Gefühl trösten zu müssen, wo es nichts zu trösten gibt.
Die Reaktion Deiner Ärzte finde ich seltsam. Klar bist Du in einem Schockzustand, das heißt aber doch nicht, dass man da nichts tun sollte... Ich wünsche Dir viel Glück auf der Suche nach Hilfe, vielleicht kann Dir ja Deine Kirche irgendwie weiterhelfen.

prinzessin01979
02.04.2007, 13:00
danke prinzessin,
ich glaub wirklich inzwischen, dass die gefühle die einen in dieser situation bewegen, kann nur jemand wirklich nachempfinden, der es selbst erlebt hat. sicher trauert jeder um menschen, die nahe waren..und doch denk ich, dies ist was anderes.!!

ich hoffe und wünsche dir, dass du ein wenig deinen weg wiedergefunden hast..

helga

Liebe Helga,

ich denke auch auf jeden fall, dass die trauer nach einem suizid, anders ist. Neben all dem schmerz, haben die nahestehenden menschen, immense schuldgefühle. Das selbstwertgefühl hat einen argen krater erlitten, und dieses hätte ich doch das und das, scheint einen manchmal um den verstand zu bringen. Denn ein suizid ist in meinen augen, einfach vermeidbar...

Meinen weg habe ich ein wenig wieder gefunden.. es gibt so langsam dinge, an denen ich mich wieder etwas erfreuen kann, und auch wenn ich jeden tag an brüderchen denke und traurig bin, werde ich meinen weg hier auf erden noch weiter gehen. :smile:

Umarm dich mal,
sei lieb gegrüßt,
Melissa :blume:

helgaf
04.04.2007, 01:01
hallo atis,

erst heute antwort..weil:

gestern war ich zum ersten mal seit dem 17.2. in mutters schlafzimmer. irgendwie fand ich, ich "müsste" es tun.. ich hätt es besser lassen sollen.. es traf wie ein keulenschlag..!!! dazu kam noch, hab den raum das erste mal ohne ihr bett gesehen..no nackt und leer.. (ich habe drauf bestanden, dass das KOMPLETTE bett, so wie es da war... auf den müll kam...konnte den gedanken nicht ertragen, dass irgendjemand auch nur ein teil davon benutzt...mein mann hat es entsorgt)
zwar sechs wochen her...trotzdem....

apropos 6 wochen...heute war sechs-wochenamt.. ein teil der familie saß vor mir in der kirche.. hab meine tante kurz an der schulter berührt.. sie sah mich an.. ob sie mich erkannt hat, ich weiß es nicht..
ich hatte extra bilder meiner mutter nachmachen lassen, dachte, geb ich denen nach der kirche... und?? keine seele da.. kirche aus und weg.. da kam nicht einer!!! zu mir.. ich hab noch geschaut.. nix !!


schuldgefühle.. ja natürlich.. irgendwie schon.. hätte ich sie in krankenhaus gebracht.......aber arzt sagt, dann hätt sie es später irgendwann getan.. wollte es so?? hab da so zwei varianten.. die eine..volle absicht...
die andere... es war zufall/pech.. dass viell. die letzte zusätzlich genommene tablette einfach zu viel war. ich weiß es nicht.

trauerbegleitung.. jaaa hab ich in angriff genommen.. mein pech nur., dass die frau, die es leitet, ausgerechnet die beste freundin meiner cousine ist (und zusätzlich ne dorfzeitung) das werd ich sicher nicht!! machen.. leider.!!!werd aber weiter suchen.

bin sehr froh hier zu sein. dank an alle
helga

Atis
04.04.2007, 01:17
Quäl Dich nicht mit "Was wäre gewesen, wenn", helga. Was geschehen ist, ist geschehen, und man kann es nicht ändern, man kann nur nach vorn schauen.

