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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossiertalk: Was macht einen Mann heute männlich?



BRIGITTE Community-Team
09.03.2007, 16:03
Liebe Leserinnen (und Leser),

darf sich ein Mann in ein Hühnerkostüm zwängen?
Klar darf er das, sagen die Autoren Stephan und Andreas Lebert in ihrem neuen Buch "Anleitung zum Männlichsein". Die Fallen für das starke Geschlecht liegen ganz woanders...

Hier lesen Sie einige exklusive Auszüge (http://www.brigitte.de/frau/gesellschaft/dossier-maennlich/index.html) aus dem Buch. Und im Dossiertalk können Sie sich, wie stets, zum Thema austauschen.

Viel Spaß dabei wünscht

Ihre
Redaktion Brigitte.de

MM
10.03.2007, 11:36
Hallo, ich habe gerade die Auszüge gelesen und mich gleich gefragt, ob dies angebliche Männerbuch in Wirklichkeit nur von Frauen gelesen werden wird und auch gezielt diese Gruppe anzielt, indem es jetzt vor Erscheinen schonmal in der BRIGITTE besprochen wird.

Wie nämlich in den Auszügen zu lesen, ist es ja eine männliche Stärke (sehe ich auch so und würde ich gerne auch beherrschen) an den richtigen Stellen zu schweigen und das eigene Ding durchzuziehen.

Meine Prognose also: Das Buch erfindet aktuelle Männerprobleme, womit die Autoren Geld verdienen und die Frauen kaufen es und diskutieren es und die Männer schweigen und genießen ihr Leben.

Schmunzelnde Grüße und allen ein schönes WE! MM

Karla48
10.03.2007, 14:10
...genau, Geld verdienen - leicht gemacht.
Im Ansatz nix Neues gelesen.
Zitat "Die graue, konturlose Masse Mann verklebt die Kraftadern der Republik.". Stimmt. Betrifft aber graue Männer und Frauen gleichermaßen.
*gähn* Karla

Inaktiver User
11.03.2007, 17:44
Liebe MM, huhu, liebe MM, schön, Dich mal wieder zu lesen!

genau und Karla48,

das habe ich auch gedacht! Wieder mal wird ein Mann durch Frauen reicher und Frauen durch einen Mann ärmer!

Die armen Männer!

Karla48
11.03.2007, 18:35
:freches grinsen:

nzyan
12.03.2007, 19:04
Meine Prognose also: Das Buch erfindet aktuelle Männerprobleme, womit die Autoren Geld verdienen und die Frauen kaufen es und diskutieren es und die Männer schweigen und genießen ihr Leben.

Da kann ich dich beruhigen - meiner Frau habe ich am Wochenende etwas diffuser und vor allem weniger humorig mein Leid geklagt.
Woraufhin sie mich auf diesen Artikel und das Buch hinwies. Ihre Sorge war, dass das alles zu locker dargestellt wird und dass sich die Autoren über meine Probleme lustig machen...

Der Artikel hat aber bei mir spontane Leselust auf das Buch geweckt - insofern kleine Korrektur Deiner Vermutung:
1. Zumindest habe ich das Problem oder zumindest das diffuse Gefühl, dass es kein richtiges klares Männerbild gibt, das ich meinem Sohn (6) mitgeben möchte.
2. Die Autoren verdienen hoffentlich Geld damit - jedenfalls, wenn es tatsächlich gut geschrieben ist und die Dinge auf den Punkt bringt.
3. Ich würde es gerne kaufen, aber meine Frau schenkt es mir zu Ostern: hier trifft Deine Prognose zu...
4. Drüber schweigen werde ich sicher nicht, es gibt ja auch unter Männern Freunde. Und manchmal reden wir auch ;-)
5. Gegen Leben genießen hat doch keiner wirklich was, oder?

