PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berufstätigkeit versus Freiheitsdrang oder Warten auf die Rente



Lea1958
21.07.2017, 17:44
Ein bisschen fehlt bei mir noch bis zur 60, aber ich glaube, mein Anliegen ist hier am besten untergebracht. So einige werden schon das Ende ihres Berufslebens erreicht haben und können mir vielleicht mit ihren Erfahrungen zu den letztenArbeitsjahren weiterhelfen.

Seit einiger Zeit macht sich bei mir immer massiver das Gefühl breit, dass ich mit meiner Zeit soviel anderes und angenehmeres anfangen könnte als arbeiten zu gehen. Die Berufstätigkeit empfinde ich als Unfreiheit und innerlich rebelliert es bei mir häufiger dagegen. So um die sieben Jahre habe ich noch bis zur Rente, das ist aus meiner Sicht dann doch zu lang, um sich mit diesem Gefühl durchzuschleppen. Früher aufhören oder Teilzeit ist im Moment keine Option.

Ich habe immer gern gearbeitet. Das ist jetzt gar nicht mal so anders. Wenn ich da bin und meinen Job mache, ist das schon in Ordnung. Aber der Weg hin und die Gedanken an den Arbeitstag sind schon immer von innerem Widerstand begleitet Irgendwie warte ich jetzt immer schon ab Montag ungeduldig auf den Freitag. Auch das Ende vom Urlaub finde ich inzwischen immer als zu früh, ich hätte noch soviel vor. Es ist nicht so, dass ich mich vor meiner Arbeitsstelle, den Kollegen, den Chefs oder den Aufgaben graule. Ich habe nur den Wunsch nach mehr Selbstbestimmung und Freiheit. Ein bisschen vergleichbar vielleicht mit dem Warten auf die Volljährigkeit, weil man dann vermeintlich alles darf.

Zuerst hatte ich gedacht, das ist so eine Phase, die vergeht wieder. Die Unlust hält aber an. Verdrängen klappt nicht („Hör auf dir was einzureden“), Selbstmotivation (Heute steht dies und das auf dem Plan, was du richtig gern machst.“) klappt nicht. Akzeptieren der Unlust auch nicht, meine innere Nörgelei zieht mich runter.

Kennen einige von euch solche Unlust-Phasen und wie seid ihr damit umgegangen? Am liebsten wäre mir ein Erfahrungsaustausch mit Menschen, die trotzdem „durchgehalten“ haben und es vielleicht sogar geschafft haben, sich morgens wieder auf die Arbeit zu freuen.

Vielen Dank schon einmal.

Inaktiver User
21.07.2017, 19:39
was würdest Du denn tun, wenn Du weniger /gar nicht mehr zur Arbeit gehst???

wie würdest Du dann Dein "Mehr" an "Selbstbestimmung und Freiheit" nutzen??

Inaktiver User
21.07.2017, 19:51
Sieben Jahre einfach abzusitzen und sich montags schon aufs Wochenende zu freuen - das stelle ich mir sehr öd vor. Wenn ich in deiner Situation wäre, würde ich überlegen, ob ich meinen Arbeitsschwerpunkt noch einmal verändern kann.

Wenn du ganz frei in deinen Überlegungen wärst: Was würdest du beruflich wirklich gern machen? Gibt es etwas, das du unbedingt noch machen möchtest? Hast du die Möglichkeit, deinen Arbeitsbereich zu verlagern? Vielleicht dein Wissen weitergeben oder unterrichten, wenigstens für einen Teil deiner Arbeitszeit?

Und wenn du mal von der Arbeit wegdenkst: Wohin möchtest du dich persönlich entwickeln? Siehst du die Chance, entweder deine persönliche Entwicklung mit deinem Arbeitsplatz zu verbinden oder etwas außerhalb der Arbeit zu machen, dass dich die Arbeit mit besseren Gefühlen erleben lässt?

