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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ...sie war der Mittelpunkt unserer Familie...



dieNicki
08.03.2007, 20:57
heute ist es genau ein Jahr her, dass ich meine geliebte Mama das letzte Mal lebend gesehen habe...

Mein Sohn und ich sind mit der Bahn aus der Mutter-Kind-Kur zurück gekommen, sie hat uns am Bahnhof abgeholt. Die Begrüssung war wie im Film: wir steigen aus, sie ruft und winkt, wir laufen aufeinander zu...und genau wie im Film läuft genau diese Szene immer wieder vor meinem inneren Auge ab...

5 Tagespäter klingelt mitten in der Nacht das Telefon - mein Bruder. Ich war sauwütend und habe noch rumgemeckert "der Idiot weiss doch, dass ich morgen arbeiten muss..." und genau dieser Idiot sagt mir die Worte, die ich in meinem Leben nie wieder vergessen werde: "Nicki, was ganz schlimmes ist passiert. Mama ist gestorben" - "erzähl nicht so einen scheiss" - hab ich ihn angebrüllt "...nein, das stimmt. und jetzt komm..."

Ich konnte es nicht glauben. hab mich erstmal wieder ins Bett gelegt, so ein Brett vor´m Kopf hatte ich...und wenn doch?...wie geht´s weiter?...wohin soll ich eigentlich kommen?...Mama KANN ja gar nicht Tod sein...Warum sollte sie auch...?

wie gelähmt bin ich irgendwie doch aufgestanden und losgefahren...als ich den Notarztwagen vor dem Haus meiner Eltern sah habe ich angefangen zu schreien...und bis heute nicht wirklich damit aufgehört.

Sie ist - wie jeden Abend - auf der Couch eingeschlafen - beim Fernsehgucken - mein Papa wollte sie - wie jeden Abend - wecken ... "komm, wird Zeit, wir gehen ins Bett..."

-plötzlicher Herztod-

Unserer Familie wurde die Basis genommen, das Fundament zerstört, der Mittelpunkt geraubt.

Sie wurde nur 57 Jahre alt.

Ihr Lachen fehlt mir jeden Tag.

Ricarda44
09.03.2007, 08:03
Ach, Nicki, es ist schwer, dazu was zu sagen ohne was verkehrt zu machen.
Ich habe im Krankenhaus am Bett meiner Mum gesessen als sie verstorben ist. Ich hab ihre Hand gehalten. So schwer es auch war, ich bin dankbar, dass ich bei ihr sein durfte.

Menschen, die man liebt, sterben nie wirklich. Sie leben immer weiter. In Deinem Denken, in Deinem Fühlen, in Deinem Handeln.

Ich weiß, man empfindet es als großen persönlichen Verlust, wenn der wahre Halt, auf den man sich immer verlassen konnte, plötzlich fort ist.
Mir hilft es oft, wenn ich mir dann vorstelle, was meine Mum dazu gemeint hätte, wenn ich mal mit einer Frage im Leben nicht klar komme. Außerdem sehe ich mittlerweile, dass sich viele ihrer tollen Ansichten und Meinungen auch schon im Verhalten meiner Kinder widerspiegeln. Na und bei mir sowieso.

Auch Deine Mutter "lebt" weiter. Sie ist und bleibt ein Teil von Euch.
Dass jeder von uns irgendwann gehen muss aus diesem irdischen Leben ist eine Tatsache. Da werden weder Du noch ich drum herum kommen. Ich denke, es ist wichtig, dass man sein Leben nach Prinzipien ausrichtet, die es lebenswert machen und wo z. B. auch unsere Mütter drüber lächeln und sich freuen würden.
Das ist das Schönste, was wir für sie tun können - viele ihrer tollen Eigenschaften in uns und unseren Kindern weiter wachsen zu lassen.

Eltern sind gern stolz auf ihre Kinder. Aber in erster Linie lieben sie sie vorbehaltlos. So wird es auch bei Dir gewesen sein.

Und Kinder sind auch gern stolz auf ihre Eltern. Ich bin froh darüber, dass ich ohne Zweifel sagen kann, dass meine Eltern für mich der Inbegriff von Liebe, Fürsorge und Halt sind/waren. Mein Vater erfreut sich mit seinen 76 Jahren guter Gesundheit und ist nach wie vor für uns da. So wie wir für ihn.

Denk einfach mal drüber nach, wenn Deine Mum Dir wieder mal ganz dolle fehlt, was sie sich von Dir wünschen würde. Es würde wahrscheinlich in die Richtung laufen, dass sie Dir Mut und Kraft geben würde, Dir versichern würde, dass sie körperlich zwar nicht mehr da ist, aber die Liebe zu Euch ungebrochen ist.

Du fühlst sie in Deinem Herzen schon dadurch, dass Du sie vermisst. Dann wirst Du auch fühlen können, was sie Dir alles sagen würde, damit Du es Dir nicht unnötig schwer machst.

Wir können das Leben und den Tod nicht aufhalten. Aber wir werden auch durch die Schicksalsschläge im Leben gestärkt. Manchmal merkt man das erst spät, aber es ist so.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie weiterhin Kraft und viele liebe Gedanken an Deine Mum.
Das, was Ihr im Herzen tragt, wird Euch für immer verbinden.

Alles Gute für Dich!

Inaktiver User
09.03.2007, 08:25
Ricarda, Du hast das so schön und liebvoll formuliert, da fällt es schwer noch irgendetwas hinterher zu schreiben. :blumengabe:

Vielleicht noch eine Ergänzung, Nicky, vielleicht hilft es Dir ja, wenn Du hier schreibst. Hier sind fast rund um die Uhr Menschen, die auch viel Traurigkeit und Schmerz ertragen mußten oder auch immer noch in sich tragen. Wir reichen uns hier gegenseitig die Hände, trösten, erklären, verstehen. Es gibt immer jemanden, dem es besser oder sogar wieder gut geht, der dann auch für Dich da ist. Es ist hier zwar nur virtuell, aber trotzdem eine kleine Welt der Geborgenheit. Und über den Schmerz und die Trauer zu schreiben, sprechen, sie nach außen zu tragen, ist auch ein Weg damit umzugehen.

Dieser Bereich der Brigitte gehört wohl zu den Stillen und Leisesten, in dem viele Tränen fließen, aber dafür stehen hier so viele Worte der Liebe und der Zuneigung geschrieben, auch zwischen den Zeilen, dass einem ganz warm werden kann.

Kranich

Ricarda44
09.03.2007, 10:00
"Man sieht nur mit dem Herzen gut."

Elch
09.03.2007, 11:42
Liebe Nicki,
deinen Beitrag hätte ich vor 7 Jahren auch so schreiben können.

Meine Mama war auch 57, ich war 27, als sie starb. Von heute auf morgen. Sie fiel die Kellertreppe hinunter, als sie abends vorm Zubettgehen das Licht ausmachen wollte, starb ein paar Tage später (sie war nicht mehr zu Bewusstsein gekommen) an den Hirnverletzungen.

Sie war das Herz unserer Familie. Seither ist die Familie anders. Mein Vater hat zwar eine Partnerin gefunden, mit der er zusammenlebt und gemeinsam sind sie nicht einsam....Aber er spricht heute noch dauernd von meiner Mutter, vermisst sie, ihm treten Tränen in die Augen. Sie waren 31 Jahre glücklich verheiratet und wollten nach dem Vorruhestand meines Vaters gemeinsam das Leben genießen.

Ich habe vor einem halben Jahr geheiratet und da, aber auch sonst, bei so vielen Dingen, hab ich sie so vermisst. Bei so vielen Situationen werde ich an sie erinnert, bin ihr ähnlich, schießen mir Sprüche von ihr durch den Kopf oder ich frage mich, was sie jetzt getan hätte. Sie war so lebenslustig und fröhlich. Dennoch haben wir oft gestritten wie die Kesselflicker. Wir waren uns sehr ähnlich...
Sie fehlt mir, immer noch. Obwohl nun 8 Jahre vergangen sind und ich heute 36 bin. Eine Mutter ist eben eine Mutter ist eine Mutter...

Der Schmerz wird weniger, aber er vergeht nie. Und die Lücke wird nie ganz geschlossen.

Ich kann dir nur sagen, dass ich verstehe, wie es dir geht. Dass es irgendwann weniger weh tut, aber der Mensch immer in deinem Herzen bleiben wird.
Und komischerweise kann ich sogar noch ihre Stimme in meinem Kopf abrufen. Ich kann sie hören, wenn ich will. Und trotzdem schießen dann immer sofort Tränen in meine Augen...

dieNicki
09.03.2007, 15:48
Hallo zusammen!

