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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst vor Autoritäten.



Inaktiver User
28.03.2007, 12:10
Hallo,
ich weiß echt nicht mehr genau, wie ich noch an meiner Angst arbeiten soll un hoffe, dass hier vielleicht jemand Tipps hat.
Also: Ich habe totale Angst vor Autoritäten. Ich bin Studentin und traue mich kaum in Seminaren etwas zu sagen. Am schlimmsten ist es jedoch zu Professoren in die Sprechstunden zu gehen. Mir wird vorher richtiggehend schlecht, mein Herz pocht unglaublich schnell und ich schlafe in der Nacht zuvor unruhig. Meistens ist es ja letztlich nicht so schlimm, aber mein rationaler Verstand setzt komplett aus. Allgemein lebe ich mein Leben recht gut, mit den bekannten Ups und Downs, bin aber ständig angespannt.
Ich belaste nicht nur mich selbst, sondern auch meine Umgebung und weiß nicht genau, woran das Problem eigentlich liegt, denn ich war zu Beginn meines Studiums recht unbeschwert und habe früher auch immer mit den Lehrern ohne Probleme geredet.
Ich habe schon eine Psychotherapie gemacht, die bei dem spezifischen Problem jedoch nicht viel ausrichten konnte. Auch habe ich mein Glück mit der Homöopathie und Bachblüten versucht. Kein Erfolg.
Habt Ihr noch Tipps für mich?
Wie kann ich mit den universitären Situationen, insbesondere mit dem Kontakt zu Profs besser umgehen?
Wie kann ich ein wenig entspannter werden?
Ich freue mich über jede Antwort.
Ashka

Ella
28.03.2007, 12:56
Liebe Ashka,
genauso wie dir geht es mir auch! Anfangs war das alles gar nicht schlimm, mittlerweile, ich bin im 8 Semster, bin ich schon bei einer einfachen Sprechstunde extrem nervös, mir ist schlecht, ich habe richtiggehende Panikattacken. Ich habe Agoraphobie, eine Angststörung, die sich eben auch auf diese Teile meines Lebens bezieht. Ich bete mir auch vor: Das sind auch nur Menschen, es passiert nichts, aber unter Kontrolle habe ich es auch nicht. Ich kann dir von daher keinen Rat geben, schließe mich dir aber an und werde gespannt verfolgen, ob uns jemand helfen kann. Alleine bist du auf jeden Fall schonmal nicht. Ich denke auch, dass es in dem Fall recht wenig mit Agoraphobie zu tun hat, denn du schreibst ja, dass du ansonsten nicht unter übertriebenen Angstzuständen leidest. Vielleicht hat dir aber die Psychotherapie nicht geholfen, weil dein therapeut nichts mit solchen Ängsten anfangen konnte? Ich hab da auch schon so ein paar "spezialisten" gehabt, die mir absolut 0 helfen konnten.
Momentan bin ich wieder auf der Suche, hatte aber auch schon eine sehr kompetente Psychologin die mir helfen konnte...
LG
Ella

Ricarda44
28.03.2007, 22:06
@ Ashka:
Was macht Dir denn genau Angst, wenn Du "Autoritäten" gegenüber sitzt?
Was ist für Dich eine AUTORITÄT?

Ich würde da mal 2 unterscheiden:

1. Autorität = Macht
Das sind die, die die jeweilige Position beherrschen und somit Angst erzeugen.

2. Autorität, die man als solche auf Grund ihrer Leistungen anerkennt. Vor denen hat man sicher Respekt, aber Angst braucht man auf Grund der bei ihnen vorliegenden emotionalen Intelligenz wirklich nicht haben.

Oder macht Dir eigenes Nichtwissen auf manchen Gebieten das Leben schwer? Ist es vielleicht das, was Dich hemmt?

