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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : meine Mutter



Sonnenbluemli
02.03.2007, 15:26
Hallo ihr,
ich bin neu hier in der BriCom :)
und belade euch gleich mit meinem Problem...

also erstmal zu mir: Ich bin 20 und in der 12. Klasse eines Gymnasiums, bin also recht spät dran (was mich ziemlich belastet) und ich hab tausend Probleme *lach*, ich bin Narzistin (Kindheit), komme mit meinem Vater nur bedingt klar (er ist nicht einfach...), bin so ne Art zerstreuter kleiner Professor und habe derzeit ein Problem mit meiner Mutter (nein, nicht derzeit. Eigentlich schon mein ganzes Leben). Ich bin glücklich mit meinem Leben, habe auch endlich gelernt, mich selbst zu lieben (zumindest zum größten Teil), ich möchte mit niemanden tauschen wollen und doch fühl ich mich manchmal ein wenig verloren. Mein Vater sagte mal: ,,Du musst immer da lang, wo es knirrscht." Naja, aber darum geht es in meinem Thread gar nicht, sondern um meine Mum.

Derzeit versuch ich mein Leben aufzuräumen. Ich hab vor nem Jahr mit dem Rauchen aufgehört und dadurch angefangen, mich mit mir selbst und allem auseinander zu setzen.
Ich bin nun in der Abiturklasse, bin auch recht erfolgreich (wenigstens das), habe aber keinen Führerschein (hatte die Möglichkeit dazu, hab den Kopf aber in den Sand gesteckt und nun bereuch ich das total, hab jetzt aber kein Geld dafür) und versuch halt auch, mich und meine Verhaltensweisen auseinander zu nehmen, eben weil ich auch Narzißtin bin (das sind diese nervigen Kleingören, die immer nach Aufmerksamkeit fischen ;)).
Und nun zum Problem.
Also ICH empfinde es so, dass meine Mum nie wirklich für mich da war. Ich hatte schon als Kleinkind das Gefühl, ihr eher ein Klotz am Bein zu sein, als ich 6 war zog sie aus und ich bekam sie für Jahre kaum oder gar nicht zu Gesicht, dann wohnte ich für drei Jahre bei ihr und ihrem prügelnden Mann, was nicht besonders "harmonisch" *hüstel* ablief und danach lief ich ihr erstmal wieder jahrelang hinterher, rief sie an, erbettelte Treffen u.s.w., einige Monate sogar schafften wir es, uns einmal die Woche zu treffen, das war die schönste Zeit mit ihr. Ich empfand sie als "gute Freundin", für die Mutter-Tochter-Bezi. zwischen uns war einfach zuviel schief gelaufen.
Nun ist es so, dass ich WEIß, dass sie es IMMER schwer gehabt hat und dass es nie einfach für sie war. Aber trotzdem kann ich nicht anders, als es ihr unbewusst vorzuwerfen, wie gern ich das auch abschalten möchte, denn ich weiß ja, dass sie es nicht böse gemeint hat. Mit ihr darüber reden geht nicht, denn sie fasst es grundsätzlich falsch auf und hangelt sich daran derart auf, dass jedes Gespräch unmöglich ist.
Nun ist es so, dass wir Streit hatten. Denn mein Vater machte mir ein super tolles,liebes Angebot: Mir die Hälfte des Füherscheins zu bezahlen, WENN sie die andere Hälfte bezahlt.
Ich dachte: Fragen solltest du zumindest einmal. Das kostet nichts. Tja, von wegen. Zurück kam eine bitterböse, super wütende Email mit achwievielen Vorwürfen. Ich war einfach nur sprachlos. Verstand ihre Wut gar nicht, weil naja, ich habs nicht bös gemeint, hab nur gefragt, ein Nein wäre doch voll i.O. gewesen. Ich wurde dann genauso wütend und kam von A nach B, die alte Wunde riss auf. Sie schrieb nämlich, wie blöd es von mir sei, dass ich mich so lang nicht gemeldet hätte. Woraufhin ich, wütend, erwiderte, dass ich ihr jahrelang hinterher gelaufen wäre.
Und so kommt eins zum anderen. Das Schlimme nur ist: Alles ist meine Schuld. Egal um was es geht. Ihre Mutter sagt, betrunken, zu mir Hure, obwohl sie mich überhaupt nicht kennt, mich jahrelang nicht gesehen, nicht mit mir gesprochen/telefoniert/sonstwie korrepondiert hat, ich fand das nicht besonders fair, aber das ist meine Schuld, denn ich hab mich ja nie bei ihr gemeldet (und wann hat meine Oma sich mal bei mir gemeldet?!) und das rechtfertigt natürlich, dass sie über mich herzieht. Und so ist es mit allem. Ich bin undankbar, dreist, sie hatte es immer schwer und ich solle mich bloß nicht beklagen (sie versteht gar nicht, dass ich das gar nicht will, sondern nur reden).
Gutes Beispiel ist auch: Ich besuch sie für einige Tage, wir hatten uns ewig nicht gesehen, zur Feier des Tages tranken wir ne Flasche Wein nach dem Essen, was ein Fehler war, denn wir stritten uns (unter der Oberfläche brodelt es nunmal schon seit Jahren) und ich meinte, dass ich kurz um den Block spaziere, abkühlen quasi. Ich komm wieder, is die Tür zu. Folge: Ich verbringe die Nacht draußen, leicht bekleidet und morgens um 7 lässt mich ihr entsetzter Freund wieder rein. Sie ist ins Bett gegangen. Später dann, kein wie gehts dir, alles ok, nein: Es ist meine Schuld. Ich hätte die Haustür nicht zuziehen sollen.
Fand ich ganz toll an dem Morgen, verfroren wie ich war und ich wollte zu dem Zeitpunkt nur noch eines: Nach Hause ^^.
Naja zu dem Streit. Die letzte Mail, die sie mir schrieb, endete mit dem Vorwurf, ich wäre niveaulos, weil ich ja nur sauer wäre, weil sie mir das Geld nicht gibt.
(Was absoluter mega Quatsch ist und das weiß sie auch! Das Geld ist mir völlig egal)