Wenn das mit den Tabletten Zufall war - dann hättest Du es nicht ändern können.
Und wenn es Selbstmord war - dann hättest Du es nicht ändern können. Ich glaube nicht, dass man jemanden, der dazu entschlossen ist, davon abhalten kann... Man kann, so banal es klingt, nur für sein eigenes Leben die volle Verantwortung übernehmen.

Was die Familie betrifft, da mußte ich ein wenig traurig lächeln bei Deiner Schilderung, denn genau so wäre es wohl mit Teilen meiner Familie gelaufen: Teilnahme am Kirchgang und hinterher schnell wieder zurück zum Alltag. Weil sie sich nicht mit traurigen Dingen befassen wollen? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass es oft mit der viel gerühmten "Blutsverwandtschaft" und "Blutsbande" nicht weit her ist. Dass man sich besser auf die Menschen verlässt, zu denen man eine echte INNERE Verbindung spürt, die einem gut tun.

Hast Du solche Menschen um Dich?
:blumengabe:

helgaf
04.04.2007, 16:23
ja atis,

solche menschen hab ich, gott sei dank, die schwester meiner mutter, leider 250 km entfernt, aber dank tel. ist das ok.
sie war und ist immer so was wie eine zweite !! mutter für mich.hier gibt es eine person, eine freundin, der ich stundenlang die ohren vollplärren kann..
meine anderen freunde sind leider auch 250 km entfernt.. (wir sind vor 14 jahren...auch mutters wegen ...hierher gezogen)

ich glaube thema familie, da kann man fortsetzungsromane drüber schreiben.....denke auch, viele hier, die ähnliches erleben..

Inaktiver User
04.04.2007, 22:45
Es gibt eine Weisheit, die mich immer wieder stutzig und nachdenklich macht:

Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.

Die Menschen, die uns nahestehen, sind nicht böse zu uns. Sie meinen es einfach aus ihrer Sicht gut mit uns. Das kann eben manchmal schlimmer sein, als uns zu schütteln und wach zu rütteln. Und da sind Familienangehörige, Blutbande in erster Linie betroffen - sie haben es ja sozusagen genetisch mitbekommen, es mit uns gut zu meinen.

Meine Familie hat es auch gut mir gemeint - es war einfach unerträglich. Aber mit diesem Satz kann ich ihnen das mittlerweile verzeihen.

Ich habe deswegen mit einem Menschen aus meiner Familie einen "Vertrag" geschlossen- wir sagen uns gnadenlos die Wahrheit, und wenn es noch so schmerzhaft ist. Als ich selbst mal mit Notarzt lebensbedrohlich krank in die Klinik kam, hat mir diese Person auch als Einzige ehrlich gesagt, dass es nicht sicher sein, ob ich lebend wieder raus komme. Das war hart, es hat mich aber auch zum Kämpfen ermutigt - und zum ersten eigenen Testament.

Kranich

helgaf
08.04.2007, 01:46
euch allen ein frohes osterfest,

ja, das erste ohne mutter, ohne die liebgewordene tradition gemeinsam essen zu gehen..
es wird noch oft..das erste ohne... sein.

heute hatte ich besuch von einer dame, die trauerbegleitung macht.
ich glaube, das tat mir ganz gut. mir tat es auch gut..mit jemandem zu reden.. der diese ganze häusliche situation hier nicht kannte. sie brachte mich ebenfalls dazu, mutters situation, ihr denken, handeln in einem anderen licht zu sehen. ich sehe es noch nicht ganz, aber es ist ein denkanstoß. wir haben vereinbart, darüber noch weiter zu reden. ich glaub, es war ein guter entschluss, dieses gespräch zu suchen. unerwartet bekam ich weitere hilfe.. sie macht für mich einen termin mit jemandem der auch hypnose macht.. bin sehr neugierig und gespannt darauf.

gerade donnerstag hatte ich unterlagen von asus bekommen..danke dafür... diese dame wollte mich grad über asus informieren...ich konnte ich zeigen, dass ich schon infomaterial habe.

