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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte



Wings
05.07.2018, 14:41
Hallo,

ich habe hier noch nie mitgeschrieben, aber schon viel mitgelesen. Jetzt benötige ich Feedback von Personen, die weder mich noch meinen Mann kennen, um die ganze Sache von einer unpersönlicheren Perspektive aus betrachten zu können.

Kurz zu mir (39) und meinem Mann (50): wir sind seit 4 1/2 Jahren zusammen und seit zwei Jahren verheiratet. Wir verdienen beide gut und sicher, er deutlich mehr als ich, wobei mir mein Job deutlich mehr Sinn und Freude bereitet und ich mir nicht vorstellen kann, lange (überhaupt?) auszusetzen. Sein Kinderwunsch ist deutlich stärker als meiner, schon bei unserem Kennenlernen hatte ich ihm gesagt, dass bei mir die Tendenz in dieser Hinsicht deutlich gegen "nein" geht, allerdings wollte er mich trotzdem haben.

Seit drei Jahren befinden wir uns aufgrund seines extrem schlechten Spermiogramms in der Kinderwunschhölle, außer zwei Fehlgeburten kam bisher nichts dabei herum. Ich hatte mich damals aus Liebe zu ihm dazu entschlossen, wenigstens zu versuchen, ihm seinen Wunsch zu erfüllen und dachte, dass ich das Kind dann schon lieben würde, wenn es einmal da ist. Ich bin ja schließlich kein Eisklotz, mit fremden Kindern kann ich sehr gut und geduldig umgehen, ich liebe den Duft von Babys, nehme ich auf den Arm und küsse sie (während mein Verstand daneben steht und sich fragt: bist du bescheuert, was tust du hier!) und vielleicht richten es ja dann doch die Hormone und lassen mich die Fremdbestimmung wenigstens ertragen. Andere sagen immer wieder, was für einen wunderbare Mutter ich wohl wäre und wie schade es wäre, wenn ich keine Kinder hätte. Ich hätte so viel zu geben.

Nach einer längeren Pause und aufgrund meiner mittlerweile deutlich schlechteren Eizellen entschlossen wir uns zu einer Eizellenspende im Ausland. Mittlerweile hatte ich im Job ein neues Aufgabengebiet übernommen, was mir sehr viel Spaß aber auch Stress bereitet und für das ich immer noch in Weiterbildungen stecke. Auf dem Weg zur Klinik in der am nächsten Tag der Embryonentransfer stattfinden sollte, überkamen mich auf einmal extreme Heulattacken (nein, normalerweise bin ich überhaupt nicht nah am Wasser gebaut) und eine starke Aversion gegen das, was dort stattfinden sollte. Ich hatte aufeinmal das Gefühl, mein Leben sei nun zuende. Ich sagte ihm, dass ich es nicht könne, er war natürlich absolut entsetzt und sprachlos. Ich habe ihn also alleine in die Klinik geschickt mit dem Auftrag, das Ganze abzusagen und die Embryonen einzufrieren. Auf dem Heimweg sagte er mir, er wisse nicht, was er nun denken und fühlen solle und dass das, was ich getan hätte, schlimmer sei als fremdgehen. Ich saß neben ihm und habe nur geweint. Das Ganze war vor ca. drei Wochen.

In den Tagen darauf hatten wir uns wieder zusammen gerissen, teils ging er dann doch recht liebevoll mit mir um. Vor einigen Tagen dann setzte nach Absetzen der Medikament eine starke Blutung mit Krämpfen ein. Die Blutung besteht immer noch, die Krämpfe sind weg aber ich hatte nun so starke Heulattacken bekommen, dass ich für einige Tage krankgeschrieben wurde. Ihm war nichtmal bekannt, dass durch starke Hormonschwankungen Depressionen hervorgerufen werden können und sein Verständnis ist gelinge gesagt eher mäßig ausgeprägt. Leider ist er ein Mann, der seine Konflikte mit sich selbst ausmacht und anderen Menschen keinen Einblick gewährt. Gleichzeitig habe ich ihm gesagt, dass nun das Ende meiner Leidensfähigkeit erreicht ist, ich keine weitere Behandlung mehr ertrage und dass ich mich selbst schützen muss. Weiter bezweifle ich, dass ich eine so gute und aufopferungsvolle Mutter sein könne, wie es die Gesellschaft fordert und wie es ein Kind verdient hat. Ja, ich liebe meine Freiheit, Fremdbestimmung lässt mich zum Tiger im Käfig werden, der alles angreift, was sich ihm nähert. Ich trainiere viel und liebe meinen Körper wie er ist und die Vorstellung, irgendwie "bewohnt" zu werden ist mindestens befremdlich ebenso wie die ständige Einmischung Fremder. Eine Schwangere und Mutter scheint nicht mehr sich selbst zu gehören sondern der Gesellschaft, dies ist für mich eine geradezu unerträgliche Vorstellung. Ich würde selbstverständlich zurückstecken müssen, da er viel mehr verdient als ich und ich als Beamtin natürlich deutlich besser eine Auszeit nehmen / Teilzeit arbeiten kann als er.

Nun weiß ich nicht, was ich tun soll. Soll ich warten, bis sich die Hormone beruhigt haben, soll ich es ihm zuliebe dennoch tun, habe ich ein Recht auf Verständis von seiner Seite oder bin ich tatsächlich die Verräterin, die ihn seines Traumes beraubt? Ich muss dazu sagen, dass er das einzige Kind seiner Eltern ist und dies auf für sie die letzte Chance auf ein Enkelkind ist.

Es tut mir leid wegen des langen Textes, aber ich wollte für die Beurteilung der Lage zumindest die wesentlichen Informationen liefern.