Inaktiver User
29.03.2007, 10:00
Hallo,
erstmal bedanke ich mich für die eingegangenen Antworten. Schön, nicht alleine zu sein.
Am schlimmsten ist die Angst vor dem Treffen mit der "Autorität", wenn ich ihr gegenüber sitze, habe ich das Gefühl, mir selbst zuhören zu können. Ich fühle mich dann irgendwie klein und habe das Gefühl, nicht ich selbst zu sein.
Wahrscheinlich ist Autorität hier tatsächlich ein wenig schwierig einzugrenzen. Zum einen fallen Professoren darunter die natürlich mehr Wissen haben und auch ein Urteil über mich fällen, das mich gegebenenfalls sehr mitnehmen kann. Sie haben die "Scheinmacht" . Manche werden ja schon ein wenig ausfallend. Wahrscheinlich ist schon mein Nichtwissen und die Angst davor, dass es aufgedeckt werden könnte und mich dann bloß stellt ein Teil der Angst.
Andererseits fürchte ich mich auch immer vor Autoritäten wie den Bafög-Sachbearbeitern, denn auch von ihren Entscheidungen bin ich abhängig. Ich habe immer das Gefühl, dass ich versehentlich etwas falsch gemacht haben könnte und das ebenfalls aufgedeckt werdn könnte.
Wahrscheinlich besteht die Angst tatsächlich vor allem daraus, dass ich etwas falsch machen könnte (,was natürlich immer mal wieder vorkommt, somit eigentlich verkraftbar ist). Ich fürchte mich dann davor, dass mein Selbstbewusstsein sehr darunter leidet. Ja. Trotzdem weiß ich irgendwie nicht, mit welchem Training ich mein Bewusstsein unabhängiger machen kann.
Naja, das Treffen mit einem Prof gestern war okay. Trotzdem hatte ich tierische Angst (oben genannte Symptome) davor und hätte mich am liebsten gedrückt.
Ashka

BlauerHimmel
30.03.2007, 00:19
Ashka,

wie bist du von deinen Eltern erzogen worden? Wie gehen deine Eltern mit Autoritäten um?

BlauerHimmel

Inaktiver User
30.03.2007, 09:06
HAllo,
meine Eltern haben mich sehr freiheitlich erzogen. Sie stammen selbst aus sehr konservativen, strengen Familen und hatten später eher den Geist der 68er. Sie sind keinesfalls autoritätshörig, sondern ziemlich eigenständig. Eigentlich wurde ich auch in diesem Sinne erzogen und sollte immer für meine Werte einstehen. Evtl. war das manchmal ein bisschen viel Verantwortung.
Danke für die Frage. Es hilft, das noch mal zu reflektieren.

Ricarda44
31.03.2007, 13:03
Hallo, Ashka,
ich habe dieses Posting schon mal woanders rein gestellt. Aber lies es Dir bitte nochmal durch und dann entscheide selbst:

Wir verlieren nie unseren Wert

Ein Erfolgstrainer begann sein Seminar damit, dass er einen 50 EURO-Schein hochhielt und die Teilnehmer fragte: "Wer möchte 50 EURO haben?". Fast alle Teilnehmer hoben die Hand.
Er knüllte den Schein zu einer Kugel zusammen und fragte wieder: "Wer möchte immer noch die 50 EURO?" Und wieder meldeten sich fast alle.
Nun ließ er den zusammengeknüllten Schein auf den Boden fallen und trat mit den Füßen ein paar Mal auf ihn. Er hob den schmutzigen und völlig zerknitterten Schein auf und fragte: "Und wer will jetzt immer noch die 50 EURO?" Und wieder meldeten sich fast alle Teilnehmer. Schließlich hatte der Schein ja seinen Wert behalten, auch wenn er vielleicht etwas unansehnlich geworden war.

Die darin enthaltene Weisheit
Manchmal geht es uns wie diesem 50 EURO-Schein. Wir werden fallengelassen, man will uns herabsetzen oder erniedrigen oder durch den Schmutz ziehen. Und manchmal machen wir Fehler, die uns zusetzen oder es sind Umstände, die uns zusetzen und die wir nicht verhindern konnten.
Was auch immer jedoch geschieht, wir verlieren nie unseren Wert als Mensch. So lange wir uns selbst nicht fallen lassen, indem wir an unserem Wert zweifeln, solange kann nichts und niemand uns etwas anhaben.
PAL Verlag

Ich wünsche Dir, dass Du so mutig bist und Deinen eigenen Wert erkennst. Das sollte auch hilfreich gegenüber Autoritäten sein. Ich denke, mit dem Wissen, dass man seinen Wert nie verliert, egal was passiert, ist man entspannter. Wozu also Furcht?

