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kullerpfirsiche
12.02.2007, 18:25
Meine Oma ist vorhin friedlich eingeschlafen. Vor nicht einmal zwei Wochen ist die Mutter meines Freundes plötzlich und unerwartet verstorben. Vergangenes Jahr starb eine sehr gute Freundin. Und im Sommer 2005 ist mein Vater gestorben (Krebs). Mir ist das alles zuviel. Jedes Jahr verliere ich einen geliebten Menschen.

Mein Herz liegt in Trümmern. Ich vermisse sie alle unendlich.

Wie geht IHR mit eurer Trauer um? Wie bewältigt IHR das? Mir ist das alles zuviel.

Ich würde gerne einfach einmal wieder glücklich sein. Keine Platitüden hören zu müssen, fremde Menschen, die mir vorgeben wollen wie ich mich in meiner Trauer zu verhalten oder zu kleiden hätte und keine furchtbaren Beerdigungsgottesdienste und Beerdigungen mehr. Es reicht.

Ricarda44
12.02.2007, 20:02
Das Herz kann auch voll sein mit Traurigkeit. Und irgendwann sagt die körpereigene Abwehr: "Ich will das nicht mehr. Das ist mir zuviel!"

Jeden Tag sterben um uns herum Menschen. Menschen, die wir nicht kannten; Menschen, die wir kannten und den Schock bekommen wir, wenn es Menschen sind, die uns nahe standen.
Es ist eine traurige Tatsache, aber das Sterben gehört zum Leben dazu. Es ist der Kreislauf des Lebens.

Ich sehe es so: Wenn ein Mensch verstorben ist, um den man wirklich und herzlich weint und/oder trauert, hat er eine Spur in unserem Leben hinterlassen. Güte, Liebe, Wärme. Wir haben etwas von ihm gelernt oder viel Positives erfahren.
So ein Mensch ist NIE wirklich tot. Er lebt in den Herzen und Gedanken der anderen weiter.
Aber würde er es wollen, dass man sich irgendwelch schrulligen Ansichten anderer anpasst?

Ich habe beim Tod meiner Mutter vor 15 Jahren immer ihr Wesen vor Augen gehabt: Was würde sie mir jetzt sagen? Was würde sie mir jetzt raten?

Auch die Frage nach dem Kleidungsstil habe ich ihr innerlich gestellt. Eine Zeit lang da wollte ich schwarz gehen, weil mir so war. Aber irgendwann wollte ich es nicht mehr und da habe ich so in mich hinein gefragt "Wärst Du jetzt böse, wenn ich wieder andere Sachen trage?"
Und ich denke, ich wusste sehr genau, was mir meine liebste Mum gesagt hätte: "Was ändert deine Kleidung daran?"
Ja, sicher, sie hat viel Wert drauf gelegt, dass ihre Bestattung feierlich und in großem Rahmen stattfindet. Aber ihr Grundsatz war immer: Im Leben LEBEN!

Lieber Kullerpfirsich!
Was würden Dir all die lieben Verstorbenen Dir sagen, wie Du weiter leben sollst?
Würden sie Dir sagen: Lebe so, wie die anderen es von Dir erwarten?
Oder würden sie eher sagen: Lebe so, wie ich Dich gern hatte?

Wenn einem der Druck von Außen und die daraus folgenden inneren Zweifel zu viel werden, sollte man sich mal in eine stille Ecke zurückziehen und einfach Zwiegespräch mit denen halten, die verstorben sind, einem aber total wichtig waren/sind und die Frage stellen: Was meinst Du dazu?
Und ich denke, wenn man die lieben Verschiedenen genug gekannt und geliebt hat, wird man darauf immer innerlich eine positive Antwort bekommen.
Und diese Antwort wird Dich frei machen.
Frei von äußerlichen Zwängen, denn Du trägst das Andenken in Deinem Herzen und in Deinem Leben. Es wird Dich stärker machen, auch wenn manches Mal die Traurigkeit noch Oberhand gewinnt.

Menschen, die wir geliebt haben, waren auf jeden Fall positiv.
Sie werden uns auch Jahre später Kraft geben.

Und ich wünsche allen, dass sie bei ihren Lieben eine positive Spur im Leben hinterlassen.

Dir wünsche ich Kraft, Mut und Zuversicht!