Vielen Dank für´s Lesen,

Wings

brighid
05.07.2018, 14:56
die meisten kinderwunschkliniken haben entweder eigene psychologen oder können adressen vermitteln, die sich mit dieser thematik, verletzungen, ängsten und ......................................... gut auskennen.

ich möchte dir raten: begebt euch in professionelle hände und nimm das forum hier vielleicht als back-up- wenn überhaupt.

ich glaube, es ist zeit, dass ihr, mit moderations-hilfe, miteinander redet und mehr über den andern lernt und wahrnehmt.

ich bin mir sicher, nach deiner schilderung, dass er davon (es nach aussen tragen) nicht begeistert sein wird- aber dann fange es für dich an. vielleicht kommt er ja dann doch irgendwann mit.

Wings
05.07.2018, 15:20
Hallo Brighid,

du hast natürlich Recht, dass es wahrscheinlich gut wäre, wenn wir professionelle Beratung in Anspruch nehmen würden. Vielleicht tatsächlich erst einmal ich und dann wir beide. Es würde natürlich nur dann Sinn machen, wenn er auch dahinter steht und nicht nur mir zuliebe mitkommt.

Leider ist er ein Mann, der nicht viel redet. Nicht mit mir und auch mit sonst niemandem, er hat z.B. keine Freunde, denen er soetwas anvertrauen könnte. Er ist ja immer der starke und erfolgreiche Macher, der sich nach außen keine Schwäche erlauben kann und auch bei anderen Personen keine duldet.
Ich würde gerne mit ihm reden, aber er blockt immer wieder ab.
Sprüche wie "nicht jetzt - bitte keine Problemgespräche - können wir später darüber reden - nicht noch mehr Druck, ich habe eh schon so viel Druck..." sind leider Alltag.
Auf der anderen Seite ist er mir gegenüber manchmal eine regelrechte Mimose die sich alles zu Herzen nimmt und Anmerkungen meinerseits sofort als Vorwurf auffasst. Sogar Blicke werden als Vorwurf interpretiert...

Margali62
05.07.2018, 15:28
Alfred, ich möchte gerne mit dir morgen Abend reden, bitte nimm dir nichts vor. Es ist wichtig.


Zitat Ja, ich liebe meine Freiheit, Fremdbestimmung lässt mich zum Tiger im Käfig werden, der alles angreift, was sich ihm nähert. Ich trainiere viel und liebe meinen Körper wie er ist und die Vorstellung, irgendwie "bewohnt" zu werden ist mindestens befremdlich ebenso wie die ständige Einmischung Fremder. Das MUSS er wissen, dass du so denkst. Da läuft doch grundsätzlich was aus dem Ruder.

Margali62
05.07.2018, 15:28
Wäre eine Adoption für euch eine Option?

Wings
05.07.2018, 15:36
Nein, mit dem Gedanken an eine Adoption kann ich mich nicht anfreunden. Irgendwie möchte ich dann doch, dass das Kind wenigstens mit einem von uns beiden blutsverwandt ist, außerdem sind wir sowieso schon zu alt.
Es wäre ihm auch sehr schwer zu vermitteln, ein fremdes Kind zu sich zu holen, wenn doch noch Kryo-Embryonen bester Qualität und mit seinen Genen auf Eis liegen und sich das "dumme Weibchen" nur dem Einsetzen verweigert!

maryquitecontrary
05.07.2018, 15:45
Abgesehen von dieser Fragestellung, wie sprecht ihr sonst miteinander, wie gut kennt ihr euch, wie geht ihr mit Unterschieden und Konflikten um?

Wings
05.07.2018, 16:06
Ich glaube, dass wir insgesamt zu wenig miteinander sprechen, weil wie oben schon erwähnt, gerne abblockt und ich ihn nicht noch zusätzlich nerven will.

Manchmal weiß ich nicht, wie gut ich ihn überhaupt kenne. Ich habe mal zu ihm gesagt, dass er für mich manchmal eine Blackbox ist mit Teflon-Oberfläche, dass ich nicht wüsste, was in ihm vorgeht und er es mir leider nicht mitteilen möchte.
Ich teile mich mit und manchmal denke ich, dass er damit überfordert ist, wenn ich starke Emotionen zeige, gerade, wenn sie nicht nur positiv sind.

Wenn wir Konflikte haben, versuchen wir, diese auf rationale Weise zu lösen, was meist auch ganz gut funktioniert. Er ist sehr lösungsorientiert, vor einem emotionalen Ansatz scheint er sich regelrecht zu fürchten (er ist Naturwissenschaftler). Auf der anderen Seite haben mir Leute erzählt, die ihn schon seit Schulzeiten kennen, dass er eigentlich ein sehr sensibler und auch gefühlvoller Kerl ist, der anscheinend nun eine Wand aufgebaut hat, damit er dem Bild des harten Mannes entspricht. Auch sei ich die erste Frau, die ihm überhaupt die Stirn bietet, die Damen davor hätten sich entweder komplett angepasst oder hätten sich nie tiefer auf ihn eingelassen, da er nunmal ein schwieriger Mensch sei.

Manchmal lässt sich der gefühlvolle Mann auch bei mir blicken, wenn er z.B. aufeinmal extrem kuschelbedürftig und anhänglich wird.

Wolkenschaf3
05.07.2018, 16:17
Ich habe ein Kind aus einer künstlichen Befruchtung, aber eine Eizellspände hätte ich mir nie vorstellen können, weil es gefühlt nicht 100% mein Kind gewesen wäre. Es wäre mir deutliche schwerer gefallen, Schwangerschaft, berufliche Nachteile etc. auf mich zu nehmen. Und ich hätte es mir auch schwierig vorgestellt zu wissen das das Kind genetisch nicht meins ist aber seins schon.Bist du der sicher das es am Verlust der Freiheit liegt oder kommst du mit der Eizellspende nicht klar.

