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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Sie haben alles richtig gemacht..." ich kann es nicht mehr hören!



Nadi67
19.03.2007, 14:34
Hallo Ihr Lieben!

Mein überaus von mir geliebte Oma ist tot!
Gestorben nach schwerer Krebserkrankung am Sonntag, 11.03. um 12.20 Uhr!
Sie hat mich fast vierzig Jahre meines Lebens mit viel Liebe begleitet. Sie hat mich großgezogen, erzogen und mir die Welt erklärt! Sie war mein Ein und Alles!

Im letzten Sommer bekam sie als Nichtraucherin die Diagnose Lungenkrebs. Nach schwerer Chemo hatten wir zu Weihnachten die erlösende Nachricht sie wäre in der Lunge tumorfrei. Zwei Wochen später bekam sie einen Schlaganfall (rechte Seite gelähmt und schwere Sprachstörungen). Diagnose: Metastasen im Hirn. Nach Rücksprache mit Ärzten und meiner Tante wurde beschlossen, meine Oma nicht mehr mit weiterer Chemo zu quälen, da die Chancen bei null standen. Vor drei Wochen habe ich meine Oma in ein Altenheim in meiner Nähe untergebracht, da sie alleine nicht mehr wohnen konnte, nicht mehr alleine essen konnte, inkontinent war, nicht mehr laufen konnte. Ich wollte sie in meiner Nähe haben (ich wohnte sonst 200 km weit von ihr weg). Ich bin jeden Morgen früh aufgestanden, damit ich früher auf Arbeit war und spätestens um halb vier bei meiner Oma zu sein. Ich war jeden Tag da und habe mit ihr gegessen, versucht sie aufzuheitern, sie in den Arm zu nehmen, sie spazieren zu fahren, einfach für sie dazusein. Ich habe mit ihr zu Abend gegessen, sie gewaschen, eingecremt und gewartet bis sie eingeschlafen ist. Jeden Tag, die letzten zwei Wochen und ich hätte das immer für sie getan. Wenn sie mich gelassen hätte. Am 10.3., einen Samstag hat sie nachmittags nur gejammert (und konnte nicht sagen, warum) und mich schon nicht mehr wahrgenommen. Am Sonntag haben mich die Schwestern angerufen und gesagt, sie würden sie nicht mehr wachkriegen. Als ich bei ihr war, habe ich gesehen, daß sie schon bewußtlos war. Die herbeigerufene Ärztin meinte, einen Transport ins Krankenhaus würde meine Oma nicht mehr überstehen - dort könnte man auch nicht mehr tun als sie an eine Maschine anschließen. Sie hat ihr dann noch Sauerstoff angelegt und eine Morphinspritze gegeben und ich habe bei meiner Oma von 9.30 Uhr bis 12.20 Uhr am Bett gesessen, ihre Hand gehalten, sie geküßt, mit ihr gesprochen - bis sie nicht mehr atmen wollte. Dann war es vorbei und jetzt bin ich allein! Ich habe sie geküßt, ihr das Gesicht eingecremt und ihr noch schöne Kleider rausgelegt. Die Ärztin hat gesagt, Oma mußte nicht mehr leiden, alles andere wäre Quälerei gewesen - ich hab alles richtig gemacht. Sie mußte nicht mehr leiden... dafür leide ich jetzt! Ich war eine Woche krankgeschrieben, ich hab nix mehr gegessen, ich hab nur im Bett gelegen und geheult. Ich vermisse sie so!!
Ich habe seit meinem Umzug in ein anderes Bundesland jeden Tag mit ihr telefoniert. Hab ich mich mal nicht gemeldet, hat sie angerufen und immer gesagt: "Schatzele, wo bist Du denn? Ich werd immer ganz krank, wenn ich einen Tag nix von Dir höre"!
Ich hab immer gesagt, sie soll sich keine Sorgen machen, ich ruf dann einen Tag später an und hab dann mehr zu erzählen...! Alle drei bis Wochen habe ich sie für ein Wochenende besucht. Und jetzt guck ich jeden Tag auf die Uhr, es wird halb vier und ich kann sie nicht mehr anrufen und mir ihr über unseren Tag reden.
Ich sitz im Büro wie ein Zombi.. mir tut alles weh. Die Vögel singen und ich weiß nicht warum!
Ich vermisse sie so... ich heule schon wieder! Ich will nicht mehr hören, daß ich alles richtig gemacht habe. Ich sitze und grübele, ob es wirklich alles richtig war?! Hätte ich sie in ein Hospitz bringen sollen, statt in ein Pflegeheim. War der Umzug zu viel, der Auszug aus ihrer Umgebung (die sie eigentlich nicht mehr wahrgenommen hat). Sie hat immer nur gelächelt, wenn sie mich gesehen hat. War ich egoistisch, daß ich sie bei mir haben wollte? Ansonsten hätte ich sie nur noch zweimal an einem Wochenende sehen können, statt die letzten vierzehn Tage jeden Tag..!
Was wäre, wenn...ich weiß es nicht! Hab ich alles richtig gemacht? Wäre es anders besser gewesen.. besser für sie.. länger für sie? Diese Gedanken bringen mich fast um!
Ehrlich... wenn der liebe Gott so toll und so perfekt ist, warum hat er es denn nicht so eingerichtet, daß man noch einen, noch einen einzigen Rückruf kriegt, wenn Deine Lieben im Himmel sind? Einen Anruf mit der Nachricht: "Mach Dir keine Sorgen; mir geht es jetzt gut!" Was würde ich für so einen Rückruf tun!!

Sorry, wenn es jetzt zuviel war und so unlogisch und für manchen zu viel Gefühl! Ich hab gerade das Gefühl, daß mir das Herz zerspringt...! Ich weiß nicht, wie ich die Beerdigung überstehen soll!