Liebe Grüße

Inaktiver User
13.02.2007, 09:59
Du fragst, wie wir hier mit der Trauer umgehen oder umgegangen sind? Die Antwort, die ich dazu geben kann: Jede/r auf ihre/seine Weise. Jede Art der Trauer ist richtig und gut und hilft auch, mit dem Verlust umgehen zu lernen.

Wir Menschen werden ja nun mal geboren und sterben. Das wird auch niemand aendern oder aufhalten koennen. Und jeder Tod ist fuer die Lebenden eine neue Erfahrung. Es gibt kein Patentrezept, wie es Dir schnell wieder gut gehen kann. Ich weiss nicht, von wem der Satz ist, aber ich finde ihn richtig:

Es dauert einen Augenblick, sich in einen Menschen zu verlieben, einen Monat, um sich an ihn zu gewoehnen und ein Leben, um ihn zu vergessen.

Es waere doch auch bitter - faende ich jedenfalls -wenn wir schon nach kurzer Zeit wieder so leben wuerden, als haette es den Toten nie gegeben.

Verzweifele nicht - Du wirst es schaffen, wieder gluecklich und lebenslustig zu sein, und jeder, den Du an den Tod verloren hast, wird in Deinem Herzen ein Ecke einnehmen, und Dich von dort aus fuer den Rest Deines Lebens begleiten. Das menschliche Herz ist unendlich gross.

Kranich

Lillian2207
13.02.2007, 12:01
Liebe kullerpfirsiche,

wenn ich Deine Geschichte lese, dann wird mir ganz traurig ums Herz! Ich habe "nur" einen Menschen verloren und trauer seit 9 Monaten so sehr, kann mich kaum befreien von alldem und sehe nur wenig Licht am Horizont.... wie muß es dann für Dich sein, die so viele Menschen verloren hat!

Wie gehen wir hier mit der Trauer um? Das hat Kranich genau richtig beschrieben: es gibt keinen Einheitsweg. Jeder trauert so, wie er es für richtig hält. Ich selbst habe mir oft die Frage gestellt, ob ich richtig trauer... ob mein Weg der richtige ist. Und ich habe immer die beruhigende Antwort bekommen: wenn es DEIN Weg ist, ist er richtig!

Die Sehnsucht nach meinen Schatz ist oft so groß, das mir der Atem fehlt, dass ich aus dem Nichts anfange zu weinen, dass ich Minuten stillstehe und an eine Begebenheit zurück denke, dass ich laut mit Ihm spreche, dass ich hier Briefe an Ihn schreibe, dass ich täglich mit seiner Mutter telefoniere, dass ich mich von dem Leben da draussen zurückziehe, dass ich vor seinem Grab stehe und wütend auf das Leben bin..... all das, zu jeder Zeit! Ich habe so viele Fragen, so viele Gedanken, bin so verunsichert. Aber das ist mein Weg und irgendwann (so hoffe ich) wird der Weg der Trauer sich verändern und es wird leichter werden!

Vertraue auf Dich! Mach alles so, wie Dein Gefühl es Dir zeigt! Dann wird das Dein Weg der Trauer sein!

Ich drück Dich mal ganz vorsichtig und wünsche Dir ganz viel Kraft und Stärke! Es ist doch alles noch so frisch (auch das mit Deinem Vati!), gib Dir mehr Zeit!!!!

Liebe Grüße
Lillian2207

PS: Liebe Kranich, Dein Satz: "Es dauert einen Augenblick, sich in einen Menschen zu verlieben, einen Monat, um sich an ihn zu gewoehnen und ein Leben, um ihn zu vergessen" hat mich so angesprochen!!! Damit hast du so vollkommen Recht!!!!! Es könnte Andrés und mein Satz sein! Lieben Gruß Lillian

Eva39
13.02.2007, 13:34
Hallo Ihr Lieben,

man kann auch Menschen vermissen, die man gar nicht wirklich kannte.

Ich vermisse schon mein ganzes Leben lang meinen Großvater, der im Krieg ertränkt wurde. Er hat mir immer gefehlt. Irgendetwas hat mich immer mit ihm verbunden. Ich hatte einen Stief-Großvater, der sich dann von der ganzen Familie abwandte, als meine Großmutter vor zwei Jahren starb. Jetzt ist auch der "weg", mein Geburtshaus, in dem ich meine ersten 8 Lebensjahre verbrachte, ... Nichts ist übrig. Ich habe kein Bild von meinem Großvater und nur das kleine Sterbebild und den Rosenkranz von meiner Oma.