Selbst wenn Du kritisiert werden solltest, wenn Leute Dich unfair behandeln sollten, kannst Du es jederzeit aus Deinem Selbstbewusstsein abrufen:
Du verlierst nie Deinen Wert.
Aber dazu muss man selber erstmal bereit sein, seine Einmaligkeit zu begreifen.

Und Du kannst mir glauben, am meisten werden wir von Leuten kritisiert, die selbst mit sich nicht einig sind. Leute mit emotionaler und sozialer Intelligenz und Kompetenz werden sich nie hin stellen und jemanden "fertigmachen". Die würden eher helfen und Mut machen.

Deshalb: Du solltest auch unterscheiden lernen, wer kritisiert.

Denkst mal drüber nach, ja?

Inaktiver User
09.04.2007, 18:56
Wie kann ich ein wenig entspannter werden?


Ich kann dich gut verstehen. Mittlerweile habe ich das "Vergnügen", auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen und selbst Studenten zu prüfen.

An sie und ihre Ängste musste ich denken, als ich neulich in der Stallgasse zwischen lauter unruhigen Pferden stand und mich schrecklich fürchtete. Da standen lauter wilde Hengste. Ich hatte ein Pferd angebunden, was das gar nicht haben kann. Überall diese starken Tiere und ich so hilflos dazwischen! Ein kräftiger Huftritt, und es wäre um mich geschehen gewesen :peinlich:

Wie froh war ich, als die Reitlehrerin erschien und mich erlöste. Sie war sicher 20 Jahre jünger als ich und hatte vielleicht nicht mal Abitur. Aber sie war die Herrin über all diese Pferde.

So kann es passieren, dass einem all die akademische Deko nichts nützt. Vielleicht entspannt dich das ein bisschen? Der Prof tritt nicht aus :smirksmile: und er hat auch seine Ängste.

Inaktiver User
10.04.2007, 09:58
Hallo,
ich freue mich über die Antworten. Klar, Professoren sind auch nur Menschen und haben ihre Ängste und Neurosen, die man zum Teil auch ordentlich zu spüren bekommt. Trotzdem bleibt bei mir ein mulmiges Gefühl. Auch jetzt gerade. Gleich muss ich mal wieder in eine Sprechstunde...
Vielen Dank auch an Ricarda. Das ist ein wirklich schönes Bild. Eigentlich weiß ich meine Fähigkeiten auch zu schätzen, bloß habe ich gleichzeitig das Gefühl, dass diese an der Uni nur wenig wert sind. Naja, man muss den Tatsachen ins Augen sehen und ich werde nicht umhin kommen mit Professoren zu sprechen. Da ich mich zu den Prüfungen anmelden werde, muss ich ja zwangsläufig des Öfteren in die Sprechstunden. Evtl. normalisiert sich meine Angst ja wieder.
Ich werde zumindest weiter daran arbeiten und freue mich von allen Seiten gehört zu haben. Von Studenten, die sich auch so fühlen und auch der Professorensicht.
Ashka

Rosina13
24.04.2007, 21:44
So blöd es klingt, aber probier Dir die Dozenten einfach nackt vorzustellen, es sind auch nur Menschen und nackt sind alle gleich. Ich meine das ernsthaft, ich mache das auch, wenn ich vor einer Prüfungssituation Angst habe. Humor hilft auch, probier einfach mal über dich und deine Angst zu lachen. Ich rede dann mit mir selber und sage mir wie dumm es doch ist vor dem oder der Angst zu haben...

Inaktiver User
30.04.2007, 09:36
Hallo, Ihr Lieben,
ich möchte hier auch noch meinen "Senf" dazugeben.

Ich leide seit 8 Jahren unter einer Panikstörung, habe aber sowieso mein ganzes Leben lang schon immer Ängste gehabt.

Ich bin im öffentlichen Dienst, arbeite auf der Chefetage einer großen Behörde. Bin seit kurzem alleinerziehend und arbeite nur teilzeit. Ich habe zwar einerseits einen sicheren Job, bei dem man mir auch nicht den Kopf abreißt, kann davon allein aber nicht leben und bin nicht sehr belastbar.
Ich bin auf den Job sehr angewiesen und ständig von der unterschwelligen Angst erfüllt, Fehler zu machen, die gravierende Folgen haben und /oder dass man dann auf mich sauer ist, was ich auch schlecht ertrage.
Ich bin auf diesen Arbeitsplatz umgesetzt worden, als mein Team aufgelöst wurde, habe mir das also nicht ausgesucht hier zu arbeiten. Ich bin hier das unterste Huhn auf der Stange, womit ich auch zufrieden bin, andererseits wird einem das auch oft subtil unter die Nase gerieben. Sowas kannte ich früher nicht.