Cariad
05.07.2018, 16:25
Liebe Wings
ihr seid seit viereinhalb Jahren zusammen und seit drei Jahren in der "Kinderwunschhölle". Und das, obwohl du eigentlich gar keinen tief sitzenden Kinderwunsch hast. Ich finde, dein Mann bürdet dir sehr viel Verantwortung auf, wenn du quasi auf den letzten Drücker noch seinen Kinderwunsch erfüllen sollst. Als ihr zusammen kamt, war er Mitte vierzig - ich frage mich, wo dieser starke Kinderwunsch in den zwanzig Jahren davor war, zumal er sich ja offenbar mit den Nebenwirkungen einer Schwangerschaft (ja, auch da können die Hormone Achterbahn fahren!) nie auseinander gesetzt hat? Ist er sich überhaupt bewusst, dass kleine Kinder explodierende Bündel aus Irrationalität sind?

Du bist nicht zu alt, um Kinder zu bekommen, und ich glaube durchaus, dass sich die tiefe Liebe zu einem Kind auch dann entwickeln kann, wenn kein dringlicher Kinderwunsch vorhanden war. Aber hier liegt so viel schief. Komm erstmal runter. Zeitlich seid ihr doch jetzt eigentlich aus dem Schneider. Sag ihm, dass es dir nicht gut geht und dass du erstens Zeit brauchst und zweitens mit ihm sprechen möchtest, sobald du wieder Boden unter den Füßen hast. Rein rational kann man sehr gut über Hormone sprechen.

Cariad
05.07.2018, 16:27
Ich habe ein Kind aus einer künstlichen Befruchtung, aber eine Eizellspände hätte ich mir nie vorstellen können, weil es gefühlt nicht 100% mein Kind gewesen wäre. Es wäre mir deutliche schwerer gefallen, Schwangerschaft, berufliche Nachteile etc. auf mich zu nehmen. Und ich hätte es mir auch schwierig vorgestellt zu wissen das das Kind genetisch nicht meins ist aber seins schon.Bist du der sicher das es am Verlust der Freiheit liegt oder kommst du mit der Eizellspende nicht klar.

Das würde ich für mich unterschreiben. Ebenso wie bei einem adoptierten Kind hätte ich bei dieser Behandungsmethode auch die Sorge gehabt, das Kind nicht durchweg als meines ansehen zu können.

Mailine
05.07.2018, 16:52
Liebe Wings,
ich bin entsetzt.:ooooh: Es ehrt Dich, ihm zuliebe doch ein Kind bekommen zu wollen. Es ehrt Dich sehr!
Doch wo bleibst Du dabei?
Vier ICSIs und eine Eizellenspende (!) in Deiner Situation sind der Hammer! Ich selbst war lange in der Kinderwunchhölle, wie Du schreibst. ABER: ICH hatte einen irrsinnigen Kinderwunsch. Ich habe alles dafür getan, meinen und unseren Wunsch zu erfüllen. Ich hätte noch mehr getan. Vermutlich hätte ich meine Seele verkauft. Ich hätte auch eine Eizellenspende in Erwägung gezogen, wenn es schließlich nicht doch geklappt hätte.

Mit etwas Widerwillen, Respekt und Scheu wäre ich auch das Projekt Eizellspende angegangen. Das jedoch nur, weil mein Kinderwunsch mächtig war. Wegen meiner großen Sehnsucht nach einem Kind, habe ich ICSIs über mich ergehen lassen. Den Gedanken an eine Eizellespende zugelassen... All das habe ich als Chance gesehen.
Sehr genau hatte ich gemerkt, was das mit mir machte.
Man macht nicht eben mal so eine ICSI. Man macht nicht eben so mal eine Eizellspende.

Was Du tust, liebe Wings, so kommt es bei mir an: Du verbiegst Dich für ihn komplett, Du drehst Dein Inneres nach Außen, Du lässt in Deinen Körper eingreifen, obwohl Du es aus tiefstem Herzen überhaupt nicht wollen kannst.
Du mißbrauchst Dich selbst. Entschuldige bitte den harten Ausdruck.
Allein Deine Reaktion kurz vor der Eizellspende ist mehr als deutlich.
Für mich ist Deine Reaktion absolut und voll und ganz nachvollziehbar.
Es klingt schon fast traumatisch. Wenn ich mich in Dich hinein versetze, kann ich fast nachfühlen, wie es Dir ergangen sein muss. Furchtbar.

Allein der Gedanke, da lässt man sich eine Eizelle einer fremden Person einsetzen....
Es wäre ja nichts von DIR gewesen. Von ihm, ja, von Dir.... was? Die Eizelle hätte sich in Deinem Körper einnisten können, Du hättest schwanger werden können. Wie hättest Du die Schwangerschaft erlebt? Hättest Du das Kind lieben können? Hättest Du ihn weiter lieben können, später... ? Welche Gefühle hätte eine Schwangerschaft und eine Mutterschaft bei Dir ausgelöst?
So viele Fragen....
So eine weitreichende und wichtige Entscheidung.


Liebe Wings,
ich meine aus der Ferne sagen zu können: Verbieg Dich nicht für ihn.
Wenn es sein größter Wunsch ist, ein Kind zu bekommen, warum hat er noch keins?
Auf den letzten Drücker Dir all diese körperlichen und psychischen Strapazen zuzumuten, ist schon arg....

Du hast es für ihn versucht. Du kannst nicht mehr geben.
Es ist in Ordnung.

Jetzt wäre es an ihm, zu akzeptieren und zu respektieren, dass es für Dich Grenzen zu geben scheint.

