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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gesundheit der Kinder nach IVF



Takri
12.09.2018, 22:05
Ich habe kürzlich diesen Artikel über die Folgen einer Kinderwunschbehandlung für das Kind gelesen:

Kunstliche Befruchtung: Diese Kinder sind doch nicht so gesund | ZEIT ONLINE (https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-09/kuenstliche-befruchtung-zeugung-kinderwunsch-fortpflanzung-kinder-gesundheit)

Was haltet Ihr davon?

Sasapi
12.09.2018, 23:11
Mein Englisch ist nicht gut genug, um die Originalstudie richtig zu lesen und einzuschätzen.

Im Ärzteblatt war ebenfalls ein Artikel.

Ich sehe es so: wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen wurden ( genetisch bedingte Herz- Kreislaufprobleme, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung) sollte man das weiter Beobachten und betroffene Kinder von Geburt an hinsichtlich dieser Probleme engmaschig überwachen, damit rechtzeitig eingegriffen werden kann, bevor es dauerhafte Schäden gibt.

Mambi
13.09.2018, 05:29
Vielleicht haben diese Kinder einfach einen hohen Blutdruck, weil sie öfter Helikoptereltern haben, die sie mit ständiger Sorge stressen ...? Die das so schwer "erarbeitete" Kind (vielleicht verständlicherweise) einfach über-umsorgen?
Nur mal so in den Raum geworfen.
Die "Kinder" (inzwischen Erwachsene), die ich kenne und die auf diese Art gezeugt wurden, sind so normal und gesund wie alle anderen.

maryquitecontrary
13.09.2018, 06:08
Es scheint sich schon um Mechanismen in den Gefäßwänden zu handeln, die auch tierexperimentell gezeigt werden konnten. Es sind noch relativ kleine Studien, aber die Tendenz scheint sich anzudeuten, dass die Kinder, die mit reproduktionsmedizinischer Hilfe gezeugt wurden, eine schnellere Gefäßalterung aufweisen. Man wird u.a. größere Studien mit genauerer Aufschlüsselung nach besonderen Risiken (Mehrlingsgeburten, mütterliche Eklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, arteriellem Hochdruck) abwarten müssen.

Convallaria
13.09.2018, 11:19
Hm, das liest man natürlich 5 Wochen vor ET mit einem ICSI-Baby nicht so gern :knatsch:

Meine Gedanken dazu:
- grundsätzlich denke ich, dass jeder, der eine unterstützte Befruchtung in Angriff nimmt, sich dazu Gedanken macht (machen sollte), was die Folgen sein könnten. Einmal für die behandelte Frau - die Hormondosen sind ja auch nicht ohne - einmal natürlich für die Kinder. Dass bislang keine negativen Folgen bekannt sind/waren, heißt ja noch lange nicht, dass es sie nicht gibt, sondern nur, dass die Forschung noch keine entdeckt hat. Ich kann nur für uns sprechen, aber wir haben das durchaus abgewogen.
- allerdings kann man natürlich nur nach aktuellem Info-Stand entscheiden; und da sieht es ja bislang so aus, dass zumindest keine massiven, gravierenden und deutlich sichtbaren/spürbaren Probleme auftauchen. Vor dem Hintergrund, dass man durchaus auch ohne unterstützte Befruchtung Gesundheitsrisiken "mitgibt", schien uns das Risiko damit vertretbar.
- rein wissenschaftlich finde ich das sehr interessant (losgelöst von meiner aktuellen Situation), die Ursachensuche ist sicher sehr spannend für die beteiligten Forscher, genauso wie es ja immer noch sehr viele offene Fragen nach dem "Warum" von Unfruchbarkeit gibt, ich denke, dass ist noch ein sehr großes&spannendes (wenn auch teilweise ethisch nicht ganz einfaches) Forschungsfeld. Ich habe auch schon mal eine Studie gelesen, nach der Kryo-Babies tendenziell bei der Geburt größer sind, da weiß man auch nicht so genau, warum. Es gibt schon noch sehr viele unerforschte Prozesse...
- die wichtigste Frage scheint mir aber zu sein, was man mit der Erkenntnis macht. Erst mal sicher noch weiter absichern/validieren, die Fallzahlen sind ja nicht so wahnsinnig groß und wer weiß, ob es nicht verzerrende Faktoren gibt. Aber dann, was ist die Konsequenz? Es gibt sicher einige, die das sofort als Grund sehen, IVF/ICSI per se abzulehnen, allerdings - wo hört man dann auf? Dürfen dann auch Familien, in denen z.B. Krebs gehäuft auftritt, keine Kinder mehr bekommen? Oder Familien, in denen psychische Erkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck auftreten? Schwierig. Ich sehe das wie @Sasapi - sofern sich das belegen lässt, sollte man dann solche Kinder bzw. später Erwachsenen besser überwachen. Letztendlich sind es auch "nur" Wahrscheinlichkeiten oder Risiken.