Nadi67

Tina3
19.03.2007, 15:07
Hallo Nadi67
Ich habe fast daselbe durchgemacht wie du mit dem unterschied das es meine Mutter war.Du tust mir so leid,ich weiß was du durch machst zur Zeit.Ich habe den Rückruf von ihr bekommen durch ein Traum ihn den sie mir mitgeteilt hat wie es ihr geht. Mfg Tina

Inaktiver User
19.03.2007, 16:10
Liebe Nadi 67,
gib Deiner Oma ein wenig Zeit, sich in Ihrer neuen Umgebung einzurichten. Dann wird sie sich wieder bei Dir melden - vielleicht wie Tina3 es geschrieben hat, in einem Traum oder in einem anderen Moment, der für Euch beide gut ist. Vertrau Deiner Oma weiter - sie hat Dich nicht alleine gelassen.
Kranich

ness
20.03.2007, 07:35
Liebe Nadi!

ich möchte dir zuerst mal mein beileid ausdrücken!
vor fast einem jahr habe ich meinen lieben opa verloren - auch durch einen krebs.

ich hab mir auch lange gedanken gemacht, ob alles richtig war, was ich gemacht hab, ob ich nicht noch mehr hätte tun können.....und und und.

aber weißt du, was wichtig ist? ich hab meinen opi sehr geliebt. alles, was ich für ihn getan habe, habe ich aus liebe zu ihm gemacht. und im glauben, ihm was gutes zu tun.
ich denke, deine omi hat auch gespürt, dass du sie sehr liebst und versucht hast, dein möglichstes zu tun, um es ihr in ihren letzten tagen so angenehm wie möglich zu machen!

und wie kranich schon geschrieben hat: lass ihr ein wenig zeit. mein opi hat mir dann auch zeichen geschickt.

wann ist denn das begräbnis? dafür wünsch ich dir viel, viel kraft!!

ness

Ricarda44
20.03.2007, 12:23
Hallo, Nadi,

Schau mal: Vor lauter Kummer und Schmerz bist Du im Moment sehr betäubt, um eventuelle Zeichen überhaupt wahr nehmen zu können.
Hörst mal ein wenig auf, Deiner Omi Ihren neuen Zustand schwer zu machen? Ihr Körper hatte keine Kraft mehr und sie mochte auch nicht mehr kämpfen. Das heißt doch aber nicht, dass ihre Seele nicht weiter lebt. Zum Beispiel auch in Deiner Liebe zu ihr.
Alles, was sie Dir mitgegeben hat, alles, was sie für Dich gewesen ist und sein wird - das ist unwiderruflich in Dir.
Meinst Du nicht, dass sie Dir sagen würde "Schatzele, nun ist es gut, weine nicht so viel."
Würde Oma es wollen, dass Du so Schmerzhaftes erleben musst?
Sicher nicht.

Oma hat gelitten in den letzten Monaten. Sie hatte auch Schmerzen. Diese hätte sie in einem Hospiz auch gehabt. Manche Dinge können wir nicht ändern. Da musst Du Dich jetzt nicht mit Fragen traktieren, ob es richtig war.

Du hast Deine Omi geliebt und liebst sie heute noch. Wer in ehrlicher, reiner Liebe handelt, kann nichts verkehrt machen.
Wahrscheinlich hätte sie viel früher den Kampf um das Leben aufgegeben, wenn sie Dich nicht gehabt hätte. Du warst ihr Sonnenschein.

Als meine Mutter 1992 verstorben ist, habe ich an ihrem Bett gesessen. Mein Vater, meine Geschwister und ich haben uns abgewechselt bei ihrer Betreuung. Allein aus der Tatsache heraus, dass sie im Krankenhaus durch eine Schwester, die einen ziemlich forschen Ton am Leib hatte, oft erschreckt wurde, wenn diese zur Tür rein kam und auch weil wir es nicht für gut befanden, dass sie dort Angst hatte (wir kannten unsere Mutti ja zu gut), haben wir vieles hinten an gestellt und uns nur um sie gekümmert.
Das war das Einzige, was wir zu dem Zeitpunkt tun konnten.
Ihre Hand lag in meiner Hand als sie ganz von uns ging.

Wer Angst vor dem Leben und dem Sterben hat wird meinen, das könnte man schlecht aushalten.
Für mich war es auch neu und keine schöne Situation zu spüren wie das Leben aus dem liebsten Menschen entflieht.
Sicher, es sind viele Tränen geflossen.
Weil es sicher war, dass ihr Platz leer bleiben würde.

1 Woche nach dem Tod "schleppten" mich meine Geschwister in die Kirche (ich geh da sonst nicht hin, deshalb "schleppten"). Als ich wieder nach Hause kam, bemerkte ich dass meine Stubenuhr und mein riesiger Wecker auf die Minute um 10.45 Uhr stehen geblieben waren. Meine Frage "Wieso das denn jetzt", wurde mir durch eine innere Stimme "Ich bin gut angekommen" beantwortet.

Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.
Ich bitte Dich, an die Kraft zu glauben, die Dir Deine Oma die vielen Jahre gegeben hat. Sie ist unwiderruflich in Dir.

Liebe Grüße!

Inaktiver User
20.03.2007, 12:43
Ich will nicht mehr hören, daß ich alles richtig gemacht habe. Ich sitze und grübele, ob es wirklich alles richtig war?! Hätte ich sie in ein Hospitz bringen sollen, statt in ein Pflegeheim. War der Umzug zu viel, der Auszug aus ihrer Umgebung (die sie eigentlich nicht mehr wahrgenommen hat). Sie hat immer nur gelächelt, wenn sie mich gesehen hat. War ich egoistisch, daß ich sie bei mir haben wollte? Ansonsten hätte ich sie nur noch zweimal an einem Wochenende sehen können, statt die letzten vierzehn Tage jeden Tag..!
Was wäre, wenn...ich weiß es nicht! Hab ich alles richtig gemacht? Wäre es anders besser gewesen.. besser für sie.. länger für sie? Diese Gedanken bringen mich fast um!


Nadi, richtig oder falsch - das ist nicht das Thema.

Das Thema ist Liebe.

