PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alte Freundschaft = Neue Freundschaft???



susanne
20.03.2007, 13:12
Momentan befinde ich mich in einer Situation, die mich ratlos macht. Ich erhoffe mir hier ein paar Tipps bzw. Stellungnahmen, die mir helfen, aus meiner Ratlosigkeit heraus zu kommen.
Vor gut 15 Jahren hat die Beziehung zu meiner (damals) besten Freundin einen gehörigen Knacks bekommen. Wir kannten uns damals bereits über 30 Jahre.
Rückwirkend betrachtet, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es offenbar ihr Mann war, der an dem Zerwürfnis einen erheblichen Anteil hat(te). Es fiel u. a. von ihm der Satz :“Es stört mich ja so einiges an eurer Freundschaft“..
Den konkreten Auslöser für die entstandene Distanz ist mir heute immer noch nicht ganz klar.
Sie befanden sich damals in der Bauphase ihres Hauses. Dass in dieser Zeit schon mal die Nerven blank liegen können, verstehe ich. Mir wurde damals (von ihm) u. a. vorgeworfen, ich hätte keine Tipps gegeben, was etwaige Steuerersparnisse beim Hausbau angeht, hätte meiner Freundin nicht angeboten, beim Umzug zu helfen u. ä.. Darüber hinaus fühlten sich beide angegriffen, als mein verstorbener Mann und ich erwähnten, dass es doch schöner sei, demnächst im eigenen Haus zu wohnen als in einer Mietwohnung. Sie meinten, mit dieser Äußerung hätten wir zum Ausdruck gebracht, dass sie also in einer „Hundehütte“ gelebt hätten.
Im Grunde genommen, eigentlich Lappalien, die mich jedoch damals total geschockt und verletzt haben, weil sie jeder Grundlage entbehrten.
Ich habe seinerzeit mehrfach versucht, mit meiner Ex-besten-Freundin ein klärendes Gespräch herbei zu führen, sie war einfach nicht dazu bereit bzw. ist es mir nicht gelungen, die Sache zu bereinigen.
Ich habe lange Zeit dafür gebraucht, um damit umgehen zu können und bin dann auf Distanz gegangen, d. h., wir trafen hin und wieder bei Geburtstagen gemeinsamer Bekannten zusammen. Es blieb zunächst bei der Begrüßung, im Laufe der Jahre wechselten wir dann wieder mehr Worte miteinander.
Bei so einem Anlass ergab sich im letzten Jahr, dass wir beide beschlossen, ein Klassentreffen zu organisieren. In diesem Zusammenhang telefonierten wir miteinander, sprachen auch über andere Themen. Dabei blieb es zunächst.
Völlig perplex war ich, als sie mir kürzlich (nach gut 15 Jahren) wieder zum Geburtstag gratulierte.
Da ich beim Klassentreffen fotografiert habe, übergab ich ihr nach diesem Telefonat im Rahmen eines Cafe`- Besuches einige Bilder. Im Verlaufe dieser Stunden unterhielten wir uns fast so wie in „alten“ Zeiten. Allerdings habe weder ich noch sie die damalige Situation angesprochen. Die Verabschiedung war unverbindlich.
Nun sitze ich hier und weiß nicht so recht, was ich tun soll bzw., wie es weitergehen könnte.
Vielleicht hat jemand Ähnliches erlebt?
Susanne

Inaktiver User
20.03.2007, 14:38
Hallo Susanne,
vor einigen Wochen kam eine ehemalige Freundin und jetzige Arbeitskollegin in mein Büro. Zu erst war ich sehr erstaunt. Doch ich spürte, dass ich verziehen hatte. Bei mir war alles wieder in Ordnung und ich hatte das Gefühl, dass ich wieder sprechen konnte mit ihr. Was ich tat. Zwar sehr vorsichtig noch, aber wir haben uns wieder verabredet für in einem Monat zum Essen.