Mailine
05.07.2018, 17:20
Nach einer längeren Pause und aufgrund meiner mittlerweile deutlich schlechteren Eizellen entschlossen wir uns zu einer Eizellenspende im Ausland. Mittlerweile hatte ich im Job ein neues Aufgabengebiet übernommen, was mir sehr viel Spaß aber auch Stress bereitet und für das ich immer noch in Weiterbildungen stecke. Auf dem Weg zur Klinik in der am nächsten Tag der Embryonentransfer stattfinden sollte, überkamen mich auf einmal extreme Heulattacken (nein, normalerweise bin ich überhaupt nicht nah am Wasser gebaut) und eine starke Aversion gegen das, was dort stattfinden sollte. Ich hatte aufeinmal das Gefühl, mein Leben sei nun zuende. Ich sagte ihm, dass ich es nicht könne, er war natürlich absolut entsetzt und sprachlos. Ich habe ihn also alleine in die Klinik geschickt mit dem Auftrag, das Ganze abzusagen und die Embryonen einzufrieren. Auf dem Heimweg sagte er mir, er wisse nicht, was er nun denken und fühlen solle und dass das, was ich getan hätte, schlimmer sei als fremdgehen. Ich saß neben ihm und habe nur geweint. Das Ganze war vor ca. drei Wochen.


Wings


Wings, lass Dir da nichts einreden! Was Du getan hast, war völlig in Ordnung. Du hast Deine Meinung geändert. Das ist Dein Recht.
Der Vergleich mit dem Fremdgehen hinkt und er ist unpassend. Lass Dich bitte nicht unter Druck setzen!

Allein diese Situation zeigt, dass er nicht emphatisch Dir gegenüber war. Er konnte sich nicht in Dich hineinfühlen und nicht für Dich da sein, wie es seine Aufgabe in diesem Moment vor der Eizellspendenklinik gewesen wäre.
Wie waren denn die Drei Wochen danach bezüglich der Eizellspende? Hat er es Dir nachgetragen?

Weiter schreibst Du von anderen, die Dir sagen, was für eine gute Mutter Du wärst.
Lass Dich auch da nicht beeinflussen.
Nimm Dir die Zeit, zur Ruhe zu kommen. Es sacken zu lassen. Dann warte ab, und versuche heraus zu finden, wie Dein eigener Kinderwunsch ist. Wenn dabei heraus kommt, Du möchtest kein Kind, kommunizier das mit deinem Mann.

Du schreibst viel von Fremdbestimmung und dass Du sie nicht haben kannst.

In der Kinderfrage hast Du Dich jedoch beinah fremd bestimmen lassen.

Wolkenschaf3
05.07.2018, 17:38
Das würde ich für mich unterschreiben. Ebenso wie bei einem adoptierten Kind hätte ich bei dieser Behandungsmethode auch die Sorge gehabt, das Kind nicht durchweg als meines ansehen zu können.

Bei einem adoptierten Kind wäre es aber klar und eindeutig hier ist das dann so eine Zwischensituation , man gibt der Umwelt ja wahrscheinlich auch vor dass es das leibliche Kind ist.

2believe
05.07.2018, 17:40
Ich möchte gerne die Aussagen von mailline voll und ganz unterstreichen!

Ein Kind zu bekommen ist etwas sehr weittragend. Diese Entscheidung fast ausschließlich dem Partner zuliebe zu treffen beinhaltet schon einiges an Selbstaufgabe. Aber verbunden mit ICSI und sogar Eizellenspende macht mich das ehrlich gesagt sprachlos. Du sollst für ihn seine Gene weitertragen und auch alle Mittel mitmachen ohne dass du überhaupt selbst möchtest. Das ist schon harter Tobak.

Tatsache ist, dir geht es nicht gut dabei.

Ich wünsche dir, dass du den Weg findest dir über deine Wünsche klar zu werden. Nur diesen Weg kannst du authentisch gehen!

Alles Gute

Aen
05.07.2018, 18:35
Nun weiß ich nicht, was ich tun soll.

Ich würde sagen, auf die innere Stimme hören, die seit geraumer Zeit Nein brüllt. :blume:


Gruß,
Aen

Wings
05.07.2018, 19:10
@ Cariad
ich glaube, sein Kinderwunsch war immer schon da, was mir auch seine alten Freunde erzählt hatten. Nur, dass er wohl bisher nie die richtige Frau dazu hatte bzw. wohl nie eine bereit war, aufgrund seiner Problematik diesen Weg zu gehen, den ich bereit war zu gehen. Weiter hatte er sehr lange an einer Beziehung festgehalten, bei der die Frau ewig herumeierte und sich nie wirklich zu ihm bekennen wollte.

Zu den Nebenwirkungen einer Schwangerschaft: ich glaube, er stellte sich das ungefähr so vor "die Frau wird schwanger, kotzt am Anfang ein wenig, sieht irgendwann so aus, als hätte sie nen Fußball verschluckt, dann ist der Fußball weg und das wonnige Kindchen da und alles ist schön". Das war jetzt sehr polemisch, aber so kommt es mir eben vor. Bzgl. der Stimmungsschwankungen müsse man sich eben zusammen reißen! Nachdem er noch nie ernsthaft mit Kindern zu tun hatte, hat er keine Vorstellung von deren Irrationalität. Ich dagegen durchaus, da ich AuPair für drei Jungs zwischen 2 und 7 war :-)

@Mailine
ich glaube, du hast mit Allem Recht, was du schreibst. Ich wäre mir vorgekommen, als hätte man mich vergewaltigt, hätte ich die Embryonen angenommen. Ich konnte mir rational noch so sehr vorstellen, diesen Weg zu gehen, wenn es auf anderem Weg nicht funktioniert, aber dann hat meine Seele ganz laut protestiert. So laut, dass ich sie nicht mehr ignorieren konnte.

Die Schwangerschaft hätte ich wohl nicht als Genuss erlebt (aber mit meinen eigenen Eizellen wohl auch nicht), ich hätte es irgendwie ertragen und gehofft, keine Langzeitschäden davon zu tragen. Vor allem wäre ich jedem an die Gurgel gegangen, der mir dann noch Verhaltensregeln "meinst du, der Sport ist gut in deinem Zustand?", "meinst du, du solltest jetzt noch fliegen?" etc. aufgedrückt hätte. Für die Mordrate in meiner Stadt würde ich dann nicht mehr garantieren :grmpf:

Das Kind hätte ich wohl schon geliebt. Es kann ja nichts dafür und wie gesagt, mein Herz ist nicht aus Stein, ich finde Kinder grundsätzlich prima, nur kann ich mich mit dem Gedanken an jahrelange Fremdbestimmung überhaupt nicht anfreunden. Ich scheue nicht die Verantwortung, ich verabscheue andere Menschen, die es "nur gut" meinen, KiGa, Schule, zahlreiche Zwänge, denen ich mich nun unterwerfen muss, ständiges Be- und Verurteilen durch Menschen, die mir am Allerwertesten vorbeigehen...Ich fürchte, mich in dieser Mühle selbst zu verlieren und nur noch ein Bedürfniserfüllungsroboter zu werden.

