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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : nicht verheiratet: Hilfe für Partner und Schwiegereltern im Notfall?



Wiesenblume
12.03.2007, 13:46
Hallo,

ich hoffe, dass ich mit meiner Frage hier an der richtigen Stelle bin. Mein Partner und ich sind seit Jahren zusammen, haben aber nie geheiratet.

Aufgrund eines schweren Krankheitsfalles in unserem Bekanntenkreis haben wir uns nun auch zwangsläufig die Frage gestellt, was eigentlich passiert, wenn einer von uns beiden schwer erkrankt, bzw. einen Unfall hat und z.B. in ein Krankenhaus muss.

Hätte ich denn in einem solchen Fall überhaupt irgendwelche Rechte, über den Zustand meines Partners informiert zu werden bzw. für meinen Partner Entscheidungen zu treffen?

Gilt "Lebensgemeinschaft" in solchen Fällen genauso viel wie "Ehe"?

Wie können wir uns für solche Fälle, die ja hoffentlich nie eintreten *klopfaufholz* , vorbereiten?

Wir wollen vermeiden, dass der jeweils andere in die Situation gerät, vor verschlossenen Stationstüren zu stehen oder sich mit Ärzten herumschlagen zu müssen, die sich hinter Vorschriften zur Auskunftsverweigerung verschanzen.

Selbige Gedanken machen wir uns auch bzgl. unserer (Schwieger-) Eltern.

Ich hänge sehr an seinen Eltern. Sie sind mir wie die eigenen und für mich würde sich nie die Frage stellen, dass ich mich nicht um sie kümmere, wenn "was" sein sollte.

Die Frage wäre nur, ob ich mich kümmern dürfte, oder ob es hier wieder Formalismen gibt, die dies unmöglich machen (Lebenspartnerin des Sohnes ist nicht gleich Schwiegertochter o.ä.)?

Wer hat damit Erfahrung?

Wir würden uns gerne entspannt um solche Dinge kümmern, jetzt, wo es nicht "akut" ist.

Ich bin für jede Hilfe dankbar.

Es grüßt herzlich
*wiesenblume*

izzie
12.03.2007, 14:07
Soweit ich weiß, hast Du als "Nur"-Partnerin keine Rechte! Erkundigt euch doch mal, ob es die sog. Vorsorgevollmacht auch für Nicht-Verheiratete gibt (ist übrigens auch bei Verheirateten sinnvoll).

Wiesenblume
12.03.2007, 14:36
Hallo izzie,

lieben Dank für Deine Antwort. Im Grunde ahnen wir ja sowas in der Richtung.

Nur die Frage ist: wie geht man sowas an? Man trägt ja zwischenzeitlich bei all den Formularen und Verfügungen und Vollmachten, die man eigentlich immer bei sich haben müsste, schon fast einen Leitz-Ordner mit sich herum, nur dass die behandelnden Ärzte dann im Notfall wissen, woran Sie bei mir sind. *seufz*

Ich bin gespannt, ob noch mehr Informationen herein kommen.

Es grüßt herzlich
*wiesenblume*

Inaktiver User
12.03.2007, 15:32
Soweit ich weiß, hast Du als "Nur"-Partnerin keine Rechte! Erkundigt euch doch mal, ob es die sog. Vorsorgevollmacht auch für Nicht-Verheiratete gibt (ist übrigens auch bei Verheirateten sinnvoll).

Keine Panik!
DAS kann man aber über eine Patientenverfügung ändern!
Die gibt es im Internet zu ergoogeln.

Wiesenblume
12.03.2007, 16:43
Hallo,

ich habe mal auf der Seite vom Bundesjustizminsterium gesurft. Also, wenn ich das richtig verstehe, müsste man, um alle Eventualitäten abzudecken, folgende Dokumente aufsetzen (wenn man es genau nimmt, müssten diese Dokumente von allen Beteiligten individuell aufgesetzt werden):
-Patientenverfügung
-Vorsorgevollmacht
-Betreuungsverfügung

Oder sehe ich das jetzt falsch?

Und das alles ist nur valide, wenn es beglaubigt worden ist.

Au weia, da haben wir ja was vor uns...