Lea1958
21.07.2017, 23:07
Es ist nicht die eine große Sache, die ich tun möchte, sondern eher viele kleine.
Z. B., eine weitere Sprache richtig lernen (über Volkshochschul-Kurse am Abend dauert es einfach ewig, bis man ein bisschen was kann). Ausstellungen, Museen besuchen, wenn nicht die Massen unterwegs sind, mal für ein paar Monate in der Abgeschiedenheit verbringen, bei schönem Wetter einfach mal mit dem Fahrrad losfahren, Ausprobieren, ob Mobilitätsbegleiterin bei gehbehinderten Menschen oder Lesepatin in der Schule etwas für mich ist, mehr Enkelkinderbetreuung, viel mehr Bücher lesen, mich intensiver meinem Hobby widmen und auch an den sonstigen Aktivitäten der Hobbygruppe mal teilnehmen, mehr Zeit mit meiner schon recht alten Mutter verbringen und auch mit meinem Mann … mir fiele noch eine Menge ein.

Vielleicht liegt meine Unzufriedenheit ein Stück weit daran, dass einige meiner Freunde und gleichaltrigen Verwandten nicht mehr berufstätig sind, viele soziale Aktivitäten finden zu Zeiten statt, an denen ich nicht teilnehmen kann. Und am Abend bin oft zu müde, um nochmal loszuziehen bzw. schreckt mich die Vorstellung, mich am nächsten Tag unausgeschlafen durch den Tag zu schleppen. Mehr als ein bis zwei Abende unter der Woche schaffe ich es nicht, nach der Arbeit noch was zu unternehmen. Das ist schon länger so, nur hat es mich vorher nicht gestört.

Inaktiver User
22.07.2017, 08:46
Vielleicht liegt meine Unzufriedenheit ein Stück weit daran, dass einige meiner Freunde und gleichaltrigen Verwandten nicht mehr berufstätig sind, viele soziale Aktivitäten finden zu Zeiten statt, an denen ich nicht teilnehmen kann. Und am Abend bin oft zu müde, um nochmal loszuziehen bzw. schreckt mich die Vorstellung, mich am nächsten Tag unausgeschlafen durch den Tag zu schleppen. Mehr als ein bis zwei Abende unter der Woche schaffe ich es nicht, nach der Arbeit noch was zu unternehmen. Das ist schon länger so, nur hat es mich vorher nicht gestört.

das ist verständlich, klar hängt es damit zusammen, die "Gewichtung" hat sich verschoben......

Du willst weiterhin dazugeghören, doch so ein Spagat ist auf Dauer schwer machbar....

elli07
22.07.2017, 08:54
Es ist klar, dass es schwierig ist, Berufstätige und nicht (mehr) Berufstätige unter einen Hut zu bringen. Das ist in jeder Altersgruppe so.

Ich bin Vollzeit berufstätig (noch etwas unter 60 Jahre alt), ich muss für meinen Lebensunterhalt und den meiner Tochter sorgen, da habe es andere -meist Frauen-, die mit einem "Hauptverdiener" verheiratet sind, deutlich einfacher, die können sich bisweilen aussuchen, womit sie ihre Zeit verbringen, ob und in welchem Umfang sie berufstätig sind oder ob sie lieber intensiv einem Hobby frönen.

Dem "Hauptverdiener" geht es dann wie mir :knatsch:: er hat keine andere Wahl, als bis zuletzt täglich zur Maloche zu gehen. Dafür neidet mir bisweilen jetzt schon so manche/r meine auskömmliche eigene spätere Rente. Was ich unfair finde, aber das ist ein anderes Thema.

Jammern hilft nichts. Ich umgebe mich mit Menschen, die auch berufstätig sind (also nicht mit Rentnern), dann finden sich ausreichend Unternehmungen schwerpunktmäßig am Wochenende, aber auch mal unter der Woche, das klappt wunderbar. Jeden Abend kann natürlich keiner auf die Pirsch, aber das macht nichts.

Ich bin relativ viel kulturell unterwegs, gehe sehr viel ins Kino, ins Theater, die Oper und in Konzerte, besuche Ausstellungen. Ich kaufe Karten frühzeitig im Vorverkauf (Kino und Ausstellungen mache ich spontan), dann gehe ich auch hin, auch wenn ich am Abend selber bisweilen denke "eigentlich möchte ich jetzt lieber auf dem Sofa abliegen", aber wenn ich dann in der Veranstaltung bin ist es wunderbar.

