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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbständig und Rentenvorsorge



nissy
16.02.2007, 13:59
Hallo zusammen,
habe mich gestern mit einer Freundin, die seit 2 Jahren selbsständig ist unterhalten.
Ihre Firma läuft recht gut, sie hat auch schon den ersten Mitarbeiter einstellen können/müssen. Freut mich für sie.

Aber sie macht nichts mehr für ihre Rente. Und damit meine ich wirklich nichts.

Sie ist jetzt mitte 40, in die gesetzliche Rente wird nicht eingezahlt, was ich durchaus verstehen kann.

Aber sie baut auch sonst nicht mehr vor, da sie der Meinung ist; sie wird so gut verdienen, dass sie sich im Alter alles wird leisten können. Ausserdem wäre dies bei Selbständigen durch aus normal.
Für eine Einheitsrente bräuchte sie èh nicht einzahlen.

Ich war ziemlich geschockt und mache mir Sorgen um sie.

Wie sieht das bei euch so aus?
Wie versichert ihr euch fürs "Alter"?
Was investiert ihr?
Ist das wirklich normal?

Utetiki
18.02.2007, 07:03
Hallo Nissy,

der Optimismus Deiner Freundin in allen Ehren, braucht man als Selbständige ja auch, aber versuch ihr diese "Allzu-sorglos-Mentalität" auszureden!

Ich weiß ja nicht, was Deine Freundin vor Ihrer Selbständigkeit gemacht hat, also ob sie da rentenpflichtig beschäftigt war.
Und wo in der Mitte der Vierziger steht sie jetzt genau?

Nur noch die bis 1961 geborenen erhalten eine Berufsunfähigkeitsversicherung der deutschen Rentenversicherung. Wenn sie da "reinpasst", würde ich allein schon aus diesem Grund den Mindestbeitrag weiterzahlen.

Nur ist der Zug natürlich jetzt nach 2 Jahren in dieser Hinsicht auch schon abgefahren.

Sie sollte sich dringend beraten lassen!


Liebe Grüße
Ute

Inaktiver User
18.02.2007, 10:42
Hallo Nissy,

schätzen Sie mal bitte, wie hoch das montliche (Renten-) Einkommen Ihrer Freundin ab dem 65. Lebensjahr sein sollte, damit sie über die Runden kommt.

Dann rechne ich ihnen mal aus wie hoch das Kapital zum 65. LJ sein muß, damit Sie davon leben kann. Die Zahlen werden beeindrucken.

Gruß

Frank J. Kontz

akademikerin
19.02.2007, 06:59
@ nissy,

es gibt nette Internetrechner, die zeigen, wie hoch eine Rentenlücke ist. Man kann dort auch "null" eingeben für gesetzliche Rente - und dann sitzt du hoffentlich (bzw. deine Freundin). Ich habe es gemacht in allen möglichen Varianten, um festzustellen, zwischen welchen WErten ich liegen muss.

Was deine Freundin angeht: grober Leichtsinn ist noch der freundlichste Ausdruck, der mir einfällt. Wenn sie so gut verdient: wo spart sie denn an? Tagegeldkonto? Fonds? WAS?

Schlag ihr doch mal vor, sie soll sich ihren Rentenprognosekram von der Rentenversicherung schicken lassen (wenn sie schon mal eingezahlt hat) und dann sieht sie, was sie kriegt (oder auch nicht).

Ich weiss, es ist nicht einfach, aber: sie ist erwachsen, sie muss eigenverantwortlich wissen, was sie tut ... es ist NICHT deine Sache. Wenn sie es selber noch nicht begriffen hat, dann muss sie die Erfahrung selber machen, dass die Rente nicht von oben geworfen wird, sondern von unten erarbeitet wird. Mehr als Informationen kannst du ihr nicht geben, es gleibt ihre Entscheidung. ;)

Gruß
Ak.

nissy
19.02.2007, 12:46
Nur noch die bis 1961 geborenen erhalten eine Berufsunfähigkeitsversicherung der deutschen Rentenversicherung. Wenn sie da "reinpasst", würde ich allein schon aus diesem Grund den Mindestbeitrag weiterzahlen.

Sie sollte sich dringend beraten lassen!


Liebe Grüße
Ute

Hallo und Helau, :o)
sie ist nach 61 geboren und war vorher pflichtversichert. Zum Teil nur Teilzeit da ein Kind.




schätzen Sie mal bitte, wie hoch das montliche (Renten-) Einkommen Ihrer Freundin ab dem 65. Lebensjahr sein sollte, damit sie über die Runden kommt.

Dann rechne ich ihnen mal aus wie hoch das Kapital zum 65. LJ sein muß, damit Sie davon leben kann. Die Zahlen werden beeindrucken.

