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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Merkwürdige Freundschaft



Maedchen
20.03.2007, 15:12
Liebe BriCom,

seit ungefähr 4 Jahren habe ich eine Freundin, die ich über den Job kennen gelernt habe. Zu Beginn ging sehr viel Initiative von ihr aus, später hat sich das dann ausgeglichen.
Diese Freundin hat seit über 13 Jahren einen Freund, mit dem sie ein Kind bekommen hat, den sie vorletztes Jahr auch geheiratet hat.

Soweit so gut.

Jetzt die Problematik: mit dieser Freundin ist keine engere Bindung möglich, da sie nie nach meinem Leben fragt (insbesondere ist der Beruf – wir haben beide den gleichen, arbeiten auch in der selben Firma). Das heißt also, ich verbringe Nachmittage bei Kaffee und Kuchen, Abende mit mehrgängigem Essen bei ihr uns ihrem Mann, ohne dass ein einziges Mal gefragt wird (von beiden nicht), wie’s mir geht, was ich mache. Nie!

Ein Beispiel: Wir waren zusammen aus (sie, ihr Mann, mein Freund und ich) und mein Freund und ich kamen von einer 4wöchigen Fernreise zurück, braungebrannt und gutgelaunt und hatten eigentlich viel zu erzählen.
Den ganzen Abend über wurde das Thema noch nicht einmal angeschnitten.

Und beim letzten Treffen vor ein paar Tagen hatte ich ihr von meiner beruflichen Veränderung erzählt (die relativ drastisch ist), da hat sie mit keinem einzigen Wort drauf reagiert.

So, jetzt fragt sie aber regelmäßig und sehr nett nach, wann mein Freund und ich uns endlich mal wieder sehen könnten.
(Ich hatte noch vergessen, zu erwähnen, dass der Mann der Freundin total schräg ist und ebenfalls nicht nachfragt. Er bringt es fertig, 2 Stunden an der Kaffeetafel zu sitzen, ohne ein Wort zu sagen, dabei redet er ansonsten gern und zwar am liebsten über sich).
Ich bin im Dilemma. Am Allerliebsten würde ich den Kontakt einfach auslaufen lassen, und wenn man sich über den Weg läuft ist es auch gut. Aber diese Idee klappt nicht, weil eben regelmäßig Einladungen kommen.

Was es mir schwer macht, klare Worte zu sprechen, ist, dass (sie zumindest) eigentlich eine sehr warmherzige Person ist. Sie macht sich immer viel Gedanken um Geschenke (zum Geburtstag z.B.), kocht sehr aufwändig etc. und ist wie gesagt, ein sehr freundlicher Mensch.

Ich hab versucht, mich in den letzten Monaten sehr zurückzuziehen, aber es geht nicht. Nach jedem Treffen ärgere ich mich über die vertane Zeit, darüber, dass ich nicht so sein kann, wie ich gerne möchte und mich überhaupt nicht wahrgenommen fühle.
Und ich krieg Bauchschmerzen, denn ich bin eigentlich jemand, der Konflikte nicht scheut und unausgesprochene Probleme versucht, durch Reden aus der Welt zu schaffen.

Habt Ihr sowas schon mal erlebt?

Das Mädchen

Kiesel
20.03.2007, 21:26
Über welche Themen sprecht ihr denn bei den vielen Treffen?

Es klingt wirklich bizarr, daß sie nie fragt, wie es dir geht. Auch nicht bei bzw. nach Krankheiten?

Ich kann nicht nachvollziehen, daß du so gelassen dabei bleibst. Hat dein Freund sich nicht provokativ erkundigt 'wollt ihr nicht wissen, wie es im Urlaub war?' Komisch!

Inaktiver User
21.03.2007, 07:58
kann man mit ihr ehrlich und auf der Meta-Ebene darüber reden?
Das würde ich mal versuchen: "Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit sehr wenig Anteil an meinem Leben nimmst. Hat das einen Grund?" oder so.
Vielleicht ergibt sich daraus ja ein Gespräch an die wechselseitigen Erwartungen in eurer Freundschaft.

T. (die übrigens auch nie nachfragt, sondern erwartet, dass der andere schon erzählen wird, wenn er dies gerne möchte; und sich gedrängt fühlt, wenn man sie fragen würde)

Maedchen
21.03.2007, 09:59
Liebe Kiesel,

tja, über was sprechen wir? Ich frage sie sehr viel zum Job, zu ihrem Kind, zu ihrem Umzug, zu ihren Plänen, zu ihrem Urlaub und was man einfach so fragt, wenn einen die Person interessiert.

Und manchmal erzähl ich (ungefragt), was ich so mache. Aber es kommen selten Nachfragen (außer zu meinem Freund, wie dessen Job so läuft).
Ein paar Mal hatte ich versucht, kleinere Probleme (Alltagskram) mit ihr zu besprechen. Da kam nichts, keine Empathie, keine noch so kleine Emotion. Dabei ist sie, wie gesagt, eine durchaus warmherzige und auch emotionale Person.

Krankheiten hab ich keine (toi, toi, toi), von daher ist das erst mal kein Thema.
Und der Abend nach dem Urlaub verlief so, dass mein Freund und ich irgendwann merkten, das wird heute auch kein Gesprächsthema mehr und so haben wir uns in stillem Einvernehmen betrunken und zu Hause abgelästert.

Ich habe dann beim nächsten Treffen der Freundin klipp und klar gesagt, wie merkwürdig ich das fand, da sagte sie nur, ach, ich hätte schon noch danach gefragt. Erzähl doch mal.

Ratlos,

Das Mädchen

Maedchen
21.03.2007, 10:08
Liebe Tanguera,

das ist interessant, dass Du sagst, Du fragst auch eher nicht nach, sondern erwartest vom andern, dass er erzählt.

Ich kenne das von allen anderen Freunden anders. Die rufen an, wenn sie wissen, dass was Wichtiges ansteht, dass man ein Gespräch hatte etc. Sie nehmen einfach Anteil an meinem/unserem Leben.

Das mit dem Ansprechen ist schwierig. Ich hab es einmal getan (die Urlaubsgeschichte eben), aber es hat sich nichts geändert.

Ich frage mich eigentlich: warum wollen sie offensichtlich so gern mit uns befreundet sein?

Das Mädchen

Gestern hatte ich meinem Freund von der aktuellen Einladung erzählt und dass ich damit wieder mal Schwierigkeiten hatte. Er ist sehr sensibel bei solchen Themen, meinte aber, er könne mit "ihm" ja immer sehr gepflegt einen heben und wäre da eher tolerant. Er kann aber nachvollziehen, dass ich nach solchen Treffen immer total frustiert bin, weil ich mich frage, warum ich meine Zeit nicht mit Leuten verbringe, die mir ein gutes Gefühl geben?

