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Opelius
03.02.2007, 17:59
diesen neuen Film von Chris Kraus habe ich mir gestern in einem Programmkino angetan. Sehr, sehr empfehlenswert !

Hauptdarstellerinnen sind Monica Bleibtreu (die Mama von Moritz) und die junge Hannah Herzsprung. Es ist ein Film in einem ostdeutschen Frauengefängnis. Eine alte Klavierlehrerin unterrichtet ehrenamtlich Frauen im Gefängnis, dabei begegnet ihr eine agressive (und autoagressive) junge Mörderin. Sie entdeckt ihr Talent und will sie bei "Jugend musiziert" anmelden.
Dabei entsteht eine sehr enge und komplizierte Beziehung zwischen der sehr alten Klavierlehrerin und der jungen Strafgefangenen.
Die unwirkliche Atmosphäre eines Gefängnisses wird ausgeleuchtet, das Leben in Angst, Aggression und Wut (auch auf Seiten des Wachpersonals) in bedrückender Weise aufgezeichent.

Dennoch sind Szenen voll Humor und echte Lacher im Kinosaal drin. Bevor nicht der ganze Abspann abgelaufen war, stand keiner im vollgefüllten Saal auf. So ergriffen waren die Zuschauer.

Ich habe schon lange nicht mehr einen so guten Film gesehen.
http://www.cinema.de/film_aktuell/filmdetail/film/?typ=inhalt&film_id=660006

Inaktiver User
03.02.2007, 18:12
Ja, den will ich auch sehen, habe eine kurze Szene im Fernsehen gesehen.....erzähl noch mal ein bisschen....:blumengabe:

Opelius
05.02.2007, 15:26
Kann leider erst heute antworten.

Der Film fängt schon sehr stark an: die junge Strafgefangene (Hannah Herzsprung) wacht in ihrer Zelle auf und es baumelt ihre Zellengenossin am Fenster. Erst nimmt sie sich deren Zigaretten aus der Hosentasche und raucht eine, bevor sie den Alarmknopf drückt.

Die Auseinandersetzung zwischen der alten Klavierlehrin und der jungen begabten Pianistin beginnt mit den Forderungen der alten Dame nach unbedingtem Gerhorsam, keinen Widersprüchen (in Wort und Gestik) und Demut. Das ist zwar überhaupt nicht das Lebensziel der jungen Frau, aber die Chance endlich wieder spielen zu können lässt sie das so akzeptieren. Der Unterricht ist fast zu Ende, als die junge Frau den Aufsichtsbeamten Mütze krankenhausreif schlägt.
Die Klavierlehrin erkennt das große Talent der jungen Frau und will sie für "Jugend Musiziert" anmelden. Dabei muss sie alle Widerstände der Vollzugsbamten und vor allem des Direktors des Fraeunknastes überwinden. Sie kennt den Betrieb als Ehrenamtliche länger und besser als alle Bediensteten.

Es entwickelt sich eine zurückhaltende Zuneigung zwischen den beiden Frauen und im Laufe der geschichte kommt einmal die alte Schuld eines Verrates am Ende des Krieges zum Vorschein und auf der anderen Seite die Inzestbeziehung zwischen dem Vater und der minderjährigen Pianistin.

Der intensive Klavierunterricht wird von den mitgefangenen Frauen als eine Bevorzugung gesehen und sie verfolgen das Mädchen mit allem Hass. Der zusammengeschlagene Vollzugsbeamte sinnt auf Rache und erhält Unterstützung von seinen Kollegen. Ihr Auftritt beim Bundesfestival in der Berliner Oper ist ernsthaft gefährdet. Da macht die alte überkorrekte Dame etwas, was ihrem Wesen eigentlich widerstrebt. Sie organisiert einen Ausbruch.

Alle Rollen, auch die Nebenrollen, werden von bekannten und ausgezeichneten Schauspielern dargestellt. Da stimmt einfach alles, es ist nachvollziehbar und nachfühlbar.

Die völlige Unterordnung der jungen Strafgefangenen unter die Fuchtel der alten strengen Dame wird ab und zu von ihr durchbrochen und mit Gefühlskälte beantwortet. Dennoch am Schluß des Films befreit sie sich von den Anweisungen und bringt beim Festival, das was sie am liebsten mag: Ihren ganz eigenen Musikstil.

Inaktiver User
05.02.2007, 21:33
Tolle Inhaltsangabe, werde den Film morgen anschauen......vielen Dank!