Ich lasse es ganz langsam angehen.. Und schaue, ob und wie es sich entwickelt.. :blumengabe:

So wie früher wird es nicht mehr. Das möchte ich auch nicht. Wir haben beide beigetragen. Wir haben das Problem von damals nicht mehr angesprochen.. Das ist Vergangenheit. Beide haben sich entwickelt und wir fangen neu an.

nathaliethor

Kiesel
20.03.2007, 21:16
Es liest sich, als ob deine ehemalige Freundin es bedauert, den Kontakt beendet zu haben. Vielleicht war wirklich ihr Mann zu einflußreich im schlechtreden, oder die Situation war aus anderen Gründen verfahren.
Ich neige leider auch dazu, manchen Bemerkungen im nachhinein zuviel Bedeutung oder persönliche Kritik anzudichten, es ist so schade, wieviel Schaden dadurch angerichtet werden kann! Hätten die beiden doch gleich gefragt 'Wie meinst du das jetzt denn mit der Mietwohnung?'

Jedenfalls ist Zeit vergangen und allein schon weil ihr euch so lange kennt, würde ich es langsam wider aufleben lassen. Es ist ein sehr gutes Zeichen, daß sie dir zm geburtstag gratuliert hat!

Gerade nach so einem Bruch hat man beidseitig die Chance, behutsamer vorzugehen.

Viel glück!

susanne
20.03.2007, 22:04
Vielen Dank für Eure Antworten.
Ich finde es gut, von Außenstehenden deren Sicht auf die Dinge zu erfahren.
Ich glaube auch, dass ich mittlerweile verziehen/vergeben habe. Dennoch tue ich mich im Augenblick schwer damit, einfach "so" anzurufen, überlege, welchen Aufhänger ich finden könnte. Was wäre möglich?
Da stehe ich mir noch selbst im Wege. Klar ist auch, dass es sicherlich nie mehr so vertraut werden kann, wie es mal gewesen ist.
Aber - und da teile ich Eure Meinung - das muss ja auch nicht unbedingt der Fall sein.
Susanne

Inaktiver User
21.03.2007, 12:50
Klar ist auch, dass es sicherlich nie mehr so vertraut werden kann, wie es mal gewesen ist.


Und warum MUSS man den Kontakt dann unbedingt wieder näher reaktivieren ?
Ich denke, daß wird dann eh nur so ein Krampf ... Wenn man verziehen hat und wieder eine lockere Bekanntschaft zustande kommt, ist das doch prima - warum mehr herbeiprügeln, wenn da garkeine Basis mehr für da ist ?

Jemand, der mich schwer enttäuscht hat, hat für mich weit weniger Stellungswert als ein Wildfremder.

susanne
21.03.2007, 13:20
Da gebe ich Dir völlig recht, Loreley.
Ich will auf gar keinen Fall versuchen, an Altes anzuknüpfen. Das dies nicht funktioniert, ist mir völlig klar. Das wollte ich mit meiner Aussage auch deutlich machen.
Eine lockere Bekanntschaft kann ich mir mittlerweile allerdings wieder vorstellen. Trotzdem bin ich mir immer noch unsicher, wie ich es anstellen soll. Klingt irgendwie widersprüchlich, nicht wahr?
Wir sind ja beide auseinander gegangen ohne uns erneut zu verabreden. Wahrscheinlich hat jeder beim anderen auf die entsprechende Geste gewartet bzw. gehofft.
Was würdest Du evtl. tun?
Susanne

Inaktiver User
22.03.2007, 09:32
Was würdest Du evtl. tun?


Auch wenns schwer fällt: Nichts. :blumengabe:

susanne
22.03.2007, 11:49
Danke für Die Antwort. Kurz und prägnant.
Wahrscheinlich fällt´s mir schwer, sonst würde es mich nicht derart beschäftigen.
Susanne

Inaktiver User
23.03.2007, 20:09
Ich wäre da optimistischer.

Die Wunden von früher sind verheilt. Die muss man nicht aufreißen. Wenn du möchtest, melde dich doch bei ihr, warum denn nicht? Wie viele Leute hat man denn so im Leben, mit denen man sich so verbunden fühlt?