Das Berufsleben selber versuche ich mit Anstand hinter mich zu bringen, die jahrzehntelange Routine bringt irgendwie Ruhe rein, ich rege mich nicht mehr über jeden Mist auf, vieles erledigt sich von alleine mit der Zeit. Ist mir nicht mehr so wichtig, denn Karriere will ich ja keine mehr machen, von demher.

Auf die Rente warten oder mich drauf freuen, das tu ich nicht: ich lebe im hier und jetzt und genieße das. Wer weiss denn, ob ich die Rente erlebe bzw. gesund bleibe, um viel zu unternehmen, dann hätte ich ja verdammt viel versäumt !:freches grinsen:

Gruß Elli

Inaktiver User
22.07.2017, 08:57
Es ist nicht die eine große Sache, die ich tun möchte, sondern eher viele kleine.

Vielleicht hilft es, dir eine Liste mit ganz konkreten Unternehmungen zu machen, mit Datum: Ausstellung XY im Museum Z, läuft noch bis dann und dann. Und dann mit dir selbst einen Termin machen für einen der beiden Abende in der Woche, an denen du etwas unternehmen willst. Bei mir funktioniert das ganz gut: ganz konkret, mit Datum und Eintrag im Kalender. Gleichzeitig freue ich mich, wenn ich was auf meiner Liste von interessanten Dingen, die ich unbedingt machen will, abhaken kann. Und diese Freude finde ich motivierend für weitere Unternehmungen.

Dass du dich aus den sozialen Aktivitäten ausgeschlossen fühlst, wenn die zu Zeiten stattfinden, wo du arbeiten musst, finde ich verständlich. Kannst du mit deinen Freunden reden und sie bitten, ganz bestimmte Dinge, an denen dir liegt, dann zu unternehmen, wenn du auch kannst? Auch wieder: ganz konkret, mit einem Terminvorschlag. Und für Zeit mit deiner Mutter oder deinem Mann hilft vielleicht auch ein Jour Fixe, eine feste Verabredung, die auch im Kalender steht.

Sariana
22.07.2017, 10:55
Lea,
warum ist Teilzeit keine Option? Zum Beispiel eine 4-Tage-Woche?

kleiner.TIGER
22.07.2017, 11:16
Ich "muss" noch ca. 2 Jahre - und habe meinen Vollzeit+-Job auf 4 sehr lange Tage verteilt.
Abends mache ich dann (außer Sport) sonst so gut wie nichts ausserhäusiges mehr.
Allerdings überlege ich auch nicht täglich, ob und wie lange ich das noch so will ... Es ist mein Job, früher aufhören geht nicht - und mein Leben findet JETZT statt: jeden Tag, inklusive Beruf.
Das Gesamtpaket ist mein Leben!

Suzie Wong
22.07.2017, 11:45
Ich gehöre hier gar nicht so richtig rein, denn ich habe noch 19 Jahre bis zur Rente, aber trotzdem finde ich das Thema sehr interessant und dieses Zitat finde ich so schön, dass ich es zeigen muss, zumal ich es auch absolut für mich selbst anwenden kann.

(...) Allerdings überlege ich auch nicht täglich, ob und wie lange ich das noch so will ... Es ist mein Job, früher aufhören geht nicht - und mein Leben findet JETZT statt: jeden Tag, inklusive Beruf.
Das Gesamtpaket ist mein Leben!

:blumengabe: wunderschön gesagt.

Edit: das ist interessanterweise auch das, was ich mir beruflich vorstellen könnte. Aktuell sind es 40 Stunden, da geht es nicht. Aber wenn ich mal auf 36 Stunden komme, würde ich gerne 4 Tage à 9 arbeiten.

Inaktiver User
22.07.2017, 14:43
:blumengabe: wunderschön gesagt.



:allesok:

Marl54
22.07.2017, 16:15
Ich bin jetzt 63 und ich habe keinen "Hauptverdiener" an meiner Seite. Eine Kürzung der Rente bei vorzeitigem Rentenbeginn kann ich mir also leider nicht leisten.

Dennoch merke ich schon seit einiger Zeit, dass die Luft allmählich raus ist. Ich kann mich auch immer schwerer aufraffen zur Arbeit zu gehen. Wenn ich da bin und alles gut läuft, ist erstmal wieder alles okay aber ich merke einfach, dass ich nicht mehr so leistungsfähig und konzentriert bin wie früher. Es gibt keine gravierenden Fehler aber es wurmt mich, wenn ich etwas vergessen habe und der Chef ist auch nicht gerade zimperlich mit mir.