Ich bin auch nicht einfach, das weiß ich. Aber ich kann doch nicht immer zu allem Ja und Amen sagen, oder? Ich würde so gerne mal mit ihr über alles, über wirklich alles, reden und ganz offen und ehrlich, aber das geht einfach nicht, weil mich das jedes Mal so fertig macht und ich mir jedes Mal Dinge anhören muss, die mir wirklich zusetzen. Ich habe ein total schlechtes Gewissen ihr gegenüber, fühle mich ganz mies und weiß nicht einmal wieso, denn sie versteht es wunderbar, mir dieses einzupflanzen. Das hat sie früher schon geschafft, als ich bei ihr wohnte und sie und ihr Mann mir teilweise das Leben echt schwer gemacht haben. Ich kann ihr nicht offen sagen, dass es für mich echt heftig und schrecklich war, zuzusehen, wie sie mit einem Staubsauger auf einen 10Jährigen einprügelt, dass ich nicht darauf klar kam, von ihrem Mann mit einer Reitgerte bedroht worden zu sein und dass ich gottverdammt mal drüber reden muss, irgendwie, irgendwann. Ich kann sie verstehen, dass sie mir das übel nimmt, vielleicht ist es zuviel verlangt und gemein von mir, aber das will ich doch gar nicht sein. Irgendwie vergisst sie immer, dass wie schwer sie es auch hatte, für mich war das alles sicher auch nicht besonders märchenhaft.

Oh Gott, ich hoffe, ich hab mich nicht zu chaotisch ausgedrückt und ihr versteht mein Problem.
Ich bin wirklich über jeden Rat/Kritik/Anregung/etc. dankbar, denn mir macht das tierisch zu schaffen :(

liebe Grüße,
die "Neue"

Flugente
02.03.2007, 15:51
Hallo Du schöne Sonnenblume!

Ich möchte dazu gar nichts sagen, denn ich denke, dazu bin ich gar nicht in der Lage. Hast Du mal drüber nachgedacht, vielleicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen? Bei so vielen negativen Erfahrungen, ja da ist mir ganz klar, dass man hilflos wird, oder?