Andreas

Analuisa
13.03.2007, 17:04
hallo,

dieser Artikel hat mich reichlich verwirrt zurückgelassen. Mir ist ehrlich gesagt absolut unklar, was uns die Autoren damit sagen wollen .. :knatsch:

Das Fehlen eines klaren Männerbildes wird beklagt, soviel hab ich kapiert. :erleuchtung:
Der Mann hat seine Identität verloren.

Meine dumme Frage dazu: Wozu muss es DIE Männeridentität geben? Es gibt soviele Frauenidentitäten, wie es Frauen auf diesem Erdball gibt. Warum sollte nicht das gleiche für Männer gelten?

Warum muss mann seinem Sohn "ein richtig klares Männerbild" mitgeben? Gebe ich meinen Töchtern ein richtig klares Frauenbild mit? Nö. Meine Töchter erleben sehr viele unterschiedliche Frauen in ihrer Umgebung, und darüber, was mädchen sich von ihnen abgucken kann (oder nicht) reden wir sehr viel. Und dabei wird immer wieder deutlich, dass es sehr viele unterschiedliche Wege gibt, in dieser Welt glücklich zu werden, und dass der Weg, den die einzelne sich aussucht, eben zu ihr und ihren Wünschen, Talenten und Möglichkeiten passen muss.

Also Andreas .. da du dich ja in der Vorschau auf das Buch der Lebert-Männer anscheinend wiedergefunden hast .. erklärst du's mir? Was ist so schlimm am Fehlen einer für alle geltenden Männeridentität? Oder, noch etwas mehr auf den Punkt gebracht: Warum wird die Tatsache, dass die traditionelle Männerrolle im Aufweichen begriffen ist, als Problem statt als Chance gesehen? :wie?:


Analuisa

Inaktiver User
13.03.2007, 21:43
Sicherlich darf er das. :zwinker:
Ich finde einen Mann macht sein Humor und seine Ehrlichkeit aus. Es ist einfach toll wenn ein Mann zum Beispiel auch mit seiner Freundin über Probleme redet. Viele Männer tun dies nicht und auch das finde ich auch männlich. Das jetzt mal abgesehen von den Autoren und das was sie geschrieben haben. :smirksmile:


Der Mut, Dinge auszusprechen, die nicht auszusprechen sind, Dinge auszuhalten, die nicht auszuhalten sind - haben Männer das verlernt?
Der Text verwirrt mich sehr. :knatsch:

Hofnarr
14.03.2007, 00:53
Oder, noch etwas mehr auf den Punkt gebracht: Warum wird die Tatsache, dass die traditionelle Männerrolle im Aufweichen begriffen ist, als Problem statt als Chance gesehen? :wie?:

Die Frage stellt sich mir als Mann auch. In einem Nachbarstrang hier im Forum (Brauchen wir vielleicht ne Männerbewegung) wird ebenfalls darüber diskutiert, auch wenn es in dem Strang selber mehr um reale gesetzliche und juristische Diskriminierungen von Männern heute geht.

Meiner Ansicht nach hat sich "der Mann" in eine Sackgasse manövriert, in dem er viele seiner geschlechtsbezogenen Attribute und Handlungsweisen zu stark an die "Gegensätzlichkeit zur Frau" definiert hat. Vereinfacht ausgedrückt: Als männlich galt/gilt was Frauen nicht können/machen.

Das hat im Zuge der (von mir positiv gesehenen) Emanzipation der Frau den exklusiven Definitionsraum des Mannes massiv eingeschränkt.

Auch hier das vereinfachte Beispiel: Was ist an Fußball noch männlich, wenn die Frauen-Nationalmannschaft Weltmeister ist (die Männer nur 3.)? Vor 20 Jahren noch gab es weniger fußballspielende Frauen als Jungs beim Ballett, damit war die Domäne eindeutig zugeordnet.

Ein möglicher Weg aus dieser Sackgasse wäre aus meiner Sicht, wenn Männer bei ihren Handlungen und Definitionen nicht mehr dieses ständige ängstliche "Ist das jetzt nicht feminin was ich da tue" im Hinterkopf hätten, sondern sich davon freimachten.