Da denke ich schon manchmal, dass ich darauf sehr gut verzichten könnte.

Die Stoßzeiten während des Saisongeschäftes stecke ich immer schwerer weg. Beim letzten Mal bin ich sogar in unserem Laden einfach umgekippt. Seitdem habe ich einen Tinnitus. Ich hab nicht mehr die Geduld für Kunden. Alles fällt mir schwerer.

Wenn nicht das Wunder eines Lottogewinnes geschieht, muss ich das alles noch ein bisschen aushalten. Und der Chef muss mich aushalten. Aber das habe ich mir in vielen Jahren verdient.

Ein kleiner Lichtblick zeigt sich am Horizont: In einem Gespräch mit dem Chef habe ich neulich meinen Plan, spätestens mit 65 aufzuhören erläutert. Die letzten 8 Monate danach würde ich gerne minimal angestellt bleiben aber nur noch ganz wenig arbeiten. Damit ist er einverstanden. Und er sucht jetzt schon mal eine Nachfolgerin für mich, die mir eventuell schon vorher ein größeres Maß an Freiheit geben könnte.

Ich hab auch immer gerne gearbeitet aber die Nervenkraft schwindet. Ist einfach so.

Marl54
22.07.2017, 16:15
doppelt

Inaktiver User
22.07.2017, 16:30
Dass du dich aus den sozialen Aktivitäten ausgeschlossen fühlst, wenn die zu Zeiten stattfinden, wo du arbeiten musst, finde ich verständlich. Kannst du mit deinen Freunden reden und sie bitten, ganz bestimmte Dinge, an denen dir liegt, dann zu unternehmen, wenn du auch kannst? Auch wieder: ganz konkret, mit einem Terminvorschlag. Und für Zeit mit deiner Mutter oder deinem Mann hilft vielleicht auch ein Jour Fixe, eine feste Verabredung, die auch im Kalender steht.

Der Jour Fixe ist meine bewährte Lieblingsmethode, um Zeit mit zwei beruflich sehr eingespannten (und in einem Fall räumlich weiter entfernten) Freunden zu verbringen.

Als nicht einmal ganz Teilzeitarbeitende komme ich aus der anderen Ecke. Deshalb richte ich mich selbstverständlich nach den Zeiten, die günstig für meine Freunde sind. Diesen Vorschlag von rodrigue finde ich sehr gut.

Lea1958
22.07.2017, 17:11
Das mit dem Ausblenden von morgen bzw. den nächsten Jahren gelingt mir leider nicht. Das hat sowas von „Denken Sie jetzt nicht an einen blauen Elefanten.“

Das Hier und Jetzt genieße ich durchaus, ich bin mit meinem Leben auch eher glücklich als unzufrieden. Vielleicht stellt sich jetzt ein Gefühl ein, dass meine aktive Zeit für manches nicht mehr unendlich ist. Klar ist das der normale Lauf, aber die Akzeptanz ist dann nochmal was anderes.

Ich versuche auch Positives an meiner Berufssituation zu sehen. Andere in meinem Alter oder jünger sind zu krank, um zu arbeiten, mir fehlt nichts. Manche verlieren die Arbeit oder bekommen den goldenen Handschlag, weil sie nicht mehr braucht. Ich werde an meinem Arbeitsplatz gebraucht, bin nicht so ganz leicht und beliebig zu ersetzen, wie die Suche von Neubesetzungen in meinem Team gezeigt haben. Es gibt Aufgaben, auf die ich keine rechte Lust habe, aber das meiste macht mir Spaß. Neu ist vielleicht, dass ich die Aussichten auf eine berufliche Veränderung/Entwicklung gering sind. Mein Arbeitgeber achtet streng darauf, Diskriminierungen irgendwelcher Art zu vermeiden. Aber für langfristige Schulungen werden verständlicherweise die jüngeren Kolleginnen vorgeschlagen und mir schon mal gesagt, dass man mich für dieses oder jenes Programm für schon „zu erfahren“ hält. Wenn ich mit mir ganz ehrlich bin, habe ich auf Prüfungssituationen aber auch keine Lust mehr.