Es gibt Phasen, da geht man auseinander, und Phasen, da findet man wieder Gemeinsames, Altes und auch Neues. Ich würde mir die Chance für einen Neuanfang geben.

:blumengabe:

susanne
24.03.2007, 12:40
Du triffst mit Deinem Beitrag ziemlich genau meine Befindlichkeit, meine Empfindungen, liebe Apfeltasche.
Ich glaube, ich werde in den nächsten Tagen einfach mal zum Telefonhörer greifen und bei ihr anfragen, ob sie Interesse an der Wiederholung des Cafe´-Haus Besuches hat.
Mehr als eine Abfuhr kann ich mir nicht einhandeln, glaube es aber nicht.
Ich denke, wenn man nicht bereit ist, über seinen Schatten zu springen und zu verzeihen, bleibt man ewig in einer Opferrolle, die einem auf Dauer das Leben schwer macht.
Sicherlich gibt es viel schwer wiegendere Vorfälle, die ein Vergeben fast unmöglich machen. Doch selbst das haben manche Menschen auch geschafft und in gewisser Weise ihren Seelenfrieden wieder gefunden.
Susanne

Inaktiver User
24.03.2007, 14:36
Ich finde es schön, dass du nun einen Schritt auf sie zu machen möchtest - und würde natürlich gern erfahren, wie es geklappt hat!

:blumengabe:

Inaktiver User
24.03.2007, 14:48
Hallo Susanne,
wenn es dir wichtig ist frag doch einfach mal ob sie noch weiß warum ihr euch damals aus den Augen verloren habt.
Möglich das ihr das ebenso im Kopf herum spukt und sie sich, genau wie du nicht traut oder auf einen passenden Anlass wartet das Thema anzuschneiden.

Fragil

susanne
24.03.2007, 23:20
Ich muss gestehen, das ist für mich ein heikler Punkt, Fragil.
Sie weiß mit Sicherheit noch ganz genau, wie die Situation vor 15 Jahren entstanden ist. Ihr Gedächtnis ist phänomenal. *g*
Obwohl es mir seinerzeit nicht gelungen ist, die ganze Sache zu klären bzw. mit ihr konkret zu besprechen, will ich nicht unbedingt von mir das Thema ansprechen.Vielleicht ist es feige. Andererseits habe ich mich weiter entwickelt, messe ich der Angelegenheit, rückwirkend betrachtet, nicht mehr diese Bedeutung zu. Ich bin überzeugt, dass die treibende Kraft ihr Mann war. Aber mit ihm muss ich ja nicht unbedingt "leben". Die ursprüngliche Freundschaft läßt sich nicht mehr herstellen. Dennoch sind die Ex-beste-Freundin und ich nach all´den Jahren in bestimmten Dingen immer noch auf einer Wellenlänge.
@ Apfeltasche: Bei soviel Anteilnahme an den "Problemen", die man ins Forum stellt, ist es doch fast Ehrensache, über den weiteren Verlauf zu berichten.

Übrigens habe ich vor einigen Jahren mal ein Sprichwort gelesen, dass in etwa eine Zustandsbeschreibung meines Beitrages darstellt:
"Der abgerissene Strick kann wieder geknotet werden. Er hält wieder, aber er ist gerissen. Vielleicht begegnen wir uns wieder. Aber da, wo wo du mich verlassen hast, da triffst du micht nicht wieder".
Klingt zwar angesichts meines Vorhabens etwas dramatisch, spiegelt dennoch wieder, wie es meist nach solchen bzw. ähnlichen Vorfällen aussieht.
Susanne

Inaktiver User
25.03.2007, 12:59
"Der abgerissene Strick kann wieder geknotet werden. Er hält wieder, aber er ist gerissen. Vielleicht begegnen wir uns wieder. Aber da, wo wo du mich verlassen hast, da triffst du micht nicht wieder".

