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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frauen mögen mich nicht



cujamara
05.03.2007, 10:10
Weiß nicht, ob dieses Thema hier schon mal angesprochen wurde. Ich hab mir gerade den Thread "Keine Freundin" durchgelesen und festgestellt, daß ich auch zu denjenigen gehöre, die wenig Freundinnen haben. Die paar echten Freundinnen sind bezeichnenderweise alle über den Erdball verstreut; ich könnte sie jederzeit besuchen und zu jeder Tag- und Nachtzeit anrufen, wenn ich ein Problem habe, und umgekehrt selbstverständlich ebenso (tun sie auch), aber hier in meinem alltäglichen Lebensumfeld gibt es niemanden, mit dem ich mal spontan einen Kaffee trinken gehen oder ins Kino könnte. Das fehlt mir. Und warum ist das so? Ich zerbreche mir immer mal wieder den Kopf darüber. Leider scheine ich einen polarisierenden Effekt auf meine Mitmenschen zu haben, den man - grob vereinfacht - so beschreiben könnte: die Männer werden angezogen, die Frauen abgestoßen. An Interesse von Männern fehlt es nicht, ganz im Gegenteil; allerdings ist dieses Interesse selten auf meine Person gerichtet - sobald klar ist, daß ich nichts von ihnen will, da gebunden, sind sie weg. Kann sich irgendjemand vorstellen, wie sehr das kränkt? Egal, Fazit: ein Mann/ männlicher "Kumpel" kann mir offenbar keine Freundin ersetzen. Und die Frauen, wie schon gesagt, meiden mich.

Wie kann ich diese Situation ändern? Ich hätte gern mehr Kontakte. Freundschaftlicher Art. In meinem Leben scheint der Bereich Sozialkontakte nach dem Motto abzulaufen "Affäre oder Isolation". Na gut, ich übertreibe. Aber gerade stört mich diese Situation ganz ungemein. Vielleicht kann ich ja doch was dran ändern? Hat jemand vielleicht ähnliche Erfahrungen, oder Gedanken dazu?

Inaktiver User
05.03.2007, 11:14
Hallo Cujamara,

wenn ich Dich recht verstehe, HAST Du Freundinnen, richtig? Grundsätzlich gibt es also schon Frauen, die gern mit Dir zusammen, die Dir nahe sind.

Dass diese Frauen nicht in Deiner Nähe leben, liegt vielleicht eher daran, dass wir in einer sehr mobilen Gesellschaft leben. Mir geht es da ähnlich - meine Freundinnen wohnen alle nicht "um die Ecke" - die letzte in der Nähe lebende Freundin ist im vergangenen Frühjahr berufsbedingt umgezogen und lebt jetzt 80 km entfernt. Das ist nicht die Welt, aber doch zu weit, um "mal eben" einen Kaffee trinken oder ins Kino zu gehen.

Ich denke, Freundschaften sind genauso leicht oder schwierig zu finden wie Partnerschaften - es muss auch in Freundschaften grundsätzlich "passen". Ich weiss nicht, wie es Dir geht, aber bei mir stellt sich das grundsätzliche "das könnte was werden" - Gefühl nicht sehr häufig ein. Und selbst wenn es vorhanden ist, muss eine Freundschaft sich ja erst noch als solche etablieren - manchmal stellt sich nach ein paar Monaten heraus, dass die Grundhaltungen doch nicht wirklich zueinander passen, und Wege trennen sich wieder. Das halte ich für normale Prozesse.

Ich fände es auch sehr schön, eine GUTE Freundin in direkter Nähe zu haben, aber das lässt sich nicht erzwingen.

Ich halte es so, dass ich mich über meine Aktivitäten immer wieder umschaue (Sport, Hobby) und auch proaktiv auf andere Frauen zugehe, die ich interessant finde. Wie läuft das bei Dir ab? Triffst Du manchmal auf Frauen, die Dich interessieren, und suchst das Gespräch, versuchst, Kontakt herzustellen?