Du und deine Grossmutter, das war etwas Besonderes.

Du hast ihr das Beste gegeben, was du geben konntest.

Eine Enkelin wie dich zu haben, so geliebt, gebraucht und vermisst zu werden, ist ein Gottesgeschenk - nicht nur für Omas. :smile:

Du hast ihr etwas Wunderbares gegeben: sie im Sterben nicht allein gelassen. Das ist heute nicht selbstverständlich.

Ist dir klar, wieviel Kraft und Liebe du in dir trägst, dass du sie nicht weggeben hast, sondern an ihrer Seite sein wolltest, nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Zuneigung?

Es gibt doch nichts Besseres, was man einem andern Menschen tun kann, als ihn zu lieben und ihn nicht alleine zu lassen, egal was geschieht.

Alles, was wir ins nächste Leben mitnehmen können, ist die Liebe.

Davon hast du deiner Grossmutter reichlich mitgegeben.

Liebe Grüsse

Nadi67
20.03.2007, 16:46
Liebe Tina3
Liebe Kranich
Liebe Ness
Liebe Ricarda44
Liebe Evemie

Danke für Eure lieben Antworten! Ich lese sie immer und immer wieder!
Obwohl es jetzt schon über eine Woche her ist, wird es irgendwie nicht besser. Ich sitz morgens im Auto zur Arbeit und weine. Ich sitz im Büro und weine. Ich lieg im Bett und weine. Es tut mir leid -ich kann nicht anders!
Ich werde mir aber den Satz von Kranich zu Herzen nehmen und meine Oma sich in ihrem "neuen Leben" einrichten lassen.
Vielleicht habt ihr ja alle Recht und ich werde irgendwann irgendwie ein Zeichen von ihr bekommen, daß es ihr gut geht. Ich würde es mir so wünschen für sie! Ich wollte doch immer, daß es ihr gut geht!
Nächste Woche wird wahrscheinlich die Urnenbeisetzung sein. Ich weiß noch nicht, wie ich das überstehen soll. Vielleicht wird es dann ein bißchen besser.. aber das Gefühl, das jemand fehlt wird wohl nie vergehen!
Meine Oma und ich hatten immer ein Verabschiedungsritual. Ich hatte ihr mal vor Jahren gesagt, daß ich sie immer und ewig lieben werde. Unser Ritual war die letzten Jahre, daß ich "Immer und" zu ihr sagte und sie mit "Ewig" antwortete. Selbst als sie aufgrund des Schlaganfalles kaum ein Wort rausbrachte, hat sie mir noch das zurückgemurmelt.
Mann, ich kann vor lauter Tränen schon wieder nix mehr tippen...!

Umarmung an Euch Ihr Lieben!
Nadi

Inaktiver User
21.03.2007, 11:48
Obwohl es jetzt schon über eine Woche her ist, wird es irgendwie nicht besser. Ich sitz morgens im Auto zur Arbeit und weine. Ich sitz im Büro und weine. Ich lieg im Bett und weine. Es tut mir leid -ich kann nicht anders!


Liebe Nadi,

ich habe noch Jahre danach weinen müssen, wenn mir der Tod meiner Oma hochkam. Sie starb ein paar Monate nach der Geburt meiner Tochter, sie wartete mit dem Sterben, bis wir 700 km aus Berlin ins Krankenhaus angerast kamen, dann war es für sie Zeit und sie liess dann einfach los.

Ein paar Monate später starb meine andere Oma, mit der ich zwar nicht soviel zu tun hatte, aber dennoch: aufeinmal verschoben sich die Generationen, die "Alten" waren nicht mehr da.

So ein Verlust hinterlässt eine Narbe auf der Seele, sie tut mit der Zeit nicht mehr so schrecklich weh, aber man kann mir ihr leben, das verspreche ich dir.

Ich hab ein Bild meiner Grossmutter, als sie eine junge Frau war, sie war wunderschön und mutig und unkonventionell. Mein Vater und ich sprechen viel über sie, ihr Tod hat unser Verhältnis verändert. Ich bin ihr ähnlicher als ihre Kinder ihr sind.

Die Umwelt meint ja irgendwann, es sei nun genug mit dem Trauern. Wenn das passiert, dann such dir Hilfe - Menschen, die etwas Ähnliches durchgemacht haben und auch ihre ganz persönliche Zeit brauchen, um zu trauern.

Ich umarm dich mal unbekannterweise und wünsch dir einfach, dass du die Dankbarkeit spüren kannst, eine solche innige Beziehung zu deiner Grossmutter gehabt zu haben!

Emie
21.03.2007, 13:13
Liebe Nadi,
der Tod Deiner geliebten Oma tut mir so sehr leid. Ich möchte Dich gern in die Arme nehmen, Dich trösten und weiß, dass es keinen Trost in dieser schmerzlichen Phase der Trauer gibt. Lass diese Trauer zu, lass jetzt besonders die Erinnerungen an die schöne Zeit, die Du mir Deiner Oma hattest, zu. Der Schmerz wird irgendwann kleiner, die Liebe, die Deine Oma Dir und Du Deiner Oma gegeben hast wird Dir für immer bleiben, denn sie hat Deine Trauer erst ermöglicht, sie hat Dich zu einem empfindsamen Menschen gemacht, der zu so tiefen Emotionen wie Liebe und Trauer fähig ist.
In heutiger Zeit ein großer Schatz und den hat Dir Deine geliebte Oma mit auf den Weg gegeben. Freu Dich darüber.

Lieb grüßt Dich
Emie

desperate_01
21.03.2007, 14:51
Wie alt bist du? Um die Vierzig, habe ich das richtig gelesen? Meine Oma starb als ich 3 war.

Sei froh um die Zeit die du mit ihr hattest und .. ich finde, du bemitleidest dich selbst schon etwas zu sehr.

gruss
des.

Nadi67
21.03.2007, 16:03
Liebe Emie, liebe Evemie!