Ich sitze in einem großen Raum allein, es sind zwar immer alle Türen offen, es kommt aber kaum mal jemand rein und macht ein bißchen Smalltalk. Alle sind sehr distanziert, und laufen mit einer Maske herum. Atmosphäre wie im Kühlschrank.

Die Kollegin, die mich hier eingearbeitet hat, hat ihre Arbeit an mich weitergegeben und selbst eine andere Tätigkeit übernommen. Dadurch habe ich zwar immer jemanden zur Hand, der sich gut auskennt und den ich fragen kann. Die Kehrseite davon ist aber, dass die Dame mich nicht ausstehen kann, kein privates Wort mit mir redet, NIEMALS etwas nettes, freundliches oder ermutigendes sagt und ich immer dumm dastehe, wenn ich Fehler mache oder etwas nicht weiß bzw. kapiere. Das Wort "bitte" existiert für sie nicht.

Ich bin zwar freundlich und hilfsbereit, renne bei ihr aber immer gegen eine Wand. Ich habe mich schon damit abgefunden, es macht mir aber die tägliche Arbeit schwer, weil ich eben mir ihr zusammenarbeiten muß.

Worauf ich hinaus will: hier ist auch diese unheilvolle Mischung aus Angst vor jemandem, der mir gegenüber im Vorteil ist, mit dem ich mich arrangieren muß, der mich aber ablehnt und mir bei Fehlern immer das Gefühl vermittelt, unzulänglich und dumm zu sein. Wann immer sie reinkommt und vor meinem Schreibisch steht, bete ich innerlich, dass ich sofort kapiere, was sie von mir will und ich mich nicht wieder blamiere (nach mittlerweile über 1 1/2 Jahren!).
Inzwischen komme ich hier morgens schon mit Übelkeit, Angst und innerem Widerwillen her.

Es ist aber nicht so "schlimm", dass man von Mobbing sprechen könnte. Sie "tut" mir ja nichts, sie ist nicht mal meine Vorgesetzte, und ich bin schon 42, habe also auch schon Berufserfahrung.....trotzdem verdirbt mir das mein Arbeitsleben.

Inaktiver User
30.04.2007, 10:13
@ Fromme Suse

Das klingt ja furchtbar! Hast Du denn keine Möglichkeit, doch noch innerhalb der Behörde zu wechseln?

Inaktiver User
30.04.2007, 13:22
Liebe YetYa,

vielen Dank für Dein Mitgefühl! Also, das ist natürlich meine subjektive Wahrnehmung, die ich hier schildere, rein äußerlich tut mir ja keiner was...
Ich sage mir immer: sei froh um Deinen sicheren Job, die Frau kann halt nicht anders, es sollte mir am A.... vorbeigehen, ob sie mich ablehnt... und anderswo könnte er mir wahrlich schlimmer ergehen, das ist ja klar, das habe ich auch schon erlebt. Das Problem liegt bei mir, bei meiner Ängstlichkeit und Empfindsamkeit.

Trotzdem werde ich mich sicher wegbeweben, wenn mal was anders in Aussicht steht, denn ich will ja langfristig wieder ganztags arbeiten, um finanziell unabhängig zu sein. Aber dazu muß man auch erstmal den Nerv haben!
Und es ist nur selten mal was ausgeschrieben, schon gar nicht im mittleren Dienst, das Land spart da kräftig...

Liegt wohl auch an meiner derzeitigen Lebenssituation, dass mir das so zu schaffen macht, das wird sicher wieder besser.

Und ich denke, man muß eifnach lernen, sowas auszuhalten, oder? ich kann nicht erwarten, dass mich jeder mag und mich mit sSamthandschuhen anfaßt....

Inaktiver User
30.04.2007, 14:36
Hm, das klingt ein bischen so, als trautest Du Dir gar nicht zu, die Situation zu bewerten.
ich denke, Mobbing fängt nicht erst da an, wo intrigiert und belästigt wird, sondern schon viel subtiler.