Meinen privaten Terminkalender versuche ich nicht zu voll zu machen, um mir Zeit für mich und für spontane Unternehmungen zu lassen. Gefühlt ist der Plan oft schon fast zu voll, wenn mehrere Sachen zusammenkommen, das würde das Gefühl von Unfreiheit eher verstärken.. Da sind fest das Hobby (ein bis zwei feste Termine/Woche plus Üben zu Hause), Mutter mindestens alle 14 Tage (eigentlich braucht sie mich häufiger, aber nicht zu den Zeiten, an denen ich kann), Kinder und vor allem Enkelkinder wenigstens einmal im Monat, dazu der Wunsch nach Bewegung zum Ausgleich der Schreibtischtätigkeit (versuche ich in den Arbeitsweg einzubauen) und Haushalts-Mini-Pflichtprogramm. Ich will dabei nicht mal sagen, dass ich wenig Freizeit habe, aber einfach wohl noch mehr Interessen. Das ist im Moment unausgewogen.

Teilzeit ist keine Option, weil ich Alleinverdienerin bin. Die bisherigen Rentenansprüche sind auch nicht so üppig, dass ich auf die Zuwächse durch Arbeit in den nächsten Jahren verzichten möchte. Ich denke, das Geld werden wir noch gut gebrauchen können.

Lea1958
22.07.2017, 17:17
Der Jour Fixe ist meine bewährte Lieblingsmethode, um Zeit mit zwei beruflich sehr eingespannten (und in einem Fall räumlich weiter entfernten) Freunden zu verbringen.

Als nicht einmal ganz Teilzeitarbeitende komme ich aus der anderen Ecke. Deshalb richte ich mich selbstverständlich nach den Zeiten, die günstig für meine Freunde sind. Diesen Vorschlag von rodrigue finde ich sehr gut.

Die Zeiten der Freunde sind nicht so leicht unter einen Hut zu bringen. Da sind die, die am frühen Abend wegen Erschöpfung schon ihre Ruhe haben wollen, und die, die um 10 Uhr abends fragen, wer noch mit ins Restaurant kommt, weil sie am nächsten Morgen ausschlafen können.
Es gibt natürlich auch die mit ähnlichem Tagesablauf wie ich, sie werden aber einfach weniger. Ich weiche jetzt mehr auf Kollegen und Bekannte aus, wenn ich Begleitung suche. Ob sich daraus neue Freundschaften entwickeln, bleibt abzuwarten.

elli07
22.07.2017, 17:44
Die Jahre um den Ruhestand herum sind irgendwie "Umbruchjahre", da lässt sich so manche Freundschaft nicht mehr so leicht pflegen, da die Interessen und die Zeiteinteilung bei Vollzeit-Berufstätigen und Rentnern/Teilzeitbeschäftigten doch recht unterschiedlich sind.

Ich empfinde das ähnlich wie in der Phase, wo es vom Single- zum Familienleben überging. Leute mit Kindern hatten nunmal plötzlich ganz andere Interessen und Tagesrythmen als Leute ohne Kinder.

Aber es ergben sich immer wieder neue Kontakte mit Leuten in ähnlicher Lebenssituation. Auf biegen und brechen an irgendwelchen "alten" Kontakten nur mit Klimmzügen festzuhalten ist meist nicht sinnvoll. Nicht selten gehen dann nämlich auch die gemeinsamen Gesprächsthemen aus :pfeifend:.

Gruß Elli

Silberlicht
24.07.2017, 15:23
Marl54
Dennoch merke ich schon seit einiger Zeit, dass die Luft allmählich raus ist. Ich kann mich auch immer schwerer aufraffen zur Arbeit zu gehen. Wenn ich da bin und alles gut läuft, ist erstmal wieder alles okay aber ich merke einfach, dass ich nicht mehr so leistungsfähig und konzentriert bin wie früher. Alles fällt mir schwerer.
Ich hab auch immer gerne gearbeitet aber die Nervenkraft schwindet. Ist einfach so.