Ich hatte drei Fehlgeburten. Alle drei Kinder vermisse ich, obwohl ich sie nie richtig kennenlernen durfte.

Diese Verluste berühren mich am meisten. Sie gehören zu meinem Leben, auch wenn es schmerzt.

Alles Liebe!

Eva

Inaktiver User
13.02.2007, 13:52
PS: Liebe Kranich, Dein Satz: "Es dauert einen Augenblick, sich in einen Menschen zu verlieben, einen Monat, um sich an ihn zu gewoehnen und ein Leben, um ihn zu vergessen" hat mich so angesprochen!!! Damit hast du so vollkommen Recht!!!!! Es könnte Andrés und mein Satz sein! Lieben Gruß Lillian

Weisst Du was Lillian, ich schenke ihn Dir und allen Anderen, die hier um einen geliebten Menschen trauern. (Mea Culpa an den, der ihn erfunden hat.) Und ich verbinde dieses Geschenk mit der Hoffnung, dass sich fuer uns Alle, der Satz auch wiederholt. Ihr moegt das jetzt vielleicht noch nicht wieder hoeren, aber die Liebe ist so etwas Wunderbares, dieser Augenblick, wenn 2 Menschen sich in die Augen schauen und ploetzlich die Welt den Atem anhaelt. Ich habe es letztes Jahr ueber 4 Jahre nach dem Tod meines Freundes erlebt. Aber vergessen habe ich ihn trotzdem nicht. Er hat seinen Winkel in meinem Herzen, nicht mehr und nicht weniger. Ich trauere heute nicht mehr, bin aber trotzdem ab und zu nachdenklich. Es dauert eben das Leben.

Liebe Gruesse von Kranich

Lillian2207
13.02.2007, 14:38
Liebe Kranich, danke schön! Einmal für den Satz und dafür, dass Du uns Mut machst mit Deiner Geschichte! Man kann also zwei Mal Liebe finden? Ach, wie schön das zu hören!!!!! Du glaubst nicht, wie viel Angst ich davor habe, für den Rest alleine zu bleiben.....

Inaktiver User
13.02.2007, 15:43
Liebe Kranich, danke schön! Einmal für den Satz und dafür, dass Du uns Mut machst mit Deiner Geschichte! Man kann also zwei Mal Liebe finden? Ach, wie schön das zu hören!!!!! Du glaubst nicht, wie viel Angst ich davor habe, für den Rest alleine zu bleiben.....
Ach Lillian, Du bist doch noch so jung. Ich habe eine Tante, die mit 83 Jahren geheiratet hat - heimlich. Ihr Mann war 86. Und als die Beiden bei meinem Vater auf dem Sofa sassen, und der Familie erzaehlten, gluehten die Beiden wie Teenager. Beide waren verwitwet und haben sich im Altersheim kennen gelernt.

Ich glaube, wer mit sich selbst und seinem Leben im Reinen ist, kann sich verlieben. Wenn Du Dich selbst wieder liebst, Dein Leben so wie ist fuer Dich gut findest, dann kannst Du auch Dein Herz wieder oeffnen. Vielleicht weil Du dann auch keine Angst mehr haben musst, dass Du Deinem Andres etwas wegnimmst, was ihm gehoert. Er hat dann ohnehin seinen Platz in Deinem Herzen gefunden, wo ihn nichts und niemand mehr rausbekommt. Und dann kannst Du auch aufhoeren zu trauern.

Ich hatte mich letztes Jahr verknallt - auch eher wie ein Teenie, mit Herzklopfen, vielen SMS unendlichen Telefonrechnungen, obwohl wir in der gleichen Stadt wohnten. Es hat nur kurz gewaehrt, aber ich weiss jetzt, dass ich wieder lieben kann, und noch wichtiger auch will. "Ihn" dann auch zu treffen, ist wieder eine andere Sache, aber das geht allen so und hat mit unserer Trauer ueberhaupt nichts mehr zu tun.

Vielleicht sollten wir hier mal einen Strang aufmachen, mit Erzaehlungen von der neuen Liebe nach der Trauer. Ich bin sicher, wir erfahren wunderbare, mutmachende Geschichten.