Danke für Eure trostreichen Worte - auch wenn die Urmarmung nur per mail rübergereicht wird, tut sie gut!

Lieben Gruß
Nadi
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P.S. Desperate_01
Dies ist ein Trauerforum...ich kann hier um meine Oma trauern und muß mich hier nicht rechtfertigen, wie ich das tun oder lassen soll.
Ich bettel hier nicht um Mitleid für mich; ich wollte nur etwas Trost oder einen Zuspruch finden, weil ich so traurig bin, daß meine allerliebster Mensch nicht mehr da ist!! den Trost habe ich auch bis jetzt - außer von Dir - bekommen!
Andere User machen einen Trauerstrang für einen gestorbenen Bernhardiner auf. Deren Sache - ICH muss es nicht verstehen - aber ich habe soviel Anstand und Respekt vor dem Trauernden, daß ich meinen - wahrscheinlich für die Trauernde - unsensiblen Senf für mich behalte!
Wenn Du mich oder meine posts nicht verstehst - ist das nicht MEIN Problem! Der Anstand scheint Dir zu fehlen!
Such Dir einen anderen strang zum stänkern, zurechtzuweisen oder klugzuschei...!
Bei mir hier bist DU NICHT ERWÜNSCHT! Du bist nicht die Sorte Mensch, die ich um mich haben will und mit denen ich - in welcher Form auch immer - kommunizieren will!

Ade

Inaktiver User
22.03.2007, 10:23
@desperate:

Mit 40 erlebt man den Tod eines geliebten Menschen sehr anders und viel bewusster als als Kleinkind.

Meine Freundin hatte in einem Jahr ihren Vater, ihren Neffen (6 Monate) und ihre Schwägerin verloren.

Sie war kurz davor, sich umzubringen. Aber sie hatte Gottseidank Menschen, die sie solange trauern liessen und ihr die Hand hielten, bis sie wieder auf die Beine kam.

Ich wünsche das jedem Menschen, der einen solchen Verlust erlebt.

Lillian2207
22.03.2007, 11:07
Liebe Nadi67,

mein aufrichtiges Beileid für den Verlust Deiner geliebten Omi! Ich möchte das du weißt, dass Du hier sehr willkommen bist, dass wir hier alle trauern und das Du Dich für nichts rechtfertigen mußt! Jeder Mensch darf so viel trauern wie er das möchte, jeder hat das Recht auf seinen ganz persönlichen Weg. Egal ob man den Menschen drei Jahre oder vierzig Jahre kannte!

Erzähl uns weiter wie es Dir geht! Wir sind hier und stehen Dir bei!

Fühl Dich geherzt und gedrückt! Wir werden es irgendwie, irgendwann schaffen! Ganz lieben Gruß
Lillian2207

Nadi67
22.03.2007, 15:16
Hallo Ihr Lieben!
Die letzte Nacht war schlimm; ich hatte gg. Mitternacht einen Alptraum (aus dem mich zum Glück mein Schatz rausrüttelte), danach war bis vier Uhr nicht an Schlaf zu denken - ich war wach!
Heute bin ich müde, draußen ist es kalt.. ABER...ich hab den ganzen Tag schon so warme Hände (nein, kein Fieber...) und ich hab heute auch noch nicht geweint.
Darf ich jetzt darauf "stolz" sein , daß es mir heute "ein wenig besser geht" ??! Ich vermiß meine Omale immer noch; aber heut ist mir als ob...ich kann es Euch nicht erklären...!
Das mit meinen warmen Händen... ich trau mich gar nicht schreiben, wie ich das für mich deute...! Meine Oma hatte die letzten beiden Wochen immer so kalte Hände und ich habe immer ihre in meine Hände genommen. Sie hat dann immer "Heiße Liebe" geflüstert und gelächelt ... jetzt wein ich doch schon wieder.....!
Heute habe ich mit dem Bestatter telefoniert. Am Samstag werde ich in meine Heimatstadt fahren (nicht alleine -auf dem Beifahrersitz wird mein allerliebster Mensch mit mir fahren - in einer Urne mit ihrem Lieblingsschal bedeckt und drei roten Rosen - ihre Lieblingsblumen).
Die nächste Woche wird hart. Ich muß den Haushalt meiner Oma auflösen und die Beerdigung organisieren. Am Freitag, 30.03. wird die Beerdigung sein.... vor dem Tag graut es mir schon!!
Liebe Grüße
Nadi

ness
22.03.2007, 15:45
Liebe Nadi!!!

hast du deinen freund gerne um dich, wenn du trauerst? kannst du bei ihm so richtig loslassen? denn dann wäre es vielleicht gut für dich, wenn er dir nächste woche vermehrt beistehen könnte, wenn es irgendwie möglich ist?!

ich verstehe deine tiefe trauer sehr wohl. und ich finde, gerade hier in diesem forum darf man ungeniert trauern! bitte mach du das hier auch!
und gerade hier...und längere zeit nur hier, hatte ich die möglichkeit zu schreiben, wie es mir ganz ganz innen geht. das hat mir sehr geholfen, meine geschichte aufschreiben zu dürfen UND beistand zu bekommen.

lass dir ruhig die zeit zum trauern, die DU brauchst. und gehe deinen eigenen weg! tu dir viel gutes in nächster zeit und schau auf dich!

ich drück dich vorsichtig, wenn ich darf!!!

ness

ness
22.03.2007, 18:44
Noch was, liebe Nadi.

Meine Mama sagt immer: wenn man jemanden sehr lieb hat, ist es immer viel zu früh, wenn man ihn dann verliert. Da kann man so alt sein wie man will, es wird immer furchtbar schmerzen....

ich fühle mit dir.
ness

desperate_01
22.03.2007, 20:31
Hallo Nadi,

sorry fuer mein absolut nicht angebrachtes Posting bzgl. dem Tod deiner Oma.

Dafuer moechte ich mich entschuldigen.

Ich denke, ich bin einfach nur neidisch, dass du so lange einen Menschen, der dich bedingungslos geliebt hat, an deiner Seite haben durftest. Mir war das leider nicht vergoennt.