Irgendwo habe ich mal gelesen "wenn du dich ständig denjenigen aufopferst, die du liebst, wirst du irgendwann die hassen, die du liebst". So könnte es mir auch gehen und ja, ich würde evtl, sogar irgendwann meinen Mann hassen, weil ich es für ihn getan habe und ich nicht das zurück bekomme, was ich denke, dass ich mir dafür verdient habe. Kleiner Nebenaspekt: er sagt zwar, er würde seine Arbeitszeit reduzieren, wenn erstmal ein Kind da sei. Nun, er verpricht mir seit Jahren, weniger zu arbeiten, es ist eher das Gegenteil passiert. Wie soll diese Reduzierung aussehen: von 60h auf 40h?

Ob er es mir nachträgt, weiß ich nicht. Jedenfalls sagt er, er müsse jetzt verarbeiten, dass er wohl keine Kinder haben wird. Er sei so nahe dran gewesen und jetzt sei ihm die Hoffnung genommen worden. Aber er sieht durchaus, dass ich meine Grenze erreicht habe, allerdings weiß ich nicht, ob er denkt, dass die Grenze noch nicht erreicht wäre, wenn ich nur etwas stärker wäre. Er hätte in seinem Leben jedenfalls immer Alles gegeben, um zu erreichen, was er wollte...
Vor der ersten Behandlung hatten wir uns darauf verständigt, dass wir nur das tun, was ich bereit bin zu tun und dass er mir dann keine Vorwürfe machen wird. Ich fordere nun ein, dass er sein Versprechen hält.

Cariad
05.07.2018, 19:25
Eher aus Neugier: hätte er auch ein Kind per Samenspende gewollt, da ja sein Spermiogramm auch nicht gut war?

Wings
05.07.2018, 19:50
Grundsätzlich ja, allerdings wäre ihm eine Eizellenspende lieber gewesen, "Mann" gibt ja schon lieber seine eigenen Gene weiter.

Ich selbst halte meine Gene grundsätzlich nicht für unverzichtbar für die Welt.

jubidu
05.07.2018, 20:17
Ich finde Mailines Beitrag toll, denn er transportiert so viele Gefühle! Gefühle, die du liebe TE nach außen transportieren solltest und darfst!

Irgendwer schrieb, dass du dich die letzten Jahre hast fesseln lassen (sinngemäß), genau das getan hast, was ja ein Hauptgrund für dich ist,keine Kinder zu wollen. Und ich denke, es ist an der Zeit dich damit auseinanderzusetzen. Vielleicht ist es nämlich genau die Tatsache, dass du hier eine “Schwäche“ hast, nämlich dich anderen bis zur Selbstaufgabe unterzuordnen, die dich keine Kinder wollen lässt. Und vielleicht,ganz vielleicht, würdest du sogar von Herzen welche wollen, könntest du diese innere “Baustelle“ aufdröseln..

Hier gibt es übrigens noch ganz viele Aspekte. Zum einen: wenn dein Mann sagt, er würde “alles“ dafür tun ein Kind zu haben,ist ihm klar, dass das mal glatt gelogen ist? Denn unter alles fällt auch sich zu öffnen, Beziehung- und Eigenarbeit zu leisten, der Wille zur Reflexion!! Soo wichtig war es ihm dann wohl doch nicht. Schönes Argument, was man dem anderen um die Ohren hauen kann. Aber er hatte mal gute >zehn Jahre mehr Zeit als du dieses “alles“ unter Beweis zu stellen, oder?
Ich bin darüber hinaus aber voller Mitgefühl für seinen Kummer, den er jetzt hat. Denn ja, es kann ein tiefer Verlust sein, eine große Traurigkeit und dafür bedarf es Mitgefühl und Zeit!

Und ja, ich sehe auch eine Teil“schuld“ bei dir. Denn du hast ihn/euch nunmal insofern “hintergangen“ als dass du nicht authentisch warst, nicht bei dir und deinen wünschen geblieben bist und so Hoffnung geweckt hast.

Viel viel was es zu verarbeiten, bestenfalls besprechen, zu fühlen und auch zu verzeihen gibt. Dem anderen und auch sich selbst. Jeder von euch.

Alles gute!

Aen
05.07.2018, 21:08
Hi Wings,

ich hoffe, ich trete Dir nicht zu nahe, wenn ich Dir kurz da lasse, was mich ehrlich irritiert. :blume:

Du beschreibst Dich, nach allem, was Du über Dich zu wissen scheinst, als jemand mit einem ausgeprägten Frühwarnsystem für jede Art von Fremdbestimmung - und Abwehrreaktionen, wo sie für Dich bedrohlich zu werden beginnt. Dass das ein Hauptwesenszug von Dir ist, kann Deinem Mann in den Jahren eures Zusammenseins (auch im Umgang mit Freunden und Familie usw.) kaum verborgen geblieben sein. Jedenfalls dann nicht, wenn Du das Bild, das Du hier in knappen Strichen von Dir zeichnest, auch lebst.

Wie konnte Dein Mann unter diesen Vorzeichen auf die Idee kommen, eine Eizellenspende wie überhaupt eine mit erheblichem Aufwand unter Fremdeinwirkung auf den Weg gebrachte Schwangerschaft "ginge" für Dich ... für euch? Wie kommt dieses grandiose Missverständnis zustande und weshalb überdauerte es "vier ICSIs und eine abgebrochene Eizellenspende"?