Das ist ein Gedicht von Brecht und hat in meinem Herzen auch seinen Platz. Eben fand ich einen Kommentar dazu: Es gibt viele Fäden - nicht nur einen!

Ihr findet vielleicht einen neuen Anknüpfungspunkt.

susanne
25.03.2007, 23:17
So nah sind mir die Werke von Brecht nicht, liebe Apfeltasche. Danke für die "Aufklärung".
Die Zeilen sind mir schon seit Jahren gegenwärtig. sie gefallen mir. Umso mehr, als Du sie nun um den Kommentar dazu ergänzt hast.
Insofern hat man doch immer eine Möglichkeit bzw. eine Chance, an irgendeinem Faden wieder anzuküpfen.
Susanne

susanne
28.03.2007, 20:04
@ Apfeltasche:
Ich habe mir heute ein Herz gefasst und mit etwas Bauchweh ob der möglichen negativen Reaktion bei der Ex-besten-Freundin angerufen.
Einen kleinen Aufhänger hatte ich noch. Er betraf unser Klassentreffen im letzten Jahr. Dann habe ich aber als weiteren Grund meines Anrufes die Frage genannt, ob sie Interesse bzw. Lust hätte, unseren Kaffeehausbesuch zu wiederholen. Sie schien davon sehr angetan zu sein und so haben wir uns für nach Ostern verabredet.
Nun bleibt abzuwarten, wie sich alles weiter entwickelt.
So ein Austausch mit anderen im Forum kann in gewisser Weise befreiend sein, da Außenstehende Probleme aus anderm Blickwinkel betrachten können.
Herzliche Grüße
Susanne

Jeanne1978
29.03.2007, 22:40
Bei mir ist es immer so ,ich lerne zwar immer neue Leute kennen, aber meine Beste Freundin und sie lebt in Frankfurt jetzt, wird immer an erster Stelle Stehen wir kennen uns seit der 1 Klasse in der schule und ich versuche den Kontakt auch nie abreisen zu lassen!

Ich schätze alle neuen Freundschaften immer! Und sie sind mir auch wichtig. Ich bin jemand der Freundschaften im allgemeinen schätzt. Egal ob neu oder alt :smile:

amiga
08.04.2007, 11:42
Liebe Susanne,

zuerst wünsch ich Dir viel Glück bei Deinen Treffen mit Deiner Ex-Freundin. Es wäre schön, wenn ihr Eure Freundschaft wieder reaktivieren könntet. Sollte es zu einem engeren Kontakt kommen (also mehr als manchmal ins Kaffeehaus gehen und ein bißchen ratschen), würde ich an Deiner Stelle aber auf jedem Fall das Zerwürfnis ansprechen. Es wird sonst i m m e r zwischen Euch stehen und das wäre schade. Vielleicht handelt es sich um ein Mißverständnis - jeder hat aus der Aussage des anderen etwas Negatives herausgehört, es war aber gar nicht so gemeint (wie bei Deiner Aussage mit dem Haus/Mietwohnung).

Viel Glück
amiga:blume:

susanne
10.04.2007, 12:41
Grundsätzlich gebe ich Dir recht, Amiga, dass man in bestimmten Fällen bestimmte Dinge ansprechen sollte.
Ich habe mich jedoch entschlossen, nicht "gezielt" das Thema aufzugreifen. es sei denn, es ergäbe sich dahin gehend ein Anknüpfungspunkt.
Ansonsten habe ich die Sache für meinen Teil verarbeitet. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ihr Mann einen großen Anteil an dem Zerwürfnis hatte, werde mir jedoch nicht anmaßen, ihn ihr gegenüber "schlecht" zu machen.
Die alte Vertrautheit läßt sich sicherlich nicht mehr herstellen, wird von mir auch nicht unbedingt angestrebt. Dennoch gibt es genügend Gesprächsstoff, denke ich. Die Zeit wird zeigen, wie sich alles weiterentwickelt.
Morgen ist übrigens unser Treffen.

Susanne