Gruß

Frank J. Kontz



Sie will mindestens 2.000,- € monatlich zur Verfügung haben.
Angespart ist ausschliesslich der gesetzliche Anteil.
Die Zahlen würden mich wirklich mal interressieren.




es gibt nette Internetrechner, die zeigen, wie hoch eine Rentenlücke ist. Man kann dort auch "null" eingeben für gesetzliche Rente - und dann sitzt du hoffentlich (bzw. deine Freundin). Ich habe es gemacht in allen möglichen Varianten, um festzustellen, zwischen welchen WErten ich liegen muss.

Was deine Freundin angeht: grober Leichtsinn ist noch der freundlichste Ausdruck, der mir einfällt. Wenn sie so gut verdient: wo spart sie denn an? Tagegeldkonto? Fonds? WAS?

Schlag ihr doch mal vor, sie soll sich ihren Rentenprognosekram von der Rentenversicherung schicken lassen (wenn sie schon mal eingezahlt hat) und dann sieht sie, was sie kriegt (oder auch nicht).

Ich weiss, es ist nicht einfach, aber: sie ist erwachsen, sie muss eigenverantwortlich wissen, was sie tut ... es ist NICHT deine Sache. Wenn sie es selber noch nicht begriffen hat, dann muss sie die Erfahrung selber machen, dass die Rente nicht von oben geworfen wird, sondern von unten erarbeitet wird. Mehr als Informationen kannst du ihr nicht geben, es gleibt ihre Entscheidung. ;)

Gruß


Kannst Du mir mal einen oder zwei links schreiben? Das wäre auch für mich von Interresse.

Sparen, macht sie zur Zeit noch gar nicht, weder Tagesgeld noch Fonds ect.
Ich weiss, dass sie verdammt dumm ist, was ihre Rente angeht.
Ich denke ich werde da vor einer Wand rennen.
Versuche aber bis zum nächsten Treffen nochmal viele Argumente für ein rechtzeitiges Ansparen zu sammeln.

Der Sozialstaat wird nicht verhungern lassen und das weiss sie.Ich bin mir nur noch nicht sicher ob sie auch die Konsequenz richtig einschätzt.

Es ist schon fatal, der Angestellte wird für nicht mündig erklärt und muss, was ich gut finde, in die Rente einzahlen.
Der Unternehmer wird für mündig erklärt und kann selbst bestimmen, wie, wo und wieviel er einspart und dies in vielen Fällen gar nicht macht.
Eigentlich ein Hohn.

Danke erstmal
nissy

Inaktiver User
19.02.2007, 14:12
Hallo Nissy,

folgende Annahmen werden getroffen.

Frau heute: 45. LJ.
Rentenbeginn: 65. Lj.
Rentenbezugsende: 90. LJ.
Inflation: 1,5 % p.a
Verzinsung in der Ansparphase: 9 % p.a.
Verzinsung in der Rentenphase: 6% p.a.

Eine Rente von 2.000 € p.m. wird angestrebt:

2.000 € heute (Kaufkraft in 2007) sind in 2027: 2.693,17 € p.m.

Um eine monatl. Rente von 2.963,17 € bis zum 90. Lebensjahr zu beziehen benötigt man: 424.459,74 € zum 65. LJ.

Dann ist dieses komplette Kapital von 424.459,74 € zum 90. LJ verzehrt.

Um diese 424.459,74 € zum 65. LJ zur Verfügung zu haben, muß eine heute 45-jährige 20 Jahre lang jeden Monat 664,41 sparen.

Es versteht sich von selbst, daß Rentenbezüge noch versteuert werden müssen.

Die staatliche Rente (aus der Teilzeitbeschäftigung herrührend) unterliegt im Jahr 2027 einen Besteuerungsanteil von 87 %.

Das dürfte nicht ein Mal ausreichen um die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, gleichgültig in welches System Sie zahlt, zu bezahlen.

Gruß

Frank J. Kontz

nissy
19.02.2007, 16:06
Danke

Gruß nissy

Inaktiver User
19.02.2007, 16:11
Hallo Nissy,

folgende Annahmen werden getroffen.

Frau heute: 45. LJ.
Rentenbeginn: 65. Lj.
Rentenbezugsende: 90. LJ.
Inflation: 1,5 % p.a
Verzinzung in der Ansparphase: 9 % p.a.
Verzinsung in der Rentenphase: 6% p.a.

Eine Rente von 2.000 € p.m. wird angestrebt:

2.000 € heute (Kaufkraft in 2007) sind in 2027: 2.693,17 € p.m.

Um eine monatl. Rente von 2.963,17 € bis zum 90. Lebensjahr zu beziehen benötigt man: 424.459,74 € zum 65. LJ.

Dann ist dieses komplette Kapital von 424.459,74 € zum 90. LJ verzehrt.

Um diese 424.459,74 € zum 65. LJ zur Verfügung zu haben, muß eine heute 45-jährige 20 Jahre lang jeden Monat 664,41 sparen.

Es versteht sich von selbst, daß Rentenbezüge noch versteuert werden müssen.