heute war ich auch auf dem friedhof, erst das 2. mal seit der beerdigung. habe blumen mitgenommen. noch ist das grab nicht bepflanzt, kommt in der übernächsten woche. zur zeit sieht es noch kahl aus.. stehen nur zwei schalen drauf..und jetzt ein frühlingsstrauß.

es würd mich interessieren, wie ihr damit umgeht.???. ich kann nicht!! auf das grab treten. hätte mich einer gesehen, wie ich immer länger wurde um die verblühten blüten aus den schalen zu entfernen.. oh je oh je...

diese ostern verbringe ich damit.. alles mögliche hier in unserer wohnung aufzuräumen bzw. zu entsorgen. mutters wohnung kommterst später dran, da kann ich noch nichht wirklich rein.

nun wünsch ich euch noch sonnige ostertage.
helga

helgaf
08.04.2007, 01:53
hallo kranich,

s.o. trauerbegleitung.. dein satz:

Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.

in ähnlicher weise sagte es die dame auch.. sie sagt.. familie kann!!! nicht anders. trotzdem, traurig eigentlich.

neuerdings werd ich oft gefragt: naaa? gehts dir besser??? (ich könnt spucken, dann) hab mal geantwortet: aber sicher!! ich habe die GRIPPE überstanden.!! wenn man schon keine ahnung oder echtes interesse/anteilnahme hat, empfehle ich...bitte klappe halten.. sorry, kommt hart rüber..

ich muss ins beeett!! fast 2 uhr.. gute nacht erst mal

helgaf
08.04.2007, 01:54
hallo schleifchen,

s.o. du siehst, ich hab mir deinen rat zu herzen genommen..
er war gut!!!

glg helga

Atis
08.04.2007, 23:22
Liebe Helga,

dieses, "Na? Geht's Dir besser?" - Ich kann gut verstehen, dass Dich das sehr wütend macht. Wer noch nie getrauert hat, kann wahrscheinlich nicht nachvollziehen, wie das ist und dass das nicht nach kurzer Zeit überstanden ist. Trauer braucht Zeit, viel Zeit... Du hast Recht, manchmal wäre es besser, die Leute würden einfach den Mund halten, statt solche Sprüche abzusondern.

Das mit der Dame von der Trauerbegleitung ist gut! Ich freue mich, dass Dir das Gespräch gut getan hat und dass Ihr weitere Gespräche führen wollt.
Reden ist wichtig, es hilft.

Du schreibst, dass Du dabei bist, alles mögliche aufzuräumen und zu entsorgen. Das finde ich sehr hilfreich; ich habe immer den Eindruck, wenn man 'entrümpelt' und Ordnung schafft, ordnet sich gleichzeitig innerlich einiges, rückt an den richtigen Platz, und man wirft innerlich auch Ballast ab.

prinzessin01979
09.04.2007, 10:38
Liebe Helga,

ich kenn das auch, solch sprüche von außenstehenden.

Ich höre in letzter zeit desöfteren, " na du bist ja schon bissel hindrüber weg, was ?! " :wie?:

Hindrüber weg? Weil ich gefasster wirke, wie kurz nach brüderchen tod? Weil mir auch mal ein lachen über das gesicht kommt? Weil, man meint, nach ein paar monaten, wäre schon wieder alles halwegs gut?

Die haben doch alle keine ahnung! Und kann man denn allen ernstes jemals komplett über solch einen verlust hinwegkommen?
Meine meinung: nein! man lernt damit zu leben, ja- aber , ich für mich persönlich, denke, dass ich niemals komplett über brüderchens suizid hinwegkomme...

Wie du schon sagtest, am besten sollten sie, so manches mal einfach die klappe halten, als eine für uns- unsensible bemerkung vom stapel lassen.