Du schreibst daß Du freundlich auf die Kollegen zugehst, aber gehst Du auch einigermaßen selbstbewußt auf sie zu oder eher ein wenig unterwürfig?

muggl
05.05.2007, 19:42
Hallo Ashka!

Mir geht es ein bisschen ähnlich. Selbst eine alte Therapeutin hat mir mal ein "Autoritäten-Problem" bescheinigt, ihre Wenigkeit gleich eingeschlossen, hihi.

Ich denke, es kommt neben der Erziehung auch darauf an, welche Erfahrung man mit anderen Autoritätspersonen, wie zB Lehrern gemacht hat (das althergebachte deutsche Gesellschafts- und Interaktionssystem, gerade in Schule und Uni, empinde ich für unsere Problematik als extrem kontraprodukitv... In Skandinavien zB würden wir uns wohl schlagartig wohler fühlen. Hoffe echt, dass das über die Generationen aufweicht...) Und wohl generell auf den Selbstwert, Anfälligkeit für Sozialphobie. Wenn man an diesen Dingen arbeitet, wird man auch gegenüber Profs zuversichtlicher.

Ich würde im Moment sagen, dass ich mit Lehrer, Dozenten, Profs inzwischen echt gut klar komme, sichtlich besser als viele meiner Mitstudenten, aber ich habe auch echt bewusst dran gearbeitet. Wo ich es allerdings echt noch merke, sind Vorgesetze. Mit meinen eigenen Chefs hab ich echt ein Problem (Chefs von anderen nehm’ ich locker!). Ich kann gar nicht locker mit ihnen umgehen und gehe ihnen lieber aus dem Weg. Das ist so ein Reflex, der mir -oft zu spät- immer auffällt. (Sich darüber auszutauschen, würde mich ebenfalls interessieren.) Daran muss ich echt noch arbeiten.

Da es eben sein kann, dass sich dieses "Problem" durchs ganze Leben zieht und sich auch auf andere Bereiche als die Uni ausweitet, denke ich es ist echt sinnvoll, sich damit auseinander zu setzen und eine Lösung zu finden. Ich denke an eine Lösung jenseits von Bachblüten, weil es eben wirklich ein Bereich ist, der ans ganze Leben und alle erdenklichen Situationen umfasst. :smirksmile:
Auch Prüfungen sind die Hölle, wenn man schon Angst vor einem normalen Gespräch hat.

Weil hier jemand empfohlen hat, sich die Profs nackt vorzustellen… :zwinker: Das wurde uns sogar mal live von Dozenten vorgeschlagen, als ihnen klar wurde, dass viele im Kurs Prüfungsangst und mit drohenden BlackOuts haben. Ich muss sagen, der Gedanke, die beiden ungeliebten Gestalten auch noch nackt zu sehen, hat bei den meisten das Trauma noch verstärkt… :freches grinsen: Ich meine, Du kannst es ja probieren, es schad’ ja nix.
Allerdings klingt das Problem bei Dir so verhärtet, dass das nicht so effektiv sein dürfte… Wenn Du schon die Nacht vor einem Treffen nicht schlafen kannst, müsstest Du Dir den Prof ja die ganze Nacht nackt vorstellen … und ob Dich das beruhigt?! :smirksmile:

Ich überlege mir, welche konkreteren Ratschläge man aus meinen inzwischen positiven Erfahrungen mit Profs ableiten könnte, und melde mich nochmal.

LG!

Muggl

Inaktiver User
07.05.2007, 17:38
Das ist ja ein netter Beitrag, Muggl. Macht mir Mut. Ich habe mich mittlerweile mit allen Prüfungsprofs. getroffen und es war - natürlich - nicht so schlimm. Vielleicht bringt ja auch die Übung ein bisschen was.
tatsächlich haben die Bachblüten nichts gebracht. Einen Versuch war es aber trotzdem wert. Es zeigt noch deutlicher, dass die Angst im Kopf sitzt und vermutlich auch dort bekämpft werden muss. Nur wie? Ich bin leider nicht so der Typ für lange Entspannungsübungen. Auf wundersame Art und Weise werden die plötzlich immer kürzer. Irgendeinen Weg wird es geben und bis zu den prüfungen ist es ja immerhin noch ein Jahr hin.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf Deine Vorschläge und freue mich zu hören, wie es einer Leidensgenossin ergangen ist.
Liebe Grüße
Ashka

Inaktiver User
07.05.2007, 18:05
Hallo Ashka!

