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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Krise?



Inaktiver User
27.03.2007, 10:31
Liebe Bri com,

ich bin momentan einfach in einer Lebenskrise und
ich weiss irgendwie nicht, wie ich endlich anpeile,
was mir im Grunde genommen zusteht (und ich will
es ja auch). Bei mir dreht sich momentan eine Spirale,
die irgendwie nur schwer zu stoppen ist. Vor einem Jahr
ist eine mir nahestehende Person gestorben
und ich habe mir irgendwie verboten, allzu lange zu trauern.
Eine zeitlang habe ich sehr viel geweint und hab
mir dann irgendwann gesagt, dass es nun "genügt"
und habe dann wenig darüber nachgedacht und habe
mir rein gar nichts anmerken lassen. Ich wollte jedem
zeigen, dass ich es weggesteckt habe und war wieder für jedermann da.
Bin eher diejenige, die immer alles zusammenhält.
Da kann ich mir selber nicht erlauben einfach
schwach zu sein.

Jedenfalls stehe ich kurz vor einer wichtigen
Abschlussarbeit und empfinde jede Berührung und jede Konversation
die sich darum dreht, als absoluten Druck.
Ich fühle mich zudem richtig alleine und habe kaum
jemanden mit dem ich einmal venünftig reden kann.
Erstens lasse ich mir nichts anmerken und Zweitens
weiss ich einfach nicht, wo mein Problem liegt. Ich meine,
ich habe das Gefühl, das alle immer nur mein Bestes wollen.
Alle möchten, dass ich entweder glücklich werde und alle
sagen mir, dass sie zuversichtlich sind,
was mein Leben betrifft. Einfach, weil ich als sehr stark und beliebt gelte.
Aber alles was ich Momentan fühle ist blanke Einsamkeit
und das Gefühl, nichts zu können und kein richtiges
Ziel zu haben.Dabei gibt es ein konkretes Ziel, nämlich die Abschlussarbeit.
(die ich nur noch verdränge, warum??)
Das mit der Abschlussarbeit erkläre ich mir so,
dass ich blanke Angst vor dem weiteren beruflichen
Werdegang habe. Ich frag mich manchmal, ob ich
überhaupt fähig bin, in der harten Arbeitswelt "klar" zu kommen.

Früher hatte ich selten und kaum solche Gedanken und jetzt
bin ich ein verängstigter Mensch, der sich kaum etwas zutraut.
Ich meide den Kontakt zu den Prüfern und gelte mittlerweile
als unzuverlässig und schwer zu erreichen, dabei bin ich das
nicht und war immer sehr aktiv.

Ich kann irgendwie nicht mehr über meinen Schatten
springen und benehme mich irgendwie "irrational".
Wie komme ich aus so einer komischen Verfassung
wieder raus und packe mein Leben wieder an?
Mittlerweile kann ich mich einfach nur noch selber nicht mehr ausstehen. Das kanns ja auch nicht sein.

Am liebsten würde ich einfach nur flüchten aber DAS
wäre natürlich total passiv und ich würde mir das immer
vorhalten.

übertreibe ich einfach bloss? Selbst das kann ich mir
nicht beantworten. Ich kann mich nicht mehr einschätzen.

:wie?: :knatsch:

Ich weiss momentan nichts mit mir anzufangen.

Ella
27.03.2007, 10:47
Liebe Shizzle!
Was du schreibst kommt mir sehr bekannt vor. Ich kann dir keine guten Ratschläge geben, da ich mich in einer ähnlichen Sitaution befinde, nur soviel: Du bist keinesfalls abnormal oder sowas. Dieser Druck der auf einem Lastet, ist in der Endphase des Studiums enorm, auch ich habe den Eindruck ich schaffe das einfach nicht,. Genau wie du, gelte ich auch als "starke" Person, sprich: mich haut nichts um. Das stimmt natürlich überhaupt nicht, aber nach außen hin, wirken wir wohl wie starre Säulen, die nichts umwerfen kann.
Das vermeiden mit den Prüfern etc.: Da geht es mir genauso und ich habe ein schrecklich schlechtes Gewissen, fühle mich mies deswegen und es ist mir schrecklich peinlich, dass ich es nicht mal mehr schaffe in diese Sprechstunden zu gehen. Ich habe Angst vor dem Totalversagen: Was wenn ich das einfach nicht packe?
Ich leide unter einer Angststörung, auch Agoraphobie genannt, die sich langsam ausgebildet hat. Ich hatte in den letzten Jahren auch einige Todesfälle in der Familie die ich innerlich nur sehr schwer verkraftet habe, dennoch nach außen recht unerschütterlich wirkte. Zudem habe ich eine Trennung hinter mir, vor einem Jahr, die Angststörung ist einer der Gründe gewesen.
Ich weiß nicht genau wie du dich fühlst, vielleicht stehst du einfach unter Stress und fühlst dich deswegen nicht gut, dann nehme ich meine Vermutung natürlich zurück, aber vielleicht leidest du auch an Ängsten die sich übermäßig anstauen und die du nicht bewältigen kannst. Auf jeden Fall bin ich hellhörig geworden als ich gelesen hab, dass du dich sehr verängstigt fühlst, spielt diese Angst sich den ganzen Tag ab, hast du vielleicht sogar Panikattacken, kannst schlecht schlafen, zergrübelst auch Nachts deine Probleme und meidest jegliche "Gefahrenzonen"?
Vielleicht können wir uns ja austauschen, ich hab auch schon einige Therapien hinter mir, suche gerade nach einem neuen Therapeuten der mich vielleicht etwas unterstützt, denn ich will meine Ängste jetzt auch endgültig in den Griff bekommen. Du kannst mir auch gerne eine PN schreiben.
LG
Ella