Ganz lieben Dank für die Antworten!

Mir geht es momentan überhaupt nicht gut. Vermutlich liegt es daran, dass sich der Todestag nächste Woche jährt...
In meinem Kopfkino läuft fast ununterbrochen ein Film ab über die Zeit nach Mamas Tod.
Letztes Jahr habe ich die ersten Wochen überhaupt nicht bewusst wahrgenommen. Besonders die Zeit bis zur Beerdigung und die Beerdigung als solche waren als Erinnerung einfach nicht vorhanden. Jetzt plötzlich kommt alles wieder hoch, ich erinnere mich, als wäre das ganze erst gestern gewesen.
Meine Trauer raubt mir momentan fast den Verstand. Ich habe Herzrasen, Atemnot, hohen Blutdruck,fühle mich teilweise wie gelähmt...

Mein Psychiater meint, ich hätte mir nicht genug Zeit zum trauern gegeben - aber soll ich mich die nächsten 15 Jahre verkriechen und mich selbst bemitleiden? Soll ich den 14. März im Kalender streichen? Soll ich so tun, als wäre nichts?

Ich bewundere jede von Euch! Alle, die es geschafft haben, mit dem Schmerz umzugehen...ich habe das Gefühl mich bringt er fast um.
(meine Mom würde sagen "hey- Du bist ein grosses Mädchen, Du schaffst das" - aber sie SAGT es nicht. NIE WIEDER!!!)

Inaktiver User
09.03.2007, 16:27
Nicki, ich kann hier wahrlich nicht für alle sprechen. Aber bei denen, deren Weg ich hier mitbekommen habe, war die Trauer bei Keinem nach 1 Jahr vorbei. Es wäre doch auch traurig, wenn es so schnell gehen würde. Ich habe mir schon mal irgendwann reingschrieben: Es dauert 1 Stunde sich in Jemanden zu verlieben, 1 Monat sich an ihn zu gewöhnen und ein ganzes Leben ihn wieder zu vergessen.

Trauere, verkrieche Dich, weine, schrei, was immer gut für Dich ist. Nur verdränge nicht Deinen Schmerz und halte Dich für "unnormal, hysterisch oder sonst was. Tu Dir gut, in dem Du mit Deiner Trauer so umgehst, wie Du das willst. Es gibt kein Patentrezept, keine Betriebsanleitung oder einen Leitfaden. Alles, was Du machst ist richtig.:blumengabe:

Kranich

LEBENSWEG
09.03.2007, 17:13
Liebe Nicki,
ich kann sehr gut nachempfinden, wie du fühlst. Das kann, glaube ich nur jemand, der selbst eine ähnliche Situation erlebt(hat).
Ich erkenne mich in Deinen Beiträgen wieder und empfinde die der Anderen in diesem Forum wirklich als Wohltat in einer Realität, in der Traurigkeit nicht "chic" ist.
Ich habe meine Mutter ebenfalls völlig unerwartet verloren. Es ist nun 1,5 Jahre her und sie fehlt mir so unendlich. Und mir ist, als wär alles erst gestern geschehen. Es ist unendlich schwer, Abschied zu nehmen. Mir ist es in keiner Weise gelungen. Mal hat man etwas mehr Distanz, mal weniger.
Vorgestern war ihr Geburtstag.
Niemand konnte mich so gut "aufpäppeln" wie sie, mir Mut zusprechen, mir mit wenigen Worten Kummer und Sorgen nehmen, mir Kochrezepte vermitteln, mir Bücher empfehlen, mir gut gemeinte(WIRKLICH!!!) Erziehungstipps geben, und, und, und...
Leider ist sie unerreichbar! Aber es reicht auch kein anderer Mensch an sie heran.
Ich sende dir beste Grüße und Wünsche für viel Kraft und starke Nerven und ein dickes Fell gegenüber denjenigen, die deine andauernde Trauer nicht (mehr) nachempfinden können...
:Sonne:

Wir sind Sterne,
die niemandem gehören.
Wir sind Sterne,
die niemanden brauchen.
Wir sind Sterne,
die niemand erreicht.
Darum glitzern wir.

:Sonne:

dieNicki
11.03.2007, 20:22
Hallo Kranich,
hallo Lebensweg!

auch an Euch ganz herzlichen Dank für die lieben Worte...