:schild genau:
Alles was du so schreibst hat auch bei mir in den letzten zwei Arbeitsjahren zugetroffen. Zum Glück konnte ich sehr selbst bestimmt arbeiten und auch viel an jüngere, noch hochmotivierte und ehrgeizige Kolleginnen delegieren.
Auch wenn man es nicht will, das Arbeitstempo wird geringer, die Spannkraft weniger und die Belastbarkeit in Stresssituationen sinkt enorm. Trotzdem fühlt man sich abends wie ausgepowert und wundert sich auch noch, wieso so viel unerledigt geblieben ist.
Einsichtsvolle Chefs nehmen dann Druck weg und verlagern Manches an jüngere Mitarbeiter. Sie sind aber froh über das Wissen und die Erfahrung des älteren Dienstnehmers und honorieren es. Nur kurzfristig am schnellen Erfolg orientierte Chefs glauben, mit einem nur jungen Team alles besser zu managen!

Amboise
24.07.2017, 18:01
Lea, Deine Worte könnten auch meine sein :freches grinsen:.

Ich denke zur Zeit 2 Modelle durch:

In 4 Jahren mit Teil-Rente (allerdings auf die Hälfte natürlich mit Abzügen :niedergeschmettert:) auf halbe Tage gehen (ich arbeite 40 Stunden/Woche) oder auf 30 Stunden runtergehen, ohne Teil-Rente zu beziehen. Beide Modelle werde ich mir zu gegebener Zeit (ca. 1 Jahr vorher) mal ausrechnen lassen und dann entscheide ich, welche Variante ich nehme.

Da ich auch privat vorgesorgt und auch eine große Lebensversicherung nicht mehr bedienen muss, denke ich, würde ich den geldlichen "Ausfall" gut kompensieren können. Auch steht noch eine Betriebsrente im Hintergrund, sodass ich davon ausgehe, dass es trotz der vorgezogenen Minimierung der Arbeitszeit kein zu großes Loch gibt.

Aber wie gesagt, ich muss es mir ausrechnen lassen.

Ich arbeite sicher noch gern, keine Frage; aber ich gebe zu, dass mir so langsam 40 Stunden (und manchmal mehr) zu viel werden. Oft bin ich so abgeschlappt, dass ich wohl meine Sachzwänge noch schaffe, aber um 22 Uhr kriegt mich auch keiner mehr unter der Woche ins Restaurant oder in den Biergarten. Um halb 5 klingelt bei mir der Wecker und oft kommt es vor, dass ich wohl noch die Tagesschau mit "Guten Abend meine Damen und Herren" mitkriege, aber dann schon das Wetter kommt :freches grinsen:. Ja ... und ...., was war dazwischen? :ooooh: Da bin ich mal eben weggenickt.

Ich merke auch, dass ich mit meiner Zeit andere Dinge tun möchte, es aber mit voller Berufstätigkeit nur begrenzt schaffe. Ich tröste mich auch immer damit, dass viele nur zu gern mit mir tauschen würden; aber so richtig hilfreich ist es oft nicht, wenn ich so ne "Tour" kriege, wo mich alles anko.... :krank:.

Inaktiver User
24.07.2017, 18:09
Ich finde mich hier in vielem wieder...

Aber eigentlich weigere ich mich, das als mein persönliches "Versagen" anzusehen, von wegen geringerer Leistungsfähigkeit etc pp. Das empfinde ich gar nicht so - aber sehr wohl eine zunehmende Desillusionierung und Demotivation seitens des Arbeitgebers.

Ich bin nicht mehr so leistungsbereit wie eine 30jährige, das stimmt wohl - aber wenn die mal 25 Jahre den Irrsinn mitmacht und merkt, dass sie sich hat nur die Möhre vor die Nase halten lassen damit sie schneller rennt - die Möhre aber dennoch nie kriegt, dann lässt sie das rennen wohl auch sein.

Das ist so eher mein Status Quo grad.

Ich werd demnächst auch mal zur Rentenberatung gehen, und mich informieren wie lang genau ich eigentlich noch arbeiten muss, und dann schauen, ob ich nicht auch auf 30h reduziere, und auf vier Tage.

Klar ist die Rentenhöhe entscheidend, aber ob das soviel ausmacht, weiss ich gar nicht. Lieber such ich mir dann in Rente nen kleinen Nebenjob.

Amboise
24.07.2017, 18:28
Aber eigentlich weigere ich mich, das als mein persönliches "Versagen" anzusehen, von wegen geringerer Leistungsfähigkeit etc pp. Das empfinde ich gar nicht so - aber sehr wohl eine zunehmende Desillusionierung und Demotivation seitens des Arbeitgebers.