Gruss:blumengabe:
des.

Emie
22.03.2007, 22:12
Hallo desperate, das finde ich großartig von Dir :allesok:

Liebe Nadi:blumengabe: ,
rede Dir den Schmerz hier von der Seele- das wird Dir bei der Trauerbewältigung bestimmt helfen. Ich wünsche Dir viel Kraft mit dem Schmerz fertig zu werden und das bald der Tag kommt, an dem Du zum ersten Mal ohne Schmerz, dafür mit Freude an die gemeinsamen Tage mit Deiner Oma wirst denken können.

Inaktiver User
23.03.2007, 10:35
@desperate: auch von mir ein Blümchen! :blumengabe:

Nadi67
23.03.2007, 10:57
Hallo Ihr Lieben!
Heute ist es schlimm, ganz schlimm...ich sitz im Büro und hab dauernasse Augen...!
Gestern abend habe ich die Sachen meiner Oma, die ich aus dem Pflegeheim abgeholt hatte, sortiert und eingeräumt. Verrückt, aber
ich kann ihre Schuhe nicht weggeben bzw. wegwerfen. Ich habe keine Ahnung, was ich damit soll...!
Außerdem habe ich mir einen Erinnerungsplatz eingerichtet; ihr Bild aufgestellt, ihre Brille und ihr kleines Schutzengelchen, zwei Kerzen, ihren Lieblingsseidenblumenstrauß, den roten Paschminaschal (den hab ich ihr noch aus Paris mitgebracht und den hatte sie immer bei unseren Ausflügen im Rollstuhl an) und einen kleinen Teddy (meine Oma liebte kleine Hundchen und nette Teddies) dazugelegt. Ob sie es sieht? Ich weiß es nicht...! Ich würde es mir wünschen. Vielleicht denkt sie auch: "Schatzle, was soll das Gekrame? Räum ordentlich auf...!" Jetzt musste ich fast lächeln..., den Spruch hätte sie wirklich gebracht!
Heute abend werde ich zum Bestatter fahren und die Urne abholen. Morgen fahre ich in meine Heimatstatt und werde die Urne dem dortigen Bestatter übergeben, der die Beerdigung dort vorbereiten wird. Die letzte Fahrt macht meine Oma also mit mir; sie fuhr doch so gerne mit mir Auto (ich mußte immer die Sitzheizung machen, sie mochte es immer so gerne, wenn es "warm um den Poscher wurde"...)! Ich werde die Urne in einem Korb, bedeckt mit ihrem roten "Ausgehschal" auf meinem Beifahrersitz transportieren. Diese Version gefällt mir besser, als zu wissen, daß die Asche auf dem Postweg verschickt wird....!

Ness:
Danke für die vorsichtige Umarmung. Mein Freund ist ein ganz lieber; nimmt mich viel in den Arm, tröstet mich. Aber leider muß er nächste Woche arbeiten und kann erst am Freitag zur Beerdigung kommen. D.h. für mich ich muß die kommende Woche so gut wie alleine durchstehen. Ich hab zwar noch gute Freunde dort wohnen; aber vom Schatz in den Arm genommen zu werden, ist halt ja doch was anderes ...!

Emie:
"Papier" in diesem Falle, das Forum ist ja geduldig....! Ich hoffe für mich und auch für meine Mitmenschen, daß bald der Tag kommt, an dem ich mit einem Lächeln an meine Oma denken kann und nicht mit feuchten Augen und roter Nase....!

desperate_01:
Was soll ich sagen?!
Vielleicht warst Du wirklich neidisch oder Du hast es nicht verstanden, warum man so trauert, weil es doch "nur" die Oma war...?! Meine Oma war für mich mehr; sie war Mutter, Freundin, Vertraute, Seelenpartner und lange der einzige Mensch, der mich vorbehaltlos geliebt hat. Eben nicht "nur" die Oma...!
Ich habe von ihr einiges gelernt und übernommen; auch das man nicht stur und engstirnig sein soll...!
Deshalb überseh ich nicht Deine ausgestreckte Hand...Deine Entschuldigung ist angenommen!

Lieben Gruß und die Umarmungen gebe ich zurück!
Nadi

Inaktiver User
23.03.2007, 11:19
Hallo Nadi,

du kannst gut schreiben und deine Gefühle wunderbar be-schreiben.

Schreib doch deiner Oma einen Brief. Das hab ich damals gemacht, weil ich nicht wusste, wohin mit mir und meinen Erinnerungen, den lustigen und traurigen Erlebnissen mit ihr, und meiner Dankbarkeit.

Vielleicht traust du dich ja auch, den auf der Beerdigung vorzulesen? Oder - wenn du das nicht kannst, weil du dabei weinen musst - bitte eine gute Freundin.

Meine Oma z.B. konnte absolut nicht stricken. Aber sie dachte, eine richtige Oma muss für ihre Enkel stricken. Also hat sie uns fürchterliche Sachen gestrickt, die nie passten, seltsame Formen hatten und absolut komisch aussahen.

Ich kicher heut noch und lieb sie dafür, dass sie sich solche Mühe gab, um eine "gute Oma" zu sein!

Als ich nach Berlin zum Studieren zog, hat sie mir immer Briefe mit Geld geschickt:

"Hast du's auch warm? Hast du genug zu essen? Anbei ein paar Mäuse!"
Sie hat zwei Weltkriege mitgemacht.

Und sie hat immer gesagt: "Ich geb lieber mit der warmen Hand."

Beerdigungen sind ganz wichtig und heilsam! Da wird viel in Erinnerungen geschwelgt, du erfährst Geschichten, die du noch nicht kanntest und es wird auch gelacht. Das tut gut!

Liebe Grüsse

Nadi67
24.03.2007, 17:54
Hallo Ihr Lieben!