Atlas7
21.03.2007, 11:48
Es kommt schon mal vor, dass ich nachfrage, aber im Allgemeinen gehe ich davon aus, dass meine Freunde von sich aus erzählen, was ihnen wichtig ist.
Im Gegenzug erwarte auch ich nicht, dass man sich bei mir erkundigt, was es neues gibt. Wenn man bei mir etwas spezielles nachfragt, ist mir das manchmal auch unangenehm, weil ich zum Beispiel keine Lust habe darüber zu reden, oder weil es mich nicht so sehr beschäftigt. Ich bestimme lieber selber, über was aus meinem Leben ich reden möchte und spreche das dann auch von alleine an.
Wirklich wichtig ist mir, dass man dann auch auf mich eingeht.

Inaktiver User
21.03.2007, 13:14
Hallo Mädchen,

ein solches Pärchen haben wir in unserem Bekanntenkreis auch.

Wir haben sie auch näher kennenlernen wollen und dann die gleichen von dir genannten "Merkwürdigkeiten" festgestellt (wir haben sogar zusammen einige Kurz-WE-Trips unternommen, weil sie eigentlich ganz sympatisch und nett sind). ABER wir wollten weder den Unterhaltungskaspar für sie spielen noch ihre Geschichte xx zum 70. Mal serviert bekommen. Oft herrschte auch das große Schweigen (nervend).

Da ich mir unter Freundschaft eben auch etwas anderes vorstelle, habe ich den Kontakt "einschlafen" lassen, dh, wir treffen uns überwiegend bei irgendwelchen Einladungen diverser Freunde/Bekannten - und gut ist's.

Das klappt auch ganz gut. Natürlich treffen wir uns hin und wieder auch in unserem Stammlokal und setzen uns dann zusammen, um dann allerdings hinterher wieder festzustellen "es paßt nicht".

Dass und warum wir uns zurückzogen, wurde komischerweise auch nie hinterfragt.

Maedchen
21.03.2007, 13:45
Liebe Cindy,

ja, manchmal paßt es einfach nicht und man merkt es erst mit der Zeit. Finde ich auch völlig in Ordnung. Offensichtlich haben das Eure "Freunde" auch gemerkt und Ihr habt Euch stillschweigend darauf geeinigt, die Beziehung quasi auslaufen zu lassen. Das finde ich oft besser, als ein Haufen Porzellan zu zertrümmern und sich danach aus dem Weg zu gehen.

Aber: stell Dir vor, Deine "Freunde" würden Euch immer wieder einladen. Und wenn Ihr dann da seid, groß auffahren (nicht protzig, sondern sehr liebevoll). Ich finde das so schwierig. Es hat mit dem im Sande verlaufen lassen einfach nicht geklappt.
Soll ich weiterhin hingehen und es "ertragen" (und die letzten Male WAR es kaum zu ertragen - wirklich!) Denn das mit dem Schweigen gibt es bei ihnen auch.

Danke für Deine Antwort,

Das Mädchen

Maedchen
21.03.2007, 13:48
Liebe Atlas7,

aber wenn Du von Dir aus was erzählst und sie nicht nachfragen, nicht mitfühlen, keine Diskussion, keine Albernheiten etc. entstehen, das ist doch keine Freundschaft, oder?

Verstehe ich das richtig, wenn Dich Freunde (ich meine RICHTIGE Freunde) fragen: Du siehst müde aus, geht's Dir nicht gut, reagierst Du verschlossen oder sogar gekränkt?

Aber sehr interessant, dass einige von Euch meinen, sie würden auch nicht fragen, also von sich aus.

Liebe Grüße,

Das Mädchen

Kiesel
21.03.2007, 20:40
Hallo Mädchen,

nein, dieser Kontakt tut dir nicht gut, du wünschst dir mehr Anteilnahme und Bezug zu deinem Leben, deinem Alltag. Zu Recht!

Der Aspekt 'wer was zu erzählen hat, wird das schon von sich aus tun' mag stimmen, aber: es gibt eben Menschen, die nicht gleich alles hervorsprudeln, egal ob positive Erlebnisse oder belastende Probleme, sondern die warten, daß man sie fragt, aus Höflichkeit, aus Scheu, oder auch aus Rücksicht.
Vielleicht geht es meinem Gesprächspartner im Moment auch nicht so gut, und gerade dann will man nicht egoistisch erscheinen.

Es ist nur natürlich, daß man sich freut über Anrufe 'ist deine Tochter wieder gesund?', 'hat es geklappt mit der Prüfung?'. Das zeigt Anteilnahme. Wenn jemand dies nicht so mag, merkt man das im Laufe der Zeit, an einsilbigen Antworten z.B. oder der entsprechenden Mimik und kann sich darauf einstellen. Aber ansonsten sind wir eben keine Roboter.
Du beschreibst ja deutlich positive Eigenschaften deiner Freundin, auch deinem Partner gefallen Details.

Ja, es ist nicht zu erklären, warum sie euch so gerne einlädt und sich dann so unempathisch verhält. Ist sie auch so bei andern, wenn ihr euch im größeren Kreis trefft?

Es gibt Menschen, deren Verhalten befremdlich wirkt, aber es gelingt einem irgendwie nicht, das zur Sprache zu bringen: man wird nur groß angeschaut und bekommt letztendlich den Eindruck vermittelt, man selber sei derjenige mit Fehlverhalten. Alles an sich Abprallen lassen, das trifft hier wohl den Kern.

Eine Möglichkeit wäre, ihr genau deine Empfindungen schriftlich im Brief mitzuteilen: du würdest dich freuen, wenn sie euch einlädt, aber du hättest den Eindruck, sie wäre nicht wirklich an dir interessiert, würde nicht auf dich eingehen. Und auch auf deine Hinweise hätte sie bislang nicht reagiert. Ob es einen Hintergrund dafür gäbe?

Denn diese Sache belastet dich. Und es ist ja kein sich reduzierender Kontakt, von dem du z.B. sagst 'Naja, wir passen nicht zusammen, aber die gemeinsamen Kinoabende sind lustig.'

Atlas7
22.03.2007, 09:46
Nein, von guten Freunden erwarte ich schon, dass sie auf Themen die mich betreffen und mir wichtig sind auch eingehen, und dass dann ein Gespräch entsteht. Ich möchte dann schließlich andere Standpunkte und Ansichtsweisen, die mir fern liegen, miteinbeziehen und keine Monologe halten.

Aber es kommt auch durchaus vor, dass auf einem Thema, das mich betrifft aber mich nicht weiter beschäftigt, herumgeritten wird. Dann bitte ich durchaus darum, dass Thema zu wechseln.

Und ich versuche auch auf meinen Gesprächspartner einzugehen. Aber das Thema sollte er schon selbst ansprechen. Ich bin schließlich keine Hellseherin und weiß nicht, was meinen Gegenüber im Inneren beschäftigt.

Maedchen
22.03.2007, 10:14
Guten Morgen, liebe Kiesel!

Danke, Dein Posting hat mir echt gut getan. Genau das ist es nämlich: irgendwie fühl ich mich jetzt auch noch schlecht, weil ich denke, was stell ich mich bloß so an? Kann ich sie nicht so nehmen, wie sie ist?