Kopf hoch zur Sonne, Du Sonnenblümli!

Sonnenbluemli
02.03.2007, 16:02
Danke für deine schnelle und liebe Antwort :),
ja, darüber denke ich oft nach. Ich habs auch vor, aber ich muss mich noch "überwinden", den ersten Schritt zu machen.
Naja hilflos... das nicht, ich meine, ich weiß, dass ich meinen Weg schon gehen werde, aber ich fühl mich manchmal so in mir selbst verloren. Ich weiß manchmal nicht, was richtig&was falsch ist, weil mir manchmal das Selbstwertgefühl fehlt, um das zu entscheiden. Daran arbeite ich, das ist schon viiiiieeeeel besser geworden und ich kann mich und meine Gedanken mittlerweile recht gut zum Besten geben, aber ich hab so oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein. zB hab ich nach meinem Realschulabschluss sofort auf ein Gymnasium gewechselt, aber ich hab immer gedacht, ich schaffs doch eh nicht, bin zu blöd und nicht gut genug.. hab die 11. dann logischerweise auch nicht gepackt. Aber nach vielem Nachdenken und sichselbstreflektieren einiges begriffen, neu versucht und bin, wie gesagt, jetzt in der 12. und auch erfolgreich, aber das Gefühl, wie glücklich & selbstbewusst ich auch bin, geht nicht weg. Hm. Ach herrje, ich red zuviel. Aber kennt das jemand?

Simplemind66
02.03.2007, 16:19
Vielleicht das Sorgentelefon??

Nur so als Idee,da bekommst du zumindest direkt eine Hilfe.Wie alt bist du nochmal?

Sonnenbluemli
02.03.2007, 16:24
->,,Wie alt bist du nochmal?"

Entschuldige, mir gehts hier grad um den Gedankenaustausch, um objektive Meinungen, Anregungen, Gedanken....
ich suche hier ja keinen Seelenklempner, der mein Leben wieder gerade biegt. Das kann sowieso nur ich selbst und dann ne vernünftige Therapie.

Hm.

Anastasia1960
02.03.2007, 16:31
also mir kommt deine ganze familiäre Situation sehr verworren vor. Habt ihr jahrelang keinen Kontakt gehabt, und nun hast du per e-mail um Geld für den Führerschein gebeten?

hamster42
02.03.2007, 16:34
Hallo liebes Sonnenblümli!!:Sonne:
Jetzt lass mal den Kopf nicht hängen - immer dorthin schauen, wo die Sonne scheint!! - Also: Ich bin heute (fast) 42 Jahre alt und kann gut mit dir fühlen. Ich bin als viertes Kind mit über 20 Jahren "Abstand" geboren. Meine Mutter war bei meiner Geburt 46, mein Vater 51. Als ich 10 jahre alt war, musste meine Mutter ins Krankenhaus und ist nach langer Krankheit gestorben. Mein Vater hatte irgendwann eine Freundin, deren erster Kommentar nach dem Kennenlernen war: Du fliegst hier auch noch raus! Und mein Vater hat nicht zu mir gestanden. - OK. Ich bin nicht geflogen, ich bin freiwillig gegangen. Aber nach meinem Abi, und den Termin habe ich bestimmt. Zum Glück kannte ich damals schon meinen jetzigen Mann, das hat mir sehr viel geholfen! Es ist momentan wichtig, dass du in der Schule klarkommst, dass du einen Weg für dich findest, den du gehen möchtest. Versuche Ruhe in dein Leben zu bringen! Ich will jetzt nicht sagen, du sollst den Kontakt abbrechen, aber vielleicht vorerst einmal auf Eis legen. Heute, zwanzig Jahre (wo ist die Zeit hin?) mit zwei eigenen Kindern sehe ich vieles aus einem anderen Blickwinkel. Aber ich sehe auch, dass ich mich mit vielem, was ich getan habe, MICH selbst geschützt habe. Und jetzt: ich habe zwei klasse Jungens, einen tollen Mann, trotzdem viel auf und ab in meinem Leben, aber das gehört dazu. Und wenn du schon heute in deinem Alter, den einen oder anderen Fehler selbst entdeckst, was soll daran schlecht sein? Die Welt ist gross, gross genug für euch beide. - Eigentlich sollte deine Mutter in eine Therapie, eigentlich kann sie mir nur leid tun. du bist jung, geniesse dein Leben und denke mal daran: Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mache Limonade daraus!!
Ich wünsche dir ein tolles Wochenende, hamster42

Simplemind66
02.03.2007, 16:36
:blumengabe: Oh, Sonnenblümli!!