Liebe Grüße,
Melissa

helgaf
11.04.2007, 22:07
hallo princessin-melissa,

du hast völlig recht,, drüber weg?? was erwarten die menschen?? wurde das letztens auch wieder gefragt.. vor lauter wut hab ich geantwortet... ja klar!!! ich hab die grippe überstanden. das blöde gesicht hättest sehen sollen.. grins. <aber mir tat es gut..!!!

mein ersten trauergespräch verlief ganz gut.. 2,5 std. hatte die dame nur für mich zeit.. und sie hat mir einen neuem gesprächspartner besorgt.. eine art psychologen, der auch manche dinge unter hypnose macht.. ob ich das!! allerdings will oder kann, weiß ich nicht.. aber anhören will ich ihn mir.. berichte dann wieder..
ich warte nun auf meine tante, damit wir die wohnung angehen können.

Inaktiver User
11.04.2007, 22:20
Hallo Helgaf,

ich kann Dir Hypnose nur empfehlen. Ich habe damals die ganze Trauerbegleitung bei einer Hypnotherapeutin gemacht. Ich bin bewußt nicht zu einem Psychlogen gegangen, da ich für mich nicht akzeptieren wollte, dass "ich" einen "Seelenarzt" bräuchte.

Mir ist vorher von Psychologen in meiner Umgebung gesagt worden, ich wäre nicht hypnosierbar. Alles Quatsch - man muss sich nur drauf einlassen. Und ich war nach dem Selbstmord so am Ende, dass ich mich gerne darauf einliess. Es ist ja nicht so, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Ich wußte immer, was passierte und konnte ab der ersten Stunden beliebig zwischen Unterbewußtsein (Hypnose) und Kopfdenken wechseln.

Erzähl doch mal, wie es war.

Kranich

Inaktiver User
11.04.2007, 22:23
Hallo Helga,

ich finde es gut, wie du damit umgegangen bist.

Ich würde es auch ausprobieren und wenn es dir gut tut, warum nicht.

LG Schleifchen

helgaf
14.04.2007, 20:59
hallo kranich

das erste gespräch mit dem "heilpraktiker f. psychotherapie" war sehr sehr gut.!!!
vor allem stimmte die chemie vom ersten moment an..
muss das erst noch etwas sacken lassen, andere denkrichtungen.
nächsten dienstag neues gespräch.

aber, ich sag euch allen..... es ist heute acht wochen her..tut immer noch schwer weh..aber im moment lass ich auch andere gefühle zu..auch wut, enttäuschung.

eine neue denkrichtung...angestoßen dur den psy...ist,, sich ein stück frei zu fühlen....(von dem druck den die situation mit mutter die letzten jahre ausgelöst hat)

auch lasse ich offen die wut und enttäuschung über die familie zu.und befreie mich auch davon, indem ich sage...so what.. freunde such ich mir aus.
lg helga

Inaktiver User
14.04.2007, 21:15
Hallo Helga,

ich finde, du hörst dich viel besser an. Kämpferisch und selbstbewusster.

Großes Kompliment! In acht Wochen bist du schon einen Schritt weitergekommen.

Mach weiter so.

LG Schleifchen

helgaf
15.04.2007, 17:18
hallo schleifchen,
uuups merkt man das sooo deutlich??
nun ja ich bin es mein leben lang irgendwo gewohnt.. zu kämpfen..nicht aufgeben.. bin halt waschechter skorpion.. grins.

aber so ähnlich drückte es der psy. auch aus..schritt weiter.

ich glaube, das ganz viele reden drüber, hier z.b. hilft wirklich..
ich glaube der wichtigste schritt ist, den mut zu haben, jaaa ich will darüber reden.

und...ganz wichtig... die menschen hier.. zu wissen man ist nicht allein..

lg helga

Inaktiver User
15.04.2007, 19:17
Hallo Helga,

man merkt es :blumengabe: :blumengabe:

Und wir hören dir gerne zu.

LG Schleifchen