Interessanterweise sehen Männer das häufig anders. Bei ihnen muss nicht jede "Freundschaft" unendlich tiefgründig sein, es reicht, wenn man zusammen loszieht und gewisse Bereiche des Lebens teilt.

mit einer anderen Freundin (mit der ich über fast alles rede) hab ich dieses Thema mal angesprochen (also ganz allgemein), und sie hat mir gesagt, sie ist seit einiger Zeit dazu übergegangen, "Freundschaften", die sie als nicht befruchtend empfindet, relativ rigoros zu kappen. Ich fand das im ersten Moment unendlich hart, gleichzeitig habe ich das Gefühl, ich tendiere auch eher in diese Richtung.

Denn, wie gesagt, es ist nicht so, dass es eine lustige, oberflächliche Freundschaft ist, es ist vielmehr so, dass es eine (aus meiner Sicht) sehr einseitige Freundschaft ist.

Ach Mensch, ich weiß auch nicht. Ich könnte damit leben, wenn es sich verläuft, aber wie reagiere ich, wenn (so wie jetzt) aktuell eine Einladung ansteht, auf die ich noch nicht reagiert habe??

Das Mädchen

Maedchen
22.03.2007, 10:19
Liebe Atlas7,

also bei mir ist es eher so, dass ich, wenn ich Freunde treffe, nach Dingen frage, von denen ich weiß, dass sie bei den Freunden in der letzten Zeit anstanden (Job, privates, alles mögliche). Oder Ereignisse, über die wir gesprochen haben, wo ich nachfrage: wie hat sich das und das entwickelt, wie ist dieses und jenes gelaufen.

Und genau das erwarte ich von meinem Gegenüber auch, nicht weniger.

Vielleicht hat meine "Freundin" eine ähnliche Einstellung. Bloß, wie kann ich das rauskriegen? Und: wie kann ich das in Deckung kriegen?

Liebe Grüße,

Das Mädchen

Atlas7
22.03.2007, 11:00
Liebes Maedchen,

ich persönlich würde sie direkt darauf ansprechen. Zum einen fragen, was sie darüber denkt, und zum anderen ihr deine Wünsche mitteilen.
Wenn ich weiß, dass eine Freundin von mit spezielle Bedürfnisse hat, die ich ihr bisher nicht erfüllt habe, dann versuche ich ihr diese in Zukunft zu erfüllen. Denn ich will ja, dass sie sich in meiner Nähe wohl fühlt und von ihr profitiert. So wie ich mir das ja auch umgekehrt wünsche.
Aber es gibt so viele Menschen mit so vielen unterschiedlichen Bedürfnissen, dass es schwierig ist diese auf Anhieb zu erfüllen. Woher sollte deine Freundin auch wissen, was du dir wünscht, wenn du ihr das nicht mitteilst.

Du könntest sie auch danach fragen, was sie eigentlich von eurer Freundschaft insgesamt erwartet. Es könnte ja auch sein, dass ihr mit euren Ansprüchen an eine Freundschaft einfach nicht auf einen Nenner kommen könnt.

Maedchen
22.03.2007, 11:17
Liebe Atlas7,

jetzt wo Du es so schreibst, wird mir eigentlich klar, dass ich gar nicht so eng befreundet sein möchte mir ihr. Es gibt ja Freundschaften, die lange bestehen, um die man sich bemühen möchte, gerade, wenn es nicht mehr so gut läuft.
Ich weiß nicht, ob das so eine Freundschaft ist.

Zwischen ihr und mir war von Beginn an jobmäßig ein Konkurrenzdenken angesagt (worauf mich aber erst Außenstehende aufmerksam gemacht haben). Dazu kommt ihr wirklich unerträglicher Mann. Dem habe ich versucht, bei Treffen einfach aus dem Weg zu gehen, mich also einfach nur noch mit ihr zu treffen, was eigentlich häufig schön war.

Doch jetzt kommt immer häufiger die Frage nach Pärchenabenden, also wir alle 4 zusammen. Und ich hatte gehofft, sie würde es irgendwann einfach merken, dass es nur noch von ihr ausgeht.

Ihr das sagen, kann ich nicht, fürchte ich. Es wirkt so... wie soll ich sagen...aus der Luft gegriffen. Und ich kann ja wohl schlecht sagen: hör mal, Dein Mann paßt mir nicht und über meinen Beruf (ich mache mich demnächst selbständig) kann ich auch nicht mit Dir reden.

Schwierig, schwierig, und die Einladung steht ja noch aus.

Das Mädchen

Maedchen
22.03.2007, 11:26
Hallo Cindy33,

Du schreibst, dass Ihr Eure Freundschaft habt im Sande verlaufen lassen, wurde nie hinterfragt. Hättest Du das gern gehabt?

Ich nämlich wäre wahrscheinlich einfach nur froh, wenn alle Beteiligten das Gleiche empfinden würden und ich also so rauskommen würde.

Fühlst Du Dich nicht wertgeschätzt genug durch die fehlende Aussprache?

Liebe Grüße,

Das Mädchen

Atlas7
22.03.2007, 11:37
Nun, wenn es darauf hinaus läuft, dass du die Freundschaft wahrscheinlich gar nicht möchtest, dann ist es natürlich schwierig offen mit ihr zu reden. Man möchte schließlich niemanden verletzen.

Ich tue mich auch sehr schwer darin, anderen ablehnende Botschaften zu übermitteln und habe deswegen nicht wirklich gute Ideen.
Einerseits könntest du demnächst immer Ausreden finden, um dich nicht mit ihr zu verabreden, bis sie aufgibt und nicht mehr fragt.
Andererseits könntest du ihr sagen, dass dir / euch die Art der Treffen nicht gefällt, dass solche 4er-Abende nicht eurem Typ entsprechen. Dann wäre vielleicht entweder wenigstens der für dich problematische Mann nicht dabei, oder vielleicht würden sie auch ein anderes Pärchen suchen.

Maedchen
22.03.2007, 11:47
Tja, Atlas7, das mit den Ausreden hatte ich ja schon über sehr lange Zeit probiert.
Und mir ist es echt schleierhaft, wie das Gastgeberpärchen das letzte Treffen (ich war dort zum Kaffeetrinken) nicht als einzigen Krampf empfunden hat. So wie ich.

Streckenweise redete keiner (wenn ich nicht redete) und über weite Teile befaßten sie sich mit der Einkaufsliste für die nächste Woche, was sie morgen kochen etc. Ich war kurz davor, zu sagen: wenn Ihr noch Eure Haushaltsdinge klären müßt, gehe ich so lange. Hab's dann aber nicht getan. Eben weil sie sich voll die Mühe gemacht hatte, toll gebacken etc.

Aber kriegt Ihr jetzt eine AHnung von der Situation?

M.

Inaktiver User
22.03.2007, 12:33
Hallo Mädchen,

nun ja, meine Andeutung muss ich wohl näher erklären. Bei uns war es auch so, dass meinem Mann diese fehlende Anteilnahme eher nicht auffiel und er diese Kontakte beibehalten wollte.