Ich bin froh, mich auf diesem Wege austauschen zu können, denn leider ist der Tod noch immer ein Tabuthema. Niemand will WIRKLICH hören wie es mir geht, wenn ich drüber spechen will, wird schnell das Thema gewechselt.
Warum fragen die Menschen denn erst "Na, wie geht´s?" Wenn sie´s ja doch nicht hören wollen?

Um ruhiger zu werden muss ich jetzt zweimal in der Woche zur Ergotherapie...aber od DAS hilft? Selbst wenn ich 25 Körbe flechte, sie wird auch dadurch nicht zurück kommen...

Ganz liebe Grüsse
dieNicki

Inaktiver User
11.03.2007, 23:12
Liebe Nicki,
da hast Du wohl sehr recht. Die meisten wollen auf die Frage "wie gehts" nur ein "gut" hören, alles andere wäre schon zu kompliziert. Mir fällt es immer auf, wenn ich mit Engländern zusammen bin. Die fragen auch: "How are you" und sind stets völlig irritiert, wenn man darauf überhaupt antwortet.

Ob Dir Ergotherapie hilft - keine Ahnung, aber es hilft anfangs alles, was einen Rythmus ins Leben bringt, was Dir ein Gerüst für Morgen und die nächste Woche gibt. Nichts kann Deine Mutter zurückbringen, aber Du kannst lernen mit ihr im Herzen weiterzuleben und zwar so, dass Dir das Leben wieder richtig Freude bereitet. Das mag für Dich derzeit noch unvollstellbar sein, aber sei zuversichtlich, dass Du das schaffst.

Einen guten Wochenstart - Kranich

dieNicki
12.03.2007, 19:22
Guten Abend!

Mein Therapeut meinte heute, dass "irgendwann die Zeit kommt, an dem meine Mutter froh darüber ist, dass wenigstens an ihrem Todestag überhaupt noch jemand an sie denkt..." (oder so ähnlich...)

HALLO!?!?
Geht´s noch?

Kann mir das jemand bestätigen? "Vergisst" man seine geliebten Menschen im Alltag irgendwann? Denkt man nur noch an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Anlässen (Weihnachten Geburtstag usw) an die viel beweinten Toten?
Wenn ich JETZT darüber nachdenke - ich komme mir wie ein schlechter Mensch, wie eine schlechte, untreue Tochter vor...

Ach mann! Ich fühle mich so alleingelassen...und ich BIN einfach kein grosses Mädchen...
:regen:

Inaktiver User
12.03.2007, 19:45
Nicki, das ist mehr als ungeschickt von Deiner Therapeutin. Aber Menschen, die sachlich oder beruflich mit dem Thema Sterben und Tod und Trauerbewältigung umgehen, haben oft einen ganz anderen Blick als wir, die betroffen sind.

Du solltest lernen, Dich auf Dich selbst zu verlassen. Sei Dir sicher, dass Du für Dich schon den richtigen Weg findest, Deine Mutter so an Deinem weiteren Leben zu beteiligen, wie das für Dich und sie richtig und guttuend ist. Das kann sich im Laufe der Zeit auch verändern. Ich glaube wir alle hier, kennen das. Mal denkt man stündlich an die Toten, mal gar nicht, mal immer mal wieder oder ab und zu. Ichweiß von mir jedenfalls, dass es nach 5 Jahren Zeiten gibt, da ist mein Lebensgefährte ständig bei mir, aber es gab auch nur 3 Jahre nach seinem Tod schon Wochen, in denen ich plötzlich merkte, dass ich mal 2 Tage gar nicht an ihn gedacht habe.

Ich glaube für Menschen wie uns wird der Tod normaler - eben so wie das tägliche Leben auch. Ich denke auch nicht jeden Tag an alle Menschen, die zu mir gehören. Meine Geschwister leben woanders - ich denke nicht täglich an sie, aber immer wieder, manchmal dann aus heiterem Himmel wieder mehrmals täglich.

Lass Dich nicht verängstigen - Du wirst Deine Mutter so in Dein Leben integrieren, wie es Dir guttut - da bin ich sicher, ohne Dich zu kennen.