Gruß,
Aen

brighid
05.07.2018, 21:52
ich war jetzt ein paar stunden offline.

wie willst du denn überhaupt eine ehe, eine beziehung, ein kind aufziehen wenn er nicht reden kann?


ich glaube deine zweifel beziehen sich eher auf sein konflikt-verhalten als auf die eigentliche kinderfrage.

wenn er nicht reden will- hast du zwei möglichkeiten: lasse dich auf SEINE wünsche ein und bleibe dann letztendlich emotional gesehen eine alleinerziehende- verheiratete mutter. oder sage ihm: so nicht!

Wings
06.07.2018, 13:52
@jubidu
ich habe durchaus die Tendenz, sehr viel für die Personen, die mir wichtig sind, zu tun. Dies sind nur sehr wenige Menschen, aber wenn ich jemanden liebe, dann von ganzem Herzen und bin so auch bereit, so viel wie mir möglich ist, zu tun, um diese Menschen glücklich zu sehen. Möglicherweise wäre ich bei einem Kind so ähnlich und würde mir dann ein beständiges schlechtes Gewissen machen, wenn ich damit anfangen würde, mich aus Selbstschutz abzugrenzen.

Ich schrieb in einem anderen Post, dass ich gerade das Aufgabengebiet in meinem Job gewechselt hatte. Ich habe mir auch hier wieder ein Stück Freiheit zurück geholt, das ich die letzten drei Jahre aufgegeben hatte zugunsten beziehungs- und evtl. familienfreundlicheren Arbeitszeiten und Bedingungen. Der Preis den ich dafür bezahlt hatte, war Langeweile und das Gefühl, auf den Abstellgleis zu landen. Zum Glück war diese Entscheidung reversibel, jetzt bin ich beruflich wieder glücklich und meine Lebenszufriedenheit ist deutlich gestiegen. Selbstverständlich bin ich nun nicht versessen darauf, dies wieder aufzugeben und sei es nur für eine Weile. Teilzeit arbeiten ginge zwar recht gut, allerdings würde ich dann zwangsläufig in eine Teil-Abhängigkeit von meinem Mann hineinrutschen, die ich hassen würde.

Ich hätte auch hier von Anfang an auf mich selbst hören sollen und nicht dem Drängen anderer Personen (hier: frische Beziehung) nachgeben sollen. Meine beste Freundin sagt schon seit Jahren zu mir, sie erkenne mich nicht wieder, ich sei noch nie so angepasst gewesen, das sei doch überhaupt nicht meine Art. Recht hat sie!

Und ja, auch mein Mann hätte die Aufgabe, mal in sich zu gehen und sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Vielleicht tut er es ja sogar, aber er teilt sich mir leider nicht mit. Es ist allgemein so, dass er sich kaum für Dinge entschuldigt, die er getan hat, ich merke es allerhöchstens in einer Verhaltensänderung Tage später oder in besonderer Zuwendung, aber ein "es tut mir leid" kommt ihm wohl nur unter großen Schmerzen über die Lippen.

@Aen

Wie er auf die Idee kommen konnte, dass diese Behandlungen für mich ein Weg wären? Ich glaube, ich habe mir selbst und damit ihm in dieser Hinsicht etwas vorgemacht in der ersten Beziehungseuphorie, später wurde es zum Selbstläufer. Und weil ich grundsätzlich auch daran glaube, dass man sich nicht einfach hinstellt und sagt "schade, geht nicht" und sich in eine Ecke verkriecht, sondern Wege findet, doch noch zum Ziel zu kommen. Ich habe das Ganze erstmal als Herausforderung begriffen und war darauf versessen, es so leicht wie möglich aussehen zu lassen: ja klar, kein Problem, ich gehe immer alleine zum Arzt, stehe sofort nach der Narkose auf, einen Tag nach den Fehlgeburten wieder im Büro etc...nun, hier hatte ich wohl ohne es selbst zu merken Grenzen überschritten, die mir erst viel später auf die Füße gefallen sind.

@Brighid

Die Frage bezieht sich auch mit auf sein Konfliktverhalten. Ich darf z.B. ja nicht einmal ansprechen, was wir tun würden, wenn das Kind trotz aller Diagnostik krank oder behindert wäre oder dies im Laufe der Kindheit werden würde. Da heißt es nur "das ergibt sich dann schon, das ist doch soooo selten". Nun, warum kenne ich dann gleich mehrere solche Fälle? Er hat noch nie einen anderen Menschen gepflegt, ich kenne mich damit besser aus (kranke Oma mit im Haus, in den Schulferien im Krankenhaus gearbeitet) und weiß, welche Belastungen da auf einen zukommen. Es geht nicht darum, solche worst-case-Szenarien auszubreiten, sondern darum, dies überhaupt andenken zu dürfen. Ich weiß auch, wer in einem solchen Fall die Hauptlast zu tragen hätte.

Ich glaube, das Reden und Konfliktverhalten hat er nie gelernt: er ist im Prinzip ohne Vater aufgewachsen, seine Mutter war immer Vollzeit berufstätig, um einen gewissen Lebensstandard halten zu können. Der Vater war nämlich nicht nur körperlich abwesend sondern auch finanziell. Die Beziehungen davor haben ihn nie zum Reden gezwungen, da bin ich wohl die erste, die in dieser Hinsicht Forderungen stellt. Er hatte wohl lt. Aussage seiner alten Freunde, immer den Traum, mal ein besserer Vater zu werden und auch wohl die Vorstellung, dass eine Mutter besser die ersten Jahre maximal Teilzeit arbeitet um so mehr Zeit für das Kind zu haben. Ich weiß durch meine AuPair Tätigkeit, dass mir der geistige Input, den Kinder zu bieten haben, nicht reicht. Ich war jedesmal froh, wenn ich abends trotz großer Müdigkeit noch in den Sprachkurs ging, einfach, um mal über erwachsene Themen sprechen zu können und mich normal unterhalten zu können.