Also habe ich mich eines Tages hingesetzt und in einem kleinem netten Brief unsere Freundin mein Problem geschildert und gebeten, dass wir uns doch einmal (wir Frauen) zu einer Aussprache zusammentun. Nun ja, nach 1 Woche keine Reaktion und ich fürchtete, der Brief wäre nicht angekommen, also angerufen. Sie bestätigte den Erhalt des Briefes, hätte wg. beruflicher Beanspruchung kaum Zeit gehabt, sich damit zu befassen, meinte aber abschließend, dass sie mein Problem nicht nachvollziehen könne und sie eigentlich keinen Grund für ein gemeinsames Gespräch sähe.

Einige Zeit später trafen wir uns ein letztes Mal zu einem gemeinsames Abendessen in einem netten Lokal. Das Mahl war gut, aber die Stimmung zwischen uns eher aufgesetzt und künstlich. Meine "Freundin" bestrafte mich auf ihre Weise, indem sie meine Gesprächsversuche (allgemeiner Natur, nicht mein/unser Problem) abblockte und sich den Männern zuwand. DAS war meinem Mann dann auch aufgefallen und als ich den Wunsch äußerte, den Abend zu beenden, kam er dem auch schnellstens nach.

Einige Zeit später folgte von ihrer Seite wiederum eine Einladung, an der wir nicht teilgenommen haben (div. Gründe vorgeschoben). Später hat man sich bei diversen Freunden eher zufällig getroffen - und so ist das bis heute geblieben. Letztlich sehen wir uns eher selten, da sich der Freundeskreis vergrößert/verändert hat.

Mein Mann und ich hatten einige lange Gespräche über Sinn/Nutzen dieser sog. Freundschaft und sind überein gekommen, dass wir uns in der Gesellschaft dieses Pärchens nicht wohlfühlen und eigentlich selten so richtig unbeschwert diese Zusammenkünfte genießen konnten.

Maedchen
22.03.2007, 14:19
Liebe Cindy33,

dann ist also eigentlich irgendwas noch ungeklärt zwischen Euch. Zumindest empfindest Du das so. Du nimmst Deinen Mut zusammen und schreibst einen sehr persönlichen Brief, und sie hält es nicht für nötig, mit Dir darüber zu sprechen? Wie lange wart Ihr denn "befreundet"? Haben die beiden Eure Freundschaft vielleicht weit weniger eng empfunden als Ihr?
Dein Freund hat es offensichtlich nicht so persönlich genommen, oder?

Ich kenne auch das Gefühl, von dem Du schreibst nur zu gut. Ich fühle mich in der Gesellschaft der "Freunde" auch nicht so wohl wie mit anderen Freunden. Wobei ich differenzieren muss. Mit der "Freundin" allein hatte ich durchaus auch schon angenehme Tage/Abende, allerdings habe ich das Gefühl, das nimmt eher ab.
Ist Ihr Mann dabei, halte ich es fast nicht aus. O Mann, ich könnte auch von Abenden erzählen, das glaubt man fast nicht, wie die abgelaufen sind.

Ist mein Freund dabei, wälze ich das meiste auf ihn ab, er ist da recht lässig und steht drüber und fragt sich tapfer durch den Abend (seine "richtigen" Freunde dagegen sind allesamt sehr tiefgründig, von daher erstaunlich!). Aber die Abende sind eigentlich verloren. Aber das ist doch keine Freundschaft?

Auf meine Frage: was wollen die eigentlich von uns? meint er: schau Dir doch die restlichen Freunde an, die meisten haben einen Schaden. Denn Freunde haben die beiden eine Menge.

Je mehr ich drüber nachdenke und versuche, Unbeteiligten die Situation zu schildern, desto mysteriöser ist das fast schon.

Bloß: irgendwie werd ich das lösen müssen, aber keine der Lösungen paßt so richtig.

Das Mädchen

Inaktiver User
22.03.2007, 16:28
Liebe(s) Mädchen,

diese "Freundschaft" zog sich etwas über 4 Jahre hin, in der Anfangsphase (etwa 1 Jahr) haben wir uns alle 2-3 Wochen gesehen und zum besseren Kennenlernen gemeinsame Unternehmungen gestartet (wie schon erwähnt). Dieses "Desinteresse/weitere Nachfragen" fiel dann irgendwann auf und ich schob das zunächst AUCH auf die Häufigkeit unseres Zusammenseins. Also stellten wir größere Abstände her. Auffällig war, dass wir immer weniger Lust verspürten, den Kontakt zu vertiefen. Doch je mehr wir uns zürückzogen, je häufiger meldeten sie sich "wir müßten doch wieder etwas zusammen machen usw."

DAS wiederum irritierte uns. Was wollen DIE von uns, wenn aus für uns unerfindlichen Gründen (darüber reden will man ja auch nicht) unser Besuch -auf ausdrückliche Einladung- fast einer Belästigung gleichkommt.
Beispiel: Sie geht in ein anderes Zimmer - und kommt nicht zurück. Ich sitze also alleine auf der Couch (die beiden Männer sind draußen im Garten) und denke, sie ist auf der Toilette oder ähnlich. Nur - es dauert. Ich fasse mir ein Herz (gehöre nicht zu den Personen, die unaufgefordert fremde Zimmer betreten - sie weiß' das) und rufe leise nach ihr. Nichts. Ich stehe auf und rufe etwas lauter. Nun kommt sie aus einem Nebenzimmer und zeigt auf Schulhefte, die sie nur mal eben durchsehen wollte (mir ist da eben etwas eingefallen....?) - keine Entschuldigung, nichts. Sie nimmt mich mit in ihr Arbeitszimmer und bittet mich, dort Platz zu nehmen. "Aha, denke ich, sie will mir eine besonders gelunge Formulierung/Schulaufsatz o.ä. zeigen" - Fehlanzeige. Sie korrigiert ohne ein weiteres Wort weiter ihre Schulhefte.

Derweil bemühe ich mich, das Arbeitszimmer in Augenschein zu nehmen, ziehe ein Buch heraus, welches ich auch gelesen habe und versuche, darüber ein Gespräch zu beginnen - sie winkt ab. Ich verlasse also den Raum und begebe mich zu den beiden Männern. Nach ca. 20 langen Minuten taucht sie wieder auf, unbekümmert, unschuldig - einfach so, als wäre sie nie fortgewesen.

Ein anderes Mal erwischt es meinen GöGa. Der Hausherr verschwindet urplötzlich - und wird einige Zeit später im angrenzenden Nachbargarten gesehen....Er winkt "huhu, ja, ich komme gleich wieder" - scheinbar alles ganz normal.
Oder auch schön: Sie sind bei uns, nach stürmischer Begrüßung und Genuss des Abendessens zieht sich Freund G. mit der Tageszeitung der Gastgeber in eine stille Ecke zurück und liest darin ausgiebig. Oder die beiden -wie bei Euch- unterhalten sich angeregt darüber, wie sie den morgigen Tagesablauf organisieren (wer kauft was ein usw.).

Richtig nett war jedoch folgendes: Wir verbrachten einige Tage an der Ostsee und Freund G. kam nach einem Toilettengang nicht zum Tisch zurück. Das Lokal war sehr voll und unübersichtlich; mein Mann machte sich nach einer halben Stunde auf die Suche und fand Freund G. in lustiger Runde zwischen völlig Fremden, trotz mehrmaliger Bitte meines Mannes nicht gewillt, an unseren Tisch zurückzukehren. Unserer Freundin war das sehr peinlich, aber leider sei das kein Einzelfall, wie sie auf Nachfrage später zugab.