Nein ich hatte dein Alter wirklich nicht mehr im Kopf, es sollte auf keinen Fall eine Beleidigung sein!!!:blumengabe:

Das Sorgentelefon ist kein Seelenklemptner, sondern nur eine schnelle Unterstützung um rauszukreigen wie du mit so einer verfahrenen Situation umgehen könntest.Da sitzen halt Leute die Ahnung haben, so hatte ich das gemeint.:blumengabe:

Pischti_H
02.03.2007, 16:37
Schade, dass Deine Mutter nicht reden moechte. Wahrscheinlich hat sie einfach Angst. Denn das, was Du geschrieben hast, hoert sich wirklich nicht nach einer Traumfamilie an.

Ich finde es aber ganz toll, dass Du Deinen Weg gehst und Fragen stelltst und darueber reden willst/musst. Mach das!!!

Das mit dem Richtig&Falsch, so hundertprozentig kann das nie wissen. Ich weiss es nicht zu hundertprozent. Das macht das Leben manchmal sehr schwer, aber Du hast so die Chance zu einem wirklichen Richtig&Falsch zu kommen. Es wird bestimmt noch einige Zeit dauern, bist Du genuegend Selbstbewusstsein hast. Aber fuer mich hoert es sich so an, als ob Du auf dem richtigen Weg bist.

Zu Deiner Mutter. Ich wuerde, so es moeglich ist, meine Erwartungen zurueckschrauben. Deine Mutter moechte nicht ueber bestimmte Momente reden. Und es wird Dich immer wieder verletzen, dass sie nicht reden moechte und Ihr Euch dann streitet. Du wirst auch jetzt nicht das nachholen koennen, was Du in den Jahren vorher nicht bekommen hast von ihr. Das ist sehr schade und tut bestimmt auch sehr weh.
Nimm etwas Abstand zu ihr, erwarte nur minimale Sachen von ihr und Ihr werdet ein einfacheres Verhaeltnis haben.

Und ansonsten schliesse ich mich Flugente an und denke auch, dass Du durchaus professionelle Hilfe in Anspruch nehmen solltest.

Ich wuensche Dir alles Gute! :blumengabe:

semiramis
02.03.2007, 16:47
Nur mal zur Info, am Sorgentelefon, gleich ob Kinder-und-Jugendtelefon oder Telefon für Erwachsene, bekommt man keine Soforthilfe, sondern man versucht per Gespräch, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Also ebenso ein Gedankenaustausch wie hier. Dort sitzen auch keine Psychologen oder Therapeuten, sondern meist Ehrenamtler, die natürlich eine psychologische Schulung durchlaufen haben.Soforthilfe wäre mit persönlichem Kontakt verbunden und das ist dort *tabu*.
Ich denke, Sonnenblümli ist hier schon ganz gut aufgehoben, da sie einen Gedankenaustausch möchte.

LG
semiramis

Inaktiver User
02.03.2007, 17:13
Weiß nicht, vielleicht liege ich da ja auch nicht richtig: Von deinem Vater, der doch sicher von eurem schwierigen Verhältnis weiß, finde ich das nicht fair, deine Mutter in die Führerscheingeschichte reinzuziehen.
Warum hat er dir nicht einfach ohne Bedingungen angeboten, die Hälfte von dem Führerschein zu zahlen? So hört sich das für mich an, als hätte er genau gewusst, wie deine Mutter reagieren wird und wollte dir mal vorführen, wie schlecht sie ist oder so.
(Ich reagiere auf so etwas total allergisch, weil meine Eltern gerne auch so Spielchen spielen.)