So, Tasche ist gepackt und im Auto. Morgen muß ich nur mein "besonders liebes Päckchen", zugedeckt, mit dem
Lieblingsschal, dem Lieblingsteddy, dem Strickmützchen
und drei roten Rosen auf den Beifahrersitz packen und
dann geht es "nach Hause".
Ob meine Oma schon meinen Opa, ihre Mutter, ihren
Bruder oder sogar den heißgeliebten Papa im Himmel
getroffen hat? Ich würde es mir für sie wünschen; dann
wäre sie nicht alleine...!

Hallo Evemie!
Einen Brief mit meinen Gedanken schreiben? Schöne Idee...
aber den auf der Beerdigung vorlesen? Mission impossible!
Meine Tante hat schon was aufgeschrieben und wird auch
was vorlesen... ich krieg das nicht hin! Ich heul ja jetzt
schon wieder und sitze nur am PC...!

Meine Oma und ich haben uns immer ALLES gesagt; und das ich sie liebhab hab ich ihr bestimmt am Tag mindestens zweimal gesagt und das wußte sie auch...! "Immer und ewig..." und das war nicht nur so dahin gesagt wie "Tschüss"... bei uns war immer etwas "dahinter"!!! Das behalte ich in meinem Herzen bei und wenn es mal soweit ist, würde ich mich freuen, wenn sie die Erste ist, die mich im Himmel oder wo auch immer, empfängt und begrüßt...!

Meine Lieben, ich verabschiede mich für die nächste Woche.
Ich werde erst übernächsten Sonntag wieder online sein können.
Wünscht mir Kraft für die Beerdigung am Freitag um halb eins..!
Ich werde alle guten Wünsche gebrauchen können, die ich kriege!

Ich umarme Euch alle und danke Euch für die letzten Tage...!
Ganz bestimmt werde ich Anfang April wieder nach Euch Ausschau halten!!
Lieben Gruß
Nadi

Nadi67
10.04.2007, 16:17
Hallo meine Lieben!

Seit einer Woche bin ich wieder zu Hause....! Die "Beerdigungswoche" ist vorbei...!
Ich habe meine Oma "nach Hause" gebracht und dafür gesorgt, daß sie ein würdevolles Begräbnis bekam. Es waren nicht viele Leute da, aber dafür umso wertvollere...!

Ich hatte mit dem Pfarrer ein sehr langes Gespräch. Er fand den Spruch zwischen meiner Oma und mir "Immer und ewig" sehr schön und hat ihn auch in seiner Trauerrede aufgegriffen. Warum aber sein "Arbeitgeber" keinen letzten Anruf aus dem Himmel gestattet, konnte er mir aber auch nicht erklären!

Ich glaube, ich habe mit meinem Weinen die komplette Trauergemeinde "aufgemischt".. jedenfalls blieb kein Auge trocken. Zum Glück war mein Freund und meine beste Freundin da; ich wäre am liebsten weggelaufen...! Zwei Tage später war ich wieder am Grab um mich zu verabschieden.. und irgendwie war es dann "besser"... nicht viel... aber immerhin "besser"! Ich wußte halt, sie ist "angekommen", liegt neben meinem Opa und ihr hätte die Beerdigung auch gefallen. Waren die Blumen doch nur in ihren Lieblingsfarben rot und weiß gehalten...!

Was mich aber noch mehr von meiner Trauer abgehalten hat, war die Wut, die in mir hochgestiegen ist. Die Wut darüber, daß sich die "Aasgeier" sprich meine nähere Verwandtschaft im Moment über das Haus meiner Oma regelrecht bekriegen. Das sollte mir eigentlich egal sein, da ich in der erblichen Nahrungskette sowieso weit hinten stehe und ich schon zu Lebzeiten meiner Oma weder was von ihrer "warmen" noch von der "kalten" Hand wollte. Ich bin nämlich der Auffassung, daß ich als arbeitender Mensch, der sich eigentlich finanziell alles erlauben kann, nicht noch Geld von einer Oma annehmen sollte, die mit einem Minimum an Rente ein komplettes Haus und ihren Lebensabend finanzieren mußte.
Zu Lebzeiten war ich um das Wohlergehen meiner Oma sehr bemüht; ich hab ihr geholfen, wo ich nur konnte und hab sie auch finanziell unterstützt und war für sie da. Das haben mir auch viele ihrer Freundinnen auch erzählt, daß sie immer stolz war auf mich! Und das sie auch immer erzählt hat, daß ich kein Geld von ihr wollte!
Die Hand hätte mir abfaulen sollen, wenn ich auch nur 10,00 Euro von ihr genommen hätte. Ich habe immer zu ihr gesagt, sie solle sich lieber was schönes dafür gönnen und dann hätte ich auch Freude dran. Das haben wir unter uns so ausgemacht!

Ich wollte eigentlich einen "ordentlichen" Abschluß machen, Haus räumen etc. - aber die "Aasgeier" bekriegen sich untereinander und leider machen sie auch vor mir nicht halt. Ich habe Vorwürfe zu hören gekriegt, die spotten jeglicher Beschreibung! Von "hinterhältig" bis "berechnend" war alles dabei - und dabei habe und hatte ich es nie auf ein Erbe abgesehen! Warum auch? Ich hab doch alles, was ich brauche! Außer meiner Oma! Die krieg ich nie wieder!!
Aber.. ich bin so angewidert von diesem Verhalten, daß ich jeglichen Kontakt mit meiner Familie abgebrochen habe. Sollen die sich um das Erbe streiten. Mir ist dieses Gefeilsche sowas von zuwider... ekelhaft! So neidisch hat mich meine Oma nicht erzogen! Ich frage mich, ob ich die einzige bin in dieser "Familie", die um meine Oma trauert...!? Aber auch das ist eigentlich egal....!
Sorry, wenn ich in diesem Strang Euch auch noch mit dieser Kiste behelligen muß.. aber die Gedanken mußten raus!!