Natürlich kommt es vor, dass Männer / Frauen mit anderen Leuten in Kontakt kommen und i.d.R. dann der weitere Anhang (wenn gewünscht) dazukommt und sich daraus ein lustiger, netter Abend entwickelt. Das haben wir auch schon oft erlebt.
Freund G. übersieht leider sehr oft, dass seine Anwesenheit nicht immer Begeisterungsstürme hervorruft.

Im Nachhinein kann ich über ein solches Verhalten nur noch schmunzeln, aber wenn man gerade in dieser Situation steckt, ist das Verhalten der "Freunde" doch mehr als seltsam.

Du fragst, ob die Freunde die Freundschaft als weniger eng "sahen" ? Möglich, ja. Allerdings paßt dazu nicht diese ständige Bereitschaft, mit uns (nur mit uns) etwas unternehmen zu wollen. Auf diese Kurz-Trips fuhren sie geradezu ab (...wann fahren wir wieder einmal zusammen weg, kannst Du (ich) das nicht organisieren, bitte, bitte...?). Ja, was wollten sie denn ?!

Ja, auch sie haben einen großen Bekanntenkreis - Freundeskreis würde ich das nicht nennen (mit einigen Ausnahmen vielleicht) und laden gerne ein. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass immer wieder neue "Freunde" auftauchten, genauso schnell aber auch verschwanden.

Es gab dann noch ein paar unschöne Dinge (z. B. ein gemeinsamer Freund verstarb und da gab es von ihrer Seite einige unpassende Kommentare -lieblos, respektlos- da blieb mir die Spucke weg), die es erleichterten, den Kontakt weiter zu reduzieren.

Wie gesagt: Wir haben glücklicherweise einige engere Freunde, wo es paßt und wo man über (fast) alles reden kann, was wir sehr genießen und bei den anderen (Bekannten) bleibt es halt' beim losen Geplänkel.

Maedchen
22.03.2007, 17:12
Hallo Cindy33,

ich bin völlig sprachlos nach Deiner Geschichte. Normalerweise würde ich auch sagen, sowas gibt's doch gar nicht. Aber: seit ich diese Schwierigkeiten mit eben diesen "Freunden" habe, glaub ich fast alles.

Ich kenne es nicht, dass sie den Raum verlassen (wie schräg ist das denn?) und nicht wiederkommen. Das Gefühl dagegen, dass man sich - egal ob als Eingeladener oder als Gastgeber - fühlt wie Inventar, das kam beim Lesen Deiner Geschichte hoch, und zwar nicht zu knapp.

Warst Du mutig genug, in diesen Augenblicken (oder Dein Mann), einfach mal nachzufragen?

Ich habe auch einen Haufen solcher Anekdoten. Ich kann kaum sagen, wie platt ich jedes Mal wieder aufs neue bin, wenn ich so gar nicht wahrgenommen werde. Z. B. erzähle ich den beiden (wohlgemerkt, ich war schon über eine Stunde dort zum Kaffetrinken), dass ich meinen Job gekündigt habe. In dem Moment sagt ER (Kind mit am Tisch) zu IHR: XY, Dein Sohn hat eben den Boden verschmutzt (Kind hat Kuchen fallen gelassen). Wohlgemerkt genau in dieser affektierten Sprache.
Beide springen auf, in den nächsten 5 Minuten dreht sich alles ums Kind. Danach sitzen wir wieder beisammen, schweigsam, und zwar genau so lange, bis ich das nächste Thema anschneide. Und das Thema Jobkündigung wurde seitdem nie wieder angesprochen (ist jetzt 5 Wochen her - wir haben uns seitdem einige Male kurz gesehen)

Was ich frappierend finde, es ist wie bei Deinen "Freunden": Dass sie UNBEDINGT mit uns feiern wollen, DRINGEND wieder mal dies und das und jenes machen MÜSSEN.

Was wollen die beiden von uns?

Aber Ihr scheint auch zu keiner Erkenntnis gekommen zu sein?! Das tröstet mich ein wenig. Hast Du nicht noch mehr solcher Geschichten auf Lager? So mit Abstand betrachtet, sind die nämlich ziemlich amüsant ;-)

Es grüßt Dich ganz herzlich

Das Mädchen

Inaktiver User
22.03.2007, 23:59
Hallo Mädchen,

oh ja, dieses Gefühl von Nicht-wahrgenommen-werden oder eine gewisse Gleichgültigkeit an den Tag zu legen, das kenne ich gut. Gerade in Deinem Fall, wo ihr doch Kollegen seid/wart, verstehe ich nicht, dass man auf die Information der Kündigung des Arbeitsplatzes mit keinem Wort eingeht. Gerade das schreit ja nach Austauschmöglichkeiten (aus welchem Grund, wie reagierte Chef, welche Pläne hast du jetzt ? usw.) :knatsch:

Dein Beispiel mit dem 5-jährigen kommt mir auch sehr bekannt vor und trifft es genau. GöGa begann von seiner kürzlich erlebten Autopanne zu erzählen, schwupps meldete sich der Fernseher….die Freunde hatten nur mal’ kurz die 20.00 Uhr-Nachrichten anschauen wollen. Auf seinen berechtigten Einwand kam eine knapp gehaltene Entschuldigung in der Richtung „man solle das doch nicht so eng sehen….“ – das war’s dann auch.

Dann gab es wiederum Begegnungen, wo eine gewisse Ausgewogenheit in unseren gemeinsamen Dialogen durchaus zu erkennen war, was dann zu Irritationen unsererseits führte. Sehen wir manches zu eng, sind wir zu voreingenommen, liegt es an uns, erwarten wir zuviel u.ä. – alles Fragen, die uns (mich) ins Grübeln brachten. Allerdings – warum klappt es denn mit unseren weiteren Freunden/Bekannten so gut ?! :knatsch: :smirksmile:

Natürlich war ich maßlos darüber enttäuscht, dass meine schriftliche Bitte um ein klärendes Gespräch so wenig Beachtung fand und das Gespräch zwischen uns nie stattfand. Eine Gelegenheit, zu erfahren, welche Erwartungen beide Seiten an diese „Freundschaft“ stellen, wurde vertan.

Kurzum, ich vor allem wollte mich irgendwann nicht mehr damit beschäftigen, das Verhalten unserer „Freunde“ uns gegenüber weiter zu analysieren. Im Bekanntenkreis gelten sie als „manchmal etwas schwierig“ , was uns als Information (tröstet natürlich auch) genügt, da wir dem üblichen Klatsch nichts abgewinnen können.

Nun, inzwischen leben wir 3 Jahre ohne diese „Freundschaft“ und es geht uns gut dabei. Irgendwo habe ich gelesen, dass man sich von Menschen, die einem nicht gut tun, fernhalten sollte. Ich glaube, da ist was dran.