Mit deiner Mutter zu reden: Ich glaube einfach nicht, dass sowas funktioniert. Sie wird sich sicher allein schon aus Selbstschutz (wer ist schon gerne eine schlechte Mutter?) einfach total dagegen wehren. Und selbst wenn sie einsieht, was sie falsch gemacht hat und ein vernünftiges Gespräch möglich ist, wird sie sich in Zukunft höchstwahrscheinlich doch nicht ändern
Ich glaube, am besten ist, wenn man das mit sich selbst ausmacht (vielleicht mit Unterstützung durch einen Therapeuten) und sich mit manchen Dingen abfindet.

Und was heißt, du bist narzistisch? Ist bei dir eine narzistische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden? Oder fühlst du dich nicht wohl damit, dass du jetzt mal egoistisch bist und versuchst, deine Bedürfnisse auszuleben?

Laetitia

Inaktiver User
02.03.2007, 17:26
Sonnenbluemli,
hab grad nur kurz Zeit, aber auch eine sehr schwierige Mutter-Beziehung, von Anfang an (konkret gerne per PN, falls du es wissen willst).
Meine Erfahrung ist, dass das Reden über die Verletzungen eurer Beziehung nix bringt, weil sie (oder du) sich schuldig fühlen, alte Wunden aufgerissen werden und in den wenigsten Fällen ein Einsehen da ist. Daher würd ich dir raten: kläre deine GEfühlssituation mit dir selbst (und guten Freunden/einem Psychologen, wenn du dies möchtest), und nimm sie einfahc so, wie sie ist. Beschränke den Kontakt soweit, wie es dir guttut, mach klare Ansagen, was du möchtest und was dich verletzt ("wenn du wieder zum Thema XY schimpfen/nörgeln/jammern willst, ist unser Gespräch für heute beendet, weil mir das wehtut") und schau, dass du auf dieser nicht gerade idealen Basis wenigstens einen freundschaftlichen Umgang aufbauen kannst.
Bei mir hat es so ganz gut geklappt - sie ist sicherlcih nicht der nächste udn liebste Mensch in meinem Leben, aber ich kann mit ihr ohne Groll und gegenseitiges Verletzen umgehen, und freue mich sogar über gemeinsame Zeit. Und das ist doch auch schon was.

Alles Liebe wünscht dir T.

Simplemind66
02.03.2007, 17:49
bekommt man keine Soforthilfe, sondern man versucht per Gespräch, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Soforthilfe wäre mit persönlichem Kontakt verbunden und das ist dort *tabu*.
Ich denke, Sonnenblümli ist hier schon ganz gut aufgehoben, da sie einen Gedankenaustausch möchte.

LG
semiramis

Mit Soforthilfe meinte ich etwas anderes, nämlich Adressen an die sich Betroffene wenden können.

Ich habe auch nicht geschrieben, das sie hier nicht gut aufgehoben sei,sondern es als Hilfestellung gemeint, da sie schrieb: .
und dann ne vernünftige Therapie


Was ist an meiner Anregung falsch?

Isis
02.03.2007, 18:39
Hallo Sonnenblümli:blumengabe: ,

ich finde, für eine 20jährige bist du sehr reflektiert und ausgewogen! Und dass du deinen Weg gehst, das glaube ich schon. Lass dich nicht beirren, du bist nicht schlecht, du bist nicht unfähig - nein, du machst keinen chaotischen Eindruck und wenn du schon selbst erkennst, wo du noch Arbeit mit/an dir hast, so finde ich das bemerkenswert!

Ich bin nun gut doppelt so alt wie du und habe auch eine "gestörte" Beziehung zu meiner Mutter. Lange Jahre hatte ich wenig Berührungspunkte, nun leb ich wieder in der Strasse, wo meine Eltern wohnen u. wir haben ein Verhältnis wie zwischen Nachbarn, man grüßt sich...:knatsch: Unser Verhältnis war seit ich denken kann, schlecht, ich hab mich nie gut aufgehoben, geliebt und geborgen gefühlt, meine Eltern haben keine Ehe, sondern den 40jährigen Krieg, ich wurde damals schon mit reingezogen mit 11 Jahren u. sollte "Stellung" beziehen, wer von beiden wohl mehr schuld ist, habe immer Kälte, Streit und Desinteresse vorgelebt bekommen.