Ich werde in Gedenken an meine liebe Oma - wie jeden Abend - ein Kerzchen anzünden und es vor ihr Bild stellen, damit sie sich nicht im Dunkeln fürchtet! Und abends kriegt sie wie immer ein Gute-Nacht-Küßchen!
Ich hoffe ja, daß sie es im Himmel mitbekommt, wenn ich ihr "Gute Nacht" wünsche??

Liebe Grüße und eine dicke Umarmung an Euch!
Nadi67

Inaktiver User
11.04.2007, 10:57
Hallo Nadi,

schön, dich wieder zu lesen und zu hören, dass die Beerdigung gut verlaufen ist!

Die gierige Verwandtschaft kenn ich auch gut - das sind genau diejenigen, die an Weihnachten grundsätzlich in Urlaub gefahren sind und immer gerade dann keine Zeit hatten, wenn Oma ins Krankenhaus gebracht werden musste oder im Haushalt was zu richten war (und in der gleichen Stadt wohnten!)

Aber im Wohnung ausräumen waren die superfix! Alles, was ein bisschen Wert hatte, wanderte in deren Taschen, natürlich ohne sich mit uns abzusprechen.

Gestohlen Gut gedeiht aber nicht.

Sie werden keine rechte Freude dran haben, denn die Dinge werden sie auch daran erinnern, wie sie sie in Besitz genommen haben...

Vielleicht tröstet dich das ein bisschen?

Ich hab mal einer Bekannten ein teures Parfum geklaut, und noch heute kann ich den Geruch nicht ertragen.

Nadi67
13.04.2007, 12:02
Hallo Evemie,

"Sie werden keine rechte Freude dran haben, denn die Dinge werden sie auch daran erinnern, wie sie sie in Besitz genommen haben..."

Ich denke mir im stillen, daß beide Aasgeier so wenig Gewissen haben, daß es sie auch nur im geringsten berühren wird, wie sie drangekommen sind!
Anyway..., mir isses eigentlich egal... - die eine Seite läßt mich eh in Ruhe und die andere nervt mich noch ab und zu! Aber das werde ich abzustellen wissen!

Ich fahre am Sonntag Morgen in meine Heimatstadt. Alleine - mein Freund ist am WE nicht da.
Im Gepäck habe eine schöne Schale mit Hortensien und einen sitzenden, schlafenden Engel. Das stelle ich auf das Grab meiner Großeltern und hoffe, daß meinen Süßen meine Geschenke gefallen! Und dann werde ich noch ein bißchen bei ihnen auf einer Bank in der Sonne sitzen!

Einen schönen sonnigen Tag wünsche ich Dir!
Nadi67:blumengabe:

Dio
19.04.2007, 12:11
Hi Nadi,

habe gerade sowas ähnliches mit meiner Oma, morgen ist die Beerdigung. Ich hab einen sehr netten Trauerbrief erhalten, der Spruch darin (von Bonhoeffer) ist so schön und wahr:

"Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch garnicht versuchen; man muß es einfach aushalten und durchhalten..; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden.

Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht mehr einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich."
(Brief an Renate und Eberhard Bethge, Gefängnis Berlin-Tegel an Heiligabend 1943)

Nadi67
19.04.2007, 17:53
Hallo Dio,

danke für die schönen Zeilen. So was schreib ich mir gerne in mein "Erinnerungsbuch" ein.
Für morgen übersende ich Dir eine große Portion Kraft. Du wirst sie brauchen...!

Es sind jetzt fünf Wochen vorbei... alles wie früher...na ja..die Sonne scheint, die Vögel singen und ich weiß leider immer noch nicht, wenn ich nachmittags um halb vier anrufen soll....!
Ich rede viel mit meiner Oma, jeden Morgen wenn ich aufwache, begrüße ich sie ganz leise; wenn ich das Haus verlasse, sag ich leise: "Tschüss Omale", abends bekommt ihr Bild einen Gute- Nacht-Kuß und wenn ich allein bin, dann unterhalte ich mich auch mit ihr...wie früher...nur mit dem Unterschied, daß ich keine Antwort mehr bekomme....!
Ich weiß noch, wie weich und glatt sich immer ihre Wange angefühlt hat...und wie warm ihre Hände waren....!
Und jetzt muß ich wieder weinen, obwohl ich schon vier Tage "trocken" war....!
Herrje....schnell noch das hier...:
Eine dicke Umarmung an alle, die mir in den letzten Wochen so lieb beistanden...!
Mögen Engel Euch auf Euren Wegen begleiten!

Nadi67

Nadi67
10.05.2007, 13:05
Hallo Ihr Lieben,

ich habe mich in "meinem" Strang schon lange nicht mehr blicken lassen; aber heute ist mir wieder danach.
Ich habe wirklich versucht, "es" jeden Tag besser werden zu lassen. Manchmal schaffe ich es und manchmal weine ich schon auf dem Weg zur Arbeit. Da fehlt mir Marlene Dietrich ein: "Es weint sich besser in einem Taxi als in der Straßenbahn...!" Recht hat sie...! In meinem Fall ist es das eigene Auto!

Gestern war es besonders schlimm....! Morgens komme ich kaum aus dem Bett, weil ich so müde und lustlos bin. Vormittags habe ich mal wieder einen "netten" Anruf meiner Tante, die mir irgendwelche "Hausaufgaben" aufdrücken will (und sei es nur Briefe von der Telefonfirma zu beantworten). Ich habe mich vehemment geweigert! Erstens sehe ich meine Aufgaben als erledigt an und zweitens sehe ich nicht ein, daß ich als berufstätige Frau (die im Moment weder Zeit noch Lust für irgendwas hat), die Arbeit für zwei Erben erledigen soll, die beide genug Zeit haben (das zeigt mir der stetige Schriftwechsel zwischen den beiden Anwälten).
Ergebnis war, daß sie eingeschnappt war und mich mal wieder so aufgeregt hat, daß ich erst mal ne Runde während meiner Arbeitszeit bei meiner Kollegin geheult habe! Abends dann nochmal zu Hause, so daß mein Freund erst total sauer auf meine Tante war und dann meinte, ich solle auf keinen Fall mehr ans Telefon gehen, wenn ich ihre Nummer sehe!
Ich werde seinen Rat beherzigen, da ich dank dieser Aktionen nicht zur Ruhe komme. Er wird sich meine liebe Tante auch noch persönlich vorknöpfen, da er ihre Art mir gegenüber unmöglich findet.