Also, liebes Mädchen, vergeude Deine kostbare Zeit nicht mit Leuten, die Euch nicht verdienen – es gibt genug Andere, die den Wert Eurer Freundschaft zu schätzen wissen und es lohnt sich deshalb, nach diesen Ausschau zu halten. :zwinker: :allesok: :allesok:

Ebenso herzliche Grüße zurück.

Inaktiver User
23.03.2007, 00:17
Wenn ich das so lese, ..... hmmmm......ich meine, hoffentlich kommt mein Geschreibsel nicht als "oberlehrerhaft/besserwisserich" an, denn so ist es garantiert nicht gemeint. :blumengabe:

Maedchen
23.03.2007, 09:59
Guten Morgen Cindy33,

ich glaube, wie haben die selben "Freunde". Das gibt's doch gar nicht. Ich finde zwar Dinge wie den Fernseher anmachen, ins Arbeitszimmer gehen etc. echt noch nen Zacken härter, aber im Grunde ist das Verhalten das gleiche.

Es ist ganz genau so, wie Du es beschreibst, man fragt sich selber, ob man was falsch macht, zuviel hineininterpretiert aber eigentlich kennt man die Antwort: man fühlt sich in deren Gegenwart unwohl und könnte dabei die Zeit doch mit Leuten verbringen, bei denen man sich wohler fühlt.

Wir haben mit dem Paar mal Heilig Abend zusammen gefeiert (sie fragte mich - wir fanden das eigentlich sehr originell). Jeder von uns hat Essen zubereitet und wir hatten zwei Flaschen ausgesprochen tollen und wirklcih exquisiten Wein dabei. Er gehörte zu dem Gericht, das wir zubereitet hatten.
Der Gastgeber allerdings (er ist ein Weinkenner, mehr als wir), bestand darauf, seine Weinfolge einzuhalten (also zu jedem Gang den speziellen Wein, was an einem so gemütlichen Abend ziemlich schnell sehr stressig und gar nicht mehr so nett war).

Mein Freund, der mit dem Wein u.a. mir eine große Freude machen wollte (wir hatten das Gericht und den Wein dazu mal im Urlaub genossen), war komplett geknickt. Aus lauter Solidarität hab ich deren Zeug getrunken (mit Lobpreisungen, denn die werden erwartet - immer!), um irgendwann dann endlich "unseren" Wein öffnen zu können. Naja, ich war dermaßen betrunken, dass ich vom Wein nicht mehr viel hatte.

Während des Essen fing der Gastgeber an zu spülen, umfangreich zu lüften (es war Winter!) und vieles mehr.

Aber Dir scheint das alles nicht ganz unbekannt zu sein.
Eine Frage hab ich aber noch: wie kriege ich Distanz hin? Die Methode mit dem Ausredenerfinden hat bisher noch nicht so hingehauen...

Sonnige Grüße,

M.

Inaktiver User
27.03.2007, 12:26
Guten Tag, Mädchen,

ich war anderweitig beschäftigt und melde mich deshalb erst heute wieder.

Deine Schilderung mit dem mitgebrachten Wein und dem leckeren Essen hat mich auch wieder aufgewühlt. Wie kann man so lieblos, ignorant/arrogant sein ? Ich gehöre zu den Menschen, die gerne von anderen noch lernen und hätte mich wahnsinnig gefreut, mir erklären zu lassen, warum Ihr gerade dieses Essen und diesen Wein ausgesucht habt und den auch bevorzugt getrunken.

Als sog. Weinkenner mit meist erheblichen Vorräten, hätte er doch später oder zu einer anderen Gelegenheit seinen Wein ausschenken können.

Zu Deiner Frage nach mehr Distanz, kann ich nur empfehlen, jeden Einladungsversuch von vornherein abzublocken, Telefon-AB oder Sperre einstellen und sollte man sich zufällig sehen, einfach Zeitmangel u.a. vorgeben. Es dauert sicher eine Weile -manche sind ja ganz hartnäckig- aber irgendwann werden sie doch spüren, dass sie unerwünscht sind.

Und ganz wichtig: Ausgehen, Unternehmungen starten und versuchen, weitere Leute kennenzulernen. Auch wenn sich zunächst keine neue Freundschaft entwickeln wird, bloss nicht den Fehler machen, sich die "beendete" Freundschaft schönzureden und evtl. wieder aufleben zu lassen. Das sagt sich so leicht (nach einiger Zeit ging es uns nämlich genauso), aber letztlich habe ich mich wieder an die unschönen Situationen erinnert und dann gings auch wieder.

Uns hat dabei geholfen, regelmäßige (im Sommer) Fahrradtouren zu unternehmen und als Abschluss ein Lokal in unserer Nähe aufzusuchen. Irgendwann ergab sich dann ein sog. Stammtisch (unverbindlich, wer Zeit und Lust hatte, setzte sich dazu oder verschwand nach einiger Zeit wieder) was uns völlig reichte; man hat ja noch andere Bekannte/Freunde.

Ich wünsche Dir eine Menge neuer Bekanntschaften/Freunde - der Sommer beginnt ja erst und Möglichkeiten gibt es genug.

Alles Liebe, Cindy33

erdbeereis
27.03.2007, 13:48
Hallo,
ich mische mich mal in euren Dialog hier ein.
Zunächst einmal, ja es ist wirklich seltsam, was da passiert. Mir schwirrt auch immer wieder diese Frage im Kopf herum: Was wollen die eigentlich von euch? Oder anders: Was haben sie zu verbergen? Wovor haben sie Angst?
Diese Beispiel mit dem Kind was den Boden verschmutzt hat, urplötzlich in dem Moment, wo du das mit dem Job anbringst? Was ist da los?

Was ich mich aber frage, wieso kannst du nicht absagen? Warum sagst du nicht einfach, dass du demnächst keine Zeit haben wirst, weil du (wie du ihnen ja neulich erzählt hattest) dich gerade beruflich verändern möchtest. Sollten dann wiederum keine Nachfragen mehr kommen, wäre die Sache für mich gelaufen.
Solltet ihr dort tatsächlich nochmal erscheinen, mach es genau wie sie (auch wenns schwerfällt): nicht das tolle Essen loben, nichts fragen, nichts von alleine erzählen usw.
Irgendwann werden sie es merken und wenns euch zu lang wird, dann einfach irgendwann aufstehen und gehen.

Maedchen
27.03.2007, 14:34
Liebe Erdbeereis,

ich kann mich noch erinnern, dass mein Freund und ich einmal beschlossen haben, einfach nichts zum Gespräch beizutragen. Die Sache war ganz einfach die, wenn wir nichts gefragt haben, hat eigentlich keiner geredet (geschweige denn gefragt).

Ich weiß, es hört sich so merkwürdig an und schwer vorzustellen für jemanden, der nicht dabei ist. Aber wenn ich an Cindy33s Geschichte denken, scheint es das zumindenst woanders auch noch zu geben.

Ja, was wollen die von uns?
Dein Vorschlag, mich "rar" zu machen führt dazu, dass sie einfach wieder und wieder nachfragen. Und irgendwann kann ich einfach nicht mehr nein sagen (ich sollte aber vielleicht).