Ersatzkaffee
27.03.2007, 13:53
Die Panik und Sinnfrage haben die meisten am Ende des
Studiums.
Ich kann mich daran erinnern, dass es an unserer Uni damals
sogar Gesprächsgruppen zu diesem Thema gab.
Kannst Du die Arbeit (wenigstens für ein paar Wochen oder Monate) verschieben und Dir mal ne Auszeit nehmen?
Klappt allerdings nur, wenn Du Dich danach auch auf den Hosenboden setzt.

Und wenn Du Angst vor der Arbeitswelt hast, kannst Du Dir auch erst einmal einen Puffer schaffen.
Also vorläufig eingeschrieben bleiben (auf Promotion, selbst
wenn Du keine willst, sieht immer gut aus) und Dich in Ruhe orientieren.

Vor allem solltest Du Dein Denken anders ausrichten, nämlich weniger an der Meinung anderer.

Die Frage ist nämlich nicht:
Wie wirke ich auf andere, was denken die von mir,
was erwartet meine Familie von mir

Sondern: Welche Stärken habe ich, welche Schwächen kann
ich kaschieren, zu welchen kann ich getrost stehen, was will ich und wie stelle ich mir meine berufliche, private Zukunft vor?
Wie kann ich mir meine eigenen Wünsche am besten erfüllen.

Was den Mangel an Konversation angeht:
Es gibt immer wieder im Leben Phasen, in denen man selber vor einem Umbruch steht.
Dann werden Leute, die man früher für wichtig hielt, plötzlich unwichtig. Man merkt, dass man sich weiterentwickelt,
selber andere Ansprüche bekommt, und die Gespräche mit alten Bekannten nicht mehr die gleichen wertvollen Inhalte haben.
Das ist gut so und ein Zeichen von Reife. Du entwickelst Dich und traurig aber wahr: Das wird Dir noch ein paar Mal im Leben so gehen.
Da hilft nur eines: Neue Kontakte knüpfen

Ach und noch eine Kleinigkeit:
Nimm Dir jeden Tag eine Kleinigkeit vor, auf die Du Dich freuen kannst.

Ich habe damals meine Prüfungen nur deshalb gut durchstanden, weil ich für die Zeit nach meiner Prüfung eine
dreimonatige Reise geplant hatte, von der ich immer geträumt hatte.
Da konnte ich bei Klasuren denken: Ätschibätschi, nur noch den Mist hier und dann liege ich in der Karibik!!!

Inaktiver User
31.03.2007, 14:28
Hallo Shizzle,
hast du dir vieleicht zu wenig Zeit zum trauern genommen?
Und jetzt wo von außen eine großer Druck auf dich zukommt verlagerst du das.
Wenn ja, hilft dir vieleicht eine Selbsthilfegruppe in der du deine Trauer ausleben kannst (ohne hilflos zu wirken) und trotzdem deinen Alltag bewältigen kannst. Vieleicht wird dann die Angst (auch vor der "bösen" Welt) kleiner und verschwindet irgendwann.
Viel Glück und alles Liebe
Selueh

Inaktiver User
01.04.2007, 13:11
Lieben Dank für die überaus hilfreichen Antworten.
Ja, ich denke es ist von allem etwas.
zuwenig getrauert und ... bei mir ist es so,
dass ich mir keine Schwächen eingestehen kann,
immer souverän wirke, dabei habe ich schon sehr
lange das Gefühl nicht mehr "ich selbst" zu sein
und mir vieles einfach entgleitet. Es macht mir auch
nichts mehr wirklich Spass uns ich sehe nur das
negative. Ich sehe nur noch meine Fehler.
und komme da einfach nicht mehr raus.

:ooooh: