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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Den Hintern nicht hochbekommen



spoookie
16.02.2007, 16:14
Ich bin so ein typischer "Was kann alles passieren" - Kandidat, der sich in seinem Leben sehr viel versaut mit kurzfristigen Absagen, z.B. bei Geburtstagen, Parties, Treffen.
Es ist nicht so, daß ich mich auf die Veranstaltungen nicht gefreut hätte.
Aber: Ich bin eben nicht immer gut drauf, oft auch sehr müde und reizüberflutet, habe inzwischen auch mal depressive Phasen (aber das ist ne andere Geschichte), und denke vorher schon darüber nach, daß ich keine Unterhaltung wäre für die anderen, oder was die alles denken könnten von mir.
Dann gehe ich doch besser gar nicht erst hin...
So lief es viele Jahre. Leider.

Ich mache das nicht mit Absicht oder um irgendwen zu ärgern. Aber es ging eben nicht anders.

Inzwischen habe ich nur noch ein paar Freunde, aber vielleicht ist das auch ok so für den Moment.

Ich weiß allerdings, daß es so nicht weitergehen kann.
Kann man an dem Zustand was ändern? Oder sollte ich einfach akzeptieren, dass es eben "einsame Cowboys" oder Phasen im Leben gibt?

Wer hat ähnliches erlebt?:knatsch:

Ricarda44
16.02.2007, 20:07
Nö!
Du bist sicher kein "einsamer-Cowboy-Typ"!
Wenn es so wäre und Du mit diesem Zustand zufrieden wärst,
würdest Du hier nicht schreiben.

Diese Zustände, dass Du öfter mal nicht gut drauf bist, liegen (denke ich mir mal ohne Dich zu kennen) daran, dass Du einige Situationen erlebt hast, die Du nicht so prickelnd empfunden hast.

Ich würde Dir aber raten, um "den Hintern hoch zu bekommen", fang mal etwas softer an. Es müssen ja nicht Veranstaltungen sein, wo sich Hunderte Menschen aufhalten oder gewiefte Partylöwen. Wie wär's denn mal mit dem Besuch eines Theaters, Museums oder irgendeiner interessanten Ausstellung? Dort, wo man mit Fremden einfach so ins Gespräch kommt.

Nicht jeder wird sich drauf einlassen, aber es gibt auch viele, die sich freuen, einfach mal so kurz zu reden. Das kann auch an der Kasse im Supermarkt sein: Ein Lächeln; ein Vorlassen eines anderen Kunden, der weniger im Wagen hat; ein Behilflichsein.
Wenn Du erst Mut aufbauen musst, um das zu realisieren, dann nutze die Zeiten, in denen die älteren Herrschaften einkaufen gehen. Viele sind gern bereit, ein nettes Wörtchen zu wechseln und freuen sich, wenn sie beachtet werden.

Hast Du einer Verkäuferin, die etwas mürrisch schaut, einfach mal gesagt, dass Du es bewunderst wie flink sie ist? Da könnte ich doch wetten, dass diese Dame Dich beim nächsten Mal mit einem Lächeln begrüßt.

Also, ich hab echt auch 'ne schwere Zeit hinter mir, in der mir nicht nach Kontakten, Lächeln und Smalltalk war. Aber ich habe mich gezwungen, nicht zu vergessen, dass alle anderen nichts dafür können, dass es mir in der Zeit so schlecht ging. Und so habe ich dann weiter "meinen Senf" dazugegeben, wenn die Kassiererin in der Zugluft saß und in ihrer Gegenwart gesagt, sie solle ihrem Chef mal von mir einen Gruß bestellen und das sind keine optimalen Arbeitsbedingungen für Leute, die den ganzen Tag wie am Fließband arbeiten.

Als einmal 2 Kassen ausgefallen waren und die Warteschlange sich bis ins sonstwo zog, sagte ich zu einer anderen grinsend, weil ich ihren Unmut sah: "Wissen sie was? Machen sie die Kasse zu, wir gehen jetzt Kaffee trinken! Heute ist alles umsonst."
Erst guckte sie mich an als wäre ich ein Alien, dann grinste sie auch und meinte: "Da hätte mein Chef wohl was dagegen."

Was war passiert?
Ich fühlte mich selbst in Not, die andere nicht beheben können.
Ich sah, da war jemand anderes in Not (Stress, Ärger, maulende, meckernde Kundschaft) und mache 'nen Scherz. Nicht auf Kosten der Leute, die nix dafür können, sondern einfach so, um Solidarität zu zeigen.

Und Du glaubst nicht, wie viel ein ehrliches Mitgefühl bringen kann. Allein dieses Lächeln denke ich, hat die Kassiererin davon abgebracht, sich noch mehr "nerven" zu lassen.

Jeder von uns hat es jeden Tag in der Hand, jemandem anderen ein Freund zu sein.
Und es ist schön zu sehen, dass man mit winzigen Dingen helfen kann.

Wenn Du den Hintern nicht hoch bekommst, liegt es auch daran, dass Du zu wenig Selbstwertgefühl hast.
Fange einfach an, anderen ein besseres Gefühl zu geben, dann bekommst Du selber es auch.

Wenn nicht Du?
Wer dann?
Wenn nicht jetzt?
Wann dann?

Also, ran an die Menschheit und Lächeln schenken!

spoookie
17.02.2007, 08:50
Wenn Du den Hintern nicht hoch bekommst, liegt es auch daran, dass Du zu wenig Selbstwertgefühl hast.
Fange einfach an, anderen ein besseres Gefühl zu geben, dann bekommst Du selber es auch.

Ja, das Selbstwertgefühl ist so eine Sache.
Damit bin ich nicht gesegnet, das hat auch seine Gründe, die ich hier aber nicht ausführen will (sonst schreib ich morgen noch ;)).



Wenn nicht Du?
Wer dann?
Wenn nicht jetzt?
Wann dann?


WELTMEISTER! !! hihi............

Ricarda44
17.02.2007, 09:23
Immerhin: Ein Lachen. Ist doch ein guter Anfang!!!

Inaktiver User
17.02.2007, 13:45
Hallo Spookie,

mit "ich sollte" und "ich müsste" krieg ich meinen Hintern nicht hoch, sondern mach mir zusätzlichen Stress.

Ich torpedier auch immer Situationen, die mir "eigentlich" gut tun - immer, wenn ich mich aufgerafft hab und was getan hab, geht's mir hinterher besser, aber manchmal schaff ich das nicht ohne Hilfe.

Es gibt sehr viele Menschen, die so sind wie du.

Depressionen sind ja auch immer ein Nein gegen den Griff nach dem, was wir haben wollen.

Ich will gar nix wollen. Lasst mich doch alle in Ruhe! Ich brauch keinen.

Das Blöde ist: wir alle brauchen andere Menschen, wir sind abhängig von anderen Menschen und von ganz vielen Dingen. (Strom, Gas, Telefon, Supermärkte sind okay, aber Wärme und Zuneigung brauchen wir nicht?).

Wir alle sind bedürftige Menschen. Das ist der erste Schritt.

Cassis05
17.02.2007, 15:11
Hallo spookie,
ich fühle mich dir verbunden, weiß wovon du sprichst. Riccardas Vorschläge finde ich gut. Sie sind ein Anfang und beflügeln vielleicht zu "größeren Taten".:yeah:
LG, Cassis :smile:

Inaktiver User
25.02.2007, 11:08
hallo spoookie
Bin sicher es geht vielen so,mir manchmal auch.
Fühle mich oft unwohl,mag keine Parties und sage ab wo es nur geht.
Konkret mag ich dort nicht erleben müssen wie ein Großteil der Gäste sich innerhalb kurzer Zeit betrinkt,die Sprüche,die laute Musik der Zigarettenqualm...es kotzt mich so an.
Dabei war ich früher selbst immer mittendrin-komisch. Es ist nicht das was ich suche. Dazu stehe ich.

Inaktiver User
25.02.2007, 11:26
hmmm also ich kenne das, war genau so, bei mir war es aber gesundheitlich bedingt:
ich habe eine schilddrüsenunterfunktion, die bewirkt, dass irgendwie alles sehr anstrengend für mich war: reizüberflutung: beim shoppen war ich nach 2 läden völlig erschöpft, menschenmengen haben mich regelrecht fertig gemacht, wenn ich mich mit freunden getroffen habe, dann nur mit 2-3 und auch nicht allzulange.

das nicht funktionieren meiner schilddrüse hat bewirkt, dass mein stoffwechsel nicht funktioniert und das hatte dann auch psychische auswirkungen. klar wenn alles irgendwie in stress ausartet....mit der folge, dass ich mcih zu hause eingeigelt habe und alles was irgendwie stressig war, vermieden habe.
jetzt nehme ich jod und hormon-tabletten udn merke wie wieder die energie zurückkommt, ich gehe wieder lieber unter menschen und kann auch wieder shoppen gehen :smile:

vielleicht machst du mal eien gesundheits-check beim arzt. ich wäre auch nie auf die idee gekommen, dass ich "krank" sein könnte, weil die veränderungen so schleichend waren...

Ricarda44
26.02.2007, 11:58
So, so: Shoppen.
Aha. *grins*
Ja, das ist wichtig.
Sehe ich auch so.
Ohne wäre es grausam.
*noch'ngrins*

sinokaethe
02.03.2007, 11:29
hmmm also ich kenne das, war genau so, bei mir war es aber gesundheitlich bedingt:
ich habe eine schilddrüsenunterfunktion, die bewirkt, dass irgendwie alles sehr anstrengend für mich war: reizüberflutung: beim shoppen war ich nach 2 läden völlig erschöpft, menschenmengen haben mich regelrecht fertig gemacht, wenn ich mich mit freunden getroffen habe, dann nur mit 2-3 und auch nicht allzulange.

das nicht funktionieren meiner schilddrüse hat bewirkt, dass mein stoffwechsel nicht funktioniert und das hatte dann auch psychische auswirkungen. klar wenn alles irgendwie in stress ausartet....mit der folge, dass ich mcih zu hause eingeigelt habe und alles was irgendwie stressig war, vermieden habe.
jetzt nehme ich jod und hormon-tabletten udn merke wie wieder die energie zurückkommt, ich gehe wieder lieber unter menschen und kann auch wieder shoppen gehen :smile:

vielleicht machst du mal eien gesundheits-check beim arzt. ich wäre auch nie auf die idee gekommen, dass ich "krank" sein könnte, weil die veränderungen so schleichend waren...

Das kommt mir so bekannt vor. Ich bin seit drei Jahren total genervt von meiner leicht phlegmatischen Art. War früher überhaupt nicht so.

kebmo, eine Schilddrüsenunterfunktion geht ja auch oft mit einer Gewichtszunahme einher. War das bei Dir auch so? Ich bin zwar nicht übergewichtig, aber obwohl ich viel Sport mache, habe ich Mühe mein Gewicht zu halten.