Grüssle
Seawasp

Inaktiver User
08.03.2007, 18:11
Sehe ich wie Seawasp. Meine "vor Ort" Freundinnen rekrutieren sich aus meinem Hobby, naemlich Toastmasters. Da ich selbst ein eher distanzierter Typ bin, dauert es natuerlich auch, bis sich Freundschaften bilden. Meine jetzt beste Freundin z.B. kenne ich bestimmt schon vier oder fuenf Jahre, aber befreundet sind wir erst seit Sommer letzten Jahres. Ausserdem bin ich grundsaetzlich sehr vorsichtig mit Freundschaften zu Frauen - viele sind mir naemlich zu zickig und zu sehr "hintenherum". Erschwerend kommt hinzu, dass ich mit typischen Frauenthemen wie Shopping, Fashion, Beauty, Kinder, etc. nichts, aber auch wirklich gar nichts anfangen kann.

cujamara
08.03.2007, 20:26
Hallo Seawasp und Bluebonnet,

ja, das kommt sicher erschwerend hinzu:


dass ich mit typischen Frauenthemen wie Shopping, Fashion, Beauty, Kinder, etc. nichts, aber auch wirklich gar nichts anfangen kann.

oder doch sehr wenig -

und


über meine Aktivitäten immer wieder umschaue (Sport, Hobby)

erneut Fehlanzeige - meine Hobbies haben weitgehend Einzelkämpfercharakter, und ich bin so gar nicht der Typ für Vereine (Sportverein und Volkshochschule wird ja gern geraten).

Ich denke aber, mein Problem ist eher grundsätzlicher Natur. Es ist schon durchaus was dran, was ich in meinem Eingangsposting geschrieben habe: die meisten Frauen mögen mich nicht, reagieren mit Abgrenzung oder Desinteresse auf mich. Und da ich nicht allgemeinen Verschwörungstheorien anhänge, muß ich mich weiterfragen: nicht bloß, warum ist das so? sondern: was an/ in mir ist es?

Inaktiver User
08.03.2007, 22:05
Das ist natuerlich schwer zu sagen - dafuer muesste man Dich ja nun mal kennenlernen :zwinker: Aber ich gebe mal das weiter, was man mir gesagt hat: Ich bin wie gesagt erstmal immer auf Distanz, bin zwar freundlich, aber nicht ueberschwenglich. Ich habe durchaus sehr viel Sinn fuer Humor, aber dazu muss ich mich in jemandes Gesellschaft wohl fuehlen, ehe ich anfange z.B. herumzualbern. Einige empfinden mich als sehr sachlich und ueberhaupt nicht emotional - es mag vielleicht auch daran liegen, dass ich in einer Maennerdomaene arbeite. So habe ich naemlich schon an mir festgestellt, dass ich mir einen anderen Kommunikationsstil angewoehnt habe. Ingesamt scheine ich auch manchmal arrogant zu wirken. Wie gesagt, das bezieht sich jetzt natuerlich nur auf mich, aber gibt Dir vielleicht ein paar Denkanstoesse.

Von daher waere es vielleicht hilfreich, mal eine einigermassen gute Bekannte oder Leute aus der Verwandtschaft zu fragen, ob sie Dir da Einschaetzungshilfe geben koennen. Leider ist es ja so, dass das Bild das man von sich selbst hat und das, was andere von einem haben, manchmal ziemlich unterschiedlich sind.

Inaktiver User
08.03.2007, 23:50
Hmmm...

...dazu fällt mir folgendes ein:

Ich hatte früher sicher auch grössere Probleme mit Frauen - wie Ihr arbeitete ich in einer Männerdomäne, meine Kollegen waren beinahe ausschliesslich männlich, und ich noch dazu Teil des Managements. Ich habe damals (so sehe ich das heute) versucht, mein Frausein zu kompensieren - das konnte nicht wirklich gut gehen. Das Ende vom Lied war damals einerseits: kaum intensiver Kontakt zu anderen Frauen, meine besten Freunde waren Männer, aber ausserdem handfeste (Führungs-)Konflikte im Arbeitskontext. Meine männlichen Kollegen fühlten sich von mir bedroht, und das hatte eindeutig damit zu tun, dass ich zunehmend meine weibliche Identität vernachlässigte/ablegte, z.B. wie Bluebonnet einen männlichen Kommunikationsstil angenommen hatte. Ich sah sehr weiblich aus, aber damit hörte es dann auch schon auf.