Aen
06.07.2018, 14:54
@Aen

Wie er auf die Idee kommen konnte, dass diese Behandlungen für mich ein Weg wären? Ich glaube, ich habe mir selbst und damit ihm in dieser Hinsicht etwas vorgemacht in der ersten Beziehungseuphorie, später wurde es zum Selbstläufer.

Das finde ich eine wichtige Erkenntnis. Weil dann schlagartig klar wird, dass es sich nicht lohnt, beseelt bei der Schuldfrage (Wer hat wen "besser" nicht sehen und verstehen wollen?) rumzupuzzeln. Ihr habt da offenbar beide einen Film an die Wand geworfen, der alles Mögliche darstellen mag, nur nicht euch. :smile:

Was bleibt, wenn ihr nun ohne dieses verbindende Missverständnis weiterkommen müsst, wird sich zeigen. Sowieso.



Ich glaube, das Reden und Konfliktverhalten hat er nie gelernt:

Du denn? :blume: Falls Du hier spontan ein beherztes Ja setzen möchtest ...


er ist im Prinzip ohne Vater aufgewachsen, seine Mutter war immer Vollzeit berufstätig, um einen gewissen Lebensstandard halten zu können. Der Vater war nämlich nicht nur körperlich abwesend sondern auch finanziell. Die Beziehungen davor haben ihn nie zum Reden gezwungen, da bin ich wohl die erste, die in dieser Hinsicht Forderungen stellt. Er hatte wohl lt. Aussage seiner alten Freunde, immer den Traum, mal ein besserer Vater zu werden und auch wohl die Vorstellung, dass eine Mutter besser die ersten Jahre maximal Teilzeit arbeitet um so mehr Zeit für das Kind zu haben. Ich weiß durch meine AuPair Tätigkeit, dass mir der geistige Input, den Kinder zu bieten haben, nicht reicht. Ich war jedesmal froh, wenn ich abends trotz großer Müdigkeit noch in den Sprachkurs ging, einfach, um mal über erwachsene Themen sprechen zu können und mich normal unterhalten zu können.

Warum zum Schinder weiß er das dann noch nicht über Dich?!

Gruß,
Aen

Convallaria
07.07.2018, 15:57
Hallo Wings,

schwierige Situation, in der du dich befindest. Es ist ja schon viel diskutiert und geschrieben wurden, ich will dir nur noch mal dalassen, was mich als Außenstehende total irritiert hat beim Lesen deines Posts, das waren 2 Sachen:

- du schreibst im Eingangsposting, dass du bereits, als Ihr Euch kennengelernt hast, eher zu einem "nein" in der Kinderfrage tendiert hast, er dich aber trotzdem wollte. In dem Satz direkt danach schreibst du, dass du seit 3 Jahren in der Kinderwunschhölle bist. Ui. Was ist denn dazwischen passiert? Zwischen einem "Nein" zum Kinderwunsch (ok, es war kein 100% nein, aber ein relativ klares) und 3 Jahren Kiwu-Behandlung mit 4 ICSI liegt für mich eine so große Kluft, dass ich es tatsächlich mehrfach lesen musste, um es zu verstehen. Woher kam dieser abrupte Umschwung bei dir? Habt Ihr das gemeinsam entschieden? Es ging ja relativ schnell dann in die Kiwu, oder? Hast du dich breitschlagen lassen? Wie hast du überhaupt 4 ICSI durchgehalten, wenn du kein Kind wolltest? Das ist für mich sehr schwer verständlich, ich habe auch einige ICSIs hinter mir, das ist ja nun wirklich kein Spaziergang. Wie viel von deiner Verzweiflung hast du nach außen kommuniziert? Wusste dein Partner, wie ambivalent du dazu stehst und wollte das trotzdem durchziehen? Lauter Fragen :blumengabe:

- das nächste, was ich schwierig nachzuvollziehen finde, ist dann dein aus meiner Sicht ebenso abrupter Wechsel in die andere Richtung: Du hast 4 ICSI "mitgemacht", Ihr habt Euch für eine EZ-Spende entschieden, und in allerletzter Sekunde entscheidest du dich dagegen. Versteh mich nicht falsch, das ist dein absolut gutes Recht!! Für mich wäre das übrigens wohl auch die Grenze gewesen, ich kann dich da also durchaus verstehen. Nichtsdestotrotz wäre ich an Stelle deines Mannes wohl auch etwas, gelinde gesagt, irritiert gewesen. Je nachdem, wie die Kommunikation vorher abgelaufen ist, kann ich sogar die Aussage verstehen, das wäre schlimmer als Fremdgehen. Ich sage es mal bewusst überspitzt - du hast mit Deinen Taten und offenbar auch mit Worten eindeutig kommuniziert, dass du ein Kind möchtest und bereit bist dafür große Opfer zu bringen. Und er hat das, vielleicht auch etwas bequem, nicht hinterfragt. Woher kam bei dir dieser erneute abrupte Umschwung bzw. diese Kluft zwischen deinen Wünschen und dem, was du gemacht hast?

Alles Gute wünsche ich!
C.

Wings
08.07.2018, 13:52
@ Aen

Dass mir der geistige Input durch Kinder nicht reicht, weiß er, ich habe ihm von meinen Erfahrungen erzählt. Allerdings glaubt er, dass man sich ja im Zweifelsfall selbst fortbilden könne, wenn einem langweilig wäre. Selbstverständlich fallen mir jede Menge Dinge (und eines besonders) ein, was ich noch lernen wollte, allerdings glaube ich, dass das nur bei einem sogen. "Anfängerbaby" möglich wäre. Je nach Persönlichkeit des Kindes ist man doch so ausgelaugt, dass man nur noch versucht, den Tag zu überstehen, für ernsthafte Konzentration bleibt da nicht mehr viel übrig. Er glaubt aber sowieso, dass Babys (fast) nur schlafen. Zumindest sein kleiner Prinz oder Prinzessin :smile:
Außerdem glaubt er, dass die Hormone es dann schon richten und ich dann meine Prioritäten gerne neu ordne. Naja, mir fehlt in dieser Hinsicht der Glaube...

