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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nie Abschied genommen



meta1
25.03.2007, 23:11
.. habe ich von meinem Vater.

Er ist vor fast 24 Jahren einfach gegangen und starb. Alleine, mit zwei Hunden im Wald.


Meine Mutter starb vor 7 Jahren, ich saß an ihrem Bett, sie atmete zum letzten Mal, als ich ganz kurz aus dem Zimmer war zur Toilette.



Und jetzt ist niemand mehr da, der mich so liebt oder annehmen kann, wie ich bin, wie das Eltern doch wohl tun.

sleepless
25.03.2007, 23:39
Liebe Meta!

Ich kenne das, nämlich dass der Tod von Eltern Jahre danach noch sehr schmerzen kann, weil man nicht richtig Abschied nehmen konnte.
Doch ich denke, dass man sich auch von Verstorbenen noch "vera bschieden" kann, indem man täglich ein paar Minuten an sie denkt.

Mach Dir doch bitte bewusst, dass Du ein Teil Deiner Eltern bist , die Dich geliebt und angenommen haben, wie Du bist.
Schon allein deshalb solltest DU DICH SELBST annehmen und lieben wie Du bist. Das wäre sicher im Sinne Deiner Eltern.
Alles Liebe
sleepless

Inaktiver User
26.03.2007, 01:33
Liebe Meta,
ich kann Dein Denken gut verstehen. Ich habe vor kurzem hier selbst so ein Thema eröffnet. Vielleicht magst Du dort mal lesen.

Mir ist aufgefallen, wie viele Menschen es gibt, die noch Jahre nach dem Tod eines geliebten Menschen, damit hadern, dass der Abschied nicht so war, wie er/sie es sich als Abschied vorgestellt hätte.

Als ich gelesen habe, was Du über den Tod Deiner Mutter geschrieben hast, fiel mir spontan ein: Die Beiden haben sich doch voneinander verabschiedet, haben einander losgelassen, denn beide sind zur gleichen Zeit auseinander gegangen.

Ich bin sicher, dass vieles beim Menschen auf Ebenen stattfindet, die uns verschlossen bleiben. Daher glaube ich bei Dir und Deiner Mutter, dass der Ritus sich zu verabschieden, Euch gegeben war. Nur - und da suche ich immer noch nach einer Bezeichnung -Abschied bei Sterben ist etwas anderes als Abschied im Leben. Da wird der Unterschied zwischen "nie wieder" und "bis bald" auch in der Art des Auseinandergehens deutlich.

Ich drück´ Dich mal und wünsche Dir einen schönen Start in eine Frühlingswoche.
Kranich

meta1
26.03.2007, 20:12
Ja Kranich, der Abschied von meiner Mutter, den gab es wohl, aber von meinem Papa nicht.

Wie ich schrieb, er ging morgens mit zwei großen Hunden aus dem Haus und kam nicht wieder.
Er ging, um das freie Training der Formel 1 zu sehen, Freitag-Training. Damals gab es in Hockenheim noch die Ostkurve und da musste man damals nichts bezahlen, wenn man wußte wo man hin muss.
Und auf seinem Nachhauseweg ist er dann verstorben. Die beiden Hunde haben auf ihn aufgepasst, die ganze Nacht und am nächsten Morgen wurde er durch einen Hubschrauber gefunden, der über der Rennstrecke kreiste.

Stell dir das vor, er war die ganze Nacht im Wald.
Und es hätte so viel zu reden gegeben, er hatte sich so auf sein erstes Enkelkind gefreut.

Inaktiver User
26.03.2007, 20:23
Liebe Meta,
ich bin fast sicher, dass es einen Abschied gab, aber vielleicht keinen so wie wir uns das vorstellen. Was ich beruhigend fände, ist, dass er ja auch nicht alleine da war. Ich weiß, dass sich Tiere sehr um andere kümmern, wenn sie merken, dass diese Hilfe benötigen. Ich bin sicher, dass die beiden Deinen Vater gewärmt haben und ihm die Sicherheit gaben, dass er nicht alleine ist. War er denn vorher krank, oder kam das für Euch aus heiterem Himmel?

Du schreibst ja auch, dass er starb kurz bevor Dein Kind geboren wurde. Es mag sich gespenstisch anhören, aber vielleicht haben sie die beiden Seelen auch getroffen und haben sich ausgetauscht. Vielleicht hat Dein Vater auf diese Art viel mehr hinterlassen, als das so auf den ersten Blick deutlich wird. Ich kenne ganz viele Familien, in denen dieses genauso passiert: einer geht - einer kommt. Wenn es wirklich die Seele gibt, warum sollten sich die Verwandten dann nicht irgendwo zwischen Himmel und Erde treffen und austauschen.

Kranich

Inaktiver User
26.03.2007, 20:29
Meta, ich drück dich gaaanz dolle.

ich kenn das Gefühl. Ich glaube du weißt ja das ich in Hong Kong lebe und ich hab einen lieben Menschen letzten Montag verloren und jetzt tut es mir sehr weh, dass ich nicht schnell genug den Flug gebucht habe.

Aber am donnerstag ist die Beerdigung und ich werde HIER an sie denken und ich weiß sie ist mir nicht böse.
Und ich weiß für mich, das es ihr einfach wichtig war, dass ich sie nie vergesse, sie immer in meinem Herzen tragen werde.

Liebe Grüße
Monchi

meta1
26.03.2007, 20:34
Das habe ich auch schon sehr oft gehört, dass einer geht und einer kommt. Bei meinem Onkel war es ähnlich, meine Cousine hatte ein Kind bekommen, kurz danach starb mein Onkel.