Das sehe ich bei mir genauso. Ich bin (noch) leistungsfähig und vor allen Dingen stress-resistent :smirksmile:. Da kann alles um mich rum den "Affen" machen, ich bleibe ruhig :smirksmile:. Jahrelange Übung.

Und mein Arbeitgeber wiegt mich nicht im "Altenteil". Wir müssen genauso ran, wie die Jungen. Neue Technik, neue Rechtsprechung, Vertretungen wuppen etc. pp. Da haben wir vor Jahren auf unsere "Oldies" noch Rücksicht genommen, aber heute ist das kein Thema mehr. Jeder wird gebraucht.

Inaktiver User
24.07.2017, 18:31
Das sehe ich bei mir genauso. Ich bin (noch) leistungsfähig und vor allen Dingen stress-resistent :smirksmile:. Da kann alles um mich rum den "Affen" machen, ich bleibe ruhig :smirksmile:. Jahrelange Übung.


Genau das. Ich lass mich nur nicht mehr ausquetschen wie eine Zitrone, weil irgendwer mit vagen Karriereversprechen winkt - von denen man eben inzwischen weiß, dass das eh nur heiße Luft ist damit man auch noch das letzte gibt. Das hat aber eben nichts mit mangelnder Leistungsfähigkeit zu tun.

Amboise
24.07.2017, 18:48
Ich lass mich nur nicht mehr ausquetschen wie eine Zitrone, weil irgendwer mit vagen Karriereversprechen winkt -

Karriere ist eh vorbei :freches grinsen:. Mein Beruf (sleben) war schon immer sehr stressanfällig und beizeiten musste ich mir eine Einstellung zulegen. Was mir stets als Erstes auffiel war, dass die Leute einen Wind um nix gemacht haben. Alles war ja soooo enorm wichtig, was bei genauerer Betrachtungsweise eigentlich unwichtig war. :freches grinsen:

Deshalb war meine 1. Amtshandlung: Erstmal die Leute wieder auf den Boden der Tatsachen holen, dann sehen, was getan werden muss und die beruhigende Äußerung "Alles wird gut" :freches grinsen:. Den Chef natürlich auch da abholen, wo er gerade aufgestiegen war und dann konnte ich in Ruhe meine Arbeit machen :smirksmile:.

Heute ist mein Tätigkeitsfeld etwas anders (ich habe die Seiten gewechselt), aber es herrscht immer noch Termindruck. Dann wird eines nach dem anderen erledigt (alles andere bleibt liegen). Prioritäten setzen, so einfach ist das :smirksmile:.

Und ja, mittlerweile will ich einfach raus aus dem Hamsterrad. Sollen jetzt mal andere laufen :smirksmile:.

Inaktiver User
24.07.2017, 18:51
Was mir stets als Erstes auffiel war, dass die Leute einen Wind um nix gemacht haben. Alles war ja soooo enorm wichtig, was bei genauerer Betrachtungsweise eigentlich unwichtig war. :freches grinsen:


Genau das. Ich sag ja gerne, Leute, das Gras wächst nicht schneller weil ihr daran zieht. :engel:

Amboise
24.07.2017, 19:08
Ich sag ja gerne, Leute, das Gras wächst nicht schneller weil ihr daran zieht. :engel:

:freches grinsen:

Ich war und bin ja schon immer sehr offen zu meinen Leutchen gewesen, aber den Spruch werde ich mir merken! :smirksmile:

Und meine Erfahrung: Genau das wollen die Leute. Das ist so in etwa, wenn auch die Hebamme am Rad dreht, während die Mutter (einschließlich Vater) Schnappatmung haben. :smirksmile:

Es nutzt ja nix: Alles braucht seine (Bearbeitungs-) Zeit und in meinem Job war ich es nicht allein. Da waren oft andere Verwaltungen noch eingeschlossen, die auch nicht auf Herrn oder Frau XY gewartet haben. Viele nehmen sich schlicht zu wichtig.

Aber mit netten, bestimmten Worten waren letztlich alle handzahm :smirksmile:.