Er ist ein verkorkster Typ, alles andere als dumm. Aber sozial völlig inkompatibel. Aber sie ist wie gesagt ein wirklich warmherziger Mensch, ihre Einladungen, Karten (zu Geburtstag etc.) sehr liebevoll, etc. Aber: ich komme ihr einfach nicht näher und habe das Gefühl, sie will auch mir nicht näher kommen.

Spinn ich?

Das Mädchen

Maedchen
27.03.2007, 14:36
Liebe Erdbeereis,

und Dein Vorschlag mit dem "Aussitzen" bzw. dann aufstehen und gehen, das scheint mir konsequent und irgendwie auch richtig, aber irgendwie verbietet mir das meine gute Erziehung, öhm - verständlich oder mache ich mir selbst das Leben unnötig schwer?

M

erdbeereis
27.03.2007, 15:26
... oder mache ich mir selbst das Leben unnötig schwer?

M

Leider glaube ich ja, das machst du!
Bleib einfach konsequent. Auf die 'gute Erziehung' ist in dem Fall gesch....
Sorry, aber wenn du nicht einen Schlussstrich ziehst, wer denn dann? Meine Grenze des erträglichen wäre schon längst erreicht.
Es ändert sich ja doch nichts wie es aussieht.

Nochmal zu dem Aussitzen. Ich verstehe dich sehr gut, dass das für dich eine eher unerträgliche Situation wäre, aber es ist doch so oder so unerträglich? Man muss das auch nicht unendlich ausdehnen. Es reichen schon wenige Momente oder Reaktionen eurerseits (müsst euch allerdings vorher einig sein) aus, um denen den Spiegel vorzuhalten. Sie merken sehr wohl, dass etwas 'anders' ist.
Versuch macht kluch!

Wünsche dir Glück und dass du da einen für dich akzeptablen Weg findest. Manchmal helfen auch einfach klare offene Worte!
Wenn ihr dieses 'Spiel' immer so mitmacht, dann wird sich das nicht ändern. Warum auch?

Maedchen
27.03.2007, 15:50
Liebe Cindy33,

wir haben beide sehr enge Freunde und einen weiteren, relativ großen Bekanntenkreis (wir haben beide viele Leute "mitgebracht").

Von daher ist meine Sorge weniger, dass ich an dieser beschriebenen "Freundschaft" festhalte, sondern dass ich tagelang mit schlechtem Gewissen rumlaufe, wenn ich auf eine Einladung ausweichend reagiert habe. Bzw. wenn ich eine angenommen habe, hab ich dann nicht wirklich Lust, dorthin zu gehen (inzwischen - zu Beginn war das anders) und wenn ich von dort zurückkomme, schwöre ich mir: nee, nie wieder.

Was macht mich nur so unglaublich aggressiv?

M.

Inaktiver User
28.03.2007, 12:48
Liebes Mädchen,

ich denke, erdbeereis hat es ganz gut beschrieben. Danke Dir, erdbeereis. :blume: :smile:

Mir erging es so, dass ich mich in ihrer Gesellschaft (aufgrund der Art, wie man uns behandelte -wie beschrieben) irgendwie "minderwertig/er" fühlte, dafür aber keinen Grund sah.

Ich will mich aber nicht minderwertig fühlen und im Grunde genommen "sinnlose" Zeit damit verbringen, das Verhalten solcher "Freunde" immer wieder zu analysieren. Ich wiederhole mich.

Wenn Ihr einen großen Bekannten-/Freundeskreis habt, Glückwunsch, dann sollte es doch möglich sein, hier einen Schlußstrich zu ziehen. Vielleicht könntest Du Dein Gewissen "überlisten", in dem Du eine Liste der Positiv-/Negativ-Situationen anfertigst und diese an gut sichtbarer Stelle Eurer Wohnung deponierst ?! :smirksmile:

Nochmals alles Liebe, Cindy33 :blume: :blume:

sina1111
18.05.2007, 14:59
Mir erging es so, dass ich mich in ihrer Gesellschaft (aufgrund der Art, wie man uns behandelte -wie beschrieben) irgendwie "minderwertig/er"

@ Maedchen: das ist der Punkt! Denn selbst, wenn du dich bei solchen Treffen nicht minderwertig fühlst, fühlen sich deine "Bekannten" durch solche Treffen überlegen! Das was sie da machen ist reine Manipulation! ..das so von dir beschriebene "liebevolle" Locken deiner Bekannten mit Kärtchen usw. und das anschießende Ignorieren deiner Person...
Deine Bekannten lassen sich von euch auf einen Sockel stellen, indem sie euch immer fragen lassen, sich aber zu keiner Gegenfrage durchringen können.
Es ist auch so, dass du ihr Verhalten immer weiter verstärkst, indem du auf ihre Einladungen weiter reagierst.

Ich versteh gar nicht, wie du solche Treffen aushälst, ich persönlich würde mir so was nie antun.

Anastasia1960
20.05.2007, 20:15
Ihr werdet so gerne eingeladen, weil Ihr euch die Geschochten der Gastgeber anhört. Sie fühlen sich durch deine Anteilnahme einfach toll. Ja, wer fühlt sich nicht gut wenn man Interesse an seiner Person zeigt.
Ich frage mich warum du ein schlechtes Gewissen hast wenn du weitere Einladungen ablehnst.
Deine "Freunde" sind Energievampiere. Sie saugen dich aus... du fühlst dich nach einem Besuch bei ihnen völlig fertig und sie fühlen sich wie die tollsten Gastgeber. Du verstärkst die Situation noch, weil du so viel lobst und fragst.

Maedchen
06.06.2007, 14:26
Liebe Sina, Liebe Anastasia,

jetzt hab ich eben erst gesehen, dass Ihr noch geantwortet habt.
Ziemlich klare Worte - danke dafür! Und über den Energievampir musste ich lachen :-)

In der Zwischenzeit hab ich zwei oder drei "Pärcheneinladungen" (also das Paar und wir an einem WOchenende) abgeblockt und wir sind so verblieben, dass ich mich melde, wenn wir wieder Zeit finden. Das ist ungefähr 8 Wochen her.
Dazwischen war ich aber mit ihr Mittagessen (auf ihre Initiative hin). Ich war schon auf die "ignorante Tour" eingestellt, als sie dann plötzlich ganz viel fragte, über meinen PArtner, mich, meine Arbeit etc.
Das macht es mir natürlich sehr schwer, den Kontakt weiterhin so unterkühlt zu halten, wie ich das in den letzten Wochen handhaben konnte und was ich sehr gut fand.

Da wir jetzt nicht mehr in der selben Firma arbeiten, werde ich ihr auch nicht mehr so häufig über den Weg laufen. Aber: mein schlechtes Gewissen bleibt!

Liebe Grüße,
Das Mädchen

Maedchen
06.06.2007, 14:38
...und über die Sache mit dem Sockel muss ich echt mal nachdenken. So hab ich das noch nie betrachtet. Scheint komisch, oder? Wenn ich eine stabile (glückliche?) PArtnerschaft, einen guten Job und ein süßes Kind habe (also unsere "Freunde´" sind damit gemeint), weshalb sollte ich mich dann auf einen Sockel stellen lassen???