Kranich

sleepless
12.03.2007, 20:28
Liebe Nicki!
Fühl Dich erst mal tröstend umarmt.
Ich kann Dir nur aus meiner Sicht berichten, aber bei mir vergeht kein Tag , an dem ich nicht (wenn auch nur kurz) an meine Mutter denke. Meine Mama ist seit 7 Jahren tot. Sie hatte Krebs und starb nicht völlig unvorhergesehen.
Das erste Jahr war am schlimmsten, der Schmerz bleibt, aber er wird im Laufe der Jahre erträglich und man kann es akzeptieren.
An einem sonnigen Tag wie heute denke ich an sie und würde mir wünschen sie könnte den Frühling, den sie so sehr geliebt hat, wenigstens noch einmal erleben, ohne diese verfluchte Krankheit.
Ich bin auch traurig darüber, dass es meinem Vater nicht vergönnt ist, seinen Lebensabend gemeinsam mit seiner Frau zu geniessen.
Keine Angst Nicki, Du wirst Deine Mutter nicht vergessen. Sie lebt in Dir und in Deinem Herzen weiter.
Trotz Deiner Trauer ist es wichtig, dass Du wieder Spass im Leben findest und den Alltag so gut wie möglich bewältigst.
Das Rüstzeug dazu hat Dir Deine Mutter mitgegeben und sie würde auch wollen, dass Du Dein Leben geniesst.
Du musst auch kein grosses Mädchen sein, für Deine Mutter warst Du auch noch ihr kleines Mädchen und Schwäche dürfen wir uns auch erlauben.
Liebe Grüße
sleepless

Elch
13.03.2007, 08:23
Ich denke immer an meine Mutter. Nicht mehr weinend und trauernd (zumindest meistens nicht), aber sie ist in Gedanken eigentlich so oft in meinem Leben, dass ich schon überlegen müsste, wann ich NICHT an sie denke.
Zu besonderen Gelegenheiten denkt man BESONDERS an den Menschen und vermisst ihn schmerzlich. Dann tut es wieder richtig weh und ich muss dann auch weinen.
Ansonsten gibt es aber so vieles, das mich an sie erinnert, dass sie eigentlich immer mit dabei ist.

dieNicki
15.03.2007, 17:33
Hallo Zusammen!

Ich habe ihn überstanden - der ersten Todestag.

Und zwar als ganz normalen Alltag. Ich habe bewusst NICHT besonders darüber nachgedacht, welcher Tag war und habe bewusst einen relativ normalen Tag verbracht. Ich war morgens bei der Ergotherapie (was übrigens richtig klasse ist), mittags mit meiner Freundin ein Käffchen trinken und die Sonne geniessen, danach ein bisschen shoppen...
Meine Mama war nie eine Freundin grosser Rituale - sie ist zum Beispiel seit 17 Jahren jedes Jahr über ihren Geburtstag in den Urlaub gefahren und zwar nicht mit Familie sondern mit ihrer Freundin- deshalb weiss ich, dass ein "normal " verbrachter Todestag für sie ein guter Tag gewesen wäre.

Schlimm war der Tag DAVOR! Fragt mich mal warum - ich WEISS es nicht. Der Tag davor war einfach nur schlecht - obwohl die Sonne schien - ich hab nur rumgeschnauzt und geheult und war gleich 3mal (!!!) am Friedhof...
Sehr seltsam, was in einem vorgeht...

Loswerden möchte ich allerdings, dass ich tatsächlich die meiste Zeit Spass am (und im) Leben habe - leider nur phasenweise...
Ich habe beschlossen, diese Phasen auszunutzen und die anderen Zeiten einfach so zu aktzeptieren wie sie sind - und wenn das mit heulen und meckern verbunden ist, dann ist das halt so...
Ich werd´s zumindest versuchen...

Obwohl ich ja WEISS, dass ich nicht alleine dastehe und es vielen Menschen so geht wie mir, bin ich froh darüber, tatsächlich mal andere "Geschichten" zu hören und daran teilzunehmen!

Vielen Dank!

Liebe Grüsse und viel Kraft euch allen!
dieNicki

Inaktiver User
15.03.2007, 18:06
Liebe Nicki,

ich druecke Dich hier mal doll.
Jeder, der einen lieben Menschen verliert ist total am Ende, waehrend Aussenstehende das natuerlich nicht so empfinden.