Die staatliche Rente (aus der Teilzeitbeschäftigung herrührend) unterliegt im Jahr 2027 einen Besteuerungsanteil von 87 %.

Das dürfte nicht ein Mal ausreichen um die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, gleichgültig in welches System Sie zahlt, zu bezahlen.

Gruß

Frank J. Kontz



In der Realität siehts sogar ggf. noch etwas gravierender aus als von Franck hier beschrieben - da er mit einer recht geringen durchschnittlichen Inflationsrate und gleichzeitig recht hohen Verzinsungen während der Anspar- und Entnahmephase gerechnet hat.

Gruß Austernschluerfer

Inaktiver User
19.02.2007, 16:17
Nachtrag:

Würde man die Rente...was ja sinnvoll wäre...während der Rentenbezugszeit ( also vom 65. bis zum 90. Lebensjahr ) um den Inflationsfaktor ( 1,5 % ) dynamisieren um die Kaufkraft zu erhalten, benötigt man bei obigen Vorgaben eine Summe von rund 491.000 € um die Rente zu finanzieren.

Dem entspräche, nehmen wir Francks Beispiel...eine mtl. Ansparrate von 763 € bei 9 % Verzinsung oder einer Rate von 962 € mtl. bei einer Verzinsung von 7 %.

Gruß Austernschluerfer

Inaktiver User
19.02.2007, 16:48
Zu bedenken gebe ich bei solchen Hochrechnungen... ich habs ja teilweise schon oben erwähnt, dass Ansparverzinsungen über 20 Jahre hinweg bis zum Endalter 65 mit 9 % p.a. Wertentwicklung meiner Meinung nach etwas zu hoch gegriffen sind - da solche " Verzinsungen " in der Regel nur über Aktienfonds erzielbar sind.

Da die aufgelaufenen Werte aus diesen Sparplänen auf Aktien allerdings zum Laufzeitende hin, gesichert werden müssen...sprich in schwankungsärmere Anlagen umgeswitcht werden müssen - die Sparpläne ebenfalls sicherheitsorientierter gefahren werden müssen, geht zwangsläufig damit einher, dass die hohe 9 % "Verzinsung" ggf. nicht über die gesamte Laufzeit erzielt werden kann.

Gleiches gilt für die Entnahmephase.

Um aus einem Depot mtl. eine Rente " X " entnehmen zu können, ist es in der Regel fast nicht möglich, mit einer durchgehenden 6 %igen Verzinsung des Depots zu rechnen da es dann zwangsläufig zu aktienlastig wäre...

Die Folge könnte bei fallenden Börsen ein negativer Cost Average Effekt auf s Depot sein...sprich durch den erhöhten Anteilsverkauf ( Anteilspreise fallen in der Baisse ) würde das Depot recht zügig minimiert.

Eine Alternative in solch einem Fall wäre...Senkung der mtl. Rentenrate....oder sinnvoller Weise natürlich vorab sorgfältigste Aufstellung , bzw. Aufteilung des Depots in unterschiedliche Unterdepots ( ähnlich der Art wie man eine sog. " ewige Rente " aufbaut )

Also renditestarke Depots zur weiteren Kapitalbildung und schwankungsarme Sicher-Depots , aus denen man Kapital entnimmt für die mtl. Rente.
Auf diese Weise könnte man dann - wenn man wirklich gut ist, eine Gesamtverzinsung des Depots von 6 % p.a. verwirklichen.

Gruß Austernschluerfer

almase
20.02.2007, 14:51
Hallo zusammen,
habe mich gestern mit einer Freundin, die seit 2 Jahren selbsständig ist unterhalten.
Ihre Firma läuft recht gut, sie hat auch schon den ersten Mitarbeiter einstellen können/müssen. Freut mich für sie.

Aber sie macht nichts mehr für ihre Rente. Und damit meine ich wirklich nichts.

Sie ist jetzt mitte 40, in die gesetzliche Rente wird nicht eingezahlt, was ich durchaus verstehen kann.

Aber sie baut auch sonst nicht mehr vor, da sie der Meinung ist; sie wird so gut verdienen, dass sie sich im Alter alles wird leisten können. Ausserdem wäre dies bei Selbständigen durch aus normal.
Für eine Einheitsrente bräuchte sie èh nicht einzahlen.

Ich war ziemlich geschockt und mache mir Sorgen um sie.

Wie sieht das bei euch so aus?
Wie versichert ihr euch fürs "Alter"?
Was investiert ihr?
Ist das wirklich normal?

Also gar nichts für die Rente beiseite zu legen ist schon ein wenig gefährlich ;)
Also ich versuche monatlich etwas abzuzweigen und in einem Anlagemix hoffentlich zu vermehren.

nissy
21.02.2007, 16:20
Eure Argumentation ist sehr hilfreich für mein nächsten Treffen.
Ich werde mir sicherlich noch einiges verinnerlichen.
Danke
Gruß nissy