Ich kenne das was du beschreibst auch von früher, von Schule und Uni. Diese Angst ist geradezu lähmend und macht einen leider im Extremfall fast handlungsunfähig. Dazu kommen dann noch die Schuldgefühle - warum fühle ich mich denn jetzt so, was stimmt mit mir nicht, warum kann ich nichts dagegen machen (vor allem im entscheidenden Moment)?

Heute ist es besser. Ich helfe mir mit Yogaübungen - damit trainiere ich meine Konzentration und meine Selbstkontrolle. Die Selbstkontrolle ist besonders gut bei negativen Gefühlen und solchen, die nicht der Wahrheit entsprechen (also die Angst nimmt einen in dem Moment "in Besitz"), aber sie kontrolliert dich nur.
Wenn man lernt seine Angst zu kontrollieren, kann sie einen nicht mehr bestimmen.

Außerdem gibt es in den Momenten, in denen die Angst zuschlägt, eine schöne Frage, die man sich stellen kann:
Was ist in mir bedroht? Meistens liegt hinter der Angst (z.B. sprechen mit dem Prof.) etwas ganz anderes (z.B. ich will nichts Falsches sagen). Und wenn man das herausgefunden hat, hat sich die Lage/die Angst total entdramatisiert.
Das funktioniert eigentlich wie ein Werkzeug :smile: .

Lili :blume:

muggl
07.05.2007, 18:55
Hallo Ashka!

Hmhm, ich denke, dass Üben und Umdenken nicht nur ein bisschen was hilft, sondern sozusagen die (einzige?) Lösung ist!
Entspannungstechniken helfen vielleicht in der akuten Situation, aber oft sind die "Beschwerden" ja gar nicht so stark, dass man sie bewusst spürt. Wie ich mit meinen Chefs. Es ist nicht so, dass ich mich jedes Mal panike und tiefenentspannen müsste, wenn ich sie sehe. Ich fühle mich halt erstmal unsicher und unwohl (was sich dann ins Unermessliche steigern kann, wie wir wissen). Aber da gehts eben schon los.
:knatsch:

Du hast ja geschrieben, dass Du schon mal eine Therapie gemacht hast, sie aber für das konkrete Problem nicht so hilfreich war. Was war das denn für eine? - Ich denke, es kommt sehr drauf an, die richtige Therapieform zu finden!

Alzo. Ich hab insgesamt 2 (oke, 2-3 :zwinker: ) verschiedene Therapieformen ausprobiert...
Die erste war von Ansatz her tiefenpsychologisch, Gesprächstherapie. Die half mir am Anfang ganz gut, sich mal alles von der Seele zu reden, aber längerfristig hat sie mich nur noch mehr heruntergezogen, weil die Therapeutin den Blick immer auf meine Probleme und Defizite fixiert hat, nicht auf Lösungen und eine Veränderung. Irgendwann dachte ich nur noch, ich bin ein völlig vermurxtes Wrack :ooooh:.
Irgendwann hatte ich vor Prüfungen (schon beim Gedanken, Monate vorher) solche Panik mit Atemnot, dass ich sogar zu einem Tiefenpsycho-Therapeuten mit Hypnose-Schwerpunkt ging. Das war interessant und entspannnend, aber dauerhaft, für den Alltag nicht so hilfreich. (Im Endeffekt hätte man sich wohl in akuten Phasen selbst "hypnotisieren" sollen, hab ich dann auch mal bei einer Prüfung gemacht, indem ich bewusst keinen anderen Gedanken mehr zugelassen habe als "Ich kann das, ich kann das,..." und mich so "selbst hypnotisiert", wie die Experten das nennen. Effekt war ok, als ich vor der Tür der Ohmacht nah war :smirksmile:, hielt aber in der Prüfung nicht lange nach. Manche trommeln sich auf die Brust und sagen: "Ich bin gut, ich hab Mut." Gefällt mir putzig.:zwinker: )