Mein Vater z.B. ist vor 6 Jahren gestorben. Er lag vorher 2 Jahre in einem Pflegeheim im Koma. Das war eine ganz schlimme Zeit fuer die ganze Familie. Jedes Wochenende bin ich dorthingefahren, habe ihm alles moegliche erzaehlt und vorgelesen, selbt die Reklamezettel aus der Zeitung habe ich ihm vor die Augen gehalten, die hatte er sich immer so gern angeschaut. Menno, man ist soooooo hilflos.
Die Aerzte konnten auch nicht sagen, ob er etwas sieht oder hoert oder fuehlt. Nun hatte er eine Magensonde, durch die er Wasser und Fluessigspeisen erhielt, nach 2 Jahren sollte diese Magensonde erneuert werden, also Operation. Ich habe immer gefragt, wie das gehen soll, woher wissen die Aerzte, wieviel Betaeubungsmittel sie geben muessen, nachher verspuert er doch etwas.
Einen Monat vor der geplanten OP ist er dann verstorben. Er sah sehr friedlich aus. Das waren ganz schlimme 2 Jahre fuer die Familie.

Vor 5 Jahren ist mein Schwiegervater verstorben, wir waren dabei als er eingeschlafen ist.

Vor 3 Jahren ist meine grosse Schwester verstorben, ich hatte sie kurz vorher noch im Krankenhaus besucht und wir hatten Witze gemacht, 2 Tage spaeter war sie tot. So was ist unbegreiflich!!!!!!

Vor einem Jahr starb nun ein guter Freund, er war erst 42 Jahre alt und ein anderer Freund starb jetzt im Februar, kurz vor seinem Geburtstag.

Menschen, die meine Verwandtschaft oder Freunde nicht kennen sagen: herzliches Beileid und meinen damit sei es getan. Aber ich denke auch, bei so einem Trauerfall kann niemand einem helfen, nur darueber reden hilft schon viel.

Ich denke jeden Tag an jeden einzelnen und rede auch viel darueber, auch, wenn es manche schon nicht mehr hoeren koennen. Ich brauche das.

Ich weiss genau, das alles, was ich geschrieben habe, kein Trost fuer Deine Trauer ist, aber ich wollte Dir wiederum nur mitteilen, dass man lange trauern darf und kann.

Liebe Gruesse

Gwendoline

Elch
15.03.2007, 22:00
Liebe Nicki,
ich weiß nicht, wie alt du bist. Du hast von einer Tochter geschrieben. Aber auch ich war "schon" 27, als meine Mama starb. Im Jahr darauf begann ich schlecht zu schlafen just in der Woche, in der sich damals alles abgespielt hatte. Es wiederholte sich noch ein, zwei Jahre.

Und - jedesmal, wenn ich an ihrem Grab bin - (ich wohne nicht mehr in meinem Heimatort, wo sie begraben ist, sondern 150 km weit entfernt) - kommen mir die Tränen. Ich bin jetzt 36, sie ist achteinhalb Jahre tot.
Wir standen uns so nahe.

Manchmal ist mir unbegreiflich, wie lange sie schon weg ist.
Manchmal ist mir unbegreiflich, dass ich sie überhaupt kannte - so lange ist es her.

Ich vermisse sie und werde sie immer vermissen.

lonely_girl
16.03.2007, 22:05
Hi Nicki!

Erstmal moecht ich dich auch in den Arm nehmen! Schoen, dass du es halbwegs ueberstanden hast!

Meine Mutter ist vor 11 Jahren gestorben, an Krebs. Anfang des Jahres jetzt auch mein Vater... Morgen haette er Geburtstag gehabt und heute hatte ich auch einen extrem schlechten Tag... Vielleicht hab ich nach deiner Schilderung etwas Glueck und morgen geht es mir besser als heute?

Ich hoff mal, du hast in naechster Zeit immer mehr Phasen, in denen es dir gut geht!

dieNicki
06.04.2007, 18:47
Hallo!

ich möchte mich auf diesem Wege nochmal bei allen bedanken, die mich rund um den ersten Todestag meiner Mama so lieb und liebevoll unterstützt haben.

Ich habe momentan meine Trauer "ganz gut im Griff". Sicher - ich bin nach wie vor traurig, aber dieser körperliche Schmerz hat nachgelassen, mein Leben verläuft wieder relativ normal...

Welche Erfahrungen habt Ihr? Wird das nun jedes Jahr so heftig? Oder ist tatsächlich der erste Todestag der schlimmste? Wenn ich daran denke, bekomme ich jetzt schon Angst vorm nächsten Jahr, denn ich glaube auf Dauer schaffe ich das nicht (zusätzlich dazu gibt´s ja noch die heftigen Tage wie Geburtstag, Weihnachten, Ostern...)

Liebe Grüsse
dieNicki