Es grüßt herzlich
*wiesenblume*

Inaktiver User
12.03.2007, 16:49
Und das alles ist nur valide, wenn es beglaubigt worden ist.

Ist nur ein Termin beim Notar........also kein Drama; Heiraten ist aufwendiger.

Klarinette
12.03.2007, 18:30
Man muß für eine Vorsorgevollmacht nicht zum Notar. Es genügt wenn zwei erwachsene Personen unterschreiben. Bei meiner Schwiegermuter war das z.B. das Hauswirtsehepaar. In unserer Stadt gibt es eine Seniorenberatungsstelle, die uns bei der Vorsorgevollmacht meiner Mutter geholfen hat.
Eine Beratung halte ich aber trotzdem für sehr sinnvoll.
LG
Klarinette

Inaktiver User
13.03.2007, 07:44
Man muß für eine Vorsorgevollmacht nicht zum Notar. Es genügt wenn zwei erwachsene Personen unterschreiben. Bei meiner Schwiegermuter war das z.B. das Hauswirtsehepaar. In unserer Stadt gibt es eine Seniorenberatungsstelle, die uns bei der Vorsorgevollmacht meiner Mutter geholfen hat.
Eine Beratung halte ich aber trotzdem für sehr sinnvoll.
LG
Klarinette
Du musst nicht, aber ich werde es so machen.
Der kann gleich beglaubigte Kopien der Unterlagen ziehen.

Wiesenblume
13.03.2007, 09:02
Eine Beratung halte ich aber trotzdem für sehr sinnvoll.


Hallo Klarinette,

weißt Du, wo man sich beraten lassen kann? Oder meintest Du eine Beratung durch einen Notar?

Spontan fällt mir gar keine Stelle ein, die einen kompetent und umfassend über all diese verzwackten Facetten beraten könnte, die mit diesen Vollmachten und Verfügungen zusammenhängen.

Es sollte sich ja aus all diesen Formularen doch am Ende ein "großes Ganzes" ergeben.

Welche Beratungsstelle könnte dies bezüglich die richtige sein?

Es grüßt herzlich
*wiesenblume*

Inaktiver User
13.03.2007, 09:05
Es sollte sich ja aus all diesen Formularen doch am Ende ein "großes Ganzes" ergeben.

Heiraten kommt nicht in Frage?

Und was ist mit Testament?

Gruß, Leonie

Wiesenblume
13.03.2007, 09:59
Heiraten kommt nicht in Frage?

Und was ist mit Testament?

Gruß, Leonie

Hallo Leonie,

ich habe ja schon eine ganze Menge zu diesem Thema gesurft. So wie ich es verstehe, "schützt" auch eine Heirat nicht davor, dass man mit solchen Dingen wie Auskunftsverweigerung etc. konfrontiert wird. Die ärztl. Schweigepflicht -um bei diesem einen Aspekt einmal zu bleiben- muss vom Patienten explizit aufgehoben werden, wenn der Arzt z.B. dem Ehemann Auskunft erteilen soll.

Dies wird in der Praxis vielleicht nicht immer so gehandhabt, zieht sich ein besonders pflichtbewusster Arzt jedoch hinter Vorschriften zurück, hast Du als Ehepartner ein echtes Problem, an nötige Informationen heran zu kommen.

In Summe schaut es also so aus, dass das Dilemma Ledige wie Verheiratete ereilen könnte, wenn man diese Dinge nicht im Vorfeld regelt.

Stichwort Testament: es geht erstmal weniger um den Fall, dass einer von uns die Augen final schließt. Es geht um die Zeit davor (oder eben um Ausnahmefälle wie z.B. Unfall etc.):

-wie kann ich dafür sorgen, dass meine Angehörigen und mein Lebenspartner Auskünfte erhalten,
-wie kann ich vermeiden, dass ich ganz plötzlich gegen meinen Willen von Amts wegen fremdbetreut werde,
-wie kann ich/können wir vorsorgen, dass ich mich z.B. um emine "Schwieger"-Eltern kümmern darf, obwohl es eben kein rechtliches Band zwischen uns gibt

All diese Dinge betreffen die Zeit vor dem Ableben. Daher sehe ich ein Testament zwar als unbedingt notwendig an, aber eben erst für den nächsten, den letzten Schritt.