Was mir für so negative Gedankensprialen und Ängste wirklich, wirklich, wirklich geholfen hat, war eine Therapeutin, die verhaltenspsychologisch arbeitet, kognitiv ausgerichtet ist, aber auch eine fundierte Ausbildung in systemischer Familientherapie und Hypnose hat. Das bedeutet:
- Sie hatte das methodische Instrumentarium, mit mir zusammen herauszufinden, welche Probleme ich habe, wann sie auftreten und wie sie sich äußern, und dann mit mir Wege zur Problemlösung zu erarbeiten und neue Schemata zu trainieren. Das mit dem 'Üben' meine ich deshalb wortwörtlich. Üben war wie eine Hausaufgabe. Beim nächsten Mal haben wir meine Erfolge und Misserfolge beim Üben besprochen und weitergearbeitet. Die ersten kleinen Erfolge, an harmlosen Übobjekten wie Freunden oder Leute, die man im Alltag so trifft, beflügeln einen schon und machen Mut. :allesok:
- Wenn ich mal eine ganz schlechte Zeit hatte, schon panisch zur Sitzung kam, konnte sie mich durch die 'Hypnose'-Ausbildung sehr gut entspannen (Gedanken weg vom Negativen, hin zum Positiven, Stärkenden). Wobei 'Hypnose' nicht bedeutet, dass ich weggeschläfert wurde, wie bei diesen elendigen Show-Hypnosen im TV! Es geht vielmehr darum, die negativen, verspannten, schließlich beängstigenden Gedanken abzulenken und auf etwas Entspannendens, Stärkendes zu lenken und diese positiven Gefühle tief zu speichern und wiederabrufbar zu machen, zB wenn Dich die Panik packt. - Mir wurde das so erklärt, dass ich mich hinsichtlich "Prüfung" durch meine ständigen negativen Gedanken und Gefühle schon so selbst 'hypnotisiert' hatte, dass man nur noch das Stichwort "Prüfung" geben musste, und schon panike ich und denke nicht mehr klar. Und so war es auch. Bei "Prof" und "Sprechzeit" funktioniert das genauso.
- Durch ihre systemisch familientherapeutische Ausblidung konnten wir, als es mir an sich besser ging, noch analysieren, wo die Ursachen für meine Probleme liegen und welche Verhaltensweisen und Strukturen mich "krank" machen, damit ich sie kenne und nicht wieder drauf reinfalle. Das ist dann wieder eher Tiefenpsychologie. - Also, wenn man in manchen Situationen gar nicht mehr klar kommt, muss das Ursachen haben und etwas suboptimal gelaufen sein, in dem, wie man gelernt hat zu leben und mit sich und anderen umzugehen. - Aufdecken und umtrainieren.

Deswegen meinte ich, es muss eine Lösung jenseits von Bachblüten geben :allesok:. Die Ursachen sind durchaus aufdeckbar und neue Verhaltensweisen und Strukturen erlernbar. Wenn es auch nicht einfach ist und durchaus Rückfälle drohen... :knatsch:

Jetzt habe ich Dir praktisch vom System her schon geschrieben, wie ich "daran arbeiten" konnte. Zu konkreten "Maßnahmen" gegenüber Profs muss ich nochmal in mich gehen und sie gedanklich sortieren.
Im Grunde habe ich an ihnen halt wirklich trainiert. Schritt für Schritt. Dabei nicht beim größten Brocken angefangen, sondern bei den netten, eh freundlichen. Eine Jahrhundert-Angst-Prüfung beim Angst-Fieslings-Prof des Instituts wurde dann quasi mein Meisterstück (super Stimmung, sehr amüsant, Note 1,0 *umkipp*). Da hat mich meine Therapeutin dann auch aus der Lehre entlassen. :freches grinsen:

Grüße!