Da am Sonntag Muttertag ist und mein lieb Omale am Montag auch noch Geburtstag hätte, habe ich gestern erstmal einen Abstecher in den Blumenmarkt gemacht und Blumen gekauft. Die habe ich gestern auch noch in zwei Schalen gepflanzt und heute nachmittag werde ich nach der Arbeit auf den Friedhof fahren. Es sind zwar so mitten in der Woche mal knappe 500 km, die ich heute abreissen werde. Aber ich glaube, das es mir bestimmt ein kleines bißchen besser gehen wird, wenn ich mal wieder an ihrem Grab war, es in Ordnung gebracht habe und auch weiß, das an Muttertag und an ihrem Geburtstag schöne Blumen darauf stehen.

Am Samstag war ich in der Stadt mit meinem Freund bummeln. Ich hab bestimmt 1000 schöne Sachen gesehen, die meiner Oma mit Sicherheit gefallen hätten. Das ist für mich arg schlimm, wenn ich durch ein Geschäft laufe und die Dinge wieder hinlegen muß, weil es niemanden gibt, dem ich damit eine Freude machen kann!

Es wird jeden Tag besser - so heißt es doch....! Nach fast zwei Monaten warte ich leider immer noch darauf, daß es anfängt...!

Liebe Grüße an die, die auch eine Umarmung brauchen!
Nadi67

Nadi67
10.05.2007, 13:05
...war nur doppelt gepostet...

Inaktiver User
10.05.2007, 22:21
Ich hab bestimmt 1000 schöne Sachen gesehen, die meiner Oma mit Sicherheit gefallen hätten. Das ist für mich arg schlimm, wenn ich durch ein Geschäft laufe und die Dinge wieder hinlegen muß, weil es niemanden gibt, dem ich damit eine Freude machen kann!
Liebe Nadi,
mit Tränen in den Augen hab ich von der tiefen Liebe zwischen Dir und Deiner Oma gelesen.

Ich versteh Dich so gut! Gerade das was Du hier oben beschreibst.
Ich hab mich mit meiner Oma immer besser als mit meiner Mutter verstanden und war ziemlich am Boden, als sie mit 75 plötzlich an einem Herzinfarkt starb. Es gibt soo viele Menschen, die einen Infarkt überleben, sie durfte leider nicht darunter sein.

Nadi, Du schreibst wunderschön, man spürt richtig die Liebe zu Deiner Oma - und auch die ihre zu Dir.

Nadi67
11.05.2007, 15:14
Hallo YopChagi,

danke für Deine lieben Zeilen..mir schossen da auch schon wieder die Tropfen in die Augen...!

Gestern habe ich wahrscheinlich mit meinem Geweine auf dem Friedhof die Spatzen verjagt. Aber wo, wenn nicht dort, kann man sich hinhocken und losheulen...!?

Meine beste Freundin, die noch in meinem "Heimatort" wohnt, hat auf diesem Friedhof auch ein Grab zu pflegen. Sie macht dann für mich so quasi beim Heimgehen die Grabpflege mit, guckt nach dem Rechten, gießt die Blumen, zündet ein Kerzchen an und redet auch noch mit meiner Omale. Was ich irgendwie nicht verschroben, sondern richtig nett finde.
Als ich gestern abend sie anrief und erzählte, wo ich hinfahre, ist sie mir auch gleich nachgefahren und hat mir bei meiner Blumenschmückaktion geholfen. Als ich noch ein bißchen dableiben wollte, hat sie sich ganz diskret verkrümelt (ich habs doch gemerkt, liebe Schnecke).
Man sagt ja immer, daß man eher den Lebenden die Blumen geben sollte als den Toten. Zum Glück habe ich diesen Rat zu Lebzeiten meiner Oma sehr beherzigt.
Ich habe jetzt ganz viele Blumen in pink, rosa und lila auf das Grab meiner Omale gesetzt. Ein richtiges Blumenmeer und mittendrin der dicke, kleine Engel (der sie hoffentlich an mich erinnert). Es sah richtig schön aus und vielleicht sieht sie es im Himmel.. ich würde es mir wünschen!
Am Montag hat mein Omale Geburtstag.. der Tag wird hart..das weiß ich jetzt schon!!!

Es umarmt Euch...
Nadi67:blumengabe:

Vemi
13.05.2007, 11:21
Auf diesen Rückruf warte ich seit 2 1/2 Jahren vergeblich.

Vorwürfe quälen mich auch sehr,zumal ich heute weiß,dass sie keine Chance mehr hatte,die Ärztin wußte es,meine Schwester auch,Trotzdem haben die beiden sie 2(!!)Chemos machen lassen,die sie in einen grauenvollen Tod führten,denn die erste Chemo fügte ihr einen Pilz in der Speiseröhre und dem gesamten Mund-/Rachenraum zu,so dass sie bis zum Tod nicht mehr essen konnte und unerträgliche Schmerzen hatte.
Sie magerte ab auf 27 kg.Die 2.Chemo wollte sie nicht machen,da sie aber in dem Glauben war eine leicht heilbare Leulämieart zu haben wollte sie natürlich alles versuchen.Nach der 2. Chemo verbrachte sie noch 3 Wochen im hochfiebrigen Dämmerschlaf,vollgepumpt mit Morphium,schrie dennoch vor Schmerzen bis sie endlich gehen durfte.

Ohne diese Qualen hätte sie mit Blutkonserven noch ein paar normale Wochen LEBEN haben können,der Krebs wurde im Endstadium diagnostiziert und niemand hielt es für nötig ihr die Wahrheit zu sagen.


Ich drücke dich stumm.