Besser wurde das Ganze, als ich begann, meinen EIGENEN Stil zu leben. Ich lernte in dieser Phase, dass Führung nicht unbedingt männlich ist, und dass ich es mir leisten kann, weiblich zu sein. Ich musste kein "besserer" Mann sein, um zu führen und mich zu behaupten, es tat mir gut, einfach ich selbst zu sein und aufzuhören, das Frausein als eine Art Hemmschuh zu betrachten.

Zeitgleich wurden Frauen für mich interessanter. Ein ganz wichtiger Punkt dabei war meine eigene Einstellung - als ich mit meiner eigenen Weiblichkeit "gekämpft" habe, habe ich (unbewusst) zum einen andere Frauen abgewertet, zum anderen hatte ich Angst vor ihnen - letztlich bringt das eine das andere hervor: Das, was mich bedroht, MUSS ich abwerten.

Als ich begann, meine eigene Weiblichkeit als etwas Wertvolles zu begreifen, hörte diese unbewusste Abwertung auf, und Kontakte zu anderen Frauen aufzubauen wurde entspannter. Heute habe ich diesbezüglich überhaupt keine (Berührungs-)Ängste mehr. Ich finde es völlig in Ordnung, nicht von jedem Menschen gemocht zu werden, aber grundsätzlich näher fühle ich mich heute Frauen. Diese Haltung wird gespiegelt - ich fühle mich unter anderen Frauen HEUTE willkommen, und das hat für mich sehr viel damit zu tun, dass ich mich selbst in meiner Identität als Frau mag.

Ich bin sicher ein sachlicher Mensch, nur bedingt interessiert an Mode, dafür begeisterungsfähig für wissenschaftliche Themen. Mein Kommunikationsstil ist heute definitiv weiblich, auch wenn ich die männliche Rolle nach wie vor "drauf" habe, sozusagen als As im Ärmel, falls das mal notwendig sein sollte.

Ein schönes Kompliment habe ich vor einiger Zeit auf einer Fortbildung von einer jungen Kollegin bekommen, die selbst von sich sagt, dass sie mit Frauen Probleme hat, sich mit Männern wohler fühlt, und deren Habitus ingesamt sehr männlich orientiert ist (Kleidung, Bewegungen, Kommunikation), weil sie fürchtet, sonst in ihrer männlich dominierten Berufswelt nicht ernst genommen zu werden. Sie empfand mich als Rollenvorbild - meine Weiblichkeit stiess sie nicht ab, sondern zog sie an, interessierte sie. Im Grunde kam sie mir vor wie mein früheres Ich, und ich freute mich riesig über ihr Feedback.

Daher meine Anregung, einfach mal über Euch und Eure (internalisierten) Frauenbilder nachzudenken. Warum ist eine männliche Kommunikation für Euch wichtig? Was gewinnt Ihr, was verliert Ihr? Cujamara, dass Du den thread eröffnet hat, zeigt für mich eine Sehnsucht nach Weiblichkeit, und ich kann Dich da nur ermutigen - in der Retrospektive sehe ich, wie ANSTRENGEND es für mich war, meine Weiblichkeit so in Frage zu stellen und abzuwerten.

Soweit meine (subjektiven) Gedanken zum Thema.

Grüssle
Seawasp

bienie
17.03.2007, 20:10
Super Seawasp, das klingt absolut einleuchtend.

Manchmal allerdings kommt noch hinzu, wenn frau beruflich sehr eingespannt ist, lassen die Neider nicht allzulange auf sich warten, leider viele Frauen.
Mittlerweile zählen im näheren Kreis so langsam mehr Männer zu meinem Freundeskreis als Frauen, die sich gerne zurückziehen, sobald sie einen Partner haben. Bin im Sport, unterhalte mich prima mit den Frauen, die meisten aber sind verheiratet, haben Kinder, da bin ich fast Exot. Aber mit meiner Nachbarin habe ich mich so langsam angefreundet.

Alle anderen Freundschaften sind leider auch über die ganze Welt verstreut, z. T. noch aus Zeiten, wo sie hier gelebt haben und irgendwie habe ich das Gefühl, gerade diese alten Freundschaften bleiben auch bei Distanzen. Hätte bei Problemen gleich eine Menge Telefonnummern. Das tut auch gut. Klar, mal ne Freundin zum pontan weggehen - die habe ich leider nicht mehr, das ist schade.

Gruß Bienie