Inzwischen hab ich selbst meine Ehe beendet, weil es dort in die gleiche Richtung lief, hab auch eine Tochter und bete darum, dass unser so inniges, liebevolles Verhältnis auch durch die Pubertät so bleibt u. dass wir immer miteinander reden und uns liebhaben können! Wie sehr ich meine Kindheit u. das Verhalten meiner Mutter verabscheue, merke ich immer, wenn ich nur 5 min. mit ihr in einem Raum sein muss! Ich habe über die Jahre auch schon viele vergebliche Redeversuche gehabt, hab versucht, ihr mein Denken näherzubringen, hab gestritten, geweint und gebrüllt - es hat nichts bewirkt! Sie HAT nichts falsch gemacht in ihren Augen - ICH bin die, die IHREN Lebenstraum kaputt gemacht hat, weil ich mich von einem schwerreichen Mann trennte, bei dem ich doch ein tolles Leben hatte (er hätte mir sicher auch irgendwann die Therapiesitzungen wegen Depressionen bezahlt, die ich wegen ihm bekommen hätte:smirksmile: !).

Kurzum - inzwischen hab ich meinen Frieden gemacht, in dem ich sie max. 3,4 mal im Jahr um mich habe. Von mir aus suche ich gar keinen Kontakt mehr (wie gesagt, sie wohnt 50 m entfernt!). Ich glaube nicht, dass du was bewirken kannst, wenn sie nicht will u. nicht bereit ist, sich ihren Anteil an diesem Schlamassel anzusehen u. anzunehmen! Einer kann keine Beziehung allein aufrecht halten...

Geh deinen Weg, die Tips von Tanguera u. Hamster42 kann ich nur bekräftigen, man kann sich sonst sein Leben lang in Vorwürfen quälen u. die alten Wunden immer wieder aufreißen! Es ist vergeblich, wenn nicht zwei das gleiche wollen...

Ich wünsch dir, dass du deinen Weg gehst!:blumengabe:

Isis

Shiva59
03.03.2007, 03:12
Hallo Sonnenbluemli :blumengabe:

Auch meine Kindheit war nicht einfach und ich habe lange mit meinem Schicksal gehadert.

Bis ich zu der Erkenntnis kam:

Es ist doch so, dass jede Mutter und jeder Vater ihr Bestmögliches für ihre Kinder tun wollen, eigentlich will jeder Mensch "sein Bestes" tun.
Sieht man es so, tut deine Mum das Beste, was ihr derzeit möglich ist, könnte sie es besser, würde sie es sicher tun. Nun scheint das leider nicht viel gewesen zu sein und ist auch jetzt nicht viel.
Weißt du, wer weiß, was sie in ihrer Kindheit erlebt hat, was es für Gründe gibt, warum sie nicht "besser" handeln kann. Es hat sicher seine Ursachen.

Ich konnte mit dieser Sichtweise besser mit meiner Situation umgehen und habe meiner Mutti schon lange verzeihen können, das hat aber auch seine Zeit gebraucht.

Vieleicht hilft es dir ja auch ein bißchen.

Schöne Grüße
Shiva

Massashi
06.03.2007, 16:10
Hallo Sonnenbluemli!

Ich hoffe zwar auch wie eine der "Vorschreiberinnen" hier, dass die meisten Eltern versuchen, ihr Bestes zu geben, aber viele sind dazu einfach nicht in der Lage. Die Vorstellung, dass eine Mutter ihr Kind über Nacht aussperrt und Du frierend bis zum Morgen warten musst, finde ich ungeheuerlich. Ich weiß nicht mal, ob ich da Unfähigkeit als Grund akzeptieren kann, das ist kaltherzig und furchtbar. Ich weiß, wie sehr die Beziehung zu den Eltern die Beziehung zu sich selbst prägt und daher wirst Du Dich auch mit diesem Thema auseinander setzen müssen. Ich wünsche Dir, dass Du es trotz allem schaffst, Dir Dein eigenes Leben aufzubauen!
Kopf hoch! Wende Dein Gesicht wie Deine Namensgeberin der Sonne zu!