Kranich

Lillian2207
14.02.2007, 12:54
@ Kranich und alle die hier mitlesen,

das mit einem Strang für aufmunternde Geschichten, auch aus der Trauer heraus, wäre eine gute Idee! Noch kann ICH so eine Geschichte nicht beitragen aber vielleicht gibts hier ja noch andere die etwas positives zu erzählen haben! Ich fänds sehr aufbauend!!!

Gruß Lillian

Inaktiver User
14.02.2007, 21:28
Ja, macht doch bitte so einen Strang auf!
Parallel zu den Zeichen der Heilung.

gute Idee

kullerpfirsiche
16.02.2007, 21:05
Danke.

Dank euch fühle ich mich nicht mehr so verloren.

Dank euch fühle ich mich nicht mehr einsam und allein.

Mit euren Worten als Halt werde ich am 22. zur Beerdigung meiner Oma gehen.

Eure Idee für einen solchen Strang finde ich sehr gut - ein wahrer Hoffnungsschimmer.

Allerliebste Grüße an euch alle,

eure Kullerpfirsiche

Vemi
21.02.2007, 11:53
Lieber Kullerpfirsich,
ich wünsche dir für die Beerdigung morgen ganz viel Kraft.

Inaktiver User
21.02.2007, 20:03
Kullerpfirsiche,
such Dir morgen bei der Beerdigung etwas aus der Natur, was Dir auffällt. So hast Du immer etwas, was Dich an Deine Oma erinnert. Als mein Großvater vor Jahren beerdigt wurde, war es unglaublich windig, seit dem habe ich immer das Gefühl, wenn es draußen stürmt, dass mein Opa in der Nähe ist. Und solche Begebenheiten habe ich auch anderen zugedacht - ein beruhigendes Gefühl.

Dir für Morgen viel Kraft
Kranich

hildchen
06.03.2007, 23:49
Hallo kullerpfirsich!!!Ich kann sehr gut nachvollziehen wie du dich fühlst.Ich habe auch in den letzten Jahren mindest einen pro Jahr verloren.Und das wurde immer schlimmer 2003 hat meinen Freundin ihr Neugeborenes beerdigt.Das war nach vielen Jahren überhaupt die erste beerdigung.Und dann noch ein Baby.Das ist überhaupt das maß aller dinge sowa zu ertragen.Die Trauer hat so ein stille auf den Friedhof gebracht das es schon erdrückend war.Es hat sich richtig im Gedächniss eingebrannt.Dann hatte ich eigendlich schon versucht dieses ereigniss zu verdrängen.Als der jahreswechsel auf 2004 kam Hatte ich gedacht,endlich ist dieses horrorjahr rum.Als dann bei meinem Onkel im April ein knochenkrebs diagnostiziert wurde.Man sagte das er vielleicht noch ca. 2 Jahr zu leben hat.Ein paar manate später nämlich im August ist er dann gestorben.
Es fing schon wieder an,das mein Herz schwer wurde und schon wieder begriff ich die Welt nicht mehr.Ich habe sehr an diesem Onkel gehangen.
Schon wieder Friedhof,schon wieder eine beerdigung.Ich fand es total schrecklich.
dann 2005 habe ich gedacht es kann nur besser werden.
Was passiert?Meine Oma stirbt.Wieder beerdigung,Friedhof und Leichenschmaus.
Langsam wird mir unheimlich,wein ich immer mehr sehe wie unsere Familie Kleiner wird.
Und dann kam es richtig dick.
Letztes Jahr sind gleich 2 Menschen von mir gegangen. zuerst meine freundin.Das war ein ganz bitterer schlag ins gesicht.Und genau ein Tag nachihr stirb ein weitere Onkel von mir.Auch wieder an Krebs.
Du denkst.das es einfach nicht mehr weiter geht.Ich weiss auch bis heute nicht wie ich den verlust meiner Freundin verarbeiten soll.Das war für mich der allerschlimmste verlust,den man sich vorstellen kann.Mal sehen ob dies Jahr wenigsten ruhe vor dem Tod ist.
Ich glaube man muss sehen wie ein Leben zuende geht,um sein eigenes bewusster zu leben.

Und trotzdem gibt es so viel dinge die unerledigt geblieben sind.Die man niemehr mit dem Menschen machen kann, wie man es wollte.