Das wäre allerdings ein langer, beschwerlicher Weg. In welchem Umfang Männer heute von psychischer Unterstützung durch Frauen abhängig sind, statt eigenständig zu agieren wurde auch schon im anderen Strang thematisiert.

Hier besteht eine emotionale Abhängigkeit die mittlerweile sehr einseitig geworden ist. Eine erfolgreiche Frau braucht keinen Mann (mehr), die heult sich zur Not bei der besten Freundin aus.Und umgekehrt? Aus meiner Sicht der Kern des Problems.

:krone auf:

MM
14.03.2007, 07:54
Hallo Andreas, welches Leid, das du diffuser und weniger humorig als die Autoren Lebert so ähnlich erlebst, wie es im Buch steht, meinst du? Mir geht es jetzt nicht um private Themen, sondern vielleicht kannst du es irgendwie allgemein ausdrücken. Aber es interessiert mich sehr.

Hallo Hofnarr, stimmt in meiner Beobachtung, dass viele Männer nur ihrer Frau ihre Sorgen erzählen und vor anderen, auch Männern, eine Fassade haben. Aber ich erlebe die "emotionale Abhängigkeit" schon beidseitig, es gibt vieles, was ich nur mit meinem Mann bespreche und nicht mit den besten Freundinnen, weil mir mein Mann da näher ist. Allerdings sind wir 14 Jahre zusammen und das ist immer mehr gewachsen, indem wir soviel Zeit miteinander verbrachten und verbringen, dass der/die andere so stark Teil unseres gesamten ErLebens geworden ist, dass da keine Freundin rankommt.

Ich denke, da heute viele Beziehungen gar nicht langjährig sind und viele Paare auch nur wenig Zeit miteinander verbringen, wächst diese Nähe oft erst gar nicht.

Jedenfalls ist in meinem Leben mein Mann durch keine beste Freundin ersetzbar und meine besten Freundinnen sind nicht durch meinen Mann ersetzbar.

Lieber Gruß! MM

K.J.M.
14.04.2007, 13:37
Was ist eigentlich mit "Anleitung" genau gemeint? Die implizierte Nachhilfe in Sachen Männlichsein ist mindestens widersprüchlich, wenn nicht gar herablassend: Meint der Autor nun ein weiteres Dogma, eine Gesinnung, wie "Mann" zu sein hat, diesmal aus Sicht eines Mannes? Oder meint er, dass es männlich ist, ohne politische Vorgaben erfüllen zu müssen, nach seiner eigenen Facon zu leben und sich entfalten zu können? Ich (als Mann UND als Mensch) finde es irreführend, zu suggerieren, es sei hilfreich, sich vermeintlichen männlichen Klischees anpassen zu müssen.
Persönliches Wachstum oder Reife -ja-, aber bitte nicht nach Anleitung, so etwas ist doch schon gedanklich abwegig.
Wenn Sie persönlich reifen wollen, stellen Sie den vielbeschworenen Mut unter Beweis und üben sich z.B. in Gewaltfreier Kommunikation (vor allem der mit sich selbst). Wenn Sie darin Fortschritte machen, dienen Sie weder einer Gesinnung, noch schwelgen Sie in der Trauer eines angeblichen männlichen Defizits. Sie dringen zum Herzen Ihres eigenen Gewahrseins vor, erleben sich authentisch. Das macht Sie dann "automatisch" männlich, aber darum geht es in Wirklichkeit natürlich nicht. Es geht darum, wahrhaftig oder "stimmig" mit sich (und seinem Geschlecht) zu sein. Verschwenden Sie Ihre kostbare Lebenszeit nicht damit, Ihre angeblichen Handicps zu kaschieren. Sie haben etwas Besseres verdient. Viel Freude dabe!
Viele Grüße
KJM