Das Mädchen

Hillie
06.06.2007, 14:56
Liebes Maedchen,
wir haben auch sehr sehr lange gedacht, dass gute Freundschaften lange, wenn möglich ein Leben lang halten müssen und waren immer enttäuscht und haben die Schuld bei uns gesucht, wenn das nicht der Fall war. Bis uns eine Psychotherapeutin, die wir privat sehr gut kennen, sagte, dass Freundschaften meist immer an einen bestimmten Lebensabschnitt gebunden sind. Plötzlich passt es einfach nicht mehr, dafür kommen dann andere Freunde.
Ich würde einfach auch keine weitere Einladung mehr annehmen und notfalls, wenn gefragt wird, sagen, dass euch diese Art der Zusammenkünfte einfach nicht passt.

Liebe Grüße Hillie

Maedchen
06.06.2007, 15:10
Liebe Hillie,

ja, da ist was Wahres dran. Diese ERfahrung habe ich auch schon gemacht. Ist ja auch okay, wenn alle Beteiligten das so empfinden und dann einfach jeder seiner Wege geht. Oder man sich mit einem großen Knall trennt. Auch eine akzeptable Lösung und auch schon so passiert.

Aber, obwohlich mich nicht für konfliktscheu halte (ebenso wenig wie mein Freund), würde ich es nicht über die Lippen bringen, zu sagen "diese Zusammenkünfte sind nicht das, was wir uns unter einer FReundschaft vorstellen".

Wir haben beide schon jeweils mit Freunden/Verwandten gebrochen, weil es "nicht mehr ging". Von daher haben wir damit grundsätzlich keine großen SChwierigkeiten (was nicht heißt, dass wir das gerne oder leichtfertig getan haben.

Und beide sind wir enerviert, wenn wir mal wieder bei ihnen waren. Aber: mein Freund meint, wir würden mehr kaputtmachen als uns selber befreien dadurch. Heißt also: ach, die paar Mal im Jahr, dann trinken wir genug, dann haben wir auch wieder Gesprächsstoff für den Rest des Jahres (also wir beide über die Freunde)

Ich denke, manchmal macht man mit Ehrlichkeit mehr kaputt als dass man Gutes tut? Ich unterstelle den Freunden also einfach fehlende Sozialkompetenz als Bösartigkeit, verstehst Du, was ich sagen will? (gar nicht so einfach)

Liebe Grüße,

Das Mädchen

Regan
09.06.2007, 17:40
Hallo Mädchen,

habe eben Deinen ganzen Strang gelesen und eine Menge Parallelen gefunden - zu mir und meiner Schwester (ich bin die jüngere). Wir wohnen an verschiedenen Orten, und wenn wir uns nicht sehen, dann ist der Kontakt entweder nicht wirklich existent oder ganz ok. Dann gibt sie mir immer immer wieder das Gefühl, daß sie an mir interessiert ist, daß sie mich sehen will, etc. Wenn wir uns dann sehen, dann ist das Interesse weg. Ich "darf" dann zwar zu ihr auf einen Kaffee kommen, aber sie macht immer etwas nebenher. Abends treffen wir uns auch ab und zu, aber dann ist immer jemand aus ihrem Freundeskreis dabei (teilweise kenne ich die zwar, aber die kriegen manchmal auch die Zähne nicht auseinander. Außerdem sind es eben nicht meine Freunde).

Am deutlichsten war es, als ich nach 1 Jahr Aufenthalt in Australien zurückgekommen bin. Meine Familie war bei ihr zum Frühstück, und sie saß am anderen Ende des Tisches und hat sich um einen gemeinsamen Freund gekümmert (der Ärmste hatte damals beide Arme gebrochen, davon war aber nur einer eingegipst, der andere war bandagiert). Danach hat sie mich noch mal zum Essen eingeladen, allerdings hatte sie da Besuch. Anschließend war 1 Woche Funkstille - ich habe versucht, sie zu erreichen, aber entweder war sie nicht da oder hatte keine Zeit. Nach dieser einen Woche war sie mit ihrem Freund bei unseren Eltern zum Abendessen eingeladen. Kurz, bevor die 2 wieder gegangen sind, fragte sie "Wann sehen wir nun endlich Deine Australien-Fotos?".
Ein paar Monate später feierte ihr Freund runden Geburtstag, zu der auch eine Freundin von ihr eingeladen war die weiter weg wohnte. Während der Party seilte sich meine Schwester mit dieser Freundin einige Zeit ab; ich war zufällig in der Nähe als ein anderer Gast kam und zu meiner Schwester meinte, "Ich hab Dich schon gesucht, wo warst Du denn die ganze Zeit?" (etwas über 1 Stunde). Woraufhin meine Schwester meinte, "Ich hab doch die xy (ihre Freundin) schon 3 Monate nicht mehr gesehen, da wollte ich mir Zeit für sie nehmen." Ich stand daneben und dachte nur, "und mich hat sie 1 Jahr nicht gesehen und hatte über eine Woche lang keine Zeit für mich."

Soviel zu Sehen-wollen/ignorieren. Ich kann Cindy's Aussage nur unterstützen, ich denke, diese "Freunde" wollen sich an Dir bzw. Euch nur hochziehen. Die wollen bewundert werden. Daß Deine "Freundin" jetzt einmal viele Fragen gestellt hat, hat meiner Meinung nach nichts zu sagen. Das bedeutet wahrscheinlich nur, daß sie gemerkt hat, daß Ihr Euch länger nicht gesehen habt, und fragt nur nach, um Dich wieder an sie zu binden. Macht meine Schwester auch immer wieder, und ich falle immer wieder drauf rein.
Wie geht dieses Sprichwort noch so schön, die Verwandschaft kann man sich nicht aussuchen, die Freunde aber schon? Verschenke Deine Zeit nicht. Nein sagen tut manchmal sehr gut.

LG,
Regan

Inaktiver User
16.06.2007, 08:04
Hallo Mädchen,
ich bin der Meinung, dass Du überhaupt kein schlechtes Gewissen haben musst.

Ich hatte in meinem Freundeskreis auch solche Leute, die ständig nur von sich reden.
Mein Fazit nach einer Weile war:
Die brauchen keine Freunde - die brauchen Publikum!
Mit Freundschaft hat das nicht das geringste zu tun.

Deshalb habe ich den Kontakt einschlafen lassen, mich einfach nicht mehr gemeldet. Von ihnen ist auch nichts gekommen, was mich nicht wundert, da ihnen an meiner Person sowieso nichts lag. Sie brauchten nur eine Projektionsfläche für ihren eigenen Kram - und da haben sie bestimmt inzwischen schon andere gefunden.

Warum geht man denn Freundschaften ein?
Damit sie beiden Seiten gut tun und man füreinander da ist bzw. bei weniger engen Bekanntschaften, damit man gemeinsam eine gute ZEit hat.
Wenn das nicht gegeben ist, warum sollten Du und Dein mann sich rumquälen.

Ich wünsch Dir viel Konsequenz, Dich und Deine eigenen Bedürfnisse durchzusetzen.