Muggl

Inaktiver User
10.05.2007, 12:46
Hallo,
danke für die Antworten. Habe gestern schon mal einen Beitrag geschrieben, der leider auf wundersame Weise verschwunden ist. Trotzdem machen mir die vorherigen Beiträge Mut. Ich übe fleißg die Konfrontation mit den Professoren und weiß aus sicherer Quelle etwas zu einer recht ausgefallenen Sammelleidenschaft des einen Profs (=süß und menschlich).
Dennoch muss ich noch weiter an der Angst arbeiten. Neulich musste ich ein Referat halten und dacht nur: "wie soll ich bloß eine mündliche Prüfung schaffen??" Leider war das Referat nicht so prickelnd, obwohl ich darn normalerweise nicht so schlecht bin. Ist nur mal wieder ein Rückschlag.
Zur Therapie: Auch ich war in verhaltenstherapeutischer Behandlung. Irgendwie haben wir während der Therapie zwar immer wieder das Thema gestreift, es aber nicht so richtig intensiv bearbeitet. Leider kann ich jetzt nicht wieder eine Therapie machen, schon wegen der Krankenkasse nicht, ich müsste mich also irgendwie selbst therapieren und bin auch bereit dazu. Irgendwie muss man es ja auch selbst schaffen können, sich umzuprogrammieren. Schön wäre auch, wenn ich mehr Selbswertgefühl bezüglich meiner Leistungen und meiner Intelligent hätte. Darin liegt nämlich echt ein Problem.
Ich freiu mich, noch mehr von Euch zu hören.
Danke.

muggl
11.05.2007, 11:08
Hallo!


... Leider kann ich jetzt nicht wieder eine Therapie machen, schon wegen der Krankenkasse nicht, ich müsste mich also irgendwie selbst therapieren und bin auch bereit dazu. Irgendwie muss man es ja auch selbst schaffen können, sich umzuprogrammieren. ...

Ja, da hast Du recht. Gerade wenn Du in einer Verhaltenstherapie warst, müsstest Du 'Werkzeuge' an der Hand haben, um selbst weiter zu arbeiten. Meine letzte Therapeutin hat zB ausdrücklich darauf bestanden, weil "Therapie keine (endlose) Lebensbegleitung sein soll", wie sie sagt. - Aber ich weiß von mir selber, wie schwer das ist und wie oft man wieder in alte Verhaltensweisen zurückfallen kann. Beziehungsweise, dass man doch oft kein Land mehr sieht und sich nicht mehr gut selbst motivieren kann, und wenn dann ein paar Rückschläge auf einmal kommen, versinkt man wieder im Strudel... *seufz* - Bei mir ist es immerhin so, dass ich sehr viel zuversichtlicher bin als früher, weil ich weiß, dass "man etwas machen kann", sich selbst helfen und ändern kann. Und die wichtigsten Grundeinstellungen habe ich verinnerlicht, denke ich. An manchen Stelle sind aber noch Baustelle, das weiß ich.

Manchmal hat man da von außen einen klareren Blick. Was mir beim Lesen Deines Beitrages auf - & eingefallen ist... Du könntest gerade die Rückschläge, von denen Du schreibst, nutzen und Dich motivieren: "Pah, darauf lasse ich es nicht beruhen, darauf will ich jetzt nicht sitzen bleiben! Her mit einem Erfolgserlebnis!" Und dann suchst Du Dir eines. Kann ja ein kleines, alltägliches sein. Damit der bittere Geschmack und die herunterziehende Wirkung des Misserfolgs weg ist!

Wenn Du in konkreten, akuten Situationen (Referat, Prüfung) ganz und gar neben Dir stehst, wie es sich anhört, ist es vielleicht wirklich hilfreich, eine Tiefenentspannungs-Technik fundiert zu erlernen. Das wurde hier ja schon angesprochen. Allerdings muss man die Technik wirklich beherrschen und lange trainiert haben, um sich auch in solchen Extremsituationen noch in den Griff zu bekommen.
Ich habe mich mal mit "Progressiver Muskelentspannung" (PMR) befasst. Wenn man darin richtig gut trainiert ist, soll es möglich sein, sich wie auf Knopfdruck in eine entspannte Lage zu versetzen. Machen zB Künstler vor Auftritten. Allerdings musst Du dazu bereits ein kleiner Meister in PMR sein. - Es soll einige Monate intensiven Trainings brauchen, bis man diese Stufe erreicht. (Ich persönlich bin nie so weit gekommen; am Anfang dauert es länger bis man die Entspannung erreicht und es ist nicht so tief, aber auch nett.) Wenn Du das also jetzt anfangen und ernsthaft betreiben würdest, könntest Du bei den Prüfungen in einem Jahr davon profitieren. Muss man praktisch "auf Vorrat erlernen".

Alles Gute weiterhin!

Muggl