@Convallaria

Ja, wir hatten 1,5 Jahre nach dem Kennenlernen mit den Behandlungen angefangen. Wie ich in einem vorherigen Post schrieb, war es wohl auch die anfängliche Beziehungseuphorie und der Gedanke "wenn überhaupt ein Kind, dann mit ihm". Die negativen Aspekte hatte ich verdrängt, er war ja auch so optimistisch und hat mich mitgerissen. Und wie es manchmal so ist, verselbständigen sich die Dinge dann. Wir sind beides keine Menschen, die schnell aufgeben und ich gerate manchmal in diese "das muss doch klappen, vielleicht habe ich mich nur noch nicht genug angestrengt"-Schiene. Außerdem: warum soll ausgerechnet mir das nicht gelingen, was doch anscheinend jeder Tussi spielend gelingt. Selbstverständlich ist es Quatsch, aber ich hatte diese Gedankengänge.
Körperliche Probleme hatte ich die ersten vier Mal (Antagonistenprotokoll) nicht, auch die Narkosen hatte ich problemlos vertragen. Viel von dem, was in mir vorging, hatte ich nicht nach außen getragen, denn ich hatte das Gefühl, er versteht das sowieso nicht. Mir wurde von ihm auch signalisiert, mich nicht so anzustellen bzw. mir nicht so viele Gedanken zu machen, man könne doch jetzt eh nichts machen. Wie stark meine Ambivalenz war, hat er wohl nicht mitbekommen bzw. er wollte es nicht wissen.
Der Hammer kam erst bei der Eizellenspende und der Downregulierung durch die Depotspritze.

Die plötzliche Entscheidung dagegen war keine wirklich bewusste Entscheidung. Da hat wohl meine Seele entschieden, dass das meine Grenze ist. Wenn man ohne darüber nachzudenken auf dem Weg in´s Hotel aufeinmal Heulkrämpfe bekommt und merkt, dass man das, was da passieren soll, so überhaupt nicht ertragen kann, sollte man darauf hören. Sonst könnte es zur Katastrophe kommen.
Selbstverständlich gestehe ich ihm seine Enttäuschung zu und dass er denkt, ich hätte ihn getäuscht (zumindest in diesem Fall). Ich habe mich wohl eher selbst getäuscht in der Annahme, wie weit ich gehen könnte und es erst gemerkt, als es fast zu spät war. Er musste aber sehen, dass es mir sehr schlecht ging und in dieser Situation noch verbal "draufzuschlagen" und mich damit noch schuldiger fühlen zu lassen, war keine Glanzleistung. Später kam heraus, dass er mir Trennungsgedanken unterstellt hatte und da wäre ein Baby nunmal ein echtes Hindernis. Wir hatten uns kurz zuvor heftig gestritten, da er mir seit Jahren versprochen hatte, nicht mehr ganz so viel zu arbeiten und mehr Zeit mit mir zu verbringen, was er aber bis heute nicht umgesetzt hat. Teilweise ist eher das Gegenteil passiert und immer gab es dafür "Begründungen". Warum sollte dies mit einem Baby anders laufen, da muss "Mann" ja noch mehr Geld verdienen. Das ist, gelinde gesagt, Schwachsinn, da wir mehr als genug Geld haben und ich z.B. die Luxuswohnung nicht brauche und es ihm auch mehrmal gesagt habe.

kornblume81
04.09.2018, 10:38
Hallo Wings,
ich hatte hier mitgelesen, nun ist es schon zwei Monate her, magst du erzählen, wie ihr es geschafft habt, weiterzugehen?
Deine Geschichte hat mich sehr bewegt und ich wollte dir da eigtl. schon schreiben.
Ich finde es toll, wie verantwortungsbewusst du -eigentlich- an die Sache herangegangen bist. Und zwar für dich und für das Kind.
Dass du, ich sag mal zwischenzeitlich, von Hormonen/rosa Wolken/Machbarkeitsansprüchen geblendet warst, finde ich verzeihlich.
Aber du schaust sehr genau, wer bist du und was kannst du. Und du schaust auch sachlich drauf, was ein Kind eben auch alles bedeiten kann!

Zwei Dinge noch:
Erstens die Frage, was hält euch eigentlich als Paar zusammen? Das müsste ja jetzt drängender relevant werden?
Zweitens der Gedanke, dass du ihn wohl zu einem früheren Zeitpunkt (oder auch jetzt noch?) mal mit echten Kindern hättest konfrontieren müssen. Denn auch da stimme ich anderen hier zu: "Alles dafür tun" ist viel mehr als Behandlungen bezahlen!!

Achja und als letztes auch von mir ein grosses Staunen, wie du diese Maschienerie überhaupt überstanden hast und ein Lob auf die Kraft der "Seele" wie du es nennst!

R_Rokeby
04.09.2018, 13:02
vor lauter Empörung verdoppelt :zwinker:

R_Rokeby
04.09.2018, 13:02
Schlag ihm vor, dass du ein eigenes Kind mit getuntem Spendersamen bekommen willst.
Dann schaust, wie groß sein Kinderwunsch dann so ist.

Ich mag sonst gar nichts dazu schreiben. Gruselkabinett pur - sieht er dich als Gebärmutter auf zwei Beinen?
Mann mit 50 und schlechtem Sperma mutet einer sehr viel jüngeren Frau Dinge zu, die mich echt schockieren.

Das wirft viele Fragen auf - über deinen Mann und was er in dir eigentlich sieht.
Vielleicht wäre er mit einer gekauften Leihmutter besser "bedient "

Sasapi
03.12.2018, 17:53
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