Cariad
13.09.2018, 12:37
Die Frage ist ja auch: Welche Schlüsse zieht man aus solchen Erkenntnissen? Man hat ja normalerweise nicht die Wahl: "will ich ein ICSI-Baby oder doch lieber ein natürlich gezeugtes?"

Jeder Mensch, der Kinder bekommt, gibt ihnen auch Risiken mit, die reichen von Kurzsichtigkeit oder Fettleibigkeit bis hin zum schweren Gendefekt. Manche sind auch selbst verantwortet und trotzdem akzeptiert - auch Rauchern rät man ja nicht vom Kinderkriegen ab.

Aber die Forschung ist auf jeden Fall interessant und sicher notwendig.

Mambi
13.09.2018, 12:41
Aber die Forschung ist auf jeden Fall interessant und sicher notwendig.
Ich sehe da eher einen negativen Touch - noch weiter hin zum perfekten Kind.
"Wenn Du dies und das beachtest, dann wird das Kind garantiert gesund." führt meiner Meinung nach zur Ausgrenzung von Eltern mit kranken oder behinderten Kindern, die von außen und sich selbst Vorwürfe in Richtung "warum habt ihr das nicht verhindert" hören ...
Von daher sehe ich das eher kritisch.
Was wäre denn die Konsequenz?
"Wir können kein gesundes Kind garantieren, also raten wir von IVF ab?"

Sasapi
13.09.2018, 12:44
So sehe ich es auch.
Wenn es tatsächlich an solchen Dingen wie z.b. der Nährlösung liegen sollte ist dem ja leicht abzuhelfen.

Saetien2
14.09.2018, 14:03
Wie bitte?

Das ist doch nicht "leicht", die richtige Nährlösung zu finden!

Takri
17.09.2018, 12:25
Ich finde solche Forschung und Erkenntnisse ja auch im Hinblick auf die Social-Freezing-Debatte interessant, weil sie die Situation noch mehr differenzieren.

Vielleicht könnte aus solchen und ähnlichen Erkenntnissen auch eine Debatte entstehen, wie die Lebenssituation von jungen Paaren so gestaltet sein könnte/müsste, dass auch eine frühere Schwangerschaft (mit dann geringerer Wahrscheinlichkeit für die Notwendigkeit unterstützender Maßnahmen) häufiger in Frage kommt.

Halina
17.09.2018, 13:41
Ich gebe zu, mich haben bei dem Artikel die aggressiven, besserwisserischen und unempathischen Leserkommentare weit mehr entsetzt als das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Aber natürlich ist es gut, das Risiko zu kennen und Kinder später darauf aufmerksam zu machen, dass sie diesbezüglich eine gute Vorsorge/Betreuung in Anspruch nehmen.

Mehr ergibt sich daraus für mich nicht als Elternteil zweier IVF-Kinder - außer, dass mich die Leserkommentare haben (ver)zweifeln lassen am seelisch-moralischen Zustand unserer Gesellschaft.

Bae
17.09.2018, 13:54
Diese Information bestärkt mich in meiner Haltung, die ich schon länger habe: menschliche Technik ist dem, was die Natur kann, massiv unterlegen. und wenn die Natur etwas nicht kann - so hat sie ihre guten Gründe dafür. Menschliche Ersatzlösungen sind nie so gut wie das Original, die bringen immer ihre eigenen Probleme mit sich, und das an Orten, die man selten vorhersehen kann. (warum ausgerechnet die Gefässwände bei IVF?)

Auf Technik, und speziell hochgezüchtete Technik, greife ich zurück, wo es nötig ist, aber sonst lieber nicht, wenn ich es irgend vermeiden kann.

gruss, barbara

Maude_eduaM
17.09.2018, 20:46
Interessant wäre doch die Korrelation zwischen Verbleib in der Nährlösung und der Häufigkeit des Auftretens der Gefässprobleme oder auch Kryokonservierung oder Transfer im Frischversuch.
Im Ganzen finde ich das Verhältnis zwischen Informationsgehalt und Stimmungsaufbau im Artikel etwas schwach. Schade. Das Thema gäbe sicher einiges her - wenn denn die Studienresultate tatsächlich so aussagekräftig sind wie es suggeriert wird.

Und zum Kommentar direkt vor mir: Ich möchte nicht global entscheiden müssen was in diesem Zusammenhang „nötig“ ist und was nicht, genauso wie ich bspw. nicht entscheiden möchte für wen bei einer Zahnbehandlung eine Betäubung „nötig“ ist und für wen nicht.

Convallaria
26.09.2018, 15:22
Hallo zusammen,

es gibt einen Folgeartikel bzw. zwei Interviews, die die Aussagen ein wenig relativieren und vor allem detaillierter und m.E.n. auch neutraler beleuchten:

Kunstliche Befruchtung: "Der allergrosste Teil der Kinder ist gesund" | ZEIT ONLINE (https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-09/kuenstliche-befruchtung-gesundheit-risiken-embryonenschutz/komplettansicht)

Fand ich ganz interessant.

Viele Grüße
C.