Lea1958
24.07.2017, 20:35
Am Arbeitsplatz geht es mir ja gut. Ich bin mir meines Werts bewusst und bekomme auch Anerkennung. Nur, obwohl mein Arbeitsgebiet als sehr abwechslungsreich gilt, langweilen mich manche Vorgänge eben doch. Irgendwann wird eben auch die Abwechslung zur Routine. Wahrscheinlich mache ich vergleichbare Sachen einfach schon zu lang.

Aber gut, einen Wechsel strebe ich nicht mehr an. Bei meinem Arbeitgeber bin ich jetzt seit fünf Jahren und man kann dort gut alt werden.

Zeitweise Erschöpfung ist aber durchaus auch ein Thema bei mir. Üblicherweise bin ich wochentags um die 11 Stunden außer Haus (Arbeitzeit plus Pausen plus Arbeitsweg) und Abendveranstaltungen fallen mir danach schon schwer. An meinem wöchentlichen Hobby-Abend kommen dann nochmal etwa 3,5 Stunden dazu, danach bin ich wirklich alle (und habe dann blöderweise auch noch häufiger das Problem nicht einschlafen zu können, der nächste Tag fällt dann auch noch schwer). Im Moment denke ich darüber nach, einen abendlichen Sprachkurs zu belegen, leider wird der sinnvollste Kurs nur direkt am Tag nach meinem festen Hobbytag angeboten. Ich bin sehr am überlegen, ob das dann überhaupt Sinn machen würde oder ob das nicht herausgeworfenes Geld wäre.
Das sind insbesondere die Momente, an denen ich denke, die Arbeit stört.

Teilweise nehme ich auch Urlaub oder nehme einen Ausgleichstag für Mehrarbeit, um manche Aktivitäten entspannt machen zu können, aber das geht natürlich auch nur sehr begrenzt bzw. würde sonst eben wieder anderes, wie z. B. "richtiger" Urlaub, hinten runterfallen.

Eigentlich will ich ja wieder weg davon, die Arbeit als Störfaktor zu empfinden. Ich hätte sie gefühlt gern wieder als einen ganz normalen Teil meines Lebens, über den ich nicht nachdenke.

Silberlicht
25.07.2017, 12:08
Ich denke, je älter man wird, umso weniger will man fremd bestimmt sein und man nimmt sich und seine Wünsche mehr wahr!
Daher auch der verständliche Wunsch, mehr Zeit für sich selbst zu haben!

Amboise
25.07.2017, 18:03
Eigentlich will ich ja wieder weg davon, die Arbeit als Störfaktor zu empfinden. Ich hätte sie gefühlt gern wieder als einen ganz normalen Teil meines Lebens, über den ich nicht nachdenke.

Die Arbeit selbst sehe ich nicht als Störfaktor. Die Zeit ist es bei mir und wahrscheinlich auch bei Dir, die wir dafür "verbraten".

Wie gesagt: In 4 Jahren wird es für mich akut und je nach dem welches Modell finanziell besser rüberkommt, werde ich die Arbeitszeit reduzieren, dann aber durchziehen bis zum Ende.

Lea1958
30.07.2017, 15:52
Danke schon einmal für eure Beiträge.

Da ich mich nicht so recht damit abfinden möchte, die Arbeit, die ja einen großen Teil meiner Zeit einnimmt, als eher ungeliebten Teil meines Lebens zu betrachten, bin ich nun am Überlegen, ob ich mich nicht noch einmal um ein anderes Aufgabengebiet bemühen möchte. Dieser "Neu-"Effekt hat ja erst einmal etwas Beflügendes.

Ich habe jetzt einen Termin mit einem Personalverantwortlichen in unserer Firma vereinbart. Mal sehen, ob sich da was ergibt, was ich mir und man sich mit mir vorstellen kann. Leider gibt es sehr wenige Stellen, die entsprechend meiner jetzigen bezahlt werden. Wenn ein Wechsel mit einer spürbar geringeren Bezahlung verbunden wäre (ohne dass die Arbeit dadurch unqualifizierter wäre), müsste ich nochmal sehr genau überlegen und rechnen, weil ich fixe Kosten zu decken habe und mich auf eine bestimmte Rentenhöhe eingerichtet habe.
Hätte ich auch nicht gedacht, dass Geld bei der Wahl meines Arbeitsplatzes mal ein zentrales Thema werden könnte.