Ja, dass mein Papa nicht alleine war, sondern mit den Hunden, das war schon sehr tröstlich. Die beiden hatten damals auch niemanden zu der Leiche gehen lassen, die Polizei musste meinen Bruder holen, der die Hunde weg bringen musste. Einen Fremden hätten die beiden zerrissen, obwohl es absolut friedliche Tiere waren. Aber in der Situation war den beiden einfach klar, dass sie ihr Herrchen beschützen müssen.
Mein Papa war zwar krank, aber dass er so einen plötzlichen Herzinfarkt bekommen würde, damit hatte niemand gerechnet.


Nur muss ich gestehen, dass eben in meiner jetzigen Lage ich meine Eltern mehr denn je vermisse, Klar, da wäre dann jemand, mit dem ich reden könnte, der mich vielleicht auch verstehen würde, aber der auch für mich da wäre.
Und das ist etwas, das mir eben in meiner jetzigen Lage am meisten fehlt.

Inaktiver User
26.03.2007, 20:44
Warum versuchst Du nicht mal, Dich in einer ruhigen Stunde irgendwohin zu kuscheln, Dir Deinen Vater und/oder Deine Mutter vorzustellen und sie zu fragen? Bei mir klappt das ganz gut - ich habe ein wenig gebraucht, um mich nicht ablenken zu lassen, aber dann ging es.

feuerdorn64
27.03.2007, 15:57
Hallo meta,
erstmal: :wangenkuss:. Tja, und jetzt weiß ich nicht so richtig weiter... Ich gehöre mit meinen knapp 43 Jahren bei uns in der Familie auch schon fast zur "ältesten Generation". Viele sind inzwischen "gegangen" (meine Eltern im Abstand von 4 Jahren). Manche konnte ich relativ leicht loslassen, andere nicht. Meine Oma z. B. mochte einfach nicht mehr. Krieg, Ehemann vermisst gemeldet, allein 6 ihrer 8 Kinder "durchgebracht" usw. Sie hatte einfach keine Energie mehr, war nur noch krank, kraftlos und hat "aufgegeben". Bei meinem Vater war die Trauerarbeit für mich schon schwieriger. Wut und Unverständnis für sein "aufgeben" haben mich lange begleitet. Er hat es nie verarbeitet, dass seine Kinder groß werden, ihren eigenen Weg gehen und ihn nicht mehr "brauchen". Und er hatte wahnsinnige Angst vor dem "alt werden". Davor, dass er irgendwann auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sein würde. Ich wollte und konnte das für mich lange Zeit nicht akzeptieren. Habe (auch nach seinem Tod) oft mit ihm gehadert, ihn nicht "losgelassen", in Gedanken immer wieder das Gespräch mit ihm gesucht. Bis ich das Gefühl hatte, ich drehe langsam durch.
Aber am schlimmsten war für mich der Tod meines Lieblingsonkels. Er wollte nicht gehen, hat bis zum letzten Atemzug gegen seine Krebserkrankung gekämpft. Ihn wirklich loszulassen, hat über 20 Jahre gedauert. Keiner aus meinem Umfeld konnte verstehen, dass ein Mensch so lange mit Trauer beschäftigt sein kann! Habe nicht mehr über ihn geredet, weil mich alle für "verrückt" gehalten hätten. (Ich meine mit Trauer jetzt nicht den ersten, scharfen Schmerz, der auf den Verlust eines Menschen folgt, sondern die ständigen, quälenden Fragen nach dem Warum.) Leider gibt es für das "Loslassen können" kein Patentrezept. Mir hat geholfen, dass ich meine Gedanken und Gefühle aufgeschrieben habe, mir vorgestellt habe, dass sie mir über die Schulter sehen und mich verstehen. Und das sie mich, obwohl ich so verrückt bin, immer noch lieben. Ich habe meine Briefe mit den Worten beendet, dass es kein Abschied für immer ist, sondern dass ich fest damit rechne, dass sie mich hier "abholen", wenn meine Zeit in diesem Leben abgelaufen ist. Für dich vielleicht nicht so tröstlich wie für mich, aber vielleicht reicht allein die Tatsache, dass du nicht als einzige Probleme mit dem "Abschied nehmen" hast? Ich wünsch' es dir jedenfalls.:blumengabe:

meta1
28.03.2007, 20:23
Gestern war der Todestag meiner Mutter und ich hatte weder heute noch gestern die Zeit, um auf den Friedhof zu gehen. Irgendwie tut mir das sehr leid, aber ich denke die ganze Zeit an sie, sie wird es wohl merken/wissen.


Feuerdorn, ich kann dich gut verstehen. Mit meinem Papa hadere ich auch, warum er so früh gegangen ist, warum er sich nicht mehr Mühe gegeben hat, gerade, als alles wieder sich zum besseren gewandelt hatte.


bei meiner Mutter verstehe ich es sogar. Sie war müde, ausgelaugt, hatte keinen Lebenswillen mehr. "Ihre Aufgabe", also das, was sie als ihre Aufgabe sah, ich und meine Tochter, wir waren nicht mehr so auf sie angwiesen, wie sie es wohl gerne hatte. Ich hatte gerade wieder geheiratet, also für meine Mutter war ich versorgt, und meine Tochter wurde flügge, hatte ihren ersten Freund und war dann auch nicht mehr so das Oma-kind. Sie hatte nicht die Kraft, gegen ihre Krankheit zu kämpfen. Leider.