Massashi

Inaktiver User
07.03.2007, 22:18
Hallo Sonnenblümli!

Was? Schon mit 20 mit dem Rauchen aufgehört und jetzt das Leben aufräumen? :ooooh:

Ich bin wirklich beeindruckt und finde, daß Du früh in Deinem Leben sehr kluge und konstruktive Entscheidungen triffst. :blumengabe:

Es ist ein schwerer Sack, den Du da zu schleppen hast, aber Du bist auf dem richtigen Weg, laß' Dich nicht davon abbringen.

Deine Mutter scheint Dir echt nicht gut zu tun. So wie Dir geht es manch einem im Leben und viele kommen da irgendwann drüber weg.

Denk' dran: Du brauchst die Almosen oder erzwungene Liebe Deiner Mutter nicht (mehr). Du bist nun eine junge Erwachsene und wirst lernen, gut auf Dich selber Acht zu geben.

Die Knete für den Führerschein wirst Du schon irgendwann irgendwo herkriegen. Es muß ja auch nicht alles jetzt sofort passieren. Ich selber habe erst mit 27 Führerschein gemacht, alles selber bezahlt, denn ich hatte auch keinen Bock auf betteln.

Ich würde vorschlagen, viel Abstand zu Deiner Mum zu kriegen. Sie hat Dir ja schon sehr klar signalisiert, daß sie nicht ganz so sehr interessiert ist an einer schönen Mutter-Tochter-Beziehung (jetzt mal untertrieben). Diese Signale solltest Du akzeptieren und als Grundlage für weitere Entscheidungen im Umgang mit ihr benutzen.

Stelle Dich Deiner Realitiät und treffe weiterhin so realistische Entscheidungen!

Und stell' Dir auch mal vor, wie gut es Dir erst gehen wird, wenn Du erstmal 30 bist und wie Du viele Deiner jetzigen Probleme bis dahin überwunden haben wirst.

Und nochwas: sei nicht zu hart zu Dir. Es ist absolut keine Schande, mit 20 das Abi zu machen und noch keinen Führerschein zu haben. Solange Du nicht aufgibst, ist alles im grünen Bereich.
Sei lieb zu Dir selber.

Catinka

Fender
08.03.2007, 09:15
Oh Gott, ich hoffe, ich hab mich nicht zu chaotisch ausgedrückt und ihr versteht mein Problem.
Ich bin wirklich über jeden Rat/Kritik/Anregung/etc. dankbar, denn mir macht das tierisch zu schaffen :(

Hallo,

mal vorausgeschickt: Das, was Du am wenigsten brauchst, ist eine Therapie.
Das was Du am meisten brauchst, ist Lebenserfahrung. Und die kommt automatisch mit der Zeit. Nun gut, das ist aktuell wenig hilfreich, zugegeben.
Deine familiäre Situation ist eben die einer modernen Patchwork-Familie (oder auch Patchwork-Nicht-Familie :zwinker: ), mit allen Problemen, die sich daraus ergeben. Solche Fälle wie Deine hat es jedoch auch früher, in den guten, alten Heile-Welt-Familien-Zeiten schon gegeben. Zum Beispiel bei mir, wobei ich selbst eher ein Vater-Sohn-Problem hatte. Bei mir rührte das daher, dass ich meinem Vater zu ähnlich bin bzw. war. Ähnlich leicht cholerisch und davon überzeugt, dass der eigene Weg der einzig richtige sei...
:zwinker:
Wer mir damals übrigens gesagt hätte, dass ich "wie mein Vater" sei, hätte sich schon mal einen Krankenhaus-Termin für eine Not-OP reservieren können... :zwinker: Aber man wird älter und weiser und erkennt sich selbst besser... :zwinker:

In Zeiten der Pubertät musste diese Ähnlichkeit zwangsläufig zur Konfrontation führen. Die entlud sich dann einmal unschön in gegenseitiger (!) körperlicher Gewalt. Dies wiederum führte dann dazu, dass wir doch mal miteinander sprachen (da war ich schon 17), vorher waren unsere Gespräche immer ercht einseitige Erzeihungsmonologe von ihm. Jetzt begegneten wir uns auf gleichberechtigter Basis.
Und jetzt komme ich zum eigentlichen Thema (doch schon, Respekt! :zwinker: ): Ich meine jetzt nicht, dass Du wie Deine Mutter wärest, aber durch dieses eine Gespräch habe ich einiges gelernt!
Eltern(teile) sind auch nur Menschen. Dass sie Fehler machen, wusste ich ja vorher schon :zwinker: , aber dass sie Menschen mit Gefühlen, mit Selbstzweifeln sind, die darüber nachdenken, ob sie selbst nicht ihr Leben "verpfuscht" hätten... Das war mir neu.
Ich fühlte mich anschließend "ungeliebt", weil ich das Gefühl hatte - und in dieser Situation machte ich mir erstmals Gedanken darüber! -, dass er mich eigentlich gar nicht wollte. Ja, mein Vater wollte eigentlich keine Kinder, glaube ich jetzt. Gesagt hat er es nie. Er wollte eigentlich das Leben genießen, die Welt bereisen... Solche Gedanken hat man als "Kind" nicht, damit kann man sich gar nicht auseinandersetzen.
Plötzlich merkte ich aber "Holla, Dein Vater hat genau die gleichen Wünsche wie Du auch!"

Ich denke, für Dich wäre wichtig, die Frau, die Deine Mutter ist, als Mensch zu sehen - und nicht nur als Mutter. Ich weiß, das ist nicht sehr einfach. Das Unterbewusstsein spielt einem da manchen Streich... Man kann sich schwer in seine Eltern hineinversetzen. Aber auch sie sind Menschen mit Wünschen, Träumen, Hoffnungen.

Mein Vater liebte mich übrigens sehr, dennoch war er mit seinem Leben nicht ganz zufrieden. Das eine hat mit dem anderen nicht viel zu tun, wie ich lernte. Ich dachte immer, er kann mich ja gar nicht lieben, weil ich die Ursache dafür bin, dass sein Leben nicht so verlaufen ist, wie er es sich vorgestellt hatte. Das war aber nicht so.
Wir haben dann aber unseren "Frieden gemacht"... Und als er dann krankheitsbedingt viel zu früh starb... Nun ja, er fehlt mir sehr.

Du schreibst
Aber ich kann doch nicht immer zu allem Ja und Amen sagen, oder? Ich würde so gerne mal mit ihr über alles, über wirklich alles, reden und ganz offen und ehrlich, aber das geht einfach nicht, weil mich das jedes Mal so fertig macht und ich mir jedes Mal Dinge anhören muss, die mir wirklich zusetzen. Ich habe ein total schlechtes Gewissen ihr gegenüber, fühle mich ganz mies und weiß nicht einmal wieso, denn sie versteht es wunderbar, mir dieses einzupflanzen.
Hier beschlich mich das Gefühl, dass Ihr Euch eben nicht gleichberechtigt begegnet. Gut, Kinder werden immer Kinder sein, und Eltern immer Eltern. Und Eltern werden immer denken, dass sie ihre Brut beschützen müssen - aber auch, dass sie alles besser wissen...
:zwinker:
Mach Dir klar, dass Du an Eurem Problem nicht alleine "arbeiten" kannst. Deine Mutter muss von ihrem "Thron" als Mutter herabsteigen (wollen!) - und manche können das nicht.
Dann kannst Du allein noch so sehr strampeln, es wird keine Lösung für Euer Problem geben.

Inaktiver User
08.03.2007, 15:35
Es ist doch so, dass jede Mutter und jeder Vater ihr Bestmögliches für ihre Kinder tun wollen, eigentlich will jeder Mensch "sein Bestes" tun.

Ihr wollt immer nur mein Bestes. Aber ihr bekommt es nicht :freches grinsen:

fiel mir da grade ein...