Es grüßt herzlich
*wiesenblume*

kape
13.03.2007, 10:59
Hallo wiesenblume,

ich habe den Eindruck, es geht hier um zwei verschiedene Dinge.

Zum einen können Dein Partner und Du bei einem Notar - das ist meine Empfehlung, den der schreibt alles in "gerichtsfester" Juristensprache- alles festhalten, was für Euch beide für den Fall der Fälle wichtig ist.
Also:
- ärztliche Schweigepflicht
- Vollmacht für die Entscheidung bei lebenserhaltenden
medizinischen Maßnahmen usw.
- Vollmacht, wenn einer von Euch nicht mehr in der Lage ist, seine
Rechte oder Pflichten wahrzunehmen (Bank usw.)

Notare machen so etwas täglich, können Euch also auch sagen, woran ihr alles denken solltet.

Dann geht es um die Versorgung und Pflege deiner Schwiegis. Da müssen Deine Schwiegis ran, denn diese Dinge können nur sie für sich klären:
- ob sie möchten, dass Dir gegenüber die Schweigepflicht
aufgehoben wird
- ob Du sie in jedem Fall besuchen darfst
- ob Du für sie Entscheidungen treffen darfst, die ihre
medizinische Versorgung betrifft, oder ihr
Aufenthaltsbestimmungsrecht usw.

Auch da könnte Euch ein versierter Notar weiterhelfen.

Ich finde es sehr gut, dass ihr anfangt Euch darüber Gedanken zu machen - dann seid ihr vorbereitet, und wichtige "letzte" Dinge sind im Familienkreis schon einmal besprochen und geklärt, das ist gut.

Liebe Grüße

kape

Wiesenblume
13.03.2007, 13:20
Hallo kape,

danke für Deine Unterstützung. Kollegen von mir finden meinen Denkansatz fast ein wenig krank; wie man sich denn in seinen besten Jahren solch morbiden Gedanken hingeben könne...

DAS kann ich widerum nicht verstehen...

Hat jemand gestern Abend den Bericht in "Report" gesehen?

Ich weiß nicht, ob der Link erlaubt ist (bitte rauslöschen, wenn das verboten ist):

http://www.br-online.de/daserste/report/archiv/2007/00371/

Hm, im Grunde kann man -wenn ichs genau nehme- das Risiko einer Handlung gegen meinen Willen nur minimieren. Ausschließen kann ichs wohl nie, denn solch schrille Konstellationen und Menschen, die 10x um die Ecke denken, wird es wohl immer geben. Da helfen auch keine Gesetze und keine Verfügungen.

Ein bißchen traurig macht mich an diesem Thema, dass es vielleicht bei einem Bruchteil der Bevölkerung einen solchen Knatsch in der Familie gibt, dass man unter keinen Umständen will, dass Partner, Eltern, Geschwister z.B. über meinen Gesundheitszustand im Notfall informiert werden sollen.

Anstatt nun den "Negativfall" zu regulieren, werden jetzt alle "Positivfälle" (also Menschen, die sich in ihrer Familie gut verstehen) gezwungen, Vollmachten auszufüllen für Situationen, die früher intuitiv und ohne großes Aufsehen behandelt wurden...

Oder liege ich mit meiner Einschätzung so falsch, und der überwiegende Teil der Familien hat sich tatsächlich in den Haaren?

Ich hoffe, dass das nicht wahr ist...

Es grüßt herzlich eine nachdenkliche
*wiesenblume*

Signora
13.03.2007, 22:33
Also, ich finde es ausgesprochen vernünftig, sich darum zu kümmern. Es kann so schnell etwas passieren und hinterher sagt man sich dann, hätte ich bloß...

Mein Freund (46) und ich (38) haben ebenfalls eine Patientenverfügung mit gegenseitiger Generalvollmacht, insbesondere Betreuungsvollmacht, abgeschlossen - vor zwei Jahren schon. Und alternativ Personen eingesetzt, falls uns beiden etwas passiert.

Wir waren beim Notar, es war auch nicht so teuer, aber es allemal wert!